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Full text of "Krankenhaus-Lexikon für das Deutsche Reich; die Anstaltsfürsorge für Kranke und Gebrechliche und die hygienischen Einrichtungen der Städte im Deutschen Reich am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, nach amtlichen Quellen"

. 












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Krankettbaifs-texikon 

für das Deutsche Reich. 



Die fltmaltsfürsorge für Kranke und Gebrechliche 

und die l?pgienisd>en 6inrid)tungen der Städte 

I 

im Deutschen Reich am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. 

nach amtlichen Quellen 

herausgegeben uon 

Professor Dr. K 6iW$ta<Jt 

Gebeimer tT?edicinalratb 
mitglled des Königlicb Preussiscbcn statistisdjen Bureaus. 




Berlin 1900 
Verlaß uon 6eora Reimer. 



Digitized by the Internet Archive 

in 2012 with funding from 

Open Knowledge Commons and Yale University, Cushing/Whitney Medical Library 



http://www.archive.org/details/krankenhauslexikOOgutt 



Vorwort. 



JUas Deutsche Reichs-Komitee für die Ausstellung in Paris (Gruppe für Krankenhäuser) 
hatte die Absicht, den Stand der Anstaltsfürsorge für Kranke und Gebrechliche im Deutschen 
Reiche am Anfang des 20. Jahrhunderts an der Hand von Modellen, Beschreibungen und 
Zeichnungen in anschaulicher Weise vorzuführen. Da bei der endgiltigen Berathung über die 
Durchführung dieses Planes darauf hingewiesen werden musste, dass für diesen Zweck der ver- 
fügbare Raum nicht ausreiche, so übernahm ich es auf Wunsch der Versammlung, durch die 
Abfassung eines Buches nnter dem Titel: „Krankenhaus-Lexikon für das Deutsche Reich" den 
Plan zur Ausführung zu bringe^. 

Die hohen Regleningen der Bundesstaaten haben durch die ertheilte Erlaubniss zur 
Benutzung des amtliehen Materials die Durchführung dieses Unternehmens möglich 
gemacht. Der thatkräftigen Unterstützung der staatlichen und der städtischen Be- 
hörden, der lebhaften Betheiligung der Herren Medizinalbeamten und Anstaltsärzte 
wie der Bereitwilligkeit der Anstaltsvorstände ist es demnach vorzugsweise zu danken, 
wenn es gelungen ist, über die Anstaltsfürsorge für Kranke und Gebrechliehe im Deutschen 
Reiche am Anfange des zwanzigsten Jahrhunderts die neuesten Nachrichten auf den nach- 
folgenden Blättern zusammenzustellen. 

Die Erwägung, dass auf die Leistungen der Anstalten für Kranke und Gebrechliche die 
hygienischen Einrichtungen derselben einen hervorragenden Einfluss ausüben, und dass die Her- 
stellung solcher Einrichtungen vorwiegend von den öffentlichen hygienischen Einrichtungen 
des Ortes abhängig ist, legte es nahe, der Beschreibung der Krankenanstalten eines Ortes 
Angaben über die öffentlichen hygienischen Einrichtungen in demselben vorangehen zu lassen. 
Die Beschaffung des darauf bezüglichen Materials haben die Medizinal-Abtheilungen der 
Königlichen Kriegsministerien der Bundesstaaten in der wirksamsten Weise ver- 
anlasst. Infolge dieser fürsorglichen Anordnungen konnten über die hygienischen Einrichtungen 
in Garnisonorten eingehendere Mittheilungen gemacht werden, während ausserdem für eine 
grosse Anzahl anderer Orte, in denen Heilanstalten u. s. w. sich befinden, den Akten des 
Kaiserlichen Gesundheits - Amtes, deren Einsichtnahme in der freundlichsten Weise gestattet 
wurde, ferner den Sanitätsberichten der Medizinalbeamten, den Verwaltungsberichten der 
Städte und anderen Quellen die gleichen Angaben entnommen werden konnten. So enthält das 
Buch für alle Städte mit mehr als 15 000 Einwohnern, für alle Garnisonorte im Deutschen Reiche 
und auch für andere Orte kurze Angaben über die Zeit der Errichtung, über System, Anlage- 
kosten, Leistung der Wasserversorgung durch Wasserleitung, der Schlachthäuser, der 
Entwässerungsanlagen, der öffentlichen Desinfektionsanstalten, der Badeanstalten, 
sowie Nachrichten über ärztliche Leichenschau und über das Datum der letzten Bau- 
Polizeiordnung. 

Aus den Mittheilungen über das Gebiet der öffentlichen Gesundheitspflege 
wird der Leser schon den Eindruck erhalten, dass bedeutende Leistungen für die Gesundheit 
ihrer Einwohner zahlreiche Städte und Gemeinden unter den rund 3000 Orten, die in dem vor- 
liegenden Buche aufgeführt sind, fast ausschliesslich seit dem Erstehen des Deutschen Reiches 
aufzuweisen haben. Die vorgeführte Anstaltsfürsorge für Kranke und Gebrechliche lehrt 
indess, dass dieses Gebiet der menschenfreundlichen Fürsorge an dem Aufschwunge der 
Deutschen Bundesstaaten in den letzten 30 Jahren ebenfalls in hervorragender Weise theil- 
genommen hat. 



IV 



Vorwort. 



Ueber (rund) 6300 Anstalten liegen in diesem Buche mehr oder weniger vollständige 
Nachrichten vor. Es ist dadurch nachgewiesen, dass zur Aufnahme von Kranken, Irren, Siechen 
u. s. w. zur Zeit mehr als 370 000 Betten bereit stehen. Soweit Angaben vorgelegen haben, 
dies war für 4500 Anstalten der Fall, ist festgestellt, dass mindestens 1 G50 000 Kranke und 
Gebrechliche aller Art in einem Jahre (1898 bezw. 1899) in den Anstalten verpflegt worden sind. 

Ein weites und segensreiches Feld christlicher Nächstenliebe und Barmherzigkeit tritt 
durch diese Zahlen in die Erscheinung. Es handelt sich hier um die erfolgreiche Bekämpfung 
und Linderung menschlichen Elends, das den Körper, den Geist oder einzelne Sinne vieler 
Tausender in jedem Jahre heimsucht. Ob aber die vorgeführte Leistung auf diesem Gebiet 
gegen frühere Zeiten erheblich gestiegen sei, diese Frage ist für das ganze Deutsche Reich 
ans naheliegenden Gründen im Vergleich mit dem Anfang des neunzehnten Jahrhunderts 
nicht ziffermässig zu beantworten. 

Nach Erstehung des Deutschen Reiches lässt sich indess die Erhebung über die Anzahl 
der Heilanstalten, welche am 1. April 1876 auf Anordnung des Bundesraths im Deutschen 
Reiche stattgefunden hat, zu einer Vergleichung mit dem Ergebniss des vorliegenden Kranken- 
haus-Lexikons heranziehen. 

Es waren 1876 ermittelt: .... 3000 Anstalten mit 140900 Betten; 
„ „ 1900 dagegen vorhanden: 6300 „ „ 370 000 .. . 

Für die einzelnen Bundesstaaten liegt folgendes Ergebniss vor: 



Anzahl der Anstalten Anzahl der Betten 



1876 



1900 



1876 



1900 



Königreich Preussen 

„ Bayern 

„ Sachsen 

„ Württemberg 

Grossherzogthum Baden 

„ Hessen 

„ Mecklenburg-Schwerin . . 

„ Sachsen-Weimar-Eisenach . 

„ Mecklenburg-Strelitz . . . 

„ Oldenburg 

Herzogthum Braunschweig 

„ Sachsen-Meiningen 

„ Sachsen-Altenburg 

„ Sachsen-Coburg und Gotha . . 

„ Anhalt 

Fürstenthum Schwarzburg-Rudolstadt . . . 
,, Schwarzburg-Sondershausen . . 

„ Waldeck und Pyrmont . . . . 

„ Reuss älterer Linie 

„ Reuss jüngerer Linie . . . . 

Schaumburg-Lippe 

Lippe 

Freie und Hansestadt Lübeck 

„ Bremen 

„ Hamburg 

Reichsland Elsass-Lothringen 



1626 

476 

15S 

149 

141 

69 

41 

27 

11 

•20 

9 

15 

6 

12 

14 

9 

4 

5 

3 

6 

3 

5 

6 

10 

23 

130 



3892 

732 

299 

275 

274 

84 

87 

56 

13 

37 

45 

25 

14 

36 

29 

13 

11 

11 

3 

16 

4 

18 

12 

35 

55 

222 



76 310 

20 800 

8 006 

6 487 

6 400 

3111 

1845 

823 

297 

846 

646 

554 

44ü 

391 

733 

128 

102 

135 

46 

98 

64 

286 

287 

680 

3126 

8 151 



214 320 

39 511 

22 75 5 

17 213 

16 704 

6 679 

3 441 

2 942 

398 

2 036 

2 940 

1092 

749 

1001 

1740 

626 

298 

415 

104 

508 

81 

971 

777 

2 290 

8 855 

20 231 



Demnach ist die Zahl der Anstalten und der Betten für Kranke und Gebrechliche, be- 
sonders in den grösseren Staaten, 1900 bedeutend grösser als im Jahre 1876. 

Bei dieser Vergleichung ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Methode der Erhebung der 
Nachrichten im Jahre 1876 eine andere als im Jahre 1900 gewesen ist. Während 1876 eine 



Vorwort. V 

summarische Nachweisnng der Anstalten von allen Bundesstaaten geliefert worden ist, 
liegen für 1900 Nachrichten über jede einzelne Anstalt vor. Letztere Art der Beschaffung 
des Materials beeinflusst die Reichhaltigkeit desselben an und für sieh schon günstig; ausserdem 
kommt noch der Umstand hinzu, äass Privatanstalten mit weniger als 10 Betten und Anstalten 
für Gebrechliche und Sieehe mit und ohne Abtheilungen für körperlich Kranke, insbesondere 
aus den grösseren Städten, in die Erhebung für 1900 hineinbezogen worden sind, was im Jahre 
1876 nicht der Fall war. Die Anzahl dieser Anstalten fällt jedoch für diesen Vergleich nicht 
erheblich ins Gewicht. 

Für Preussen ist es jedoch möglich, da das von mir bearbeitete „Krankenhaus-Lexikon 
für das Königreich Preussen" im Jahre 1885 in derselben Weise wie das vorliegende entstanden 
ist, mit grösserer Sicherheit zu untersuchen, ob eine beträchtliche Zunahme der Kranken- 
anstalten u. s. w. stattgefunden habe. Es sind für Preussen ermittelt: 

1876 1885 1900 

Anstalten 1502 2040 3900 

Betten in denselben . . 73 091 109 934 214 320. 

Offenbar geht aus diesen Zahlen hervor, dass die Anstaltsftrsorge für Kranke und Gebrech- 
liche in "24 Jahren beträchtlich gestiegen ist. Dass aber Arme und wenig Bemittelte, zu denen 
die Anstaltsinsassen fast ausschliesslich gehören, in zunehmender und in so grosser Zahl ärztliche 
Hilfe oder Versorgung in Anstalten finden können, diese Thatsache ist jedenfalls ein Beweis für 
den hohen Kulturzustand unseres Vaterlandes. Besonders muss hervorgehoben werden, wie 
Kranken und Gebrechlichen gegenüber religiöse Gemeinden, Genossenschaften und Vereine, welt- 
liche Vereinigungen und einzelne Wohlthäter in der erfreulichsten Weise eine Opferwilligkeit an den 
Tag legen, die mit den Bestrebungen im Mittelalter, mit den frommen Stiftungen in jener Zeit 
jeden Vergleich aushalten. Dazu kommt, dass neben der Wohlthätigkeit jetzt die Selbstver- 
waltung der politischen Gemeinden an der Fürsorge für Kranke und Gebrechliche sich in einer 
Weise betheiligt, wie es beim Beginn des 19. Jahrhunderts nicht für möglich gehalten worden 
wäre. Dafür dürfte folgende Betrachtung einen Beweis liefern. 

Der Gedanke, dass der Staat in seiner Gesammtheit ein grosses wirtschaftliches Gebiet 
für die Thätigkeit aller seiner Angehörigen, für den freien Austausch ihrer Kräfte bilde, dass 
als wirthschaftliche Heimath das Vaterland in seiner Gesammtheit erscheine, und 
dass es der freien Willensbestimmung des Einzelnen überlassen bleibe, wie und wo er seine 
wirthschaftliche Thätigkeit entfalten und zu diesem Zweck seinen Aufenthalt nehmen wolle, 
beherrschte die politische und wirthschaftliche Verfassung des Norddeutschen Bundes und 
später die des Deutschen Reiches. Für alle Gesetze auf diesem Gebiete liefert das Fundament 
das Gesetz vom 1. November 18G7, betreffend die Freizügigkeit, insbesondere aber für 
das Reichsgesetz über den Unterstützungswohnsitz vom 6. Juni 1870, abgeändert 
durch Gesetz vom 12. März 1894. 

Folgende Bestimmungen sind daraus besonders hervorzuheben: Wer innerhalb eines Orts- 
armenverbandes nach zurückgelegtem achtzehnten Lebensjahre zwei Jahre lang ununter- 
brochen seinen gewöhnlichen Aufenthalt gehabt hat, erwirbt dadurch in demselben den 
Unterstützungs Wohnsitz (§ 10). Die zweijährige Frist läuft von dem Tage, an welchem 
der Aufenthalt begonnen ist. Durch den Eintritt in eine Kranken-, Bewahr- oder Heilanstalt 
wird jedoch der Aufenthalt nicht begonnen (§11). Kinder erwerben durch Abstammung 
den Unterstützungswohnsitz (§ 18). Wenn Personen, welche gegen Lohn oder Gehalt in einem 
Dienst- oder Arbeitsverhältniss stehen, oder deren ihren Unterstützungswohnsitz theilende 
Angehörige, oder wenn Lehrlinge am Dienst- oder Arbeitsorte erkranken, so hat der Orts- 
armenverband dieses Ortes die Verpflichtung, den Erkrankten die erforderliche Kur und 
Verpflegung zu gewähren l§ 29). Die Unterstützungspflicht gegen jeden hilfsbedürftigen 
Deutschen bestimmt § 28. 

Im Anschluss an dieses Reichsgesetz sind die Ausführungsbestimmungen für Preussen 
bemerkenswerth, welche durch Gesetz vom 11. Juli 1891 in Abänderung der §§ 31, 65 und 6S 
des Gesetzes zur Ausführung des Bundesgesetzes über den Unterstützungswohnsitz vom 
8. März 1871 folgenden Inhalt erhalten haben: 

§ 31. Die Landarmenverbände sind verpflichtet, für Bewahrung, Kur und Pflege der 
hilfsbedürftigen Geisteskranken, Idioten, Epileptischen, Taubstummen und Blinden. 



VI Vorwort. 

soweit dieselben der Anstaltspflege bedürfen, in geeigneten Anstalten*) Fürsorge zu treffen. 

§ 31a Der Landarmenverband ist berechtigt, sofern es sich nicht um einen landarmen 

Hilfsbedürftigen handelt, vorbehaltlich anderweitiger Vereinbarung Ersatz der sonstigen 

Kosten von dem endgiltig unterstützungspflichtigen Ortsarmenverband zu verlangen 

§ 31 d Land- und Stadtkreise können mit Genehmigung des Oberpräsidenten auch 

in Zukunft die Fürsorge für hilfsbedürftige Geisteskranke, Idioten, Epileptische, Taubstumme 

und Blinde in eigenen Anstalten übernehmen § 31 e. Die Landarmenverbände, Kreise 

und die aus mehreren Gemeinden und Gutsbezirken zusammengesetzten Kommunalverbände sind 
auch ferner befugt, die Fürsorge für Sieche unmittelbar zu übernehmen. Die gleiche Befugniss 
verbleibt den Kreisen und den Kommunalverbänden hinsichtlich der hilfsbedürftigen 
Kranken. 

Demnach besteht die gesetzliche Pflicht, jedem hilfsbedürftigen Deutschen oder Ausländer 
die erforderliche Pflege in Krankheitsfällen zu gewähren und geeigneten Falles für die Unter- 
bringung in einem Krankenhause, in einer Irrenanstalt u. s. w. zu sorgen. Jeder Bundesstaat 
hat aber das Becht, Aufsicht über die Anstalten zu führen, neue Gründungen derselben von 
der Zustimmung der Aufsichtsbehörden abhängig zu machen, Mängel und Missbräuche in den 
Anstalten aufzudecken und deren Beseitigung zu veranlassen. 

Diese Bestimmungen erklären es, dass die Anzahl der Krankenanstalten u. s. w. gegen 
früher bis zum Jahre 1900 so bedeutend gestiegen ist. Unverkennbar ist auch in der neueren Zeit die 
Verpflichtung an die politischen Verbände viel stärker als früher herangetreten, die Herstellung 
von Kranken- und Irrenanstalten planmässig durchzuführen. Für die Irrenversorgung hat 
die Selbstverwaltung grösserer Körperschaften (Provinzen in Preussen u. s. w.) einzutreten und 
sucht aus der Zählung der Geisteskranken durch besondere Erhebung oder bei Gelegenheit der 
Volkszählung und aus dem Andrang zu den Lrenanstalten neben der Berücksichtigung sonstiger 
Verhältnisse das Bedürfhiss für ihre Unterbringung zu erkennen. Wie sehr diese Art von Anstalten 
zugenommen hat, geht daraus hervor, dass die Anzahl derselben von 199 mit 2S 300 Betten im 
Jahre 1876 auf 391 mit ST 000 Betten im Jahre 1900 gestiegen ist. (Vgl. Sachregister S. 922.) 
Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Irrenanstalten in neuester Zeit viel grösser und ausser- 
halb der Städte angelegt werden und dass in den Krankenhäusern der grösseren Städte ausser- 
dem noch besondere Abtheilungen für Geisteskranke bestehen. 

Aenderungen auf dem Gebiete der Anstaltsfürsorge für Geisteskranke gehen jedoch in 
das neue Jahrhundert hinüber, die für die künftige Berichterstattung andere Gesichtspunkte als 
bisher verlangen werden. So wird z. B. die familiäre Irrenpflege eine immer grössere 
Ausdehnung gewinnen. Hat doch schon der Landtag der Provinz Sachsen auf Antrag des nach 
fast 25jähriger segensreicher Thätigkeit aus dem Amte als Landeshauptmann der Provinz 
Sachsen scheidenden Grafen v. Wintzingerode am 2. Februar d. J. beschlossen: „1. Von 
den der Fürsorge des Provinzialverbandes bereits anheimgefallenen und in Zukunft noch anheim- 
fallenden Geisteskranken und Idioten werden diejenigen, die sich zur familiären Verpflegung 
eignen, in Familien untergebracht, welche die Gewähr einer sachgemässen Behandlung und 
Verpflegung bieten; 2. als Durchgangs- und Stützpunkt für die Ausbreitung der familiären 
Irrenpflege werden zwei zur Aufnahme von je 150 Kranken geeignete Landesasyle erbaut 
und eingerichtet.'' Für die Errichtung von Stadtasylen treten ebenfalls hervorragende 
Irrenärzte ein. Ferner werden geisteskranke Verbrecher (Untersuchungs- und Straf- 
gefangene) von den Irrenanstalten künftig mehr als bisher ferngehalten und in besonderen 
Anstalten untergebracht werden. Dank den Fortschritten der psychiatrischen Wissenschaft 
verschwinden die Irren - Bewahranstalten, der Kasernenstil wird durch das Pavillonsystem 
abgelöst und einfache ländliche Wohnhäuser, Beschäftigung mit Landwirtschaft oder Hand- 
werken verschiedener Art, freiere Behandlung der Irren als Kranke, sind Forderungen der 
Irrenärzte, welche die Vorurtheile und das Misstrauen gegen die Irrenanstalten überwinden und 
Heilstätten für Geisteskranke im neuen Jahrhundert schaffen werden. Dazu treten die 
Bestrebungen hinzu, Heilstätten für minder bemittelte Nervenkranke zu schaffen. 
Von den zur Zeit bestehenden 91 Anstalten für Nervenkranke (s. Sachregister S. 925) sind die 



•) Welche finanzielle Tragweite übrigens diese Verpflichtung hat, gebt daraus hervor, dass am Tage 
des Inkrafttretens des Gesetzes, am 1. April 1898, z. B. dem Landarmenverbande der Rheinprovinz mit 
einem Male 6048 Hilfsbedürftige überwiesen wurden, die sich in 156 Anstalten befanden. 



Vorwort. VII 

meisten Privatunternehmungen für die wohlhabende Bevölkerung; in Zehlendorf bei Berlin ist 
als Stiftung privater Wohlthätigkeit die erste Anstalt (Haus Sehönow s. S. 52G) für Nerven- 
kranke zu möglichst niedrigen Pflegesätzen im Oktober 1899 eröffnet. Für Kranke, die an 
Epilepsie leiden, bestehen bereits 4!) Anstalten (siehe Sachregister S. 919). 

Was die Unterbringung der körperlieh Kranken in Anstalten betrifft, so haben die 
Gemeinden. Städte und Kreise grosse finanzielle Opfer bringen müssen, um die nothwendige 
Anstaltspflege für die der Armenpflege anheimgefallenen Kranken, für die erkrankten Mitglieder 
der Krankenkassen und für die Kranken aus der wenig bemittelten Bevölkerung in ausreichender 
Weise zu beschaffen. Zwar stehen zahlreiche Anstalten der Religionsgemeinden, der Wohl- 
thätigkeitsvereine, milde Stiftungen Einzelner u. s. w. ausser eigenen Krankenhäusern zu diesem 
Zwecke zur Verfügung, aber das Bedürfniss nach Vergrösserung oder Errichtung eigener 
Anstalten ist durch die neuere soziale Gesetzgebung stärker und fühlbarer aufgetreten. Dem 
Bedürfniss wird genügt nach den einschlägigen Verhältnissen des Ortes. Es ist aber nicht 
ohne Bedeutung für die Frage, wieviel Betten im Verhältniss zur Bevölkerung einer Stadt 
seitens der Stadtverwaltung bereit stehen müssen, an der Hand der Erfahrungen, die aus 
dem Studium der Krankenhausfürsorge gewonnen wird, allgemeine Grundsätze kennen zu lernen. 

Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass einige Gruppen der Bevölkerung, für welche eine 
Anstaltsfürsorge anderweitig eintritt, aus der Einwohnerzahl ausscheidet. Dies kann geschehen 
unter Bezugnahme auf die Lazarette der Strafanstalten und Gefängnisse, auf die Knappschafts- 
lazarette und auf die Militärlazarette. 

Letztere nehmen für die bezeichnete Frage unser Interesse ganz besonders in Anspruch, 
weil feste Grundsätze für den Neubau von Lazaretten zur Anwendung gelangen. So wurde in 
Preussen früher die Grösse des Lazarets auf 5 vom Hundert der Garnisonstärke des betreuenden 
Orts berechnet. Die günstigen hygienischen Verhältnisse, welche für die Armee in neuer Zeit 
geschaffen worden sind, führten zu der erfreulichen Abänderung, dass gemäss Erlass des Kriegs- 
ministers vom 10. Januar 1885 bei der Neueinrichtung eines Lazarets dessen Umfang nur auf 
4 vom Hundert der Garnisonstärke (Normalzahl) zu bemessen ist. Für kleine Garnisonen wird 
grundsätzlich von dem Bau von Lazaretten abgesehen, die kranken Soldaten werden in solchen 
Orten in anderen Krankenhäusern untergebracht. 

Durch diese Massregeln erklärt es sich, dass die Anzahl der eigentlichen Garnisonlazarette 
gegen 1876 abgenommen hat; damals wurden 348 gezählt, während zur Zeit nur 305 bestehen 
mit Einschluss der Abtheilungen in anderen Krankenhäusern und der Genesungsheime; — ausser- 
dem besitzt unsere Marine 7 Lazarette (vgl. Sachregister S. 924). 

Der angeführte Grundsatz der Militärverwaltung lässt sich jedoch nicht einfach auf die 
Bevölkerung einer Stadt übertragen, weil dort die Erfahrungen für junge Männer im Alter von 
20 — 25 Jahren gemacht sind und Zwang zur Benutzung des Lazarets besteht. Ermittelt man 
aber, in welchem Verhältniss die Anzahl der Betten in städtischen Heilanstalten zur Bevölke- 
rungszahl grösserer Städte steht, unter Berücksichtigung, ob in anderen Krankonhäusern milder 
Stiftungen oder von Wohlthätern die Kommunalkranken Aufnahme finden, so kann man den 
Grundsatz empfehlen, dass für Kranke, welchen die Stadt Anstaltspflege zu gewähren 
hat, auf 1000 Einwohner 3 Betten in Heilanstalten zur Verfügung stehen müssen. 
Ueber zulässige Abweichungen hiervon wären in jedem einzelnen Falle auf Grund der örtlichen 
Verhältnisse besondere Erwägungen anzustellen. Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass 
die Bedürfnissfrage nach der Grösse einer Heilanstalt nicht einfach auf mechanisch -statis- 
tischem Wege sich beantworten lässt. Welche Krankheitslbrmen zur Behandlung gelangen, 
ob Männer und Frauen oder nur Männer, nur Frauen, ob Kinder aufgenommen werden sollen, 
wie viel Betten in andern Krankenhäusern der Stadtverwaltung zur Verfügung stehen, wie oft 
im Jahre ein Bett belegt werden könnte, das sind einige Fragen, die vor der Feststellung der 
Bettenzahl genau erörtert sein müssen. Letztere Frage hängt z. B. mit der durchschnittlichen 
Aufenthaltsdauer eines Kranken zusammen. Für einzelne Arten von Krankenanstalten ist die- 
selbe zwar bekannt, aber eine neue Einrichtung der Anstaltsfürsorge wird die bisherigen 
Erfahrungen über die Aufnahmefähigkeit der Heilanstalten bedeutend abändern. Es sind die 
Genesungsheime, die dem zwanzigsten Jahrhundert zum weiteren Ausbau übergeben werden; 
zur Zeit bestehen 99 im Deutschen Pieich (vgl. Sachregister S. 919), die von Alters- und 
Invaliditäts-Versicherungen, von Krankenkassen, auch von einzelnen Städten, von Vereinen und 



VIII Vorwort. 

einzelnen Wohlthätern errichtet sind. Aber auch auf diesem Gebiete vollzieht sich bereits eine 
Aenderung; ausser dem dauernden Aufenthalt in einer Anstalt ist nach dem Vorschlage der 
Berliner Aerzte W. Becher und B. Lennhof auf dem Tuberkulose -Kongress 1899 in Berlin 
die Einrichtung getroffen, dass Kranke und Genesende nur während des Tages sich in 
einer Anstalt aufhalten und verpflegen, aber Abends nach Hause zurückkehren können, s. Jungfern- 
haide S. 245. Diese erste Einrichtung ist vom Volksheilstätten -Verein vom „Rothen Kreuz-- 
ins Leben gerufen und findet bereits Nachahmung. Es ist derselbe Verein, der auch auf die 
Errichtung von Heilstätten für Lungenkranke anregend einwirkt: es giebt deren bereits 77. 
Letztere Anstalten üben auf das Studium der Lungenkrankheiten, insbesondere der Tuberkulose, 
einen nachhaltigen Einfluss aus. weil es den Aerzten darauf ankommen muss, den Anfang dieser 
verheerenden Krankheit sicher festzustellen, um die Aufnahme des Kranken in eine Volksheil- 
stätte für Lungenkranke so frühzeitig wie möglich herbeizuführen. 

Zu diesen segensreichen Einrichtungen, Schöpfungen der opferwilligen Privatwohlthätig- 
keit der neuesten Zeit, gehören auch fast alle Wöchnerinnen heim e. deren 39 vorhanden 
sind (s. Sachregister S. 927), ferner die Kinderheilstätten, von denen 15 als Seehospize, 
31 in Badeorten mit Soolbädern und 14 als feste Ferienheime errichtet sind, neben zahlreichen 
Krankenhäusern und Hospitälern für Kinder (s. Sachregister S. 923). Auch liegen Nachrichten 
über 15 Krüppelheime vor, in denen Kinder zur Behandlung und Verpflegung aufgenommen 
werden. Es ist auch bereits ein Heim für verkrüppelte Handwerker und Arbeiter 
in Berlin geplant, die noch leichte Arbeiten verrichten können und keine Familie haben. Zur 
Behandlung derartiger Gebrechen gab es im Jahre 187fi 23 orthopädische, heilgymnastische 
Anstalten; die Zahl derselben ist mit Einschluss der medico- mechanischen Institute zur Zeit 
auf 98 gestiegen. Diese Anstalten sind Privatunternehmnngen bis auf einige, die von Berufs- 
genossenschaften errichtet und unterhalten werden. 

Schliesslich ist noch eine neue Anstaltsart für einen besonderen Zweck zu erwähnen, 
die allem Anschein nach im zwanzigsten Jahrhundert eine grosse Verbreitung finden wird. Das 
sind die Heilanstalten für Trinker, deren zur Zeit 40 bestehen (s. Sachregister S. 925). 
Die kleine Zahl dieser Anstalten beweist, dass es den angestrengten humanitären Bestrebungen 
der Vereine für innere Mission bezw. zur Bekämpfung des Missbrauchs geistiger Getränke nur 
vereinzelt gelingt, durch besondere Anstaltsbehandlung das Laster der Trunksucht zu bekämpfen. 
Nachdem aber das Bürgerliche Gesetzbuch seit dem 1. Januar 1900 in Kraft getreten ist, wird 
die Errichtung von Trinker-Heilanstalten auch von den öffentlichen Verwaltungsbehörden eine 
wirksame Förderung erfahren. Es enthält nämlich § 6 No. 3 folgende Bestimmung: „Wer in 
Folge von Trunksucht seine Angelegenheiten nicht zu besorgen vermag oder sich oder seine 
Familie der Gefahr des Nothstandes aussetzt oder die Sicherheit Anderer gefährdet, kann 
entmündigt werden. Die Entmündigung ist wieder aufzuheben, wenn der Grund der Ent- 
mündigung wegfällt." Diese Bestimmung hat den Deutschen Verein gegen Missbrauch geistiger 
Getränke veranlasst, die Errichtung öffentlicher Anstalten zur Heilung von der Trunksucht 
anzuregen, und von den Ministern des Innern und der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- 
Angelegenheiten in Preussen wird auch bereits eine Unifrage abgehalten nach der Zahl der 
Entmündigungen durch die Gerichte, nach der Zahl und Beschaffenheit der vorhandenen Trinker- 
Heilanstalten u. s. w., um auf diese Weise die erforderlichen Unterlagen für weiteres Vorgehen auf 
diesem Gebiete zu erhalten. Nach diesem Vorgange ist wohl die Annahme berechtigt, dass 
das zwanzigste Jahrhundert die humanitären Bestrebungen am Ende des neunzehnten in gross- 
artigem Massstabe zur Ausführung bringen wird. 

Berücksichtigt man alle diese erwähnten neu aufgetretenen Arten von Anstalten, so wird 
man zugeben müssen, dass die Errichtung von allgemeinen Heilanstalten und deren Betrieb 
nicht mehr von so einfachen Erwägungen wie früher abhängen können. 

Wenn aus den vorstehenden Mittheilungen hervorgeht, dass gegen Ende des 19. Jahr- 
hunderts die Ausdehnung der Anstaltsfürsorge für Kranke und Gebrechliche nach Zahl und Art 
der Anstalten gegen früher einen ungeahnten Aufschwung genommen bat, so dass im neuen 
Jahrhundert nur eine Fortsetzung der Bestrebungen auf diesem Gebiet stattzufinden braucht, 
so ist doch noch eine Leistung unserer Zeit hervorzuheben, die dem neuen Jahrhundort die 
Bahn wesentlich frei macht. Berücksichtigt man die früher allgemein vorhandene Abneigung 
gegen die Benutzung der Anstalten, erwägt man, dass in einem Jahre mehr als 1G50000 Menschen 



Vorwort. IX 

in den Anstalten für Kranke und Gebrechliche jetzt verpflegt worden sind, dass der Andrang 
der hilfsbedürftigen Bevölkerung zu den Anstalten oft genug nicht befriedigt werden kann, so 
inuss man anerkennen, dass am Schluss des 19. Jahrhunderts die Furcht vor dem Kranken- 
hause den Bestrebungen zur Hilfeleistung nicht mehr hinderlich in den Weg tritt. 

Diese Errungenschaft ist den Fortschritten der medizinischen Wissenschaft, welche in der 
/.weiten Hälfte des Hl. Jahrhunderts epochemachend gewesen sind, hauptsächlich zu verdanken. 
Es werden allgemein anerkannt die ärztlichen Anforderungen an die hygienischen Ein- 
richtungen eines Krankenhauses, an das Zimmer und Lager des Kranken, an die Abwartung und 
Pflege, au den Krankentransport, an die Leistungen des Anstaltsarztes, der Verwaltung u. s. w. 
Dazu tritt die staatliche Gewährung von Fahrpreisermässiguug auf den Eisenbahnen für unbe- 
mittelte Kranke, welche eine Krankenanstalt aufsuchen wollen, u. s. w. Haben die bautechnischen 
und hygienischen Einrichtungen den Anstalten der heutigen Zeit einen ganz anderen Charakter 
als früher gegeben, so sind auch die ärztlichen Leistungen andere und bessere geworden. Dozenten 
der Universitäten werden zu Leitern der Krankenhäuser gewählt, und Krankenhausärzte werden 
zu Direktoren und Lehrern an Universitäts-Kliniken berufen. Der rühmliche Ehrgeiz der Aerzte, 
wissenschaftlich mitzuarbeiten, wird durch die Anstalten, die ihnen anvertraut werden, wesentlich 
gefördert-, sie haben während ihrer Ausbildungszeit in den Universitäts-Kliniken Anstalten 
kennen gelernt, deren Einrichtungen zum Wohl des Kranken den höchsten Anforderungen der 
Wissenschaft entsprechen und zur Nachahmung anregen. Erklärlich ist es demnach, dass die 
Aerzte die Bestrebungen nach Vermehrung der Anstalten wesentlich unterstützen, und dass 
ihre Anzahl in Krankenhäusern erheblich gestiegen ist. Während am 1. April 1S7G von 
12 000 Aerzten (ohne Militärärzte) 334 ausschliesslich in und für Anstalten thätig waren, betrug 
am 1. April 189S diese Zahl 1927 von 21000 Aerzten. Dem Krankenpflege- und Wartepersonal 
gehörte 1900 an der grösste Theil von 24 000 barmherzigen Schwestern, von 12 700 Diakonissen, 
von 1956 Schwestern vom Rothen Kreuz, von 1731 Diakonen und von 1292 barmherzigen 
Brüdern; nähere Auskunft darüber enthalten die Tabellen im Sachregister über die Mutter- 
häuser des bezeichneten Personals auf S. 916, 919, 920 und 926. Die Zahl des übrigen 
Wartepersonals, wie des Verwaltungs- und Dienstpersonals in den Anstalten hat sich für das 
ganze Reich leider nicht feststellen lassen. 

Die wirth schaff liehe Bedeutung der Anstaltsfürsorge für Kranke und Gebrechliche 
dürfte übrigens daraus hervorgehen, dass ein Anlagekapital von mindestens 800 Millionen Mark 
für die Errichtung dieser Anstalten ausgegeben worden ist, wenn man für die Herstellung eines 
Bettes nur den geringen Betrag von 2000 M zu Grunde legt. Was aber die Unterhaltungs- 
kosten für dieselben betrifft, so kann man annehmen, dass jährlich mehr als 120000000 M 
Betriebskosten ohne Verzinsung des Anlagekapitals ausgegeben werden. Erwägt man, dass die 
Insassen der Anstalten vorwiegend der öffentlichen Armenpflege anheimgefallene und wenig 
bemittelte Kranke oder Gebrechliche sind, die die entstandenen Kosten für Verpflegung, 
ärztliche Behandlung u. s. w. überhaupt nicht oder nur zum Theil bezahlen, so verdient die 
iinanzielle Opferfähigkeit des Deutschen Volkes zur Hebung der Volksgesundheit kultur- 
geschichtlich dem neunzehnten Jahrhundert gebucht zu werden. 

Der Reichthum au Anstalten der Fürsorge für Kranke und Gebrechliche und die kultur- 
geschichtliche, soziale und humanitäre Bedeutung derselben, sowie die lebhaften Beziehungen, 
in denen Tausende der Bevölkerung zu ihnen stehen, lassen eine vollständige Nachweisung 
und umfassende Darstellung derselben daher nicht allein wünschenswerth, sondern geradezu 
als ein Bedürfniss erscheinen. Eine solche wird in vorliegendem „Krankenhaus-Lexikon" 
zu geben versucht. 

Trotz der Reichhaltigkeit der Quellen, die dem vorliegenden Werke zu Grunde liegen, 
wird dasselbe immerhin noch mancherlei Lücken aufzuweisen haben, weil der Umfang des zu 
bewältigenden Materiales der Bearbeitung mannigfache Schwierigkeiten bot. Da das Kranken- 
haus-Lexikon für das Deutsche Reich indess zum ersten Male erscheint, wird es vielleicht 
auf eine nachsichtige Beurtheilung rechnen dürfen. 

Was die äussere Anordnung betrifft, so ist das Krankenhaus-Lexikon gleichsam ein 
Grundbuch des im Deutschen Reiche vorhandenen Besitzes an solchen Anstalten, welche Kranke 
zur Heilung, Sieche zur Versorgung, Blinde und Taubstumme zur Ausbildung aufnehmen, und 
zwar für das Jahr 1900. Demgemäss werden die vorhandenen allgemeinen Heilanstalten, mit 

*» 



X Vorwort. 

Einschluss der rniversitätskliniken, der Krankenhäuser für die Armee und Marine, der Lazarette 
in den Strafanstalten und Gefängnissen, die Epidemiehäuser, die Kinderheilstätten, sowie die 
Augenheilanstalten, ferner die Anstalten für Nervenkranke, für Epileptische, die Irren- und 
Idiotenanstalten, die Entbindungsanstalten und die Hebammenlehranstalten, die Siechenhäuser 
und Hospitäler, die Blinden- und Taubstummenanstalten in den einzelnen Orten bezw. 
Gemeinden nachgewiesen, in einem Anhange ausserdem die ausserhalb des Deutschen Reiches 
gelegenen Deutschen Krankenhäuser. Die Orte, in welchen derartige Anstalten gelegen sind, 
folgen iu alphabetischer Anordnung; innerhalb der Orte mit mehreren Anstalten bestimmt 
das Besitzver.hältniss die Aufeinanderfolge derselben. 

Die Jlittheilungen über die einzelnen Anstalten geben, soweit Nachrichten darüber 
vorlagen, Auskunft über Zweck, Zeit der Errichtung, Eigentumsverhältnisse, ärztliche Leitung. 
Wartepersonal, Bettenzahl, Verpflegungsklassen und Preis derselben, Aufnahmebedingungen. 
Krankenbewegung, durchschnittliche Aufenthaltsdauer eines Kranken, bauliche Beschreibung 
neuerbauter Anstalten u. s. w. 

Die den Orten beigefügten Einwohnerzahlen beziehen sich auf die Volkszählung vom 
1. Dezember 1895 oder sind an dem betreffenden Orte in der letzten Zeit festgestellt. 

Berlin. Ende Juli 1900. 

Albert OJuttstadt. 



Inhalt. 



Seite. 

Torwort HI— X 

Yerzeichniss der Anstalten für Kranke und Gebrechliehe In den einzelnen 
Orten in alphabetischer Reihenfolge für das Jahr 1900. 

I. Königreich Preussen 1 — 532 

II. „ Bayern 533 — (540 

in. „ Sachsen 641-688 

IV. „ Württemberg- 689—732 

V. Grossherzogthuni Baden 733 — 768 

VI ,, Hessen 763—781 

VII. „ Mecklenburg- Schwerin 782 — 795 

VIII. „ Sachsen -Weimar -Eisenach 796—804 

IX. „ Mecklenburg- Strelitz 805u.806 

X. „ Oldenburg 807—811 

XI. Herzogthum Braunschweig 811 — 817 

XII. „ Sachsen- Meiningen 8lS— 821 

Xffl. „ „ -Altenburg 821—823 

XIV. .. „ -Koburg u.Gotha 823—826 

XV. „ Anhalt . . 826 1 

XVI. Fiirstenthum Schwarzburg-Rudolstadt S31 — 333 

XVII. „ „ -Sondershausen 833 u. 834 

XVEI. „ Waldeck und Pyrmont 835u.836 

XIX. „ Reuss älterer Linie 837 

XX. „ .. jüngerer Linie 837 — 839 

XXI. „ Schanmbnrg- Lippe 840 

XXU. „ Lippe 840—844 

XXni. Freie und Hansestadt Lübeck 844 u. 845 

XXIV. ,, „ .. Bremen 846—850 

XXV. „ „ „ Hamburg 851 — -^'3S 

XXVI. Reichsland Eüsass- Lothringen 869—907 

Anhang. 

Deutsche Krankenhäuser ausserhalb des deutsehen Reichs 908 — 911 

Europa . . . 908 Asien ... 909 Afrika ... 910 

Nachtrage, Ergänzungen und Berichtigungen 912 — 914 

Sachregister 91" 127 

Ortsregister 928—939 



Berichtigung zum Sachregister S. 917: Oberbronn (Niederbronn), Mutterhaus der Schwestern 
des göttlichen Erlösers, ist 1849 gestiftet, die Anzahl der Schwestern beträgt 1S00, 
der Niederlassungen 260, darunter 60 Kranken- und Armenhäuser. 



Königreich Preussen. 

Verzeiehniss der Anstalten für Kranke und Gebrechliche 
in den einzelnen Orten in alphabetischer Reihenfolge 

für das Jahr 1900. 

Aachen, 132 444 Einw., 110 Aerzte, 8 Zahnärzte. 30 HebainmeD, 18 Apotheken 
(Stadtkreis, Reg. -Bez. Aachen). 

Wasserversorgung: Gebirgswasserleitung seit 1. Juni 1880. Anlagekosten: 4 170 000 M. 
Rührnetzleitung: 122 100 in lang mit 735 Hydranten und 453 eingebauten Schiebern. Leistung: 
15 000 cbm Wasser in 24 Stunden. — Schlachthof: seit 1. April 1895. Anlagekosten: 1740 000 M. 
53 400 Stück Vieh 1898 geschlachtet. — Neue Kanalisirung: seit 1898. Anlagekosten: 
3000000 M. — Aerztliche Leichenschau: Gemäss Polizeiverordnung vom 15. Juni 1895 
durch approbirte Aerzte. — Städtische öffentliche Desinfektionsanstalt in der Karlsburg 
und im städtischen Isolirhospital auf dem Höfling zu Aachen-Burtscheid, in welchem mit 
heissem Wasserdampf desinfizirt wird. Errichtet: 1. Juni 1891. Leistungen im letzten Jahre: 
136 Desinfektionen. — 2 Volksbadeanstalten. 2 Schwimmanstalten. — Bau-Polizeiordnung: 
vom 7. Dezbr. 1871, für Villenbebauung vom 10. April 1S99. 

Garnisonlazaret, als Mönchskloster 1735 erbaut, 1835 vom Militärfiskus angekauft und 
am 23. März 1836 bezogen. Es liegt im Nordwesten der Stadt an dem Wege nach dem Bahnhofe 
Tempierbend. Vorstand: Oberstabsarzt 1. Klasse Dr. Weber. Wartepersonal: 4 ausgebildete 
Krankenwärter. 382 Betten. Verpflegte Kranke 1898: 495 durchschnittlich 19,5 Tage; 
5 sind gestorben. Gasbeleuchtung. Ventilationssystem: Thürschieber und Kippfenster. 
Heizungs system: Säulenöfen und Regulirfüllöfen. Steinkohlenfeuerung. Desinfektions- 
anstalt: Desinfektor nach Budenberg für die gesammte Garnison. Wasserversorgung: 
Anschluss an die städtische Wasserleitung. Latrinen: Wasserspülung. Beseitigung der Abfall- 
stoffe: Anschluss an die städtische Kanalisation. 

Lazaret der Königlichen Straf- und Arrest -Anstalt. Eigenthümer: Fiskus 
(Ministerium des Innern). Belegfähigkeit: 400 Männer, 52 Weiber. Hafträume: 13S Einzel- 
zellen ausschl. Strafzellen, 96 Schlafzellen, 11 gemeinsame Schlafräunie von 810 qm Gesammt- 
grösse, 26 gemeinsame Ai'beitsräume von 986 qm Gesammtgrösse. Arzt: Dr. Schmitz. Kranken- 
räume: 5 von 116 qm Gesammtgrösse. Kranken zahl 1898: 291 m., 71 w. Wasser aus der 
städtischen Wasserleitung. Für Hausgebrauchswasser und flüssige Abgänge besteht Verbindung 
mit der städtischen Kanalisation. Faeces werden in Kübel mit Wasserverschluss aufgefangen 
und in grosse ausserhalb der Anstaltsmauern liegende, undurchlässige Cisternen entleert und 
von dort auf den Acker abgefahren. 

Städtisches Mariahili-Spital. Kur- und Pflegeanstalt für akute Krankheiten. Die 
Frauenabtheilung den 24. Jan. 1630, die Männerabtheilung den 19. Okt. 1768 errichtet und 
zwar erstere von der Stadt, letztere vom Bürgermeister v. We spien; neu errichtet 1S55 von 
der Stadt unter Verwendung des Gewinnes, den dieselbe aus der damals bestehenden Spielbank 
bezog. Aerzte: Prof. Dr. Wesener für innere, Dr. Krabbel für äussere Abtheilung. 6 Assistenz- 
ärzte. Wartepersonal: 52 barmh. Schwestern vom Orden der hl. Elisabeth, Mutterhaus 
Aachen; 4 m., 4 w. ausgebildete Krankenwärter. 306 Betten in 4 Klassen: I. Kl. je 2; H. Kl. 
je 4; HI. Kl. 32 f. M., 27 f. Fr.; IV Kl. 120 f. M., 115 f. Fr. Kostenpreis für einen Ver- 
pflegungstag für Einheimische : 6, 3, 1,25 M; für Auswärtige : 8,5, 2 M; für Kinder unter 12 J. : 
1 und 1,25 M. Verpflegte: Im Jahre 1898 wurden 2 325 m., 1 679 w. Kranke durchschnittlich 
29 bezw. 28 Tage verpflegt; 154 m., 136 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: ordentliche 
219 865 M, ausserordentliche 6 725 M. Die Einnahmen betrugen 229 327 M und setzten sich 
zusammen aus 96 600 M eingezahlten Verpflegungsgeldern, 7 500 M an verkauften eigenen 
Produkten, 73 914 M Kapitalszinsen, 226 M Geschenken und 51 087 M aus Pacht und Renten. 

Guttstadt, Krankenhaus-Lexikon für das Deutsche Reich. 1 



Aachen. — 2 — Königreich Preussen. 

Städtisches Isolirspital auf der Karlsburg mit 120 Betten; 16. Nov. 1885 eröffnet. 

Louisen-Hospital. l.Sept. 18G7 vom Evang. Krankenhausverein gegründet. Vorstand: 
Geh. Kommorzienrath Gottfried Pastor, Vorsitzender. Leitende Aerzte: Dr. Müller für äussere 
Abth.; Prof. Dinkler für innere Abth. 4 Assistenzärzte. Wartepersonal: 13 Diakonissen aus 
Kaiserswerth; 4 m., 2 w. ausgebildete Krankenwärter. 144 Betten in 3 Klassen: I. Kl. je 6; 
II. Kl. je 6; DI. Kl. je GO; davon für Kinder 23. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 8 — 10, 
3— G, 1 — 2 M. Im Jahre 1898 wurden 669 m., 451 w. Kranke durchschnittlich 4G bezw. 38 Tage 
verpflegt. Gestorben: 45 m., 24 w. Ausserdem wurden verpflegt: 20 (5 m., 15 w.) Altersschwache 
und 6 Krankenbegleiterinnen. 

Marien-Hospital (Krankenpflege- und Augenheilanstalt) Burtscheid. 21. Jan. 1850 
durch Wohlthäter errichtet, hat Bechtsfähigkeit. Arzt: S.-R. Dr. Hommelsheim, Dr. Thier für 
Augenkranke. 170 Betten. Wartepersonal: 22 Franziskanerinnon aus Aachen. 1898 wurden 
322 m., 96 w. Kranke durchschnittlich 40 bezw. 96 Tage verpflegt, gestorben sind 17 m., 
12 w. Ausserdem wurden 311 m., 234 w. Augenkranke durchschnittlich 24 bezw. 21 Tage ver- 
pflegt. Ausgaben 1898: ordentliche 52 093,31 M, ausserordentliche 11155,84 M. Die Ein- 
nahmen betrugen 60 419,96 M und setzten sich zusammen aus 57 444,13 M eingezahlten Ver- 
pflegungsgeldern, 2 935,8 3 M Kapitalzinsen, Miethe und Pacht und 40 M aus sonstigen Quellen. 

St. Borromäus- Krankenhaus. Behandlung chirurgischer und gynäkologischer Kranken. 
Privatklinik. Januar 1895 von den DDr. Beaukamp uud Longard gestiftet. Wartoper- 
sonal: seit 1. April 1S99 von 7 Vincentinerinnen an Stelle der Borromäerinnen übernommen. 
30 Betten. Kosten preis für einen Verpflegungstag: G, 4 und 2 M. Im Jahre 1898 wurden 
173 m., 227 w. Kranke durchschnittlich 17 bezw. G Tage verpflegt, 3 m., 7 w. sind gestorben. 
Ausgaben 1898: ordentliche 15 918,80 M, ausserordentliche 628,33 M. 

Chirurgische Privatklinik Ton Dr. W. Müller. 1888 eröffnet. 1 Assistenzarzt. 
Wartepersonal: 1 Christenserin; 1 ausgebildeter Krankenwärter. 8 Betten. Kostenpreis 
für einen Verpflegungstag: 7 und 4 M. Im Jahre 1898 wurden 34 m., 81 w. Kranke durch- 
schnittlich 12 Tage verpflegt, 2 m., 2 w. sind gestorben. 

Privatklinik für Frauenkrankheiten von Dr. Springsfeld. 1889 eröffnet. 10 Betten. 
Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 8, 5 und 2, so M. 1898 wurden 65 Frauen durch- 
schnittlich 9,6 Tage verpflegt. 

Augenheilanstalt für den Reg.-Bez. Aachen. 1888 vom Verein zur Förderung der 
Arbeitsamkeit errichtet, besitzt Rechtsfähigkeit. Arzt: Dr. Vüllers. Wartepersonal: 
seit 15. Sept. 1893 5 Borromäerinnen aus Trier und 1 Krankenwärter. 26 Betten. Ver- 
pflegungspreis: 7, 4, 2, 1,50 und 1,25 M täglich. 1S98 wurden 320 Kranke durchschnittlich 
34 Tage verpflegt, gestorben sind 2. Die Anstalt ist zugleich Augen-Poliklinik für Aachen. 

Privat-Äugenheilanstalt von Dr. B. Kirch. 15. Okt. 1S99 eröffnet. 6 Betten. 

Heilanstalt für die Arbeiter der Stadt Aachen und Umgebung. Wartepersonal: 
barmh. Brüder vom Orden des hl. Camillus v. Lellis aus Boermondt bei Limburg in Holland. 

Medico -mechanische (Zander) Anstalt der Stadtgemeinde Aachen, Boxgraben Nr. 58, 
mechanische Behandlung körperlicher Fehler, Dr. Wagner, seit 15. März 1895. 

Kaltwasser-Heilanstalt des Joh. Nik. Heinen, Vincenzstr. 13. Arzt: Dr. Adolph. Am 
15. Juli 1895 eröffnet. 

Provhmal-Irrenanstait. 1. Mai 1883 von dem Orden der Alexianer errichtet, 1884 ver- 
grössert, am 1. Sept. 1895 dem Landarmenverbande der Rheinprovinz verpachtet. Vorstand 
und leitender Arzt: Dr.Lauderer. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 36 Alexianer. 400 Betten. 
Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 2,50 und 1,35 M. 1898 wurden 435 m. Kranke durch- 
schnittlich 322 Tage verpflegt, 18 sind gestorben. 

„Mariabrunn", Pflege- und .Bewahranstalt für weibliche Irre und Altersversorgungs- 
anstalt. Bei der Säkularisation der Klöster durch die französiche Republik fiel auch das nach 
dem Stadtbrande von 1656 neu erbaute Annunciatenkloster im Inneren Aachens an den Fiskus. 
Nachdem die städtischen Behörden bei den französischen Majestäten vorstellig geworden waren, 
verordnete das Dekret vom 23. Fruct. XII. (Art. H) : Est pareillenient affecte le couvent des 
Annonciades pour servir de maison de correction et de lieu de reclusion des insensees et des 
prostituees. Soweit man letztere durch die öffentliche Meinung, che Klagen der Nachbarn und 
polizeiliche Erkundigung ausfindig machen konnte, sperrte man sie auf einige Zeit zur morali- 
schen Besserung in das frühere Kloster ein und Hess sie die Unterhaltungskosten mit Handarbeit 
abverdienen. Im Einvernehmen mit den gerichtlichen Behörden hatte der Mairo ein ent- 
sprechendes strenges Organisationsreglement erlassen. Die tägliche Kost sollte aus einer 
Portion Suppe oder linnüse und 1 1/ 2 l'fmid Schwarzbrod bestehen; die Faulen und Wider- 
spenstigen mit Wasser und Brot regalirt werden; als Hauskleidung wurde ein grauleinener 
Kittel, wollene Mütze, wollene Strümpfe und Holzschuhe getragen. Die Anstalt artete bald 
aus, zumal als man auch einen Haufen zusammengeraffter Bettler in sie einsehloss und dem 
Müssiggange auf Kosten des städtischen Annenfonds überliess. Dem alten abgestandenen Auf- 



Königreich Preassen. — 3 — Aachen. 

Seher sab man erst ISIS eine HüliV durch Anstellung eines Pförtners und eines Unteraufsehers 
oder Sehliessers. Das Vincenz- Spital für unheilbare kranke Armen der Stadt, welches am 
Charfreitag 1823 vorübergehend im Annuneiatenhaus etablirt wurde, engte die Irren- und 
Korrektionsabtheilung so sehr ein, dass die besserungsbedürftigen Frauenspersonen in das 
Dominikanergebäude, wo sich damals das 1768 gestiftete Marienspital befand, verlegt wurden; 
seit der Fertigstellung des neuen Mariahilf- Spitals 1S55 und den dadurch herbeigeführten 
Translationen diente das Annuneiatenhaus ausschliesslich als Irren-Bewahranstalt; 1S75 musste 
man wegen Baufälligkeit das Haus verlassen und wurde als städtische Irrenanstalt das den 
Alexianern abgekaufte Mariabrunn in Benutzung genommen. — Bei den Borromäerinnen fragte 
1863 die Stadtverwaltung an, ob sie die Irrenpüege zu übernehmen geneigt seien; anfangs 
Oktober 1865 traten sie in den neuen Wirkungskreis ein. Für die Uebertragung desselben war 
die Erfahrung massgebend gewesen, welche in anderen Städten mit der Wahrnehmung der 
Irrenpflege und der Hausverwaltung durch geistliche Genossenschaften gemacht worden waren. 
Eine städtische Kommission hatte sich davon auch persönlich in Maastricht überzeugt. Vom 
1. Sept. 1868 ab ward den Alexianern die Pflege der männlichen Irren übertragen. Bis dahin 
waren ihrer 30—40 im Annunciatenhause untergebracht gewesen, nebst einer um 10 — 15 
grösseren Anzahl weiblicher. Für eine Irrenanstalt erwies sich das Haus aber immer mehr als 
ungeeignet. Die langen, mit der Regierung wegen eines Neubaues schwebenden Verhandlungen 
fanden durch den Ankauf des schön vor der Stadt gelegenen und von den Alexianern aufs beste 
eingerichtete Mariabrunn ihren glücklichen Abschluss. 1>77 wurde daselbst ein neuer Flügel, 
lvv'i — l.s^i'i .in weiterer zur Isolirung von Tobsüchtigen angebaut, so dass die Anstalt Raum 
für 200 Geisteskranke bot. Leitender Arzt: Dr. Vossen. Wartepersonal: 16 Borro- 
mäerinnen aus Trier; 4 Wärterinnen. 205 Betten: I. Kl. 5, H. Kl. 12, HI. Kl. 118 (1S9S Ver- 
pflegte: 2, 7. 102). Kostenpreis für einen Verpflegungstag für Einheimische: 5, 3, 1,25 M; 
lür Auswärtige 6, 4, 2 M. Zusammen wurden 111 Kranke durchschnittlich 164 Tage verpflegt; 
10 sind gestorben. Ausserdem wurden verpflegt: 220 Altersschwache, davon sind 29 gestorben. 

Irrenanstalt der Alexianerbri'ider. Ende des 13. Jahrhunderts errichtet. Eigenthümer: 
Alerianer-Genossenschaft (Aktiengesellschaft). Aerzte: Dr. Schoebel und Dr. Thelen. Warte- 
personal: 55 Alexianerbrüder und 1 ausgebildeter Krankenwärter. 235 Betten: I. Kl. 15, 
H. Kl. 50, HL Kl. 170 (Verpflegte 1898: 12. 31, 205). Kostenpreis für einen Verpflegungs- 
tag: 3,so, 2,50 und 1,25 M. Aufnahmebedingungen: Zur Aufnahme eines Geisteskranken 
bedarf es gemäss Vorschrift des Minist erialerlasses vom 20. Sept. 1895 eines Attestes des 
Phvsikus-, es kann jedoch in dringenden Fällen auch jeder approbirte Arzt ein Attest aus- 
stellen; dasselbe niuss klarlegen, dass und aus welchen Gründen die Aufnahme in eine Irren- 
anstalt nothwendig ist. Das Physikatsattest muss alsdann in den ersten 12 Stunden nach der 
Aufnahme des Geisteskranken — in der Anstalt ausgestellt werden. Die Anstalt wird von der 
Königl. Regierung jährlich einmal und vom Königl. Kreisphysikus zweimal jährlieh revidirt. 
1898 wurden 248 Geisteskranke durchschnittlich 274 Tage verpflegt, 12 sind gestorben. Die 
Ausgaben und Einnahmen betrugen 9.5 590 M. 

Talbotsehe Stiftung znr Errichtung eines Aachener Spitals für Kinderkrankheiten. 

Marianneninstitut, Wöchnerinnen -Asyl. 3. Aug. 1830 von Dr. med. Metz eröffnet 
Eigenthum des Mariannenvereins in Aachen. Besitzt Rechtsfähigkeit seit 30. Dez. 1844. Protektorin 
war Prinzessin Marianne, Gemahlin des Prinzen Wilhelm, nach ihrem Tode Prinzessin Marianne 
der Niederlande. Verwaltungsrath von 18 Mitgliedern. Neuer PaviUonbau 1898 errichtet für 
140 000 M. Es werden nur verheiratete Frauen aufgenommen und unentgeltlich verpflegt; 
zahlungsfähige zahlen 20 M für die Zeit des Aufenthalts, durchschnittlieh 10 Tage. Vorstand: 
Freifrau v. Coels v. d. Brügghen. Arzt: Dr. Beaukamp. Krankenpflegerinnen werden ausgebildet. 
."i7 Betten, darunter 27 für Kinder. 1898 v.urden 567 Wöchnerinnen mit 548 Kindern verpflegt. 
Einnahmen 113789,24 M, darunter 222 M gezahlte Verpflegungsgelder, 1770,50 M von der 
Stadt, 7082,19 eigene Kapitalszinsen und 104 714,55 M Geschenke und Legate. 

Zwei Privat-Entbindungsanstalten von Hebammen. 

St. Tincenz-Spital für Unheilbare. Mutterhaus des Ordens der barmherzigen Schwestern 
nach der Regel der heil. Elisabeth, nach der 3. Regel des heil. Franziskus. 1823 durch milde 
Beiträge gestiftet. Eigenthümer: Stadtgemeinde. Vorstand: Oberbürgermeister. Leitender 
Arzt: Dr. Vossen. Wartepersonal: 14 Elisabethinerinnen; 1 ausgebildeter Krankenwärter. 
100 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag für Einheimische: 4, 2,50, 1,2 5 M; für 
Auswärtige: 4. 50, 3, 2 M. 1898 wurden 50m., 60 w. Kranke durchschnittlich 294 bezw. 330 Tage 
verpflegt; 6 m.. w. sind gestorben. Ausgaben 1898: 45 201 M. Die Einnahmen betrugen 
52 665 M und setzten sich zusammen aus 18 330 M eingezahlten Verpflegungsgeldern, 23 300 M 
eigenen Kapitalszinsen, 914 M Legaten, Geschenken und 10 121 M aus Pacht und Renten. 

Josephiniscb.es Institut für Pflege alter Leute und chronischer Kranker. 1S04 durch 
das Wohlthätigkeitsbureau der Stadt errichtet. Ehemaliges Kloster. 17 Borromäerinnen aus 
Trier. 1S98 wurden 323 m., 138 w. Altersschwache verpflegt, davon sind 21 m., 18 w. gestorben. 

St. Josephsstift, Altersversorgungsanstalt, 26. Jan. 1888 eröffnet. 30 Betten. 11 Elisa- 
bethinerinnen aus Aachen. 



Achim, Achterberg. — 4 — Königreich Preussen. 

Asyl für kränkliche, verlassene, weibliche Personen. 1870 eröffnet. Eigenthum der 
Franziskanerinnen. Armenarzt. 4 Franziskanerinnen. 50 Betten. 

Frauenheim. 8. Juni 1895 eröffnet. 2 Diakonissen aus Kaiserswerth. 20 Betten. 
1898/99 würden 142 Frauen verpflegt, 

Mariaberg, früher für Epileptische, in den Besitz der Stadt übergegangen, 1. April 1900 
als Hospital eröffnet, 

Institut zum guten Hirten zur Wahrung und Besserung kranker Büsserinnen. Gemäss 
den Statuten, welche durch A. C.-O. vom 17. Juni 1848 genehmigt worden sind, ist ein Ver- 
waltungsrath von 7 Mitgliedern Träger der Korporationsrechte der Anstalt. Die innere Leitung 
der Anstalt und die Pflege der Büsserinnen sind statutengemäss den barmherzigen Schwestern 
vom guten Hirten übertragen worden. Vartepersonal: 17 barmh. Schwestern aus dem 
Mutterhause in München. 100 Betten für Frauen. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 
0,40 M. 

Taubstummenanstalt für die geistige und sittlich religiöse Ausbildung der bildungs- 
fähigen taubstummen Kinder der Bhcinprovinz, insbesondere des Begierungsbezirkes Aachen. 
Externat. Gestiftet den 18. April 1838. Der erste Lehrer war Daniel Hirsch, nachmaliger 
Direktor der Taubstummenanstalt in Botterdam. Eigenthümer: Verein zur Förderung des 
Taubstummenunterrichts. Die Anstalt besitzt Korporationsrechte. Direktor Linnartz, 5 Lehrer, 
1 katholischer Keligionslehrer, 1 Lehrerin. 50 und zwar 31 m., 19 w. Zöglinge. Die Ent- 
lassung der Zöglinge erfolgt in der Eegel nach absolvirtem 7jährigen Bildungskursus. Etat: 
30 120 M. 

Marienschule für geistig zurückgebliebene Mädchen (Harskanipstrasse 40). 1. Ok- 
tober 1899 eröffnet. 

Achim, 3 055 Einw. (Kreis Achim, Reg. -Bez. Stade). 

Gemeinde-Krankenhaus. 1S72 eingerichtet. Arzt: Dr. Brünv. 1 ausgebildete Kranken- 
wärterin. 3 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 3, 2 und 1,50 M. 1898 wurden 
9 m. Kranke durchschnittlich 8 Tage verpflegt, 1 ist gestorben. 

Achterberg, Gemeinde Ober-Einzingen mit 401 Einw. (Kreis Fallingbostel , Reg.-Bez. 
Lüneburg). 

Erholungshaus des Kaufmann und Schiffsmakler Friedrich Missler in Bremen. 
Am 1. Juli 1895 eröffnet. 4G Betten. Die Unterhaltungs- und Verpflegungskosten trägt 
der Besitzer. Eine Schwester vom Rothen Kreuz in Bremen leitet die Anstalt. Anlage- 
kosten ca. 150000 M, Unterhaltungskosten ca. 19000 M. Personen, denen zur Kräftigung ihrer 
Gesundheit ein vierwöchentlicher Landaufenhalt empfohlen wird und die nicht im Stande sind, 
aus eigenen Mitteln solches zu ermöglichen, sollen in dem Erholungshaus Aufnahme erhalten. 
Es sollen nur solche Personen aufgenommen werden, die. vorübergehend arbeitsunfähig sind und 
durch den Aufenthalt in Achterberg voraussichtlich wieder arbeitsfähig . werden. Kranke, d.h. 
solche, welche Bedienung erfordern, werden nicht aufgenommen. Die Berechtigungsscheine zur 
Aufnahme in Achterberg werden für die in Krankenhäusern befindlichen Erholungsbedürftigen 
in jedem Krankenhause ausgegeben. In der Wohnung befindliche Erholungsbedürftige müssen 
sich wegen Aufnahme in Achterberg an irgend eine Gemeindeschwester wenden. Die Berech- 
tigungsscheine müssen von einem Arzte, welcher die Aufnahme emfiehlt. unterzeichnet werden. 
Bedingungen, unter welchen die Aufnahme erfolgt: 1. Jeder Aufgenommene nmss mit 
reiner Leibwäsche, Kamin. Haar- und Zahnbürste versehen sein und möglichst 3 Stück Leib- 
wäsche extra mitbringen. 2. Reinlichkeit und anständiges Betragen wird verlangt, ungebühr- 
liches Betragen hat sofortige Entlassung zur Folge. 3. Jeder nmss sein Schlafzimmer selbst 
in Ordnung halten, andere häusliche Arbeiten sind nicht zu leisten. 4. Die Gäste erhalten 
eine anständige, ordentliche Behandlung und bürgerliehe Beköstigung. 5. Muth willige Beschädigung 
des Hauses, der Möbel oder der Anlagen haben sofortige Entlassung zur Folge. 6. Mit brennenden 
Cigarren, Streichhölzern u. s. w. im Gehölz und in der Haide äusserst vorsichtig sein! 7. Zeitungen 
und Bücher dürfen nicht mitgebracht werden. Es sind genügend Bücher zum Lesen, verschiedene 
Spiele und Kegelbahn vorhanden, die den Gästen zur Verfügung stehen. Bibel, Gebet- oder 
Andachtsbücher sind nicht vorhanden, solche darf selbstredend Jeder mitbringen. 8. Besuch 
der Gastwirthschaften oder das Mitbringen von Getränken ist verboten, l'ebertretungen haben 
sofortige Entlassung zur Folge. 9. Glaubens- oder politisches Bekenntniss hat mit der Auf- 
nahme nichts zu thun. 10. Die Saison dauert vom 15. April bis 15. Oktober. Eintritt am 15., 
Entlassung am 13. Tage eines jeden Monats. 11. Mit ansteckenden oder Ekel erregenden Krank- 
heiten Behaftete, sowie Schwindsüchtige (bacilläre Phtise), Schwachsinnige, Trinker, Krüppel, 
Blinde, Personen die unter Polizeiaufsicht stehen, sowie Personen über 55 Jahre werden nicht 
aufgenommen. Leute die 2 Jahre hintereinander in Achterberg gewesen, sollen nicht berück- 



Königreich Preussen. — 5 — Adelebsen — Ahaus. 

sichtigt werden. Die Wohlthat des Aufenthaltes in Achterberg soll möglichst vielen ver- 
schiedenen Leuten zn Theil werden. 12. Hin- und Rückfahrt, sowie der Aufenthalt und die 
Verpflegung in Achterberg sind unentgeltlich. Arzt und Apotheke sind frei. — Besondere 
Vorschriften: 1. Wer bei der Abfahrt in Bremen zu spät kommt, wird nicht mehr auf- 
genommen. 2. Während des Aufenthaltes in Achterberg darf sich Niemand Besuch kommen 
lassen. Bekannte oder Verwandte, die sich Achterberg ansehen wollen, müssen dies später 
tliun. 3. Ohne Erlaubniss der Oberin darf Niemand Achterberger Gebiet verlassen, 4. Auf 
den Zimmern darf nicht länger als bis 1Ü Uhr und nur eine Viertelstunde Licht brennen, auch 
darf Abends auf den Zimmern nicht gelesen oder gespielt werden. 5. Mittagsschlaf von P/2 bis 
3 Uhr ist gestattet und soll es während dieser Zeit im Hause absolut ruhig sein. 6. Der 
Zutritt zur Küche ist nicht gestattet. 7. Das Lesezimmer wird bis 10 Uhr Abends erleuchtet. 
8. Bremer Zeitungen werden vom Hause gehalten, dürfen aber nur im Lesezimmer und in der 
Veranda gelesen werden. 9. Die 2 Fläschchen Bier, die Jeder täglich bekommt, sind weder 
zu verkaufen, noch zu verschenken. 10. Keine Namen in Bänke. Tische. Hütten oder Bäume 
hineinschneiden! 11. Es darf kein Papier in den Garten geworfen werden. 12. Man soll nicht 
durch die Haide, Wiesen u. s. w. gehen, sondern möglichst die Fusswege benutzen, um die 
Anpflanzungen zu schonen. 13. Während des Tages sind die Klosets draussen zu benutzen. 
Nachts diejenigen im Hause. 14. Sich des Nachts in seinem Zimmer einzusehliessen, ist nicht 
gestattet. 15. Wer sehr früh aufstehen will, muss möglichst ruhig im Hause sein, damit er 
die Anderen nicht stört. 16. Die Annahme von Trinkgeldern ist den Angestellten des Erholungs- 
hauses streng untersagt. 17. Erholungsbedürftige, welche Ansprüche an Krankenkassen machen 
können, behalten das ihnen zukommende Krankengeld für sich, sollten sich aber vorher mit 
den Krankenkassen in Verbindung setzen. Es werden von einem Arzt in Achterberg jede 
Woche Bescheinigungen ausgestellt, dass die Erholungsbedürftigen noch nicht arbeitsfähig (wo 
zutreffend) sind, also noch Anspruch auf Krankengeld haben. — Sonstiges: Die Abfahrt von 
Bremen (Bahnhof) nach Achterberg. Station Dorfmark, findet stets am 15. Tage des Monats, 
Kl Uhr 2 Minuten Morgens statt, die Rückkunft, nach Bremen am 13. Tage des Monats, 5 Uhr 
15 Minuten Nachmittags. Jeder sollte nur das allernothwendigste Gepäck mitnehmen. Die 
Fahrt von Dorfmark nach Achterberg findet mit Wagen statt, Fahrtdauer 50 Minuten. Die 
Gäste dürfen Briefe schreiben und empfangen. Vom 15. April bis 13. Juli werden Männer, vom 
15. Juli bis 15. Oktober Frauen oder Mädchen aufgenommen. Dankbarkeit bezeigen die Gäste 
dadurch, dass sie die Hausregeln (Aufnahme-Bedingungen) streng befolgen. — Speiseordnung: 
Morgens 7 Uhr: Kaffee, Butter und Brot. Morgens 10 Uhr: Milch, belegtes Butterbrot. Mittags 
12 '/j Uhr: Bürgerliches Mittagessen, 1 Glas Bier. Nachmittags 4 Uhr: Kaffee, Butter, Brot. 
Abends 7 Uhr: Kaffee oder Thee, Butterbrot, kalter Aufschnitt. Abends 8 Uhr: 1 Glas Bier. 
Die Speisen sind reichlich und gut, wie es sich für Erholungsbedürftige gehört. 

Adelebsen, 1 048 Einw. (Kreis Uslar, Reg. -Bez. Hildesheim). 

Alma-Louisensüft. 1889 von der Frau von der Gabelenz geb. Freiin von Olders- 
hausen errichtet. Eigenthümer: Henriettenstift zu Hannover. Vorstand: Pastor Büttner. 
Leitender Arzt: Dr. Schröder. Wartepersonal: 1 Diakonissin aus dem Henriettenstift. HBetten. 
Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 0,40 — 1,40 M. 1898 wurden 8 m. Kranke verpflegt, 
davon ist 1 gestorben. Ausserdem wurden verpflegt: 15 Pfründner. 1 Altersschwache. 2 Sieche 
und Krüppel. Ausgaben 1898: 3 204,39 M. Die Einnahmen 1898 betrugen 3 280,40 M und 
setzten sieh zusammen aus 2 586,26 M eingezahlten Verpflegungsgeldern. 100,74 M an verkauften 
eigenen Produkten, 300 M eigenen Kapitalszinsen, 200 M Zuschnss der Gemeinde, 63,40 M 
Legaten, Geschenken nnd Kollekten und 30 M aus sonstigen Quellen. 

Adenau, 1 675 Einw. (Kreis Adenau, Reg.-Bez. Koblenz). 

St. Josephshans. 1867 errichtet von der Schwester Rosa Flesch, frühere Oberin des 
Mutterhauses der Franziskanerinnen zu Waldbreitbach. Eigenthümer: Kathol. Pfarrkirche. 
Arzt: Kreisphysikus Dr. Boeder. Wartepersonal: 11 Franziskaner-Tertiarierinnen aus Wald- 
breitbach. 25 Betten. 1898 wurden 40 m„ 26 w. Kranke durchschnittlich IIS Tage verpflegt, 
davon sind 8 m., 1 w. gestorben. 

Ahaus, 3 100 Einw. (Kreis Ahaus, Reg.-Bez. Münster). 

Marien-Hospital. 1858 aus milden Gaben und Schenkungen errichtet. Eigenthümer 
Kuratorium mit Rechtsfähigkeit. Arzt: Dr. Helming. Wartepersonal: 7 Franziskanessen 
aus Münster. 44 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 0.40 bis IM. 1898 wurden 
75 m., 81 w. Kranke durchschnittlich 74 Tage verpflegt, davon sind 6 m., 10 w. gestorben. 
Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 6 703,3 1 M. letztere setzten sich zusammen aus 
6 364,34 M eingezahlten Verpflegungsgeldern, 300 M Zuschuss der Stadt und 38,97 M Bestand. 



Ahlen— Alienberg. — 6 — Königreich Preussen. 

Ahlen, 5 595 Einw. (Kreis Becknm, Eeg.-Bez. Münster). 

St. Vineenz-Hospital. 1852 errichtet. Eigenthüiner: Annexuin der alten Pfarrkirche 
ad St. Bartholoniaeum. Arzt: Dr. Benneinann. Wartepersonal: 8 Franziskanessen ans Münster. 
40 Betten. 189S worden 93 m., 55 w. Kranke durchschnittlich 66 bezw. 72 Tage verpflegt, davon 
sind 6 m., 13 w. gestorben. 

Ahrensburg, 1 848 Ehm. (Kreis Stormarn, Eeg.-Bez. Schleswig). 

Krankenhaus Siloah. Eigenthümer: Graf Karl von Schimmelinann. Arzt: Dr. Kindt. 

Wartepersonal: 1 Schwester aus dem Clementinenhause in Hannover. 12 Betten. Kosten- 
preis für einen Terpfiegungstag 1 bis 2 M einschl. Medizin und Arzt. 

Irren- Pflegeanstalt des W. Warnick. 1866 eröffnet. Arzt: Dr. Lange. 6 Betten. 
Verpflegungspreis 3 M täglich. 

Ahrweiler, 4 773 Einw. (Kreis Ahrweiler, Eeg.-Bez. Koblenz). 

St. Maria-Josephs-Hospital — besitzt Rechtsfähigkeit. 1855 eröffnet. Eigenthümer: 
Katholische Kirche. Wartepersonal: 7 Borronnierinnen aus Trier. 14 Betten. Kosten- 
preis für einen Verpflegungstag 1,20 — 1,30 M. 1S9S wurden 32 ni., 23 w. Kranke durch- 
schnittlich 97 Tage verpflegt, davon sind 2 m.. 6 w. gestorben. Ausserdem 11 Pfründner und 

2 Sieche verpflegt. 

Dr. v. EhrenwalFsche Kuranstalt für Geniüths- und Nervenkranke. Am 1. April 
1877 durch Martin Schadde und Dr. Teltgen gegründet. Neubau 1898 bezogen. Vor- 
stand: Dr. v. Ehrenwall und Dr. Zacher. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 18 m., 19 w. 
ausgebildete Krankenwärter. 105 Betten. 1898 wurden 115 m., 87 w. Kranke durchschnittlich 
152 Tage verpflegt, 12 m., 2 w. sind gestorben. 

Aken, 6 811 Einw. (Kreis Kalbe a./S., Eeg.-Bez. Magdeburg.) 

Städtisches Krankenhaus. 1869 errichtet. Arzt: Dr. Harmuth. 7 Betten. Kosten- 
preis für einen Verpflegungstag 0,60 M. 189S wurden 22 m., 6 w. Kranke durchschnittlich 
15 Tage verpflegt, 2 m., 2 w. sind gestorben. 

Albendorf, 1 598 Einw. (Kreis Neurode, Eeg.-Bez. Breslau). 

St. Josef-Krankenstift. 1. Mai 1890 gestiftet durch Fürstbischöfliehen Konsistorial-Eath 
und Pfarrer Adolf Bücker, hat Rechtsfähigkeit. Arzt: Dr. Alfred Paul. Wartepersonal: 

3 Franziskanessen aus Münster i. W. 30 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 0,4 o 
bis 0,60 M. 189S wurden 25 m., 13 w. Kranke durchschnittlich 47 bezw. 28 Tage verpflegt; 
davon sind 3 m., 2 w. gestorben. Ausserdem wurden verpflegt: 8 Pfründner, 5 Altersschwache 
und 1 Sieche. Ausgaben 1S98: ordentliche 2 831 M, ausserordentliche 590 M. Die Einnahmen 
1898 betrugen 3 976 M und setzten sich zusammen aus 1 686 M eingezahlten Verpflegungsgeldern, 
1 468 M eigenen Kapitalszinsen und 822 M Legaten und Geschenken. 

Aldekerk, 1 523 Einw. (Kreis Geldern, Eeg.-Bez. Düsseldorf). 

Magdalenen-Hospital. Annen- und Krankenhaus der Kirchengemeinde. Eröffnet am 
20. Dez. 1887. 

Allenberg bei Wehlau, 927 Einw. (Kreis Wehlau, Eeg.-Bez. Königsberg). 

Provinzial- Irrenheil- und Pflegeanstalt. 1. Sept. 1852 eröffnet, Neubauten 1870 72. 
1879 Koloniegebäude, 1881, 18S5, 1S94 Ankauf von 39 ha Acker und Wiesen, 1895 sind 

neue Häuser erbaut. Eigenthümer: Provinz Ostpreussen. Direktor: Dr Sechs 

Assistenzärzte. Wartepersonal: 61 m., 61 w. ausgebildete Krankenwärter, einschl. 3 Ober- 
wärter und 3 Oberwärterinneu. Verwaltungspersonal: 9 m., 2 w. Personen. 890 Betten, 
auch Familienpflege. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: in 3 Klassen 4.n M. 2,os M 
und 0,82 M. 1898 wurden 591 m., 547 w. Kranke diirehschnittlich 279 bezw. 303 Tage verpflegt. 
29 m., 29 w. sind gestorben. 21 Pfleglinge waren in Familien untergebracht. Ausgaben 1S98: 
ordentliche 435511,75 M. ausserordentliche 37 314.95 M. Die Einnahmen 1898 betrugen 
473511,75 M und setzten sich zusammen aus 140S96.4S M eingezahlten Verpflegungsgeldern, 
16 310,75 II an verkauften eigenen Produkten, 275 700,26 M Zuschuss der Provinz, 2 604.36 M 
aus sonstigen Quellen und 38 000 M Darlehn zu den ausserordentlichen Ausgaben. 



Königreich Prenssen. — 7 — Allenstein — Alstaden. 

Allenstein. 23 431 Einw., 25 Aerzte, 2 Zahnärzte, 13 Hebammen, 3 Apotheken (Kreis 
Allenstein, Eeg.-Bez. Königsberg). 

Seit 1899 neue Wasserleitung, Grundwasser aus -1 Brunnen neben dem ca. 3 km von 
der Stadt gelegenen Ockulsee mit Enteisenungsanlagen. Das Wasser wird mittels Pumpwerk 
auf den 20 ni über dem höchsten Punkt der Stadt gelegenen Wasserthumi geleitet. Von hier 
aus natürlicher Druck. Kosten der Wasserleitung annähernd 000 000 M. Daneben auf den 
Höfen einzelner Häuser und in den Strassen der Stadt Röhren-Tiefbrunnen. — Städtischer 
Schlachthof seit 1. April 1883. Anlagekosten 46000 M. Im letzten Jahre sind geschlachtet 
10582 Schlachtthiere (1741 Rinder, 1813 Kälber. 3^2 Schweine. 3716 Schafe, 20 Ziegen). 
Neben dem Schlachthaus ist eine Freibank vorhanden. — Seit dem 1. Aug. 1899 Kanalisation, 
System Shone; die Abwässer weiden aus den einzelnen Bezirken angesogen und durch Luft- 
druck nach der Kläranlage befördert. Letztere verbessertes Dibdin'sches System. Zurück- 
haltung der gröberen Stoffe durch o feiner werdende Rechen, dann Absetzen der feineren 
Senkstoffe in mechanischer Weise im Klärbassin mit bakteriologischer Oxydation. Filtrirtes 
Wasser geht in die Alle. Anlagekosten 900000 M. Abfuhr bis jetzt noch Kübelsystem. — 
Aerztliche Leichenschau eingeführt. — Desinfektionsanstalt: besteht im St. Marien- 
Hospital seit 1894, Budenberg'scher Apparat. — Öffentliche Badeanstalten: eine im 
Allefluss, eine zweite im dicht bei der Stadt gelegenen Langsee. — Bau-Polizei-Ordnun<r 
vom 9. Febr. 1S92. 

Garnisonlazaret. 1>84 bis 1S92 erbaut bezw. erweitert. Es liegt im Süden der Stadt an der 
Chaussee nach Hohenstein. Vorstand: Generaloberarzt Dr. Schilling. Wartepersonal: 3 Dia- 
konissen aus Königsberg i. Pr.. 7 ausgebildete Militär-Krankenwärter. 1 Zivilkrankenwärter. 
128 Betten. 1898 wurden 720 Kranke durchschnittlich 25 Tage verpflegt, 5 sind gestorben. 
Bauliche Beschreibung: Block- und Pavillonsystem, massiver Rohbau. Beim Erweiterungs- 
bau ist geplant: 1 Baracke zu 45 Betten. 1 Schulhaus, Anbau am Verwaltungsgebäude, 1 Auf- 
bau des Waschhauses. 1 Leichenhaus. Ankauf eines zu Wohnungs- und Magazinzwecken einzu- 
richtenden Speichergebäudes. Beleuchtungssystem: probeweise Gasglüblicht. Ventilations- 
system: Luftschächte in Verbindung mit der Heizung. Kippfenster und in den Stubenthüren 
Jalousieschieber: in der Dachfirst der Krankensäle und Korridore der Baracken Doppelklappen; 
auf dem Dache Wolpert'sche Sauger. Heizungs System: Kachelöfen, eiserne Regulierfüllöfen, 
Kramer'sche Oefen. Desinfektionsanstalt: für Lazaret und Garnison Apparat von Budenberg 
in Dortmund. Wasserversorgung: Anschluss an die städtische Wasserleitung. Latrinen: 
Wasserspülung. Beseitigung der Abfallstoffe: Anschluss an die städtische Kanalisation. 

St. Marienhospital , Kreiskrankenhaus. Krankenpflege und Pflege armer altersschwacher 
Personen, sowie zur Erziehung armer Waisen. 1858 durch katholische Geistliche des Kreises 
und hervorragende Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde errichtet, seit 1878 auch Kreis- 
krankenhaus. Besitzt Rechtsfähigkeit. Vorstand: Verwaltungsrath, an der Spitze der jedes- 
malige Erzpriester. Leitender Arzt: Dr. Kornalewski. Wartepersonal: 9 Vincentinerinnen 
aus Kulm. 2 Krankenwärter. 100 Betten: 70 für in., 30für w. Kranke; darunter 12 für Knaben, 
IG für Mädchen. Kostenpreis für einen Verpflegungsta^ : 4 M. 2.r.o M. l.so M. I.20 M. 
1S98 wurden 400 m., 209 w. Kranke durchschnittlich 32 Tage verpflegt, 23 m.. 23 w. sind 
gestorben. Ausserdem wurden verpflegt: 2 S Altersschwache und 8 Sieehe. davon 5 gestorben. 

Krankenanstalt des Dr. Kalmus. 25. Nov. 1898 eröffnet. 4 Betten. 

Ostpreussische Prov. -Irrenanstalt s. Kortau. 

Alpen, 855 Einw. (Kreis Mors, Eeg.-Bez. Düsseldorf). 

Krankenhaus — 1898 errichtet — 3 Franziskanessen aus Münster. 

Alstaden. 4 707 Einw. (Kreis Mülheim a./R., Eeg.-Bez. Düsseldorf). 

Kinderheilanstalt für schwächliche Ferien-Kolonisten. Eigenthümer: Verein ..Kinder- 
heilanstalt Alstaden." Wartepersonal: 1 Diakonisse. Aufnahmebedingungen: Es werden 
Pfleglinge im Alter von 4 bis 14 Jahren und zwar vorwiegend Kinder mit scrophulosen Leiden 
aller Art, aber auch andere schwächliche Kinder aufgenommen. 72 Betten. Kosten preis: 
30 M für den Monat; jede Kurperiode, vom Mai bis Oktober, dauert 4 Wochen. Die Anstalt 
hat einen vertragsmässigen Anspruch auf die Benutzung des Soolbades in Alstaden. Die Anstalt 
besteht aus einem Garten- und Baumwiesenterrain von *'■< a >1 qm Grösse, mit Gebäulich- 
keiten, enthaltend: 2 Säle, Küche. Waschküche und 22 Zimmer, zweifaches Treppenhaus. — Die 
Anlagekosten betragen: Grundfläche mit Gebäuden 47"'«> M, Ausstattung im Innern 8 ICH) M. 
Die jährlichen Unterhaltungskosten betragen etwa 8 760 M. 



Alt-Damm — Altenessen. — 8 — Königreich Preussen. 

Alt-Damm, 5 741 Einw., 3 Aerzte, 3 Hebammen, 1 Apotheke (Kreis Randow, Reg.- 
Bez. Stettin). 

Wasserversorgung durch 15 abessinische öffentliche Pumpbrunnen. — Entwässerung 
durch Grubensystem. — Desinfektionsapparat von Budenberg in Dortmund wurde im Mai 
1893 beschafft. — Oeffentliche Badeanstalt: Militärbadeanstalt, von Civilpersonen benutzt. 
— Bau-Polizeiordnung vom 25. April 1899. 

Garnisonlazaret. 1884 als Villa erbaut und am 1. Xov. 1888 als Garnisonlazaret ein- 
gerichtet. Es liegt im Osten der Stadt, Front nach Westen, an der Chaussee nach der Stadt 
Stargard. Arzt: Stabsarzt Dr. Friedländer. Wartepersonal: 3 Sanitätsmannschaften. 13 Betten. 

Städtisches Krankenhans. 1877 errichtet. Leitender Arzt: Dr. Weise. 15 Betten. 
Kostenpreis für einen Verpflegungstag: O.so M. 1S98 wurden 53 m., 10 w. Kranke durch- 
schnittlich 22,5 Tage verpflegt, davon sind 3 m., 1 w. gestorben. 

Alt-Döbern, 1 660 Einw. (Kreis Kalan, Reg.-Bez. Frankfurt). 

Kreis-Krankenhaus. Mai 1888 gegründet, durch Schenkungen von Grundbesitzern des 
Kreises Kalau. 1. Mai 1890 eröffnet. 1897 wurde eine transportable Baracke mit 12 Betten auf- 
gestellt. Die Anstalt besitzt Rechtsfähigkeit. Arzt: Dr. Schoemann. Wartepersonal: 
4 Johanniter-8chwestern aus Bethanien, Berlin und 2 ausgebildete Krankenwärter. 58 Betten: 
44 f. M., 14 f. Fr., darunter 8 f. Kinder. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 3, 2, 1,30 
bezw. 1 M. Verpflegte Kranke im Jahre 1898: 459 m.. 71 w.. durchschnittlich 34 Tage, davon 
sind gestorben: 15 m., 8 w. Ausgaben 1898: 26442 M. Die Einnahmen betrugen 26 526 M und 
setzten sich zusammen aus 22 195 M eingezahlten Verpflegungsgeldern, 400 M an verkauften 
eigenen Produkten, 3 000 M Zusehuss des Kreises, 4"iO M Legaten, Geschenken und Kollekten 
und 481 M aus sonstigen Quellen. 

Altena, 12 108 Einw. (Kreis Altena, Reg.-Bez. Arnsberg). 

Quellwasserleitung seit 1890. — Städtischer Schlachthof vorhanden. 

St. Vincenz-Hospital, 1884 vom Pastor Cram er gestiftet. Oberarzt: Sanitäts-RathDr.Ries. 
1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 6 Vincentinerinnen aus Paderborn. 30 Betten. Kos ten - 
preis für einen Verpflegungstag 1,20 M. 1898 wurden 144 m., 30 w. Kranke durchschnittlich 
42 Tage verpflegt, 7 m.. 2 w. sind gestorben. Ausserdem wurden verpflegt: 3 Altersschwache. 

Johanniter-Kranken- und Siechen-Haus. 1850 von der Westfälischen Genossenschaft 
des Johanniter-Ordens gestiftet. Arzt: Kr.-Phys., Sanitäts-Eath Dr. vom Hofe. Warte- 
personal: 4 Diakonissen aus „Sarepta" in Gadderbaum bei Bielefeld. 1 m., 1 w. Kranken- 
wärter. 50 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 3 M. 1,20 31. O.eo M. 1898 
wurden 122 m., 71 w. Kranke durchschnittlich 58 bezw. i;."> Tage verpflegt: (i m., 8 w. sind 
gestorben. Ausgaben 1.VJ8: 19 014 M. Die Einnahmen 1S9S betrugen 18677 M und setzten sich 
zusammen aus \ 1 4"*> M eingezahlten Verpflegungsgeldern, 3 000 M Zuschnss des Ordens, 2 200 M 
der Gemeinde und 2 021 M aus sonstigen Quellen. 

Heilstätte für nnbeinittelte Lungenkranke im St. Vincenz-Hospital, seit 1896. 

4 Betten. Täglicher Verpflegungssatz 2.5 M. Anlagekosten einschliesslich innerer Einrichtung 
3 000 M. Aufenthaltsdauer 3 Monate. 

Heilstätte für unbemittelte Lungenkranke im Johanniter-Krankeuhaus. 12 Betten. 
Täglicher Verpflegungssatz 3 M. Eröffnet 1897. Bis April 1898 wurden 19 Kranke verpflegt, 
Anlagekosten ca. ilHHiM; es ist eine von den übrigen Krankenräumen isolirt hegende Baracke 
erhaut. Aufenthaltsdauer bis 14 Wochen. 

Altenessen, 20 984 Einw. (Landkreis Essen, Reg.-Bez. Düsseldorf). 

Marien - Hospital. 28. Okt. L888 eröffnet. Eigenthümer: Kath. Pfarrgemeinde 
St. Joh. Baptist. Aerzte: Dr. Neglein und Dr. Klingholz. Wartepersonal: 8 barmh. 
Schwestern aus Essen, 1 in.. 2 w. ausgebildete Krankenwärter. 97 Betten: 6fi für Männer. 
31 für Frauen. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 3 M, 2,so M. l.so M. 1898 wurden 
356 in, 65 w. Kranke durchschnittlich 34 Tage verpflegt, 14 in.. 9 w. sind gestorben, 



Königreich Preussen. — 9 — Altenhagen — Altona. 

Altenhagen, Gemeinde Eckesey mit 8 607 Einw. (Landkreis Hageu, Reg.-Bez. Arnsherg.) 

St. Josephs-Hospital. 5. Sept. 1894 vom Pfarrer Theile gestiftet. Eigeiithümer: 
Kath. Pfarrgeineiiule. Arzt: Dr. Böttrich. Wartepersonal: 7 Vincentinerinnen aus Pader- 
born. 83 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 5 M, 3 M, 1,50 M. 1898 wurden 
394 m., 126 w. Kranke durchschnittlich 29 Tage verpflegt, 18 m., 6 w. sind gestorben. Aus- 
gaben und Einnahmen 1898 betrugen 27 650 M, letztere setzten sich zusammen aus 22 200 M 
eingezahlten Verpflegungsgeldenij 1 850 M Legaten, Geschenken und Kollekten und 3 600 M 
aus sonstigen Quellen. 

Altenhundem, Gemeinde Kirchhunden mit 4 316 Einw. (Kreis Olpe, Reg.-Bez. Arnsberg). 

Wasserleitung seit 189.5 vorhanden. 

St. Josephs -Hospital. Mai 1890 von der katholischen Kirchengemeinde gestiftet. 
Arzt: Dr. Henneke. Wartepersonal: 5 Franziskanerinnen aus Olpe. 26 Betten. Kosten- 
preis für einen Verpflegungstag: I25, M. 1898 wurden 35 m., 17 w. Kranke durchschnittlich 
49 Tage verpflegt, 4 m., 2 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: ordentliche 1960 M, ausser- 
ordentliche 1 349 M. Die Einnahmen 1898 betrugen 3 475 M und setzten sich zusammen aus 
3 235 M eingezahlten Verpflegungsgeldern und 240 M Geschenken. 

Altensorge, 529 Einw. (Landkreis Landsberg, Reg.-Bez. Frankfurt). 

Ferienheim für schwächliche Kinder. Eigenthümerin: Die Stadt Landsberg a./W. 
Bauplatz unentgeltlich, Baukosten 10 000 M. Jährlich werden etwa 35 Knaben und 35 Mädchen 
je 4 Wochen hindurch verpflegt. Pflegekosten werden nicht gezahlt. Die Unterhaltungskosten 
betragen 2 000 M und werden zum Theil aus dem Legat des Stadtrath Roestel, zum Theil 
aus freiwilligen Beiträgen gedeckt. 

Alt-Landsberg, 2 348 Einw. (Kreis Niederbarnim, Reg.-Bez. Potsdam). 

Städtisches Krankenhaus. Arzt: Dr. Crusius. 5 Betten. Kostenpreis für einen 
Verpflegungstag: 0,60 bezw. 0,75 M, ausserdem Kosten für Arzt und Arzenei. 1898 wurden 
10 m., 4 w. Kranke durchschnittlich 20 Tage verpflegt. 

Altona, 157 591 Einw., 82 Aerzte, 10 Zahnärzte, 98 Hebammen, 11 Apotheken 
(Stadtkreis, Beg.-Bez. Schleswig). 

Städtische Wasserleitung: Wasserentnahmestelle aus der Elbe unterhalb des Ortes 
Blankenese. Wasserverbrauch im Betriebsjahr 7 335 054 cbm; pro Tag und Kopf 121 Liter. 
Die Anlage des Wasserwerks fällt in die Jahre 1856/59. 1894 ist die Anlage für 2 336 137 M 
in den Besitz der Stadt Altona übergegangen. Die Kosten der bisher erfolgten Erweiterungs- 
anlagen belaufen sich auf 3 099 940 M. — Altona besitzt keinen eigenen Schlachthof, sondern 
benutzt den Hamburger Schlachthof mit. — Die Entwässerung erfolgt durch Sielleitung, die 
oberhalb der Stadt in die Elbe mündet. Ausdehnung der Kanäle: 104 497 m; Kosten der 
Unterhaltung und des Betriebes im letzten Betriebsjahr 47 53S M. — Aerztliche Leichen- 
schau ist vorgeschrieben. — Desinfektionsanstalt mit Schimmelmann'schem Apparat. 
Die Anstalt steht gegen ein billiges Entgeld Jedermann zur Verfügung. Die Anstalt ist seit 
1884 in Betrieb und steht unter städtischer Verwaltung. Desinfizirt wurden im letzten Betriebs- 
jahr: a) Wohnungen und Mobilien 18 mal; b) nur Mobilien 61 mal. Die Einnahmen betrugen 
1393 M, die Ausgaben 1367 M. — Oeffentliche Badeanstalten: 1) Bürgerstrasse, 1881 
erbaut, seit 1885 in städtischer Verwaltung, versehen mit Schwimmbassin (110 qm), 47 Kabinette, 
10 Salonbäder, je 24 Zellenbäder I. u. IL Klasse, 15 Badezellen mit Brausebad. Anlagekosten 
250 000 M. 2) in der Sternstrasse, Ottensen, enthält 5 Wannenbäder L, 24 desgl. n. Kl., 
15 Zellen mit Brausebad. 1892 städtischerseits errichtet. — Bau-Polizeiordnung vom 
15. Nov. 1892 mit 3 Nachträgen vom 13. Juni 1895, 25. Nov. 1897, 6. Jan. 1899. 

Garnisonlazaret für Altona- Bahrenfeld, Hamburg und Wandsbeck. 1S68/72 
erbaut, am 25. Sept. 1872 bezogen und liegt im nördlichen Theile der Stadt. Vorstand: 
Generaloberarzt Dr. v. Kühlewein. Wartepersonal: 12 ausgebildete Krankenwärter. 176 Betten. 
1898 wurden 1594 Kranke durchschnittlich 24 Tage verpflegt; 7 sind gestorben. Beleuch- 
tungssystem: Gasglühlicht, mit Ausnahme der Personalstuben. Ventilationssystem: 
Luftschächte in Verbindung mit einer Heizung. Heizungssystem: Niederdruckwasserheizung. 
Desinfektionsanstalt: Apparat von Schimmehnann für die ganze Garnison. Wasser- 
versorgung: städtische Wasserleitung. Latrinen: Wasserspülung. Beseitigung der Abfall- 
stoffe: Anschluss an die städtische Kanalisation. 



Altena. — 10 — Königreich Preussen. 

Lazaret des Königlichen Landgerichts -Gefängnisses. Eigenthümer: Justizfiskus. 
Arzt: Dr. Wächter. 21 Betten. 1898 wurden 142 m., 18 w., einschl. 69 Krätzkranke, durch- 
schnittlich 14 Tage verpflegt 

Stadt-Krankenhaus (Allee 164). 1861 theils durch freiwillige Beiträge, theils auf Kosten 
der Stadt erbaut, September 1882 erweitert. Leitende Aerzte: Prof. Dr. Krause für die 
chirurgische, Dr. du Mesnil de Roehemont für die medicinische und Geisteskranken -Abtheilung, 
7 Assistenzärzte und Prosector Dr. Hueter. Wartepersonal: 17 Schwestern vom rothen Kreuz; 
1 ausgebildeter Krankenwärter und 10 m., 45 w. Wärter. 500 Betten in 4 Klassen: I. Kl. je 
4; H. Kl. 38 f. M., 25 f. Fr.; HL Kl. 278 f. M., 151 f. Fr.; IV. Kl. 320 f. M., 180 f. Fr. Kosten- 
preis für einen Verpflegungstag: 8, 4 und 4,5 n, 2 und 2, so M; für Säuglinge: 0,so M; Abonne- 
ments für Dienstboten: 5 M jährlich. 1898 wurden 4 042 (2 375 m., 1667 w.) Kranke durch- 
schnittlich 27,6 bezw. 32 Tage verpflegt. Davon gestorben: 401 (243 m., 158 w.) Kranke. 
Ausserdem wurden verpflegt: 125 in., 55 w. Krätzkranke und 12 Säuglinge. Die Ausgaben und 
Einnahmen betrugen 1898 342 343 M, letztere setzten sich zusammen aus 261 925 M eingezahlten 
Verpflegungsgeldern, 1 673 M an verkauften eigenen Produtten und 78 745 M Zuschuss der Stadt. 

Evangelisch-lutherische Diakonissen-Anstalt für Schleswig-Holstein (Steinstrasse 48). 
Heimath und Ausbildungsstätte von Diakonissen nebst Krankenhaus. Am 28. Dez. 1867 von 
Pastor Dr. Biernatzki eröffnet. Das Diakonissen -Mutterhaus ist neu erbaut und am 13. Okt. 
1875 eingeweiht. Die Anstalt hat Rechtsfähigkeit. Vorstand: Pastor D. Theodor Schäfer. 
Arzt: Dr. Caspersohn. Wartepersonal: 10 Diakonissen; 1 Krankenwärter. 50 Betten in 
3 Klassen: I. Kl. 2 f. M., 4 f. Fr.; H. Kl. 4 f. M., 6 f. Fr.; DI. Kl. 15 f. M., 19 f. Fr. Kosten- 
preis für einen Verpflegungstag: 8, 4, 2 M. 1898 wurden 117 m., 241 w. Kranke durchschnittlieh 
37 bezw. 34 Tage verpflegt, 13 m., 29 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: ordentliche 66424,17 M, 
ausserordentliche 6 803,2« M. Die Einnahmen 1898 betrugen 82 770,06 M und setzten sich 
zusammen aus 57 513,io M eingezahlten Verpflegungsgeldern, 15 818,oi M Legaten, Geschenken 
und Kollekten und 9 438,95 M Kassensaldo von 1897 und zurückgezahlte Vorschusse. 

Chirurgische Privat-Heilanstalt (Sonninstrasse 34). 1. Jan. 1898 von Prof. Dr. Krause 
eröffnet. 1 Assistent. 10 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegnngstag: 6 — 12 M. 1898 
wurden 36 m., 40 w. Kranke durchschnittlich 18 Tage verpflegt; 3 m., 4 w. sind gestorben. 

Privat-Heilanstalt für Frauenkrankheiten (Schillerstrasse 9). 1. Juli 1887 eröflhet. 
Aerzte: Dr. Raether und Dr. Sigismund. 12 Betten. Verpflegungspreis: 9 — 7,50 M, 6— 5 M, 
3 — 2,50 M täglich. 1898 wurden 124 w. Kranke durchschnittlich 23 Tage verpflegt, 2 sind 
gestorben. 

Privatklinik der Drs. Frank und Felgner. Mai 1895 eröffnet. 10 Betten. Kosten- 
preis für einen Verpflegungstag: 8, 5, 3 M. 1898 wurden 10 m., 101 w. Kranke durch- 
schnittlich 19 Tage verpflegt, 3 w. sind gestorben. 

Augen- und Ohren-Klinik (Blücherstrasse 46). Am 1. Febr. 1870 von den Drs. Ludwig 
Auerbach und Otto Paulsen eröffnet. 30 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 
die Stadt zahlt für Erwachsene l,so M, für Kinder 0,50 M. 1898 wurden 67 m., 43 w. Augen- 
und 4 ni., 5 w. Ohrenkranke verpflegt, 1 m. ist gestorben. 

Altonaer Kinder - Hospital (Gr. Bergstr. 129). 24. Mai 1859 vom Verein für das 
Altonaer Kinderhospital eröffnet, 27. Juli 1882 ist der Neubau bezogen. Vorstand: Franz 
Beckmann. Arzt: Dr. Grüneberg. Wartepersonal: 1 Schwester vom rothen Kreuz aus dem 
Helenenstifte; 6 Krankenwärterinnen. 80 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 
für Einheimische I.20 M; für Auswärtige 1,50 M. 1898 wurden 178 m., 170 w. Kranke durch- 
schnittlich 72 Tage verpflegt, 30 m., 23 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: 38132 M. Die 
Einnahmen 1898 betrugen 43 354 M und setzten sich zusammen aus 28 835 M eingezahlten 
Verpflegungsgeldern, 2 678 M eigenen Kapitalszinsen und 11841 M Legaten, Geschenken und 
Kollekten. 

„Kinder-Hospital des weiblichen Vereins" (Blumenstr. 90). 1859 von Frl. Emma Poel 
in Altona gestiftet^ seit 1888 im Besitz der Diakonissen-Anstalt. Vorstand: Pastor D. Theodor 
Schäfer, Vorsteher der Diakonissen-Anstalt. Arzt: Dr. Henrichsen. Wartepersonal: 4 Diako- 
nissen. 40 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 1,20 M. 1898 wurden 76 m., 
65 w. Kranke durchschnittlich 54 Tage verpflegt, 28 m., 12 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: 
ordentliche 10336,55 M, ausserordentliche 595,56 M. Die Einnahmen 1898 betrugen 12 119.12 M 
und setzten sich zusammen aus 7 840,90 M eingezahlten Verpflegungsgeldern, 1 184,09 M Kapitals- 
zinsen, 1192,60 M Legaten, Geschenken und 1901,53 M Kassensaldo. 

Erholungshaus für schwächliche Kinder (Ohlendorff's Allee 7). Gegründet von 
Richard Donner und wird auch von demselben unterhalten. 

Kinderheim im Stadtbezirk Ottensen (Treskow- Allee 5). Gegründet vom Verein zur 
Unterhaltung von Kinderheimen in Altona. 1892 erbaut. 200 Kinder werden in der schul- 
freien Zeit beschäftigt. 



Königreich Preusseii. — 11 — Alt-Scherbitz — Amelsbüren. 

Sieeheuhaus und Irrenpflegeanstalt (an der Norderstr. und Feldstr.). 1. Jan. 1887 
von der Stadt eröffnet, 1891 erweitert. Leitender Arzt: Kreisphysikus Geh. Sanitäts - Kath 
Dr. J. Walliehs. Wartepersonal: 2 m., 2 w. ausgebildete Krankenwärter und 1 Wärter. 
158 Betten für Sieche und 122 Betten für unheilbare Geisteskranke. 1S98 wurden 70 m., 
71 w. Geisteskranke durchschnittlich 200 Tage und 126 m., 81 w. Sieehe durchschnittlich 98 
bezw. 132 Tage verpflegt; je 15 Geisteskranke und 14 in., 9 w. Sieche sind gestorben. 

StSdtisehe Entbindungsanstalt (Norderstr. 45). 1714 eröffnet, bis 1874 Hebammeu- 
schule. Arzt: S.-R. Dr. Litzmann. 18 Betten. Verpflegungssatz: 1,50, 2,so und 4 M 
täglich. 1898 wurden 197 Personen durchschnittlich 10 Tage verpflegt, zur Ausbildung gelangten 
18 Personen. Unterhaltungskosten: 9503,89 M. 

Reventlow'sche Armenstiftuiig. 1720 vom Ober-Präsidenten Grafen Chr. Reventlow 
gestiftet und am 24. Okt. 1883 in neue Räume verlegt, 1892 und 1894 vergrössert. Die 
Anstalt enthält in 7 Gebäuden Wohnungen für Alumnen, ausserdem Kapello, Prediger- und 
Küsterhaus. Die Verwaltung leiten 2 Provisoren, die vom Magistrat ernannt werden. Arzt: 
Dr. Möller. 

Altenheim. 1894 erbaut vom Weiblichen Verein für Armen- und Krankenpflege. 11 Einzel- 
uud 2 Doppelwohnungen. 

Augusten-Stift (Steinstr. 40). Filiale der Diakonissen-Anstalt seit 29. Juli 1S84. Pflege 
weiblieher Siechen. 25 Betten in 3 Klassen. Verpflegungspreis: I. Kl. 1200; II. Kl. 700; 
III. Kl. 400 M. jährlich. 

Israelitisches Altenhaus (Blücherstr. 20/22). Arzt: Dr. Goldschmidt. 20 Betten. 

Helenen • Stift (Allee KU). Pflegerinnenhaus des Vaterländischen Frauenvereins. Ver- 
pflegungspreis in der Stadt für den Tag 3 M, für Tag und Nacht 5 M, für Nachtwache 4 M, 
für eine Woche Tag und Nacht 21 M. 

Pflegerinnenheim (Katharinenstr. 11). 1887 gegründet. 

Feierabendhaus. Der am 16. Febr. 1875 gegründete Verein gewählt Verpflegung in 
einem Erholungshaus für Lehrerinnen und Erzieherinnen aus der Provinz Schleswig-Holstein. 

Alt-Scherbitz, 1 163 Einw. (Kreis Merseburg, Keg.-Bez. Merseburg). 

Provinzial- Irren -Heil- und Pflegeanstalt mit dem Siechen- Asyl „Kaiser TVUhelin- 
Augusta- Stiftung"; erstere 1876, letzteres 1882 von der Provinzial -Verwaltung von Sachsen 
errichtet. 1888 bis 1891 Erweiterungsbauten. Landwirthschaft. Offen-Thür-System Direktor: 
Sanitäts-Rath Dr. Paetz. (i Assistenzärzte. Wartepersonal: 59 m., 43 w. Krankenwärter. 
Verwaltungspersonal: 10 m., 2 w. 800 Betten: I. Kl. 13 für Männer, 8 für Frauen, 
II. KI. je 49, HI. Kl. 398 für Männer, 283 für Frauen, ausserdem je 80 für das Asyl. Kosten- 
preis für einen Verpflegungstag: I Kl. 3,29—6,03 M, H. Kl. 1,84— 2,i9 M, HI. Kl. 0,66 — l,io M. 
1898 wurden 640 m., 522 w. Kranke durchschnittlich 276 bezw. 272 Tage verpflegt, 54 m., 31 w. 
sind gestorben. Die Ausgaben und Einnahmen 1898 betragen 585 168,57 M, letztere setzten sich 
zusammen aus 30)5 708,97 M eingezahlten Verpflegungsgeldern, 43 000 M an verkauften eigenen 
Produkten, 230 254,42 M Zuschuss der Provinz und 5 205,18 M aus sonstigen Quellen. 

Altweistritz, 990 Einw. (Kreis Habelschwerdt, Reg.-Bez. Breslau). 

Siechenhaus (Herz Jesu-Stift) für Altersschwache, Krüppel und Blinde. Eröffnet 4. April 
1898. Eigenthümer: Kranken-, Armen- und Arbeitsanstalt Maria-Hilf in Habelschwerdt. 
28 Betten. 

Amalienhof, Gemeinde Staaken mit 1 670 Einw. (Kreis Osthavelland, Keg.-Bez. Potsdam). 
Genesungsheim, von einem Wohlthäter gestiftet. 10 Betten. 1 Krankenschwester. 

Amelsbüren, 1 960 Einw. (Landkreis Münster, Reg.-Bez. Münster). 

Alexianer-Irrenpflegeanstalt „Haus Kannen". Im September 1887 von der Alexianer- 
Genossenschaft errichtet. 1897 Neubauten. Leitender Arzt: Dr. Dercken. Wartepersonal: 
31 barmh. Brüder, Alexianer aus Aachen. 290 Betten: I. Kl. 5, IL Kl. 60, HI. Kl. 225 f. Männer. 
Verpflegte 1898: 5, 50, 235 m. (davon 15 gestorben). Kostenpreis für einen Verpflegungs- 
tag: 3 — 6, 2—2,50, 1 — l,2o M. Ausserdem wurden verpflegt: 5 Personen zur Ausbildung. Aus- 
gaben 1898: ordentliche 66606,73 M, ausserordentliche 134 222,16 M für Neubauten, rück- 
ständige Haushaltungsschulden 33 000 M. Die Einnahmen 1898 betragen: 232 919 M und setzten 
sich zusammen aus 117 919 M eingezahlten Verpflegungsgeldern, 7 000 M eigenen Oekonomie- 
erzeugnissen, 76 000 M Legaten, Geschenken und 32 000 M Aufnahme von Kapitalien. 



Andernach, St. Andreasberg. — 12 — Königreich Preussen. 

Andernach, 6 853 Einw. (Kreis Mayen, Reg.-Bez. Koblenz). 

St. Josephs-Hospital für Kranken-, Siechen- und Waisenpflege. 1249 durch einen Bürger 
gegründet, 1826 durch Stiftung des Geheimraths F. v. Mehring vergrössert. 1898 Neu- 
bauten. Eigenthümer: Stadt Andernach und Landgemeinde Namedy; die Anstalt besitzt 
Rechtsfähigkeit. Vorstand: Hospitalkonimission. Arzt: Dr. Palm. Wartepersonal: 
14 Borromäerinnen aus Trier, 1 m.. 2 w. Krankenwärter. 62 Betten: I. Kl. 1 f. M., 4 f. Fr.; 
H. Kl. 3 f. M., 5 f. Fr.-. HI. Kl. 24 f. M., 25 f. Fr.; darunter für Kinder 6. Kostenpreis für 
einen Verpflegungstag: für Einheimische 6, 3, 1,2 5 M; für Auswärtige 8, 5, 1,75 M. 1898 
wurden 135 m., 42 w. Kranke durchschnittlich 30 bezw. 75 Tage verpflegt, davon sind 8 m., 3 w. 
gestorben. Ausserdem wurden verpflegt: 101 Pfründner. Ausgaben 1898: ordentliche 33 000 M, 
ausserordentliche 82 000 M. Die Einnahmen 1898 betrugen 33 000 M und setzten sich zu- 
sammen aus 8 311 M eingezahlten Verpflegungsgeldern, 7 200 M eigenen Kapitalszinsen und 
17 489 M aus sonstigen Quellen. 

Krankenhans der Franziskaner-Schwestern. Gestiftet von Elisabeth Simons, genannt 
Schwester Agatha. Arzt: Dr. Bissmeier. Wartepersonal: 14 Franziskanerinnen aus Wald- 
breitbach. 15 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 2 und 1,20 M. 1898 wurden 
11 m., 15 w. Kranke durchschnittlich 59 bezw. 136 Tage verpflegt, davon ist 1 w. gestorben. 
Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 4 332,20 M. 

Rheinische Provtnzial-Irren-Heil- und Pflegeanstalt. Am 15. Okt. 1876 eröffnet. 1891 
Neubauten. Vorstand und leitender Arzt: Dr. Schreiber. 4 Assistenzärzte. Wartepersonal: 
30 m., 29 w. ausgebildete Krankenwärter. Verwaltungspersonal: 21m., 14 w. 436 Betten: 
I. Kl. 3; n. Kl. 16 f. M.. 9 f. Fr.; HI. Kl. 25 f. M., 26 f. Fr.; IV. Kl. 177 f. M., 180 f. Fr. 
Kostenpreis für einen Verpflegungstag: für Rheinländer 8, 4. 2,50, l,so (1,35) M; für nicht 
Rheinländer 9, 5, 3 M. 1898 wurden 323 m., 301 w. Kranke durchschnittlich 226 Tage verpflegt, 
24 m., 21 w. sind gestorben. Ausgaben 1S98: ordentliche 281 475 M, ausserordentliche 5 249 M. 
Die Einnahmen betrugen 286 742 M und setzten sich zusammen aus 273 000 M eingezahlten 
Verpflegungsgeldern, 12 500 M an verkauften eigenen Produkten, 42 M Geschenken und 1 200 M 
aus sonstigen Quellen. 

Irren -Bevyahranstalt St. Thomas. 1833 durch die Königliche Regierung in Koblenz 
gestiftet. Erweiterungsbau bis 1891. Eigenthümer: die Gemeinden des Reg.-Bez. Koblenz 
ausschl. des Kreises Meisenheim. Die Anstalt besitzt Rechtsfähigkeit. Leitender Arzt: 
Dr. Heintze. Wartepersonal: 11 m., 10 w. ausgebildete Krankenwärter und 5 m., 5 w. 
andere Wärter. 300 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 1,20 M. 1898 wurden 
150 m., 154 w. Kranke durchschnittlich 332 Tage verpflegt, 2 m., 14 w. sind gestorben. Aus- 
gaben 1898: ordentliche 123100 M, ausserordentliche 26 000 M. Die Einnahmen betrugen 
165 410 M und setzten sich zusammen aus 7 000 M eingezahlten Verpflegungsgeldern, 4 000 M 
an verkauften eigenen Produkten. 210 M eigenen Kapitalszinsen, 145 200 M Zuschuss der 
Provinz und 9 000 M des Kreises. 

St. Andreasberg, 3 552 Einw. (Kreis Zellerfeld, Reg.-Bez. Hildesheim). 

Städtisches Krankenhans. 1856 eingerichtet. Arzt: Dr. Jacubasch. 10 Betten. 
Kostenpreis für einen Verpflegungstag: l,oo M und 0,fio M. 1898 wurden 15 m., 4 w. 
Kranke durchschnittlich 18 Tage verpflegt, 3 m., 1 w. sind gestorben. Ausgaben und Ein- 
nahmen 1898 betrugen 806 M, letztere setzten sich zusammen aus 676 M eingezahlten Ver- 
pflegungsgeldern, 26 M Zuschuss des Kreises und 104 M der Stadt. 

Lungenheilstätte am Oderberge, von der Hanseatischen Alters- und Invaliditäts- 
Versicherungs-Anstalt zu Lübeck nach den Plänen und unter Oberleitung des Kunst- 
gewerbe-Schuldirektors Hartig in Barmen 1895/97 erbaut und August 1897 eröffnet. Arzt: 
Dr. Ott. Wartepersonal: 1 Diakonissin aus dem Henriettenstift in Hannover, 6 Kranken- 
wärter. 120 Betten für Männer. 1898 wurden 364 Kranke durchschnittlich 3 Monate verpflegt, 
kein Todesfall. 

Bauliche Beschreibung: Das Hauptgebäude besteht aus dem Mittelbau (Verwaltungs- 
gebäude) und 2 Flügelbauten. Fachwerkbau mit Holzbekleidung. Bebaute Grundfläche: 3 400 qm. 
Zahl der Stockwerke: Keller-, Erd- Ober- und Dachgeschoss. Stockwerkhöhe: 3,80 m. 

Kubikraum Luft durchschnittlich auf das Bett: 35 cbm. Niederdruck -Dampfheizung. 
Lüftungsanlage: Luftzuführung durch einen einen elektrisch betriebenen Ventilator. 
Elektrische Beleuchtung. Wasserversorgung: Eigene Leitung für Quellwasser. Abort- 
einrichtung und Pissoiranlage: Torfmullaborte mit Kübeln; der Inhalt der Kübel wird in ver- 
deckten Gruben gesammelt, mit Erde gemischt und nach ausreichend langer Lagerung als 
Dung verwandt. Die Pissoiranlage ist mit Becken und Wasserspülung versehen. Beseitigung 
der Schmutz wässer: Die Abwässer der Küchen, Bäder, Waschräume und Pissoiranlagen werden 
in ein Bassin geleitet und dann einer Rieselanlage zugeführt; das Regen- und Schneeschmelz- 
wasser wird in einem Bassin aufgefangen, um für die Kesselspeisung verwandt zu werden. 
Desinfektionsanlage : Dampf-Desinfektionsapparat. 



Königreich Preussen. — 13 — Angerbnrg, Angermflnde. 

Wasch- und Badeeinrichtung: In jedem Geschosse jedes Flügels ein mit Wasch- 
becken ausgerüsteter Raum für die Bewohner der betreffenden Abtheilung, im Kellergeschosse 
6 Badezellen mit je einer Wanne und ein Raum für Brausebäder. 

Kücheneinrichtung: 6 Dampfkochkessel, Dampfwärmeschrank, sowie Brat- und 
Kochherd. Waschkücheneinrichtung: Dampfbetrieb. 

Unschädlichmachung der Auswurfstoffe: Der Inhalt der Spuckfläschchen und Spucknäpfe 
wird in Torfmullkübel geschüttet, und diese werden in die Kesselfeuerung entleert. 

Der Eiskeller ist aus Zementdielen mit doppelten Wandungen und Decken erbaut. 

Kosten des Grunderwerbs: 27 413,31 M. Kosten der Baulichkeiten einschl. Betriebs- 
einrichtungen (Wegeanlagen, Heizungs-, Desinfektionsanlage u. s. w.J: 653422,63 M. Kosten 
der beweglichen Ausstattung: 58 094, s 9 M. 

Heilstätte für weibliche Lungenkranke. Eigenthümer: Hanseatische Versicherungs- 
anstalt für Invaliditäts- und Altersversicherung. Arzt: Dr. Billig. Erbauer: Architekt 
Th. Sartori in Lübeck. Im Juni 1899 eröffnet. Fachwerkbau mit Holzbekleidung. 

Felixstift. Heilanstalt für minderbemittelte Lungenkranke. 1898 errichtet aus einem 
Legat des Pieferendars Felix. Arzt: Dr. Ladendorf. .32 Betten. Verpflegungspreis 23 M 
wöchentlich. Die Baukosten betragen 120 000 M. 

Privat-Heilanstalt für mSnnliehe Lungenkranke von Dr. Jacubasch. Juni 1898 eröffnet. 
14 Betten. 

Privat-Heilanstalt für miinnliehe Lungenkranke von Dr. Ladendorf. Sept. 1898 eröffnet. 
11 Betten. 

Angerburg, 4 509 Einw. (Kreis Angerburg, Reg. -Bez. Gumbinnen). 

Städtischer Schlachthof ohne Freibank vorhanden. 

Kreiskrankenhans. 29. Dez. 18(50 vom Kreise eröffnet. Vorstand: Kreisausschuss. 
Arzt: Sanitäts-Rath Dr. Bredschneider, Kreisphysikus. Wartepersonal: 3 Diakonissen aus 
Königsberg. 42 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 2, l,so, 0,so M. Verpflegte 
Kranke im Jahre 1898: 251 m., 159 w. durchschnittlich 27 Tage. 6 m., 1 w. sind gestorben. 
Zuschuss des Kreises 4 500 M. 

Siechenhaus. Gestiftet von Gräfin Lehndorf- Steinort. Neues Hauptgebäude 1898. 
Wartepersonal: G Diakonissen aus Königsberg. 

Krüppel-Asyl. Wohlthätigkeits-Anstalt. 

Provinziell- Taubstummenanstalt für evangelische und israelitische Zöglinge. Das Recht 
zur Verleihung von Freistellen hat der Landeshauptmann. Erternat. Durch die Bemühungen 
des Oberpräsidenten v. Schön gegründet am 2. Mai 1832-, eröffnet am 1. April 1833 in Ver- 
bindung mit dem Sehullehrer-Seminar. Seit dem 13. Mai 18G3 selbständige Anstalt der pro- 
vinzialständischen Landarmenkommission für Ostpreussen und Litthauen. Eigenthümer: Seit 
187G die Provinz Ostpreussen. Die Anstalt hat Rechtsfähigkeit. Vorstand: Direktor 
Wieehmann; 13 Lehrer, 1 Lehrerin. Arzt: Dr. Bredschneider, Sanitätsrath, Kreisphysikus. 
128 Provinzial-Freizöglinge, (i Kreis-Freizöglinge, 2 Freischüler und 3 Zahlschüler. Ii jähriger 
Kursus. 31') — 144 M. Schulgeld. Unterhaltungs- und Bekleidungskosten für Freizöglinge und 
Pensionäre: 180 M. Einnahmen und Ausgaben: 70462,50 M. 

Angermünde, 7 334 Einw., G Aerzte, 4 Hebammen, 1 Apotheke (Kreis Angennünde, 

Eeg.-Hez. Potsdam). 

Städtisches Schlachthaus 1S93 erbaut. Anlagekosten ca. G4 0OO M. Thierärztliche 
Leitung. Im leisten Jahre geschlachtet: 508 Rinder, 1173 Kälber, 282s Sehweine, 1150 Schafe 
und Ziegen. — 2 städtische Badeanstalten; 1 Militär-Badeanstalt. Bau-Polizeiordnung 
vom 1. Dez. 1894 

Garnisonlazaret. 18G7/6S von der Stadt als städtisches Krankenhaus im Korridorsystem 
erbaut und nach seiner Fertigstellung sofort ermiethet. Vorstand: Stabsarzt Dr. Voss. 
24 Betten. 1898 wurden 127 Kranke durchschnittlich 20,7 Tage verpflegt. 

Kreiskrankenhaus. 27. April 1896 eröffnet. Korridorsystem. Chefarzt Dr. Benda, 
Kreisphysikus. Wartepersonal: 2 Schwestern vom rothen Kreuz aus dem Victoria-Heim zu 
Eberswalde und 1 Krankenwärter. 30 Betten in 14 Zimmern. 4 Zimmer mit je 2 Betten für 
ansteckende Kranke, von den übrigen völlig abgeschlossen. 38 cbm Luftraum für den Kranken. 
Kostenpreis für einen Ycrpflegungstag: I. Kl. 4 M, H. Kl. 1,50 M, für Ortsarme 0,75 M. 
1898 wurden 137 m., 67 w. Kranke durchschnittlich 22 Tage verpflegt, 13 m., 19 w. sind 

festorhen. Ausgaben 1898: ordentliche 13 973 M, ausserordentliche 1335 M. Die Einnahmen 
etrngen 14 408 M und setzten sich zusammen aus 8 629 M eingezahlten Verpflegungsgeldern 
und 5 779 M Zuschuss des Kreises. 



Anholt— Annaburg. — 14 — Königreich Preussen. 

Anholt, 1 857 Einw. (Kreis Borken, Reg.-Bez. Münster). 

Augusta-Hospital. 1 S "> 1 von der städt. Annenverwaltung errichtet. Arzt: Dr. Mucker- 
mann; Dr. Bossmann in Isselburg für die Kranken der Isselburger Hütte. Wartepersonal: 
6 barmh. Schwestern. 24 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 3, l.so, 1 und 
0,80 M. Verpflegte Kranke im Jahre 1898: 43 ra., 43 w. durchschnittlich 61 Tage, gestorben: 
6 m., 4 w. Ausserdem wurden verpflegt : li Altersschwache und 5 Sieche. Ausgaben und Ein- 
nahmen 1S98 betrugen 8 "49 M, letztere setzten sich zusammen aus 5 347 il eingezahlten 
Verpflegungsgeldern, - "48 M eigenen Kapitalszinsen, 250 M Legaten, Geschenken und 404 M 
aus sonstigen Quellen. 

Anklam, 13 560 Einw., 9 Amte, 1 Zahnarzt, 2 Apotheken (Kreis Anklam, Reg.- 
Bez. Stettin). 

Städtischer Schlachthof vorhanden. — Volksbad 1895 eröffnet. 

Städtisches Krankenhaus. 1876 neu erbaut. Arzt: Dr. Schlenzka. 27 Betten. 
1898 wurden 74 m., 37 w. Kranke durchschnittlich 28 bezw. 34 Tage verpflegt, davon sind 
8 m., 4 w. gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 6 363 M, letztere setzten 
sich zusammen aus 3 875 31 eingezahlten Verpflegungsgeldern und 2 Ins ?,I Zuschuss der Stadt. 

Stift zum heiligen Geist. Diese Stiftung ist vor dem Jahre 1272 vorhanden gewesen, 
da schon in der chronologischen Beschreibung von Stafenhagen vom Jahre 1773 angedeutet 
wird, dass dem Stifte bereits in den Jahren 1^72 und 1320 Schenkungen zugewiesen worden 
sind. Da diese Stiftung durch testamentarische Bestimmungen und durch andere Zuwendungen 
von unbekannten Wohlthätern gegründet ist und auch das in Anklam noch bestehende statuta- 
rische Recht vom 30. Mai 1780 denjenigen Einwohnern, welche ihren letzten Willen aufnehmen 
lassen, die Pflicht auferlegt, bei Strafe der Nichtigkeit desselben, etwas ad pias causas aus- 
zusetzen, so ist der Zweck der Stiftung lediglich auf Armenpflege im Sinne christlicher Wohl- 
thätigkeit gerichtet. Zum Genüsse der Proben können nur Personen aus Anklam zugelassen 
werden, welche der protestantischen und evangelischen Religion zugehören; den katholischen 
Christen wird der Eintritt ausnahmsweise nach besonderem Beschlüsse der Stadtbehörden 
gestattet. Geistesschwache oder -kranke Personen sind nicht aufnahmefähig, ebensowenig die- 
jenigen, welche mit ekelerregenden oder ansteckenden Krankheiten behaftet sind. 

Armenhaus zum Hospital. Die Gründung dieser Anstalt ist auf die Zeiten vor der 
Reformation zurückzuführen. Eigenthümer: Die Stadt. 30 Betten. 

Stift zum heiligen Leichnam. Im Jahre 1448 von dem damaligen Bürgermeister 
Ahrent Cölpin gegründet. Nach den Bestimmungen der Urkunde sollen in dem Hause 
12 alte Leute, „Manns- und Frauenpersonen, nicht um Freundschaft oder Liebe, sondern um 
Gottes Willen zugelassen und beherrberget und für dieselben von der ausgesetzten Rente 
Lebensmittel und Holz gekauft und unter ihnen gleichmässig vertheilt werden". Die Ver- 
waltung dieser Stiftung wird von den jedesmaligen Alterleuten der Schuhmacher-Innung unter 
Aufsicht des Magistrats geführt. 

Ankum, 1 225 Einw. (Kreis Bersenbrück, Reg.-Bez. Osnabrück). 

Marienhospital. 1859 von der katholischen Pfarrkirche gestiftet. — Besitzt Rechtsfähigkeit. 
1S96 einen zweckmässigen Anbau erhalten. Aerzte: Dr. Eymann. Dr. Nieberg und Dr. Hock- 
mann. Wartepersonal: G Franziskanessen aus St. Mauritz bei Münster. 38 Betten. 
Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 0,50—1 M. 1898 wurden 137 m., 150 w. Kranke 
durchschnittlich 44 bezw. 35 Tage verpflegt, 9 m., 5 w. sind gestorben. Ausserdem wurden 
verpflegt: 17 m., 12 w. Krätzkranke. Die Einnahmen 1898 betrugen 6 454 M und setzten sich 
zusammen aus 5 655 M Verpflegungsgeldern, 685 M Kapitalszinsen und 1 14 M Geschenken. 

Annaburg, 4 079 Einw., 2 Aerzte, 2 Hebammen, 1 Apotheke (Kreis Torgnn, Reg.-Bez. 
Merseburg). 

Der Schlossbezirk hat eigene Wasserleitung. Die Errichtung derselben im 16. Jahr- 
hundert (Erbauung des Schlosses von 1572—79). Die Quellen liegen 10 km nordwestlich von 
Annaburg. 1881 wurde die schadhafte Holzröhrenleitung durch eine von Eisen ersetzt (eiserne 
asphaltirte Muffenröhren). Kosten 48885 M. Die Bewohner des Fleckens Annaburg entnehmen 
ihr Trinkwasser theils aus Abessinier-. theils aus Kesselbrunnen. — Die Abwasser des Schloss- 
bezirks werden mittels Kanäle in einen fliessenden Graben geleitet. — Das Institut besitzt 
einen Henneberg'schen Desinfektionsapparat. — Badeanstalten bestehen 3 (1 militär- 
fiskalische und 2 private). — Bau-Polizeiordnung vom 29. April 1898. 



Königreich Prenssen. — 15 — Anrath — Argena« 

Institutslazaret für diu Zöglinge der Unteroffiziervorschule und der Knabenschule, der 
aktiven Militärpersonen und des zum Institut gehörigen Unterpersonals. 1778 — -79 erbaut und 
seit 1780 belegt. Es liegt im Sehlossbezirk, am Markt des Fleckens Annaburg. Vorstand: 
Stabsarzt Dr. Grüder. Wartepersonal: 2 Sanitätsunterofiiziere, 50 Betten. 1898 wurden 
110 Kranke durchschnittlieh G Tage verpflegt, 1 Knabenschüler gestorben. 



Anrath, 3 420 Einw. (Landkreis Krefeld, Reg.-Bez. Düsseldorf). 

St. Lorenz-Hospital für Sieche und Waisen. Gestiftet vom Rentner Lorenz Schmitz 
durch Testament vom 10. März 18G3. Eigenthümer: Gemeinde. Arzt: Dr. Leber. Warte- 
personal: 5 barmherzige Schwestern der christlichen Liebe aus Paderborn. -12 Betten. Ver- 
pflegungspreis: 1,30 M täglich. 1898 wurden 20 m., 10 w. Kranke durchschnittlich 83 bezw. 
100 Tage verpflegt, 4 m., 2 w. sind gestorben. Ausserdem wurden verpflegt: G Altersschwache, 
1 Siecher und 13 Waisenkinder. Ausgaben 1898: 6 724 M. Die Einnahmen betrugen 10 453 M 
und setzten sich zusammen aus 5 525 M eingezahlten Verpflegungsgeldern, 749 M für verkaufte 
eigene Produkte nnd Pachte, 3 254 M eigenen Kapitalzinsen, 130 M aus sonstigen Quellen und 
796 M Bestand von 1896/97. 



Apenrade, 5 564 Einw. (Kreis Apenrcch, Rej.-Bez. Schleswig). 

Wasserleitung vorhanden. 

Kreis -Krankenhaus. Station für Tuberkulöse von der Invaliditäts - und Altersver- 
sorgungs -Anstalt Schleswig- Holstein. 1897 errichtet. Arzt: Dr. Wiemer. 60 Betten. 1898 
wurden 40 Kranke verpflegt. Verpflegungssatz: 2 M für den Tag. 

Armen -Krankenhaus. 184S von der Stadt erbaut. Arzt: Dr. Butzbach. 14 Betten. 
Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 0,so M. 1898 wurden G5 m., 8 w. Kranke durch- 
schnittlich 12,b Tage verpflegt, 1 m., 1 w. sind gestorben. Die Einnahmen 1898 betrugen: 
1 100 M eingezahlte Vcrpflegungsgelder und 1 000 M Zuschuss der Stadt. 

Apierbeck, 7 028 Einw. (Kreis Horde, Reg.-Bez. Arnsberg). 

Provinzial- Irrenanstalt für evangelische Kranke. Eröffnet am 5. April 1895 von der 
Provinzialverwaltung für Westfalen. Erweiterungsbau 1897. Offen-Thür-System. Vorstand: 
Direktor Dr. Backenköhler. 1 Oberarzt und 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 36 Diakonissen 
aus Witten a./R., 29 Krankenwärter. 498 Betten: I. Kl. je 6; H. Kl. je 24; III. Kl. 224 f. M., 
214 f. Fr. Verpflegungspreis: I. Kl. 4,20— 5 M; IL Kl. 1,70— 2,io M; III. Kl. 1—1,15 M. 
1898 wurden I. Kl. 4 m.; IX Kl. 35 m., 22 w.; ILI. Kl. 2S8 m., 294 w. Kranke durchschnittlich 
261 Tage verpflegt, 22 m., 18 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: ordentliche 327 914,51 M, 
ausserordentliche 89 171, &9 M. Die Einnahmen betrugen 424 6S9,B4 M und setzten sich zusammen 
aus 208 171, no M eingezahlten Verpflegungsgeldern, 64 337,97 M an verkauften eigenen Pro- 
dukten, 149 345,90 M Zuschuss der Provinz und 2 834,17 M aus sonstigen Quellen. 



Arenberg, 532 Einw. (Stadtkreis Koblenz, Reg.-Bez. Koblenz). 

Mutterhaus der deutschen Congregation der hl. Katharina von Siena der Dominikanerinnen. 
Pensionat für alleinstehende kränkliche Damen. 71 Dominikaner -Schwestern. 50 Betten. 
Ambulante Krankenpflege, Handarbeitsschule, Aufnahme armer Kinder, Haushaltungspensionat. 



Arendsee, 2 269 Einw. (Kreis Osterburg, Reg.-Bez. Magdeburg). 

Anstalt zur Entwöhnung von Morphium von Sanitätsrath Dr. Reiss. 

Argenau, 2 820 Einw. (Kreis Inowrazlaw, Reg.-Bez. Broraberg). 

Schlachthaus projektirt. 

Städtisches Krankenhaus. 1874 von der Stadt eingerichtet. Wartepersonal: 1 Kranken- 
wärter. 6 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 0,60 M. 1898 wurden 9 m., 11 w. 
Kranke durchschnittlich 27 bezw. 45 Tage verpflegt, 2 m., 2 w. sind gestorben. 



Arnsberg— Asbacher Hütte. — 16 — Königreich Prenssen. 

Arnsberg, 7 786 Einw. (Kreis Arnsberg, Eeg.-Bez. Arnsberg). 
Schlachthof vorhanden. 

Marienhospital. 1830 Ton der Stadt errichtet. Arzt: Dr. Droste. Wartepersonal: 
7 barmh. Klemens- Schwestern aus Münster i./W., 1 Krankenwärterin. 56 Betten. Kosten- 
preis für einen Verpflegungstag: 3. 2. l.so II. 1898 wurden 139 m., 72 w. Kranke durch- 
schnittlich 22 Tage verpflegt, 11 m., 6 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 189S 
betrugen 11 T:il M; letztere setzten sich zusammen aus 8 G73 M eingezahlten Verpflegungs- 
geldern, G79 II eigenen Kapitalszinsen. 2 279 M Zuschuss der Stadt. 128 M Legaten. Geschenken 
und Kollekten und 32 M aus sonstigen Quellen. 

Arnsdorf, 1 G30 Einw. (Kreis Hirsehberg, Eeg.-Bez. Liegnitz). 

Krankenhaus. 1865 errichtet. 8 graue Schwestern aus Breslau. 

Arnsdorf (Gross), 342 Einw. (Kreis Mohrangen, Eeg.-Bez. Königsberg). 

Siechenhans. 1. Dez. 1869 eröffnet. 4 Diakonissen aus Königsberg. 20 Betten für 
Frauen. Zweigstation für Männer siehe Saalfeld. 

Arnswalde, 7 912 Einw. (Kreis Arnswa'.de, Eeg.-Bez. Frankfurt). 

Städtisches Krankenhaus. 1>4^ errichtet. Arzt: Dr. Wolff. 17 Betten. Kosten- 
preis für einen Verpflegungstag: O.so M. 1898 wurden 22 m.. 4 w. Kranke durchschnittlich 
30 bezw. 50 Tage verpflegt. 3 m. sind gestorben. Ausserdem wurden verpflegt: 7 Sieche. 

Artern, 4 881 Einw. (Kreis Sangerhansen, Reg. -Bez. Merseburg). 

Städtisches Kraukenhaus. 1881 errichtet. Arzt: Dr. Brehnie. Wartepersonal: 
1 Kranknwärter. 24 Betten: li< f. M., 8 f. Fr. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 
0,80 — l.so M. 1898 wurden 125 in.. 37 w. Kranke durchschnittlich 23 Tage verpflegt, 4 m. 
sind gestorben. Ausserdem wurde verpflegt: 1 Altersschwacher. Ausgaben und Einnahmen 
1898 betrugen 6 810 M und setzten sich zusammen aus 5584 M eingezahlten Verpflegungs- 
geldern, 1 214 M Zuschuss des Kreises und 12 M au- sonstigen Quellen. 

Arys, 1 522 Einw., 2 Aerzte. 2 Hebammen, 1 Apotheke (Kreis Johann isburg, Eeg.-Bez. 

Gumbinnen). 

Wasserversorgung durch 4 öffentliche Brunnen. — Schlachthof projektirt. — 
Oeffentliche Badeanstalt befindet sich in einem guten Znstande. — Bau-Polizeiordnnng 
vom 1. Jan. 1894 

Barackenlazaret. 1894 erbaut und 1895 bezogen. Es liegt im Südosten der Stadt an 
der Weggabelung nach dem Dorf.' Wiersbinnen und der Grondowker Forst. Arzt: Stabsarzt 
Dr. Sachse. 24 Betten. 1898 wurden S2 Kranke durchschnittlich 6 Tage verpflegt. Venti- 
lationssystem: Sommer- und Winterlüftung, welche sich an den Wänden bezw. in den 
Mantelöfen befindet. Eiserne Füllöfen sowie auch Kachelöfen. Desinfektionsanstalt: 
Apparat von Henneberg (Konstr. 1889) für die gesammte Garnison. Wasserversorgung: 
Eiserne Bohren -Tiefbrunnen. Latrinen: Tonnenwagrn. Entwässerung: Hinleitung der 
Abflusswässer zum Lager, von dort in den städtischen Kanal unterhalb der Stadt. 

Städtisches Krankenhaus. 1868 von der Stadt errichtet. Arzt: Dr. Peters. Warte- 
personal: 1 Krankenwärter. 8 Betten. 1898 wurden 18 m. Kranke durchschnittlich 19 Tage 
verpflegt, 2 sind gestorben. 

Asbach, 460 Einw. (Kreis Xeuwied, Eeg.-Bez. Koblenz). 

Hospital. 1887 eröffnet. 7 Franziskaner-Tertiarierinuen aus Waldbreitbach. 50 B 

1898 wurd'-n 59 Sieche verpflegt. 

Asbacher Hütte, 246 Einw. (Kreis Berukastel, Eeg.-Bez. Trier). 

Eben-Ezer, Pflege unbildungsfähiger Idioten. 31. Aug. 1893 eröffnet. Eigenthümer: 
Diakonissen-Mutterhaus in Sobernheim. Vorstand: Pastor Reich. Leitender Arzt: Dr. "yieweger 
in Herrstein. Wartepersonal: 12 Diakonissen aus Sobernheim. 101 Betten: darunter 38 für 
Kinder. 1898 wurden 105 Kranke durchschnittlich 325 Tage verpflegt. 3 sind gestorben. 



Königreich Preussen. — 17 — Ascheberg— Auras. 

Ascheberg, 3 190 Einw. (Kreis Lüdinghausen, Reg.-Bez. Münster). 

St. Lambertus-Hospital. 1888 von det katholischen Kirchengemeinde gestiftet. Vor- 
stand und Arzt: Dr. Koch. Wartepersonal: 6 Franzi skanessen aus Münster. 17 Betten. 

npreis für einen Verpflegungstag: 1 und 1,50 M, für Kinder 0,30 M. 1S98 wurden 
;i;'. m., 39 w. Kranke durchschnittlich »57 bezw. 98 Tage verpflegt. 3 m., 5 w. sind gestorben. 
Ausserdem worden 59 Krätzkranke verpflegt. Ausgaben und Einnahmen 1898: 3 606,66 M, letztere 
setzten sich zusammen aus 1024,75 M eingezahlten Verpflegungsgeldern, 705,50 M an verkauften 
eigenen Produkten, 1331,3; M eigenen Kapitalszinsen und 545, 04 M Geschenken. 

Aschendorf, 2 193 Einw. (Kreis Aschendorf, Reg.-Bez. Osnabrück). 

Krankenhaus. 1898 eröffnet. 3 Franziskanessen vom St. Georgsstift zuThuine. 20 Betten. 



Aschersleben, 24 190 Einw. (Kreis Aschersleben, Eeg.-Bez. Magdeburg). 

Stadtischer Schlachthof. Centrale Wasserleitung, besondere Trinkwasserleitung, 
theilweise Kanalisati o n. 

St. Johannis -Hospital, städtisches Kranken- und Siechenhaus. Arzt: Dr. Kuthe. 
IVa rt epersonal: 1 m.. 1 w. ausgebildete Krankenwärter. 64 Betten. Kostenpreis für einen 
Verpflegungstag: 3 M, 2 M, I.75 — 1,50 M und 0,so M. 1898 wurden 419 (256 m., 163 w.) Kranke 
durchschnittlich 22,8 Tage verpflegt, 23 m., 11 w. sind gestorben. Ausserdem wurden 144 Alters- 
schwache, Sieche und Krüppel und 11 zur Reinigung von Ungeziefer verpflegt. Ausgaben und 
Einnahmen 1898 betrugen 32 021 M. letztere setzten sich zusammen aus S 765 M eingezahlten Ver- 
pflegungsgeldern, 407 M an verkauften eigenen Produkten, 698 M eigenen Kapitalszinsen, 
1- 483 M Zuschuss der Stadt und 3668 M aus sonstigen Quellen. 

Augen - Heilanstalt von Dr. Rosenthal. 1896 eröffnet. 6 Betten. Kostenpreis für 
einen Verpflegungstag: 2 II. 1898 wurden 14 Kranke durchschnittlich 10 Tage verpflegt. 

Hospitäler zu St. Elisabeth und St. Katharinen. Dieselben werden durch das 
Collegium inspectorum verwaltet, welches aus den jedesmaligen Magistrats-Dirigenten, dem 
Oberpfarrer zu St. Stephani und einem Magistratsmitgliede besteht. Die Hospitäler haben den 
Zweck, alten, unvermögenden achtbaren hiesigen Einwohnern beiderlei Geschlechts körperliche 
und geistige Pflege. Wohnung, sowie die durch die Etats bestimmten Einkünfte und ärztliche 
Behandlung zu gewähren. — Die Zahl der Hospitalstellen beträgt 45 bezw. 60. 

Attendorn. 3 008 Einw. (Kreis Olpe, Reg.-Bez. Arnsberg). 

St. Barbara-Hospital, Stadt. Kranken- und Armenhaus. Ein altes Kloster. — 1306 
mit Erlaubniss des Erzbischofs Heinrich von Köln errichtet. Vorstand: Magistrat. Arzt: 
Dr. Hopff. Wartepersonal: 4 Vincentinerinnen aus Paderborn. 26 Betten. Kostenpreis 
rür einen Verpflegungstag: 1,25 und 1,5" M. WJS wurden 58 m.. 28 w. Krauke durch- 
schnittlich :.'4 Tage verpflegt, 7 m.. 5 w. sind gestorben. Ausserdem wurden verpflegt: 
4 Pfründner, 4 Altersschwache. 9 Sieche und 18 m., 22 w. an Krätze Leidende. 

Aue, 432 Einw. (Kreis Schmalkalden, Reg.-Bez. Kassel). 

Pensionat für Schwachsinnige von Joh. Saal 1S73 begründet. 1897 wesentlich erweitert. 
Arzt: Dr. Lehnehach, Kreis-Physikus. Wartepersonal: 2 m., 7 w. Krankenwärter. 81 Betten, 
davon 26 für Kinder unter 14 Jahren. 

Aulhausen, 672 Einw. (Rheingaukreis, Reg.-Bez. Wiesbaden). 

Idiotenanstalt „Marienhausen". l^SS eröffnet. Leitung durch die Geistlichkeit, Pflege 
durch 23 barmherzige Schwestern aus dem Jlutterhause Dernbach. Den Unterricht leiten die 
Lehrer der benachbarten Rettungsanstalt. 250 ni., 40 w. Pfleglinge. 

Auras, 1363 Einw. (Kreis Wohlan, Reg.-Bez. Breslau). 

Städtisches Hospital. Arzt: Dr. Lepiarz. 5 Betten. 1898 keine Kranken. 

Guttstadt, Krankenhaus-Lexikon für das Deutsche Reich. 2 



Aurich— Badbergen. — 18 — Königreich Preussen. 

Aurich, 5 899 Einw., 10 Aerzte, 1 Zahnarzt, 3 Hebammen, 2 Apotheken (Kreis Aurich, 
Reg. -Bez. Aurich). 

Die Wasserversorgung erfolgt zum grossen Theile mittels überdeckter Pumpbrunnen, 
meistens Flachbrunnen von nur geringer Tiefe. — Das für 60 000 M erbaute städtische 
Schlachthaus wurde am 1. Juni 1889 eröffnet, besteht ausser der Dienstwohnung des Ver- 
walters, in welcher sich ein besonderes Zimmer für mikroskopische Untersuchungen befindet, 
aus einer Schlachthalle für Rindvieh, Kälber, Schafe und Ziegen, sowie einer Schlachthalle für 
Schweine und je einer Kaidaunenwäscherei für Rindvieh u. s. w. und für Schweine. Daneben sind 
Stallungen für verdächtiges Vieh und tue Bäume für das unbankmässige Fleisch. Die gröberen 
Abfälle gelangen in eine grössere cementirte Senkgrube, welche allmonatlich entleert wird, die 
flüssigen Abfälle in 4 kleinere cementirte Sammelgruben. — Eine öffentliche Desinfektions- 
anstalt befindet sich im städtischen Krankenhaus. Apparat aus der Fabrik von Buddenberg. 
— Oeffentliche Badeanstalten sind 4 vorhanden und zwar eine städtische, eine Militär- und 
je eine Badeanstalt für das Seminar und das Gymnasium, sämmtlich jenseits des Ems-Jade- 
Kanals. — Polizei- Verordnung betreffend die Strassenordnung vom 1. Nov. 1871: Bau- und 
Feuerordnung vom 27. Juni 1873. 

Garnisonlazaret. 1837 seitens der hannoverschen Militär- Verwaltung erbaut und 1838 
bezogen. Es liegt im Westen der Stadt, der sogenannten Westenvorstadt, an der Georgstrasse. 
Vorstand: Stabsarzt Dr. Andereya. 30 Betten. 1898 wurden 170 Kranke durchschnittlich IG Tage 
verpflegt, 3 sind gestorben. — 1897 wurde eine Wasserleitung durch das Hauptgebäude des 
Lazarets und eine neue Badeeinrichtung angelegt. — Beleuchtungssystem: Vom 1. Jan. 1900 
Gasbeleuchtung. — Desinfektions-Apparat von Gebr. Schmidt in Weimar für die gesammte 
Garnison. — Wasserversorgung: Auf dem Lazaretgrundstück befindet sich nordöstlich vom 
Hauptgebäude im Garten ein cementirtes Sammelbecken von 5 m Tiefe und 2 m Weite, welches 
mittels Thonrohrleitung an die hinter Kaserne I gelegene Wasseranlage für die Garnison (Lüftungs- 
anlage zur Enteisenung des Wassers, System Piefke) angeschlossen ist. Von dem Sammelbecken aus 
fuhrt eine Leitung von verzinktem Eisenrohr nach dem Keller des Hauptgebäudes. In diesem ist 
eine Saug- und Druckpumpe auf gestellt, durch welche das Wasser in einen im Daehgeschoss des 
Hauptgebäudes befindlichen D/ 2 cbm fassenden eisernen Sammelbehälter gehoben wird. Von 
letzterem führt eine Leitung von verzinktem Eisenrohr zu den Zapfstellen. Ausserdem führt von 
dem im Garten gelegenen Sammelbecken eine mit einer Saugdruekpumpe versehene Rohrleitung 
nach der Waschküche, ferner ein Flachbrunnen an der Ostecke des Oekonomiegebäudes zur Bewässe- 
rung des Gartens. — Die Abortanlage ist nach dem Tonnensystem (sogenannte Delftertonnen) ein- 
gerichtet. Die Tonnenräume werden durch Ventilationsrohre, welche über das Dach der Latrine 
hinausreichen und ausserdem mit Wolperfschen Luftsaugern versehen sind, gelüftet. Wasserspülung 
nur für das Pissoirbecken. — Die Tages-Spülwässer u. s. w. werden durch eine unterirdische 
gemauerte Leitung in einen an der Nordwestseite des Lazaretgrundstückes vorbeifliessenden 
Graben und durch diesen in den Ems-Jade-Kanal geleitet. 

Keilst iftung. Städtisches Krankenhaus. 1. Sept. 1S66 gegründet. Die Mittel sind durch 
eine Kollekte aufgebracht. Das Gründungs-Komitee hat die Anstalt später mit Lust und Last 
der Stadt Aurich übertragen. Neubau 1894. Freie Arztwahl. Wartepersonal: 2 Diakonissen 
aus dem Henriettenstift in Hannover. 2f, Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 
5 — 6 M, 3 — 4 M, 1,25 — 1,50 M. 1898 wurden 133 m., 44 w. Kranke durchschnittlich 25 bezw. 
37 Tage verpflegt, 7 m., 4 w. sind gestorben. Die Einnahmen 189S betrugen 9 869 M und 
setzten sich zusammen aus 6 920,7 5 M eingezahlten Verpflegungsgeldern, 1 000 M Zuschuss der 
Ostfriesischen Landschaft, 1000 M der Stadt und 948,2 5 M aus sonstigen Quellen. 

Bacharach, 1 918 Einw. (Kreis St. Goar, Keg.-Bez. Koblenz). 

Krankenhaus. 1S96 errichtet. 1 Diakonissin aus Kreuznach. 6 Betten. 

Badbergen, 297 Einw. (Kreis Bersenbrück, Reg.-Bez. Osnabrück). 

Kranken, und Pflegehans. 4. Nov. 18S5 aus dem Nachlasse von J. G. Spöde gestiftet, 
4. Nov. 1892 eröffnet. Vorstand: Kuratorium. Arzt: Dr. Ebeling. Wartepersonal: 
1 Schwester vom rothen Kreuz, Klementinenhaus in Hannover. 16 Betten. Kostenpreis 
für einen Verpflegungstag: 0,so— l,so M. 1898 wurden 19 m., 14 w. Kranke durchschnittlich 
26,6 Tage verpflegt, 2 m. sind gestorben. Die Einnahmen 1898 betrugen 3 958 M und setzten 
sieb zusammen aus 768 M eingezahlten Verpflegungsgeldern, 65 M an verkauften eigenen Pro- 
dukten. 600 M eigenen Kapitalszinsen, 1 500 M Zuschuss der Gemeinde -Sparkasse, 325 M 
Legaten, Geschenken, 250 M Bestand und 450 M aus sonstigen Quellen. 



Königreich Preussen. — 19 — Bärwalde i./Neum.— Barby. 

Bärwalde i./Neum., 3 864 Einw. (Kreis Königsberg i./Neum., Reg. -Bez. Frankfurt). 

Städtisches Krankenhaus. 1868 erbaut. Arzt: Dr. Schröder. 15 Betten. Kosten- 
preis für einen Verpflegungstag: für Einheimische 0,75 und 1 M, für Auswärtige 1 und 1,25 M, 
ausschliesslich Arzthonorar und Arzneimittel. 1S98 wurden 32 ni., 6 w. Kranke durchschnittlich 
61 Tage verpflegt, 1 m. ist gestorben. Einnahmen 1898 betrugen 1 965 M eingezahlte Ver- 
pflegungsgelder und 346 M Zuschuss der Stadt. 

Bärwalde i. Porom., 2 337 Einw. (Kreis Neustettin, Eeg.-Bez. Köslin). 

Städtisches Armen- und Krankenhaus. 1879 eröffnet. Arzt: Dr. Hohensee. Warte- 
personal: 1 Diakonissin aus Neu-Torney bei Stettin, 1 in., 1 w. Krankenwärter. 12 Betten. 
Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 0,so M. 1898 wurden 25 m., 3 w. Kranke durch- 
schnittlich 22 bezw. 17 Tage verpflegt, 1 rn. ist gestorben. Ausserdem wurden verpflegt: 
6 Altersschwache, 4 Sieche. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 1 48S M, letztere setzten 
sich zusammen aus 488 M Verpflegungsgeld und 1 000 M Zuschuss der Stadt. 

Bahn, 2 906 Einw. (Kreis Greifenhagen, Reg.-Bez. Stettin). 

Städtisches Krankenhaus. 1860 errichtet, 1879 neu eingerichtet. Arzt: Dr. Bochyneck. 
Wartepersonal: 1 Diakonissin aus Bethanien in Stettin. 9 Betten. Kostenpreis für einen 
Verpflegungstag: 0,so M. 1898 wurden 9 m., 4 w. Kranke durchschnittlich 26 bezw. 7 Tage 
verpflegt. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 693 M, letztere setzten sich zusammen aus 
208 M eingezahlten Verpflegungsgeldern, 485 M Zuschuss der Stadt. 

Bahrensdorf, 291 Einw. (Kreis Beeskow-Storkow, Eeg.-Bez. Potsdam). 

Vereinskrankenhaus. 1883 vom Vaterländischen Frauen-Zweigverein zu Beeskow ge- 
stiftet, hat seit dem 11. Juni 1894 Rechtsfähigkeit. Arzt: Dr. ligner. Wartepersonal: 3 freie 
Schwestern. 20 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 2 M, 1,50 M und 1 M. 
1898 wurden 78 in., 27 w. durchschnittlich 23,6 Tage verpflegt, 1 m., 1 w. sind gestorben. 
Ausgaben 1898: ordentliche 5 188, 20 M, ausserordentliche 1118,04 M. Die Einnahmen 1898 
betrugen 5 268,44 M und setzten sich zusammen aus 2 793,4 6 M eingezahlten Verpflegungs- 
geldern, 138,83 M eigenen Kapitalszinsen, 50 M Zuschuss der Synode, 1 000 M des Kreises, 
200 M der Gemeinde und 1086, 15 M aus Beiträgen. 

Baldenburg, 2 468 Einw. (Kreis Schlochau, Reg.-Bez. Marienwerder). 

Städtisches Krankenhaus. Arzt: Dr. Wollermann. 4 Betten. 1898 wurden 7 m., 1 w. 
Kranke durchschnittlich 15 Tage verpflegt, 1 in. gestorben. 

Balve, 1 169 Einw. (Kreis Arnsberg, Reg.-Bez. Arnsberg). 

Marienhospital. 1866 von Vikar Arens und Uhrmacher Schelle gestiftet. Eigen- 
thümer: Katholische Pfarrkirche. Arzt: Dr. Kuhn. Wartepersonal: 3 Vincentinerinnen 
aus Paderborn. 15 Betten. Verpflegungspreis: 1, 1,25 und 1,50 M täglich. 1898 wurden 
45 m., 28 w. Kranke durchschnittlich 46 Tage verpflegt, 1 m., 2 w. sind gestorben. Die Ein- 
nahmen 1898 betrugen 4 703,35 M und setzten sich zusammen aus 2 050,70 M eingezahlten Ver- 
pflegungsgeldern, 2259,6 5 M eigenen Kapitalszinsen und 393 M aus sonstigen Quellen. 

Barby, 5 677 Einw. (Kreis Kalbe, Reg.-Bez. Magdeburg). 

Hospital-Krankenhaus. 1. Juni 1876 aus Mitteln des Hospitals St. Georg errichtet. 
Eigenthümer: Hospital St. Georg, Stiftung mit Rechtsfähigkeit. Arzt: Sanitäts - Rath 
Dr. Klefeker. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 1 Diakonissin aus Halle a./S., 1 Schwester 
aus dem Bremer'schen Verein für Krankenpflege (Schwester vom rothen Kreuz), 1 Kranken- 
wärter. 31 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 3 M und l,so M. 1898 wurden 
81 in., 66 w. Kranke durchschnittlich 24 Tage verpflegt, 2 m., 6 w. sind gestorben. 

Siechenhaus Marienstift. 1892 eröffnet. 1 Diakonissin aus Halle a./S. 

Friedrich- Wilhelms-Provinzial-BHndenanstalt mit einer Blinden-Beschäftigungsanstalt 
für erwachsene Bünde. Eröffnet den 1. Februar 1858. Eigenthümer: Provinz Sachsen. 
225 bezw. 270 M jährlich Kostgeld. Direktor: Mey; 6 Lehrer, 2 Lehrerinnen. 6 Klassen. 
115 Zöglinge. 

Blindenheim. Asyl für erwachsene blinde Mädchen. 1. Okt. 1889 eröffnet vom Hilfs- 
verein für Blinde der Provinz Sachsen (gegründet 1883). 30 Plätze. 

2* 



Bardenberg— Barop. — 20 — Königreich Preussen. 

Bardenberg, 3 309 Einw. (Landkreis Aachen, Reg.-Bez. Aachen}. 

Krankenhaus der Wurrn- Knappschaft. April 1S56 gegründet, besitzt Rechtsfähigkeit. 
Arzt: Dr. Greven. 2 ausgebildete Krankenwärter. 30 Betten. 1S9S wurden 155 m., 1 w. 
Kranke durchschnittlich 25 Tage verpflegt, 6 sind gestorben. Ausgaben 1898: 10 304.95 M. Die 
Einnahmen betrugen 2 853, is M aus eingezahlten Verpflegungsgeldern. 

Barmen, 127 002 Einw., 75 Aerzte, 5 Zahnärzte, 12 Apotheken (Stadtkreis Barmen, 
Beg.-Bez. Düsseldorf). 
Wasserleitung seit 1884, 1893 ein zweites Werk erbaut. — Städtischer Vieh- und 
Schlachthof mit Kühlhaus vorhanden. — Kanalisation geplant. — Aerztliche Leichen- 
schau ist eingeführt. — Städtisches Kurbad, 1S98 vergrössert. — Städtische Badeanstalt. 

Städtisches Krankenhaus. 1840 41 durch freiwillige Beiträge der Bürger gestiftet. 
Neubau. Behandelnde Aerzte: Geh. Sanitätsrath Dr. Heusner für die äussere, Dr. Koll für 
die innere Abtheilung. 4 Assistenzärzte. Wartepersonal: 3 Diakone aus Duisburg (15 zur Aus- 
bildung). 41 Schwestern vom rothen Kreuz aus Köln. 4 ausgebildete Krankenwärter. 327 Betten 
in 3 Klassen, darunter 34 für Kinder. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: für Ein- 
heimische 5, 3, 1,50 11. Geisteskranke 2 M; für Auswärtige 6. 3,50, 1,80 11. Geisteskranke 2,50 M; 
für Krätzkur 6 II. 1898 wurden 1 932 m., 947 w. Kranke durchschnittlich 30 Tage verpflegt, 
einschl. 38 m., 39 w. Personen d. Abth. f. Geisteskranke und 322 in.. M' w. Krätzekranke, 
134 m., 84 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 189S betrugen 205 825 II letztere setzten 
sich zusammen aus 124 500 II eingezahlten Verpflegungsgeldern, 3180.50 II eigenen Kapitals- 
zinsen, 77 695 M Zuschuss der Stadt und 449.5 II aus sonstigen Quellen. 

Privatheilanstalt für Chirurgie und Frauenleiden von Dr. Winkelmann und Dr. Kiessler. 
28. Okt. 1897 eröffnet, 16 Betten. Verpflegungspreis: 8, 4, 2,so und 2 11 täglich. 1S98 
wurden 59 ni., 74 w. Kranke durchschnittlich 17 bezw. 15 Tage verpflegt, 5 m., 2 w. sind 
gestorben. 

Chirurgisch ■ orthopädische Heilanstalt , berufsgenossenschaftliches Genesungshaus 
(Unterbarmen). 1894 von Dr. Gerdes und Dr. Susewind eröffnet. Wartepersonal: 2 Schwestern 
vom rothen Kreuz aus Köln, 1 ausgebildeter Krankenwärter. 71 Betten. Kostenpreis für 
einen Verpflegungstag: 9, 6, 3,25 M. 1898 wurden 176 m., 8 w. Kranke durchschnittlich 65,5 Tage 
verpflegt, 2 m. sind gestorben. 

Angenheilanstalt von Dr. Krüger. Juli 1S96 eröffnet. 4 Betten. Verpflegungspreis: 
4 und 2 II täglich. 

Augenheilanstalt von Dr. Stood. 1885 errichtet. 29 Betten. Verpflegungspreis: 
7, 4 und 2 II täglich. 1898 wurden 254 Kranke durchschnittlich 25 Tage verpflegt. 

Augenheilanstalt von Dr. Colsmann. 1865 eröffnet. 22 Betten. 

Privatheilanstalt für Frauenkrankheiten von Dr. Siebourg. Juni 1898 eröffnet. 3 Betten. 

Privatheilanstalt für Frauenkrankheiten von Dr. Fisch. Mai 1899 eröffnet. 6 Betten. 

Wöchnerinnenheim zur Aufnahme hülfsbedürftiger Wöchnerinnen (Ehefrauen). August 
1895 eröffnet. Eigenthümer: Vaterländischer Frauen-Verein. Arzt: Dr. Hüter. 9 Betten. 
Aufenthaltsdauer 10 Tage. 160 Entbindungen jährlich. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 
1,25 II. zu welchem der Verein je nach der Frequenz 3 — 4 II zulegt. Die Anlagekosten belaufen 
sich auf etwa 10 000 II. Die Stadt zahlt einen Zuschuss von 2 000 M jährlich. 

Siechen- und Armenhaus. 1896 errichtet. 1 Diakon aus Xazareth b. Bielefeld. 

Xeues katholisches St. Petrus-Krankenhaus, im Bau. Vorstand: Pfarrer Seche. 

Katholisches Marien -Hospital. Annen-. Waisen- und Krankenhaus. 1856 in einem 
Neubaueröffnet. 1900 Neubau. Eigenthümer: Katholische Kirchengemeinde. 11 Borromäerinnen 
aus Trier. 50 Betten. 

Frauenstift. 29. April 1887 eröffnet. 1 Diakonissin aus Kaiserswerth. 12 Betten. 

Barmen bei Broich, 751 Einw. (Kreis Jülich, Keg.-Bez. Aachen). 

Siechenhaus. 3 arme Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach. 5 Betten. 

Barop, 3 204 Einw. (Kreis Horde, Beg.-Bez. Arnsberg). 

St. Marienhospital. 13. Mai 1^7:'. durch den Pfarrer Vogt gegründet. Eigenthümer: 
Katholische l'tarrgemeinde. Arzt: I>r. Bolte. 8 Vincentinerinnen aus Paderborn. 60 Betten. 
Verpflegungspreis: 3, l,;o— 1,20 II täglich, 1898 wurden 551 m., S5 w. Kranke durch- 
schnittlich 23 Tage verpflegt, 25 m., 6 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: 16716,89 II. Die 

Einnahmen betrugen 22 218,99 11 und setzten sich zusammen aus 19 709.52 11 eingezahlten 
Ycrpnegungsgeldern. i4">.46 II Geschenken und 1764.oi M aus sonstigen Quellen. 



Königreich Preussen. — 21 — Barten— Beckingen 

Barten, 1492 Einw. (Kreis Rastenburg, Eeg.-Bez. Königsberg). 
Städtisches Krankenhans. Arzt: Dr. Kaulbars. 2 Betten. 

Bartenstein, 6 638 Einw., 4 Aerzte, 1 Zahnarzt, 4 Hebammen, 1 Apotheke (Kreis Fried- 
land, Eeg.-Bez. Königsberg). 

Städtischer Schlachthof ist neu erbaut, gut eingerichtet. — 4 Kaltwasser-Bade- 
anstalten. — Bau-Polizeiordnung vom 27. April 1867. 

Lazaret der Unterofflziervorschule. 1894/96 erbaut. Es liegt an der Königsberger 
und Landsberger Strasse. Arzt: Oberarzt Dr. Reniniert. 14 Betten. 1808 wurden 47 Kranke 
durchschnittlich 20 Tage verpflegt* Desinfektionsapparat von Bietschel u. Henneberg. 

Kreis-Johanniter-Krankenbaus. 1865 vom Kreise Friedland und vom Johanniter-Orden 
errichtet. Eigenthümer: Kreis-Ausschuss. Arzt: Dr. Engelien. Wartepersonal: 3 Diako- 
nissen aus Königsberg. 50 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 0.80 M. 1898 
wurden 267 m., 127 w. Kranke durchschnittlich 30 Tage verpflegt, 7 m., 2 w. sind gestorben. 
Die Einnahmen 1898 betrugen 11 230,ot M und setzten sich zusammen aus 9 179,ei M ■'in- 
gezahlten Verpflegungsgeldern, 600 M eigenen Kapitalszinsen, 300 M Zuschuss des Kreises, 716 M 
Legaten und 235 M aus sonstigen Quellen. 

Barth, 6 223 Einw. (Kreis Franzbnrg, Reg.-Bez. Stralsund). 

Oeffent liehe Wasserleitung für Trinkwasser, einem isolirt gelegenen Quellwasser- 
gebiet entnommen. — Städtischer Schlachthof ohne Freibank vorhanden. 

Städtisches Krankenhans. 1850 von der Stadt errichtet. Arzt: Sanitätsrath Dr. Zaeske. 
Wartepersonal: 2 Diakonissen aus Bethanien - Stettin und 1 ausgebildeter Krankenwärter. 
16 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 1 — 1.20 M. 189S wurden 75 m., 20 w. 
Kranke durchschnittlich 31 Tage verpflegt, 1 m., 7 w. sind gestorben. Ausgaben und Ein- 
nahmen 1898 betrugen 5 661,05 M; letztere setzten sich zusammen aus 2 943,32 M eingezahlten 
Verpflegungsgeldern und 2 717,7 3 M Zuschuss der Gemeinde. 

Bartschin, 1115 Einw. (Kreis Schubin, Beg.-Bez. Bromberg). 

Städtisches Krankenhaus. Kommunalarzt: Dr. Kolodziej. 2 Betten. 1898 kein 
Kranker. 

Bassenheim. 1218 Einw. (Weissenthurm), (Landkreis Koblenz, Beg.-Bez. Koblenz). 

t. Oppenheini'sches Krankenhaus, 1S85 auf Kosten der Freifrau Abraham v. Oppenheim 
aus Köln errichtet. Eigenthümer: Die Gemeinde. Arzt: Dr. Katzemich. 5 Borromäerinnen 
aus Trier. Verpflegungspreis für Auswärtige: 0.90 M. 1898: ">■ Verpflegte. 

Bauerwitz. 2 718 Einw. (Kreis Leobschütz, Beg.-Bez. Oppeln). 

Kanonikus Biehtarsky'sehes Krankenhans. 1886 gestiftet, besitzt Rechtsfähigkeit. 
Arzt: Dr. Pleseh. Wartepersonal: 6 graue Schwestern aus Breslau. 12 Betten. Kosten- 
preis für einen Verpflegungstag: 1 II. 1898 wurden 11 m., 5 w. Kranke durchschnittlich 61 Tage 
verpflegt, 2 m. sind gestorben. Die Einnahmen 1898 betrugen 1 981 M und setzten sich zusammen 
aus 515 H eingezahlten Verpflegungsgeldern, 1 006 JI eigenen Kapitalszinsen, 360 M Zuschuss 
der Gemeinde und 100 M Geschenke. 

Baumgarten, 1 348 Einw. (Kreis Ohlau, Reg.-Bez. Breslau). 

Kreiskrankenhaus für Ohlau. 1835 eingerichtet. 1895 umfangreicher Erweiterungsbau. 
Arzt: Kreisphysikus Dr. Lichtwitz. Wartepersonal: 5 Diakonissen aus Bethanien in 
Breslau. 52 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: Für fremde Personen 0,80 M, 
für Kreisangehörige unentgeltlich. 1898 wurden 896 (538 m., 358 w.) Kranke durchschnittlich 
22.2 Tage verpflegt, 36 m., 31 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 
14 348,91 31, letztere setzten sich zusammen aus 1658,75 M eingezahlten Verpflegungsgeldern, 
36 M an verkauften eigenen Produkten. 91, 10 M eigenen Kapitalszinsen, 11559,86 M Zuschuss 
des Kreises. 1 000 M Legaten. Geschenken und 3, 20 M aus sonstigen QueUen. 

Beckingen, 1467 Einw. (Kreis Merzig, Reg.-Bez. Trier). 

Krankenhaus. 1899 eröffnet. 6 Franziskaner-Tertiarierinnen aus Waldbreitbach. 



Beckum— Beigard. — 22 — Königreich Breussen. 

Beckum, 5 229 Einw. (Kreis Beckum, Reg.-Bez. Münster). 

St. Elisabeth-Hospital — Krankenhaus. 1848 von der Stadt- und Landgemeinde Beckum 
errichtet. Arzt: Dr. Heyne. Wartepersonal: 10 barmherzige Schwestern aus dem St. Marien- 
hospital in Münster. 35 Betten. Kostenpreis für einen "Verpflegungstag: 1 M. 

Bedburg, 3 932 Einw. (Kreis Bergheim, Reg.-Bez. Köln). 

Hubertusstift. 1862 durch Gebrüder Kothen gestiftet, neu erbaut durch Hub. Hucken- 
brock. Eigenthümer: Katholische Kirche. Aerzte: Drs. Baumeister und Nilsen. Warte- 
personal: 6 arme Dienstmägde Jesu Cristi aus Dernbach. 24 Betten. Kostenpreis für 
einen Verpflegungstag: 3, 2, 1,50, 1 M. 1898 wurden 36 m., 23 w. Kranke durchschnittlich 
45 Tage verpflegt, 2 w. sind gestorben. Ausserdem wurden verpflegt: 4 Pfründner, 17 Alters- 
schwache, 6 Sieche. 

Beelitz, 3 156 Einw. (Kreis Zauch- Beizig, Reg.-Bez. Potsdam). 

Heilstätten der Invaliditäts- und Altersversicherungs- Anstalt Berlin. Die Versicherungs- 
anstalt Berlin errichtet nach den Plänen des Bauraths Schmieden und unter dessen oberer 
Leitung an der Wetzlarer Bahn bei Beelitz z. Z. grosse Heilstättenanlagen. 549 Morgen Wald- 
gebiet sind für den Zweck angekauft, mitten hindurch führt der Bahnkörper. Der nördliche 
Theil der Anlage ist für Lungenkranke bestimmt, der südliche für vorübergehend Er- 
werbsunfähige. Beide Theile werden wieder durch die Landstrasse in zwei Unterabtheilungen 
getrennt für Männer und für Frauen. Die Gesammtanlage ist für 1500 Pfleglinge berechnet, 
vorerst soll aber am 1. Juli 1901 der Betrieb mit etwa 500 Pfleglingen eröffnet werden. Es 
werden zunächst je zwei Pavillons für Männer und je zwei für Frauen erbaut. Dazu kommen 
im Sinne einer scharfen Trennung der Geschlechter disponirt 2 Kesselhäuser, 2 Verwaltungs- 
gebäude, 2 Wohngebäude für Aerzte, 2 Werkstättengebäude auf der Männerseite, sowie 2 Wasch- 
küchen- und 2 Kochküchengebäude auf der Frauenseite. Ein grosses Haus für Bade- und 
heilgymnastische Zwecke bildet einen neutralen Theil des Ganzen. 4 Pförtnerhäuser, 
Desinfektionsanstalt, Isolirhaus, Wohnhäuser für Beamte, Gewächshaus vervollständigen die An- 
lage. Möglichste Vollkommenheit in hygienischer Beziehung wird unter Aufwendung grosser 
Mittel angestrebt. Die Schlafräume liegen meist nach Süden. Die Mehrzahl von ihnen enthält 
nicht über 4 Betten bei einem Luftraum von 36 cbm pro Bett. Waschräume mit Mundspül- 
becken, Kleiderreiniguugsräume, Bäder und Räume zur Wasser- und Spezialbehandlung sind 
reichlich vorhanden. Jeder Pavillon besitzt einen Speisesaal, Tageräume, offene Hallen und 
Beschäftigungszimmer und die Zimmer für die ärztliche Untersuchung und Behandlung. Die 
Wohnungen der Schwestern und des männlichen Personals befinden sich zu besonderen Bereichen 
vereint im Drempelgeschoss. Die Gebäude sind im Grundriss und Aufbau mannigfach gruppirt. 
Flächen von rothem Ziegelstein wechseln mit Putzflächen und Fachwerk; die rothbraunen 
Ziegeldächer sind durch Giebel belebt. Die Grösse der Koch- und Waschküchengebäude ist mit 
Berücksichtigung der späteren Anstaltserweiterung bemessen. Sie enthalten auch die Wohnungen 
für das weibliche Wirthsehaftspersonal. Die Gebäude werden theils durch Niederdruckdampf- 
heizung theils Warmwasserheizung erwärmt. Zur Ventilation wird vorgewärmte Luft eingeführt. 
Sämmtliche Luftzuführungskanäle sind mit weiss glasirten Steinen verblendet und sorgfältig 
belichtet. Die zur Beleuchtung und zum Betrieb der Apparate nöthige Elektrizität wird in der 
Anstalt selbst erzeugt. Für die Abwässer wird ein Rieselfeld angelegt. Die Wasserversorgung 
geschieht durch eine besondere Wasserleitung. Der Kiefernbestand solJ möglichst geschont 
werden. Die voraussichtlichen Gesammtbaukosten für die erste Anlage betragen etwa 
6 Millionen M ohne Inventar. 

Beeskow, 4 101 Einw. (Kreis Beeskow-Storkow, Reg.-Bez. Potsdam). 

Städtisches Krankenhaus. Arzt: Dr. ligner. 18 Betten. Kostenpreis für einen 
Verpflegungstag: 0,so M. 1898 wurden 5 m., 2 w. Sieche und Krüppel, keine Kranke verpflegt. 

Krankenhaus. 1896 vom Vaterländischen Frauenverein errichtet. 22 Betten. Warte- 
personal: Schwestern vom rothen Kreuz. 

Beigard, 7 510 Einw., 5 Aerzte, 5 Hebammen, 2 Apotheken (Kreis Beigard, Reg.- 
Bez. Köslin). 

Wasserversorgung durch 26 öffentliche Brunnen, von denen 24 Flachbrunnen und 
2 Tiefbrunnen sind. -- Städtischer Schlachthof, im Betriebe seit 1. Juli 1893. Anlage- 
kosten: 81 000 M. Hallensystom. 1898 geschlachtet: Rinder 487, Kälber 981, Schafe 1834, 
Ziegen 23, Schweine 2 168. — Entwässerung in die Leitznitz und Eadüe durch offene, aus- 
gemauerte Rinnsteine; nur einzelne Strassen der Stadt entwässern durch unterirdische Rohr- 



Königreich Preussen. — 23 — Beizig. 

leitungen. Die Abfallstofl'e werden in ausgemauerten Dunggruben gesammelt und von Zeit zu 
Zeit abgefahren. — In dem Spritzenhause befindet sieb seit 1893 ein Dampfdesinfektions- 
apparat (Gebr. Schmidt-Weimar). — Oeffentliche Badeanstalten: je eine Badeanstalt für 
Herren und Damen an der Persante, seit 1890. Warmwasserbiider in der Holzbearbeitungs- 
fabrik und Schlossmühle. — Bau-Polizeiordnung vom 25. April 1899. 

Garnisonlazaret. 1873/75 erbaut. Es liegt im Westen der Stadt, südlich der Chaussee 
nach Körlin. Oberarzt: Dr. Roseher. 12 Betten. 1898 wurden 56 Kranke durchschnittlich 
19 Tage verpflegt. 

Städtisches Krankenhans. 1870 eröffnet. Arzt: Kreisphysikus Dr. Schmidt. 20 Betten. 
Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 1,25 M, 0,80 M. 1898 wurden 68 m., 16 w. Kranke 
durchschnittlich 27 bezw. 56 Tage verpflegt, 3 m., 2 w. sind gestorben. Die Einnahmen 1898 
betrugen 2 357,85 M und setzten sich zusammen aus 1 143,95 M eingezahlten Verpflegungsgeldern 
und 1 213,90 M Zuschuss der Stadt. 

Beizig. 2 832 Einw. (Kreis Zauch-Belzig, Reg.-Bez. Potsdam). 

Quellwasserleitung vorhanden. 

Kreis -Krankenhaus, in Vorbereitung. 

Armenhaus. Leitender Arzt: Dr. Gutmann. 6 Betten. 1898 wurden 8 m. Kranke 
durchschnittlich 13,6 Tage verpflegt; 1 ist gestorben. 

Heilstätte für Lungenkranke. 8. Jan. 1900 eröffnet. Direktor: Dr. Moeller. Etwa 
75 km von Berlin entfernt, an der Bahn nach Wetzlar, liegt das kleine Städtchen Beizig. Vom 
Bahnhof gelangt man zu Wagen in etwa einer halben Stunde bis zu dem der Heilstätte gehörigen 
Waldterrain. Nach dieser einhalbstündigen Fahrt durch die ziemlich öde, fast strauch- und 
baumlose Ebene gelangt man nach kurzer Zeit durch den Wald an die Heilstätte und damit 
auf ein Stückchen Erde, dessen Romantik inmitten der bäum- und strauchlosen Steppenformation 
der Gegend ringsum geradezu frappirend wirkt. Wir befinden uns in den Höhenzügen des 
Flämming. In einer Thalmulde, mitten in dem von der Kirchengemeinde Beizig angekauften 
etwa 15 ha umfassenden von einer von Westen nach Osten gerichteten Einsenkung durchzogenen 
Waldterrain liegt die Heilstätte vor Wind geschützt durch die ringsherum bis 30 m hoch- 
ansteigenden mit Kiefern und gemischten Beständen bewachsenen Höhen. 

Am Pusse der nach Norden ansteigenden Höhen sind die Anstaltsgebäude gelegen, 
bestehend aus dem Hauptgebäude, der Samuel Bleichröder- Stiftung und den Wirtschafts- 
gebäuden. Das Hauptgebäude mit der Vorderfront nach Süden gerichtet, zw Aufnahme von 
92 Kranken bestimmt, enthält in den beiden Flügeln in zwei Stockwerken die durchweg nach 
Süden gelegenen Krankenzimmer für 1 — 6 Kranke, der gegen die Flügel etwas zurückspringende 
Mittelbau in beiden Stockwerken übereinander die zugfreien geräumigen Liegehallen und daran 
anschliessend im Erdgeschoss eine grosse für den gemeinsamen Aufenthalt der Kranken bestimmte 
Halle, im ersten Stockwerk zwei getrennte Tageshallen. In den beiden Flügeln des Erd- 
geschosses liegen ferner noch die Douche- und Baderäume. Die Nordfront enthält in beiden 
Stockwerken ausser den Korridoren und geräumigen Treppenhäusern die Zimmer für ärztliche 
Untersuchungen, für Assistenzärzte. Verwaltung und Pflegepersonal, ferner die Theeküchen und 
Klosetanlagen. Ausserdem sind im Hauptgebäude vertheilt, mit eigenen Zugängen versehen, 
noch zwei Wohnungen für verheiratete Bedienstete sowie die des Anstaltsinspektors. Die Ver- 
bindung zwischen Hauptgebäude und Küchenräumen bildet der an die grosse Halle im Erd- 
geschoss sich anschliessende mächtige in vornehmstem Stile gehaltene Speisesaal. Die Wirth- 
schaftsgebäude enthalten die Kesselanlage und auf der einen Seite die gesammten mit Dampf 
betriebenen Küchenräume, auf der anderen den Maschinenraum zur elektrischen Lichterzeugung 
und Wasserversorgung, die Dampfwäscherei, das Wäschedepot, den Desinfektionsraum, eine 
Personal -Waschküche, die Leichenkammer, den Obduktionsraum, Pferdeställe und Remisen. 
Im oberen Geschoss über der Dampfwaschküche, mit einem Maschinenaufzug verbunden, liegen 
die Trocken-, Roll-, Platt- und Ausbesserungsräume und daran anschliessend die Wohnungen 
für das Wäschepersonal, sowie für den Kutscher; über der Dampf kochküche die für das 
Küchenpersonal. 

Die Samuel Bleichröder-Stiftung zur unentgeltlichen Aufnahme für 25 Kranke ist 
von demselben Gesichtspunkte aus wie die Hauptanstalt gebaut, nur in entsprechend kleinerem 
Massstabe. Die Versorgung der Anstalt mit Heizung, Beleuchtung, Verpflegung u. s. w. geschieht 
von der oben angegebenen Zentrale aus. 

Die gesammte Anlage ist unterkellert, mit Kalt- und Warmwasserleitung versehen, 
elektrisch beleuchtet, die Haupt- und Wirthschaftsgebäude mit Niederdruckdampf-, die Samuel- 
Bleichröder-Stiftung mit Warmwasserheizung versehen. Was die hydrotherapeutischen Mass- 
nahmen anbetrifft, so sind dieselben nicht nur in überreichem Masse, sondern auch in der 
neuesten Form (System Winternitz) vorhanden. Ferner ist Sorge getragen für ein Inhalatorium 
sowie für Fürnsesche Lichttherapie. Das Laboratoriumsgebäude, etwa 100 m von der Anstalt 
isolirt liegend, enthält ein bakteriologisches, ein chemisches Institut und einen Stall für Ver- 



Bendorf. — 24 — Königreich Preussen. 

suchsthiere. Ebenso ist eine meteorologische Station II. Ordnung, soweit sie für die 
Hygiene in Betracht kommt, vorhanden. Eigenthünier der Hauptanstalt ist: der Berlin- 
Brandenburger Heilstätten -Verein für Lungenkranke. Vorsitzender: Geh. Med.-Rath Prof. Dr. 
E. von Leyden; Schriftführer: Geh. Med.-Rath Prof. Dr. B. Fränkel. Eigenthümer der 
Samuel Bleichröder-Stiftung: Freiherr E. von Bleichröder, Berlin, Behrenstr. 52. 

Aufnahmebedingungen: Die Heilstätten des unter dem Protektorat Ihrer Majestät 
der Kaiserin und Königin stehenden Berlin-Brandenburger Heilstätten- Vereins für Lungenkranke 
sind bestimmt zur Aufnahme von weniger bemittelten Lungenkranken beiderlei Geschlechts 
ohne Unterschied des Standes und des religiösen Bekenntnisses aus Berlin und der Provinz 
Brandenburg. Die Aufnahme ist entweder bei dem Schriftführer des Vorstandes zu Berlin oder 
bei der Verwaltung der Heilstätte nachzusuchen. Dem Gesuche muss ein ärztliches Attest 
beigefügt sein, welches sich genau über den Stand der Krankheit (Anamnese und objektiven 
Befund) auszusprechen hat. Es sollen nur solche Lungenkranke in die Heilstätten 
aufgenommen werden, bei denen eine Heilung oder doch eine wesentliche 
Besserung zu erwarten ist. 

Der Verein behält sich daher das Recht vor, das beigebrachte ärztliche Attest durch 
einen Vereinsarzt (konsultirende Aerzte des Vereins sind zur Zeit die Herren Geh. Medizinalrath 
Prof. von Leyden, Berlin W., Bendlerstrasse 30, Geh. Rath Prof. B. Fränkel. Berlin. Bellevue- 
strasse 4 und Kreisphysikus Dr. Itzerott, Beizig) prüfen zu lassen, um zu entscheiden, ob der 
betreffende Patient sich zur Behandlung in einer Heilstätte eignet. 

Der Verein bestreitet aus seinen alleinigen Mitteln die gesammten allgemeinen Ver- 
waltungskosten der Heilstätten. Dagegen sind die individuellen Km'- und Verpflegungskosten in 
der Begel von den Patienten selbst zu tragen. Diese Kosten werden auf 3 M pro Kopf und 
Tag festgesetzt. Die Aufnahme ist ferner — falls nicht etwa eine andere Vereinbarung statt- 

§efunden hat — von der Einzahlung eines Kostenvorschusses von mindestens 120 M abhängig, 
oweit die Geldmittel des Vereins es zulassan, kann der geschäftsführende Ausschuss in den 
dazu geeigneten Fällen diesen Kostensatz von 3 M ermässigen oder auch ganze Freistellen 
bewilligen. Erfolgt die Aufnahme auf den Antrag eines Ortsvorstandes oder einer anderen öffent- 
lichen Behörde, einer Berufsgenossenschaft, einer Alters- und Invaliditätsversicherungsanstalt, 
einer anderen Korporation, einer Krankenkasse und dergl., so genügt die Einreichung eines 
Reverses, Inhalts dessen sieh die betreffende Behörde u. s. w. als Selbstschuldnerin verpflichtet, 
die individuellen Kur- und Verpflegungskosten der Heilstätte zu vergüten, ohne dass diese 
genöthigt ist, sich vorher an den Verpflegten oder andere zur Zahlung verpflichtete Personen 
zu halten, auch den Kranken sofort zurückzunehmen, wenn derselbe nicht mehr als Gegenstand 
des Heilverfahrens in der Heilstätte zu erachten sein oder die Verwaltung aus anderen Gründen 
seine Entlassung anordnen sollte. Die Anstalt gewährt vollständige Verpflegung, ärztliche 
Behandlung, Arznei und, wenn dies von der Verwaltung für nöthig befunden wird, auch Anstalts- 
kleidung. Nebenkosten für Extradiät, besondere Wartung, Verbandstoffe und dergl. werden nicht 
berechnet. Bei Aufstellung der Kostenliquidation wird sowohl der Tag der Aufnahme, wie der 
Tag der Entlassung voll gerechnet. Der nicht verbrauchte Rest des Kostenvorsehusses wird 
bei der Entlassung zurückgezahlt. Alle Kranken sind verpflichtet, sich der bestehenden Haus- 
ordnung, sowie den im Interesse derselben von den Organen des Vereins zu treffenden Anordnungen 
zu fügen. Verstösse hiergegen können mit sofortiger Entlassung geahndet werden. 

Bendorf, 5287 Einw. (Landkreis Koblenz, Reg.-Bez. Koblenz). 

St. Josephshans. 18G6 errichtet von Joseph Fries. Eigenthümer: Elisabeth Simons. 
Arzt: Dr. Braun. Wartepersonal: 15 barmh. Schwestern aus dem Marienhaus zu Waldbreit- 
bach. 50 Betten. 1898 wurden 49 m., 35 w. Kranke durchschnittlich 5 bezw. 6 Tage verpflegt, 
davon sind 5 m., 6 w. gestorben. 

Dr. Erlenmeyer' sehe Anstalten zur Heilung und Pflege von Geisteskranken, Trunk- 
süchtigen und Morphinisten. 1848 durch den verstorbenen Sanitätsrath Dr. Erlenmeyer gegründet. 
Vorstand: Sanitätsrath Dr. Erlenmeyer und Sanitätsrath Dr. Haihey. 1 Assistenzarzt. Warte- 
persoal: Gm., 4 w. ausgebildete Krankenwärter. 95 Betten in 3 Anstalten: I. Kl. 10 f. M., 
5 f. Fr.; H. Kl. 20 f. M., 10 f. Fr.; IH. Kl. je 25. 1898 wurden (57 in., 38 w. Kranke durch- 
schnittlich 219 Tage verpflegt, 4 m. sind gestorben. 

Heilanstalten für Nerven- und Gemüthskranke der höheren Stände (vorm. Dr. Brosius), 
Besitzer und Arzt: Dr. Zanke. 9 Villen -Neubauten. Eigene Kanalisation, Wasserleitung, 
Acetylen - Gasbeleuchtung. 

Frau Dr. Colmant's Heil- und Pflegeanstalt für nerven- und gemüthskranke Damen 
besserer Stände. 1870 eröffnet. Leitender Arzt: Dr. Enck. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 
18 ausgebildete Krankenwärterinnen. 201 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 
I. Kl. von 7 M an, IL Kl. von 5 M an und IV. Kl. 1,20 M. 1898 wurden 231 Kranke verpflegt, 
12 sind gestorben. 

Privatanstalt für Epileptische und stille Gemüthskranke. 20. Okt. 1878 durch Wittwe 

Pet. Friesenhahn errichtet. Arzt: Dr. Krell. 10 Betten. Verpflegungspreis: 3 und 2 M 
für den Tag. 



Königreich Preussen. — 25 — Benninghausen— Bentschen. 

Benninghausen, 830 Einw. (Kreis Lippstadt, Reg. -Bez. Arnsberg). 

Provinzial-Arbeitshaus. 1820 wurde das Nonnenkloster vom Ober-Präsidenten v. Vinke 
zum Landarmen- und Korrektionshaus eingerichtet. Am 20. Nov. 1S91 ist das Landarmen- 
hans aufgelöst und der Anstalt die Bezeichnung „Provinzial- Arbeitshaus" beigelegt worden. 
Arzt: Direktor Dr. Schröder. 61 Betten: 53 f. M., 8 f. Fr. 1898 wurden 233 m., 40 w. 
Kranke durchschnittlich 29 bezw. 15 Tage verpflegt, 2 in., 1 w. sind gestorben. Ausserdem 
9 Sieche verpflegt. 

Benrath, 4 151 Einw. (Landkreis Düsseldorf, Eeg.-Bez. Düsseldorf). 

Krankenhaus der gemeinsamen Ortskrankenkasse. 1894 von der gemeinsamen Orts- 
krankenkasse der Bürgermeisterei Benrat li errichtet. Leitender Arzt: Dr. Maurer. Warte- 
personal: 10 arme Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach. 76 Betten: 44 f. M., 32 f. Fr. 
Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 2—2,50, 1 — l.so M. 1898 wurden 216 m., 44 w. Kranke 
durchschnittlich 22,9 Tage verpflegt, 7 m., 7 w. sind gestorben. Ausserdem wurden verpflegt-: 
21 Pfründner. in Altersschwache, 3 Sieche und 3 Schwestern zur Ausbildung. Die Einnahmen 
ix 1 ^ betrugen 16018 M eingezahlte Verpflegungsgelder. 

Genesungsheim für Männer. Krankenstation des Vereins zur Verpflegung männlicher 
Genesender in Köln. 

Bensberg, 10 004 Einw. (Kreis Mülheim a. Rh., Reg.-Bez. Köln). 

Gamisonlazaret für Kadetten. 1839 erbaut. Es liegt auf dem Schlosshofe in der 
Verlängerung des nördlichen Seitenflügels, ungefähr 15 m von diesem entfernt. Vorstand: 
Stabsarzt Dr. Ricke. 24 Betten. 1898 wurden 92 Kranke durchschnittlich 9,s Tage verpflegt. 
Desinfektionsapparat nur für das Kadettenhaus, von Henneberg-Berlin. 

Kloster Mariahilf. 19. März 1859 vom Pfarrer Leopold Reichsgrafen v. Spee (gestorben 
in Aachen! gestiftet. Anbau 1897. Eigenthümer: Hubertus Reichsgraf v. Spee auf Schloss 
Linnep. Behandelnder Arzt: Dr. Müller. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 10 arme Dienst- 
mägde Jesu Christi aus Dernbach, 1 m., 1 w. ausgebildeter Krankenwärter. 74 Betten: 27 f. M., 
47 f. Fr. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: I. Kl. 5 M; H. Kl. 3 M; HI. Kl. 1,25 und 
1 M. 1898 wurden 91 m., 70 w. Kranke durchschnittlich 99 Tage verpflegt, 9 m., 2 w. sind 
gestorben. Ausserdem wurden verpflegt: 5 Pfründner. 

Krankenstation des Vereins zur Verpflegung Genesender in Köln. 

Bentheim, 2 443 Einw. (Kreis Grafschaft Bentheim, Reg.-Bez. Osnabrück). 

Evangelisches Paulinen -Krankenhaus. 1886 von der Fürstin Pauline zu Bentheim- 
Steinfurt gestiftet. Eigenthümer: Reformirte Gemeinde. Vorstand: Fürst zu Bentheim- 
Steinfurt. Arzt: Geh. Sanitätsrath Dr. In der Stroth. Wartepersonal: 2 Schwestern vom 
rothen Kreuz. 20 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 1 — 2 M. 1898 wurden 
l.'i in.. 32 w. Kranke durchschnittlich 88,fi Tage verpflegt, 4 m., 3 w. sind gestorben. Ausgaben 
1898: ordentliche 4 719 M, ausserordentliche 311 M. Die Einnahmen betrugen 5 349 M und 
setzten sich zusammen aus 2 800 M eingezahlten Verpflegungsgeldern, 96 M eigenen Kapitals- 
zinsen, 2 080 M Legaten und Geschenken und 373 M aus sonstigen Quellen. 

St. Franzius-Hospital (Katholisches Krankenhaus). Arzt: Dr. Stoltenkamp. Warte- 
personal: 3 barmherzige Schwestern. 26 Betten. 

Bentschen, 3 358 Einw. (Kreis Meseritz, Reg.-Bez. Posen). 

Städtisches Krankenhaus. 20. Nov. 1S90 errichtet. Arzt: Dr. Schlief. Wartepersonal: 
Im., 1 w. Krankenwärter. 18 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 0,so M. 1898 
wurden 4 m. Kranke durchschnittlich 5,5 Tage verpflegt, 2 sind gestorben. 

Krankenhaus Karolinenstift. 31. Okt. 1887 von Frau Gräfin Karoline zu Lippe-Detmold 
gestiftet. Eigenthümer: Vaterländischer Frauenverein, besitzt Rechtsfähigkeit. Arzt: 
Dr. Schlief. Wartepersonal: 1 Diakonisse aus Posen, 1 Wärterin. 14 Betten. Kostenpreis 
für einen Verpflegungstag: 0,«o M. 1898 wurden 36 m., 24 w. Kranke durchschnittlich 15,3 Tage 
verpflegt, 1 m., 1 w. sind gestorben. 

Berent, 4 544 Einw. (Kreis Berent, Reg.-Bez. Danzig). 

Städtischer Schlachthof vorhanden. 

Kreis-Krankenhaus. 21. Okt. 1S95 eröffnet. Arzt: Kreisphysikus Dr. Bremer. Warte- 
personal: 2 Diakonissen aus Danzig, 1 Krankenwärter. 27 Betten. Kostenpreis für einen 
Verpflegungstag: O.so— 1 M. 1898 wurden 97 m., 54 w. Kranke durchschnittlich 22 bezw. 35 Tage 
verpflegt, 3 m., 6 w. sind gestorben. 



Bergeborbeck— Berleburg. — 26 — Königreich Preussen. 

Bergeborbeck, Gemeinde Borbeck mit 34 81 1 Einw. (Landkreis Essen, Reg. -Bez. Düsseldorf). 

Krankenpflegeanstalt der barmherzigen Schwestern. 1S67 vom Kloster der barm- 
herzigen Schwestern zu Essen errichtet, besitzt Rechtsfähigkeit. Aerzte: Dr. Erbeling und 
Dr. Hurck. Wartepersonal: 8 barmherzige Schwestern. 75 Betten: 52 f. M., '23 f. Fr. Ver- 
pflegungspreis: 4, 2, 1,25 M täglich. 189S wurden 209 m., 57 w. Kranke durchschnittlich 
51 bezw. 114 Tage verpflegt. 10 m., 3 w. sind gestorben. 

Bergen a. Eugen, 3 848 Einw. (Kreis Rügen, Reg. -Bez. Stralsund). 
Oeffentliche Wasserleitung im Bau. 

Kreis- Krankenhaus iKalandstrasse). 1787 vom Kreise erbaut. Arzt: Kreisphysikus 
Sanitätsrath Dr. Settegast. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 2 Diakonen, 2 Diakonissen. 
G9 Betten. Kostenpreis für einen Yerpflegungstag: 0,so — 2 M, für Sieche 0,50 M. 1898 
wurden 491 in., 211 w. Kranke durchschnittlieh 21 Tage verpflegt, 21 m., 12 w. sind gestorben. 
Ausserdem wurden verpflegt: 10 Sieche. Ausgaben 1898: 30 646,7 2 M. Die Einnahmen betrugen 
30 000,12 M und setzten sich zusammen aus 12 929,5 AT eingezahlten Terpflegungsgeldern, 
16 739,82 M Zuschuss des Kreises und 330,so M aus sonstigen Quellen. 

Bergheim, 1 279 Einw. (Kreis Bergheim, Reg.-Bez. Köln). 

, ,Mariahilf" i , Heil- und Pflegeanstalt. 1871 von der Ordensgenossenschaft der armen 
Dienstmägde Jesu Christi gegründet. Eigenthümer: Kapelle Bergheim. Wartepersonal: 
10 arme Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbaeh. 50 Betten: 20 f. lt., 30 f. Fr., darunter 14 f. 
Kinder. 1898 wurden 3S m., 36 w. Kranke durchschnittlich HS Tage verpflegt, 3 m., 3 w. sind 
gestorben. Ausserdem wurden verpflegt: 11 Pfründner, 4 Altersschwache, 1 Taubstummer und 

7 an Krätze Leidende. 

Bergisch Gladbach. 10 029 Einw. (Kreis Mülheim a. Rh., Reg.-Bez. Köln). 

Wasserleitung vorhanden. 

Krankenhans ..Mariahilf". 15. Nov. 1888 vom Pfarrer Peter Joseph van Endert gestiftet. 
18. Febr. 1896 eröffnet. Eigenthümer: Katholische Kirche. Arzt: Dr. Rhode. Warte- 
personal: 9 Franziskanerinnen aus Aachen. 42 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungs- 
tag: 3, 1.4o, 1.20 M. 1898 wurden 162 m., 117 w. Kranke durchschnittlich 44.6 Tage verpflegt, 

8 m.. 11 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 189S betrugen 17 481 M. 

Bergneustadt, 3 006 Einw. (Kreis Gummersbach, Reg.-Bez. Köln). 

Städtisches Krankenhaus. 27. April 18S7 errichtet. 1897 Neubau. Arzt: Dr. Hund- 
hansen. Wartepersonal: 2 Schwestern vom Diakonieverein. 25 Betten. Kostenpreis für 
einen Verpflegungstag für Einheimische: 1.25 M, für Auswärtige: I.50 M. 1898 wurden 76 m., 
93 w. Kranke durchschnittlich 37 bezw. 35 Tage verpflegt. 4 m., 3 w. sind gestorben. Ausserdem 
verpflegt: 2 Altersschwache. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 6 037M. letztere setzten 
sich zusammen aus 5 474 AI Verpflegungsgeldern und 563 M Zuschuss der Stadt. 

Bergquell -Frauendorf bei Stettin, 153 Einw. (Kreis Randow, Reg.-Bez. Stettin). 

Heil- und Pflegeanstalt für Gehirn- und Nervenkranke des Sanitätsraths Dr. Zenker. 
1. Okt. 1882 eröffnet. Neubauten 1S87 und 1892. (Siehe Finkenwaide-Buchheide). 2 Assistenz- 
ärzte. Wartepersonal: 9 m., 12 w. Krankenwärter. 120 Betten. Kostenpreis für einen 
Verpflegungstag: 4 — 7 und 3 M. 1898 wurden 104 m., 123 w. Geisteskranke verpflegt, 14 m., 
4 w. sind gestorben. 

Berleburg, 2 051 Einw. (Kreis Wittgenstein, Reg.-Bez. Arnsberg). 

Kreis-Krankenhaus. Aerzte: Drs. Florin. Althaus, jährlich wechselnd. 1 Diakonisse 
aus Witten a. Ruhr. 18 Betten. Verpflegungspreis 2. 1, 50 M; Ortsarme O.so M täglich. 1898 
wurden 61 m.. 29 w. Kranke durchschnittlich 24 bezw. 16 Tage verpflegt. 5 m.. 1 w. sind gestorben. 
Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 4 244.2* M. letztere setzten sich zusammen aus 2 639,93 M 
Verpflegungsgeldern, 1 265,41 M Zuschuss des Kreises. 200 M der Gemeinde, 91, 90 M Geschenken 
und 47 M aus sonstigen Quellen. 



Königreich Preussen. — 27 — Berlin. 

Berlin, Stadtkreis, 1870 000 Einw., 2 230 Aerzte, 224 Zahnärzte, 512 Hebammen, 
160 Apotheken. 

Wasserversorgung: Die ersten Anregungen zur Beschaffung einer künstliehen 
38 erver sorgnng der Stadt sind nicht dem Gefühle des Mangels eines guten Trinkwassers 
entsprungen. Auch führte dazu nicht die Erwägung, dass es von grossem Kulturwerthe wäre, 
den Haushaltungen in allen Stockwerken ohne Arbeit und Mühe in beliebiger Menge Wasser 
zuzuführen, und noch weniger sah man damals die Notwendigkeit ein, die Fäkalien einheitlich 
und planniässig aus den Häusern mittels Wasserspülung zu entfernen. Es war vielmehr haupt- 
sächlich der Ekel an den Rinnsteinen in den Strassen, in welchen das unreine Wasser der 
Häuser wie das Regenwasser abgeleitet wurden, so weit der Inhalt nicht in den Untergrund 
hineinsickerte. Zur Spülung der Rinnsteine Wasser aus Hydranten zu liefern, war daher die 
Aufgabe der ersten Wasserwerke, welche von einer englischen Privatgesellschaft an der Ober- 
spree errichtet und 1S56 dem Betriebe übergeben wurden. Das Wasser der Spree wurde durch 
Sandfilter gereinigt und durch Dampfkraft in ein Rohrsystem gedrückt, so dass auch in die 
höchsten Stockwerke der Häuser das Wasser gelangen konnte. Aber im Jahre 1S73 waren von 
15047 Häusern mit SS2 460 Einw. erst S 114 Häuser mit 437 864 Einw. an die Wasserwerke 
angeschlossen. Die Rinnsteine und die unterirdischen Kanäle erregten damals noch viel mehr 
Aergemiss und Ekel als früher, da das Leitungswasser, das zur Spülung der Wasserklosets 
benutzt worden war, nunmehr auch noch die Luft verpestete. Die Stadt erwarb daher die 
Wasserwerke an der Oberspree bei Stralau 1873, beschloss die allgemeine unterirdische 
Kanalisation durchzuführen und errichtete neue Wasserwerke am Tegeler See 1S77. Letztere 
lieferten Wasser aus Tiefbrunnen, das jedoch bald zu Klagen Veranlassung gab. Kurze Zeit 
nach der Gewinnung wurde es trübe, weil sich, sobald das Wasser mit der Luft in Berührung 
kam, Eisentheile in beträchtlicher Menge ausschieden und das Wachsthum einer Algenart 
(Crenothrii polyspora) begünstigten, welche sich ausserordentlich schnell vermehrte. In den 
Reservoiren und Vertheilungsrohren bildeten sich infolgedessen Niederschläge, welche bei jedem 
Wechsel der Geschwindigkeit des Wasserlaufes aufgerührt wurden, so dass das Wasser trübe. 
mit rothen Flocken durchsetzt, in die Zuleitungen der Häuser gelangte, um diesem Uebel- 
stande abzuhelfen, wurde das Wasser aus den Tiefbrunnen aufgegeben und seit 1SS5 an dessen 
Stelle das Wasser direkt aus dem Tegeler See entnommen und durch Sandfilter geleitet. 
Berlin benutzt demgemäss nicht mehr Grundwasser, sondern Wasser aus Seen und Flüssen. 
Für die Wasserwerke an der Oberspree sind in neuester Zeit die Schöpf- und Filteranlagen 
am Müggelsee oberhalb Friedrichshagen getreten. Von dort wird das Wasser nicht direkt 
in das Röhrnetz der Stadt befördert, sondern wie bei dem Tegeler Werk das Wasserwerk 
Charlottenburg ist hier das Werk Lichtenberg als Zwischenglied eingeschaltet. Die bisherigen 
Vorarbeiten haben sich hauptsächlich auf den Aasbau des Werkes Lichtenberg erstreckt. 
Für das Werk Müggelsee muss zunächst die Frage entschieden werden, ob für die Wasser- 
versorgung Berlins weiterhin Flusswasser oder aber Grundwasser zur Verwendung kommen 
soll. Die Tegeler Brunnenanlage musste seiner Zeit ausser Betrieb gesetzt werden, weil die 
in dem Wasser enthaltenen Algenkeime in dem, dem Grundwasser in hiesiger Umgegend 
eigenthümliehen Eisengehalt reichliche Nahrung fanden und sieh in Folge dessen derart 
entwickelten, dass mit der Zeit das ganze Rohrnetz mit Algen überzogen war, und weü es 
nicht möglich war, die Eisenbestandtheile aus dem Wasser durch den gewöhnlichen Filtrations- 
prozess zu entfernen. Inzwischen hat die Technik der Frage der Enteisenung des Wassers 
ihre besondere Aufmerksamkeit zugewendet und letztere darf heute als nahezu gelöst betrachtet 
werden. Ln Folge dessen liegt die Möglichkeit vor, wieder auf die Verwendung von Grund- 
wasser zurückzugreifen und es ist auf dem Werk Müggelsee eine Versuchsanlage, bestehend in 
zwei Tiefbrunnen und einer entsprechenden Anzahl Beobachtungsröhren errichtet, durch welche 
zuvörderst festgestellt werden soll, ob ein genügender Wasservorrath im Untergrunde vor- 
handen ist und wie weit sich die Wirkung der Wasserentnahme in der Umgegend des Brunnens 
in Bezug auf den Grundwasserspiegel bemerkbar macht. Die betreffenden Versuche sind noch 
nicht abgeschlossen, sondern sollen noch weiter fortgeführt werden. Die Zahl der an das 
Rohrsystem der Berliner Wasserwerke angeschlossenen Grundstücke betrug am 31. März 
1S99: 25 026. Von diesen Grundstücken waren angeschlossen an das Rohrnetz der Niederstadt 
20 434, der Hochstadt nördlich 4 416 und südlich 176. Die Anzahl der städtisches 
Leitun?s wasser benutzenden Personen betrug im Mittel des Betriebsjahres 1898/99: 
1 7-4 i<99. Die letzte Zahl ist ermittelt aus der im Jahresmittel vorhanden gewesenen Anzahl 
von Hausanschlüssen (24S02| und der durchschnittlichen Einwohnerzahl eines bewohnten Grund- 
stückes. (Nach dem Ergebniss der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 kommen auf jedes 
bewohnte Grundstück 71,97 Einwohner.) Im allgemeinen wird die Menge des abgegebenen 



Berlin. — 28 — Königreich Preussen, 

Wassers durch Wassermesser oder durch Gefässe von bekanntem Inhalte bestimmt; nur bei 
Bedürfnissanstalten und bei den Uraniasäulen geschieht die Wasserabgabe durch Hähne, welche 
in der Stunde eine genau ermittelte Wassermenge durchlassen. Das durch 16 Freibrunnen 
abgegebene Wasser wurde bisher nicht besonders ermittelt. In Hunderttheilen ausgedrückt 
wurden von dem während des Betriebsjahres geforderten Wassers gemessen: 1. durch Wasser- 
messer 87,o2i v. H., 2. durch Gefässe von bekanntem Inhalt oder durch Kaliberhähne 4,oo7 v. H., 
3. nicht nachgewiesen wurden 8,973 v. H. Die nicht nachgewiesene Menge des geförderten 
Wassers ist theils durch Leckagen der Schieber, Hydranten und Strassenrohre verloren ge- 
gangen, theils durch Spülungen zum Entleeren und Wiederauffüllen von Rohrsträngen, sowie 
für die Freibrunnen verbraucht, zum Theil aber auch durch die Unempfindlichkeit der Flügel- 
rad-Wassermesser gegen geringe Defekte der Hauswasserleitungen bedingt. Im Vergleiche mit 
anderen grossen Städten erscheint der Wasserverbrauch für Berlin gering. Man darf aber bei 
dieser Vergleichung folgende Umstände nicht ausser Acht lassen: 1. Das Wasser wird in Berlin 
nach Baummass verkauft, so dass Vergeudungen von denjenigen, welche das Wasser bezahlen 
müssen — den Hauswirthen — , möglichst verhindert werden. 2. Die Lage Berlins ist eine 
solche, dass Wasser, für Fabrik- und gewerbliche Zwecke geeignet, auf jedem Grundstücke in 
der unteren Zone des Bohrsystems der städtischen Wasserwerke mit sehr geringen Kosten 
leicht gewonnen werden kann. Es befindet sich daher eine bedeutende Anzahl kleiner Privat- 
Wasserwerke, welche ihr Wasser aus Brunnen schöpfen, auf den Besitzungen der einzelnen 
Bürger; die Zahl derselben beträgt mehr als 900 mit einer täglichen Förderung von rund 
90 000 cbm. Aus den städtischen Wasserleitungen wurden 50 954 650 cbm im Jahre 1S98/99 
verbraucht, täglich 139 600 cbm, d. h. pro Tag und Kopf der Bevölkerung 78,21 Liter. Es 
liefern demnach die städtischen Wasserleitungen 64 v. H. und die Privat -Wasserleitungen 
36 v. H. des täglich verbrauchten Wassers. 

Um den Vergleich mit anderen Städten, die fast ausschliesslich auf die Benutzung des 
Wassers der Zentralwasserwerke angewiesen sind, richtig zustellen, muss deshalb der 
Verbrauch an Wasser für den Kopf und Tag in Berlin, welcher durch die Betriebsberichte der 
städtischen Wasserwerke nachgewiesen wird, im Verhältnisse zu jenen Zahlen erhöht werden. 

Derselbe war daher im Rechnungsjahre 1898/99 nicht 78.21 Liter, sondern c ' ' = 122 Liter 

64 

für den Kopf und Tag im Jahresdurchschnitte. Die Wasservertheilung erfolgt folgendennassen : 
81 v. H. werden innerhalb der Häuser verbraucht, 3,6 v. H. gebraucht die Kanalisations- 
verwaltung für die Standrohre und Spülwassermesser, es sind nöthig 2,5 v. H. für die 
Strassensprengung, 2 v. H. zur Versorgung der öffentlichen Bedürfnissanstalten, 1,2 v. H. 
zur Speisung der öffentlichen Springbrunnen, 0,8 v. H. zur Besprengung der öffentlichen 
Parkanlagen und Antheile von hundertstel Prozent zu Feuerlöschzwecken. Durch Ver- 
luste innerhalb des Bohrsystems und dergl. gehen rund 8,90 v. H. Wasser verloren. Es 
sind demnach rund 81 v. H. des verbrauchten Wassers gegen Bezahlung und rund 11 v. H. un- 
entgeltlich für öffentliche Zwecke geliefert. Die Einnahmen beliefen sich 1898/99 auf mehr als 
8 Millionen, die Ausgaben auf rund 6 100 000 M, so dass ein Ueberschuss von 1 962 542 M an 
die Stadthauptkasse abgeliefert werden konnte. 

Der Vieh- und Schlachthof, 0., Eldenaerstr., ist am 1. März 1881 eröffnet. Es 
wurden 1898/99 aufgetrieben: 223 072 Binder, 832 178 Schweine, 175 624 Kälber, 562 797 Schafe. 
Der durchschnittliche Wochenauftrieb betrug etwa 4 290 Binder, 16 000 Schweine, 3 377 Kälber, 
10 823 Schafe. Von dem Auftriebe wurden in den städtischen Schlachthäusern, einschliesslich 
des Polizei- und Seuchenhof- Schlachthauses, geschlachtet: 153 675 Binder, 659 553 Schweine, 
150 202 Kälber, 409 302 Schafe. Von den 189S/99 in den städtischen Schlachthäusern, ein- 
schliesslich des Polizei- und Seuchenhof- Schlachthauses, geschlachteten Thieren wurden bean- 
standet 



Binder 


Schweine 


Kälber 


Schafe 


zusammen 


2 749 


4 446 


571 


220 


7 986 


.79 V. H. 


0,6 7 V. H. 


0,38 v. H. 


0,05 v. H. 




1046 


1208 


485 


212 


2 951. 



d. i. von den Schlachtungen . . 

davon der Abdeckerei überwiesen 
Die hauptsächlichsten Gründe der Beanstandung waren Tuberkulose bei 4 831 und Finnen bei 
1 157 Thieren. Von dem Auftriebe wurden nach auswärts lebend ausgeführt: 69 397 Rinder, 
172 625 Schweine. 25 422 Kälber, 153 495 Schafe. Vom Hundert jeder aufgetriebenen Thier- 
gattung wurden demnach nicht in Berlin geschlachtet, sondern lebend ausgeführt: 31, i Rinder, 
20,7 Schweine, 14,5 Kälber, 27,3 Schafe. Geschlachtet gingen ein von auswärts in die 
mit dem städtischen Schlachthofe verbundenen Untersuchungsstationen: 58 609 Rinder, 
128749 Schweine, 137 491 Kälber, 30S86 Schafe. Der Fleischverbrauch Berlins im Jahre 
1898/99 wird im Verwaltungsberichte auf insgesammt 144 670 203 kg (gegen 142 163 927 kg im 



Königreich Preussen. 



29 — 



Berlin. 



Jahre 1837/98) berechnet, so dass auf den Kopf der Bevölkerung, die im Berichtsjahre im 
mittleren Durchschnitte 1 780 825 Einwohner betrug, — abgesehen von Fischen, Wild und 
Geflüsel — 81,2 kg Fleisch (gegen 82,9 kg im Vorjahre) entfallen. Hierbei ist ein Durch- 
schnittsgewicht Ton 235 kg für ein in Berlin und Ton 180 kg für ein auswärts geschlachtetes 
Rind, von 80 bezw. 64 kg für ein Schwein, von 50 bezw. 30 kg für ein Kalb und von 20 bezw. 
19 kg für ein Schaf zu Grunde gelegt worden. Nach Abzug der der Abdeckerei überwiesenen 
Kadaver ergeben sich: 

in Berlin auswärts 

geschlachtet 



Rindfleisch . . . 
Schweinefleisch . 
Kalbfleisch . . . 
Hammelfleisch 

im Ganzen 



35 8G7 815 
52 667 600 

7 485 850 

8 181 800 
104 203 005 



10 549 620 

S 239 936 

4 124 730 

586 834 

23 501 120 



dazu: 
der „Kram" (Köpfe, Füsse, Lungen, Lebern, Herzen, Nieren) 

von den in Berlin geschlachteten Thieren mit 6 v. H. 

des obigen Fleischgewichtes 

9 824 Pferde zu 225 kg (von 9 SSO geschlachteten) .... 
von auswärts: Fleisch in Postpacketen und Tonnen, Speck, 

Konserven, Rauchfleisch und Wurst, schätzungsweise . . 

insgesammt . . . 

Es kamen mithin auf den Kopf der Bevölkerung Berlins 



zusammen 

46 417 435 kg 

60 907 536 „ 

11 610 580 „ 

8 76S634 „ 

127 704 185 „ 



6 252 184 kg 
2 210 400 „ 

S 500 000 „ 
144 666 769 „ . 



Rindfleisch 
Schweinefleisch 
Kalbfleisch 
Hammelfleisch 
Kram . . . 
Pferdefleisch . 
Rauchfleisch etc. 

insgesammt 



in Hunderttheilen vom Gesammt- 

Fleischverbrauche des Einzelnen 

26,i kg 32,i 

34,2 „ 42,i 

6,5 „ 8,0 

4,9 „ 6,1 

3,5 „ 4,3 

1,2 ,, 1,5 

4,8 „ 5,9 

81,2 „ 100. 



Die Bevölkerung hatte sich im letzten Jahre um 45 415 Einwohner oder 2,62 v. H, der Fleisch- 
verbrauch aber nach Vorstehendem nur um 1,76 v. H. vermehrt. Wenn auch die den Fleisch- 
verbrauch Berlins betreffenden Zahlen nicht ganz unanfechtbar erscheinen, da sie grossentheils 
auf Schätzungen beruhen, ferner die Fleischmengen, welche die Bewohner und selbst ein Theil 
der Ladenschlächter der Vororte aus Berlin beziehen, nicht bekannt sind, endlich auch vielleicht 
gegen die angegebenen Durchschnittsgewichte Einwendungen erhoben werden können, so ergiebt 
sich doch so viel mit Sicherheit, dass der Fleischverbrauch nicht in demselben Verhältnisse 
wie die Bevölkerung zugenommen hat. Infolge eines Beschlusses der im Mai 1896 in Berlin 
zusammengetretenen Delegirten der deutschen Städte mit Schlachtviehmärkten wurde am 
1. Juli 1897 die bis dahin in Berlin allein noch übliche Preisnotirung nach Fleischgewicht in 
die im übrigen Deutschland gebräuchliche nach Schlachtgewicht verwandelt. Während bei 
der Notirung nach Fleischgewicht von dem Stückpreise zunächst der Werth von Kopf, Haut, 
Füssen und Eingeweiden in Abzug gebracht und erst der Rest auf das Gewicht der vier Viertel 
vertheilt wurde, um so zum gezahlten Einheitspreise für das Fleischgewicht zu gelangen, 
erfolgt dieser Abzug bei der Notirung nach Schlachtgewicht nicht. 

Kanalisation: Schwemmsystem in Verbindung mit Rieselfeldern. Ortsstatut vom 
4./S. Sept. 1874 mit Abänderungen vom 5. März 1879. Von den 12 Radialsystemen, in welche 
ganz Berlin zerfällt, sind I bis X und XH fertiggestellt, XI ist im Bau. Angeschlossen sind 
ca. 24 000 Grundstücke. Das Anlagekapital beträgt rund 90 Millionen M, die Ausgaben 
jährlich rund 8 500 000 M, die bestritten werden durch Einnahmen von den Rieselfeldern 
(rund 2 Millionen), Entwässerungsabgabe der Hausbesitzer, die bis 1. April 1895 1 v. H, 
seitdem l'/j v. H. des Nutzertrages (Miethebetrag nach Abzug von 8 v. H. als Unkosten) = rund 
4 500 000 M, andere Einnahmen mehr als 500 000 M. Für den Zuschuss der Stadt ist als 
Gegenleistung anzusehen die Entwässerung des gesammten Strassengebietes einschliesslich der 
städtischen und privaten Bedürfnissanstalten, Erleichterung der Strassenreinigung und schliess- 
lich die Verbesserung der hygienischen Verhältnisse der Reichshaujptstadt. 



Berlin. — 30 — Königreich Preussen. 

Aerztliche Leichenschau ist seit 183S eingeführt. Nach Einführung des Gesetzes 
über die Beurkundung des Personenstandes voni 6. Febr. 1875 ist durch Polizeiverordnung vom 
20. Mai 1875 und vom 1. Aug. 1878 vorgeschrieben, dass bei der Anmeldung des Sterbefalles 
dem Standesbeamten zugleich der von einem approbirten Arzt ausgestellte Todtenschein zur 
Einsicht vorgelegt wird. 

Oeffentliche Badeanstalten: 8 städtische Plussbadeanstalten, 3 Volksbadeanstalten. 
Private Badeanstalten : 7 Flussbäder, 2 Schwimmbassinbäder im Sommer und Winter, 40 Wannen-, 
Brause- u. s. w. Bäder, 9 Russische bezw. Römische, Heissluftbäder , 2 natürliche Soolbäder, 
20 medizinische Heilbäder. 

Städtische Desinfektionsanstalt I (SO., Reichenbergerstr. 66). 1886 eröffnet. Das 
Grundstück von dem Kottbuser Ufer, der Reichenbergerstrasse und der Grünauerstrasse 23/24 
zugänglich, hat eine Tiefe von 38,5 m, eine Breite von 4(>,o bezw. 42,6 m und wird durch das 
Hauptgebäude in zwei Höfe (der eine für die Zu-, der andere für die Abfuhr) getheilt. Bade- 
einriehtung, bestehend aus einem Brausedbad mit 6 Brausen und 2 Ankleideräumen (in einem 
gleichzeitig eine Badewanne). Die infizirten Sachen werden durch geschultes Personal mit 
allen Vorsiehtsmassregeln in besonderen Wagen nach der Anstalt gebracht, durch strömenden 
Wasserdampf desinfizirt und hierauf in anderen Wagen in die Wohnung zurückbefördert. Für 
die Desinfektion wird eine Gebühr von 4 M für den Kubikmeter erhoben, bei Unbemittelten 
unentgeltlich. Auch wird durch dass Personal die Desinfektion von Wohnungen aus- 
geführt. Im Jahre 1898/99 nahmen (5 440 Interessenten die Anstalt in Anspruch; es wurden 
128 624 Stück (davon 36 SG3 Stück Betten, 22 205 Stück Wäsche, 20 220 Stück Kleidungsstücke) 
sowie 3 636 Wohnungen desinfizirt. 51,2 v. H. Erkrankungsfälle, welche zu Desinfektionen 
Anlass gaben, waren solche von Diphtherie, 8,2 v. H. Schwindsucht, 7,i v. H. Scharlach. Die 
Gesammteinnahmen der Anstalt betrugen 29 378,41 M. Die Ausgaben 151670,32 M. 

Städtische Desinfektionsanstalt H (NO., Froebelstrasse). 1SSS eröffnet. Die 
H. städtische Desinfektionsanstalt bewirkt nicht wie die Anstalt I Desinfektionen im öffent- 
lichen Interesse, sondern ist lediglich für die Zwecke der Verwaltung in Betrieb; sie dient zur 
Desinfektion der Kleider, Mobilien und Effekten der Obdachlosen, sowie des Anstaltsmobiliars, 
der Lager- und Wäschestücke des Obdachs, des Friedlich Wilhelms-Hospitals, des Siechen- 
hauses und des Waisenhauses. Fernerwerden dort auf Requisition der Polizei den Hebammen, 
welche bei am Kindbettfieber erkrankten Wöchnerinnen thätig waren, die Kleider desinfizirt, 
auch erhalten Schulkinder, die wegen Unreinlichkeit oder Ungeziefers vom Leiter der Schule 
hierher überwiesen werden, kostenfrei ein Bad und Reinigung ihrer Kleider. Einer kleinen 
Zahl von Privatpersonen endlich, welche Putzlappen für die Gasanstalten etc. liefern, ist es im 
öffentlichen sanitären Interesse gestattet, gegen eine tarifmässige Gebühr Lumpen, alte 
Decken u. s. w. desinfiziren zu lassen. 

Der Betrieb der Desinfektionsanstalt H erfolgt durch 5 Dampfkessel, welche zusammen 
12 981 Stunden im Jahre 1898/99 arbeiteten. Zur Desinfektion von geleimten Möbeln und 
Lederwerk, welche Sachen dem heissen Dampfe nicht ausgesetzt werden dürfen, sind 1 065 1 
Karbol wasser erforderlich gewesen. Auf die Desinfektion mit Chemikalien sind 4S6'/2 Stunden 
verwendet worden. 

Bau-Polizeiverordnung vom 27. August 1897, Nachtrag in Vorbereitung. 

Das Charite- Krankenhaus. (N.W., Unterbaumstrasse 7 und Luisenstrasse 13.) Als 
in den Jahren 1709 und 1710 die Pest das Land heimsuchte, liess König Friedrich I. 
als Zufluchtsstätte für die Armen und Dürftigen, welche in Berlin an der Pest erkranken 
möchten, im Jahre 1710 auf demselben Platze, auf welchem die jetzigen Charitegebäude stehen, 
ein Gebäude von 3 Stockwerken mit 4 Eckpavillons auf seine Kosten erbauen. Da Berlin von 
der Pest verschont blieb, wurde das Gebäude zu einem Arbeitshause für Bettler und zugleich 
zu einem Garnisonlazaret eingerichtet. Zu dem letzteren Zwecke ist das Haus indess wegen 
der damals grossen Entlegenheit des Gebäudes nur wenig benutzt worden. Dieser Umstand 
veranlasste den damaligen Chef des Armenwesens, Etatsminister v. Katsch, im Jahre 1725 che 
Ueberweisung der Anstalt, vorbehaltlich einiger Stuben für die Garnison, ziun Hospitale für 
das städtische Armenwesen vorzuschlagen. Nachdem dieser Vorschlag die Genehmigung 
des Königs gefunden hatte, legte der erste Inspektor der Anstalt, Chirurgus Habermaass, 
einen neuen Plan vor, in dem Hospitale noch ein Bürgerlazaret anzulegen und dessen Be- 
nutzung zur Unterweisung und Ausbildung von Chirurgen zu gestatten. Darauf erging 
folgende Kabinetsordre : 

„Nachdem Seine Königliehe Majestät in Preussen etc. Unser Allergnädigster Herr in 
„Gnaden erlaubet, dass in dem Garnisons-Lazareth vor dem Spandauischen Thore vor Berlin 
„auch ein Bürger-Lazareth angelegt werden solle, jedoch, dass ein Theil von gedachtem Laza- 
„reth vor die Garnison ledig bleibe, als lassen Sie solches Dero Würklichem Geheimen Etats- 



Königreich Preussen. — 31 — Berlin. 

„Minister von Katsch, um sich darnach zu achten und das gehörige zu veranstalten, hier- 
durch in Gnaden wissen. Es sollen auch die Kranken darin, sowohl Soldaten als Bürger von 
„dem Dr. Ell er und Begiments-Feldscherer Senff tractirt werden, und soll jederzeit ein Feld- 
„scherer von denen 8 Königl. Chirurges pensionairs darin beständig wohnen und monatlich, 
„nebst frey Essen und Quartier, 8 Thlr. Tractament geniessen. 

„Potsdam, d. 18. November 1726. Friedrich Wilhelm." 

Durch diese Kabinetsordre ist demnach die Charite zur Heil- und Lehranstalt be- 
stimmt worden. 

Am 1. Jan. 1727 wurde die Anstalt für diesen Zweck eröShet und erhielt von dem 
Könige „als ein öffentliches Werk der christlichen Liebe. Gutthat und Müdigkeit" den Namen 
Charite, den sie seitdem auch behalten hat. Eine Erweiterung des Lehrzweckes wurde jedoch 
durch den ersten Charitearzt, Leibarzt Prof. Dr. Ell er, dadurch herbeigeführt, dass neben dem 
chirurgischen auch medizinischer Unterricht ertheilt wurde, indem er in seinen Motiven zu 
diesem Vorgehen anführte, „dass nach dem Beispiele von Paris, London und Amsterdam auch 
in der Charite allen Medicis und Chirurgis hinlänglich Gelegenheit gegeben werde, sowohl die 
innerlichen als äusserlichen Kuren zu sehen und zu begreifen. - ' 

I >ie Anstalt erfreute sich der wohlwollendsten und regsten Aufmerksamkeit des Königs 
Friedrich Wilhelm I. Die finanzielle Lage derselben sicherte er durch eine feste Fundation. 
Auf die Vorstellung des Oberinspektors Habermaass überwies er, statt der nur sehr dürftigen 
laufenden Zuschüsse aus dem Armenfonds, durch Gesetz vom 4. April 1733 die im ganzen Lande 
damals zu entrichtende Abgabe für Geburts- und Lehrbriefe mit 12 ggr. und für Kundschaften 
mit -1 ggr. Durch diese Einnahmequelle flössen der Charite jährlich bis 19 000 Thlr. zu. Als 
der Zunftzwang aufgehoben wurde, trat an die Stelle dieser Einnahme ein fixirter Staatszuschuss 
von 18 000 Thlr. Ausserdem erhielt die Anstalt durch die Donationsurkunde vom 31. Jan. 1735 
vom Könige ein Kapital von 100 000 Thlr. mit der Bestimmung, dass dasselbe auf ewig und 
als eisern dabei verbleiben solle und legte „einen schweren Fluch und Unsegen" darauf, wenn 
Jemand es unternehmen wollte, das Kapital und die Zinsen anders, als für die Zwecke des 
Krankenhauses zu verwenden. 

Das Beispiel des Königs verschaffte der Charite bald bedeutende Stiftungen von Privat- 
personen. Friedrich der Grosse verlieh ihr ein jährliches Holzdeputat und legte, nachdem 
der Kammerherr v. Grapendorf der Anstalt 80 000 Thlr. im Jahre 1746 vermacht hatte, zu 
dieser Summe ein Kapital von 40 000 Thlr. hinzu. Für die ganze Summe löste er das früher 
von den österreichischen Fürsten verpfändete Amt Prieborn in Schlesien ein und schenkte 
dasselbe der Charite mittels Patentes vom 6. Juli 1746, jedoch unter der Bedingung, dass die- 
selbe von den Revenuen, ausser den Zinsen von den zugelegten 40 000 Thlr.. jährlich 8 000 Thlr. 
so lange an die Invalidenkasse zahle, bis letztere durch Absterben der damals sich auf 982 Mann 
belaufenden Invaliden dieser Zulage entbehren könne. Diese Bestimmung gestattete der Charite 
erst nach etwa 30 Jahren in den vollen Genuss der Schenkung zu treten, während der König 
schon unter dem 21. Nov. 1770 die Zinszahlung von der zur Erwerbung des Amtes Prieborn 
zugelegten Summe von 40 000 Thlr. erlassen hatte. 

Mit der Charite war in jener Zeit auch ein Gärtnerei-, Meierei- und Brauereibetrieb ver- 
bunden. Diese für ein Krankenhaus keineswegs wünschenswerthen Zugaben wurden jedoch später 
beseitigt. 

Bis zum Jahre 1748 wurde das Vermögen der Charite gemeinschaftlich mit dem übrigen 
Armenfonds der Stadt verwaltet. Da aber das Vermögen der Charite von dem Armendirektorium 
nicht selten zum Nachtheile der Charite zu anderweiten Zwecken verwendet wnrde, so trat mit 
dem bezeichneten Jahre in der Verwaltung des Vermögens der Charite eine vollständige Tren- 
nung von der Verwaltung des Armenfonds ein. Seit 1748 erscheint demnach die Königliche 
Charite als eine ganz selbständige Stiftung. 

Mit der Aufnahme der Irrenanstalt im Jahre 179S wurde auch das 8 S30 Thlr. betragende 
Vermögen dieser Anstalt der Charite überwiesen. Fridrich Wilhelm HI. schenkte ihr ausser- 
dem die Einkünfte des Vermögens der Gräfin Lichtenau; doch wurde diese Ueberweisung 
später auf eine jährliche Revenue von 1 000 Thlr. beschränkt. 

Die Leitung der Anstalt. Die obere Leitung war zuerst eine rein administrative und 
ging von dem Königlichen Armendirektorium aus. (Unter der Regierung des grossen Kurfürsten 
zeigten sich die ersten Spuren einer bestimmten Regelung der öffentlichen Fürsorge für arme 
Kranke der Stadt Berlin. Sein Nachfolger setzte durch das Patent vom 3. April 1699 das Armen- 
direktorium ein.) Im Jahre 1819 trat an Stelle desselben die Königliche Regierung, später 
das Kgl. Polizeipräsidium. Nachdem Rust im Jahre 1828 den ehrenvollen Auftrag, die schon 
längst beabsichtigte Reorganisation der Anstalt kommissarisch näher einzuleiten, und soweit es 
die Verhältnisse zuliessen, definitiv zu bewirken, erhalten und ausgeführt hatte, wnrde die obere 
Leitung in administrativer Hinsicht einer besonderen Behörde anvertraut. Durch das Regulativ 
vom 7. Sept. 1830 wurde das „Königliehe Kuratorium für die Krankenhausangelegenheiten" ein- 
gesetzt und unmittelbar dem Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegen- 
heiten untergeordnet. 

Rust als Generalchirurgus, ordentlicher Professor der Chirurgie und Augenheilkunde und 
Direktor des chirurgischen und ophthalmologischen Klinikum, das in der Charite von ihm am 
22. April 1817 eröffnet wnrde, kannte die Verhältnisse dieser Anstalt so genau, dass Niemand 



Berlin. — 32 — Königreich Preussen. 

geeigneter war als er. an die Spitze dieses Kuratoriunis zu treten, zumal seine Anträge es waren, 
welche die Errichtung dieser Behörde veranlasst hatten. Die Mitglieder derselben setzten sich 
zusammen aus Vertretern der Ministerien des Innern und des Unterrichts, des Medizinalstabes 
der Armee, des Polizeipräsidiums in Berlin, aus einem Justitiarius und einem Kassenrathe. 
Ausserdem konnte der Präsident zu den Berathungen noch Beamte der Charite, sowie die an- 
gestellten dirigirenden Aerzte und klinischen Lehrer und einen Baubeamten hinzuziehen. Das 
Kuratorium kannte demgemäss die zeitigen Mängel vom ärztlichen Standpunkte aus und war 
mit den mächtigen Ansprüchen auf Reformen, welche die fortschreitende Wissenschaft und das 
Beispiel musterhafter Krankenanstalten des Auslandes anregten, innig vertraut. Erweiterung 
des Baumes, Reorganisation der inneren Verhältnisse, Heilung des moralischen Charakters der 
Anstalt, sowie die Ermittelung und Erlangung der hierzu erforderlichen, äusserst bedeutenden 
Geldmittel, waren die schwierigen Aufgaben, welche vorlagen. In welcher Weise sie gelöst 
sind, geht aus folgenden Nachrichten hervor. Sämnitliche aufgenommene Kranke wurden seit 
jener Zeit nicht bloss nach dem Geschlechte und zum Theile nach dem Alter, sondern auch 
nach der Krankheitsgattung durchgreifender, als bisher, von einander abgesondert und jeder 
Abtheilung von 150 bis 200 Kranken ein dirigirender Arzt, deren Zahl dadurch von 2 bi> auf 8 
sich vermehrte, vorgesetzt. Einzelne Abtheilungen wurden zu klinischen Instituten umgeschaffen 
und diesen tüchtige Lehrer zugeordnet. Die Stellung der assistirenden Aerzte wurde geregelt 
und durch Erhöhung des Lohnes und Einrichtung einer Schule für das Wartepersonal eine 
strengere Auswahl der Krankenpfleger ermöglicht. Die Besoldungen für Aerzte und Dienst- 
personal stiegen von 15 000 auf 24000 Tlilr. Durch die Vergrösserung der Bäume vermehrte 
sich die Zahl der Verpflegten von jährlich 5 420 auf 9 079 im Jahre 1838. Die Einführung 
andererNormen für die Zahlungspflichtigkeit der Kranken und einer sorgfältigeren Beitreibung der 
Kur- und Verpflegungskosten bewirkten eine Steigerung der eingezogenen Verpflegung^gidder 
von 14 198 Thlr. im Jahre 1828 auf 47 402 Thlr. im Jahre 1S37. Die Geldmittel wurden ferner 
vermehrt durch den Verkauf einzelner Parzellen aus dem ehemaligen Charitegarten zu Bau- 
plätzen und durch Ersparnisse, die nach Revision des Speisereglements, der Verabreichung von 
Verbandmitteln, Medikamenten u. s. w. eintraten. 

Namentlich mit den Getränken war ein grosser Missbrauch getrieben worden. So wurde 
z. B. allein für Bier im Jahre 1S2S die Summe von 14000 Thlr. ausgegeben, während in 
späteren Jahren, trotz der gesteigerten Krankenzahl, diese Ausgabe auf 3 000 Thlr. gesunken ist. 

Die Ausführung von Neubauten erforderte damals die Summe von 210 000 Thlr. Zu jener 
Zeit wurde auch das Krankenhaus Ziegelstrasse 3 errichtet. 

Der Wirksamkeit des Kuratoriums war es auf diese Weise gelungen, die früheren Ein- 
richtungen des Charitekrankenhauses, welche sowohl rücksichtlich der Krankenpflege als auch 
in Bezug auf die Ertheilung des Unterrichtes viel zu wünschen übrig gelassen hatten, nach und 
nach völlig umzugestalten. Mit dem Tode Bust's, welcher im Jahre 1840 eintrat, versehwand 
jedoch bald der Einfluss des Kuratoriums auf die Chariteangelegenheiten und ging nunmehr auf 
die Spezialdirektion selbst über. 

Die Spezialdirektion der Anstalt wurde in medizinisch-technischen Angelegenheiten 
von dem ersten Arzte und dem ersten Wundarzte allein und in administrativen Angelegenheiten 
in Gemeinschaft mit dem Oberinspektor gehandhabt. Als 1798 das medizinisch-klinische Institut 
aus der Heiligen Geiststrasse in die Charite zurückverlegt wurde, erfolgte die Kreirung der 
Stelle eines zweiten Charitearztes, welche dem Direktor der K linik (damals Geheime Rath Eritze) 
übertragen wurde. Diesem folgte 1805 der Prof. Dr. Hörn aus Erlangen. Die Stelle des ersten 
Charitearztes hatte nach dem Abgange des Geheimen Bathes Seile vom Jahre 1S00 ab der 
Geheime Rath Hufeland inne. Ein zweiter Wundarzt wurde ebenfalls der Direktion noch zu- 
geordnet. Inzwischen war die Leitung der Anstalt vollständig in die Hände des zweiten Arztes 
und des zweiten Wundarztes übergegangen, da diese in der Anstalt wohnen und auf alle Stadt- 
praxis verzichten mussten, während der erste Arzt und der erste Wundarzt ihr Verhältniss zur 
Charite nur als Nebenamt betrachteten. Zweiter Arzt war bis 1>1S Hörn, dann folgte der 
Begierungs-Medizinalrath Dr. Xeumann, der im Jahre 1S2S seine Entlassung nahm. Als 
zweiter Wundarzt fungirte der Geheime Rath Dr. Kohlrausch von 1810 bis 1814, sait diesem 
Jahre Geheimrath Dr. Kluge, der von 1828 bis lc>44 allein im Besitze der technischen 
Leitung blieb. 

Die Frage nach der zweckmässigsten Art der Leitung der Charite ist öfter erörtert 
worden. Staatsrath Langermann trat 1810 für die alleinige Leitung durch einen Arzt mit 
Hilfe eines Oberinspektors ein. Dem Mangel an Einheit in der Verwaltung suchte auch die 
Kabinetsordre vom 19. Nov. 1818 abzuhelfen. Die Protokolle der Konferenz, welche die Ver- 
treter der betheiligten Verwaltungsdepartements am 7. Mai 1829 abhielten, sprachen sich eben- 
falls in demselben Sinne aus. 

Nach Klnge's Tode wurde die Spezialdirektion dem Geheimen Sauitätsrath Dr. Wollt 
und dem Oberinspektor Esse gemeinschaftlich übertragen. Indess drang damals che Ansicht 
durch, dass der Direktor der Charite ein Verwaltungsbeamter sein müsse. Nachdem durch che 
Kabinetsordre vom 17. April 1S4G die Mitwirkung des Kuratoriums bei der Direktion der Charite 
beseitigt und letztere dem Ministerium der Medizinalangelegenheiten unmittelbar untergeordnet 
war, wurde der frühere Major Hirsch an die Spitze der Anstalt berufen. AU dann Direktor 
Hirsch im Jahre lt>49 seine Entlassung genommen, wurde eine neue Direktion, aus einem Arzte 
und einem Verwaltungsbeamten bestehend, eingesetzt. Die ärztliche Leitung erldelt der Ge- 



Berlin. — 33 — Königreich Preussen. 

hörne Obermedizinalrath Dr. v. Hörn, gestorben 1871, die Verwaltung der bisherige Ober- 
inspektor Esse, der nach v. Horn's Tode bis zum 1. April 1873 interimistisch die Anstalt allein 
geleitet hat. Seitdem bestand die Direktion aus dem Geheimen Obermedizinalrath. Generalarzt 
a la suite Dr. Mehlhausen und dem Geheimen Ober-Eegierungsratb Spinola: an Stelle 
des ereteren ist Geheimer Obermedizinalrath, Generalarzt a la suite Dr. S eh ap er getreten. 
Die Kgl. Charite ressortirt unmittelbar vom Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und 
Medizinal- Angelegenheiten. 

Die innere Organisation der Charite wurde im Jahre 1737 durch ein Reglement 
geregelt. — Es wurde dabei auf die doppelte Bestimmung der Anstalt als Hospital und Kranken- 
anstalt Rücksicht genommen. 

Das Hospital war für die Aufnahme von 300 Hospitaliten eingerichtet. Durch die 
Kabinetsordre vom 19. Nov. 17i>7 wurde den Hospitaliten das von der aufgehobenen Tabaeks- 
adniinistration bisher benutzte Gebäude an der Inselbrücke überwiesen. Von dieser Zeit an 
war die Charite ausschliesslich Krankenanstalt. 

Zur Aufnahme von 200 Kranken waren (I Abtheilungen vorhanden: 1. für Kranke 
au? der Garnison, welche aber bald nur für bürgerliehe Kranke benutzt wurde, 2. für innerliche, 
3. für änsserliche, 4. für syphilitische Kranke. 5. für Krätzkranke, 6. Gebäranstalt. 

Anfanglich wurden nur 70 Kranke durchschnittlich täglich, im Januar 1736 aber schon 
14i> Männer und 11- Frauen täglich verpflegt. 

Die Vermehrung der Betten schritt allmählich so weit, dass der höchste Krankenbestand 
am 21. Febr. 1883 die Zahl von 1 747 Personen erreichte. Die Anzahl der Abtheilungen ist auf 
IG gestiegen, die von 14 dirigirenden Aerzten geleitet werden. Von den Universitätskliniken 
befinden sich zur Zeit 13 in dem Charite- Krankenhause (siehe Tabelle auf S. 34). 

Das ärztliche Personal bestand zuerst aus einem Medicus und einem Chirurgus. 
Diesen war als eigentlicher Hausarzt ein Pensionärchirurgus untergeordnet, welcher immer der 
fähigste von den jungen Chirurgen sein musste. die bei dem im Jahre 1723 gestifteten Collegio 
medico-chirurgico in der Medizin und Chirurgie ausgebildet wurden. Dem Pensionärchirurgus 
waren 4 Barbiergesellen, und zwar 2 Inländer, welche freie Station genossen, und 2 Ausländer, 
welche dafür 56 Thlr. zur Charitekasse zahlen mussten. zur Hülfe beigegeben. Dieselben 
mussten nebenbei noch alle im Hospitale und im Lazarete befindlichen Mannspersonen unent- 
geltlich barbieren. 

Auf die Besetzung dieser Stellen wurde bereits im Jahre 1743 von dem Generalstabs- 
chirurgus insofern ein grosser Einfluss ausgeübt, als er die betreffenden Personen auswählte 
und die Verwaltungsbehörde sie nur in Eid und Pflicht nahm. 

Bei Gründung der Pepiniere (des medizinisch-chirurgischen Friedrich- Wilhelms-Instituts, 
jetzt Kaiser Wilhelm -Akademie) im Jahre 1795 wurde bestimmt, dass ausser der Anstellung 
• ine; Stabs chirurgus von diesem Institute bei der Charite für die Folge auch die Eleven stets 
ihr neuntes Studiensemester lediglich zur praktischen Ausbildung in, der Charite anwenden und 
als ..Subchirurgen" in der Charite plazirt werden sollten, bevor sie als Compagniechirurgen in 
die Armee einträten. — Im Laufe der Zeit wurden die Subchirurgenstellen in der Charite 
beträchtlich vermehrt, und sind seit dem Jahre 1804 stets 19 Subchirurgen vorhanden gewesen, 
welche ausser freier Station von der Charitedirektion noch eine kleine Besoldung theils aus 
Militärfonds, theils von der Charitekasse erhalten. Dies besondere Anrecht der militärärzt- 
lichen Bildungsanstalten auf die Benutzung der Charite zur Ausbildung von Militärärzten 
erhielt durch die wegen Einrichtung der medizinischchirurgischen Akademie für das Militär 
unter dem 27. Juli 1811 erlassene Allerhöchste Kabinetsordre eine neue gesetzliche Grundlage 

Eine Differenz, welche im Jahre 1828 wegen der auf Eust's Veranlassung erfolgten Ver- 
legung der medizinischen Klinik des Geheimen Raths Bartels aus dem Gebäude Ziegelstrasse 6 
in die Charite entstanden war, gab Veranlassung, das Verhältniss des Militärmedizinalwesens 
zur Charite zu regeln. Di einer Konferenz der Vertreter der zuständigen Verwaltungsdeparte- 
ments vom 7. Mai 1829 waren bestimmte Anträge in Bezug auf die Reorganisation der Charite 
formulirt worden, welche am 22. Juni desselben Jahres die Königliche Genehmigung erhielten, 
mit dem Hinzufügen, dass Seine Majestät mit der vorzugsweisen Ausbildung von Militärärzten 
in der Charite einverstanden seien, und dass auch bei einer Erweiterung der Charite in der 
Regel und soweit es das Interes>e des Militärs erheische, den Stabsärzten und mihtärärztlichen 
Eleven stets der Vorzug vor den Civilärzten und Studirenden eingeräumt bleibe. Damit aber 
auch andererseits das Dateresse des Civils beachtet und die Ausbildung des civilärztliehen 
Personals nicht gehemmt werde, wurde <ier Einsicht und Einigung beider Ministerien vertraut, 
dass sie Btets freundlich die Hand bieten würden, etwaige Schwierigkeiten zu beseitigen. 

Wie diese Verhältnisse geordnet sind, geht ans der nachfolgenden Tabelle hervor, die 
über die Grösse und den Zweck der einzelnen Abtheilungen, über die dirigirenden Aerzte, die 
Assistenten derselben mit Unterscheidung der Militär- und Civilärzte für jede Abtheilung, 
wie über das dazu gehörige Wartepersonal Auskunft giebt. 

GuttBtadt, Krankenhaus-Lexikon für das Deutsche Reich. 3 



Königreich Preussen. 



— 34 — 



Berlin. 



Nachweisung der dirigirenden Aerzte, der Assistenten, der Bettenzahl und des 
Wartepersonals in den einzelnen Abtheilungen der Charite im Jahre 1900. 





Abtheilungen 


Dirigirende Aerzte 




Anzahl 


der 




Betten für 
Kranke 


Assis- 
tenten 


© 
■43 

.3 3 

© s 

HS 

s 


Kranken- 
wärter 


© 

a 

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S 


© 

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7 


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'3 


03 


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— 

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CD 

0, 


Lohn- 
wärter 




m. 


w. 


zus. 


m. 


w. 


i 


* 


3 


4 


5 


6 


8 


9 


10 


I I 


12 


'3 


! 


1. medizin. Klinik 


Prof. Dr. v. Leyden, 
Geh. Medizinal-Rath 


7-1 


102 


17G 


2 


3 


5 


1 




10 


IG 


2 


9 


Prof.Dr. Gerhardt, Geh. 
Medizinal-Rath . . . 


103 


59 


162 


2 


2 


4 


6 




14 


3 


3 


■>• » » 


Prof. Dr. Senator, Geh. 
Medizinal-Rath . . . 


42 


65 


107 


1 


2 


■:, 


G 




6 


5 


4 


Chirurgisch. Klinik 
Chir. Nebenabtheil. 


Prof. Dr. König, Geh. 
Med.-Eath 

Prof. Dr. Köhler, Ober- 
stabsarzt 


1 139 


124 


263 


3 


3 


6 




9 


17 


13 


(i 


Psychiatr. Klinik 


Prof. Dr. Jolly, Geh. 
Medizinal-Rath . . . 


110 


80 


190 




3 


3 






28 


24 


7 


Nervenklinik 


derselbe 


32 


26 


58 




1 


2 






6 


5 


8 


Geburtshilf. Klinik 

Schwangere . . . 
Wöchnerinnen . 
Neugeborene . . 
zusammen. . . 


Prof. Dr. Gusserow, 
Geh. Medizinal-Rath 


3° 
30 


3° 

56 

30 

116 


3° 

56 

60 

146 


!' 


1 


1 




1 




14 


9 


Gynäkolog. Klinik 


derselbe 




57 


57 


1 




2 




6 


1 


5 


li) 


Kinderklinik 


Prof. Dr. Heubner, Geh. 
Medizinal-Rath . . . 


(55 


60 


125 


1 


1 


2 


15 




3 


5 


11 


Klinik für Augenkr. 


Prof. Dr. Greeff .... 


17 


12 


29 


1 




1 






2 


2 


12 


Klinik für Hals- u. 
Nasenkranke 


Prof. Dr. Fränkel, Geh. 
Medizinal-Rath . . . 


25 


7 


32 


1 




1 






2 


2 


13 


Klinik für Ohrenkr. 


Prof. Dr. Trautmann, 
Geh. Medizinal-Rath 


15 


13 


28 


1 




1 


1 




3 




14 


Klinik für Syphilis 


Prof. Dr. Lesser . . . 


93 


80 


173 


2 


2 


5 


9 




9 




15 


Klinik für Hautkr. 
Hautkranke . . . 
Krätzkranke . . . 
zusammen . . . 


Prof. Dr. Schweninger: 


13 

9 
32 


>3 

6 

19 


36 
'S 
51 
















IG 


Institut für Infek- 
tionskrankheiten 


Prof. Dr. Koch, Geh. 
Medizinal-Rath . . . 


GO 


48 


108 


•2 


3 


3 






9 


10 


17 


Pathologisch - ana- 
tomisch. Institut 


Prosektor, Prof. Dr. 
Vircho w, Geh. Med.-R. 










4 


1 








• 




Zusammen . . 


837 


868 


1705 


.8 


25 


40 


38 


10 


110 


104 



Berlin. — 35 — Königreich Preussen. 

In unmittelbarer Verbindung mit derCharite stehen ausser den bezeichneten Abtheilungen : 

lj Das Hebainnienlehrinstitut für Berlin und den Regierungsbezirk Potsdam. Der 
Unterricht währt 5 Monate, vom 1. Oktober bis Ende Februar. Es werden in der Regel für 
jeden Kursus :!4 Schülerinnen aufgenommen, nämlich 26 aus den landräthlichen Kreisen und 
s aus Berlin. Sämmtliche Schülerinnen wohnen in derCharite. Direktor: Geh. Medizinalrath 
Prof. Dr. Gusserow. 

21 Die Aufteilung für Schutzimpfung gegen TolDvuth im Institut für Infektionskrank- 
heit .-n (NW., Charitestr. 1). Verletzte, die sich der Behandlung unterziehen wollen, haben sich 
in Berlin an das zuständige Polizeirevier, ausserhalb Berlins an ihre Polizeibehörde 
zu wenden und sich nach Empfang eines Zuweisungsattestes der Direktion des Instituts vorzustellen. 

:.i Einrichtung für den Unterricht in der Hydrotherapie im neuen Maschinenhause. 
1900 geplant 

Das Wartepersonal bestand bis auf die neuer.' Zeit nur aus bezahlten Wärtern und 
Wärterinnen, die den Anforderungen, welche man in dieser Beziehung an ein gut eingerichtetes 
Krankenhaus zu machen berechtigt ist, nicht immer entsprachen. Seit den von Rust ein- 
geführten Reformen schenkt man der Beschaffung eines guten Wartepersonals besondere Auf- 
merksamkeit. 

Mit dem besten Erfolge haben auf die Verbesserung desselben folgende Massregeln 
gewirkt. Man beschäftigte das Wartepersonal ausschliesslich im Krankenwartedienste. Die 
damit in Verbindung stehenden gröberen Arbeiten wurden ihm abgenommen und besonderen 
Dienstleuten übertragen. Durch die Gewährung einer guten Beköstigung hielt man von dem- 
selben die Versuchung fern, die Kranken in ihrer Bespeisung zu beeinträchtigen. Ferner wurde 
eine gleichmässige saubere Kleidung gegeben, Lohnerhöhung gewährt; Gratifikationen wurden 
ausgetheilt und den im Dienste der Anstalt invalide gewordenen Personen lebenslängliche 
Enterstützungen bewilligt. Zur Ausübung einer ernsten und gerechten Disziplin wurde die 
Zahl der aufsichtführenden Hausväter vermehrt. Um den Wärtern und Wärterinnen auch eine 
mögliehst vollkommene technische Ausbildung zu gehen, wurde schliesslich eine Schule für sie 
eingerichtet. 

Die Krankenwartsehule ist am 1. Juli 1832 auf Rust's Veranlassung und unter eifriger 
Mitwirkung von Professor Dieffenbach eröffnet worden. Bis heute ist sie die einzige 
staatliche Einrichtung dieser Art. Es werden hier Männer und Frauen nicht allein aus dem 
Personale der Charite, sondern auch aus der Bevölkerung theoretisch und praktisch in der 
Krankenpflege ausgebildet. Der Unterricht wird in 2 Kursen unentgeltlich ertheilt, deren erster, 
vom 1. April bis 1. Juli, hauptsächlich für Auswärtige, der zweite, vom 1. Okt. bis 1. Jan., in 
erster Linie für das Anstaltspersonal bestimmt ist. Die Auswärtigen wohnen die ersten 
2 Monate in der Charite und zahlen für Wohnung und Verpflegung 120 M; im 3. Monat 
wohnen sie ausserhalb der Anstalt. Der Unterricht wird in 4 Stunden wöchentlich zur Zeit 
vom Oberstabsarzt a.D. Dr. Salzwedel ertheilt. In Gegenwart des ärztlichen Direktors wird 
nach Beendigung des Kursus ein Examen mit den Schülern abgehalten. 

Die Krankenwartsehule haben in den -1 Jahren von 1896 bis 1S99 58, 26, 64 und 
50 Schüler besucht, zum grösseren Theile aus dem Wartepersonale der Charite und vorwiegend 
weibliche Personen. 

Die Lohnverhältnisse in der Charite sind zur Zeit für Wärter 22 M, für Wärterinnen 
15 M monatlich und steigen für bewährte Kräfte bis auf 50 M. 

Auf Grund einer Kabinetsordre vom 4. Sept. 1869 werden auf Vorschlag der Direktion 
an dienstunfähig gewordene Wärter und Wärterinnen monatlich laufende Unterstützungen auf 
3 — 5 Jahre gewährt und auf Antrag erneuert. Gegenwärtig beziehen diese Unterstützungen 
4> Wärter. 

In der neueren Zeit üben noch 14 Diakonissen aus Bielefeld, 24 Diakonissen aus Kaisers- 
werth und 7 Diakonissen aus dem Clementinenhause in Hannover, ferner 8 Schwestern vom 
rothen Kreuz die Krankenpflege in der Charite aus. Die Direktion zahlt für jede Diakonisse 
300 M jährlich an das Mutterhaus. 

Aufnahmebedingungen und Verpflegungssätze. Es werden auf Kosten der Stadt 
durch Ueberweisung der Armenärzte die einer Anstaltspflege bedürfenden Kranken, 
welche an Epilepsie, Poeken, Krätze, Cholera und Syphilis leiden, und Kinder unter 2 Jahren 
aus sämmtlichen Medizinalbezirken aulgenommen. 

Selbstzahlende müssen einen Kostenvorschuss für 2 Monate und unter Umständen eine 
Kaution von 300 M sofort einzahlen. Bei Aufnahme von Geisteskranken werden ausserdem die 
gesetzlichen Be ? timmungen berücksichtigt. 

Der Verpflegungspreis beträgt für den Tag: a) für Kinder unter 12 Jahren 2 M, b) für 
innerlich und äusserlich kranke Erwachsene U.jo M, e) für Geisteskranke ohne Unterschied des 
Alters aus Berlin 3 M, von auswärts 4 M. In der chirurgischen K lini k sind in neuerer Zeit 
5 Zimmer für Extrakranke eingerichtet: der Verpflegungspreis beträgt hier 7 M. 

Kranke, die nicht von Ortsbehörden, Armenverbänden oder von der Polizei der Anstalt 
überwiesen werden, werden auch ohne Anzahlung aufgenommen, wenn seitens des du jour 
habenden Arztes die Unabweisbarkeit bescheinigt wird. 

Mit verschiedenen Krankenkassen sind Verträge abgeschlossen, [die sich jedoch nur auf 
den Zahlungsmodus beziehen; die oben angegebenen Einheitssätze werden auch den Kassen in 
Rechnung gestellt. 

3* 



Königreich Preussen. 



— 36 — 

Diätformen der Charite. 



Berlin. 



H 

O 


Morgens 

und 

Nachmittags 


Mittags 


Abends 


Für den ganzen Tag 


Es sind ohne 
besondere Ge- 
nehmigung der 
Direktion Extra- 
verordnungen 
zulässig: 


I 


>/, Ltr. 
Milchkaffee 


1 Ltr. Gemüse und 
166,7 Gramm Fleisch 


1 Ltr. 
Suppe 


.')ÜO Gramm grobes Brot 
und eine Semmel 


zwei 


n 


, '/j Ltr. Gemüse und 
ao - 166,7 Gramm Fleisch 


V, Ltr. 
Suppe 


375 Gramm grobes Brot 
und eine Semmel 


zwei 


Ulk 


, >/j Ltr. Bouillon- 
do. " 

suppe 


■/, Ltr. 
Suppe 


250 Gramm feines Brot 
oder zwei Semmeln 


vier 


fflB 


| '/i Ltr. Bouillon- 
, suppe 

'/ 4 Ltr. Gemüse 
1 166,7 Gramm Fleisch 


>/, Ltr. 
Suppe 


250 Gramm feines Brot 
oder zwei Semmeln 
oder zwei Zwiebäcke 


drei 


IV 


do. 


V« Ltr. Bouillon- 
suppe 


>/< Ltr. 
Suppe 


eine Semmel oder 
zwei Zwiebäcke 


eine. 



Als Extraverordnungen können verschrieben werden: 

I. Mittels Diätbogens: 

80 Gramm Milchbrot, 2 Zwiebäcke 
250 „ Weissbrot 
40 „ Butter 
SO „ Kalbsbraten oder Cotelette 

2 Eier 

1 Citrone 
35 Gramm Zucker 

1 Ltr. Milch 

1 Flasche Bairisch Bier 
'/j Ltr. franz. Rothwein 

LT. Nur auf Grund besonderer Anträge werden verabfolgt: 

Kaffee in Bohnen, Thee, Heringe, Speck, Cacao sowie Mehrforderungen der unter I genannten 

Nahrungs- und Genussmittel. 

Im Durchschnitt werden für jeden Kranken täglich 3 Extraverordnungen verabfolgt. 



'/ 7 Ltr. span. Süsswein 

V 3 „ Bouillon und Vi Ei dazu 

'/ 2 „ Weissbier 

Vi „ Haferschleim 

90 Gramm Backpflaumen 

SO „ Schinken 

SO „ gehacktes rohes Rindfleisch 

'/j Ltr. Sherry 

Vio •• Cognac 

7,o „ Rum. 



Einnahme und Ausgabe für das Etatsjahr 1899. ,.- 

Einnahme. 1. Vom Grundeigentluim 100 712,37 

2. Zinsen von Kapitalien 1 302,40 

3. Kur- und Verpflegungskosten 762 346,8 8 

4. Hebungen aus Staatskassen : 

a) Zuschuss aus allgemeinen Staatsfonds 466 047,3 5 

b) aus der Universitätskasse für mehrere Lehriustitute . . 84 281, — 

5. Aus anderen Kassen 3 975, — 

6. Aus eigenem Erwerbe 10 257,os 

7. Insgemein ■ ■ 36 463,81 

Summe der Einnahme 1465 385,90 
Ausgabe. 1. Besoldungen: 

1 ärztlicher Direktor mit 3 fiOO M, 1 Verwaltungs-Direktor mit 
7 200 M, 12 Bureau- und Kassenbeamte mit 1 800 bis 4 800 M 
(Nach dem Ausscheiden der gegenwärtigen Inhaber der Stellen 
werden letztere in solche mit 1 800 bis 4 200 M umgewandelt), 

1 Oekonomiebeamter mit 1 800 bis 4 200 M, 2 Bureau-Assistenten 
und Kanzlisten mit 1 650 bis 2 700 M, 8 Stationsbeamte mit 

2 100 bis 3 800 M, 3 Geistliche zusammen 11000M, 1 Kustos 



Berlin. 



37 — 



Königreich Preussen. 



bei dem pathologischen Institut mit 3 250 M. 1 Assistent bei II 

demselben Institut mit 2 100 M. 1 Küster und 1 Gärtner mit 

1 200 bis 1 800 M. 1 Kanzleidiener. 1 Registraturdiener. 1 Kassen- 

di.-ner und 3 Portiers mit 1000 bis 1500 M 112 512,50 

2. Zu Wohnungsgeldzusehüssen 10 440, — 

3. Andere persönliche Ausgaben: 

Zur Remunerirung der dirigirenden Aerzte 9 750 M, zur Re- 
munerirung der wissenschaftlichen Assistenten und Assistenzärzte 
neben freier Wohnung und sonstigen Naturalemolumenten 
21 055 M, 2 Hebammen zusammen neben freier Wohnung und 
sonstigen Naturalbezügen 1 366 M, 4 Apothekergehülfen (1 350 
bis 1 800 M), zusammen neben freier Wohnung und sonstigen 
Naturalbezügen 6 000 M. 1 Justitiarius 1 500 M. 1 Organist 
300 M. für Botendienste 150 M. Stellenzulage für einen Diener 
150 II, zu ausserordentlichen Remunerationen und Unter- 
stützungen für Beamte und Geistliche 3 500 M, zu kleinen 
Unterstützungen für ehemalige Dienstboten der Anstalt und 
deren Hinterbliebene 900 M. zu kleinen Unterstützungen an 
hülfsbedürftige Kranke der Anstalt und deren Angehörige bezw. 
deren Hinterbliebene 450 M 45,198,4 

4. Für die Rrankenwartsehule 1200.— M, 5. Lohn 157 763.15 M, 

6. Verpflegungskosten 56S574.S3 M. 7. Medizin 43302,38 M, 
8. Chirurgische Instrumente und Unterhaltung einiger Uni- 
versitätsinstitute 114 977,28 M, 9. Für Kleidung und Wäsche 
59 722,50 M, 10. Lnventarium 28 632,64 M, 11. Feuerungs- 
material 74 214,14 M, 12. Erleuchtungsmaterial 76 306,03 M, 
13. Reinigungsmaterial 38 815,39 M, 14. Unterhaltung der 
Pferde, Kühe, Wagen u. s. w. 5 253,19 M, 15. Zu gottesdienst- 
lichen Zwecken 162,40 M, 16. Zu Anstaltsbedürfnissen 8 248,35 M, 
17. Unterhaltung der Gebäude und Gärten 70022,13 JI, 18. Ab- 
gaben und Lasten 6 227.73 M. 19. Fortlaufende Unterstützungen 
13 107,20 M, 20. Begräbnisskosten 1330,12 M, 21. Unterricht 
u.s.w. der Kranken 2 364.7 4 M, 22. Ausgaben auf Grund des 
Invaliditäts- und Altersversicherungs- Gesetzes 3 31S,49 M, 
23. Insgemein 23 692,31 M . 1297 235 — 



Summe der Ausgabe 1 465 385,90 



Die Krankenbewegung in der Charite im Jahre 189S. 



h 

£ 


Abtheilungen 


Dirigirende 
Aerzte 


Anzahl der 


"2 


Verpflegten 


Gestorbenen 


S 
h1 




m. 


m. 


zus. 


m. 


w. 


zus. 


i 


2 


3 


5 


6 


7 


8 ! 


1 
2 

3 

4 
5 
6 
7 
8 
9 

10 
11 
12 
13 
14 
15 
16 


1. Medizinische Klinik 

Chirurgische „ 

Gynäkologische .. 

Geburtshilfliche .. 

Nerven- , v 

„ „ Hautkrankheiten .... 

„ „ Ohrenkrankheiten . . . 

„ „ Halskrankheiten .... 
Abtheilung für Augenkranke .... 
Institut für Infektionskrankheiten 
Abtheilung für Gefangene 


Leyden 

Gerhardt 

Senator 

König 

Gnsserow 

Heubner 
Jolly 

Lesser 

Schweninger 

Trautmann 

Fränkel 

Greeff 

Brieger 

Lesser 


995 
1 107 

450 

1 659 

4 

624 
841 

943 
1464 
599 
144 
185 
247 
558 
21 


1008 
579 
669 
911 
872 

2HN9 
622 
611 
494 
798 
308 
94 
101 
19S 
699 
15 


2 003 
1686 

1 119 

2 570 
876 

2 089 

1 24ti 
1452 
1437 

2 262 
907 
238 
2S6 
445 

1 257 
36 


161 

126 

7S 

113 

1 

193 
41 
57 

2 
3 

28 

6 

49 


126 
77 
38 
67 
36 
21 

164 
20 
24 

1 

5 

2 

75 

- 


287 

203 

116 

180 

37 

21 

357 

61 

81 

2 

4 

33 

S 

124 




Zusammen 


9841 


10 068 


19 909 


858 


656 


1514 



Königreich Prenssen. — 38 — Berlin. 

Baulichkeiten: Die Räumlichkeiten im Gebäude von 1710 zeigten sich für das Bedürf- 
niss des Hospitals und der Heilanstalt bald unzulänglich. Am 3. Aug. 1785 waren statt 
500 Menschen, welche die Anstalt etwa aufnehmen konnte, nicht weniger als 864 Personen 
(478 Hospitaliten und 386 Kranke) vorhanden. Mit der steigenden Bevölkerung wurde die 
Nothwendigkeit der Abhilfe immer fühlbarer. Dazu kam, dass die Lehrzwecke der Charite 
immer mehr in den Vordergrund traten, dass die Anforderungen an die Krankenpflege immer 
höher stiegen und endlich die Baufälligkeit des Gebäudes zu offen an den Tag trat. Schon im 
Jahre 1771 wurde deshalb der Bau eines neuen Gebäudes angeregt; aber erst am 3. Aug. 1785 
ist der Grundstein mit grosser Feierlichkeit zu dem Gebäude gelegt, wie es unter Beirath der 
Charittörzte Seile und Voitus, sowie des Generalchirurgus Theden geplant und auch wirklich 
ausgeführt ist. Damals wurde jedoch nur der jetzige nordwestliche Flügel und erst 1789 bis 
1792 der Bau des zweiten Seitenflügels vollendet. Dann ging man an den Bau des Haupt- und 
Mittelgebäudes, mit einer besonderen Kirche in der nordwestlichen Ecke des Gebäudes, der 
1800 vollendet wurde und das alte C'haritegebäude, einige Aenderungen im Innern und einige 
Anbaue abgerechnet, in seiner jetzigen Form darstellte. 

Inzwischen waren die Hospitaliten 1797 in das Gebäude der Tabacksadministration an 
der Inselbrücke verlegt worden. Dagegen musste die Charite, nachdem die Irrenanstalt in der 
Krausenstrasse am 2. Sept. 1798 abgebrannt war, die Geisteskranken aufnehmen. 

Bald zeigte sich wieder Ueberfüllung mit ihren nachtheiligen Folgen. Namentlich war 
es fast unmöglich, die verschiedenen Kategorien von Kranken gehörig zu sondern. Mit Rück- 
sicht auf diesen Uebelstand wurde von 1831 bis zum Sommer 1834 ein selbständiges abge- 
schlossenes Gebäude, die neue Charite genannt, für etwa 160000 Thlr. aufgeführt, in welchem 
sich die Abtheilungen für Geisteskranke, rar Syphilitische, für Krätzkranke und kranke Gefangene 
völlig abgesondert von den übrigen Krankenabtheilungen noch jetzt befinden. 

Ausserdem wurde in den Jahren 1836/37 ein ganz isolirtes Gebäude mit einem Kosten- 
aufwande von 22 000 Thlr. errichtet, in welches ansteckende Kranke, namentlich Pockenkranke, 
die bisher in gemietheten Lokalen untergebracht waren, aufgenommen wurden. Daneben wurde 
1839/40 ein Waschhaus mit einem Dampfapparate für 19 000 Thlr. erbaut. 

Die Mittel zur Deckung dieser Ausgaben, einschliesslich derjenigen, welche zur Anschaffung 
des Inventariums und zur Vermehrung des Personals nothwendig wurden, fanden sich in ausser- 
ordentlichen Einnahmen, welche die Charite durch die Veräusserung entbehrlicher Parzellen 
des Charitegartens, der in den Bebauungsplan der Friedrich -Wilhelmsstadt mit herangezogen 
war, und die etwa 134 000 Thlr. eingetragen hat, erlangte. 

In dieser Periode wurde die Charite auch von der durchaus unzweckmässigen Verbindung 
mit der bisher bestandenen Meierei und Brauerei befreit, indem die hierzu bestimmten Gebäude 
abgetragen und der Garten theils für die Charite zur Erbauung des neuen Gebäudes, theils zu 
Parzellirungen verwendet wurde. 

Die äussere Form der Charite erhielt in den vierziger Jahren dieses Jahrhunderts eine 
wesentliche Veränderung durch die Pflasterung der Kommunikationswege und durch die Anlage 
von freundlichen Gärten rings um die Anstalt. 

An Stelle des Pockenhauses wurde 1854 die Gebäranstalt erbaut, 1851 wurde das Sommer- 
lazaret, 1856 das pathologische Institut eingerichtet, das später zweckmässig vergrössert ist. 
1867 wurde das Barackenlazaret für chirurgische Kranke aufgestellt. 

Ferner sind folgende bemerkenswerthe Neubauten ausgeführt: 

Geburtshilflicher Pavillon, im Juni 1877 eröffnet. Das neue Waschhaus, 1881 
eröffnet. Der gynäkologische Pavillon, 1883 eröffnet. 4 Pavillons für ansteckende 
Kinderkrankheiten, 1S88 eröffnet. Die Baracken des Instituts für Infektions- 
krankheiten, 1891 eröffnet. 

Diese Bauten neueren Datums werden mit einigen Aenderungen erhalten bleiben, die 
älteren Bauwerke aber, namentlich die Alte Charite, die Neue Charite und das Pathologische 
Institut werden niedergelegt und dafür ist gegenwärtig mit der Aufführung von Neubauten 
begonnen, welche aber, da Krankenbehandlung und Unterricht in gleichem Umfange wie bisher 
aufrecht erhalten werden müssen, nur ganz allmählig in Angriff genommen werden können. 

Nach dem Gesetz von 1897 werden demnächst auf dem 13 ha 29 a und 57 qm umfassenden 
Grundstück der Charite 10 Kliniken, jede mit Poliklinik verbunden, vereinigt sein, welche 
zusammen 1 247 Betten erhalten sollen, sodass auf jedes Bett 106 qm Bodenfläche entfallen. 

Die einzelnen Kliniken sind: 

1. die erste medizinische Klinik mit 180 Betten 

2. die zweite medizinische Klinik mit 180 

3. die chirurgische Klinik mit 160 

und die chirurgische Nebenabtheilung mit .... 70 

4. die geburtshilflich -gynäkologische Klinik mit . . . 143 

5. die psychiatrische und Nervenklinik mit ..... 200 

6. die Kinderklinik mit -. 100 

7. die Klinik für Syphilis und Hautkrankheiten mit . . 151 

8. die Augenklinik mit 30 

9. die Ohrenklinik mit 17 

10. die Hals- und Nasenklinik mit 16 



zusammen ... 1 247 Betten. 



Berlin. 



— 39 — 



Königreich Preussen. 



Hierzu kommen dann noch das Pathologische Institut und Pathologische 
Museum I Baukosten: 1484500 M), die Geschäfts- und Verwaltungsgebäude nebst einigen 
Dienstwohnungen, die An>t;iltskapelle, Küchen- und Werkstättengebäude. Jede Klinik 
erhält eine Geb&ndegrnppe für sich, nur die Klinik für Augenkranke und diejenigen für 
Hals- und Ohrenkranke werden in 2 Gebäuden vereinigt werden. Der Umfang aller Neubauten 
isl so berechnet, dass einschliesslich der bestehen bleibenden älteren (iebäude etwa ein Viertel 
di 1 * Grundstücks bebaut sein wird, sodass nahezu 100000 qm oder nach altem Maass etwa 
40 Morgen für Wege und Gartenanlagen übrig bleiben. 

Gegenwärtig sind das Pathologische Museum und die Küchen- und Werkstättengebäude 
fertiggestellt, im Bau begriffen sind 3 Gebäude der psychiatrischen Klinik, das Gebäude der 
Kliniken der Hals- und Ohrenkranken, die Kapelle, das Wohnhaus der Direktoren und das 
Verwaltungsgebäude, welche alle bis Ende des Jahres 1900, oder spätestens im Frühjahr 1901 
fertiggestellt sein werden. 

Dann werden nach Abbruch des jetzigen Laboratorienhauses des Instituts für Infektions- 
krankheiten, dessen Neubau an anderer Steile im nächsten Jahr beendet sein soll, und eines 
Theiles des Nordflügels der Alten Charite die Neubauten der chirurgischen, der Kinderklinik 
und das 4. Gebäude der psychiatrischen Klinik ausgeführt werden; später folgen in etwa zwei- 
jährigen Bauperioden die beiden medizinischen Kliniken, die geburtshilflich -gynäkologische und 
die Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten, ferner die Augenklinik und das Pathologische 
Institut mit besonderem Sektionshause und grösserem Laboratoriengebäude, in welchem noch, 
abgesehen von dem grossen Hörsaal im Pathologischen Museum, kleinere Hörsäle zur Ertheilung 
praktischer Kurse vorgesehen sind. 

Das ganze grosse Werk des Neubaues wird bis zu seiner Vollendung noch eines Zeit- 
raumes von etwa 8 Jahren beanspruchen, die Kosten sind auf rund 10 000 000 M veranschlagt. 

Apotheke. Zur Anfertigung der Medikamente wurde schon in der ersten Zeit eine 
Apotheke angelegt; sie hat jedoch nur die Geschäfte einer Dispensiranstalt zu versehen und 
erhält die Medikamente aus der Kgl. Hofapotheke mit einem bedeutenden Rabatt. Zur Zeit 
sind 4 Apotheker angestellt. 

Seelsorge. Zur Zeit gehören 3 evangelische Geistliche der Charite an, die eine eigene 
Parochie bildet. Für die katholischen Kranken wird ein Geistlicher von St. Hedwig zugezogen. 

Leichenwesen. Alle Ajmenleichen, welche die Charite nicht zur Anatomie liefern 
muss. werden in einem einfachen, aber anständigen schwarzen Sarge und mit einer weissen 

Polikliniken der Charite im Jahre 1900. 



Lide. 

Nr. 


Poliklinik 


Tag 


Stunde 


i 


2 


3 


4 


1 
2 

3 
4 
5 
6 
7 
8 
9 

10 
11 
12 


1. medizinische. 

Prof. Dr. v. Leyden 

2. medizinische, 

Prof. Dr. Gerhardt 

3. medizinische, 

Prof. Dr. Senator, Lnisenstr.lS 

Chirurgische, 

Prof. Dr. König, Luisenstr. 2 

Für Nervenkranke, 

Prof. Dr. Jolly 

Geburtshilfliche, 

Prof. Dr. Gusserow 

Für Frauenkrankheiten, 
Prof. Dr.Gusserow, Luisentr..')l 

Für Augenkranke, 

Prof. Dr. Greeff 

Für Hals- und Nasenkranke, 
Prof. Dr. Fränkel, Luisenstr.59 

Für kranke Kinder, 

Prof. Dr. Heubner 

Für Syphiliskranke, 
Prof. Dr. Lesser, Luisenstr. 18 

Für Hautkranke, 

Prof. Dr. Schweninger 


Dienstags , Donnerstags 
und Sonnabends 

Montags, Mittwochs und 
Freitags 

Täglich, ausser Sonntags 

Täglich, ausser Sonntags 

Montags, Mittwochs und 
Freitags 

Zu jeder 
Täglich, ausser Sonntags 
Täglich, ausser Sonntags 
Täglich, ausser Sonntags 
Täglich, ausser Sonntags 
Täglich, ausser Sonntags 
Dienstags und Freitags 


von 12—l'/ 2 Uhr Mittags 

von 8V 2 — 10 Chr Vormittags 
von 1 — 2 Uhr Nachmittags 

von 10 Uhr Vormittags bis 
2 Uhr Nachmittags 

von 10 — 11 Uhr Vormittags 
Tageszeit 

von 10 — 11 Uhr Vormittags 

von 9 — 10 Uhr Vormittags 

von 10—11 Uhr Vormittags 

von 12 — 1 Uhr Mittags 

von 11 — 12 Uhr Vormittags 

von 12—1 Uhr Mittags 



Berlin. — 40 — Königreich Prenssen. 

Einhüllung, jede in einer eigenen Gruft, beerdigt. Für diejenigen, welche eine bessere 
Beerdigung wünschen, sind ebenfalls entsprechende Vorkehrungen in der Anstalt selbst getroffen, 
dabei aber alles Gebührenwesen beseitigt, und feste Kostensätze eingeführt. Der zur Charite 
gehörende Kirchhof ist am 1. Juli 1859 geschlossen: seitdem wird der Kirchhof in der Müller- 
strasse benutzt, dessen Eigenthümer die Stadt ist: die Anstalt besitzt ein eigenes Leichen- 
fuhrwesen und eine Begräbnisskapelle, in der die Leichenfeierlichkeiten abgehalten werden. 

Vereinigte Universitätstiiniken (N., Ziegelstrasse 5/9), für chirurgische. Augen- und 
Ohrenkranke, zugleich auch Polikliniken. 

Bei Gründung der Universität ist diese Anstalt mit 12 Betten eingerichtet worden. 
1810 erhielt der erste Professor für Chirurgie. C. F. Graefe, zur Dotation des Institutes einen 
jährlichen Staatszusehuss von 9 000 M. Anfangs in gemietheten Lokalen. 1818 auf dem 
'heutigen Grundstücke untergebracht. Dirigirende Aerzte: Graefe bis 1840. dann Dieffenbach 
bis 1847. vom 13. Mai 1S48 bis 1. Oktober 1882 von Langenbeck. der freiwillig die Pro- 
fessur niedergelegt hat. Der Neubau der Klinik ist sein Werk, ausgeführt durch Gropius 
und Schmieden. Zum Chirurgenkongresse 1881 ist der neue Operationssaal mit 230 Sitz- 
plätzen und 100 Stehplätzen noch von v. Langenbeek eröffnet. Der Neubau ist 1 X >:1 vollendet. 
1891 Erweiterungsbau zugleich mit dem Langenbeck-Haus errichtet. 

Eigenthümer: Fiskus i Ministerium der geistlichen. Unterrichts- und Medizinal- 
Angelegenheitenj. — Vorstand: Geh. Ober-Regierangsrath Spinola. Verwaltungsdirektor des 
Institutes. 

Aerztliche Leitung: Chirurgische Klinik: Geh. Medizinal-Rath Professor Dr. v. Berg- 
mann, 7 Assistenzärzte: — Augenklinik: Professor Dr ,3 Assistenzärzte; — Ohren- 
klinik: Geh. Medizinal -Eath Professor Dr. Lucae. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 
7 Pflegerinnen aus dem Victoriahause in Berlin und 12 m.. 27 w. Wärter. 

2S1 Betten, davon 201 für die chirurgische, 66 für die Augen- und 20 für die Ohrenklinik. 

Verpflegungssätze und Aufnahmebedingungen: I. Kl. '.' M. IL Kl. 6 M. HI. Kl. 
2,50 M. IV. Kl. 2 M für den Tag. 

Kranke, welche des klinischen Interesses wegen oder für Rechnung der Stadtgemeinde 
Berlin und der unter städtischer Aufsicht oder im sonstigen Zusammenhange mit der Stadt 
stehenden Gewerks-Krankenkassen aufgenommen werden, zahlen 2 M. Kinder unter 12 Jahren, 
welche für Rechnung der Stadt Berlin aufgenommen werden, 1.50 M für den Tag. Mitglieder 
des akademischen Krankenvereines der Berliner Universität, sowie des Krankenvereines der 
Studirenden der technischen Hochschule in Berlin werden für 2 M täglich in der H. Klasse 
verpflegt. 

Bei Ueberfüllung des Krankenhauses Moabit werden chirurgische Kranke aus den 
Medizinalbezirken 1. 2. ;'.. 39, 40. 49, 51, 52, 55 von den Armenärzten der Stadt überwiesen. 

Bei Ueberfüllung des Krankenhauses am Urban werden chirurgische Kranke (nur 
männlichen Geschlechts) aus den Medizinalbezirken 5. 7. 9. 10 und 11 von den Armenärzten 
der Stadt überwiesen. 

1898/99 wurden verpflegt in der chirurgischen Klinik: 1401 m.. 777 w. Kranke 
durchschnittlich 27 Tage. 126 m.. 76 w. sind gestorben: in der Klinik für Augenkranke: 
411 m., 557 w. Augenkranke durchschnittlich 24 Tage. 1 w. gestorben: in der Klinik für 
Ohrenkranke: 126 m.. 91 w. Ohrenkranke durchschnittlich 35 Tage. 10 m.. 6 w. sind ge- 
storben. Die Einnahmen betrugen 301354 M. darunter eingezahltes Verpflegungsgeld für 
die chirurgische Klinik 136 423,50 M. für die Augenklinik 33 846 M. für die Ohrenklinik 1 1 705 M 
und Zuschuss des Staates: 110032.67 M 

Das Institut für Infektionskrankheiten (an dem Nordufer, der Buch- und Triftstrasse). 
Neubau 1900. Eigenthümer: Fiskus. Vorstand: Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Koch. Das 
Hauptgebäude des Instituts besteht aus einem Untergeschoss. einem Erdgeschoss. ersten und 
zweiten Stockwerk, enthält im Erdgeschoss die Räume der chemischen Abtheilung, den Hörsaal 
(mit 100 Sitzplätzen) mit der Handsammlung, die Räume für Mikrophotographie, einige Gesell 
zimmer und das Frühstückszimmer. Im ersten Stückwerk befinden sich die Zimmer des Direktors 
und des Vorstehers der bakteriologischen Abtheilung, sowie die Arbeitsräume der genannten 
Abtheilung. Das zweite Stockwerk enthält Reservearbeitszimmer für selbständige Untersuchungen, 
Räume für gefährliche bakteriologische Arbeiten, sowie die Bibliothek und die Sammlung. Das 
Untergeschoss dient zur Unterbringung der Werkstatt und der Vorrathsräume, des Verbrennungs- 
ofens und der Zentralheizung u. s. w. Wegen der Feuergefährlichkeit der meisten Arbeiten ist 
ein feuersicherer innerer Ausbau des Hauptgebäudes nothwendig. 

Für kleine, mittlere und grosse Versuchsthiere werden vier Stallgebäude errichtet. Nor 
das Gebäude für kleine Versuchsthiere ist zweigeschossig, die übrigen Stallungen werden ein- 
geschossig hergestellt. Letztere sind mit kleinen Höfen zur Bewegung der Thiere im Freien 
versehen. Die Stallungen für kleine und mittlere Vorraths- und Versuchsthiere erhalten eine 
wirksame Heiz- und Lüftungsanlage. 

In einem kleinen Pfortner- und Beamtenhause liegen im Erdgeschoss Wohnungeu für 
den verheiratheten Pförtner und einen unverheiratheten Assistenten, im ersten Stockwerk zwei 
Familienwohnungen für den Institutsdiener und den Oberheizer. 



Königreich Preussen. — 41 — Berlin. 

Die Baukosten des Hauptgebäudes betrau''!! 175000 M. tür die Stallgebäude, das Pförtner- 
und Beanitenhaus sowie die Nebenanlagen 125000 Iff. Die Gesammtkosten werden mithin unter 
Hinzurechnung von etwa 30000 M für die innere Einrichtung rund 630000 II betragen. 

Zwischen dem Kgl. Preussiscben Fiskus, vertreten durch die Untemchtsverwaitnng, und 
der Stadt Berlin ist nachstehender Vertrag wegen Angliederung des Instituts für In- 
fektionskrankheiten an das IV. städtische Krankenhaus geschlossen worden. 

<; 1. Das Institut für Infektionskrankheiten wird ausserhalb der Anlage des vierten 
stadtischen Krankenhauses, jedoch in unmittelbarer Nähe desselben Seitens des Fisku< errichtet. 

Die Stadt ist bereit, der Unterrichtsverwaltung als Bauplatz nach deren Wahl eines der 
beiden auf dem anliegenden Plan mit b und c bezeichneten Grundstücke, und zwar für das 

um Preise von 20 51, für das zweite von 15 M pro Quadratmeter eigentümlich zu über- 
lassen und ausserdem im ersten Falle einen besonderen Zugang zum Krankenhause unentgelt- 
lich zu gewähren. 

^ .'. In dem vierten städtischen Krankenhause wird eine Abtheilung für Infektionskranke 
i$ 3) von 100 Betten eingerichtet. Die Leitung dieser Abtheilnng untersteht einem städtischen 
dirigirenden Arzte, der mit allen Rechten und Pflichten eines solchen zugleich Mitglied des 
Instituts ist. Die Anstellung desselben erfolgt durch die Stadt, indessen steht dem anderen 
Theile die Befugniss zu. die ihm nicht genehmen Kandidaten abzulehnen. 

Scheidet er aus seiner Stellung als dirigirender Arzt beim Krankenhause zufolge Kündi- 
gung oder aus irgend einem anderen Grunde aus. so verliert er damit zugleich seine Stellung 
am Institut, dasselbe gilt auch unigekehrt. Bis zur anderweitigen definitiven Besetzung der 
frei gewordenen Stelle hat die zuständige städtische Verwaltungs- bezw. Aufsichtsstelle, zur Zeit 
die Deputation für die städtischen Krankenanstalten und die öffentliche Gesundheitspflege, für 
die geeignete Stellvertretung zu sorgen. 

§ 3. Ueber die Art der Vertheilung der in das Krankenhaus aufgenommenen Infektions- 
kranken sind die von der zuständigen städtischen Verwaltungs- bezw. Aufsichtsstelle, zur Zeit 
die Deputation für die städtischen Krankenanstalten und die öffentliche Gesundheitspflege, er- 
lassenen bezw. künftig zu erlassenden Anweisungen massgebend. Dabei ist daran festzuhalten, 
dass die Isolirnng der einzelnen Arten von ansteckenden Krankheiten so strenge als möglich 
durchgeführt wird. Der dirigirende Arzt der gedachten Abtheilung darf Anträge auf Zuweisung 
besonderer Arten solcher Kranken bei der Direktion bezw. der Aufsichtsinstanz der letzteren 
stellen, welchen, soweit es die Interessen der gesammten Anstalt zulassen. Rechnung getragen 
werden wird. Die von den Kranken geäusserten Wünsche sollen nach Möglichkeit berücksichtigt 
werden. 

Der dirigirende Arzt ist befugt, unter seiner Verantwortlichkeit dem Direktor des In- 
stituts vertretungsweise einen Theil der Kranken zur eigenen Behandlung zu überlassen, sofern 
sich die Kranken damit einverstanden erklären. Zu klinischen und sonstigen Unterrichtszwecken 
dürfen diese Kranken nicht verwendet werden. 

Die dieser Abtheilung überwiesenen Kranken sind der administrativen Ordnung des 
Krankenhauses vollständig unterworfen. 

§ 4. Dem Institut werden in der bezeichneten Abtheilung des Krankenhauses jährlich 
2 000 Verpflegungstage zur freien Verfügung gestellt gegen eine an die Stadtgemeinde zu 
zahlende Pauschalsumme von 6 000 M jährlich und Vergütung der den auf Grund dieser Be- 
stimmung behandelten Kranken verordneten Extradiät. Es dürfen jedoch gleichzeitig nicht mehr 
rK \'i Betten Seitens des Instituts in Anspruch genommen werden. 

S 5. Für alle Mehrkosten, welche dem Krankenhause bei Behandlung der Kranken durch 
die Berücksichtigung von besonderen Wünschen des Lnstituts erwachsen, hat das letztere vollen 
Ersatz zu leisten. 

§ 6. Das Lnstitut erhält die Befugniss, für die in § 2 bezeichnete Krankenabtheilung 
Sektionen, soweit sie ihm im Interesse des Instituts nöthig erscheinen, selbständig in einer 
besonderen Obduktionshalle vorzunehmen, selbstverständlich unter Beachtung der für die Vor- 
nahme von Sektionen in den städtischen Krankenhäusern geltenden Bestimmungen. 

Die Halle wird auf einem für diesen Zweck geeigneten und von der Stadt unentgeltlich 
zur Verfügung zu stellenden Platze des Krankenhausterrains auf Kosten des Instituts erbaut 
und unterhalten. Nach etwaiger Beendigung de- Vertrags Verhältnisses fällt dieselbe, jedoch 
ohne die innere Einrichtung, der Stadt unentgeltlich zu. 

j 7. Das Institut ist verpflichtet, für die Stadt alle bakteriologischen Untersuchungen, 
welche nach dem Urtheile der Krankenhaus-Direktion im Interesse des IV. städtischen Kranken- 
hauses erforderlich werden, kostenfrei auszuführen. 

S 8. Der gegenwärtige Vertrag tritt mit der Eröffnung des IV. städtischen Kranken- 
hauses in Kraft und ist während der ersten 15 Jahre seines Bestehens unkündbar. Nach Ablauf 
dieser Zeit steht es jedem der beiden kontrahirenden Theile frei, denselben unter Einhaltung 
einer fünfjährigen Kündigungsfrist jederzeit zu kündigen. 

Garnisonlarzaret >"o. I (Scharnhorststrasse). 1S50 bis 1853 erbaut und am 1. Okt. 1S53 
bezogen. Es liegt im Norden der Stadt in der Nähe des Invalidenhauses. 12 066 Mann 
Garnisonstärke, welche auf das Garnisonlazaret I angewiesen sind. Vorstand: Generalober- 
arzt Dr. Jahn. Wartepersonal: -1 graue Schwestern aus Breslau, 2-1 ausgebildete Kranken- 
wärter und 42 Sanitätsmannschaften. 608 Betten, und zwar für 8 Offiziere. 17 Portepee- 



Berlin. — 42 — Königreich Preussen. 

Unteroffiziere und 583 Mannschaften. 1898 wurden 2 641 Kranke durchschnittlich 30 Tage 
verpflegt, 25 sind gestorben. Beleuchtungssystem: Gas und Petroleum. Ventilations- 
system: Gemischt. Kippfenster, Schieberlitzen und Luftschächte in Verbindung mit der 
Heizung. Heizungssystem: Theils Kachelöfen von aussen, theils eiserne Oefen von innen 
zu heizen. Desinfektionsanstalt: Apparat von Rietschel und Henneberg für den Theil der 
Garnison, welcher zum Verbände des Lazarets gehört. Wasserversorgung: Aus 2 Tief- 
brunnen mittels Dampfmaschine in 2 Reservoirs und aus diesen in Bleiröhren zu den Bedarfs- 
stellen. Latrinen: Wasserspülung. Beseitigung der Abfallstoffe: Anschluss an die 
städtische Kanalisation. 

Garnisonlazaret Jfo. II (Tempelhof). 1875 bis 1878 erbaut und am 1. April 1878 be- 
zogen. Es liegt südlich des Dorfes Tempelhof. 2(H) m östlich der Berlin-Cottbuser (Marien- 
dorfer) Chaussee. Vorstand: Oberstabsarzt I. Klasse Dr. Neumann. Wartepersonal: 
5 graue Schwestern aus Breslau, 18 ausgebildete Militärkrankenwärter, 10 Civilkrankenwärter. 
402 Betten. 1898 wurden 3 559 Kranke durchschnittlich 28,3 Tage verpflegt, 29 sind gestorben. 

Baubeschreibung: Das Lazaret ist für 504 Betten — bei 37 cbm Luftraum für jedes 
Bett — eingerichtet. Es liegt auf einem Grundstück von 6,18 ha Grösse im südlichen Theile 
Tempelhofs und zwar mit der nach Westen gerichteten 33G m langen Hauptfront an der 
Moltkestrasse. Kombinirtes Pavillon System. 

Zur Aufnahme der Kranken dienen vier Blockgebäude zu je 65 Betten, zwei zweistöckige 
PaviUons zu je 74 Betten und drei Isolirgebäude zu je 37 Betten. Hierzu treten für Zwecke 
der Verwaltung ein Verwaltungs-, ein Wirthschafts- und zwei Gebäude mit Wohnungen für den 
Chefarzt und Beamte der Anstalt. Ein Waehgebäude, ein Magazin für Feldausrüstungs-Gegen- 
stände, ein Eishaus, ein Leichenhaus und ein Gebäude zur Unterstellung der Pferdebahnwagen 
haben sodann noch an verschiedenen dafür geeigneten Stellen des Grundstücks Platz gefunden. 
Die Hauptgebäude sind durch geschlossene Gänge mit einander verbunden. 

Mit Auschluss des Eishauses, eines Holzbaues, sind sämnitliche Gebäude als Rohbauten 
ausgeführt in rothen Ziegeln, deren Flächen durch Streifen von gelben Ziegeln belebt sind. 
Formsteine sind nur in massigem Umfange zu Umrahmungen von Oeffnungen und zu Gesimsen 
verwendet worden. 

Die Pavillons, Isolirgebäude, das Oekonomiegebäude und die Verbindungsgänge haben 
Holzcementdächer mit weit übertretenden Holzgesimsen, die übrigen Gebäude mit Schiefer ge- 
deckt, massive Gesimse auf konsolartigen Auskragungen erhalten. Die Anlage hat einen Kosten- 
aufwand von 3 118 275 M mit Einschluss des Grunderwerbs (226 092 M) verursacht. 

Neubau a) eines dreigeschossigen Gebäudes zur Unterbringung der Lazaretapotheke, 
von Dienstwohnungen, für 1 Assistenzarzt, 2 Lazaret-Inspektoren und 4 Civilkrankenwärter. 
b) eines Operationsgebäudes. 

Beleuchtungssystem: Gasbeleuchtung. Ventilationssystem: Luftschächte in Ver- 
bindung mit der Heizung. Heizungssystem: Ofenheizung mit direkter Kohlen- bezw. Koaks- 
feuerung. Desinfektionsanstalt: Apparat von Schimmel & Comp, in Chemnitz für die zum 
Garnisonlazaret No. H Berlin gehörigen Truppentheile. Ausserdem 1 transportabler Desinfektions- 
Apparat nach Rietschel & Henneberg. Wasserversorgung: 2 Kesselbrunnen, 2 Röhrenbrunnen 
beantragt als Ersatz für die Kesselbrunnen. Latrinen: Wasserspülung. Beseitigung der 
Abfallstoffe: Anschluss an die städtische Kanalisation. Staubfreie Müllabfuhr. 

Lazaret des Invalidenhanses (NW., Invalidenstrasse 48/49). Im Jahre 1843/44 errichtet. 
Chefarzt: Oberstabsarzt I. Klasse Dr. Riebel. 50 Betten. 

Lazaret der Kgl. Strafanstalt Moabit (NW., Lehrterstrasse 3). Die Anstalt dient als 
Zuchthaus für gesunde, arbeitsfähige, bereits vorbestrafte Verbrecher. Pennsylvanisches System 
für Isolirhaft. Eigenthümer: Fiskus (Ministerium des Innern) Ressort des Kgl. Polizei- 
Präsidiums. Vorstand: Strafanstalts - Direktor Major a.D. ZiUigns. 

a) Hauptanstalt: Belegfähigkeit: 550 Männer. Hafträume: 552 Einzelzellen, 
ausschl. Strafzellen. 9 gemeinsame Arbeitsräume von 282 qm Gesammtgrösse. Kranken- 
räume: 12 von 200 qm Gesammtgrösse. Arzt: Sanitäts-Rath Dr. Leppmann. Krankenzahl 
1898: 176 Männer. 

b) Irrenabtheilung der Strafanstalt Moabit. Arzt: Sanitäts-Rath Dr. Leppmann. 
Wartepersonal: 12 ausgebildete Krankenwärter. 40 Betten für Männer. 1898 wurden 
92 Geisteskranke durchschnittlich 157 Tage verpflegt, 1 ist gestorben. 

Lazaret des Kgl. Untersuchungsgefängnisses (NW., Alt Moabit 12 a). 1881 eröfliiet. 
Das Untersuchungsgefängniss ist für Kriminal-Untersuchungsgefangene, 1 100 männlichen und 
200 weiblichen Geschlechtes, sowie für 150 Strafgefangene beiderlei Geschlechtes der Land- 
gerichte I. und U. und der Amtsgerichte I. und II. bestimmt und nach § 116 der Reichs- 
prozessordnung hauptsächlich der" Durchführung der Einzelhaft gewidmet; mit 712 Isolir- 
zellen für Männer und 70 Isolirzellen für Weiber. Eigenthümer: Justizfiskus. Vorstand: 
Direktor Eckert. Arzt: Dr. Schulz, Bezirks -Physikus. 81 Betten. 1898 wurden 778 m.. 
220 w. Gefangene durchschnittlieh 17 bezw. 26 Tage verpflegt, 1 w. ist gestorben. 

Weiberlazaret, Filiale der Kgl. Stadtvoigtei (NO., Barnimstrasse 10). Die Stadtvoigtei 
soll 600 Frauen aufnehmen, die wegen Verbrechen oder wegen Polizeiübertretungen zu Haft 



Königreich Preussen. — 43 — Berlin. 

und Gefängniss verurtheilt werden. Gemeinsame Haft; 35 Isolirzelleu. Eigenthfimer: 
.Tustizriskns. Vorstand: Ober- Inspektor Husung. Arzt: Geh. Sanitäts-Eath Dr. v. Poller, 
Bezirks-Physitns. 1898 wurden 393 w. Gefangene durchsehnittlieh 15 Tage verpflegt,. 1 ist 
gestorben. 

Siehe auch Gefangenenlazaret in Tegel und in Plötzensee. 

Städtisches allgemeines Krankenhaus (N., im Friedrichshaine). Mit einem Geschenke 
des Rentiers Fasquel von 150000 M und mehreren Legaten von der Stadt Berlin 1868 durch 
Gropius und Schmieden erbaut und am 6. Okt. 1874 eröffnet. Seit 1S77 ist ein Haus zur 
Ausbildung von Krankenpflegerinnen damit verbunden. 1882 ist ein Operationsgebäude, 
1S85/8G eine Baracke für 30 Kinder, die an Diphtherie erkrankt sind, erbaut. 

Die Aufsicht über das Krankenhaas im Friedrichshain führte bis Ende September 1893 
ein aus zwei Stadträthen und drei Stadtverordneten bestehendes Curatorium. Seit 1. Oktober 
1893 unterstehen die städtischen Krankenhäuser im Friedrichshain, Moabit, am Urban und das 
später hinzugekommene Krankenhaus Gitschinerstrasse 10-1/5 der aus vier Stadträthen und acht 
Stadtverordneten zusammengesetzten „Deputation für die städtischen Krankenanstalten und die 
öffentliche Gesundheitspflege." Die ökonomische Verwaltung ist einem Verwaltungsdirektor 
und die ärztliche Leitung zwei, dem Verwaltungs-Direktor und einander coordinirten ärztlichen 
Direktoren übertragen. An der inneren Abtheilung ist ausser dem Direktor ein dirigirender Arzt 
thätig. welchem etwa 150 Kranke zur selbständigen Behandlung überwiesen sind. Der ärztliche 
Direktor der äusseren Abtheilung wird von einem ihm untergeordneten Oberarzt unterstützt, 
welchem zugleich die Leitung der Poliklinik übertragen ist. Seit dem 1. April 1895 ist an der 
pathologisch-anatomischen Anstalt (Leichenhaus) ein Prosektor thätig, nachdem die Gemeinde- 
behörden die Errichtung von Prosekturen an den städtischen Krankenhäusern im Friedrichshain. 
Moabit und am Urban auf Antrag der Deputation genehmigt hatten. 

Assistenzarztstellen sind zwölf vorhanden, und zwar fünf an der inneren, sechs an der 
äusseren Abtheilung und eine an der pathologisch-anatomischen Anstalt. Ausserdem erfolgt die 
Beschäftigung von Volontärärzten, deren Zahl in der Regel die der Assistenten nicht überschreiten 
soll; ihre Annahme geschieht durch eine aus drei Mitgliedern bestehende Subkommission der 
Deputation. Vorsitzender der Deputation ist Stadtrath Bail. 

An Verwaltungs-, Dienst- und Wartepersonal sind ferner vorhanden: I. 2 Apotheker; 

H. 1 Oekonomie-Inspektor, 2 Magistrats-Sekretäre (1 Kalkulator und 1 Verwalter der 
Vorschusskasse), 4 Bureau- Assistenten und 7 Bureauhilfsarbeiter, 1 Hausvater und 2 Bureaudiener. 

HI. 1 Maschinenmeister, 1 Maschinist, 1 Heizer an der Dampfmaschine, 9 Heizer für 
die Pavillons, 1 Schlosser bezw. Plumber, 1 Haustischler, 1 Haustapezierer, 2 Desinfektoren, 
2 Tagesportiers, 1 Nachtportier, 2 Nachtaufseher, 18 Hausdiener, 1 Oberköchin, IG Küchen- 
mädchen, 1 Wäscheverwalterin, 1 Oberwäscherin und 16 Waschmädchen, zusammen 75 Personen. 

rV. 1 Oberwärter, 15 Wärter, 15 Oberschwestern, 37 Schwestern, 14 Nachtschwestern; 
diese Schwestern sind sämmtlich vom Victoriahause für Krankenpflegerinnen überwiesen worden; 
1 Wärterin und 20 Hilfswärterinnen, welche letzteren diejenigen Reinigungsarbeiten und 
Dienstleistungen zu verrichten haben, von welchen die Pflegerinnen (Schwestern) befreit sind. 

V. 1 Öperationsdiener. 3 Leichendiener, 1 Badediener, 1 Badedienerin, 2 Apotheken- 
diener und 1 Laboratoriumsdiener. 

Für die Beköstigung der Kranken besteht in der Anstalt nur eine Verpflegungsklasse 
mit 4 Diätformen, in denen im allgemeinen folgendes verabreicht wird: 

I. Diätform. 

1. Morgens 5 / 10 Liter Kaffee oder 5 / 10 Liter Milch 

2. Mittags ; '/io Liter Gemüse, 250 g Fleisch 

3. Nachmittags .... 5 / 10 Liter Kaffee oder 5 / 10 Liter Milch 

4. Abends »/,„ Liter Suppe 

5. Für den ganzen Tag . 500 g Mittelbrod und 200 g Semmel, 50 g Butter, 15 g Salz. 

IL Diätform. 

1. Morgens ..... wie bei I. 

2. Mittags 6 /io Liter Gemüse, 167 g Fleisch 

3. Nachmittags .... 1 . , . T 

4. Abends . . . . . ^ wie bei I. 

5. Für den ganzen Tag . 200 g Mittelbrod, 100 g Semmel, 15 g Salz. 

III. Diätform. 

1. Morgens ..... 5 /io Liter Kaffee oder 5 /,„ Liter Milch oder Vio Liter Bouillon 

2. Mittags 5 /io Liter Suppe, 167 g Fleisch 

3. Nachmittags .... wie bei I. 

4. Abends 5 /,„ Liter Suppe oder 3 / 10 Liter Bouillon oder 3 / 10 Liter Extrasuppe 

5. Für den ganzen Tag . 100 g Semmel oder 100 g Zwieback und Extraverordnungen. 

IV. Diätform. 

1. Morgens ..... wie bei HI. 

2. Mittags 5 /,„ Liter Wassersuppe oder 3 /, Liter Bouillon 

3. Nachmittags .... wie bei I. 

4. Abends wie bei HI. 

5. Für den ganzen Tag . 50 g Semmel, 33,3 g Zwieback, 10 g Salz und Extraverordnungen. 



Berlin. 



- 44 



Königreich Preussen. 



Die Beköstigung des Dienst- und Wartepersonals erfolgt im allgemeinen nach der Diät- 
form I, jedoch sind die Gemüse- und Fleischportionen grösser, für die Beköstigung der Pflege- 
rinnen, sowie der Aerzte und Apotheker sind besondere Speiseregulative massgebend. 

Vorstand: Verwaltungsdirektor Turner und die beiden ärztlichen Direktoren. 

Aerztliche Leitung: Für innerlich Kranke, Direktor Prof. Dr. Fürbringer, ausserdem 
dirigirender Arzt Prof. Dr. Krönig; für die chirurgische Abtheilung, Direktor Geh. Sanitäts- 
Rath Prof. Dr. Hahn, Oberarzt Dr. Neumann; Prosektor: Prof. Dr. Hansemann; 11 Assistenz- 
ärzte; 2 Apotheker. — Wartepersonal: '20 Wärter, 86 Wärterinnen, darunter Pflegerinnen 
aus dem Victoriahause in Berlin; ausserdem noch 1 Operationsdiener, 2 Leichendiener, 1 Bade- 
wärter, 1 Badewärterin. 753 Betten, für Männer 342, für Frauen 280, für Knaben 65, für 
Mädchen 66. 

Kostenpreis für einen Verpflegungstag: für Erwachsene 2,50 M, von auswärts 3 M, für 
Kinder 2 M, von auswärts 2.50 M. 

Aufnahmebedingungen: Es werden auf Kosten der Stadt durch Ueberweisung der 
Armenärzte aufgenommen: Männer, Frauen und Kinder (mit Ausnahme derjenigen Kranken. 
welche an Epilepsie, Pocken. Krätze, Cholera und Syphilis leidem aus den Medizinalbezirken 
Nr. 23. 24. 25. 26. 27. 2s. 31. 32. 33, 34, 35. 75, 83. 

Verpflegte Kranke 1N9S: 10 222 (5 S42 m.. 4 380 w.), davon gestorben 1509 (893 m., 
616 w.). Verpflegungstage überhaupt: 252 767. durchschnittlich für den Kranken 24,7 Tage. 

Bei der Berechnung der Selbstkosten der Stadtgemeinde Berlin sind seit 1. April 1895/96 
für die städtischen Krankenhäuser einheitliche, vom Magistrat aufgestellte Grundsätze zur 
Anwendung gekommen. 

Das Ergebniss dieser Berechnungen ist für die Jahre 1. April 1895/96 bis 1. April 1898/99 
folgendes : 





1895/96 


1896/97 1897/9S 


1898/99 


I. Bei Berücksichtigung der antheiligen persön- 
lichen und sächlichen Kosten der allgemeinen 
Verwaltung und der Gehälter aus dem Personal- 
besoldungsetat betragen die Selbstkosten für den 
Tag und Kopf eines Kranken 

II. Bei Berechnung der Zinsen des im Grund und 
Boden und im Inventar angelegte Kapitals 
treten hinzu 


M 

3,18 

0,79 


M 

3,33 
0,7 9 


M 

3,32 

0,79 


M 

3,23 
0,74 


zusammen . . 

III. Werden hiervon die im Berichtsjahre ein- 
gegangenen Erstattungen auf Kur- und Ver- 
pflegungskosten und Beerdigungskosten mit . . 


3,97 

1,08 


4,12 

1,13 


4,n 

1,14 


3,9 7 
1,01 


in Abzug gebracht, so bleiben von den Selbst- 
kosten ungedeckt und werden von der Stadt- 
gemeinde getragen pro Tag und Kopf. . . . 


2,89 


2,9S 


2,97 


2,96 



1898/99 erforderte die Behandlung der Kranken 152 323.43 M, die Verpflegung 749 703,08 M, 
im besonderen die Beköstigung 338 616,8fi M. Für den Tag kostete jeder Kranke für die gesammte 
Verpflegung 3,97 M, für die Beköstigung 1,3 1 M. Der Zusehuss der Stadt betrug 481 646,38 M. 

Mit dem Krankenhause ist seit dem Jahre 1877 verbunden eine Unterrichtsanstalt 
für Krankenpflegerinnen, seit 1884 „Victoriahaus" (NO., Landsberger Allee 19/20). 
Protektorin: Ihre Majestät Kaiserin und Königin Friedrich. 

Vorsitzender: Staatsminister Dr. v. Delbrück. Oberin: Victoria Gervinus. 

Ausbildung von Pflegerinnen für den Dienst im Krankenhause.' Verpflichtung auf 4 Jahre. 
Kaution von 300 M. die nach bestandener Lehrzeit zurückgezahlt wird. Freie Wohnung, 
Beköstigung, Wäsche und Dienstkleidung und ein Gehalt von 300—500 M jährlich. 

Bauliche Beschreibung: Die Anstalt liegt auf der Anhöhe, IS, 75 m über dem 
Dammmühlenpegel, nur nach Süden in dir Nähe von bewohnten Stadttheilen. sonst vom 
Friedrichshainparke umgeben. Das Grundstück hat die Gestalt eint's Dreieckes. Das Gesammt- 
areal beträgt 95 000 qm , davon sind bebaut 12 384 qm. Die Anlagekosten mit Erweiterungen 
betrugen 4726 (XXI M, für ein Bett 6 028 M. Pavillonsystem. 

Die Anstalt besteht aus dem Verwaltungsgebäude, dem Oekonomiegebäude, dem Eisha'se. 
den beiden Thorgebäuden, dem Badehause, den vier einstöckigen Pavillons der chirurgischer 
Abtheilung, den sechs zweistöckigen Pavillons für innere Kranke, einem Pavillon für Diphtherie- 
kranke, den beiden Isolirgebäuden und dem Wohnhause für Krankenpflegerinnen, ferner 
Operationshaus, Desinfektionsanstalt und Leichenhaus an der Virehowstrasse. Es sind 
angelegt 12 Pavillons, von N. nach S. gelegen, mit Sälen für 28 Betten; die Grundfläche für 
1 Bett beträgt 9,85 bis 12 qm, der Luftraum für 1 Kranken 46,37 bis 61,82 cbm. 



Königreich Preussen. 



— 45 



Berlin. 



Städtisches Krankenhans Moabit (NW., Thurmstrasse 21). Ganz in Barackensystem 
erbaut (führte daher noch bis 1885 den Namen „Baraeken-Lazaret"). 1872 wurden 16 Baracken 
und die Wirtschaftsgebäude erbaut und zum Theil belegt, weitere 8 Baracken folgten 1873. 
Die ganze Anlage wurde ursprünglich nur als ein Provisorium betrachtet und ist demgemäss 
in einfachster Weise hergestellt. Die Anstalt selbst war anfänglich nur zur Aufnahme epi- 
demischer Infektionskranker bestimmt; nachdem sich aber mit dem fortschreitenden Wachsthuin 
Berlins die Unentbehrlichkeit eines Krankenhauses für jene Gegend herausstellte, ist die Anstalt 
in Bauart, Einrichtungen u. s. w. fortdauernd ergänzt und verbessert worden, so dass sich die 
Gesammtkosten (ausschl. Grundstück) unter Einschluss des Inventariums gegenwärtig auf rund 
2 550000 M oder bei 993 Betten auf 2 5G8 M für das Bett belaufen. 1896 sind 5 Baracken 
und ein Operationshaus erbaut. 

Vorstand: Verwaltungsdirektor H. Merke und die ärztlichen Direktoren. 

Aerztliche Leitung: Direktor Prof. Dr. Renvers, dirigirender Arzt Prof. Dr. Gold- 
scheider für innere Abtheilung; Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Sonnenburg, Oberarzt Dr. Hermes 
für chirurgische Abtheilung. Prosektor: Prof. Dr. Langerhans. 15 Assistenzärzte und 
16 Volontärärzte. — Verwaltungspersonal: 17 Männer, 2 Frauen. Wartepersonal: 
72 Männer, 61 Frauen, davon 58 m., 3S w. ausgebildete Krankenwärter und 9 Pflegerinnen. 

993 Betten, darunter 81 für Kinder (in den nächsten Jahren werden noch 30 Betten 
hinzukommen, die gegenwärtig noch vom Anstaltspersonal in Anspruch genommen werden). 

Kosten preis: für Erwachsene 2, 50 M, von auswärts 3 M; für Kinder 2 M, von auswärts 
2,50 M. 

Diätformen des Krankenhauses Moabit. 



Form 


Morgens 

und 

Nachmittags 


Mittags 


Abends 


Für den 

ganzen 

Tag 


I 


Je '/, 1 
Milchkaffee 

oder 
»/, 1 Milch 


°/, 1 Gemüse mit Beilage von 
gekochtem oder gebratenem 
Fleisch; Seefische, Wurst oder 
Braten mit Kartoffeln oder 
Klössen, dazu event. V, 1 
Suppe 


Wurst, Fleisch- 
speisen, Hering 
mit Kartoffeln, 
Eier, Käse oder 
Vi 1 Suppe 


250 g Brod, 50 g 
Butter od. Schmalz. 
150 g Semmel; die 

männlichen er- 
wachsenen Kranken 
event. 1 Flasche Bier 


II 


Je '/, 1 

Milchkaffee 

oder 
>/, 1 Milch 


3 / 4 1 Gemüse mit Beilage oder 
Seefische oder Braten (excl. 
Schweinefleisch) mit Kar- 
toffeln bezw. Kartoffelbrei 


Milchsuppe mit 
Semmel, Mehl, 
Gries, Hafer- 
grütze, Reis 
oder dgl. 


250 g Brod oder 

100 g Semmel, 

50 g Butter, 100 g 

Semmel 


III 


Je J/j 1 

Milchkaffee 


Breisuppe mit Beis, Gries, Nu- 
deln, Leguminose oder dgl. 


50 g Semmel oder 
60 g Zwieback 


IV 


MUch 
(je V, 1) 


Milchsuppe mit Reis, Sago, 
Mehl, Chokolade oder dgl. 


— 


ohne 


Für Patienten, deren Krankheitszustand eine Beköstigung in einer der vier Diät- 
formen nicht gestattet, wird ärztlicherseits die Festsetzung der zu verabreichenden 
Speisen und betränke durch Extraverordnungen (s. u.) bewirkt. 



Als Extradiät können auf ärztliche Verordnung (zur Ergänzung der regulativmässigen 
Kost) gegeben werden: Brod, Semmel. Zwieback, Butter, Schmalz, Eier, Käse, Milch, Bayrisch- 
Bier, Weissbier, Warmbier, Kaffee, Thee, Chokolade, Kakao, Selterser, Limonade, Wein (Roth-, 
Griechischer-, Mosel-, Rhein-), Weinsuppe, Milchreis, Milchgries, Reisschleim, Haferschleim, 
Kartoffelbrei, Eierkuchen, frisches Obst, Backobst, Eingemachtes, Salat, saure Gurken, Citronen, 
Zucker. Fleischbrühe, Beeftea. Schabefleisch, Beefsteaks, warmen oder kalten Rinder- oder Kalbs- 
braten, Bouletten, Kalbskotelettes, Schinken, Speck, Sülze, Wurst, Heringe, Tauben, Hühner. 

Im Krankenhause bestehen ferner (nur für Unbemittelte) Polikliniken für chirurgische 
Krankheiten, für innere Krankheiten und für Nervenkrankheiten. Endlich ist das Krankenhaus 
als 5. Hauptwache der Berliner Rettungsgesellschaft angegliedert. 

Aufnahmebedingungen: Ueberweisung durch Organe der Armenverwaltung oder 
durch Krankenkassen u. s. w. oder von Dienst- und Arbeitsherrschaften, wenn dieselben sich zur 
Zahlung der Kurkosten verpflichten, oder durch Zahlung eines Vorschusses für einen Monat, 
oder auf eigene Meldung, bei Verletzungen, Unglücksfällen u. s. w., falls Gefahr für Leben und 
Gesundheit vorliegt. Ausgeschlossen von der Aufnahme sind Augen-, Syphilis- und Geistes- 



Berlin. — 46 — Königreich Preussen. 

kranke, sowie Schwangere. Es werden auf Kosten der Stadt durch Ueberweisung der Armen- 
ärzte aufgenommen: Männer, Frauen und Kinder aus den Medizinalbezirken Nr. 1, 2, 3, 6, 8, 
36 bis 63, 65, 67, 70, 74 und 77 bis 82. 

Verpflegte Kranke 1898: 9 698 (5 731 Männer und 3 967 Frauen), davon gestorben 1 127. 
Verpflegungstage überhaupt 276 805, durchschnittlich für den Kranken 2S Tage. Kranken- 
bestand am 1. Jan. 1899: 750. 

Die Einnahmen betrugen 1898: aus eingezahlten Verpflegungsgeldern 252 052 M, aus 
verkauften eigenen Produkten 4 963 M, aus Zuschüssen der Stadt 253 212 M und aus sonstigen 
Quellen 226 M, zusammen 780 453 M. 

Bauliehe Beschreibung: Die Anstalt liegt in bewohnten Stadttheilen; im Süden ist 
die Spree 425 m entfernt, der Thiergarten 1 100 m, im Norden der Schiflährtskanal 880 m, die 
Jungfernhaide 1 620 m. Gesammtareal 90 147 qm, davon bebaut 15 381 qm mit 9 720 qm für 
die Krankenstationen. Langgezogenes Rechteck. 35 Baracken, in Hufeisenform angeordnet; die 
Reihe der Baracken entlang läuft eine Asphaltstrasse. Jede Baracke ist von der nebenstehenden 
17,5, von der gegenüberliegenden 78 ni entfernt. Die letzterbauten 5 Baracken (s. u.) liegen 
10 m entfernt hinter der Reihe der älteren Baracken. Sämmtliche Baracken sind eingeschossig 
ohne Keller in ausgemauertem Holzfachwerke errichtet und im Innern mit gehobelten und in 
Oelfarbe gestrichenen Brettern oder mit Korksteinen bekleidet. Die Fussböden bestehen aus 
Terrazzo auf einer Lage von Beton. Die älteren Baracken haben einen mit 30 Betten besetzten 
Krankensaal, an den sich ein Vorbau mit Wärterzimmer, Spülküche, Badezimmer, Kloset, Aus- 
gussraum und Utensilienraum anschliesst; in letzterem ist in den chirurgischen Stationen der 
Dampf-Sterilisirapparat für Verbandstoffe aufgestellt. 

Grundfläche für ein Bett 6,50 qm, Lichtraum für 1 Bett 2,io qm (63 qm Fenster- 
fläche für 30 Betten), Luftraum pro Bett 25,5 cbm. 

Von den im Sommer 1896 in Benutzung genommenen, zur Aufnahme von Infektions- 
kranken bestimmten 5 neuen Baracken (Nr. 31 — 35) haben zwei einen Krankensaal mit 
12 Betten, die 3 anderen einen solchen mit 20 Betten, sowie 2 Isolirzinimer mit je 2 Betten. 
An beiden Schmalseiten des Krankensaales sind Kopfhäuten vorgelegt, von denen der eine 
enthält: den Tageraum, die Scheuer- und Wärmküche (mit kupfernem Spültisch, Gaskocher, 
Ausguss, eisernen Konsolen mit Glasplatte, Wärmschrank für Geschirr), den Wäsche- und 
Utensilienraum, das Badezimmer (mit 2 Badewannen und Douchen, Sitzbadewannen, Wäsche- 
wärmsehrank), die Klosets und den Desinfektionsraum mit davor liegendem Lüftungskorridor. 
Der andere Vorbau hat ein Schwesterndienstzimmer, einen Krankenaufnahmeraum mit Bade- 
gelegenheit u. s. w., ein Untersuchungs- und die beiden Isolirzimmer. 

In dem vorerwähnten Desinfektionsraum sind aufgestellt: ein an die Dampfleitung, 
Wasserleitung und Entwässerungsanlage angeschlossener, mit durchlöchertem Siebwassereinfluss 
versehener kupferner Ausguss- und Reinigungskessel, welcher bestimmt ist zur Aufnahme und 
Desinfektion von Sputa, Urin, Excrementen und den bezüglichen Transportgefässen selbst (Spei- 
gläser, Uringläser, Steckbecken u. dgl.), sowie ein Wäsche -Sammel- und Desinfektionsapparat 
(bestehend aus einem hölzernen Bottich mit Doppeldeckel und -Boden, Dampfspirale, Dainpf- 
regulirventil, Kontaktthermometer, Entlüftungsrohr, Abfluss und Wringmaschine), in welchem 
durch Einweichen in kaltem Wasser, durch langsames Kochen in einer Soda-Seifenlösung und zwei- 
stündiges Erhalten in einer Temperatur von 99° C. die Wäsche vollständig desinflzirt, wie auch 
von Blut- und anderen Flecken gereinigt wird, ehe sie zum eigentlichen Waschprozess in die 
Zentralwaschküche gelangt. 

In einer dieser Baracken ist auch eine Vorrichtung (Schaifstädt'scher Gegenstromapparat) 
zur Herstellung permanenter Wasserbäder vorhanden. 

Ausserdem ist noch eine Isolirbaracke für Diphtheriekranke mit 30 Betten vorhanden, 
welche die gleichen Desinfektionseinrichtungen, wie vorerwähnt, besitzt. 

Zur Bereitung des warmen Wassers für Bäder u. s. w. ist in jeder Baracke ein Wasser- 
reservoir mit kupferner Dampfschlange und Schwimmer aufgestellt. 

Mobiliar der Krankenräume: Bettstellen aus Gasrohr mit hölzernen, linoleum- 
belegten Kopf- und Fusshrettern bezw. eisernen Seitengittern, Kopfstange mit Betttafel und 
Kleiderhalter, Gussstahlspiralbettboden (Grothoff), Matratzenschoner, beiderseits mit Rosshaar- 
polster versehene Sprungfedermatratzen, Rosshaarkeilkissen, stellbare Rückenlehnen, Feder- 
kopfkissen, Moltonunterlage, 2 wollene Decken im Deckbettbezug, eiserne Lehnstühle mit 
gewulstetem Holzsitz und -Rücklehne, Nachttische aus Gasrohr mit Glasplatte und Blech- 
kästen, eiserne Tische mit aufgelegter Linoleumplatte, eiserne Verbandtische mit Glasplatte, 
Medizin- und lnstrumentenschränke aus Eisen und Glas, feststehende Fayence- Waschbecken mit 
Warm- und Kalt wasser -Zu- und Abfluss, Liegestühle und Ruhebetten von Rohr, desinfizirbare 
Garderobegestelle für Einzelzimmer, eiserne Bettsclürme mit abnehmbarem Bezug. 

Das im Juli 1896 vollendete neue Operationshaus enthält nach Norden liegend einen 
9X7,25 m grossen Operationssaal, einen zweiten, 6,75X4,25 m grossen, für septische Fälle und 
einen dritten, von 6X4 m Grösse, für die Poliklinik ; alle sind mit Oberlicht und grossen, um 
ihre vertikale Mittelaxe drehbaren, aus einer ungetheilten Spiegelglasscheibe bestehenden 
eisernen Fenstern versehen; 3 m hohe Glaskaehelwandbekleidung, Fussböden aus Mettlacher 
Fliesen, überall abgerundete Ecken und Kanten; in die Zwischenwände sind die von den beiden 
grossen Sälen zugänglichen, aus Glas und vernickeltem Eisen hergestellten lnstrumentenschränke 
eingelassen. In den Operationssälen sind ferner auf eisernen Konsolen ruhende, von der Wand 



Königreich Prenssen. — 47 — Berlin. 

abstehende Porzellan -Waschbecken angebracht mit Abfluss und im Fussboden befindlichen 
Druekkuöpfen für die Zuführung kalten und wannen Wassers. Neben dem kleineren Operations- 
saal liegt der Sterilisirraum mit an die Dampfleitung angeschlossenen Apparaten zur Sterili- 
sirung der Wäsche und des Verbandzeuges, zur Herstellung keimfreien Wassers und zum Sterili- 
siren von Instrumenten; für die Poliklinik sind letztere beiden Apparate in dem Operationsraum 
derselben selbst untergebracht. Ferner sind vorhanden: Gips- und Bandagenzimmer, Chloro- 
formzimmer. Wartezimmer für die zu operirenden Kranken, Badezimmer für Kranke und Aerzte, 
Köntgenkabinet, Dunkelkammer und Kopierraum, Zimmer für gynäkologische und laryngoskopische 
Untersuchung. Präparaten- und Mikroskopirzimmer, Spülküche. Klosets. Kleiderablage, Spreeh- 
und Arbeitszimmer des ärztlichen Direktors, endlich die chirurgische Poliklinik mit Warte- 
räumen. Im Obergeschoss befinden sich Arbeits- und Lagerräume für Verbandstoffe (Aufzug). 

Ein medico-mechanisches Institut mit Zander'schen Apparaten u.a.m. ist in der 
Baracke der medizinischen Poliklinik hergerichtet. 

Leichenhaus: In der Mitte des Baues befindet sich die Trauerkapelle, in welcher 
auch die regelmässigen sonntäglichen Andachten abgehalten werden. In dem einen Flügel 
liegt der Sectionssaal mit Nebenräumen und Fahrstuhl nach dem Keller, welcher Raum für 
")0 Leichen bietet, während auf der anderen Seite das bakteriologische und chemische 
Laboratorium mit 12 Arbeitsplätzen sich befinden.' 

Unweit des Leichenhauses liegt das Stallgebäude für Versuchsthiere; 2 Abthei- 
lungen mit je 20 Käfigen. 

Eine Erweiterung des Leichenhauses für die Zwecke des Pathologisch- anatomischen 
Instituts ist in Aussicht genommen. 

Im Desinfektionshause (1892 neu erbaut) befinden sich ein kleiner und zwei grosse 
Dampfdesinfektionsapparate; getrennte Räume für reine und unreine Sachen; Lagerraum für 
umzutauschende Matratzen, Kissen, Decken; ein Baderaum; ein Abfertigungsrauin ; Räume für 
die Kleiderabnahme und Aufbewahrung. Die Verpackung der Kleider erfolgt, in verschnürbaren, 
dichten Kleiderhüllen auf Kleiderbügeln, dazu Beutel für Wäsche und Fussbekleidung; Hut- 
schränke. 

Das Kesselhaus enthält ausser den Kesseln und Pumpen, Werkstätten für Schmiede, 
Schlosser und Klempner; Lagerraum für Eisen und andere Materialien; Schlaf- und Baderaum 
für Heizer. 

In einem Anbau ist das Bureau und Lager der Inventarien- und Materialien-Ver- 
waltung mit Keller- und Bodenräumen untergebracht. 

In der Nähe befinden sich zwei grosse Utensilien-Lagerschuppen zur Aufbewahrung 
von Inventarienstücken aller Art: Lagerstätten für die verschiedenen Altmaterialien, sowie der 
Eisvorrathskasten mit Eismühle. 

Im Werkstattgebäude sind Arbeits- und Lagerräume für Tischler, Maler und Tape- 
zirer vorhanden; letztere besorgen sowohl die Neuanfertigung, wie die Umarbeitung und Repa- 
ratur der Matratzen, Kissen u. dgl. 

In dem 189ö erbauten dreistöckigen Pflegerinnen- und Beamtenwohnhause sind 
gegenwärtig untergebracht die Wohnungen des Maschinenmeisters und des Hausvaters, die 
Bibliothek, die Kasse und die Apotheke mit ihren Nebenräumen, ferner Wohnungen für die 
Apotheker, den Oberarzt und für 12 Assistenzärzte, ein Speisesaal für Aerzte mit Anrichteraum, 
sowie Wohnungen für Pflegerinnen und anderes weibliches Personal. 

Im Laufe des Jahres 1900 werden an Stelle der alten, für die vergrösserte Anlage nicht 
mehr ausreichenden Gebäude Neubauten der Zentral-Kochküche und der Waschküche 
treten, welche in ihrer Grösse und Einrichtung bemerkenswerth sind. 

Die Kochküche enthält einen 16X12 m grossen, hohen Hauptkochraum mit 1 grossen 
Tafelherd, 1-1 Kochkesseln aus starkem Nickelblech verschiedenen Inhalts, 1 Dampf kochherd 
mit Kipptöpfen, sowie Einsätze zum Dämpfen von Kartoffeln und Kochen von Fischen; davor 
liegend einen Speiseausgaberaum mit Wärmplatten an den Wänden und Sehalterfenstern zur 
Ausgabe der Speisen; einen Speisenabnahme- und Verladeraum mit verglaster Vorhalle; einen 
Geschirrabgaberaum: eine grosse Bratküche mit 3 Etagenbratöfen, 1 Bainmarie für Dampf- 
heizung und Wärmtische; eine Reinigungsküche mit Spüleinrichtungen u. s.w. ; einen Gemüseputz - 
und Entwässerungsraum mit 4 Marmorbecken (Kaltwasser-Zu- und Abfluss) und Fahrstuhl nach 
dem Keller; einen Geschirrraum, sowie Utensilien- und Bureauräume, Milchkühlraum, Speise- 
kammern, Aufenthalts-, Ess-, Wohn- und Baderäume für das Personal. 

Das Fleisch wird nur in ganzen oder halben Thieren direkt vom städtischen Schlacht- 
hofe bezogen und in der Anstalt selbst zugerichtet, auch die benöthigten Dauer- und anderen 
Fleischwaaren (Schinken, Wurst u. s. w.) werden hier angefertigt. Es sind daher auch die für 
einen solchen Fleischereibetrieb erforderlichen Einrichtungen zweckentsprechend angelegt, nämlich 
ein Fleischzurichte- und Arbeitsraum, eine Fleischkammer mit Bahr'schem Kühlraum mit 
beständiger Luftzirkulation, dazu im Souterrain eine Luftkammer, Pökelkammer und Räucher- 
küche. Im Keller befinden sieh ausserdem noch Kartoffel-, Gemüse- (Sauerkohl-), Wein-, Bier- 
und andere Lagerräume. 

Die Räume der Waschküche bestehen in dem Hauptwäsche-, dem Wäscheabnahme-, 
Wäscheeinweich-, Wäschekoch-, Maschinen-, Vorraths-, Trocken-, Mangel-, Platt- und Wäsche- 
ausgabe-Raum, den Wäschemagazinen, Aufenthalts-, Ess-, Wohn- und Baderäumen für das 
Personal. 



Berlin. — 48 — Königreich Preussen. 

Gleichfalls für die nächste Zeit in Aussicht genommen ist die Erbauung eines Bade- 
h aus es, das enthalten wird: Räume für Sand-, Schwefel-, Moor-, elektrische, medizinische 
(Kohleusäure-), Bassin-, Heissluft- und Dampfkasten-Bäder, sowie elektrische Heissluftapparate 
(für die Extremitätenbehandlung, System Dr. Lindemann), Douchen, Massage- und Buheräume. 

Endlich ist noch der Bau eines Wohnhauses für männliches Warte- und Dienstpersonal, 
eines gleichen Hauses für weibliches Personal, sowie eines neuen Verwaltungsgebäudes und 
Portierhauses beschlossen worden. 

Die Heizung der Krankenstationen, der Koehküche, Waschküche, des Operations- und 
des Desinfektionshauses erfolgt mittels Hochdruck-Dampfheizung, der übrigen Gebäude mittels 
Niederdruck-Dampfheizung bezw. Wannwasserheizung, und zwar vom Kesselhause aus. Es sind 
8 Dampfkessel mit Planrostfeuerung von je 60 qm Heizfläche und 7 Atmosphären Ueberdruck 
vorhanden, dazu 1 Injektor, 3 Kesselspeisepumpen, 2 Druckpumpen für das Wasserreservoir und 

1 Speisewassennesser. Die Kessel werden zur Zeit mit Gaskokes geheizt und besitzen auto- 
matische Sicherheitsapparate zum Anzeigen von Ueber- oder Unterschreiten des Wasserstandes. 
Es sind im Betriebe im Winter 5 — 7 Kessel Tag- und Nacht, im Sommer 3 Kessel am Tage, 

2 in der Nacht. 

Die Versorgung der Baracken mit Dampf erfolgt durch einen mit Isolirmasse und Filz 
umkleideten Bundstrang von 125 mm lichter Weite, welcher auf Bollen in einem gemauerten, 
mit Granitplatten und Schotterung abgedeckten Kanal liegt; die Heizkanäle der Abzweigungen 
nach den Baracken und den Wirthschafts- und Wohngebäuden sind begehbar. Der Dampf- 
verlust auf der mehr als 1 000 m messenden Strecke der Hauptleitung beträgt nicht mehr als 
V« Atmosphäre. Absperrschieber hinter jeder Abzweigung, sowie ein Beserve-Vertheilungsstrang 
gestatten die Ausschaltung jeder einzelnen Strecke bezw. die Umleitung des Dampfes. Der 
flache Stand des Grundwassers bedingte eine sägezahnförmige Anlage des Hauptstranges mit 
Steigung und Gefälle zwischen je 2 Baracken; hier sind grosse gemauerte Gruben angelegt, mit 
gusseisernem, zylindrischen Dampfsammler, Wasserabscheider und 2 kupfernen Kompensations- 
rohren; letztere sind auch noch in den Abzweigungen eingelegt, so dass die ganze Leitung 
ausserordentlich beweglich ist. Die Heizstränge in den Stationen bestehen aus Flansehenrohren 
von 100 mm lichter Weite; jeder einzelne Strang ist mit Kondenswasserableiter versehen. Jede 
Baracke besitzt ca. 40 qm Heizfläche, davon entfallen ca. 10 qm auf die Nebenräume. Das 
gesammte Kondenswasser wird mittels kupferner Bohrleitung nach einem Reservoir im Kessel- 
hause zurückgeleitet. 

Ventilation durch Dachreiter, leichten Fachwerksbau (Diffusion) und 14 Luftzuführungs- 
öffnungen in den Längswänden dicht über dem Fussboden und in unmittelbarer Nähe der 
Heizung, so dass die einströmende frische Luft angewärmt werden kann. Das Maass der Venti- 
lation in den Baracken lässt sich wegen ihrer luftigen Bauart nicht direkt bestimmen; nach 
den vorgenommenen Messungen des Kohlensäuregehaltes lässt sieh indessen die Lufterneuerung 
auf etwa 150 ebm für den Kopf und die Stunde annehmen. 

Beleuchtung durch Gasglühlicht. 

Wasserversorgung durch städtisches Leitungswasser und eigene Leitung aus Anstalts- 
brunnen in ein 30 cbm haltendes Hochreservoir. Letzteres Wasser wird nur zur Bereitung 
der Bäder, zur Spülung der Klosets und zum Besprengen der Gartenanlagen verwendet. 

Entwässerung: Anschluss an die städtische Kanalisation. Die Krankensäle, sowie die 
Nebenräume derselben, die Bäume des Operations-, Desinfektions- und Leichenhauses haben 
sämmtlich Fussbodenentwässerung. 

Klosets: freistehende Wasserklosets mit Kachelverkleidung und sogenannte englische 
Klosets mit bemessener Spülung. 

Das gesammte Hausmüll und die Verbandreste u. s. w. werden verbrannt. 

Städtisches Krankenhaus am Urban (SO., Grimmstr. 10—16). In den Jahren 1SS7/90 von 
der Stadtgemeinde errichtet, eröffnet am 9. Juni 1890. Vorstand: Ober-Inspektor Diesener 
und die beiden ärztlichen Direktoren. Aerztliche Leitung: Direktor für innere Krankheiten 
Prof. Dr. Fränkel, für äussere Krankheiten Sanitäts-Bath Prof. Dr. Körte. Dirigirende Aerzte: 
Hofrath Dr. Stadelmann, Oberarzt Dr. Brentano, Prosektor Dr. Benda. 10 Assistenzärzte. 
Wartepersonal: 61 Schwestern aus dem Victoriahause, 23 m., 24 w. ausgebildete Wärter. 
631 Betten, darunter 76 für Kinder. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: Für Erwachsene 
2,50 M, für Kinder 2 M. für Auswärtige 3 M. Von den Armenärzten werden Männer, Frauen und 
Kinder aus den Medizinalbezirken 5, 7, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19, 20, 21, 22. 29, 
30. 64. 66, 68, 69, 76 überwiesen. (Wegen der fettgedruckten Bezirke siehe Bethanien. Dein 
Krankenhaus am Urban werden aus diesen Bezirken Kranke nur bei Sehwindsucht, Delirium, 
chron. Krankheiten überwiesen.) Verpflegte Kranke 1898: 8 530 (5 341 m., 3 189 w.l. davon ge- 
storben 1164. Verpflegungstage durchschnittlich für den Kranken 24, s Tage. Ausgaben 1S98: 
604397,36 M; Einnahmen 265407,oi M, letztere setzten sich zusammen aus 260288,94 M 
Verpflegungsgeld, 252,62 M Beerdigungskosten, 578,36 M aus Grundeigenthum und 4 287,09 M 
verkauften .Anstaltssachen u. s. w. 

Bereits im Jahre 1886 erkannte die Stadtverordneten-Versammlung das Bedürfniss an, 
im Süden der Stadt ein städtisches Krankenhaus zu errichten, indem sie einen Theil der Kosten 
des projektirten Baues in den Etat aufnahm. Ein anderer Theil der Baukosten war durch eine 
Schenkung godeckt. Als Baustelle wurde der Schlag 9 auf dem Urban ausersehen, zwischen 



Königreich Preussen. — 49 — Berlin. 

der Erbau-. Grimm-, Dieffenbaehstrasse und dem Platz am Urban. Der Kostenanschlag belief 
sieh auf 3100000 M. In 11 Pavillons wurden 570 Betten für Kranke eingerichtet, darunter 75 
für Kinder. 

Das Verwaltungsgebäude in feinen Verblendsteinen mit Terrakotten in etwas 
reicherei Ausstattung hergestellt, enthält im Erdgeschoss alle für die Verwaltung erforder- 
lichen Bäume und zwar links vom Eingang einen Warteraum für aufzunehmende Kranke, das 
Aufnahmebureau, die Arbeitszimmer des Inspektors und des ersten ärztlichen Direktors mit 
dem Verwaltungsbureau; rechts die Apotheke, die durch eine Treppe direkt mit dem im Keller- 
geschoss belegenen Laboratorium verbunden ist. Im Flügel liegen das Versammlungs- und 
Speisezimmer der Assistenzärzte, die Wohnung des zweiten Apothekers, ein Sprechzimmer für 
den zweiten ärztlichen Direktor. Im zweiten Geschoss sind die Wohnungen des ärztlichen 
Direktors und des Verwaltungsinspektors, im dritten Geschoss das Versammlungszimmer (zu- 
gleich Betsaal) für die Pflegerinnen. 

Das Wirtschaftsgebäude enthält im ersten Geschoss die Waschküche mit der 
Trockenstube, den Maschinenraum, ein Zimmer zur Annahme der schmutzigen Wäsche, die 
Kochküche, mehrere Vorrathsräume, sowie einen Kaum zur Ausgabe der Speisen. Das zweite 
Geschoss enthält die Wohnung des Maschinisten und des Hausvaters. Der Mittelraum bildet 
ein durch die ganze Tiefe des Gebäudes reichendes Magazin für Wäsche und Betten, das mit 
dem Erdgeschoss und dem Trockenboden durch einen Aufzug verbunden ist. Hinter dem Ge- 
bäude liegt das Kesselhaus, auf der einen Seite der Kohlenraum, auf der anderen eine 
Werkstatt und ein Raum für die Heizer. 

Die Pavillons der Nordseite und die in der Mitte belegenen sind den Männern, die 
südlichen den Frauen eingeräumt; der Pavillon XI mit 16 Betten ist für Diphtheriekranke be- 
stimmt. Die 8 grössten Pavillons haben, was eine Neuerung ist. am Korridor zunächst dem 
Eingange einen vom Keller bis zum zweiten Geschoss reichenden hydraulischen Fahrstuhl, um 
Schwerkranke im Tragkorbe bequem nach oben befördern zu können und den im obersten Ge- 
schoss liegenden Kranken den Besuch der Gärten zu erleichtern. Sämmtliche Pavillons stehen 
unter einander und mit dem Leichenhause durch einen unterirdischen Gang in Verbindung, der 
unter den umlaufenden Wegen belegen ist und zur Aufnahme sämmtlicher Rohrleitungen dient 
und der ausserdem gestattet, die Leichen aus den Kellern der Pavillons ungesehen nach dem 
Keller des Leichenhauses zu schaffen. 

Das Operationsgebäude enthält ausser dem Operationsraum zwei Warteräume für 
Männer und für Frauen, ein Zimmer für den Arzt, ein kleineres für den Diener und ein Kloset. 
Auf dem Dachboden ist eine Wohnung für den Diener angelegt. -- Besondere Beschreibung 
ist von Direktor Dr. Körte im Klinischen Jahrbuche Band DJ S. 298 veröffentlicht. 

Das Gebäude für Dampfbäder enthält ausser einem Warteraum das Frigidarium. 
Sudatorium. Tepidarimu. Lavarium und das russische Dampfbad. 

Das Leichenhaus enthält ein hohes Souterrain, in das die Leichen durch den unter- 
irdischen Gang direkt hineingeschafft werden. Von hier aus gelangen sie mittels eines Auf- 
zuges ins Erdgeschoss. in das Sezierzhnmer oder die Begräbnisskapelle. Neben letzterer ist ein 
Zimmer für Aerzte und Geistliche. 

Die ganze Anstalt ist mit einer Centralheizung, und zwar theils mit Dampfwasser- 
oder Dampfluft-, theils mit direkter Dampfheizung eingerichtet und mit elektrischer Be- 
leuchtung ausgestattet; die Versorgung mit Wasser, sowie die Entwässerung erfolgen durch 
Anschluss an die städtische Wasserleitung und die Kanalisation. 

In den Pavillons werden sämmtliche Räume durch Dampfwarmwasserheizung erwärmt und 
ihre Ventilation erfolgt aus besonderen Dampfheizkammern, in denen die frische Luft auf 
+ 20 ° C. vorgewärmt wird. Die Lufterneuerung ist auf 75 cbm für Bett und Stunde für 
die grossen Säle und auf 100 cbm für die Isolierzimmer berechnet. Auch das Verwaltungs- 
gebäude hat Dampfwasserheizung erhalten, während das Wirthsehaftsgebäude, das Leichen- und 
das Badehaus mit direktem Dampf erwärmt werden. 

Die elektrische Beleuchtung kommt hier zum ersten Male ausschliesslich zur Anwendung 
im Vertrauen auf eine ausgedehnte Akkumulatorenanlage nach Tudors Svsteni, die beim Still- 
stande der Maschinen von selbst in Thätigkeit tritt und im Stande ist, die Beleuchtung der 
ganzen Anstalt während der Nachtstunden ohne maschinellen Betrieb zu bewerkstelligen. 

Um die Erschütterungen durch den Strassenverkehr von der Anstalt möglichst fern zu 
halten nnd letztere dem Einblick von aussen zu entziehen, ist sie ringsum mit Vorgärten und 
hohen Mauern umgeben, an die sich Hallen legen, die sich gegen den mit Gartenanlagen aus- 
gestatteten Hofraum öffnen und den Kranken unmittelbar von den im Erdgeschoss belegenen 
Tagesräumen aus zugänglich sind. 

Das 4. städtische Krankenhaus (N., Seestrasse). Im Bau seit 1S99. Das der Stadt 
Berlin gehörige Grundstück zwischen der Seestrasse und dem Spandauer Schiffahrtskanal von 
im Ganzen 47,7 ha Grösse wird zum Bau eines vierten städtischen Krankenhauses benutzt. 
Der Hauptzugang zur Anstalt soll an der abgestumpften Ecke der Torf- und Triftstrasse 
angelegt werden. 

Es enthält in den Abtheilungen für innere und für äussere Kranke im ganzen 1 000 Betten 
für Männer und Frauen. Damit ist eine Abtheilung für Geschlechtskranke, welche nicht 
unter polizeilicher Kontrole stehen, mit 400 Betten und eine Entbindungsanstalt für 

Guttstadt, Krankenhaus-Lexikon für das Deutsche Reich. 4 



Berlin. — 50 ^ — Königreich Preussen. 

mindestens 1 000 Entbindungen im Jahre nebst einer Abtheilung für gynäkologische Fälle mit 
60 Betten verbunden. Ausserdem ist eine Cnterriehtsanstalt für Krankenpflegerinnen vor- 
gesehen. 

Die Vertheilung der Betten ist folgendennassen festgesetzt: 

Männer Frauen 

1. Abtheilung für innere Krankheiten . . 300 200 

2. Chirurgische Abtheilung 250 150 

3. Abtheilung für ansteckende Krankheiten 50 50 

600 400 



1 000 Betten. 
4. Abtheilung für Geschlechtskranke ... 300 100 



400 Betten. 
5. Hierzu die Entbindungsanstalt 60 und die gynäkologische Abtheilung mit 
60 Betten = 120 Betten. 
Die Zahl der Krankenpflege-Schülerinnen ist auf 40 zu bemessen. 

Die Kranken sind der Hauptsache nach in einzeln stehenden grösseren und kleineren 
Häusern unterzubringen, welche massiv und abgesehen von einzelnen höher zu führenden 
Theilen nur ein Erdgeschoss hoch erbaut werden. 

Die ganze Anstalt wird allen Anforderungen der modernen Krankenpflege und Wissen- 
schaft entsprechend ausgeführt. Die Baukosten betragen 13 100 000 M. 

Allgemeine Bestimmungen. 

Die Verwaltung des Krankenhauses führt die Direktion, welche aus den beiden ärzt- 
lichen Direktoren der Hauptabtheilungen für innere und äussere Krankheiten und dem Ver- 
waltungsdirektor besteht. Beide ärztliche Direktoren müssen in der Anstalt wohnen, ebenso 
der Verwaltungsdirektor. Bei dem grossen Umfange der Verwaltung und der Wichtigkeit 
eines solchen Amtes soll der Verwaltungsdirektor ein höherer, akademisch gebildeter Beamter 
und den ärztlichen Direktoren koordinirt sein. 

Im Uebrigen soll die Zahl der Dienstwohnungen für verheirathete Aerzte und Beamte 
thunlichst beschränkt werden, dagegen ist wegen der entfernten Lage der Anstalt für eine 
ausreichende Zahl von Wohnungen für unverheirathete Aerzte und Beamte zu sorgen, siehe S. 57/5S. 

Die Krankenpflege soll in ausgedehntem Masse durch Pflegeschwestern erfolgen, welche 
sämmtlich in der Anstalt wohnen müssen. 

Die Anstalt wird mit elektrischer Beleuchtung in eigenem Betriebe und mit Zentral- 
heizung und Ventilation nach den besten bekannten Systemen versehen. Die Anwendung von 
Gasfeuerung für spezielle Zwecke bleibt vorbehalten. Die Entwässerung erfolgt durch Anschluss 
an die städtische Kanalisation, dagegen ist die Versorgung der Anstalt mit Wasser und Pumpen 
auf der Anstalt selbst zu bewirken unter Enteisenung und Filtration des Wassers. Als Maximal- 
bedarf sind 1 500 cbm pro Tag anzunehmen. Für den Nothfall ist auch Anschluss an die 
städtische Wasserleitung vorzusehen. 

Gesammtanordnung der Bauten. (Stadtbaurath Hoffmann.) 

Je umfangreicher eine Bauanlage, je vielseitiger der Betrieb darin, um so grösser das 
Bestreben, durch eine möglichst übersichtliche und klare Disposition der einzelnen Bauten den 
Betrieb zu erleichtern und damit auch zu verbilligen. 

Die Anlage enthält 62 Bauten, 1650 Betten für Kranke, und wird einschliesslich des 
Personals und mit Berücksichtigung der PÜegerinnensehule über 2 200 Menschen beherbergen. 

Bei der Disposition der Gebäude kam es darauf an, den äusseren Wirthsehaftsbetrieb 
von dem inneren Krankenhausbetriebe möglichst fern zu halten, dabei aber doch die Gebäude 
der beiden Abtheilungen so zu einander zu legen, dass der Verkehr von einer Abtheilung zur 
anderen möglichst leicht geschehen kann. 

Die Zufahrt der Materialien und der äussere Personenverkehr zum Kessel- und Maschinen- 
haus, zu den Küchen, zu den Werkstätten, zur Bemise, zur Kapelle, zum Verbrennungsofen 
und zum Stall der Versuchsthiere muss ausserhalb der eigentlichen Krankenhausanlage ge- 
schehen: diese Bauten selbst müssen aber so liegen, dass ihre Verbindung mit den zu ihnen 
in Beziehung stehenden Gruppen der inneren Krankenhausanlage möglichst einfach und 
bequem ist. 

So werden die Küchengebäude und das Kesselhaus zweckmässiger Weise dem Mittel- 
punkte der Krankenhausanlage möglichst nahe zu bringen sein. 

Zwei Hauptachsen a b und c d durchschneiden sich rechtwinklig bei e. Zu ihnen stehen 
fast alle Gebäude in leicht zu übersehender Beziehung. 

Achse a b beginnt bei a am Hauptzugange, durchsehneidet inmitten das Hauptgebäude 
und bildet sodann die Mittellinie einer nahezu 400 m langen. 42 m breiten, von hohen Bäumen 
beschatteten und mit Sitzplätzen und einer Fontäne geschmückten Allee, zu deren Seiten die 
Gebäude für innere und chirurgische Kranke in gleichen Zwischenräumen angeordnet sind. 
An ihrem anderen Ende berührt sie das Leichenhaus und die Kapelle, zu welcher besondere 
Zugäuge führen. 



Königreich Preussen. — 51 — Berlin. 

Achse c d beginnt .hei c nahe dem Koeh'sehen Institute tur Infektionskrankheiten. Sie 
durchschneidet zunächst inmitten die i iebäudeanlage für Infektionskrankheiten, sodann den 
Diphtherie -Pavillon, hiernach das Operationshaus und die Apotheke. Jenseits der Achse a b 
trifft sie das Badehaas, den Wasserthurm. sowie das Kessel- und Masehinenhaus, zu dessen 
Seiten Kochküche und Waschküche mit den zugehörigen Eäumen angeordnet sind. 

Die Gebäude für männliche Geschlechtskranke H m und für weibliche Geschlechtskranke 
H w liegen ausserhalb der inneren Krankenhausanlage zu .Seiten des Hauptgebäudes. Sie 
wurden möglichst entfernt Ton einander angelegt. 

In allen Gebäuden mit Krankenräumen sind diese den Strassen abgelegen. 

Längs des Grundstücks führt von f bis g ein befahrbarer Weg zur Aufnahme des äusseren 
Wirtschaftsverkehrs. Sei liegen an diesem Wege, von f beginnend. Werkstättengebäude R, 
Kohlenschuppen '. Kessel- und Maschinenbaus Q, hierbei einerseits der Zugang zur Wasch- 
küche mit anliegendem Bleichplatz h und andererseits der Zugang zur Kochküche mit dem 
Küchengarten i. sodann die Wagenremise P. weiterhin der Verbrennungsofen für Kadaver der 
Versuchsthiere u. s. w. W. der Stall für Yersuehsthiere M 2 und eine Zufahrt zum Leichenhaus M> 
und zur Kapelle M. 

Kochküche. Waschküche, sowie Kessel- und Maschinenhaus mit den zugehörigen Gebäuden 
sind auf diese Weise von der eigentlichen Krankenhausanlage zwar augetrennt, liegen aber 
doch dem Mittelpunkte dieser Anlage so nahe, dass '1er Verkehr- von den mit den verschiedenen 
für den Aufenthalt von Kranken bestimmten Gebäuden ein leichter sein wird. Auch sind sie 
an dieser Stelle zu dem Hauptgebäude und damit zu der Verwaltungsdirektion günstig gelegen. 

Der Theil des Grundstücks k soll mit Pflanzenanlagen und Wegen versehen werden, um 
Rekonvaleszenten Gelegenheit zu freier Bewegung zu geben. 

Der Theil des Grundstücks 1 bleibt verfügbar für den etwa später noch gewünschten 
Bau einer Poliklinik oder für ein anderes mit der Zeit etwa erforderlich werdendes Gebäude 
zur Erweiterung einer Abtheilung. 

Der rund 22,ioo qm grosse Theil der Grundfläche m wird bei dieser Disposition der 
Gebäude nicht beansprucht. 

Hauptgebäude. Ein ungewöhnlich grosser Gebäudekörper erfordert einen entsprechend 
grossen Gebäudekopf. Er wurde erreicht durch die Vereinigung verschiedener Bauten zu einer 
Baugruppe. 

Dem einstöckigen Verwaltungsgebäude A mit den Aufnahme- und Bureauräumen sehliessen 
sich einerseits das dreistöckige Verwaltungsgebäude A 1 mit den Aerzteräumen und andererseits 
das Pflegerinnenheim A 2 an. 

Hieran reihen sich nach dem Innern des Grundstücks zu die Entbindungsanstalt J und 
daran die gynäkologische Anstalt K an. Im inneren Betriebe sind die Abtheilungen von ein- 
ander getrennt. 

Eine solche Gebäudegruppe mit niedrigem Vorderbau. sich anschliessenden höheren 
Seitenflügeln und ebensolchem hinteren Verbindungsgebäude bietet durch den Wechsel in den 
Höhen und die lebhaften Schatten innerhalb der Anlage selbst bei einfacher architektonischer 
Ausbildung eine günstige Gesammtwirkung. 

Aufnahmegebäude A. Sämmtliche Kranken passiren das inmitten gelegene Thorhans, 
in dessen niedrigem oberen Geschosse die Pförtnerwohnung so disponirt ist, dass auch von da 
aus der Verkehr nach und von der Anstalt sehr leicht kontrolirt werden kann. 

Rechts seitlich des Thorhauses liegen in zwei Gruppen die Warte- und Aufnahmeräume 
getrennt für Männer und Frauen. Danen sehliessen sich ein Aufenthaltsraum für die Aerzte. 
sowie .las Aufnahmebad mit Eäumen für reine und unreine Wäsche nnd Kleider an. 

Links seitlich des Thorhauses liegen zunächst das Pförtnerzimmer mit Telephonzentrale, 
sodann das Zimmer für den Verwaltungsdirektor nebst Vorzimmer und daran anschliessend der 
Abfertigungsraum, die Bureauräume und die Registraturen. 

Aus einem Warteraum für Dienstboten und Lieferanten betritt man den Kassenraum. 
Der Tresor liegt feuer- und diebessicher im Djnern des Gebäudes. 

Verwaltungsgebäude A 1 . Im Erdgeschoss liegen einerseits das Treppenhaus, die 
Zimmer für die ärztlichen Direktoren der inneren und chirurgischen Abtheilung mit einem 
grösseren Konferenzzimmer, andererseits die Bibliothekräume mit einem Lesezimmer. 

Die beiden oberen Geschosse enthalten die Wohnräume für 3 Oberärzte. 21 Assistenz- 
ärzte und G Volontärärzte. Im Dachgeschoss befinden sich Zimmer für 2 Xaehtsekretäre. für 
Hausdiener, sowie Bodenräume. 

Der kleine seitlich gelegene einstöckige Bau enthält das Kasino für die Aerzte und 
Apotheker. 

Pflegerinnenheim A 2 . In den drei Geschossen wurden die Wohnräume für die 
Oberin, für 2 Oberschwestern und für 50 Pflegeschwestern untergebracht. 

Im ersten Gesehoss liegt bei der Wohnung der Oberin ein Konversationszimmer, im 
zweiten Gesehoss der ins Dachgeschoss geführte Speise- und Versammlungssaal, in welchem 
auch die Andachten abgehalten werden sollen. In seiner Xähe befindet sich Anrichte- und 
Wärmeküche sowie ein kleines Zimmer für den Pfarrer. 

Das Dachgeschoss enthält die Räume für 3'i Nachtschwestern nnd 12 Hilfsschwestern. 
Das zweite Gesehoss des unmittelbar anschliessenden Querbaues wird durch die Pflege- 
rinnenschule beansprucht. Lnmitten befindet sich das Schulzimmer mit einem kleinen Raum 

i* 



Berlin. — 52 — Königreich Preussen. 

für Lehrmittel, zu beiden Seiten desselben sind die Räume für 1 Oberschwester und 58 Schüle- 
rinnen angeordnet worden. 

Entbindungsanstalt J. Im Erdgeschoss und ersten Stockwerk wurden untergebracht: 
in 4 Sälen je 12 Betten = 48 Betten sowie in kleineren Räumen zusammen 10 Betten. Die 
abgesonderte Abtheilung für septische Entbindungen enthält 3 Betten. 

Der Betrieb soll so geschehen, dass alles Unreine, insbesondere die unreine Wäsche 
sofort in einen abgelegenen Raum gebracht wird, hier durch Abwurfschächte ins Untergeschoss 
gelangt, und von dort nach der Desinfizirung durch einen besonderen Ausgang nach der Wasch- 
küche befördert wird. 

Im Quergebäude befinden sich ein Aufnahmeraum mit Bad, Wärmeküchen, Zimmer für 
die Aerzte, Hebamme und Schwestern, die Entbindungsräume sowie die Einzelzimmer. 

In zwei Flügelbauten liegen die grossen Krankensäle. Hier wurden einerseits die Bade- 
räume, Klosets und Nebenräume zur Autbewahrung und Desinfizirung der Instrumente, sowie 
kleinerer Utensilien, die in den Entbindungsräumen gebraucht werden, angeordnet, während 
sich auf der anderen Seite der Säle die Zimmer der Schwestern, Räume für reine Wäsche, 
Waschräume, Spülküchen zum Reinigen der Essgeschirre und Wärmen der Milch, Tageräume, 
sowie je 3 Klosets für die Kranken und je 1 Kloset für die Schwestern befinden. 

In den Sälen soll neben jedem Bett die Wiege stehen, inmitten der Säle wurden Plätze 
für je einen Wickeltisch mit zwei Kinderbadewannen und zwei kleinere Tische vorgesehen. 
In den Zimmern der Schwestern wurde je ein kleines Fenster nach dem Saale angeordnet, 
andererseits findet sich Gelegenheit zum Anschluss eines Wasserbettes, oder auch einer trans- 
portablen Wanne. 

Der abgesonderte Bautheil für septische Entbindungen enthält ausser dem Raum für 
drei Betten in zwei durch den Korridor getrennten Abtheilungen einerseits das Kloset für die 
Kranken, einen Raum für die unreine Wäsche u. s. w. und einen kleinen Utensilienraum, 
andererseits aber das Zimmer für die Schwester mit Kloset und einen kleinen Raum für die 
reine Wäsche. 

Gynäkologische Abtheilung K. Im Erdgeschoss und ersten Stockwerk wurden 
untergebracht: in 4 Sälen je 12 Betten = 48 Betten, sowie in kleineren Räumen zusammen 
9 Betten. 

Auch hier wurde bei der Disposition der Anlage davon ausgegangen, dass alles Unreine 
vom Reinen scharf zu trennen ist. In dieser Erwägung geschah denn auch die Anordnung der 
Nebenräume in ähnlicher Weise wie in der Entbindungsanstalt. 

Im Quergebäude befinden sich ein Zimmer für den Direktor, Zimmer für die Aerzte und 
die Schwestern, Aulzüge, Wärmeküchen, Bäder, Verbandzimmer, Mikroskopirräume, die Operations- 
räume mit Nebenraum für Instrumente, sowie Einzelzimmer. 

Auch hier sind die Krankensäle mit den zugehörigen Räumen in den Flügelbauten unter- 
gebracht worden. 

Direktoren-Wohnhäuser B. Die beiden Wohngebäude enthalten je zwei Direktoren- 
wohnungen. 

Im südlichen Gebäude, der Entbindungsanstalt und der chirurgischen Abtheilung nahe 
gelegen, wurden <lie Wohnungen der Direktoren dieser beiden Abtheilungen angeordnet, im 
nördlichen dagegen, welches der inneren Krankenabtheilung, sowie dem Verwaltungsgebäude 
und den Wirthschaftsbauten zu gelegen ist, sollen der Direktor der inneren Abtheilung und 
der Verwaltungsdirektor Wohnung finden. 

Die Anzahl der Zimmer entspricht den bezüglichen Anforderungen des Programms. 

In den Dachgeschossen können ausser den Bodenräumen noch Fremdenzimmer angeordnet 
werden. 

Abtheilung für innere und chirurgische Krankheiten C und E. 20 Doppel- 
baracken und 1 einfache Baracke mit zusammen 950 Betten liegen in gleichen Abständen zu 
In iden Seiten der Mit telach: c a b. 

Die nördliche Seite enthält die inneren Krankenbaracken, die südliche Seite im wesent- 
lichen die chirurgischen. Eine scharfe Trennung derselben im Gebrauch wird beim Betriebe 
nicht immer durchzuführen sein, da sich die Art der Belegung der einzelnen Baracken auch 
nach der Stärke der Frequenz der beiden Abtheilungen richten muss. 

Dagegen wurde die Trennung der Baracken für Männer von denen für Weiber strenge 
eingehalten. Erstere liegen westlich der Querachse c d, letztere östlich derselben. Zwischen 
ihnen liegen einerseits das Badehaus, andererseits das Operationshaus und die Apotheke. 

Die Entfernung der Baracken beträgt zwischen ihren breiteren Bautheilen 17 m, zwischen 
den Krankensälen 22 m. 

In allen Baracken ist eine scharfe Trennung der Betriebsräume von den Krankenräumen 
dadurch erreicht worden, dass in den Mittelbauten ausschliesslich die Betriebsräume und in 
den seitlichen Bautheilen ausschliesslich die Krankenräume mit den zugehörigen Bädern, Wasch- 
räumen und Klosetanlagen angeordnet wurden. 

Die Mittelbauten sind zweigeschossig und enthalten in ihrem oberen Geschosse einer- 
seits die Schlafräume des männlichen und andererseits die des weiblichen Personals. 

Jede Baracke ist von allen Seiten durch Treppen, einerseits aber auch auf einer sehr 
allmählig ansteigenden Rampe (1 : 50) zugänglich. 



Königreich Preussen. — 53 — Berlin. 

Die Schwerkranken, welche nicht im Aufnalnnegebäudc A gebadet und angekleidet werden, 
erreichen am Eingangsflur der Baracke das Aufnahmezinimer. Hier werden sie in der trans- 
portablen Badewanne gebadet und sodann angekleidet. Ihre mitgebrachten Kleider werden mit 
ihrer unreinen Wäsche von da sogleich nach «lern Desinfektionshaus gebracht. 

Neben den Krankensälen liegt je ein Kaum, in welchem die unreine Krankenwäsche 
desintizirt und geordnet wird. 1 >ii^<- Räume haben direkte Ausgänge ins Freie für den Trans- 
port der Wäsche zur Waschküche. 

Die Mittelbauten enthalten des Weiteren im Erdgeschoss eine Küche, einen Raum für 
die reine Wäsche, sowie einen Tageraum. 

Die Tageräume in den chirurgischen Baracken sind etwas kleiner bemessen, um noch 
einen Raum als Verbandzimmer zu erübrigen. 

In dem Obergeschoss der Mittelbauten wurden Schlafräume für je 1 Assistenzarzt, der 
hier auch ungestört mikroskopische Untersuchungen ausführen kann, für je i Wärter, 1 Ober- 
schwester. 3 Schwestern. 2 Mägde und 1 Nachtschwester angeordnet. Ein niedriges Dach- 
geschoss enthält noch Räume für Hausdiener. 

Die Eingang'sflure und zwar seitliche Flure, welche auch Platz für Schränke gewähren, 
dienen zur Belichtung und Durchlüftung des mittleren Korridors. 

Die seitlichen Bautheile enthalten je einen Krankensaal für 20 Betten, an dessen 
.Seitenwand eine transportable Badewanne, sowie eine Waschtoilette und ein Rezeptentisch für 
den Arzt angeordnet wurden. An Stelle der Badewanne kann ein Wasserbett aufgestellt "erden. 

An jeden Krankensaal schliessen sich _' Krankenzimmer mit 1 und mit 2 Betten an. 
Jenseits des Ausgangsflurs, in welchem auch die Waschbecken für Kranke angeordnet wurden, 
liegt ein Baderaum mit 2 Wannen und 1 Wärmespind, sowie •"■ Klosets für die Kranken und 
ein kleiner Ausgussraum für Waschwasser, Stechbecken u. s. w. 

Der Rauminhalt der Krankensäle wurde so bemessen, dass für den Kopf etwas über 50 cbm 
Luftraum vorhanden ist. 

Badehaus D. An einen mit oberem Seitenlicht versehenen mittleren Warteraum, in 
welchem auch Wäscheschränke aufgestellt werden können, schliessen sich in vier Gruppen die 
Diensträume, die beiden Abtheilungen der Wannen- und Brausebäder für Männer und für 
Weiber sowie die römisch-irische Abtheilung an. 

Der Raum für Wannen- und Brausebäder ist so bemessen, dass ein Theil derselben für 
medizinische Bäder benutzt werden kann. Die Anlage eines Sandbades ist vorgesehen. 

Operationshaus F. Einerseits des Operationshauses liegen die chirurgischen Baracken 
für Männer, andererseits die für Frauen. Dementsprechend ist es beiderseits zugänglich, an 
beiden Zugängen liegt je ein Warteraum mit Bad und Kloset, daran anschliessend je ein 
Chloroformzimmer. 

Nach Norden wurden 2 Operationssäle und 1 Operationsraum für Bauchschnitte an- 
geordnet. Hiermit sind der Instrumentenraum, der Gipsraum und der Sterilisationsraum ver- 
bunden. 

Bei dieser Anlage braucht der zu Operirende, nachdem er in dem am Eingang liegenden 
AVarteraum gebracht worden ist, den Korridor in nicht chloroformirtem Zustande nicht mehr 
zu berühren. 

In unmittelbarer Nähe dieser Bäume wurden der DCkroskopirraum und das Köntgen- 
zimmer angeordnet, an welches sich die Entwickelungskammer im Untergeschoss anschliesst. 

Inmitten des Gebäudes liegt ein durch oberes seitliches Licht beleuchteter Raum, in 
welchem Schränke aufgestellt werden, und die Krankenwagen sowie die Tragbahren Platz 
finden sollen. 

Diesen inneren Betriebsräumen schliessen sich zwei Erholungsräume an, in welchen 
schwer Operirte erforderlichenfalls noch einige Tage verbleiben. 

Sie können hier von den Zimmern der Schwester und des Wärters aus beobachtet werden. 

Daneben und zugleich dem vorderen Eingange ins Gebäude nahe liegen die Räume für 
den Direktor und die Aerzte. 

Der höher geführte vordere Bautheil enthält eine Wohnung für einen Assistenzarzt sowie 
Zimmer für Wärter und Operationsdiener. 

Im Kellergesehoss soUen eine Werkstätte für Schienen u. s. w. und ein Bandagenzimmer 
eingerichtet werden. Auch soll dort der Betrieb für die unreine Wäsche stattfinden. 

Abtheilung für ansteckende Krankheiten. Sie besteht aus vier Pavillons, von 
denen zwei für Männer und zwei für Frauen bestimmt sind. 

Für die Disposition der Gebäude kamen drei Krankheitsstadien in Betracht. 

Zunächst die Zeit, in welcher die Art der Krankheit noch nicht sicher erkannt ist. 
sodann die Zeit nach Feststellung der Krankheit bei geringi zahl gleichartiger Fälle. 

Hierfür sind die beiden seitlichen Bauten vorgesehen. 

In den beiden mittleren Bauten linden dagegen die Kranken Aufnahme, wenn bestimmte 
Krankheiten als kleine Epidemien auftreten. 

Seitliche Infektionspavillons zu 24 Betten. Jeder Pavillon wurde im wesent- 
lichen für die Behandlung von drei Krankheitsarten eingerichtet, die in drei im Innern voll- 
ständig von einander abgeschlossenen Bautheilen getrennt geschehen kann. 

Jeder dieser drei Bautheile enthält zwei Einzelzimmer, die im wesentlichen zur Beob- 
achtung der noch nicht sicher bestimmbaren Krankheit dienen, sowie einen Krankenraum mit 



Berlin. — 54 — Königreich Preussen. 

G Betten zur Benutzung nach erkannter Krankheit. Ausserdem gehört zu jeder Abtheilung ein 
Raum für die diensthabende Sehwester. eine kleine Küche, zwei Räume für die reine Wäsche 
und für die unreine Wäsche, sowie Klosets und Ausguss. 

Die Beleuchtung der Mittelkorridore geschieht durch die beiden seitlichen Flure und 
über dem inmitten gelegenen Ausgussraume. Die beiden Flure sind beiderseits je an dem 
Ende des Korridors angeordnet worden, damit von ihnen aus eine Durchlüftung des ganzen 
Korridors geschehen kann. 

Gemeinsam für die drei Abtheilungen ist der südlich gelegene Kopfbau. 

Er enthält im Erdgeschoss. einen Aufenthaltsraum für die Aerzte, einen Raum für die 
Wache, welch'- zur Unterstützung einer der diensthabenden Schwestern nach den verschiedenen 
Abtheilungen gerufen werden kann. Ausguss und Kloset. sowie Wohnräume für die Oberschwester 
nnd zwei Schwestern. 

Im oberen Geschoss wurden die Wohnungen für 1 Assistenzarzt. 1 Wärter, 1 Schwester, 
1 Nachtschwester und 2 Mägde vorgesehen. 

Das Kellergeschoss soll ein Bad für die Entlassenen, sowie Räume für die Heizung nnd 
Tentilationsanlagen u. s. w. enthalten. 

Nahe diesen Pavillons befinden sich zwei kleine Desinfektionshäuser, in welchen die un- 
reine Wäsche desinfizirt wird. 

Mittlere Infektionspavillons für 2S Kranke. Jeder Pavillon hat seitlich je eine 
Krankenabtheilung. Sie umfasst einen Krankensaal mit 12 Betten nebst Tageraum, 2 Einzel- 
zimmer, 1 Wasch- und Baderaum, Ausguss und Klosets, eine kleine Küche, einen Raum für die 
diensthabende Schwester, getrennte Räume für die reine und für die unreine Wäsche, sowie 
ein von den anderen Klosets getrennt liegendes Kloset für das Personal. 

Der mittlere Bauth.il ist zweigeschossig und entspricht in seiner Beanspruchung im 
wesentlichen den Kopfbauten der seitlichen Pavillons. 

Diphteriepavillon G ' m G ' w. Er enthält einerseits den Krankenraum für Männer, 
andererseits den für Frauen, gemeinsam sind beiden die im Mittelbau gelegenen Räume für die 
Aufnahme, das Wärterzimmer, der Operationssaal mit Instrnmentenzimmer, sowie die Räume 
für die reine und für die unreine Wäsche. 

Jede Abtheilung hat für sich ein Schwestemzimmer, eine Küche und einen Ausguss 
nebst Klosetraum. 

Beleuchtet wird der Korridor vom Eingang, von den beiden seitliehen Fluren und vom 
Treppenhause aus. Die seitlichen Flure sind möglichst am Ende des Korridors angeordnet 
worden, um eine gute Durchlüftung des Korridors zu ermöglichen. 

Im oberen Geschoss wurden 4 Zimmer mit je 2 Betten für Masern-, Scharlach- und 
Scharlaehdiphtherieverdächtige untergebracht. 

Ausserdem sind hier die Räume für die Pflege dieser Kranken, sowie Wohnräume für 
einen Arzt und eine Oberschwester vorgesehen worden. Sollte die Lage dieser Wohnräume 
ganz oder theilweise ausserhalb dieses Gebäudes gewünscht werden, so wird sich die Errichtung 
des benachbarten kleinen Beamtenwohnhäuschens B empfehlen. 

Abtheilung für Geschlechtskranke H. Haus für Männer Hm. Bei der 
Disposition der Räume wurde darauf Rücksicht genommen, dass bei dem Transport der 
Speisen und der Wäsche das Innere des Hauses dem damit beschäftigten Personal unzugänglich 
bleibt. Die Speisen werden deshalb im Untergeschoss in dem Raum für Speisentransport ab- 
geliefert und kommen von da mittels Aufzugs in die Spülküchen jedes Geschosses. 

Durch Ab wurfs eh ächte gelangt alles Unreine, insbesondere die unreine Wäsche nach 
Räumen im Untergeschoss. von welchen das Innere des Gebäudes nicht weiter zugänglich ist. 

Die Wäsche wird im Sortirranm geordnet, desinfizirt und hiernach zur Waschküche gebracht. 

Das Gebäude hat drei Geschosse, welche in der Hauptsache die gleiche Raumanordnung 
zeigen. Sie enthalten in G Sälen je 29 Betten, in 3 Sälen je 22 Betten, in 10 Räumen je 
4 Betten, in 3 Räumen je 3 Betten und in 14 Zimmern je 1 Bett, zusammen 303 Betten. 

Die Baderäume, Massirräume. Waschräume und Klosets sind im Gebäude gleichmässig 
vertheilt worden. 

Die Korridore sind so breit bemessen, dass sie als Tageraum mit benutzt werden können. 
In den oberen Geschossen wurden jedoch noch je ein Arbeitsraum für Kranke, deren Isolirung 
am Tage gewünscht wird, vorgesehen. 

Haus für Weiber H w. Die ankommenden Kranken gehen in den Aufnahmeraum, von 
da zur Untersuchung. Ihre schmutzige Wäsche wird nach dem Untergeschoss gebracht, dort in 
Beutel verpackt und nach dem Desinfektionshaus geschickt. Die unreine Wäsche gelangt vom 
Wäscheabwurfsraum durch Abwarfschächte nach dem Untergeschoss, und zwar aus jedem Geschoss 
durch einen besonderen Abwurfschacht. Im Untergeschoss wird sie sodann sortirt und gekocht 
(desinfizirt) und hiernach nach der Waschküche gebracht. 

("meine Verbandstoffe. Hausmüll u. s. w. werden im Lnnern gesammelt, mit Fahrstuhl 
vom Abwurfsraum nach dem Untergeschoss gebracht und von da nach dem Verbrennungshaus 
abgeholt. 

Das Gebäude enthält in 3 Geschossen in 6 Sälen je 16 Betten, in 7 Räumen je 2 Betten 
nnd in 4 Zimmern je 1 Bett, zusammen 114 Betten. 

Jedes Stockwerk umfasst ausser den Krankenräumen einen Baderaum, zwei Waschräume, 
einen Massirrauni. einen Raum für Verbandstoffe und reine Wäsche, ein Untersuchungszimmer, 



Königreich Prenssen. — 55 — Berlin. 

eine Spülküche, einen Raum für das Unreine und die erforderlichen Kloset*. In jedem Stock- 
werk wurde ein Wärterzimmer, im ersten Obergeschoss aber die Wohnung luv einen Arzt vor- 
gesehen. Die Korridore sind so bemessen, dass sie auch als Tageräume benutzt werden können. 
Haus für unruhige Kranke L. Der Bau ist eingeschossig und enthält Räume für 
20 Kranke und zwar beiderlei Geschlechts. Das Gebäude zerlallt in drei Abtheilungen. 

Die erste Abtheilung enthält i Zimmer und 2 Tobzellen für Weiber, hierzu einen Raum 
für die Schwester, Bad. 1 Spulküche, Ausgnssraum und Klosets. Die unreine Wäsche soll 
unterhalb der nach oben führenden Treppe direkt ins Freie beiordert werden. Die Tobzellen 
sind von den anderen Räumen vollständig isolirt. 

Der Korridor wird erleuchtet und gelüftet von der Eingangsseite, dem Treppenhause und 
oberhalb des Ausgussraumes. 

Die zweite Abtheilung ist inmitten der Längsseite zugänglich und enthält Räume für 
6 Kranke, zwei Wärter. Spülküche. Besen und Eimer. Bad und reine Wäsche. Die Räume für 
unreine Wäsche mit direktem Ausgang ins Freie, sowie Ausguss bilden die Trennung von der 
dritten seitlich zugänglichen Abtheilung mit S Tobzellen. 

Der mittlere Korridortheil wird beleuchtet und gelüftet durch Flur-Treppenhaus, sowie 
über den Räumen für Besen. Spülküche, Ausguss und unreine Wäsche. 

Leichenhaus H und M 1 . Von der Strasse 10b führt ein mit Bäumen bepflanzter 
Weg nach der Kapelle. Er ist für die Beerdigungen bestimmt. Die Einfährt der Leichen- 
wagen vor der Feierlichkeit soll dagegen von b aus erfolgen. 

Der Verkehr auf beiden Wegen ist von dem dazwischen gelegenen Portierhäuschen aus 
kontrolirbar. Zunächst der Kapelle liegen die Räume für die Leidtragenden, die Leichenausstellung 
und für den Geistlichen. Sie sind von den seitlichen Eingängen aus zugänglich, auch gelangt 
man von ihnen direkt in die Kapelle. 

Der Raum für die Leidtragenden und die anschliessenden Korridore liegen nach einem 
mit Cypressen zu bepflanzenden kleinen Hofe. 

Auf der nach dem Krankenhause zu gelegenen Seite betritt man die Räume für die 
medizinisch-wissenschaftliche Abtheilung des Gebäudes. Die Sezirsäle sowie das Arbeitszimmer 
des Prosektors liegen nach Norden. Weiterhin sind vorhanden 2 Arbeitsräume für die chemische 
Abtheilung, ein Raum für septische Operationen und Vivisektion, ein Instrumentenraum, ein 
Raum für Thermostaten, 3 Räume für bakteriologische Zwecke und kleinere Räume für photo- 
graphische Arbeiten. 

Die Bibliothek, die Garderobe und das Frühstückszimmer der Aerzte wurden von den 
Arbeitsräumen getrennt inmitten dieses Gebäudetheils untergebracht. 

Das hohe Kellergeschoss enthält unter den Sezirsälen den grossen Leichenteller, unter 
dem Raum für die Aufstellung der Leichen den Ankleideraum der Leichen. Durch Aufzüge wird 
hier und dort eine leichte Verbindung zwischen beiden Geschossen hergestellt. Des Weiteren 
wurden im Keller das Sargmagazin, Aufbewahrungsräume für anatomische Präparate u. s. w., 
sowie inmitten des Gebäudes die Räume für die Heizung angeordnet. 
Das Eishaus wird nahe dem Leichenhanse errichtet. 

Stall für Versuchsthiere M 2 . Er enthält 2 Abtheilungen, die eine für noch nicht 
geimpfte, die andere fär geimpfte Thiere. An die Abtheilungen für Meerschweine, Kaninchen 
und Hunde schliessen sich kleine Höfe für diese Thiere an. Die Futterräume wurden im Dach- 
geschoss untergebracht. 

Kochküche 0. Das Gebäude enthält im Erdgesehoss in 3 Abtheilungen: 
1. die Räume für die Vorbereitung des Kochens und Bratens. 2. die Küchen und den 
Spülraum, sowie 3. die Speiseräume der Bediensteten. 

Am Eingang zur ersten Abtheilung liegt das Zimmer des Inspektors. Durch Aufzüge 
mit den bezüglichen Kellerräumen und dem Untergesehoss verbunden folgen der Kartoffelschäl- 
raum, der Gemüseputzraum und der Raum für zugerichtetes Fleisch. Ausserdem wurden Räume 
für Vorrath- und Speisekammern vorgesehen. Unmittelbar neben der Kochküche liegt das 
Zimmer der Wirthschafterin. 

Im mittleren Bautheil gruppiren sich um den Ausgaberaum, der von den Speisewagen 
auf einer bequemen Rampe erreicht wird. Kochküche und Bratküche sowie die Spulküche mit 
anliegender Geschirrkammer, zu welchen das gebrauchte Gesehirr von der anderen Seite über 
einen von den Speisewagen befahrbaren Korridor gebracht wird. 

Es schliessen sich 2 Speiseräume, getrennt für Männer und für Frauen, an. sowie ein 

Badezimmer für diese. Ein Badezimmer für Männer wurd*' im Untergesehoss untergebracht. 

Dort wurden weiterhin Kellerräume und Maschinenräume für die Dampfvertheilung vorgesehen. 

Das Obergeschoss dient zum Wohnen der Wirthschafterin, der Oberköehln. der 

Köchinnen sowie der Mägde und enthält Lagerräume. 

Waschküche 0'. Die unreine Wäsche wird in einer bedeckten Vorhalle dem Räume 
für die Aufnahme unreiner Wäsche zugeführt. Von hier kommt sie in den Einweicheraum, 
sodann, wenn sie nicht erst abgekocht werden muss. direkt, andernfalls durch den Kochraum 
in die Waschküche. Ist sie gewaschen, so gelangt sie nach der Trockenstube, von da in die 
Rollstube, die mit der Flickstube und der Plättstrabe unmittelbar verbunden ist. Vom Vorraths- 
raum der Verwalterin wird sie entweder durch Aufzüge nach dem Wäschemagazin im oberen 
Geschoss befördert, oder in einem besonderen Raum für Ausgabe der reinen Wäsche verausgabt. 



Berlin. — 56 — Königreich Prenssen. 

Der Maschinenraum ist von aussen direkt zugänglich, daneben wurde das Speisezimmer 
für Frauen angeordnet. 

Ein Aufzug befördert aus dem Kellergeschoss sowohl die dort angerichteten Speisen. 
sowie auch die Soda und die Seife für den Wäschegebrauch. 

Im Kellergeschoss werden auch das Speisezimmer für Männer, ein Bad und der Spül- 
raum Platz finden. 

Ausser den Vorrathsrämnen enthält das obere Geschoss die Wohnräume für die Wäsche- 
verwalterin, die Oberwäscherin und die Waschmädchen. Das Dachgeschoss bietet genügenden 
Platz für Trockenböden. 

Remise P. Sie enthält inmitten einen Raum für 40 Speisetransport wagen, einerseits 
einen Raum für die Kranken- und Möbeltransportwagen, und andererseits einen Raum für die 
Reinigung der Wagen. Im Dachboden werden Gartenutensilien u. s. w. aufbewahrt. 

Kessel- und Mas ehinenhaus Q. Die im Kesselhause aufgestellten Dampfkessel sind 
für den Betrieb der Heizung, der Ventilation, der Wasserversorgung und der elektrischen Be- 
leuchtung sowie auch für den Wirthschaftsbetrieb bestimmt. Von hier aus soUen in einem 
unterirdischen begehbaren Kanäle alle Rohr- und Drahtleitungen unter sämmtliche Bauten des 
Krankenhauses geführt werden. 

Bei der durchaus symmetrischen Disposition der ganzen Krankenhausanlage lässt sich 
dieser unterirdische Kanal in so einfacher und klarer Weise durchführen, dass vor der weiteren 
Bearbeitung des Entwurfes noch zu erwägen sein dürfte, ob nicht zweckmässigerweise auf 
gleichem Wege auch ein T heil des Krankenhausbetriebes, wie z. B. der Transport der Leichen u. s. w. 
geschehen würde. 

Kohlenschuppen Q'. An der Strasse f g werden die Kohlen in den Aufbewahrungs- 
raum gebracht, daneben zerkleinert und sodann aus dem Ausladeraum seitlich nach dem Kessel- 
haus abgeholt. 

Werkstattgebäude R. An einem bedeckten Vorplatz, auf welchem Gegenstände bei 
schlechter Witterung verladen werden können, schliesst sich im Erdgeschoss eine geräumige 
Halle zur Aufbewahrung von Utensilien u. s. w. an. An dieser Halle wurden im Erdgeschoss 
ein Raum für den Wirtli^chaftsverwalter und Werkstätten für Zimmerleute, Tischler, Schmiede 
und Klempner angeordnet. 

Die Materialien werden von aussen vermittels eines Krahns nach oben gebracht, die 
Treppe dient lediglich zum Personenverkehr. 

Im oberen Geschoss liegen in gleicher Weise wie unten um die mittlere Halle, welche 
als Aufbewahrungsraum fertiger Gegenstände dienen und gebotenen Falls auch zum Arbeiten 
benutzt werden soll, die Werkstätten der Stuhlfieehter. Maler und Tapezierer. Zwei kleiue 
Räume wurden für die ungestörte Bearbeitung kleinerer Gegenstände vorgesehen. Der Dach- 
boden bietet Platz für Materialien und Utensilien. 

Die Turnhalle S liegt an dem mit Wegen und Pflanzenanlagen zu versehenden Theile 
des Grundstücks. 

Desinfektionshaus T. Hier werden alle infizirten Gegenstände des Krankenhauses 
desinfizirt. Da dasselbe besonders stark von der Abtheilung für inflzirte Kranke in Anspruch ge- 
nommen wird, erhielt es ^einen Platz in der Nahe dieser Abtheilung. Au.^serdem werden hier 
alle Kleidungsstücke der Xeuaufgenommenen desinfizirt und bis zur Wiederherstellung der 
Kranken aufbewahrt. Alle Gegenstände werden zunächst in den Annahmeraum gebracht. 

Kleider. Hüte. Matratzen. Stiefel, Schirme u. s. w. gelangen hier in die Desinfektionsapparate 
und nach ihrer Desinfizirung in den Aufbewahrungsraum für Hüte und die im Dachgeschoss 
vorgesehenen Aufbewahrungsräume für Kleider u. s. w. 

Die Wäsche der Aufgenommenen wird im seitliehen Raum für Desinfektion der Wäsche 
desinfizirt. kommt von da in die Waschküche und wird als reine Wäsche den gereinigten 
Kleidern beigelegt. Bevor der Genesene die Krankenanstalt verläset, werden dem in der ver- 
glasten Halle Wartenden vom Abfertigungsraum aus seine Gegenstände wieder eingehändigt. 

Die zugehörigen Bureau- und Frühstücksräume der Beamten, Bäder und Klosets liegen 
an den durch die Betriebsart gebotenen Stellen. 

Apotheke V liegt inmitten der Krankenhausanlage. 

Das Krankendienstpersonal betritt den Expeditionsraum, stellt daselbst seinen mit 
Nummer versehenen Korb in eine dafür bestimmte Abtheilung der Wandregale und schiebt 
sein Rezeptenbuch durch ein kleines Fenster in den Apothekenraum. In den Apothekenräumen 
wird die Medizin hergestellt und vom Apotheker mit dem Buch in den betreffenden Korb im 
Kxpeditionsraum gebracht, von wo dieser demnächst von dem Bediensteten wieder abgeholt 
wird. Auf diese Weise könnnen die Apotheker in ihren Räumen ganz ungestört arbeiten. 

Den Apothekerräumen schliesst sich ein Medkinrauni an. Von ihm gelangt man direkt 
in das Laboratorium im Untergeschoss. Dasselbe enthält weiterhin den Weinkeller, einen Raum 
für Aether und Spiritus, den Tinkturenkeller und eine Glaskammer. 

Im Dachgeschoß wurde ein Aufbewahrungsraum für Kräuter und eine Wohnung für den 
zweiten Apotheker untergebracht, während der erste Apotheker im Erdgeschoss wohnen soll. 

Verbrennungsofen für Versuchsthiere u. s.w. W. Einerseits des mittleren Ver- 
brennungsraumes liegen Bad. Kloset sowie ein kleiner Frühstücksraum für die Bediensteten mit 
Treppe zum Dachboden, andererseits ein Spülraum. in welchem die Gelasse, die zum Transport 
der Leichentheile benutzt werden, gereinigt und desinfizirt werden können. 



Königreich Preusseu. — 57 — Berlin. 

Zusammenstellung sämmtlieher. in der Anstalt unterzubringender Dienst- 
wohnungen. 

1. Wohnungen für die beiden ärztlichen Direktoren, 

2. eine desgleichen für den Vcrwaltungs-Direktor. jede ans mindestens 8 Stuben nebst 
Zubehör bestehend. Letztere muss jedenfalls im Verwaltungsgebäude liegen, während die beiden 
ersteren besser in ein besonderes Wohnbaus zu legen sind. 

3. Für 3 Oberärzte der Abtheilungen für innere und äussere Krankheiten und die Ent- 
bindungsanstalt, jede aus zwei Zimmern bestehend, im Verwaltung*- oder Wohngebäude. 

4. Für 36 Assistenz- und Volontärärzte und Praktikanten (10 Assistenzärzte, darunter 
"2 erste in der Abtheilnng für innere Krankheiten. 8. darunter 2 erste in der Abtheilung für 
äussere Krankheiten. 4 für ansteckende Krankheiten. .">, darunter 2 erste in der Abtheilung für 
Geschlechtskranke, 2. darunter 1 erster in der Entbindungsanstalt, fi Volontärärzte und Prakti- 
kanten in derselben. 1 erster Assistenzarzt in der gynäkologischen Abtheilung!, von welchen 

6 Assistenzärzte in der Hauptabtheilung. 2 desgleichen nnd 6 Volontärärzte in der Entbindungs- 
anstalt wohnen sollen, so dass im Verwaltungsgebäude und dem Wohnhause noch 22 unter- 
zubringen bleiben. 

Die ersten Assistenzärzte erhalten je zwei Stuben, die übrigen je eine kleinere Stube 
und Kammer. Volontärärzte nnd Praktikanten eine kleinere Stube. 

5. Eine Oberin der Pflegerinnen. Wohnung von 2 Stuben im Verwaltungsgebäude. 

6. Für 24 Oberschwestern (8 Oberschwestern, in der Abtheilung für innere Krankheiten. 

7 in der für äussere Krankheiten. 4 in der für ansteckende Krankheiten. 3 für weibliche 
Geschlechtskranke. 2 für die Entbindungsanstalt und für die gynäkologische Abtheilung), von 
denen die letztgenannten in der Entbindungsanstalt, die übrigen im Hause der Pflegerinnen 
wohnen sollen. Jede erhält ein kleines Zimmer. 

7. Für 130 Pflegeschwestern (50 Pflegeschwestern, in der Abtheilnng für innerlich Kranke. 
40 in der für chirurgisch Kranke. 10 in der Abtheilung für ansteckende Krankheiten. 15 für 
das Frauenhaus der Abtheilung für Geschlechtskranke. 10 in der Entbindungsanstalt. 5 in der 
gynäkologischen Abtheilung), welche, soweit sie nicht in den Krankenhäusern selbst wohnen, 
im Verwaltungsgebäude, vorzugsweise aber im Hanse der Pflegerinnenschule, und zwar möglichst 
zu je 2. höchstens zu je 4 in einem Zimmer untergebracht werden sollen. 

8. 40 Schülerinnen der Pflegerinnenschule wohnen sämmtlich im Pflegerinnenhause in 
Zimmern zu 6 Betten. 

9. 1 Hebeamme. 1 Gehilfin für die Entbindungsanstalt, wie oben angegeben. 

10. 1 erster Apotheker, 2 Stuben im Verwaltungsgebäude oder in der Xähe desselben. 

11. 3 Apothekergehilfen, jeder eine Stube im Verwaltungsgebäude. 

12. 2 Apotheken- und ein Laboratoriumsdiener, jeder ein kleines Zimmer in der Nähe 
der Apotheke. 

13. 1 Operationsdiener. Wohnung von 2 Stuben, Kammer nnd Küche im Operationshause. 

14. 1 Leichendiener. 2 Stäben und Küche in der Xähe des Leichenhauses. 

15. 1 Bureauvorsteher. Wohnung von 5 Stuben und Zubehör im Verwaltungsgebäude oder 
in seiner nächsten Xähe. 

lfi. 2 Nachtsekretäre, jeder ein kleines Zimmer im Verwaltungsgebäude. 
17. 1 Ingenieur zur Oberaufsicht über die gesammten Maschinen- und Heizanlage, 
Wohnung von 6 Zimmern im Pflegerinnenhause. 

IS. 1 Maschinenmeister. Wohnung von 3 — 1 Stuben desgleichen. 

19. 1 Plumber und 20. 1 Schlosser, jeder 2 Stuben, Kammer und Küche, desgleichen. 

21. 2 Oberheizer, desgleichen. 

22. 1 Wirthschafts-Inspektor. Wohnung von 5 Zimmern und Zubehör im Hause wie 
bei Xr. 17. 

23. 1 Materialien-Verwalter. Wohnung von 3 Stuben in der Xähe der Wirthschafts- 
gebäude. 

24. 1 Küchen-Verwalter. Wohnung von 3 Stuben, Kammer und Küche in der Xähe des 
Küchengebäudes. 

25. 1 Gärtner. 3 Stuben und Küche im Pflegerinnenhause. 

2fi. 1 Wirthschafterin. 1 Stube mit Kammer im Küchengebäude. 

27. 1 Oberköchin. 1 Stube desgleichen. 

28. 25 Küchenmädchen in grösseren Zimmern zusammen, desgleichen. 

29. 1 Wäscheverwalterin. Stube und Kammer im Wasehküchengebäude. 

30. 1 Oberwäscherin, 1 Stube desgleichen. 

31. 25 Waschmädchen in grösseren Zimmern zusammen, desgleichen. 

32. 1 Desinfektor. Wohnung von 2 Stuben. Kammer und Küche in der Xähe der Des- 
infektions-Anstalt. 

33. 1 Oberwärter. 3 Stuben und Küche in irgend einem der Wohngebäude. 

34. 27 Krankenwärter, von denen 2 in der Abtheilung für ansteckende Krankheiten, 
10 in der Abtheilung für geschlechtskranke Männer wohnen, während die übrigen 15, in der 
Anstalt vertheilt, in Zimmern bis zu 6 Betten wohnen. 

35. 18 Hansdiener, in den verschiedenen Gebäuden der Anstalt vertheilt. nötigenfalls 
in Zimmern bis zu B Betten. 



Berlin. — 58 — Königreich Preussen. 

36. 27 Hilfswärterinnen, von denen 2 in der Abtheilung für ansteckende Krankheiten, 
10 desgleichen für geschlechtskranke Weiber wohnen müssen, während 15. in den übrigen Ge- 
bäuden der Anstalt vertheilt. namentlich in dem Hause der Pflegerinnen, in Zimmern bis zu 
6 Betten wohnen sollen. 

37. 30 Hausmädchen, in den verschiedenen Gebäuden der Anstalt vertheilt und nöthigen- 
falls in Zimmern bis zu 6 Betten. 

38. 2 Portiers, jeder 2 Stuben, Kammer und Küche, von denen einer am Eingang zum 
Verwaltungsgebäude wohnen muss. 

39. 1 Bote, desgleichen in der Nähe des Verwaltungsgebäudes. 

Städtisches Hilfskrankenhaus (SW., Gitschinerstr. 104/5). Eröffnet am IG. Dez. 1897. 
Leitender Arzt: Prof. Dr. Litten. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 16 ausgebildete Kranken- 
wärterinnen. Von den Armenärzten werden innerliche Kranke, aber nicht an ansteckenden 
Krankheiten leidende Frauen aus den Medizinalbezirken 4, 5, 9, 18, 19, 20, 21. 22 überwiesen. 
152 Betten für weibliche Kranke. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: Erwachsene 2,50 M, 
von auswärts :; M. Kinder 2 M. von auswärts 2,50 M. 1898 wurden 1 684 Kranke durch- 
schnittlich 26 Tage verpflegt, 185 sind gestorben. 

Hilfsstation für kranke Männer im städtischen Obdach (NO., Fröbelstrasse). Zur 
Entlastung der städtischen Krankenhäuser besteht eine Station für 100 leichtkranke Männer, 
die sonst den städtischen Krankenhäusern aus dem Obdach überwiesen werden mussten. 

Station für Geschlechtskranke im städtischen Obdach (NO., Fröbelstrasse. an der 
Prenzlauer Allee). Am 1. Febr. 1895 wurde die bisher im städtischen Arbeitshause zu Eummels- 
burg befindlich gewesene Station nach dem städtischen Obdach verlegt. Leitender Arzt: 
Prof. Dr. B ehrend. 4 Assistenzärzte. Wartepersonal: 4 m., 12 w. Krankenwärter. 360 Betten 
(60 f. M. und 300 f. Fr. i. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 2 M. Geschlechtskranke, 
prostituirte Weiber, welche in der Charite nicht mehr untergebracht werden können, werden hierher 
überwiesen. 1898/99 wurden 3 275 (967 m., 2 308 w.i Kranke durchschnittlich 33 Tage verpflegt. 

Zentral-Diakonissenhans Bethanien (SO., Mariannenplatz 1). Diakonissen-Mutterhaus 
und Heilanstalt zur Aufnahme von Kranken beiderlei Geschlechtes und jedes Religionsbekennt- 
nisses. Von Friedrich Wilhelm TT. gestiftet und am 10. Okt. 1847 eröffnet. 1872 ist ein 
Evakuationspavillon erbaut, 1882 eine Baracke für Diphtheriekranke eingerichtet. 1. Juli 1899 
wurde eine neue Isolirbaracke für Frauen und Kinder, welche an ansteckenden Krankheiten 
leiden, eröffnet. 

Protektorin: Ihre Majestät die Kaiserin und Königin. - - Die Anstalt 
ressortirt von dem Evangelischen Oberkirchenrathe. ohne einer Provinzialinstanz unterstellt 
zu sein. Eigenthümer: Die Genossenschaft der Diakonissen. 

Vorstand: Kuratorium aus 12 Mitgliedern, darunter die Oberin Jenny Gräfin Keller, 
die beiden dirigirenden Aerzte und der erste Geistliche. 

Aerztliche Leitung: Aenssere Abtheilung (dazu gehören Kinderabtheilung und 

Diphtheriebaracke): Geh. Medizinal-Rath Prof. Dr. Rose. Innere Abtheilung: 

ii Assistenzärzte. Wartepersonal: 60 Diakonissen und 14 Wärter, 354 Betten: 168 f. M.. 
186 f. Fr.-. I. Kl. 3 (2 f. M.. 1 f. Fr.). H. Kl. 15 (6 f. M., 9 f. Fr.). DJ. Kl. 336 (160 f. M.. 
176 f. Fr.). 

3 Verpflegungsklassen zu 8. 5 und 2.50 M für den Tag. für Kinder l.so M. Die 
Anstalt besitzt 63 Freibetten HI. Kl. 

Aufnahmebedingungen: Ausgeschlossen von der Aufnahme sind Geisteskranke, 
Epileptische. Pockenkranke. Syphilitische, Krätzkranke und Unheilbare. 

Es werden auf Kosten der Stadt durch Ueberweisung der Armenärzte aufgenommen 
Männer. Frauen und Kinder (mit Ausnahme derjenigen Kranken, welche an Epilepsie, Poeken, 
Krätze, Cholera und Syphilis leiden) aus den Medizinalbezirken Nr. 12. 13. 14. 15, 16, 17, 29, 
30, 64, 68, 69 (s. Urban). in allen Fälb-n ausser Schwindsüchtige und vom Alkoholismus (delirium 
tremens) befallene, sowie mit chronischen Krankheiten behaftete Individuen; diese sind, auch 
wenn zu dem Hauptleiden sich ein anderes gesellt hat, dem städtischen allgemeinen Kranken- 
hause am Urban. für den FaU. dass Hospitalbehandlung absolut erforderlich ist, zuzuweisen. 

1898 wurden 2 534 (1 273 m.. 1 261 w.) Kranke durchschnittlich 38 Tage verpflegt, ge- 
storben sind 307. 

Ausgaben 1898: ordentliche 336 810 M, ausserordentliche 18 232 M. Die Einnahmen 189S 
betrugen 325120 M und setzten sich zusammen aus 174 563 M eingezahlten Verpflegungs- 
geldern, 27 432 M an verkauften eigenen Produkten, 63 706 M eigenen Kapitalszinsen, 4 575 M 
Legaten. Geschenken. Kollekten und 54 844 M aus sonstigen Quellen. 

Elisabeth-Kranken- nnd Diakonissen-Mntterhaus iW.. Lützowstr. 24/26), zur Kranken- 
pflege und Ausbildung der Schwestern für die verschiedenen Gebiete der Diakonie, auch Poli- 
klinik. Pa>tor Gossner irründete 1833 den Frauen- und Krankenverein, unter dessi-n Mitwirkung 
er 1^:;7 die Anstalt stiftete. Neubauten sind 1840, 1867, L872 und 1881 errichtet. Am 5. Nov. 
1898 wurde das kleine Isolirhaus für 5 Kranke eröffnet. Protektorin: Ihre Majestät die 
Kaiserin und Königin. 

Eigenthümer: Der Frauen-Krankenverein. Die Anstalt besitzt Rechtsfähigkeit. 



Königreich Prenssen. — 59 — Berlin. 

Vorstand: General-Snperintendent Dr. Braun, Stellvertreter: Unterstaatssekretär 
Dr. Jacclii. Oberin: Diakonissin Frau Auguste v. Zedlitz und der dirigirende Arzt. 

Aerztliche Leitung: Kür innere Abtheilung Sanitäts-Rath I >r. Hofmeier, für äussere 
Abtheilung Prof. Hr. Rinne. :'. Assistenzärzte. Wartepersonal: 155 Schwestern, welche aber 
durchschnittlich nur zur Hälfte im Hause beschäftigt siud. 5 Wärter. 

165 Betten für Erwachsene and 32 für Kinder. 3 Verpflegungsklassen zu 8. 5 und 2 M für 
den Tag. für Kinder 1.50 Bd. 

Aufnahmebedingungen: Es werden aufgenommen Kranke jeden Alters. Geschlechtes 
und jeder Konfession; ausgeschlossen sind Geisteskranke. Epileptische, und Kranke, welche an 
primärer Syphilis, akuter Exantheme. Cholera und Flecktyphus leiden. Auf Kosten der Stadt 
werden durch üeberweisung der Armenärzte aufgenommen Frauen und Kinder weiblichen Ge- 
schlechtes, sowie Kinder männlichen Geschlechtes unter 4 Jahren, mit Ausnahme derjenigen 
Kranken, welche an Epilepsie. Pocken, Krätze, Cholera und Syphilis leiden, aus den Medizinal- 
bezirken Nr. 6, 7 und 76. 

1898 wurden 2 028 Kranke durchschnittlich 28,6 Tage verpflegt. 24G sind gestorben. 

Lazarus -Kranken- und Diakonissenhaus (N., Bernauerstr. 115/117), zur geistigen und 
leiblichen Pflege heilbarer und unheilbarer Kranken durch Diakonissen. Mutterhans. - 
Poliklinik. — Vom Pastor Bögehold, weiland Pfarrer von St. Elisabeth, am 19. Juni 1865 
gestiftet. - Isolirhaus 1897 erbaut (3 Stationen: für Diphtherie 16, Masern 6 und Scharlach 

14 Betten). 

Eigenthümer: Das Krankenhaus besitzt Rechtsfähigkeit. Kuratorium: Justizrath 
Winterfeld, Vorsitzender. — Vorstand: Hausvorstand Pastor Hochbaum, Oberin Gräfin 
von Hertzberg und dirigirender Arzt: Geh. Sanitäts-Rath Prof. Dr. Langenbuch. - 
I Assistenzarzt i'. Wartepersonal: 46 Diakonissen. 4 Wärter. 170 Betten, 45 für Kinder. 

3 Verpflegungsklassen für Erwachsene zu 8, 5 und 2 M für den Tag. für Kinder 1,50 M. 

Aufnahmebedingungen: Kranke werden ohne Unterschied der Konfession auf- 
genommen. - Es werden auf Kosten der Stadt durch üeberweisung der Armenärzte auf- 
genommen: Männer. Frauen und Kinder, mit Ausnahme derjenigen Kranken, welche an Epilepsie, 
Pocken. Krätze, Cholera und Syphilis leiden, aus dem Medizinalbezirk Nr. 50. 

180s wurden 2 074 (1214 m. und S60 w.) Kranke durchschnittlich 27.7 Tage verpflegt, 
davon sind gestorben 275. Ausgaben und Einnahmen 1898: 182396,18 M, (111 533,50 M Ver- 
pflegungsgeld). 

Paul Gerhardt -Stift (N.. Müllerstr. 56/57). 1889 als Krankenhaus zur Ausbildung von 
Diakonissen erbaut. 1896 Neubau. Eigenthümer: Die Paul Gerhardt-Stiftung, dieselbe besitzt 
Rechtsfähigkeit. Vorstand: Pastor C. Schlegel und Diakonisse Hedwig v. Bröcker. Chirur- 
gische Abtheilung: Dr. de Ruyter; innere Abtheilung: Oberstabsarzt Dr. Ilberg. 
3 Assistenzärzte. Wartepersonal: 32 Diakonissen, 6 andere Schwestern und 2 Wärter. 
122 Betten, darunter 25 für Kinder. 4 Verpflegungsklassen zu S, 5, 3 und 2 M für den Tag, 
für Kinder l,so M. Aufnahme auf Kosten der Stadt nach üeberweisung der Armenärzte in 
geeigneten Fällen aus den Medizinalbezirken 58, 59, 60, 61, 62, 63, 65, 77, 78. 1898 wurden 
840 (505 m., 335 w.) Kranke durchschnittlich 33.5 Tage verpflegt, davon gestorben 95. Ausser- 
dem wurden verpflegt 18 Personen zur Ausbildung. Ausgaben lS'.'S rund 60 500 M: die Ein- 
nahmen betrugen 58901,36 M und setzten sich zusammen aus 47 921,85 M Verpflegungsgeldern 
und 10 979,51 M aus sonstigen Quellen. 

Diakonissenheim „Bethesda" (SW.. Gneisenaustrasse 42). 1S98 eröffnet. 26 Betten. 

15 Diakonissen aus Elberfeld, ausserdem 35 zur Privatpflege. 

St. Hedwig-Krankenhaus fC, Gr. Hamburgerstr. 5/11). Die Gründung des St. Hedwig- 
Krankenhauses im Jahre 1846 fällt in jene Zeit, als in Berlin ausser der Kgl. Charite noch 
kein grösseres Krankenhaus vorhanden war. Denn das Krankenhaus der jüdischen Gemeinde, 
1703, nnd das Elisabeth -Krankenhaus und Elisabeth -Kinderhospital, 1837 und 1834 gegründet. 
hatten damals nur geringen Umfang. 

Die erste Anregung und die Veranlassung zur Gründung gab die nothwendig gewordene 
Vergrössernng und Verlegung des seit Mitte des vorigen Jahrhunderts in der Gipsstrasse 3 be- 
stehenden St. Hedwig-Hospitals. Nachdem König Friedrich Wilhelm UV. durch Allerh. Kabinets- 
ordre vom 11. März 1n44 die Genehmigung ertheilt hatte, dass mit dem zu verlegenden Hospitale 
eine Krankenanstalt verbunden und unter die Leitung barmherziger Schwestern gestellt werde, 
langten am 14. Sept. 1846 4 Borromäerinnen aus Nancy, dem damaligen Mutterhause des 
Ordens, in Berlin an und übernahmen sofort die Einrichtung und Leitung des Krankenhauses. 

Gar bescheiden, ja dürftig war dieser Anfang in dem Hause Kaiserstrasse 29. welches 
zudem nur abgemiethef war von dem 1838 anlässlieh der Choleraverheerungen gegründeten 
Vereine für Pflege und Erziehung katholischer Waisenkinder. 1864 wurde Gr. Hamburger- 
strasse s angekauft und theilweise zu Wohnungen verwandt. 

Wenn nun auch auf Jahre hinaus die Krankenzimmer und die Bettenzahl ausreichten. 
entwickelte sich später immer mehr eine beständige Ueberfüllung wieder, welcher auch durch 
Einrichtung weiterer Krankenzimmer 1876 nicht abgeholfen werden konnte. Daher trat die 
Notwendigkeit ein. auf dem Grundstücke Gr. Hamburgerstr. 11. welches 1871 angekauft worden 



Berlin. — 60 — Königreich Prenssen. 

und auf dem der Bau eines grossen Hospitals geplant war, einen weiteren grösseren Kranken- 
hausbau zu errichte n. 

Eine weitere Steigerung der Anzahl der zu V erpflegenden, zudem die Lieblingsidee, ein 
besonderes Kinderkrankenhaus zu besitzen, veranlasste den Bau auf dem von der städtischen 
Badeanstalt angekauften Theilgrundstüeke Aug-uststrasse 21. Dieses sogenannte Kinderhaus, 
am 6. Jan. 1887 eingeweiht, ist für die Aufnahme von SO Kindern berechnet, gewährt zur Zeit 
jedoch 40 Kindern und 20 (weiblichem Erwachsenen Aufnahme. 

Das neue Hospital, welches längst dringendes Bedürfniss geworden, ist. 1SSS eröffnet. 

Im Jahre 18(iS wurde auf einem von der damaligen städtischen Badeanstalt gekauften 
Theilgrundstüeke Auguststrasse 22 ein grosses Waschhaus errichtet. Dieses enthält parterre 
die durch Dampf betriebene eigentliche Waschküche und darüber in zwei durch Treppe und 
Fahrstuhl verbundenen Geschossen die Trockenböden, von denen der erstere Dampftrocknung 
hat. Die Regelung der für ein Krankenhaus so hochwichtigen Frage des Wäschereibetriebes 
ist dergestalt] dass in jeder Woche die Gesammtwäsche erledigt wird. 

In Verbindung mit dem Waschhause steht die Desinfektionsanlage, in welcher seit 
l s :U nach Aufstellung eines Sterilisators von Budenberg ganze Betten mit vollständiger Lage- 
rung desinfizirt werden können. Die Beleuchtung des Hauses geschieht durch Gas. 

Das Krankenhaus ist an das Stadtfernsprechamt angeschlossen, ausserdem besteht unter 
den einzelnen Häusern bezw. einzelnen Hauptzimmern telephonische Verbindung. 

Nachdem im Jahre 1S95 noch Gr. Hamburgerstrasse 7 zugekauft wurde, sodass ausser 
dem nur 2f>5 qm grossen Grundstücke Nr. 9 sämmtliche Grundstücke von 5 bis 11 dem Hause 
gehören, ist das Areal noch um etwa 1050 qm. also auf etwa 17 fifiO qm gestiegen. 

Die Anlagekosten des St. Hedwig-Krankenhauses belaufen sich insgesammt bis heute auf 
mehr als 2 000 000 M. 

Für eine Erweiterung des Haupthauses wurden die Erdarbeiten im Juni 1899 
begonnen. Die Neuanlage verlängert den der Strassenfront parallel laufenden Theil bis nahe 
zur Grenze des Grundstücks und wendet sich dann in einem rechten Winkel zurück, parallel 
dem langen Schenkel des bisherigen einarmigen Kreuzes, ohne wie dieser (durch die Kapellen- 
anlage i vorzuspringen. Der Neubau soll keine Erweiterung, Mindern nur eine Verbesserung der 
inneren Einrichtung der Anstalt darstellen, vor allem in medizinisch-technischer Hinsicht. Die 
( Operationssäle mit den zugehörigen Bäumen werden hierhin verlegt. 

Insgesammt sind 150 Krankenbetten für chirurgisch Kranke. 330 für innerlich Kranke 
bereit gestellt. 

Eigenthümerin des St. Hedwig-Krankenhauses ist bis 1SS7 die St. Hedwig-Gemeinde 
gewesen. Nachdem aber die Anstalt an Umfang und Bedeutung so erheblieh gewonnen hatte. 
ist sie im Jahre 1887 mit Zustimmung der kirchlichen Gemeindeorgane von St. Hedwig zu 
einer selbständigen Wuhlthütigkeitsanstalt der katholischen Kirche erhoben worden unter der 
offiziellen Bezeichnung ..St. Hedwig- Krankenhaus zu Berlin", bestätigt durch Allerhöchsten 
Erlass vom 5. Okt. 1887, durch welchen dem Krankenhause die Rechte einer juristischen Person 
verliehen worden sind. 

Die Verwaltung und Vertretung der Anstalt nach aussen hat ..das Comite des St. Hedwig- 
Krankenhauses-, dessen gesetzmässiger Vorsitzender der jeweilige Probst von St. Hedwig ist. 

Die Leitung des St. Hedwig-Krankenhauses ist den barmherzigen Schwestern unterstellt, 
und zwar Borromäerinnen. deren Mutterhaus seit 21. Nov. 1N49 sich in Trier befindet. Diese 
haben die gesammte Leitung des Bureaus, der Kasse, der Wirthsehaft und der Apotheke, vor 
allem aber die Pflege der Kranken. Die Leitung der Apotheke untersteht nur den einzelnen 
Schwestern, welche vorher das Apotheker-Examen gemacht haben und die Befugniss, 
eine Dispensiranstalt zu leiten, erhielten. Insgesammt widmeten sich während der 50 Jahre 
302 Borromäerinnen auf kurze oder lange Zeit dem Hause. Von diesen sind '20 in Berlin 
gestorben und G3 in anderen Häusern des Ordens. 

Aerztliche Leitung: Prof. Dr. Rotter, Oberarzt Dr. Wirsing. 7 Assistenzärzte. 

Wartepersonal: 4S barmherzige Schwestern, Borromäerinnen aus Trier, sowie 17 aus- 
gebildete Wärter und 25 Wärterinnen. 

180 Betten (235 für Männer. 24') für Frauen). I. Kl. 7 f. M.. 6 f. Fr.-. H. Kl. 21 f. M., 
6 f. Ft.: DJ. Kl. 207 f. M., 233 f. Fr. 

3 Verpflegungsklassen zu S. 4—5 und 2M für den Tag. 

Aufnahmebedingungen: Es werden auf Kosten der Stadt durch Ueberweisung der 
Armenärzte aufgenommen die Kranken katholischer Konfession, welche ausdrücklich 
ihre Ueberweisung in das St. Hedwig-Krankenhaus verlangen, aus sämmtlichen 
Medizinalbezirken, mit Ausnahme derjenigen Kranken, welche an Epilepsie. Pocken. Krätze. 
Cholera und Syphilis leiden. Dienst bot en-Abonnenien t 9 M für das Jahr. 

1898 worden 5 377 (2 730 m. und 2 fi47 w.) Kranke durchschnittlich 28 Tage verpflegt, 
gestorben sind 391. Ausserdem wurden 42 m. und 98 w. Altersschwache verpflegt. 

Aasgaben 1898: ordentliche 352 300 M, ausserordentliche 39230 M. Die Einnahmen 
betrugen 402 660 M und setzten sieh zusammen aus 34633011 Verpflegungsgeldem, 680 M für 
verkaufte Produkte. 12 000 M Kapitalszinsen. 8200 11 Legaten. Geschenken und Kollekten 
und 35 450 M aus sonstigen Quellen. 



Königreich Preussen. — 61 — Berlin. 

St. Joseph-Krankenhaus (C, Niederwallstr. 8). 1886 von der Kongregation der grauen 
Schwestern von der heiligen Elisabeth in Breslau gegründet und im Besitze der Rechtsfähigkeit. 
Dirigirende Aerite: chirurgische Station Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Fischer, innere 
Station l>r. Schnitze, gynäkologische Station Dr. Glöckner. Augenstation Prof. Dr. Fröhlich, 
Station für Ohren-, Nasen- und Halsleiden Dr. Demme. -i\\ graue Schwestern. 6] Betten. 
Verpflegungssätze: I. Kl. 8 M. II. Kl. 5 M. III. Kl. 3 M. 189S wurden TIS Kranke durch- 
schnittlich 26 Tage verpflegt. — Auch Poliklinik. 

St. Maria-Yictoria-Heilaustalt, Rekonvaleszentenhaus (NW., Karlstr. 29 30). Filiale in 
Südende „Annastift". I s s7 ?om Vereine geprüfter Krankenpflegerinnen der Fräulein Theresia 
und Katharina Gross eröffnet. Eigenthümer: Krankenschwestern von St. Maria-Victoria 
(Mutterhaus der Schwestern vom heil. Dominikns in Arenherg). Hausarzt: Dr. Aleseh. Freie 
Arztwahl. Wartepersonal: 29 Dominikanerinnen aus Arenberg bei Ehrenbreitstein . 1 aus- 
gebildeter Krankenwärter. 63 Betten in 3 Klassen. Kostenpreis für einen Verpflegungstag: 
9, 6, 3M. l s i ls worden 228 :::.. 234 w. Kranke durchschnittlich 15 Tage verpflegt. 8 m., 5 w. 
sind gestorben. 

Krankenhaus der jüdischen Gemeinde (N., Auguststrasse 14 16), von der jüdischen 
Gemeinde im Jahre 1703 Oranienburger>tra ? >c 7 > eröffnet. 1>62 nach der Auguststrasse verlegt. 
Das pneumatische Kabinet unter Trauhe's Leitung erbaut, ist am 1. Jan. 1850 der Benutzung 
übergeben. 1884 ist im Garten der Anstalt eine Isolirbaracke mit 12 Betten für Kranke, die 
an Diphtherie leiden, errichtet. Mehrere Neubauten in neuester Zeit. — Poliklinik. 

Die Anstalt blitzt Rechtsfähigkeit. Vorstand: Der Vorstand besteht aus 9 Personen. 
Vorsitzender. Stadtverordneter Louis Sachs. 

Aerztliche Leitung: Für die innere Station und das pneumatische Kabinet Sanitäts- 
Rath Dr. Lazarus; für die chirurgische Station Prof. Dr. Israel. 4 Assistenzärzte. Warte- 
personal: 9 Schwestern. Schülerinnen des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen. 9 Wärter, 
13 Wärterinnen. 175 Betten, lö auf Extrastation und 157 auf allgemeiner Station. Ver- 
pflegungssätze: auf Extrastation 6 — 12,»o M, auf allgemeiner Station 2 M für den Tag. 
1898 wurden 1699 Kranke durchschnittlich 30,; Tage verpflegt, davon gestorben 16S. 

Augusta-Hospital NW.. Seharnhorststr. la. im Invalidenpark i. zur Krankenpflege und 
Ausbildung von Krankenpflegerinnen, auch Poliklinik. 

Von ihrer Majestät der Kai-erin-Königin Augusta im Jahre 1868 gestiftet, am 6. April 
1870 mit 3G Betten eröffnet. Neubau für 34 kranke Frauen am 26. März 1883 eröffnet. Isolirt 
gelegene Baracke für die von Diphtherie befallenen Kinder. Das 1S73 erbaute Asylgebäude ist 
zu Krankenzimmern I. und H. Klasse umgestaltet. 2 Hospitalbaracken, dem Vereine geschenkt, 
eignen sich zur Belegung während des ganzen Jahres. 

Eigenthümer: Berliner Frauen -Lazaret -Verein: die Anstalt besitzt Rechtsfähigkeit. 
Vorstand: 12 Damen und 10 Herren; Vorsitzende. Frau v. Delbrück. Kuratoren: Geheime 
Ober-Regierungsräthe Spinola und Magnus, Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Köhler. 

Aerztliche Leitung: Für die chirurgische Abtheilung Medizinalrath Prof. Dr. Lindner; 
für die Abtheilung für innerlich Kranke Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Ewald. 5 Assistenzärzte. 
Wartepersonal: Die Krankenpflege wird durch die einem besonderen Verbände angehörigen 
22 Schwestern, sowie durch 4 Diakone und 16 Wärter, 50 Wärterinnen ausgeübt. 167 Betten : 
I. Kl. in. IL Kl. 19, DJ. Kl. HS. 10 f. Knaben. 10 f. Mädchen. 3 Verpflegungsklassen zu 
9, 5 und 2 M täglich; für Kinder 1,25 M. 

Aufnahmebedingungen: Das unter dem Protektorate Ihrer Majestät der Kaiserin- 
Königin stehende Augusta- Hospital ist bestimmt zur Aufnahme von Personen jeden Standes 
und jeder Konfession, welche an akuten körperlichen Krankheiten leiden. Sieche und Unheil- 
bare, sowie auch Pocken- und Cholerakranke sind von der Aufnahme ausgeschlossen. 

Die Aufnahme ist in der Regel abhängig von der Beibringung eines ärztlichen Atteste?. 
welches die Natur der Krankheit und die Wahrscheinlichkeit der Heilung derselben nachweist, 
sowie von der Vorausbezahlung der Kurko?ten auf mindestens 2 Monate, welche erforderlichen 
Falls stets beim Beginne des letzten Monats auf gleiche Zeitdauer erneuert werden mu>- 

Erfolgt die Aufnahme auf Antrag eines Ortsvorstandes oder einer anderen öffentlichen 
Behörde, einer Korporation u. s. w.. so genügt die Einreichung eines Reverses, Inhalts dessen 
sich die betreffende Behörde als Selbstschuldner verpflichtet, nicht allein die Kur- und Ver- 
pflegungskosten dem Augusta-Hospital zu erstatten, ohne dass dasselbe genöthigt ist, sich zuerst 
an den Verpflegten oder an andere zur Zahlung verpflichtete Personen zu halten, sondern auch 
den Kranken sofort zurückzunehmen, wenn derselbe von dem behandelnden Arzte für unheilbar 
erklärt wird oder nicht mehr als Gegenstand eines Heilverfahrens zu erachten ist, oder die 
Hospitalverwaltung aus anderen Gründen seine Entlassung anordnen sollte. 

Eine gesetzliche Verpflichtung zur Aufnahme eines Kranken besteht für das Augusta- 
Hospital nicht; über die Zulässigkeit der Aufnahme entscheidet vielmehr nach seinem alleinigen 
Ermessen das Kuratorium des Augusta- Hospitals, welchem auch das Recht jederzeitiger Ent- 
lassung eines Kranken zusteht. 

Der Kur- und Verpflegungskostensatz ist zur Zeit auf 2 M täglich festgesetzt, wofür neben 
vollständiger Verpflegung ärztliche Behandlung. Arznei und erforderlichen Falles auch Anstalt;- 



Berlin. — 62 — Königreich Preussen. 

kleiduug gewährt wird. Bei Berechnung der Kosten wird sowohl der Tag der Aufnahme, wie 
der der Entlassung für voll gerechnet. 

Es werden auf Kosten der Stadt durch Ueberweisung der Armenärzte hei Ueber- 
füllnng des Krankenhauses Moabit aufgenommen die chirurgischen Kranken (Männer, Frauen, 
Kinder) aus den Mediziualbezirken Nr. 53, 54, 56, 57, 58, 59, Gl, 62 und 65. 

Verpflegte Kranke 1898: 1960, davon 1087 in der medizinischen, S73 in der 
chirurgischen Abtheilung, durchschnittlich 27 Tage, gestorben sind 285. 

Ausgaben und Einnahmen 1898: 170029,28 M (131571,57 M Verpflegungsgelder). 

Elisabeth -Kinderkrankenhaus, Diakonissenanstalt (S., Haseuhaide 80), auch Poli- 
klinik. Von einem Vereine von 15 Herren auf Anregung des Obersten v. Webern am 13. April 
1843 gegründet; genannt nach der Protektorin Königin Elisabeth von Preussen. Ursprüng- 
lich eine Filiale der seit 1838 bestehenden Kleinkinder -Bewahranstalten, Wilhelmstrasse 133. 
Das Grundstück Pionierstrasse 7 a ist am 3. April 1844 mit 20 Betten eröffnet, seit 1. April 1887 
in der neuen Anstalt. Die Anstalt besitzt Rechtsfähigkeit seit 1845. 

Vorstand: Komite; Vorsitzender, General v. Grolmann; stellvertretender Vorsitzender, 
General v. Brauchitsch. Oberin, Fräulein Anna v. Lancizolle. Aerztliche Leitung: 
Dr. Görges. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 25 Diakonissen. 100 Betten. Kostenpreis 
für einen Verpflegungstag: 1,25 M, aber häufig ermässigt. 

Aufnahmebedingungen: Es werden auf Kosten der Stadt durch Ueberweisung 
der Armenärzte die einer Hospitalpflege bedürftigen Kinder im Alter von 2 — 9 Jahren auf- 
genommen, mit Ausnahme der an einer ansteckenden Krankheit oder an Epilepsie leidenden, 
aus allen Medizinalbezirken. Die Stadt zahlt 1,25 M für den Tag. 

1898 wurden 606 Kranke (300 Knaben und 306 Mädchen) durchschnittlich 40,6 Tage 
verpflegt, gestorben sind 139. Ausserdem wurden verpflegt: 9 Personen zur Ausbildung und 
8 Krankenbegleiter, 

Ausgaben 1898: ordentliche 47 047,23 M, ausserordentliche 3 699, 70 M. Die Einnahmen 
betrugen 52 680,95 M und setzten sich zusammen aus 25 672,75 M Verpflegungsgeldern, 5 812,40 M 
Kapitalzinsen, 2 000 M Zuschuss der Gemeinde, 14 437,80 M Legaten, Geschenken, Kollekten 
und 4 758 M aus sonstigen Quellen. 

Kaiser und Kaiserin Friedrich-Kinderkrankenhaus (N., Reiniekendorferstr. 32). Die 
Anstalt wurde unter dem Protektorat Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Friedrich 
von einem Komitee Berliner Bürger und Frauen, an dessen Spitze Geh. Medizinal-Rath Professor 
Dr. Virchow stand, begründet und am S. August 1890 eröffnet, 1896 vergrössert. Besitzer 
und Vorstand: Das Komitee. Direktor und dirigirender Arzt der inneren und Infektions- 
Abtheilung: Prof. Dr. A. Baginsky, der chirurgischen Abtheilung: Prof. Dr. Gluck, 6 Assistenz- 
ärzte. Wartepersonal: 19 Victoriaschwestern und 25 Hilfswärterinnen. 233 Betten. Kosten- 
preis für einen Verpilegungstag: 1,50 M. Auf Kosten der Stadt werden Kinder, welche an 
ansteckenden Krankheiten leiden (Diphtherie, Scharlach, Masern u. s. w.) aufgenommen. 1898 
wurden 2 929 (1483 Knaben, 1446 Mädchen) Kranke durchschnittlich 18,7 Tage verpflegt, 
607 sind gestorben. Ausgaben 1898: 175 899,27 M; die Einnahmen betrugen 85 772,39 M und 
setzten sich zusammen aus 83 283 M Verpflegungsgeldern, 110, 70 M an verkauften eigenen 
Produkten, 178,64 M an Legaten, Geschenken, Kollekten und 2 200,05 M aus sonstigen Quellen. 

Das an der Ecke der Reinickendorfer- und Exerzierstrasse gelegene 19 000 qm grosse 
Bauterrain gab die Stadt Berlin unentgeltlich her und unterstützte auch die Bestrebungen des 
Komitees, die von den städtischen Behörden für eine Stiftung zum Andenken des hochseligen 
Kaisers Friedrich bewilligte Summe von 50 000 M dem Baufonds zuzuwenden. Beim Bau 
sollte in erster Reihe auf die an kontagiösen Krankheiten leidenden Kinder Bedacht genommen 
werden, wobei vorzugsweise Diphtherie, Scharlach, Masern und Keuchhusten in Frage kamen. 
Deshalb wurde für jede dieser Krankheitsfbrnien ein für sich bestehendes, durchaus isolirtes 
Gebäude errichtet, mit den erforderlichen Wohnungen für Aerzte und Wartepersonal, sowie mit 
Desinfektionseinrichtungen für ein- und austretende Personen. Ferner wurde, um dem Kranken- 
hause nicht den ominösen Charakter eines blossen Kotagienhauses zu gebeu, baulich im Zu- 
sammenhange mit dem Verwaltungsgebäude, ausserdem je eine Abtheilung für nicht kontagiöse 
innere und äussere Kranke, errichtet. Zur Behandlung ambulanter Kranken dient ein eigenes 
Gebäude für die Poliklinik, mit der in zweckmässiger Weise, um Einschleppungen kontagiöser 
Krankheiten von aussen her in die stationären Abtheilungen zu verhüten, eine Quarantäue- 
station in Verbindung gebracht ist. Ausser dem Hauptverwaltungsgebäude mit den bereits 
erwähnten beiden Flügeln für die nicht kontagiösen Krankheiten sind noch zu erwähnen das 
Leichenhaus und das Wasch- und Kesselhaus. Das Leichenhaus enthält im Erdgeschoss die 
Wohnung für den Wärter, das Sektionszimmer, das Aufbahrungszimmer und die Kapelle, im 
Obergeschoss 3 Räume für die wissenschaftlichen Arbeiten der Aerzte. Das Wasch- und Kessel- 
haus enthält neben den Einrichtungen für den Betrieb der Wäscherei eine Desinfektionsanstalt, 
Aufbewahrungsräume für die reine Wäsche, die Kesselanlage für den Betrieb und die zentrale 
Heizung der ganzen Anstalt mit den erforderlichen Nebenräumen, sowie einige Wohnungen. 
Die Waschanstalt liegt im Erdgeschoss und ist mit Dampf und maschinellem Betrieb versehen. 
Das geräumige Kesselhaus ist für 6 grosse stehende Dampfkessel eingerichtet. In unterirdischen 



Königreich Preussen. — 63 — Berlin. 

Gängen wird der für die Heizung der ganzen Anstalt erforderliche Dampf den einzelnen Ge- 
bäuden zugeführt, in denen er die mehr untergeordneten Räume durch direkt wirkende Dampf- 
heizkörper, die eigentlichen Krankenräunie erst mittels einer Warmwasserheizung erwärmt. Die 
Kochküche mit ihren Nebenräumen ist in einem Anbau am Gebäude der Poliklinik untergebracht, 
wobei eine absolute Trennung des Betriebes durchgeführt ist. 

Privat- Heilanstalten.*) 

Dr. Buzzi's Sanatorium (W., Vossstr. 15). 12 Betten. Verpflegungspreis 14 — 25 M täglich. 

Sanatorium des Dr. Ehrlich (W., Augsburgerstr. 98]. 

Heilanstalt von Geh. Medizinalrath Prof. Dr. v. Leyden (W., Corneliusstr. 4a). 3. April 
1886 eröffnet. 1 Assistenzarzt. 2G Betten. Verpflegungspreis 10 — 18 M täglich. 

Heilanstalt des Dr. Vogt (W.. Magdeburgerstr. 16). 1898 eröffnet. 4 Betten. 

Sanatorium Hansaplatz (NW., Lessingstr. 46). Allgemeines Privatkrankenhaus. 
1. Juli 1885 von Dr. Oppenheim errichtet. Neubau. 56 Betten. Verpflegungspreis 8 — 15 M täglich. 

Dr. S. Munter's Wasserheilanstalt (SW., Schützenstr. 29). 1. Dezember 1899 neu 
eröffnet. 

Humboldhaus (N., Oranienburgerstr. 67). Heilanstalt der verw. Hauptmann Deycks. 
Anstaltsazrt Dr. Vollmer. Mehrere Aerzte behandeln hier ihre Patienten. 54 Betten. Ver- 
pflegungskosten 10—20 M, 6—7 M und 2—3 M täglich. 

Heilanstalt von Dr. Eisenberg (SW., Königgrätzerstr. 46). 11 Betten. Verpflegungs- 
preis 12 — 20 M täglich. 

Heilanstalt für Verdauungskrankheiten (N., Alt- Moabit 121). Arzt: Dr. Boas. 

1 Assistenzarzt. 12 Betten. Verpflegungspreis 9 — 15 M täglich. 

Heilanstalt für Magen- und Darmkrankheiten von Prof. Dr. Rosenheim und 
Dr. Flatow (W., Königin-Augustastr. 29). 30 Betten. Verpflegungspreis 10 — 25 M täglich. 

Heilanstalt für Nervenkranke (NW., Dorotheenstr. S). Arzt: Prof. Dr. Mendel. 

2 Assistenzärzte. 68 Betten in 3 Klassen. Verpflegungspreis 10 — 15 M, 7 — 10 M, 2 — 3 M täglich. 

(Kommunalstation mit 25 Betten. 1 m., 2 w. ausgebildete Krankenwärter. Ver- 
pflegungskosten 2 — 3 M täglich. 1898 wurden 124 m. und 72 w. Kranke durchschnittlich 41 Tage 
verpflegt, 1 m., 2 w. sind gestorben.) 

Heilanstalt von Frau v. Tevenaar (NW., Altonaerstr. 32). Eröffnet 1898. 15 Betten. 
Aerzte: Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Eulenburg und Prof. Dr. Klemperer. 

Heilanstalt von Elise Vorwerk (W., Rankestr. 31/32). Aerzte: Drs. Graefe, 
Müllerheim, Witte, Spener, Sperling, Witkowsky. 8 Schwestern. 32 Betten. 

Wasserheilanstalt des Buchhändlers Richter (S., Sebastianstr. 27/28). 75 Betten. 

Medizinische Lichtheilanstalt Rothes Kreuz (NW., Luisenstr. 51). 

Heilanstalt der Frau Jahn (Gr. Hamburgerstr. 20) 12 Betten. 

Heilanstalt der Wittwe Immisch (Belleallianceplatz 7/8). 4 Betten. 1888 
eröffnet. 

Heilanstalt des Kaufmann Schindler (Königgrätzerstr. 104/105). 79 Betten. 
20. November 1899 eröffnet. 

Privat-Heilanstalten für chirurgische Krankheiten*) 

von Geh. Medizinalrath Prof. Dr. v. Bergmann (N., Johannisstr. 11). 35 Betten. 

— Prof. Dr. Gluck (W., Potsdamerstr. 113). 1894 eröffnet. 23 Betten. 

— Dr. Hadra (0., Markusstr. 1). Eröffnet 1888. 2 Assistenzärzte. 30 Betten. 4 Ver- 
pflegungsklassen zu 6 — 8 M, 4 — 6 M, 3 und 2 M täglich. 

— Geh. Sanitätsrath Prof. Dr. Hahn (W., Charlottenstr. 59). 1 Assistenzarzt. 18 Betten. 
Verpflegungspreis 5 — 10 M täglich. 

— Prof. Dr. Israel (W., Kurfürstenstr. 42). 1 Assistenzarzt. 17 Betten. Verpflegungs- 
preis 5 — 15 M täglich. 

— Dr. Kare ws ki (W., Potsdamerstr. 28). 2 Assistenzärzte. 35 Betten. Verpflegungs- 
preis 6 — 15 M täglich. Neubau 1900 (Meineckestr.). 

— Dr. Levy (N., Prenzlauer Allee 36b). 35 Betten. Verpflegungspreis 10, 4 und 2 — 3M 
täglich. 

— Dr. Manasse (S., Elisabethufer 46). 11 Betten. Verpflegungspreis 3 — 10 M täglich. 

— Dr. Rüben (SW., Neuenburgerstr. 14); vom verstorbenen Geh. Medizinalrath Guetorbock 
1879 eröffnet. 22 Betten. Verpflegungspreis 2 — 10 M täglich. 

— Dr. Schleich (SW., Friedrichstr. 250). 8 Betten. 

— Prof. Dr. Seh üll er (N., Oranienburgerstr. 67). 

— Sanitätsrath Dr. Settegast (SW., Alexandrinenstr. 118). 1. Okt. 1888 eröffnet. 
1 Assistenzarzt. 28 Betten. Verpflegungspreis 8 — 10 M, 4—6 M und 2 — 3 M täglich. 

- Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Wolff (NW., Am Zirkus 9). 15. Mai 1882 Karlstr. 28 
eröffnet, seit 1885 im jetzigen Gebäude. 1 Assistenzarzt. 47 Betten. Verpflegungspreis 10 — 15 M, 
5— 6^M und 2—3 M, für Kinder 8, 4 und 1,50—2 M täglich. 



*) In der Zusammenstellung der Privat-Heilanstalten ist der Name des behandelnden Arztes genannt, 
der nicht immer Eigenthümer oder Inhaber der Anstalt ist. 



Berlin. — 64 — Königreich Preussen. 

Berufsgenossenschaftliche Unfallstation III (SO., Mariannenufer 2). Arzt: 
Dr. Bode. 2 Assistenzärzte. 27 Betten. Verpflegungspreis 4 31 täglich. 1S9S wurden 218 m., 
10 w. Kranke durchschnittlich 30 Tage verpflegt, 4 m. sind gestorben. 

— Unfallstation IV (XW.. Flensburgerstr. 18). Aerzte: Dr. .Speyer, Dr. Weibgen. 
2 Assistenzärzte. 29 Betten. 189S wurden 186 m., 22 w. Kranke durchschnittlich 35,5 Tage 
verpflegt. 1 m. ist gestorben. 

Heilanstalt für Chirurgie und Frauenkrankheiten von Dr. Bull (Ö., Andreasstr. 15). 
1893 eröffnet. 3 Assistenzärzte. 35 Betten (10 f. M., 25 f. Fr.). Verpflegungspreis 10, 4 und 2 31 
täglich. 

— von Dr. Gutermanu (X.. i »ranienburgerstr. 57). 1 Assistenzarzt. 24 Betten. Ver- 
pflegungspreis 10, 6 und 2 31 täglich. 

— von E. Wagner (W., Magdeburgerstr. 2). Aerzte: Prof. Dr. Rinne, Dr. de Ruyter 
und Dr. Kirchhoff für Chirurgie, Dr. Borchert für Blasenkrankheiten, Dr. Bröse und 
Dr. Bokelmann für Gynäkologie. 32 Betten. Verpflegungskosten fi.so — 12 31 täglich. 

Heilanstalt für chirurgische, gynäkologische und Augen-Kranke der Frau Dr. Stoek- 
niann (W., 3Iartin Lutherstr. 88, Schöneberg). Aerzte: Geh. Sanitätsrath Dr. Jaquet. 
Prof. Dr. Körte. Sanitätsrath Dr. Schülein und Dr. Plehn. 34 Betten. Verpflegungspreis 
2—12 31 täglich. 

Privat-Heilanstalten für Frauenkrankheiten*) 

von Dr. Abel (W., Steinmetzstr. 15). 34 Betten. Verpflegungspreis 2 — 12 31 täglich. 

— Dr. Anuschat (N., Wollinerstr. 46). Eröffnet Oktober 1898. 6 Betten. Verpflegungs- 
preis 2 — 6 31 täglich. 

— Dr. Behni (NW., Luisenplatz 6 1. Eröffnet Juni 1888. 8 Betten. VerpÜegungspreis 
•2—10 M täglich. 

— Dr. Bodenstein (W.. Augsburgerstr. 98). 

— Dr. Bokelmann (W., 3Iagdeburgerstr. 2). Seit 1886. 41 Betten. 

— Dr. Bröse (S., Oranienstr. 131). Eröffnet Juni 1S92. 1 Assistenzarzt. 18 Betten. 
Verpflegungspreis 3 — 10 31 täglich. 

— Sanitätsrath Dr. Bunge (S., Luisenufer 17). Eröffnet Oktober 1891. 1 Assistenzarzt. 

10 Betten. Kostenpreis für einen Verpflegungstag 5 — 6 31. 3 — 4 31 und 2 M. 

— Dr. Czempin (W., Königin-Augustastr. 12). Eröffnet 1890. 2 Assistenzärzte. 22 Betten. 
Verpflegungspreis 2 — 15 31 täglich. 

— Prof. Dr. Dührssen (NW., Schiffbauerdanim 31). 20 Betten. Verpflegungspreis 
3—12 M täglich. 

— Dr. Gottschalk (W., 3Iotzstr. 18). 20 Betten. Verpflegungspreis 2—15 31 täglich. 
- Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Gussero w (W., Königgrätzerstr. 53). 6 Betten. 

— Geh. Sanitätsrath Dr. Jaquet (W., 3Iartin Lutherstr. 88, Schöneberg). 

— Dr. Lesse. (W., Bülowstr. 46). 1. Dezember 1899 eröffnet. 8 Betten. 

— Prof. Dr. Landau (NW., Philippe. 21). Eröffnet Oktober 1892. 62 Betten. Ver- 
pflegungspreis 5 — 20 31. für Mitglieder der Krankenkassen 2 31 täglich. 

— Dr. Mackenrodt (X.," Johannisstr. 10). Eröffnet am 21. Juni 1893. 3 Assistenzärzte. 
57 Betten. Verpflegungspreis 3 — 20 31, für 3Iitglieder der Krankenkassen 2 31 täglich. 

— Dr. Müllerheim [W., Rankestr. 31/32). 

— Dr. Odebrecht (8., Prinzenstr. 84). Eröffnet 1884. 11 Betten. Verpflegungspreis 
3 — 10 M, für 3Iitglieder der Krankenkassen 2 31 täglich. 

— Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Olshausen (W., Friedrich Wilhelmstr. 13). 24 Betten. 

— Dr. Orthmann (X.. Elsasserstr. 85). Eröffnet von Prof. Dr. 3Iartin im Januar 1877. 
36 Betten. Verpflegungspreis 3 — 20 31. für 3litglieder der Krankenkassen 2 31 täglich. 

— Dr. Pinkuss"(\Y.. Lutherstr. 30). 13 Betten. Verpflegungspreis 2—12 31 täglich. 

— Sanitätsrath Dr. Rüge (SW., Hedemannstr. 6) zusammen mit Dr. Flaischlen und 
Dr. Keller. 44 Betten. Verpflegungspreis 4 — 12 31 täglich. 

— Dr. Rumpf (C. Kaiser AVilhelmstr. 181). Eröffnet April 1889. 18 Betten. Ver- 
pflegungspreis 10, 6 und 2 — 3 M täglich. 

— Dr. Schaeffer (W., Kürfürstenstr. 31/32). 1 Assistenzarzt. 12 Betten. Verpflegungs- 
preis 6—12 31 und 2—3 31 täglich. 

— Dr. Schwarze (W.. Barbarossastr. 74, Schöneberg). 16 Betten. Verpflegungspreis 
täglich von 2, so M an. 

— Dr. Steffeck (S.. Kamphausenstr. 20). IS Betten. Verpflegungspreis 2—14 31 täglich. 

— Dr. Vogel (SO., Jlichaelkirehplatz 10). Eröffnet am 1. Juli 1897. 1 Assistenzarzt. 

11 Betten. Verpflegungspreis 2 — 12 31 täglich. 

— Dr. Zepler (XW.. Chausseestr. Sl). 23. Aug. 1S99 eröffnet, 5 Betten. Verpflegungs- 
preis 4 — 10 31 und 2 — 3 31 täglich. 

— Pflegestation des Berliner Frauenvereins (\V., Bülowstr. 14). Inhaberin: 
Anna Knopp. Dr. Franziska Tiburtius. 7 Betten. Verpflegungspreis 8 — 10 31, 5 — 7 M 
und 3 M täglich. 

*) Siehe Anmerkung auf 9. 68. 



Königreich Prenssen. — 65 — Berlin. 

Privat-Heilanstalten für Ohren-, Nasen-, Hals- und Kehlkopf krankheiten*) 

Ton Dr. Fiat au |W.. Lützowstr. 12). 3 Betten. Verpflegungspreis 2 und 3M täglich. 

— Dr. Herzfeld ISO.. Brüekenstr. 10b). Eröffnet im April 1894. 2 Assistenzärzte. 

19 Bitten. Yerpneirungspreis 3 — 10 M täglich. 

— Privatdozent Dr. Jansen. (NW., Karlstr. 30). 

— Dr. Lowe (NW., Karlstr. 32). 3 Betten. Verpflegungspreis 2 — 6 M täglich. 

— Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Trautniann (W, Sigismundstr. 6). 23 Betten. Ver- 
pflegungspreis 6 — 15 M. für Kinder ö II täglich. 

Privat-Heilanstalten für Hautkranke, für Blasen-, Nieren- und 
Geschlechtskrankheiten *) 

von Dr. Blaschko (SO.. Brüekenstr. 13). Dezember 1j>93 eröffnet. 2 A?sistenzärzte. 
14 Betten. Verpflegungspreis 10, 6 und 3 M. für Mitglieder der Krankenkassen 2 51 täglich. 

— Dr. Borchert i\V.. Magdeburgerstr. 2). 

— Privatdozent Dr. Casper. |X.. Oranienburgerstr. 67). 

Dr. E. Frank (N, Oranienburgerstr. 67 — Hnmboldhaus ). Verpflegungspreis 3 bis 30 M. 
für Mitglieder der Krankenkassen 2 — 4 M tätlich. 

— Dr. Isaac |W.. Friedrichstr. 171). 1. April 1890 eröffnet. 14 Betten. Verpflegungs- 
preis 12. s und 2 M täglich. 

— Dr. Kutner iX.. Priedrichstr. 125). 4 Betten. 

— Prof. Dr. Lassat (NW., Karlstr. 19). 1. Jan. 1SS4 eröffnet. 40 Betten. Verpflegungs- 
preis 2 — 12 M täglich. 

— Dr. Ledermann (N., Chausseestr. 2F). Verpflegungspreis 2 — 10 M täglich. 

— Dr. Müller (N, Gr. Hamburgerstr. 18/19). 18 Betten. 

— Privatdozent Dr. Xitze. iX.. Oranienburgerstr. 67). 

— Dr. Oestreicher (X., Oranienburgerstr. 74). 1. Jan. 1S92 eröffnet. 6 Betten. 
Verpflegungspreis s — 12 M täglich. 

— Dr. Rosenthal ('S.. Oranienburgerstr. 40/41). 19 Betten. Verpflegungspreis 3 bis 

20 M. für Kinder l.so M. für Mitglieder der Krankenkassen 2 M täglich. 

Privat-Heilanstalten für Augenkranke*) 

von Dr. Casper (C., Nene Promenade 5). 12 Betten. Verpflegungspreis 3 — 12 H, für Mit- 
glieder der Krankenkassen 2 M täglich. 

— Prof. Dr. Fröhlich (C, Xiederwallstr. - 9). 28 Betten. Verpflegungspreis 3—12 M. 
für Kinder 1 — 6 M täglich. 

— Dr. Gutmann (NW., Schiffbauerdamm 20). Eröffnet 18S6. 2 Assistenzärzte. 40 Betten, 
Verpflegungspreis 3 — 12 M. für Kinder 2 — 8 M. für Mitglieder der Krankenkassen 2 M täglich. 

— Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Hirschberg |XW.. Karlstr. 36). Eröffnet 1869. 
2 Assistenzärzte. 40 Betten. Verpflegungspreis I. Kl. 7—10 M. II. Kl. 5 M. HI. Kl 3 M. 
IV. Kl. Erwachsene 2. Kinder 1.50 M täglich. 

— Sanitäts-Kath Dr. Katz (W., Potsdamerstr. 29). Eröffnet 1874. 1 Assistenzarzt. 
40 Betten. Verpflegungspreis 2 M täglich. 

— Drs. Lehmann und Wertneim (NW., Albrechtstr. 22). Oktober 1895 eröffnet. 
27 Betten. Verpflegungspreis 3 — 10 M. für Kinder 1 — i M. für Mitglieder der Krankenkassen 
2 H täglich. 

— Dr. Plehn (W. Martin Lutherstr. 88). 

— Geh. Medizinalrath Professor Dr. Schüler (NW., Karlstr. 2). 2 Assistenzärzte. 
50 Betten (I. Kl. 5. II. Kl. 10. HI. Kl. 15, IV. Kl. 20). Verpflegungspreis 10, 6, 4 und 
2.50 M täglich. 

— Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Schweigger (NW., Marienstr. 23). Eröffnet 1873. 
1 Assistenzarzt. 14 Betten. Verpflegungspreis 5 — 10 M täglich. 

— Dr. Settegast (0.. Wallnertheaterstr. 21 1. 22 Betten. Verpflegungspreis 2—6 M 
täglich. 

— Prof. Dr. Siles (NW., Karlstr. 29/30). 

Privat-Heilanstalt für Kinderkrankheiten und Poliklinik von Privatdozent Dr. Xeu- 
mann (0., Blumenstr. 7s). 6 Berten. Verpflegungspreis 3 — 9 M für Erwachsene, 2 — 6 M 
für Kinder täglich. 

Heilstätten für Lungenkranke, für Nervenkranke, für Genesende, siehe Blankenburg, 
Blankenfelde. Buch, Grunewald. Heinersdorf. Lankwitz, Liehterfelde, Malchow. Pankow, 
Schlachtensee, Zehlendorf. 



*1 Siehe Anmerkung auf S. 63. 
Gattstadt, Krankenhaus-Lexikon für du Deutsch« Reich. 



Berlin. — 66 — Königreich Preussen. 

Privat-Anstalteu für Heilgymnastik, Massage, Ortkopaedie*) 

von Sanitäts-Rath Dr. Beely (W., Steglitzerstr. 10 1. 

— Dr. Bernhard und Dr. Blumenthal (C.. Alexanderste. 38). 

— Dr. Bourwiei: iX.. < 'rann-nburgerstr. 67). 

— Dr. David (N., Oranienburgerstr. 54). 

— Sanitäts-Rath Dr. Ewer (NW., Karlstr. 5 a). 

— Dr. Golebiewski, 31eehano-therapeutisehe Anstalt für Unfallverletzte (SW., Gross- 
beerenstr. 2Sd). 11 Betten. Verpflegungspreis 3,50 31 täglich. 

— Dr. Honig (W.. Passauerstr. 40). 23 Betten. Verpflegungspreis 4 31 täglich. 

— Dr. Immelmann und Dr. Straeter (W., Lützowstr. 72). 

— Dr. Joseph (SO., Brüekenstr. 7). 

— Dr. Lubszynski (W, Linkste. 22). 

— Dr. Maass (0., Blumenstr. ?8). 

— Dr. Gg. Müller, Orthopädische Anstalt (N., Johannisste. 15). 44 Betten. Verpflegungs- 
preis 3,50 — 15 31 täglich. 

— Dr. Paradies (W., Bayreutherstr. 1). 

— Dr. Schütz, Medico-mechanisehes Institut |\V.. Wilhelmste. 92/93, Architektenhaus). 

— Dr. Wulff ert (NW., Calvinste. 21a). 

— Prof. Dr. Zabludowski. Institut für Massage (NW., Karlstr. 8). 

— Lehrerin Frl. Wegner, Orthopädisches Institut für Frauen (W.. Potsdamerstr. 66). 
1897 eröffnet. 2 Betten. 

Irrenanstalten. 

Universitätsklinik für Geisteskranke, siehe Charite. 

Städtische Anstalten für Geisteskranke, siehe Dalidorf und Herzberge. 
Städtische Idiotenanstalt, siehe Dalldorf. 

Städtische Anstalt für Epileptische, siehe Biesdorf ..Wuhlgarten". 
Privat-Irrenanstalten, siehe Charlottenburg und Westend. Grunewald, Lankwitz. 
Lichterfelde, Pankow, Schlachtensee. Schöneberg. Steglitz. Weissensee und Zehlendorf. 

Entbindungsanstalten. 

Charite-Krankenhans, siehe S. 34 und 35. 

Koni gl. Universitätsklinik für Geburtshilfe und Frauenkrankheiten (N., Artillerie- 
strasse 13/16). Die Anstalt dient in erster Linie zu Lehrzwecken. Am 12. Nov. 1817 wurde 
Oranienbnrgerstr. 29 die Entbindung<an.-talt mit > s Betten eröffnet. 1830 nach Dorotheenstr. 5 
verlegt und am 15. Aug. 1882 die jetzige Anstalt eröffnet. Eigen thü mer: Fiskus. Ministerium 
der geistlichen, Unterrichts- und 3Iedizinalangelegenheiten. Vorstand und ärztliche Leitung: 
Direktor, Geheimer 3Iedizinalrath Prof. ord. Dr. Olshausen: Oberarzt Dr. Koblanek: 4 Assistenz - 
und 3 Volontärärzte. Wartepersonal: 1 Ober-, 1 Unterhebamme: als Leiterin der Pflege 
1 Pflegerin aus dem Victoriahanse; 19 ausgebildete Krankenwärterinnen. Ausserdem 3 Heb- 
ammen- und 7 Kranken wartschülorinnen. 144 Betten (in der geburtshilflichen Abtheilung 75, 
in der gynäkologischen Abtheilung i ;,| i. 

Verpflegungssätze und Aufnahmebedingungen: Die Kosten, welche in den 
4 Klassen der gynäkologischen Abtheilung 10, 7,50, 5 und 2 31 täglich betragen, müssen bei 
der Aufnahme für 1 3Ionat im Voraus bezahlt werden; die Aufnahme ist von dem Befunde 
der vorangehenden ärztlichen Untersuchung in der Anstalt abhängig. Die zu ihrer Entbindung 
Aufgenommenen haben einmal 36 31 für die ganze Dauer ihres Aufenthaltes, soweit derselbe 
mit der Entbindung zusammenhängt, zu zahlen; nachweislich armen Personen kann diese 
Zahlung erlassen werden; für Wohlhabende 7.50 31 täglich. 

1898/99 wurden 1 376 Wöchnerinnen, darunter 26 Wohlhabende, durchschnittlich 15 Tage 
verpflegt. 27 sind gestorben: die Anzahl der behandelten Frauen betrug 1016, davon in I. Kl. 
39, H. Kl. 56, HL Kl. 139 und in IV. Kl. 782 durchschnittlich 21 Tage, gestorben sind 51. 

Die Ausgaben und Einnahmen beliefen sich auf 187 61S 31. unter letzteren waren 
27 607 M eingegangene Verpflegungsgelder und L06 180 31 Staatszuschuss. 

Bauliche Beschreibung: Gesammtareal S275qm, davon bebaut 3 9S3 qm. Rhombus. 
Das nach Süden durch die Spree, nach Osten durch die Speicher der Speicher-Aktiengesellschaft 
abgegrenzte Grundstück wird nach der Artilleriestrasse und der Ziegelstrasse zu von durch- 
laufenden Gebäuden umschlossen. In dem so gebildeten Hofe liegen drei untereinander und 
mit den Hauptgebäuden durch verdeckte Gänge verbundene Pavillons, so dass die ganze Anlage 
ein gemischtes Korridor- und Pavillonsystem darstellt. Mattgelber Ziegelrohbau. 

Das nach der Artilleriestrasse zu gelegene Hauptgebäude hat 1893 einen neuen Hörsaal 
mit ISO amphitheatralisch angeordneten Sitzplätzen erhalten neben einer grösseren Anzahl von 
Stehplätzen. 



*) Siehe Anmerkung auf S. 63. 



Königreich Preussen. — 67 — Berlin. 

Wöchnerinneuheini am Erbau. Von einem Verbände hilfsbereiter Dämon aus Vereins- 
mitteln gegründet und am 1. Mai 1897 eröffnet. Vorstand: Frau Staatsminister Gräfin 
v. Posadowsky. Aerzte: Dr. Heideniann und Sanitäts-Rath Dr. Rüge. 35 Betten, davon 
30 für bedürftige Ehefrauen und ."> gesondert gehalten, tür ledige Personen, die sich in 
dringender Noth befinden. 

Heimstätte für gefallene Mädchen iN. Sandstr. 14). Die Anstalt hat 1889 Rechts- 
fähigkeit erhalt, n. Vorstand: Prediger Dr. Freiherr v. Soden. Arzt: Dr. Apfelstedt. 30 Betten 
tür Mädchen. 25 Betten für Kinder. 1S9S wurden 122 Mädchen und 75 Kinder verpflegt, durch- 
schnittlich 92 und 114 Tage, gestorben 19 Kinder. Unterhaltungskosten 16 100 M. 

Anstalt für hilfsbedürftige Wöchnerinnen und ihre Säuglinge. Oktober 1899 aus 
wohlthätigen Mitteln begründet. Vorstand: Privat dozent Dr. Neumann (W., Potsdamer- 
strasse 121c). Zweck der Anstalt ist. hilfs- und obdachlosen Wöchnerinnen nach ihrer Ent- 
hin düng (nach der Entlassung aus öffentlichen Anstalten) nebst ihren neugeborenen Kindern 
Unterkunft für kurze Zeit zu gewähren und durch Arbeitsvermittelung und Nachweis 
von Kinderpflegerinnen-Anstalten ihr weiteres Fortkommen zu erleichtern. Gelegentlich können 
aus der Anstalt auch Ammen abgegeben werden, nachdem ihr Gesundheitszustand und ihre 
Milehmenge ausreichend festgestellt ist. 

Wöchnerinnen-Keim iSW. Lankwitzstr. 4). Errichtet von der Heilsarmee zur Aufnahme 
und Verpflegung gefallener Mädchen i Prostituirte ausgeschlossen) bei der Niederkunft. Geleitet 

von einer früheren Oberhebamme unter Aufsicht eines approbirten Arztes. 

Heimstätte für schwangere oder eben entbundene Mädchen mit deren Kindern 
X.. Drontheimerstr. 19). 1897 wurden 141 Mädchen aufgenommen: 97 Kinder in der Anstalt. 
13 davon wurden in Pflege gegeben. 

82 Privat-Entbindungsanstalten von Hebammen. 

Hospitäler und Siechenhäuser. 

Städtisches Friedrich- Wilhelms-Hospital (NO., PaJIisadenstr. 37 und Grosse Frank- 
furterstr. 22). ..Alterversorgungsanstalt ." 

Schon 1727 war in dem 1726 begründeten grossen Charite - Krankenhause eine 
besondere Abtheilung zur Unterbringung und Pflege alter würdiger Leute eingerichtet worden. 
Vielfache Klagen gaben die Veranlassung, dass König Friedrich Wilhelm DU. eine Untersuchungs- 
kommission einsetzte und auf deren Bericht am 19. Nov. 1798 befahl, dass ein besonderes 
Hospital einzurichten sei. Er schenkte auch zu diesem Zweck das seiner Zeit der Tabaks- 
administration gehörige, vor 150 Jahren (17491 im jetzigen ..Köllnischen Park" errichtete 
Zuckersiedereigebäude an der Wallstrasse und WaisenbrücKc und wies die General-Lotterie- 
direktion an. dem Hospital alljährlich 10 000 Thlr. zu zahlen. Das geschenkte Gebäude ward 
vom Architekten Moser dann zur Aufnahme von 200 armen Hospitaliten so schnell eingerichtet. 
dass es schon im Oktober 1799 bezogen werden konnte. Nach dem am 7. Juni 1840 erfolgten 
Ableben des Königs wurde es im Magistratskollegium alsbald angeregt, der Anstalt aus Pietät 
und Dankbarkeit den Namen des verblichenen Monarchen beizulegen. Der Magistrat beschioss 
jedoch, zunächst den Bau eines neuen, grösseren Hospitalgebäudes, des jetzigen, vorzubereiten. 
König Friedrich Wilhelm IV. machte zu diesem Zweck ein Geschenk von 20 000 Thlr.: eine 
gleich hohe Summe spendeten ferner der Bankier v. Magnus durch eine ..Fanny-Stiitun>r- 
(60000 M) und der Bankier Fränkel mit Errichtung einer ..Annen-Stiftung- (9 000 Mi. 

1846 konnte mit den Arbeiten zur Bebauung der neuen Anstalt, die dann den Namen 
..Friedrich Wilhelms-Hospital" zu Ehren ihres Begründers und Förderers führen sollte, begonnen 
werden. Drei Jahre währte der Bau. vom Stadtbaurath Krevher errichtet, mit einem Kosten- 
aufwand von 250000 M. Am 3. August 1 >>-!;• konnte das für öi i<> Insassen berechnete Gebäude 
von 366 Hospitaliten beider Geschlechter bezogen werden. Mit der Anstalt wurden das so- 
genannte ..Neue Hospital- (Wallstrasse) sowie dae „Splitthaus" und ..Dorotheen- Hospital" 
(beide am Georgenkirehhof) und auch das „Koppe'sche Hospital" (Auguststrasse) vereinigt. 
Diese Armenhäuser gingen daher als solche ein und ihre Kapitalien u. s. w. fielen dem Friedrich 
Wilhelms-Hospital zu. Es fielen an Geschenken und Stiftungen zu 16 200 M vom Regierungs- 
rath Fr. Böhme. 18000 M vom Rentier Wunderlich. 180000 M von der Witwe des 
Generallieutenants v. Steinwehr in Breslau u. s. w.. so dass das Vermögen auf mehr als 
740000 M angewachsen ist. Jetzt dient es auschliesslich nur zur Aufnahme von weiblichen 
Hospitaliten; die männlichen finden Unterkunft in der 1889 neuerbauten Zweiiranstalt in der 
Fröbelstrasse an der Prenzlauer Allee. Arzt: Dr. Lamz. 

Städtisches Hospital und Siechenanstalt (NO., Fröbelstrasse). 1889 eröfliiet. Die E 
des Baues beliefen sich einschliesslich des Grunderwerbes auf 2 673 778 M. Arzt: Sanitätsrath 
Dr. Moses. Das Hospital ist nur für Männer, die Siechenanstalt für Männer und Frauen 
bestimmt. Ende März 1899 waren 609 Männer und 394 Frauen in der Anstalt. Eür 42 Ehe- 
paare wird ein Neubau für 273000 M 1900 ausgeführt. 

5* 



Berlin. — 68 — Königreich Preussen. 

Nikolaus -Bürgerhospital (0., Gr. Frankfurtersir. 21). Nachdem der Kaiser Nikolaus 
von Russland das Haus Unter den Linden 7 im Jahre 1838 angekauft und die Ernennung zum 
Ehrenbürger der Stadt angenommen hatte, schenkte er für die Armen 5 000 Dukaten. Durch 
Kommunalbeschluss wurde diese Summe zum Fundationskapital einer milden Stiftung gemacht 
und derselben zum Andenken an den hohen Geschenkgeher der obige Name gegeben. 

Die Stadt gab den Bauplatz, 25 000 Thaler und Baumaterialien, König Friedrich 
Wilhelm III. schenkte 3 000 Thaler, ebensoviel der Kaiser von Russland als nachträgliches 
Geschenk, der Thronfolger 125 Dukaten. Das Hospital ist am 1. Nov. 1S39 von der Stadt 
eröffnet. 

Aufgenommen werden alte würdige Bürger, welche sich durch den selbständigen 
Betrieb eines bürgerlichen Gewerbes ernährt, aber nicht so viel erübrigt haben, um sich davon 
am Abende ihres Lebens erhalten zu können. Sie bekommen ausser freier Wohnung u. s. w. 
monatlich 18 M im Sommer, 18,75 M im Winter. 

Mehrere Legate sind dem Hospitale zugefallen. Das Vermögen betrug am 1. April 1899 
687 lll,7o M ausser dem Hospitalgrundstücke und einer bei Rixdorf belegenen 3 830 qm grossen 
Wiesenparzelle. Die Stadtgemeinde gewährt Zuschuss für 13 Stellen, für jede 300 M. 

April 1899 waren 91 Insassen vorhanden. 

Gesindehospital (0., Koppenstr. 38/40). 1861 eröffnet. Die Deputation zur Verwaltung 

des Gesindebelohnungs- und Unterstützungsfonds, unter Aufsicht des Magistrates, hat die 
Führung und Leitung. Derselben steht der Besehluss über die Aufnahme und Wiederentlassung 
der Hospitaliten und die Disziplinaraufsicht über die Beamten und Dienstboten zu. 

Arzt: Sanitätsrath Dr. Maretzki. 

In Bezug auf die Benefizien ist festgesetzt, dass jeder Hospitalit erhalten soll: a) freie 
Wohnung, so dass 2 bis 3 Personen eine Wohnung inne haben; b) das benöthigte Brennmaterial 
und Licht, sowie Reinigung der Leib- und Bettwäsche; e) 12 M monatliches Pflegegeld; d) das 
nöthige Mobiliar; e) ärztlichen Beistand und freie Arznei, sowie f) einfaches Begräbniss mit 
hohem Sarge, wogegen der Anstalt das Erbrecht -- mit Ausschluss des Pflichttheils der 
Kinder — beigelegt wird. 

1898 sind 106 Hospitanten verpflegt. 

Zu den Einnahmen gehört der Gesindebelohnungsfonds. Derselbe wird in Folge Genehmigung 
durch Königliche Ordre vom 27. Dez. 1826 seit dem 1. März 1827 erhoben, und zwar in folgender 
Weise. Jeder Dienstbote, der in Berlin seinen ersten Dienst antritt oder seine Herrschaft 
wechselt, hat 0,50 M an eine dazu in allen Stadttheilen eingerichtete Annahmestelle zu zahlen. 
Aus dem Ertrage dieser Erhebungen wurden früher Prämien vertheilt. Da die Gerechtigkeit 
und Zweckmässigkeit derselben den Kommunalbehörden aber zweifelhaft geworden war, so 
wurde die Prämienvertheilung gänzlich beseitigt. Es werden seit 18(>5 von den Einnahmen i/s 
zu Unterstützungen, -/ 3 zum Unterhalte des Hospitals verwendet. Das Kapital am 1. April 1898 
betrug 1 031 144 M. 

Hospitäler zum heiligen Geist und zu St. Georg (I. Hospital N., Exerzierstr. 12/13, 
IL Hospital N., Reinickendorferstr. 31a). Zeit der Gründimg des Hospitals zum heiligen 
Geist wahrscheinlich 1208, des Hospitals zu St. Georg von 1158 bis 1178. Alte Chroniken 
erzählen, Ludolphus, der Bischof von Halberstadt, habe dem letzteren im Jahre 1278 einen 
Indulgenzbrief auf (SO Tage ertheilt. Es war ursprünglich für Ritter bestimmt, die mit dem 
Aussatze behaftet aus den Kreuzzügen zurückkehrten. Das Gebäude Georgenkirchplatz 33/34 
war 1720 erbaut. 

Städtische Verwaltung. Zur Aufnahme über GO Jahre alter, mindestens ."> Jahre ununter- 
brochen in Berlin wohnhafter, würdiger, bedürftiger, evangelischer Personen beiderlei 
Geschlechts, gegen ein Eintrittsgeld von 1 350 bis 1 900 M. Im ersten Hospital Platz für 150, 
im zweiten für 142 Personen. 1. April 1S99 waren 283 Hospitaliten vorhanden. 

Das Vermögen der beiden Hospitäler betrug am 1. April 1899 2 271508 M ausser dem 
Grundstücke im Werthe von mehr als 1 Million Mark. 

St. Gertraudt-Hospital (SW., Wartehburgstr. 1/7). Das Hospital und die dazu gehörige 
Kirche waren 1405 bis 1408 auf dem Spittelmarkte erbaut; eine Urkunde vom Jahre 1474 
stiftete eine Messe im Hospitale. Ursprünglich war es für 12 adelige Fräulein bestimmt, 
späterhin wurde es erweitert und seine Stiftung dahin rerändert, dass 24 Personen bürgerlichen 
Standes darin verpflegt werden sollten. Kurfürst Joachim H. beschenkte es 1547 und ver- 
einigte es mit dem Beghinenkonvente, das in der Brüderstrasse gestanden hatte und abge- 
brannt war. 

Als im dreissigj ährigen Kriege der Statthalter der Mark, Graf Schwarzenberg, die 
köllnischen Vorstädte abbrennen Hess, um dem Feinde einen Stützpunkt zu entziehen, verbrannte 
auch das Hospital; es wurde aber 164G von der Gutsbesitzerin in Stahnsdorf, der Witwe des 
Amtsrathes Freitag, geb. Steinfelder, wieder aufgeführt und mit der Kirche 1714 au 
Königlichen Befehl ganz neu erbaut. Der Hauptwohlthäter des Hospitals ist der 1S3S ver- 
storbene Kaufmann Haussen. 1873 ist der Neubau bezogen, nachdem 1^70 das alte Haupt- 
gebäude für 780000 M verkauft wurden war. 



Königreich Preussen. — 69 — Berlin. 

Unter städtischer Verwaltung. Die Hospitanten erhalten neben der Wohnung monatlich 
20 M, ein jährliches Holzgeld von 12 M. in Krankheitsfällen unentgeltliche ärztliche Behand- 
lung and freie Medizin. 

Kapitalvermögen am 1. April 1899: 157244] M. -■ 145 Plätze. 1. April 1899 waren 
14:'> Hospitanten vorhanden. 

Jerusalems- Stift (SO., Zeughofstr. 12 15). Das Stift ist von dem Kurfürstlichen Bathe 
v. Martitz 1671 gegründet und 1680 eröffnet; ursprünglich war es zur freien Aufnahme von 
8 armen bejahrten Frauen bestimmt; der Stifter beschenkte die Anstalt mit 1 485 Thalern. 
und nach seinem Willen übernahm im Jahre 1722 der Magistrat die Verwaltung, unter dessen 
Aufsiebt ein Glied der Familie v. .Martitz Kurator ist und mit einem vom Magistrate bestellten 
Vorsteher die besondere Verwaltung führt. 

52 evangelische Hospitalitinnen erbalten ausser freier "Wohnung, Holz, Arznei und 
ärztlicher Behandlung monatlich jede 20 M. Das Kapitalvermögen betrug G90G69 M am 
1. April 1899. 

Jakobs-Hospital |S\\\. Oranienstr. 80). Im Jahre 1605 war das Hospital schon vor- 
handen: seine ursprüngliche Bestimmung war. Pestkranke aufzunehmen. 

Verwaltung: Gemeindekirchenrath von st. Petri. Das Hospital gewährt 23 armen 
Bürgerfrauen Aufnahme. Zu diesem Zwecke fassl es eine dotirte alte, eine nicht dotirte neue 
und eine spezielle Neanderstiftung in sieb. 

Am 1. April 1899 befanden sieb darin 22 Hospitalitinnen, das Kapitalvermögen betrug: 
165810 M. 

Die Weydinger- Schreiner 'sehe Stiftung (O., Gr. Prankfurterstr. 23). Sie dankt ihre 
Entstehung dem Wohlthätigkeitssinne und der Pietät des am 22. Okt. 18)57 zu Hamburg ver- 
storbenen, früher in Berlin ansässig gewesenen Kaufmannes Johann Heinrich Weydinger. 
Derselbe hatte letztwillig zwei Stiftungen errichtet, von denen die eine nach seinem Namen 
benannte, über 60 Jahre alte arbeitsunfähige Männer, die andere nach seiner Mutter benannte 
„Schreiner'sche Stiftung'' über 60 Jahre alte Frauen aufnehmen sollte, und zwar vorzugsweise 
Männer und Frauen aus bestimmten Familien. 50 Plätze. 

Hollmanu'sche Wilhelminen -Amalien- Stiftung i('.. Linienstr. 163/165). 1829 vom 
Stadtrath Hollmann (gestorben 1858) als Erweiterung des Hospitals St. Genre-. |.s:i."> im eigenen 
Gebäude in der Lisienstrasse eröffnet, wozu die Stadt Grund und Boden und die erforderlichen 
Kalksteine gegeben hat. 

Die Stiftung ist bestimmt. Witwen und Töchter von verstorbenen königlichen und 
städtischen Beamten der höheren Kategorie, wie auch Witwen und vaterlose Töchter aus dem 
höheren und mittleren Bürgerstande aufzunehmen-, zur Aufnahme ist in der Regel ein Alter 
von 55 Jahren erforderlich, ein fünfzehnjähriger ununterbrochener Aufenthalt in Berlin und die 
Erlegung eines Eintrittsgeldes vmi 1 425 M und 100 M Begräbnisskosten. Der Stiftung steht 
das Erbrecht auf den Nachlass verstorbener Benetiziatinnen zu. Städtische Verwaltung. Anzahl 
der Plätze 130. Vermögen 1899: 1 157425 M. 

Altersversorgungs- Anstalt der Kaiser Wilhelm- und Augusta- Stiftung (N., Schul- 
strasse 97/98). Eigenthümer: Die Stadt. Die Stiftung bat Rechtsfähigkeit. 

Nachdem zu der am 11. Juni 1879, dem Tage der goldenen Hochzeit Ihrer Majestäten 
des Kaisers und der Kaiserin, als Dank- und Prendenopfer der Stadtgemeinde gegründeten 
Altersversorgungs-Anstalt am 22. März 1880 die feierliche Grundsteinlegung stattgefunden, und 
nachdem der Bau 1880 begonnen, konnten schon am 1. April 1882 die ersten 30 Pfleglinge 
aufgenommen und demnächst, am 13. Juni, das Anstaltsgebäude nebst Kapelle feierlichst ein- 
geweiht werden. Diese Festlichkeit erhielt durch die Gegenwart Ihrer Majestäten und Seiner 
Königlichen Hoheit des Kronprinzen ihren Glanz und ihren Werth und gestaltete sich durch 
die Theilnahme der Spitzen der staatlichen, städtischen und kirchlichen Behörden zu einer 
überaus würdevollen. 

Die Grundlage der Stiftung bilden das von der Stadt hergegebene Grundstück und der 
Kapitalfonds von 300000 M: dem letzteren sind auf Beschluss der städtischen Behörden noch 
verschiedene Legate im Betrage von 25000 M. das 1865 der Stadt zugefallene Nachlasskapital 
<les Assessors Steinbeck nebst den aufgewachsenen Zinsen und das Legat des Rentiers Splitt- 
gerber von 147 693 M überwiesen; ausserdem gingen durch freiwillige Beiträge 8 807 M ein. 
wonach sich eine Summe von 569 600 M ergab, die beim Beginne des Baues zur Verfügung 
stand. Der Bau selbst erforderte einen Kostenaufwand von 292 585,si M und ist mit 289 600 M 
bei der städtisehen Feuersozietät versichert. Trotzdem die Ausgaben des grossen, soliden und 
schönen Baues bestritten werden mussten, ist dennoch ein recht ansehnliches Kapital an Bestand 
verblieben und noch durch eine Anzahl erfreulicher Zuwendungen nicht ' unbeträchtlich ge- 
wachsen. Vermögen am 1. April 1899: 2 019 308 M. Anzahl der Insassen 206, darunter 
42 Ehepaare. I>ie aufzunehmenden Leute müssen würdig und bedürftig sein und ein Alter von 
mindestens 60 Jahren erreicht haben; von letzterer Bedingung ist nur die Ausnahme gestattet, 
dass bei Aufnahme eines Ehepaares für die Frau ein Minimalalter ausreichend ist. Auch können 
Personen gegen ein jedesmal festzustellendes Entgeld Aufnahme finden, doch darf deren Anzahl 
den vierten Theil der Gesammtheit nicht übersteigen. Sind die aufgenommenen Personen in 



Berlin. — 70 — Königreich Preussen. 

einer Sterbekasse, so bezahlt die Anstalt die Beiträge weiter und übernimmt die Beerdigung, 
beansprucht dafür indess das Sterbegeld. 

Die Hospitanten erhalten einen monatlichen Baarzuschuss von je 3 M, ausserdem freie 
Wohnung, Heizung, Arznei und ärztliche Behandlung, sowie freie vollständige Verpflegung, es 
sei denn, dass sie glaubhaft nachweisen, sieh während des Restes ihres Lebens selbst beköstigen 
zn können. 

Dom - Hospital (NO.. Elisabethstr. 35/36). 1753 auf Veranlassung der Hofprediger und 
des Dom-KirehenkoUegiums theils durch Königliche Gnadengeschenke, theils aus dem Ertrage 
von Kollekten gestiftet. 

Verwaltung: Dom-Kirchenkollegium. Schon vor dem Jahre 17M1 waren dieser Anstalt 
mehrere Vermächtnisse zugeflossen, das v. Dankelmann'sche. das v. Rysselmann'sche und das 
Selig'sche. 

40 w. Hospitanten; sie erhalten freie Wohnung, Holz. Lieht, und nach verschiedenen 
Altersklassen jähriich (50 bis 108 M; für ihre Beköstigung müssen sie selbst sorgen. Mit dem 
Hospitale ist ein Krankenhaus verbunden, in welchem den Kranken freie ärztliche Hilfe 
gewährt wird. 

Hospital der Farochialkirelie (C, Waisenstr. 28). 1768 erbaut. Vorstand: Der 
Gemeinde-Kirchenrath der Parochialkirche. 

Die Begründung hat das Vermächtniss des früheren Predigers der Parochialkirche, 
Dr. Jakob Eisner von S 2"il Thalern Kapital ermöglicht. Friedrich der Grosse schenkte 
Holz und Kalksteine zum Baue. Mehrere Legate sind dem Hospitale zugefaUen. 

30 alte Personen erhalten Wohnung, Holz. Licht, freie Krankenpflege und jährlieh etwa 
100 M. Ausser den Armen der Gemeinde können noch andere in die Anstalt aufgenommen 
werden, doch nur fregen Eintrittsgeld. 

Hotel de re'fuge (W.. Friedrichstr. 61), ist eine Armenanstalt der französischen 
Gemeinde. 1R99 für die zuerst nach der Schweiz ausgewanderten, von dort, namenthch aus 
dem Kanton Bern vertriebenen französiseh-reformirten Familien, hauptsächlich aus dem Ertrage 
einer Kollekte gegründet. Auch schenkte der Kurfürst dieser Anstalt Ländereien sowohl in 
Beriin. wie besonders in und bei Neuhaldensleben. 8 Plätze: ausser freier Wohnung 180 Uli 
jährlich. Verwaltung: Konsistorium der französischen Gemeinde. 

Französisches Hospital (N., Friedrichstr. 129). Die Anstalt dient zur Aufnahme 
von Armen, Altersschwachen, Siechen und Kranken. Sie wurde 1687 eröffnet als Eigentimm 
der französiseh-reformirten Kirche und steht unter der Verwaltung einer Kommission. Dirigirender 
Arzt ist Bezirks-Physikus Sanitäts-Rath Dr. Granier. lti Betten für Kranke. 1898 wurden 
12 m., 29 w. durchschnittlich 39 Tage verpflegt. 

Maison d'Orange (W., Ulmenstr. 5). Als Ludwig XIV. die reformirten Einwohner 
des Fürstenthumes Orange, eines Theiles des Departements Vaucluse, 1703 zur Auswanderung 

zwang, eröffnete ihnen Friedrich I.. der durch seine Mutter Erbe des Fürstenthumes nach 
dem Tode des kinderlosen Wilhelm IH. geworden, eine Zufluchtsstätte in Brandenburg. 
Nachdem von vielen Seiten durch Kollekten Unterstützungen für sie gesammelt waren, gründete 
der Gesandte Englands. Lord Raby — auch in England hatte die Königin Anna, die Nach- 
folgerin Wilhelms DL, Sammlungen veranstaltet, deren Ergebniss 96 632 Thaler war — 170") 
diese Stiftung für alte, arbeitsunfähige Vertriebene und deren Nachkommen. 
Das Haus befand sich bis 1884 Dorotheenstrasse 20. 

St. Hedwigs- Hospital |X.. Gr. Hamburgerstr. 5/6), zur Aufnahme alter, armer, katho- 
lischer Männer und Frauen. 1898 wurden 130 "Hospitaliten verpflegt. 

Franen- Siechenhaus ßethesda (Plötzensee, Südufer), für unheilbare Kranke, Ge- 
lähmte, Epileptische. Anstaltsarzt Geh. Sanitäts-Rath Dr. Solger. Pflege durch Diakonissen. 
Pflegegeld 27,50 — 100 M monatlich. 15 Freibetten. Jährlich werden 190 Frauen verpflegt. 

St. Elisabeth -Siechenhaus (N.. Eberswalderstr. 17/18). zur Pflege von an unheilbaren 
Gebrechen leidenden Frauen. Errichtet mit Beihilfe des Johanniterordens und des Magistrates. 
Die Anstalt besitzt Rechtsfähigkeit. Verwaltung: EUsabethkirchonkollegium. Die Pflege 
wird von Diakonissen besorgt. 140 Sieche. Das Erholuno-shaus „Elisabethruh" in Fischerwal] 
bei Dannenberg an der Nordbahn ist mit dieser Anstalt verbunden. 

Handwerker- Krüppelhaus. Die Anstalt ist vom Oberlin- Zentralverein in Berlin 
geplant. Verkrüppelten Handwerkern, die noch leichte Arbeit verrichten können und keine 
Familie haben, soll das Haus Wohnung und Werkstätten bieten. 

St. Catharinenstift (NO., Greifswalderstr. 18). Katholische KrippenanstaU der Domini- 
kanerinnen aus Arenberg bei Koblenz. Mutterhaus der deutschen Congregation von der 
heiUgen Catharina von Siena, 1S93 eröffnet. 12 Dominikanerinnen. 190 Betten für Kinder, 
36 rar Mägde. 



Königreich Preussen. — 71 — Berlin. 

Theresienstift (W., Gleditschstr. 48). Schwesternstift, Heimstätte für alte, müde 
Schwestern vom rothen Kreuz und auch für ältere, alleinstehende Damen, auch siechkranke 
Damen. März 1S99 eröffnet. Das Heim liegt in einem Gartenhaus mit kleinem Garten, wie 
geschaffen für ruhebedürftige Damen. Die Insassen des Heims zahlen für ein grosses, zwei- 
fenstriges Zimmer mit voller Pension und Bedienung im Winter 80 M. im Sommer 70 M 
monatlich. IS99 wurden 10 Fr. verpflegt, ausserdem befanden sieh dort 6 junge Schwestern, 
die für Privatpflege in Familien und Sanatorien ausgesandt werden. 

Altersversorsruusrsanstalten der jüdischen Gemeinde (I X.. Gr. Hambnrgerstr. 26, 
II X.. Schönhauser Allee 22). Die Anstalt I wurde eröffnet am 2. Okt. 1829. Neubau 1S44. 
Per erste Fonds ist die damals vorhandene Kasse der Beerdigungsgesellschat't gewesen. Die 
Anstalt 11 wurde am 11. Nov. |ss", eröffnet. Die Anstalten haben Rechtsfähigkeit. Arzt: 
Sanitätsrath Dr. David. 

1: 92 Betten. II: loo Betten. Die Hospitanten erhalten freie Wohnung, Verpflegung, 
Bekleidung und monatlich 3 M Unterstützung. 

Aufnahmebedingungen: 15 Jahre Mitglied der Gemeinde und für Männer ein Alter 
von 60, für Frauen ein Alter von 55 Jahren. 

Das Hospital der jüdischen Gemeinde (N., Oranienburgerstr. 31), bis 1896 in Ver- 
bindung mit dem Krankenhause, dann durch die hochherzige Spende von Moritz Manheimer 
und Frau Rertha geb. Lehwess selbständig gemacht. 100 Betten für sieche Männer und Frauen. 
Das Haus ist zur Zeit mit SO Hospitanten belegt. 

Männer- Siechenhaus (N., Schönhauser Albe 59). Am ,">. April 1N.">7 eröffnet infolge 
eines öffentlichen Aufrufes, den Oberstleutenant a. D. August v. Thümer im Vereine mit dem 
Geh. Kommerzienrathe Brüstlein. Major a. D. v. Greiffenberg, Generaldirektor v. Olfers, 
Kommerzienrathe P. L. Ravene. Wirkt Geh.-Eathe Grafen v. Redern, Stadtrathe Schreiner, 
Prediger Stahn und dem Rittmeister a. D. v. Thielmann erlassen hatte. Die Rechte einer 
juristischen Person sind durch A. K.-O. vom 13. Febr. 1858 verliehen. 

Die Statuten bestimmen : § 1. Das hierseihst durch einen Verein von Privatpersonen 
aus milden Beiträgen gegründete Männer-Siechenhaus ist zur Aufnahme und geistlichen und 
leiblichen Pflege solcher durch Alter, Krankheit und Gebrechen siechhaften Männer, ohne 
Unterschied der Konfession, für den ganzen Umfang von Berlin bestimmt, welche der nöthigen 
Pflege entbehren und weder für eine Kranken-Heilanstalt noch für ein Hospital sich eignen. 

§ 2. Der Verein beabsichtigt wesentlich eine innige Verbindung mit der Kommunal- 
Armeupflege und wird daher, soweit die Mittel und Räumlichkeiten es gestatten, vorzugsweise 
die ihm von der Armendirektion überwiesenen Siechen aufnehmen. Ausserdem sollen aber auch 
diejenigen Siechen Aufnahme rinden, welche eine solche gegen Zahlung der vollen Verpflegungs- 
kosten aus eigenen oder dritter Personen Mitteln wünschen oder im Falb 1 des Unvermögens 
als der Aufnahme bedürftig und würdig von Mitgliedern des Vereines empfohlen werden. 

Nach den §8 :> und 6 besteht der Vorstand aus 15 Mitgliedern und wählt aus seiner 
Mitte einen Verwaltungsratli. 

Die Siechenanstalt befand sich zuerst in Schöneherg, nahe dem Botanischen Garten, 
mit 6 Betten: am 15. März 1860 wurde dieselbe nach der Schönhauser Allee 59 verlegt. 

v. Götze'sches Stiftungshaus (NO.. Kaiserstr. 19, 20). Die Frau Oberhofmeister 
v. Götze, geb. v. Saldern, legirte am 30. Jan. 1678 für sich und ihre Erben, so lange die 
Welt steht, und zwar aus sonderbarer Affektion zu Gott und dessen Armen, ein Kapital von 
600 Thlr. und die 2 Buden hinter ihrem Hause auf dem Werder zum Unterhalt und zur 
Wohnung für 4 nothleidende vertriebene Witwen reformirter Religion und ernannte zu Exe- 
kutoren ihres Willens und Verwaltern der Stiftung die Kirchenräthe und Geistlichen der Kirche 
zur heiligen Dreifaltigkeit zu Kölln an der Spree (nachmals Dom). 

Unter Verwaltung des Dom-Kirchenkollegiums. 

Die Stiftung gewährt 16 freie Wohnungen an Witwen und unverheiratete weibliche 
Arme von der Domgemeinde. 

Städtisches Obdach (Fröbelstrasse). I. Familien-Obdach bietet wohnungslosen Familien 
und Einzelpersonen für kurze Zeit Obdach imd Verpflegung, beim Verlassen der Anstalt auch 
Beihilfe zur ersten Miethszahlung. Es wurden im Zeitraum I. April 1898/99 6 290 Personen 
aufgenommen und täglich im Durchschnitt 207 Personen verpflegt. Es erkrankten 1 123 Per- 
sonen, von denen 2:» verstarben (21 Säuglinge, je 1 Person an Altersschwäche bezw. durch 
Erhängen), 299 wurden davon Kranken- und 18 Irrenanstalten überwiesen, ferner S (3 m., 5w.) 
der Syphilis-Krankenstation im Obdach, li der Hilfskrankenstation für Männer im Obdach. 
II. Nächtliches Obdach. Jedem Ansuchenden von 4 Uhr Nachmittags bis 2 Uhr Nachts, durch- 
reisenden Handwerksburschen, und im Winter überhaupt während der ganzen Nacht geöffnet. 
Die Aufgenommenen erhalten Abends und Morgens Suppe und Brot. Nach dem Frühstück 
muss die Anstalt verlassen werden. Der Aufenthalt ist nur fünf Nächte lang gestattet. Auf- 
genommen 1898/99: 306 36'J Personen (davon 11331 Frauen und 89 Kinder), durchschnittlich 
täglich 839 Personen, am meisten im Februar 1899 44462 (am 26. 1916), am wenigsten im 
August 1898 12 048 (am 17. 278). Krank befunden wurden 2 515 (3 gestorben), davon 794 Kranken-, 
38 Irrenanstalten, 399 (353 m., 46 w.) der Syphilisstation des Obdachs und 23G Männer der Hilfs- 



Berlin. — 72 — Königreich Preussen. 

krankenstation des Obdachs überwiesen. 141 861, nicht ganz die Hälfte, haben das Bad und die 
Gelegenheit zur Desinfektion der Kleidungsstücke benutzt. 

Asyl für obdachlose Männer |N., Wiesenstr. 55/59) und Frauen (C, Füsilierstr. 5). 
Einrichtung des Berliner Asyl -Vereins für Obdachlose. Verwaltungsrath : Vorsitzender 
Gustav ThÖlde. 

Polikliniken. 

Universitäts - Poliklinik für innere Krankheiten (NW., Lnisenstr. 18). Städtische 
Kranke aus allen Bezirken bei Knochen- und Gelenkkrankheiten u. s. w. können hierher überwiesen 
werden. Direktor: Geh. Medizinalrat h Prof. Dr. Senator. 5 Assistenzärzte. 

Polikliniken der Königl. Charite, der städtischen Krankenhäuser, der Diakonissen- 
häuser, der Wohlthätigkeitsvereine und einzelner Aerzte sind rund 200 vorhanden, an denen 
mehr als 300 Aerzte thätig sind. Die Anzahl der dort Behandelten beträgt mehr als 400000 Per- 
sonen jährlich. 

Einrichtungen für erste ärztliche Hilfeleistung bei Unglücksfällen und 

plötzlichen Erkrankungen. 

1) Sämmtliche 79 Armenärzte der Stadt sind verpflichtet, dem Rufe der Polizeireviere 
Folge zu leisten. 

2) Berliner Kettungs -Gesellschaft. Centrale: Ziegelstr. 10/11 (Langenbeckhaus II i. 
(Telephon-Amt III. 1960.) Vorsitzender und ärztlicher Direktor: Dr. v. Bergmann. 
Prof. Geh. Medizinalratb (NW.. Alexander-Ufer 1); Schatzmeister and Verwaltungs- 
Direktor: H. Saxenberg, Bentier (\V.. Lützow-Ufer 21). 

Die Gründung der Berliner Rettungsgesellschaft fand am 19. Okt. 1897 statt. Die 
Gesellschaft beruht auf den Grandsätzen, dass allen Aerzten, die Theilnahme am Waeht- 
dienste freisteht, und dass ferner nur stets eine ein- und erstmalige Hilfsleistung auf 
ihren Bettungswachen stattfindet. Es darf auch die Gewährung der Hilfe nicht von der 
Bezahlung abhängig gemacht werden. - Den Wachtdienst auf den Bettungswachen hat die 
Gesellschaft dem Aerzteverein der Berliner Bettungsgesellschaft übertragen, dessen Vorstand den 
Dienst zu überwachen hat. An der Spitze einer jeden Wache steht ein Obmann, welchem direkt 
die Sorge für die Aufrechterhaltung des Wachtdienstes anvertraut ist. Die Gesellschaft verfügt 
über 14 Hauptwachen. 12 Berliner Krankenhäuser und die Hospitäler in Charlottenburg und 
Britz und über 8 Rettungswachen, von welchen 6 mit Sanitätswachen vereinigt sind, sodass in 
ihnen die Rettungsgesellschaft den Tages-, die Sanitätswache den Nachtdienst übernimmt. Auf 
den Rettungswachen ist beständig ein Arzt und Wärter vorhanden. Der Dienst in den Hospi- 
tälern wird von den dujourhabenden Aerzten ausgeführt. Ferner stehen den Krankenhäusern 
die Aerzte ihrer Bezirke zur Verfügung. Die Hauptstadt ist in 11 Bezirke eingetheilt. zu welchen 
noch Schöneberg-. Charlottenburg, Rixdorf hinzukommen. Jeder Bezirk ist möglichst so gewählt. 
dass ein Krankenhaus in seiner Mitte liegt. Auch diese Bezirke haben je einen Obmann. Die 
Krankenhäuser, Rettungswachen, die drei Fuhrgesehäfte. welche die Beförderung der Kranken 
besorgen, sind durch eigene Fernsprechdrähte mit einer, in dem Langenbeekhause (Ziegelstrasse) 
befindlichen. Centrale verbunden. Auch das nächstgelegene Polizeirevierbureau, welches zum Polizei- 
fernsprechnetz gehört, ist mit eigener Leitung angeschlossen. Der Centrale theilen alle Kranken- 
häuser täglich zweimal die bei ihnen verfügbaren Betten mit. so dass auf Anrufen die Centrale 
stets in der Lage i^t. Auskunft über leerstehende Betten zu geben. 

Sofortige erste Hilfe bei Tag und Nacht leisten Haupt- und Bettungs wachen: 
im Norden: Fernsprecher 

1. Auguststr. 14 — 10. Jüdisches Krankenhaus Amt HI, Nr. 8033 

2. Bernauerstr. 115— 116, Lazarus-Krankenhaus III, ., 1901 

3. Gr. Hamburgerstr. 10, St. Hedwigs-Krankenhaus III. .. 151 

4. Kastanien-Albe 5s. Vereinige Hettum;— und Sanitätswache . . „ III. .. 2047 

5. Müllerstr. 56—57, Paul Gerhardt-Stift „ ü, .. 1396 

6. Scharnhorststr. 1, Augusta-Hespital IL .. 1206 

7. Thurmstr. 21. Krankenhaus Moabit III, .. 648 

8. Unterbaumstr. 7, Königl. Charite-Krankenhaus „ III, .. 1181 

9. Ziegelstr. 5—9, Königl. Klinik „ TU, „ 395 

im Osten: 

10. Frankfurter-Allee 95, Rettungswache I ., VII. .. 1112 

11. Friedrichshain. Krankenhaus Friedrichshain VI. .. 4.">1 

im Süden: 

12. Adalbertstr. 10, Vereinigte Rettungs- und Sanitätswache IVa. .. 6204 

13. Mariannenplatz 1 — 3. Krankenbaus Bethanien IV. .. 820 

14. Görlitzer Bahnhof, Vereinigte Bettangs- und Sanitätswache IV, .. 3087 

15. Am Urban. Krankenhaus am I'rban ,, HI, „ 618 

16. in Britz, Kreis-Krankenhaus Britz Rixdorf, „ 103 



Königreich Preussen. — 73 — Berlin. 

im Westen: Fernsprecher 

17. Ältonaerstr. 8 (am Hansaplatz), Vereinigte Rettungs- und Sanitäts- 

wache Amt II. ., 227G 

18. Charlottenbmg, Kirchstr. 19/20, Stadt. Krankenhaus Charlttbg., ,, 242 

19. .. Wilmersdorferstr. 9, Vereinigte Rettnngs- und 

Sanitätswache „ „ 145S 

20. Lützowstr. 24— 26, Elisabeth-Krankenhaus Amt VI, „ (128 

21. Manerstr. 23, Vereinigte Rettungs- und Sanitätswache „ I, „ 94 

22. Nollendorfstr. 28, Rettungswache „ VI, „ 3953. 

Zwecks sofortigen Transports Verunglückter oder Erkrankter wende man sich an die 
in der Ziegelstr. 10 — 11 neben der Königl. Klinik belegene Centrale, Fernspreeher Amt III. 
Nr. 1960, von welcher jederzeit unentgeltlich Auskunft gegeben wird, in welchem der an- 
geschlossenen 14 Krankenhäuser für die Aufnahme von Kranken Betten frei sind. 

3) Vereinigung der Berliner Sanitätswachen. Vorsitzender: Görlitz, Kaufmann. 
Sanität s wach en : *) 

1. Brüderstr. 33, Vorsitzender: Jacob, Kommerzienrath, Eiebhorustr. 5. 

2. Eächendorrstr. :•. .. Dinse, Stadtverordneter, Müllerstr. 150b. 

3. Alexandrinenstr. 31, „ Römer, Polizei-Leutnant, Alte Jakobstr. 108. 
fi. Grüner Weg 17, ,. Görlitz, Kaufmann, Wallnertheaterstr. 8. 

7. Kastanien- Allee 45, .. Höpfner, Bau-Inspektor, Schönhauser Allee 154. 

s. Lindowerstr. 10/11. .. Kopiin, Königl. Kupferstecher, Prinz Eugenstr. 2. 

9. Görlitzer Bahnhof, Wienerstr. 59m, Vorsitzender: v. Carnap, Polizei-Leutnant. Manteuffel- 
strasse 100. 

10. Adalbertstr. 10. Vorsitzender: Vogel, Bezirks-Vorsteher, Dresdenerstr. 18. 

11. Alte Scbützenstr. 1 (Ecke Neue Königstrasse), Vorsitzender: Mielenz. Stadrath, Greifs- 

walderstr. ('<. 

12. Steglitzerstr. TO, Vorsitzender: Plischke, Stadtverordneter, Schwerinstr. 16/17. 

14. Grimmstr. 25, ,. Happoldt. Brauereibesitzer, Hasenhaide 37/38. 

15. Prinzen-Allee 81, Ancion. Poüzei-Hauptmann, Grünthalerstr. 11. 

16. Altonaerst. 8, „ Sachs 1. Stadtverordneter, Brücken-Allee 1. 

17. Mauerstr. 23. „ .. .. ., ., 

IS. Annenstr. 23. .. Matteme. Stadtverordneter. Neu-Kölln a/W. 22. 

19. Torkstr. 44. .. Dr. Mellmann. Hornstr. 7. 

Sämmtliche Stationen haben Telephon- Verbindung mit den Polizei-Revieren. 

Die städtischen Behörden gewähren den Sanitätswachen eine jährliche Subvention von 
37 450 M (1S9ÜI. welche Summe unter alle nach Bedürfniss vertheilt wird. Dieser Betrag reicht 
bei weitem nicht aus, sondern die nöthigen Mittel werden zum grössten Theil 1. durch frei- 
willige Beiträge der Vereinsmitglieder: 2. durch Veranstaltung von Festen, Konzerten u. s. w.; 
:i. durch Hauskollekten, welche vom Polizeipräsidium genehmigt werden müssen; und 4. durch 
Einziehung des ärztlichen Honorars, welches die wohlhabenden Patienten freiwillig zahlen, 
aufgebracht. 

Die jährliche Unterhaltung jeder einzelnen Wache kostet 5 500 bis 6 500M, je nach der 
Stadtgegend und sonstigen Verhältnissen. 

Allgemeine Grundsätze: 

1. Jeder, ohne Ausnahme, erhält ärztliche Hilfe: Unbemittelte unentgeltlich. 

2. Jeder empfängt nur erste, einmalige Hilfe. Im Interesse der umwohnenden Aerzte 
ist es den Wachärzten untersagt. Nachbehandlung zu übernehmen. 

:'.. Auf jeder Wache sind je 1 Arzt und 1 Heilgehilfe von 10 Uhr Abends bis 6 bezw. 7 Uhr 
Morgens anwesend. 

4. Die Hilfe wird vom Arzt auch in den Wohnungen der Patienten geleistet. 

5. Dagegen darf der Heilgehilfe das Wachlokal niemals verlassen. Ausnahmen bei Massen- 
Unfällen sind auf Anweisung des Waeharztes gestattet. 

K. Bei grosser Entfernung bis zur Wohnung des Patienten nimmt der Arzt auf Kosten der 
Wache eine Droschke. 

7. Dauert voraussichtlich dessen Abwesenheit von der Wache länger als 3 / 4 Stunden, so ist 
der designirte Reservearzt zu benachrichtigen, um sich bereit zu halten. 

8. Der Heilgehilfe darf selbst die anscheinend kleinste Verletzung nicht allein oder selb- 
ständig, sondern nur unter Aufsicht und nach Anweisung des Arztes, behandeln. 

9. Telephon zum Krankenwagen-Depot, und zwar direktes, ermöglicht binnen 20 — 25 Minuten 
Ueberführung eines Verletzten oder Erkrankten nach seiner Wohnung oder in ein 
Krankenhaus. 

10. Auf genaue Journalführung und statistische Eintragungen wird gehalten. 

*) Sanitätewachen 4, 5 und lä fehlen zur Zeit. 



Berlin. — 74 — Königreich Preussen. 

4) Berufsgenossenschaftliehe Unfallstationen. 

Centrale: W., Wilhelmstr. 38. Fernsprecher Amt VI, 2254. 

Kuratorium: Vorsitzender, Direktor Knoblauch, Landsberger Allee 11 — 13: Kurator: 
Direktor Schlesinger. Wilhelmstr. 38. 

Unfallstationen. Tag und Nacht ärztliche Hili'e bei Unglücksfällen und plötzlichen 
Erkrankungen. Transportmittel: 10 Krankenwagen in 9 Wagendepots. Unbemittelte erhalten 
die Hilfe unentgeltlich. — Telephonische Verbindung mit den Polizeirevieren. 

(Die mit * bezeichneten Stationen haben geeignete Räume zur Aufnahme bezw. Unterbringung 
von Bewusstlosen. — Die mit -j- bezeichneten Stationen sind mit Sanitätswachen verbunden.) 

Fernsprech-Anit Fernsprech-Amt 

1 I SW.. Wilhelmstr. 10 VI 522 * XI W., Charlottenburg, 

* n N., Schönhauser .Allee 31 ... HI 591 Marchstr. 22 Charl. 1134 

* m SO.. Mariannenufer 2 VH 617 * XH Eixdorf, Steinmetzstr. 6 Eixd. 245 

* IV NW., Flensburgerstr. 18 . . . II 824 * XIII W., Kronenstr. 56 Ia 5210 

f V C. Brüderstr. 16—18 I 2340 * + XTV S., Alexandrinenstr. 31 . . IV 2649 

f XI N., Lindowerstr. 10/11 .... II 1183 f XV W.. Steglitzerstr. 60 ... VI 31 

* VII W.. Schöneberg, Bahn- XVI ().. Warschauerstr. 2 . . . VIT 1130 

Strasse 45 Schöneberg 255 XVn N., Badstr. 67 DZ 3695 

*fVIII 0., Grüner Weg 17 VII 362S •+ XV1TI SW., Belle- Alliancestr. 91 VI 4724 

-J- LX N., Eichendorfstr. 9 IH 252 XIX NW.. Huttenstr. 11 ... . H 182 

* f X C. Alte Schützenstr. 1 . . . . VH 4000 XX W.. Kurfürstendamm 9 

(Zoolog. Garten) . . . . LX 7247 

5) Es sind ferner vorhanden: Sanitätsstuben der städtischen Markthallen, Sanitäts- 
stube im Rathhanse. Sanitätsstube in der Feuerwache Mauerstr. 15a, Sanitätsstube in 
der Feuerwache Schönebergerstr. 20. 

Verbandkästen sind in den Lokalen der Polizeireviere aufgestellt. 

An den öffentlichen Wasserläufen sind 52 Rettungsstationen vorhanden mit 
15 Rettungskähnen u. s. w. 



Einrichtungen zur Beschaffung ron Krankenpflegepersonal. 

Ausbildung von Krankenpflegern: siehe Charite S. 35, Victoriahaus im städtischen 
Krankenhause im Friedrichshain S. 45, Diakonissenhäuser S. 58 ff., Augusta- Krankenhaus S. 61. 

Diakonissenheim „Bethel" der Baptistengemeinde (0.. Gubenerstr.il). Ent- 
sendung von Schwestern zur Krankenpflege, bei Unbemittelten unentgeltlich. 

Kr an kenpflege -Verein ., Thalitha-kumi"derBaptistengemeinde(SO.. Schmidtstr. 17). 

Diakonissenheim der Diakonissenanstalt ,,Bethesda" zu Elberfeld. Zweiganstalt: 
Berlin SW.. Wilhelmstr. 2. Krankenpflege in Anstalten und Familien mit besonderer Berück- 
sichtigung der Armen. 40 — 50 Schwestern. 

Schwesternheim „Ebenezer" (W., Steglitzerstr. 741. Errichtet vom Bethanienverein 
(methodistischer Diakonissenverein für allgemeine Krankenpflege) in Frankfurt a. II. Gegründet 
1S83. 1896 wurden ausser zahlenden Kranken 59 Arme an 504 Tagen unentgeltlich verpflegt. 

Katholische ambulante Krankenpflege: 1. durch graue Schwestern vom Mutterhause 
der heiligen Elisabeth in Breslau im St. Joseph-Krankenhause (C.. Niederwallstr. 8 9) ; 2. bei 
St. Pins (NO., Pallisadenstr. 73/74): 3. bei Herz Jesu (N., Fehrbellinerstr. 98); 4. bei St, Boni- 
facins (SW., Gneisenaustr. 100): 5. bei St. Michael: a) SO.. Michaelkirchplatz 3, b) SO., Lau- 
sitzerstr. 41; 6. der St. Maria-Victoria-Heilanstalt, Schwestern-Orden vom heiligen Dominikus; 
7. der Marienschwestern (N., Ackerstr. 117). 

Institut für Krankenpflegerinnen des Berliner Frauen-Lazaretvereins (NW., 
Luisenplatz 6). Oberin: Gräfin Elisabeth Sehlieben. 5 Pflegerinnen. Kostensatz der Kranken- 
pflege 4 M täglich. 

Märkisches Haus für Krankenpflege (SW., Kleinbeerenstr. 7), gehört zum Verbände 
deutscher Krankenpflege- Anstalten vom rothen Kreuz und ist dem Zweigverein Berlin des 
vaterländischen Frauenvereins angeschlossen. Krankenpflege gegen Entgeld. falls einige Unbe- 
schäftigte im Hause sind, Armenpflege. 1897: 27 Schwestern. 

Schwestern-Verband vom Rothen Kreuz (W., An der Zwölf-Apostelkirche 3, Fern- 
sprecher Amt XI, 4466). 

Seh western- Verein vom Rothen Kreuz (W., Potsdamerstr. 77. HI). Krankenpflege, 
Arme unentgeltlich. 1897: 100 Personen, davon 12 unentgeltlich, verpflegt In Kriegszeiteu 
freiwillige unentgeltliche Betheiligung der Schwestern an der Kriegskrankenpflege. 

„Augustaheim" (W., Bülowstr. 7). Pflege von Kranken aller Konfessionen durch 
30 ausgebildete Pflegerinnen, bei Unbemittelten unentgeltlich. Entsendung von Pflegerinnen 
bei Krieg, Seuchen u. s. w. 1S9S/99 wurden 650 Kranke, davon SO kostenlos, 100 zn ermässigten 
Preisen verpflegt. Vorsteherin: W. Loeillot de Mais, 



Königreich Preussen. — 75 — Berlin. 

Schwesternvarband für PrivatkrankenpnVge „Emmaas" (W., Ziethenstr. 10). Kranken- 
pflege 5 H täglich, für Arme unentgeltlich. Im Kriegsfall stellen sich die Schwestern in den 
Dienst des vaterländischen Frauenvereins. 

Gräfin Rittherg'scher HUfe-Schwestern-Verein (gehört zum Verband deutscher Kranken- 
pflege-Anstalten vom rothen Kreuz. W., v. d. Heydtstr. 8). Krankenpflege gegen Vergütung, 
Arme unentgeltlich. Heim des Vereins zur Verpflegung kranker und invalider Vereinsschwestern 
in Xeu-Babelsberg. 

Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zu Berlin (X.. Auguststr. 17). Pflege Kranker 
aller Konfessionen. Arme unentgeltlich. 

..Annaheim-- (W-, Lutherstr. 9, Fernsprecher Amt IX. 7125). Schwesternverband vom 
Rothen Kreuz für Privatkrankenpflege. Oberin: Edith Bogall. 

Elise-Schwestern (Teltowerstr. 16. Fernsprecher Amt VI, 3526). 1891 gegründet. 
Oberin: Frau Agnes Böhm. 

Schwesternheim (Teltowerstr. 5, Fernsprecher Amt FX, 8835.1. 

..Verein Hauspflege", im März 1897 von Frau Sanitätsrath Dr. Jeanette Schwerin 
ins Leben gerufen, bezweckt, in unbemittelten Familien, wo die Hansfrau durch Wochenbett 
oder Krankheit in der Führung ihrer Wirthschaft behindert ist. durch unentgeltliches 
Hinstellen einfacher zuverlässiger Frauen die Ordnung im Haushalt aufrecht 
zu erhalten. Vorsitzende: Frau Oberbürgermeister Kirschner. NW., Alt Moabit 90. 



Blinden- und Taubstummen-Anstalten. 

Königl. Blinden-Anstalt, siehe Steglitz. 

Städtische Blinden-Anstalt (SW., Alte Jakobstr. 11-2). 1879 von der Stadt errichtet. 
Verwaltung: Städtische Schuldeputation. Besteht aus: I. Blindenschule. Unentgeltlicher 
Unterricht in 4 Klassen an blinde Kinder von 6 — 15 Jahren, deren Eltern in Berlin Unter- 
stützungswohnsitz haben. 52 Schüler (31 Knaben. 21 Mädchen). H. Fortbildungs-Anstalt, in 
der Blinde über 15 Jahre wissenschaftliehen und musikalischen Unterricht erhalten, auch ein 
Handwerk erlernen können. HL Besehäftigungs-Anstalt. in der Blinde unentgeltlich Arbeits- 
platz und Werkzeug sowie zum Engrospreise Arbeitsmaterial erhalten. In H und HI März 1897 : 
97 Zöglinge (50 m.. 47 w.). 28 erwachsene Mädchen im Sommer 1S96 auf das Land und an die 
See geschickt. Bibliothek für blinde Kinder und Erwachsene. 

Blindenheim des Moonschen Blindenvereins (SO., Kuvrystr. 33). 40 Wohnungen 
werden an Blinde gegen massigen Preis vermiethet. Ausserdem unterstützte der Verein 1897 
400 Blinde mit je 4 M monatlich. 

Blinden-InstJtnt zur Erziehung blinder Kinder (X.. Schönhauser Allee 73). Unent- 
geltliche Pflege ganz blinder Kinder von 3'/a Jahren ab bis zur Schulpfliehtigkeit (Blindenanstalt 
Steglitz), also bis zum 8./9. Jahre. 

Asyl für Blinde aller Stände und Glaubensbekenntnis 5 e, Wilhelm und Ida Becker- 
Stiftung, verwaltet von der Deputation für städtische Blindenpflege. Zur Errichtung des 
Asyls aus dem Vermächtniss der verstorbenen Witwe Becker im Betrage von 730000 M ver- 
wendet. 

Königl. evang. Taubstummen- und Lehrerbildungsanstalt (N., FJsasserstr. 86 — 88 und 

C. Linienstr. 83 — 85). Am 2. Dez. 17Sv> von Dr. Eschke. Schwiegersohn von Heinicke. gegründet 
und seit dem 6. Juni 179S Staatsanstalt. Seit 1812 ist die Ausbildung von Taubstummen- 
Lehrern der Anwalt zugewiesen. Internat und Erternat. Die Anstalt besitzt Rechtsfähigkeit 
fBegL v. 4. April 1878, CentralhL f. d. Unterrichtsverwaltung S. 24b). Direktor: Schulrath 
Walther (zugleich ständiges Mitglied der Prüfungs-Kommission für Vorsteher an Taubstummen- 
Anstalten i. 9 Lehrer. 1 Lehrerin: 14 Kandidaten zur Ausbildung im Taubstummen-Lehrfach 
(Kursus 2jährig). 8 Klassen. 79 Schüler. 96 M Schulgeld. 29 ganze und 5 halbe Freistellen. 
Bildungsjahre 8—9 Jahre. Etat: 61 100 M i Staatszuschuss : 43530 Ml 

Städtische evang. Taubstummenschule (0.. Markusstr. 49). Gegründet 4. Jan. 1875, 
in der Wasserthorstr. 34 eröffnet: 1876 verlegt nach der Blumenstr. 63a. später nochmals ver- 
legt. Direktor: Gutzmann. 12 Lehrer. 4 Lehrerinnen. 12 Klassen. 125 Schüler. Ein- 
heimische: 96 M. Auswärtige: 200 M Schulgeld. Etat: 62885 M. 

Kindergarten für taubstumme Kinder iC. Gipsstr. loa). Unterhalten vom Verein zur 
Errichtung von Kindergärten für taubstumme Kinder. Erziehung, körperliche Ausbildung taub- 
stummer Kinder von 3 — 7 Jahren. Schulgeld 5 M. Freistellen. Fahrgeldunterstützung. 



Berlinchen— Benin (Alt). — 76 — Königreich Preussen. 

Berlinchen, 5 753 Einw. (Kreis Soldin, Reg.-Bez. Fiankfurt). 

Städtisches Krankenhaus. 1370 errichtet. Arzt: Dr. Ishary. 1 Diakonisse. IS Betten. 
Verpflegungspreis 2.50 und 1,25 M täglich. 1S9S wurden 33 m.. 20 w. Kranke durchschnittlich 
28,6 Tage verpflegt, 7 m., 4 w. sind gestorben. Ausserdem wurden verpflegt.: 2 Altersschwache. 
Ausgaben und Einnahmen 1S9S betrugen 2 650 M, letztere setzten sich zusammen ans 897 M 
Verpflegungsgeldern, 1 372 M Zuschuss der Stadt und 381 M aus sonstigen Quellen. 

Bernau, 8 17G Einw. (Kreis Niederbarnim, Reg.-Bez. Potsdam). 

Städtisches Krankenhaus. Aerzte: Dr. Wetzstein und Dr. Milbradt: ausserdem behandeln 
die Drs. Matzdorf und Münstermann Kassenkranke. 50 Betten. Verpflegungspreis 0,so, 1 und 
1.50 M täglich. 1898 wurden 435 m., 30 w. Kranke durchschnittlich 33 Tage verpflegt, 6 m., 
5 w. sind gestorben. Einnahmen 189S: 14 033 M Verpflegungsgelder. 

Privat-Pflegeanstalt für weihliche Geisteskranke. 1856 von Julie Köhler, geb. Gropius 
eröffnet. Arzt: Dr. Wetzstein. 6 Betten. 

Guse'sche Privat-Irrenpflesreanstalt für Frauen. 1888 eröffnet. Arzt: Dr. Matzdorff. 
26 Betten. 

Irrenanstalt für Männer. 5. August 1890 von Dr. Matzdorff eröffnet. 20 Betten. Ver- 
pflegungspreis 3 — 4 und 1,80 M tätlich. Filiale der Berliner städtischen Irrenanstalt zu 
Dalidorf. 

Irren - Pflegeanstalt für Frauen von Wwe. Schulz, geb. Heinrich. 1880 errichtet. 
Arzt: Dr. Matzdorff. 5 Betten. Verpflegungspreis 2,50 M täglich. 

Bernkastei, 2 396 Einw. (Kreis Beinkastei, Eeg.-Bez. Trier). 

Städtische Wasserleitung vorhanden. 

Krankenhaus zur heiligen Familie. 7. Sept. 1870 von Dechant Dorbach und Jodokus 
Prüm aus Wahlen gestiftet. Eigenthümer: Die Stadt. Freie Arztwahl. Wartepersonal: 
9 Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach. 24 Betten. Verpflegungspreis 3. 2. l.so und 
0,90 M täglich. 189S wurden 28 m., 35 w. Kranke verpflegt, 4 m., 2 w. sind gestorben. 
Ausserdem verpflegt 4 Altersschwache. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 5 72(5 M. 
letztere setzten sich zusammen aus 3 143 M Verpflegungsgeldern, 1 294 M Zuschuss der Provinz 
und 1 284 M Legaten. Geschenken. 

Bernstadt i. Schles., 4 334 Einw. (Kreis Oels, Reg.-Bez. Breslau). 

Garnisonlazaret. Gebäude 18S4 erbaut. 2 Zimmer ermiethet und am 1. Jan. 1888 
bezogen. Arzt: Dr. Bieda. 10 Betten. 1S9S kein Kranker. 

Städtisches Krankenhaus. Aerzte: Drs. Toekuss und Hamacher. 12 Betten. Ver- 
pflegungspreis O.so M täglich. 1898 wurden 26 m., 5 w. Kranke durchschnittlich 10.5 Tage 
verpflegt, 2 m., 1 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 867,89 M. 
letztere setzten sich zusammen aus 268.88 M Verpflegnngsgeldern und 599.01 M Zuschuss 
der Stadt. 

Städtisches Hospital, 26 Betten. 

Bernstein, 2 297 Einw., (Kreis Soldin, Reg.-Bez. Frankfurt). 

Städtisches Krankenhaus. 1S85 neu erbaut. Arzt: Dr. Roeder. 18 Betten. 14 für 
Männer, 4 für Frauen. Verpflegungspreis O.so und 1.25 M täglich ausschl. Arzt und Medizin 
1898 wurden 135 m., 5 w. Kranke durchschnittlich 15 bezw. 31 Tage verpflegt. 2 m., 1 w. sind 
gestorben. Ausserdem wurden verpflegt 4 Personen zur Peinigung von Ungeziefer. Einnahmen 
1898: 2 800.12 M Verpflegungsgelder und 245.44 M Zuschuss der Stadt. 

Berthelsdorf, 722 Einw. (Kreis Hirschberg, Reg.-Bez. Liegnitz). 
Berger's Kur- und Wasserheilanstalt. Keine ärztliche Leitung. 

Berun (Alt), 2 074 Einw. (Kreis Pless, Reg.-Bez. Oppeln). 

Städtisches Krankenhans. 1. Juli 1888 errichtet. Arzt: Dr. v. Klobukowski. 12 Betten 
Verpflegungspreis 0,75 bis 1,9a M täglich. 1S9S wurden 15 m., 6 w. Kranke durchschnittlich 
21 bezw. 28 Tage verpflegt. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 1 306 M, letztere setzten 
sich zusammen aus 386 M Verpflegungsgeldern, 300 M Zuschuss des Kreises und 620 M 
der Stadt, 



Königreich Preussen. — 77 — Beuel— Bevergern. 

Beuel, 3 437 Einw. (Landkreis Boun, Reg.-Bez. Köln). 

St. Josefskloster der Franziskanerinuen aus Olpe. ."> Franziskanerinnen. 15 Betten. 

Beuren, 1 1G0 Einw. (Postort Eiebsfcdd, Kreis Worbis, Reg.-Bez. Erfurt). 

Krankenanstalt der barmherzigen Schwestern. 3 barmherzige Schwestern aus Heiligenstadt. 

Beuthen i. Ob.Schlos., 41 370 Einw., 30 Aerzte, 3 Zahnärzte, 26 Hebammen. 3 Apotheken 
(Stadtkreis, Reg.-Bez. Oppeln). 

Die Stadt hat Rosaliengrubenwasser (Grundwasser). Grubenwasser wird dureh Druck- 
maschine nach einem Wasserthunn gehoben. Anlagekosten 1 000 000 M. Errichtet 1897/98. — 
Städtischer Schlacht- und Viehhof 1888 89 erbaut. Anlagekosten über 500 000 M. Kühl- 
haus. — Kanalisation geplant. — Desinfektionsanstalt im städtischen Krankenhaus seit 
1892. System: H. Biemann, Breslau. — Eine städtische und 2 öffentliche Badeanstalten. — 
Bau-Polizeiordnung vom 23. Juni 1885. 

Garnisonlazaret. 1883/84 erbaut und am 1. Okt. 1884 bezogen. Es liegt im Norden 
der Stadt am Ausgange der Gräupnerstrasse. Vorstand: Stabsarzt Dr. Schneyder. 24 Betten. 
1898 wurden 291 Krank.- durchschnittlich 13 Tage verpflegt. 3 sind gestorben. — Desinfektions- 
apparat von Rietschel & Henneberg für die Garnison. — Fiskalische Wasser (Grundwasser). 
Grubenwasser wird dureh Druckmaschine gehoben — seit September 1897. 

Städtisches Krankenhaus. Neu erbaut und im September 187(i eröffnet. Leitender 
Arzt: Dr. Herrmann. Warte personal: 12 Vincentinerinnen, 1 ausgebildeter Krankenwärter 
und 1 Wärterin. 174 Betten: 117 f. M., 57 f. Fr. Verpflegungspreis 0,80 und l,so M 
täglich. 1898 wurden 1 096 m., 370 w. Kranke durchschnittlich 30 Tage verpflegt, 51 in., 
28 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: ordentliche 70 737,64 M, ausserordentliche 1307,29 M. 
Die Einnahmen betrugen 75064,38 M und setzten sich zusammen aus (iO 1*0,7 5 M Verpflegungs- 
geldern, 371. s 7 M Kapitalszinsen, 13G73.on M Zuschuss der Stadt und 83S.fi 7 M aus sonstigen 
Quellen. — Kläranlage nach dem Süvern-Röber'schen System seit 1895. 

Lazaret des Obersehlesischen Knappschaftsvereins. 1848 errichtet. Das neu errichtete 
Lazaret 1888 eröffnet. Leitender Arzt: Dr. Wagner. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 
11 in.. 2 w. ausgebildete Krankenwärter inkl. 2 Oberwärter. 300 Betten und zwar 270 für m. 
und 30 für w r . Kranke. Die Mitglieder werden kostenfrei behandelt. Für verletzte Mitglieder 
zahlen die Berufsgenossenschaften vom Beginne der 14. Woche l.sn M Yerj.flcgungskosten täglich. 
Fremde Personen, sofern solche behandelt werden, zahlen 2 M täglich. 1898 wurden 2 759 Kranke 
durchschnittlich 26 Tage verpflegt. 33 m., 5 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: 105 377,66 M. 
Elektrische Beleuchtungsanlage. Ventilationssystem : Ventilator mittels Dampfbetrieb. Heizungs- 
system: Zentral - Luftheizung. Desinfektions - Apparat nur für's Lazaret. Wasserversorgung: 
Städtische Wasserleitung. Abfuhr, mittels Tonnen. Entwässeruno': Hulva'sche Kläranlage. 

Privat-Heilanstalt für Frauenkrankheiten von Dr. Born. 15. April 1890 eröffnet. 
14 Betten. 1898 wurden 119 Kranke durchschnittlich 10,3 Tage verpflegt. 

Privat-Heilanstalt für Augenkranke von Dr. Grünthal. 

Privat-Heilanstalt für Nervenkranke von Dr. Hayn. 

Privat-Heilanstalt Für Hautkranke von Dr. Neisser. 15. Februar 1896 eröffnet. 
8 Betten. 1898 wurden 38 m., 2 w. Kranke verpflegt. 

Robertusstift. Siechenhaus für 33 m. und 52 w. Sieche. Arzt: Dr. Koziol. 5 Borro- 
mäerinnen aus Trebnitz. 

Hospital zum heUigen Geist, 1863 errichtet. 12 Borromäerinnen aus Trebnitz. 55 Betten 
für Hospitanten. 

Anstalt zum Guten Hirten, Pflege kranker und Beaufsichtigung sittlich gefallener und 
gefährdeter weiblicher Personen. 1893 eröffnet. 16 Schwestern vom Guten Hirten aus Münster 
in Westf. 54 Betten. 

Bevergern, 989 Einw. (Kreis Tecklenburg, Reg.-Bez. Müns-ter). 

„St. Antonius.Hospital". Gegründet 17. Dez. 1861 durch Pfarrer Brügge. Rechtsfähigkeit 
seit 2. Aug. 1869. Vorstand: Kuratorium. Arzt: Dr. Koller. Wartepersonal: 3 Franziskanessen 
aus Münster. 20 Betten. Verpflegungspreis 0,75 und 1,50 M täglich für Kanalarbeiter. 
1898 wurden 57 m., 18 w. Kranke durchschnittlich 70 Tage verpflegt, 8 m., 2 w. sind gestorben. 
Einnahmen betrugen 4 276 M und setzten sich zusammen aus 2 599 M Verpflegungsgeldern, 
77 M für verkaufte eigene Produkte, 847 M Kapitalszinsen, 250 M Geschenken und 503 M 
aus sonstigen Quellen. 



Beverungen— Bielefeld. — 78 — Königreich Preussen. 

Beverungen, 1 983 Einw. (Kreis Höxter, Reg. -Bez. Minden). 

St Johannis-Hospital. 1871 durch Pfarrer Hachez gegründet. Anbau 1896 für an- 
steckende Krankheiten mit 8 Betten. Eigenthümer: Katholische Kirche. Arzt: Dr. Bremer. 
Wartepcrsonal: 5 Vincentinerinnen aus Paderborn. 20 Betten. Verpflegungspreis im 
Sommer: 1,25 M, im Winter: 1,50 M. 1898 wurden G6 m., 75 w. Kranke durchschnittlich 
33 Tage verpflegt, 1 1 m., 10 w. sind gestorben. Die Einnahmen 1898 betrugen 5 958 M und 
setzten sich zusammen aus 4 218 M Verpflegungsgeld, 1 170 M Kapitalszinseu, 42 M Geschenken 
und 528 M aus sonstigen Quellen. 

Biebrich, 13 463 Einw., 7 Aerzte, 7 Hebammen, 1 Apotheke (Landkreis Wiesbaden, 
Eeg.-Bez. Wiesbaden). 

Wasserversorgung: Wasserleitung im Dez. 1897 eröffnet, Kosten 500000 M. 
Das Wasser stammt aus dem Taunus und wird zwischen Schierstein und Walluf durch 5 Rohr- 
brunnen gewonnen; es hat bei 19,9 ° Härte für Trink- und Hauszwecke eine günstige Zusammen- 
setzung. Zur Hebung dienen 2 nominell 40pferdige Gasmaschinen. Das Versorgungsrohr geht 
durch Schierstein und endigt in dem Reservoir auf der Adolfshöhe, welches nach System Intze 
konstruirt ist. 1898 sind 240 000 cbm Wasser verbraucht. — Die Stadt ist seit 1891 ganz 
kanalisirt. Der Kanal ist jedoch nur für Haus- und Meteorwässer bestimmt. Fäkalien und 
Müll werden durch Abfuhr beseitigt. — Die Leichenschau wird durch einen Heilgehiilfen 
ausgeübt. — Dampf- Desinfektionsanstalt seit 1893 in einem besonderen Raum des 
städtischen Bauhofgebäudes. Apparat von Rietschel & Henneberg. -- Oeffentliche Bade- 
anstalten: 2 Anstalten gegenüber der Stadt, an der Rettbergsau (Insel im Rhein) gelegen 
(für den Sommer). In der Stadt eine Badeanstalt mit Wannen und Douchen. — Bau-Polizei - 
Ordnung vom 22. Juli 1898. 

Garnisonlazaret. 1872 käuflich erworben und am 1. Jan. 1873 bezogen. Es liegt, an 
der Adolfstrasse, 200 m vom Rheinbahnhof entfernt, Front nach Südwesten, Nordseite grenzt 
an die Taunusbahn. Vorstand: Stabsarzt Dr. Dunbar. Wartepersonal: 2 ausgebildete 
Krankonwärter. 24 Betten. 1898 wurden 154 Kranke durchschnittlich 18 Tage verpflegt, 1 ist 
gestorben. — Gasbeleuchtung, in den Fluren Glühlicht. Ventilationssystem: Im Haupt- 
gebäude Schieberöffnungen in den Thüren und Ausfallscheiben in den Fenstern, in der Baracke 
Luftschächte in Verbindung mit der Heizung. Gusseiserne. Oefen, in der Baracke Mantelöfen. 
Desinfektionsanstalt: Ein Apparat mit Trockenhitze, einer nach Giessener Muster, für die 
gesammte Garnison. Wasserversorgung: 1 Tiefbrunnen. Latrinen: Senkgruben. Be- 
seitigung der Abfallstoffe: Pneumatische Entleerung. 

Krankenhaus. 31. Okt. 1888 vom Krankenhaus-Verein eröffnet. Arzt: Dr. Happel. 
Wartepersonal: 5 Schwestern vom rothen Kreuz. 41 Betten. Verpflegungspreis 2 M 
täglich. 1898 wurden 336 m., 112 w. Kranke durchschnittlich 1<S,4 Tage verpflegt, 11 m.. 12 w. 
sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898: 23 050 M, letztere setzten sich zusammen aus 
16 500 M Verpflegungsgeldern. 48 M an verkauften eigenen Produkten, 452 M Kapitalszinsen. 
200 M Zuschuss des Kreises, I 500 M der Stadt, 2 200 M Geschenken und 2 150 M aus sonstigen 
Quellen. 

Bielau, 1 263 Einw. (Kreis Neisse, Eeg.-Bez. Oppeln). 

Herrschaftliches Krankenhaus. 21 Mai 1891 von Freifrau v. Friedenthal-Falken- 
hausen errichtet. Eigenthümer und Vorstand: Freiherr v. Friedenthal-Falkenlnmsen'sche 
Erben. Arzt: Dr. Simon. Wartepersonal: 3 graue Schwestern aus Breslau. 7 Betten. Ver- 
pflegungspreis 1 M täglich. 189S wurden 51 m.. 17 w. Kranke durchschnittlich 23 Tage 
verpflegt, 2 m., 1 w. sind gestorben. 

Bielefeld. 55 692 Einw., 29 Aerzte, 2 Zahnärzte, 19 Hebammen, 5 Apotheken (Stadt- 
kreis, Eeg.-Bez. Minden). 

Wasserleitung 1889 errichtet. Wasserentnahmestelle in der Senne II, etwa 13 km von 
Bielefeld entfernt. Das Wasser wird von den Brunnen aus mittels Maschine bis zur Auslauf- 
kammer in Brackwede gepumpt, von wo es bis zum Hochbassin bei der Sparenburg geleitet 
wird. Von dort gelangt es in die Leitung. Anlagekosten 1200 000 M. System: Zirkulations- 
system. Wasservorbrauch in der Zeit vom 1. Jan. 1898 bis 1. Jan. 1899: 1056 132 cbm. - 
Schlachthof, der Fleischerinnung gehörig, errichtet 1884. Aulagekosten 126 000 M. 
Verwaltungsgebäude, 4 Schlachtgebäude, 1 Kühlhaus und Eismaschine. 1898 geschlachtet: 
Rindvieh 4 800, Schweine 10 000, Kälber und Schafe 6 100, Pferde 685, Esel 1. -• Ent- 
wässerung, durch Rohrkanäle in den Strassen, welche in den Lutterbach und in Gräben in 



Königreich Preussen. — 79 — Bielschowitz, Bienowitz. 

der Umgebung der Stadt einmünden. Kanalisation mit Rieselfoldern ist seit 1896 im Bau. — 
Desinfektionsanstalt, seit lSSii. System Budenberg. lOOmal 1898 in Thätigkeit ge- 
wesen. — Oeffentliche Badeanstalten: 1 Schwimmbadeanstalt mit Einzelbädern in Gadder- 
baum, 1893 käuflich übernommen. 2 Brausebäder, 1S92 und 1898 errichtet. Anlagekosten für 
die Badeanstalt 12 000 M. für die Brausebäder 8 000 bezw. 9 000M. — Bau-Polizeiordnung 
vom 26. Febr. 1894. 

Gnrnisonlazaret. 1874 bis lsTT erbaut und 1877 bezogen. Es liegt im Nordwesten der 
Stadt an dem Bürgerwege (nach der Bauerschaft Gellershagen zu). Vorstand: Stabsarzt 
Dr. Engels. Wartepersonal: 3 SanitStsmannschaften, 2 ausgebildete Krankenwärter. ;!4 Betten. 
1898 wurden 129 Kranke durchschnittlich 21 Tage verpflegt. Gasbeleuchtung. Ventilations- 
system: Kippfenster und Thürschieber. Meidingers Füllöfen. Desinfektionsapparat mit 
heissem Wasserdampf, von Gebr. Schmidt in Weimar. 

Städtisches Krankenhaus. 1845 erbaut, durch Neubau 18.V2 vergrössert. Isolirhaus für 
ansteckende Krankheiten vorhanden. Neubau 2."). Novbr. 1899 eröffnet. Arzt: Sanitäts- 
rath Dr. Kranefoss. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 4 Diakone. 6 Diakonissen aus Sarepta. 
180 Betten. 1898 wurden 1 154 (739 m„ 41.") w.) Kranke (einschliesslich 227 m., 87 w. an 
Krätze Leidende) durchschnittlich 19, s Tage verpflegt, 28 m., 24 w. sind gestorben. Die 
Einnahmen betrugen 44 246,ss M und setzten sieh zusammen aus 27 315,54 M Verpflegungs- 
geldern. 2 546,39 M Kapitalszinsen, 8100 M Zuschuss der Stadt, 233,4s M Geschenken und 

6 051,27 M aus sonstigen Quellen, darunter 2 300 M Dienstboten -Abonnement. 

St. Franziskus • Hospital. 27. Sept. 1876 durch Pfarrer Franz Schöne gegründet. 
Eigenthümer: Katholische Kirchengemeinde. Arzt: Dr. Geisthövel. 1 Assistenzarzt. 
Wartepersonal: 16 Franziskanerinnen aus Aachen, 1 m., 2 w. Krankenwärter. 90 Betten in 
3 Klassen. Verpflegungspreis 5, 3 und 1,25 M täglich. 1898 wurden 689 (352 m., 337 w.) 
Kranke durchschnittlich 36 Tage verpflegt, 22 m., 18 w. sind gestorben. Ausgaben und Ein- 
nahmen 1898: 27810,39 M, letztere setzten sich zusammen aus 26074.77 M Verflegungsgeldern 
und 1 735,55 M durch Kollekten. 

Privat-Heilanstalt für Augen- und Ohrenkrankheiten. 1. Juli 1891 von Drs. Arntz 
und Jürgensmeier eröffnet. 1 Assistenzarzt. 17 Betten. Verpflegungspreis 4, 3 und 2M 
täglich. 1898 wurden 144 Kranke verpflegt, 1 w. ist gestorben. 

Privat-Heilanstalt für Frauenkrankheiten von Dr. Fromme. 30. April 1897 eröffnet. 
3 Betten. Verpflegungspreis 7, 5 und 3 M täglich. 

Augen-Heilanstalt von Dr. Hesse. 1860 von Sanitätsrath Dr. Steinheim eröffnet. 
2 Diakonissen aus Sarepta. 20 Betten. Verpflegungspreis 7. 5 und I.50 M täglich. 1898 
wurden 31 m., 32 w. Kranke durchschnittlich 23.5 Tage verpflegt. 

Augen-Heilanstalt von Dr. Helpnp. 

Wilhelm-Augusta-Stift. Siechenhaus. Zur Erinnerung an die goldene Hochzeit Ihrer 
Majestäten des Kaisers und der Kaiserin errichtet. Rechtsfähigkeit seit 31. Dez. 1881. Ver- 
waltung der Stadt. 30 Betten. 

Marienstift. Siechenhaus. 38 Betten. 

Lutherstift. Siechenhaus. Kinderheim. 56 Betten. 

Bielschowitz bei Antonienhütte, 5 482 Einw. (Kreis Zahrze, Reg. -Bez. OppelD). 

Lazaret des Obersehlesisehen Knappschaftsvereins. 1895, 1896 und 1897 erbaut und 
am 1."). Jan. 1898 eröffnet. Arzt: Dr. Cloth. Wartepersonal: 5 m., 1 w. ausgebildete Kranken- 
wärter. 92 Betten. Verpflegungspreis: Fremde 2 M täglich, eigene Kranke werden kosten- 
frei behandelt; für verletzte Mitglieder zahlen die Berufs-Genossenschaften vom Beginn der 
14. Woche 1,50 M täglich. 1898 wurden 957 Kranke durchschnittlich 24>/ 3 Tage verpflegt, 

7 m. sind gestorben. Ausgaben 1898: 74 173,5 M, Einnahmen 1898: 3 371,46 M und setzten 
sich zusammen aus 3 259,6 M Verpflegungsgeldern und 111,86 M aus sonstigen Quellen. 
Elektrische Beleuchtung. Ventilationssystem: Dachfenster und Schornstein. Heizungs- 
system: Luftheizung und Kachelöfen. Desinfektionsanstalt: Henneberg'scher Dampf- 
desinfektor, nur fürs Lazaret. Wasserversorgung: Brunnenwasser. Abfuhr, nach Prof. 
Dr. Hulva. Tagewasser — Kanalentwässerung. 

Bienowitz, 461 Einw. (Landkreis Liegnitz, Eeg.-Bez. Liegnitz). 

Asyl für trunksüchtige Frauen. 1. Nov. 1899 eröffnet. Jahrespension 200 M. 
Vorstand: Schwester [da Brandt (Diakonissin aus Breslau). 



Biesdorf- Birkesdorf. — 80 — Königreich Prenssen. 

Biesdorf, 873 Einw. (Kreis Niederbaruim, Reg.-Bez. Potsdam.) 

Berliner städtische Anstalt für Epileptische „Wuhlgarten''. 15. Xov. 1893 eröffnet. 
Erweiterungsbau 1900 für 100 M. und 60 Fr. Eigenthümer: .Stadtgemeinde Berlin. Vor- 
stand: Direktor Dr. Hebold. 6 Assistenzarzte. Wartepersonal: 60 m.. 42 w. Krankenwärter. 
Verwaltungspersonal: 26 m., 15 w. 1083 Berten: (578 f. M.. 505 f. Fr.), darunter für 
Kinder je 50. 

Für die Zeit vom 1. April 1899 bis 31. März 1902 werden — nach Beschluss der Stadt- 
verordneten-Versammlung vom 29. Dez. 1898 — die im §. 16 des Reglements vom 12. Jan. 
und 25. März 1893 vorbehaltenen Kostensätze nachstehend festgesetzt: 

a) Der Kostensatz für die volle Anstaltsverpflegung (§. 16 Absatz 1 des Reglements) 
auf 2, co M. Kommt dieser volle Satz zum Ansatz, so werden besonders aufgelaufene Kosten 
für Extradiät, Bandagen. Brillen und ähnliche daneben zur Berechnung gestellt. 

b) Der bei Aussenpflege (§. 12 des Reglements) für Leistungen von der Haupt-Anstalt 
ausser der Baarausgabe an die Pflegestelle innerhalb der Grenze des Satzes zu a hinzutretende 
Zuschlag (§. 16 Absatz 2 des Reglements) bei Privatanstaltspflege auf 0,50 M, bei Familien- 
pflege auf 0.7 M. 

c) Die allgemeinen Verwaltungskosten im Sinne von §. 31a des Gesetzes vom 11. Juli 
1891 und seiner Materialien (Drucksache 5 der Session 1890 91 des Herrenhauses. Seite 10 ff.) 
auf 1,60 M. Vorstehender Kostentarif ist auf Grund des Artikels I S- 31b des Gesetzes vom 
11. Juli 1891 (Gesetz-Sammlung Seite 300) von den zuständigen Ministem, Berlin, den 2. März 
1899, genehmigt. 

1898 wurden 78-1 m., 428 w. Kranke durchschnittlich 256 Tage verpflegt. 24 m., 19 w. 
sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1S9S: 872 237 M, letztere setzten sich zusammen 
aus 40 227 M Verpnegungsgeldern, 65 470 M für verkaufte eigene Produkte. 762 511 M 
Zuschuss der Stadt Berlin und 4 029 M aus sonstigen Quellen. 

Biesenthal, 2 G07 Einw. (Kreis Oberbarnim, Reg. -Bez. Potsdam). 

Städtisches Krankenhaus. 1. April 1896 eröffnet. Arzt: Dr. Seer. Wartepersonal: 
1 Schwester aus Victoriaheim in Eberswalde und 1 ausgebildeter Krankenwärter. 13 Betten. 
Verpflegungspreis täglich: 1,75 f. M., 1,50 f. Fr., 1,25 M f. Kinder. 189S wurden 32 m., 18 w. 
Kranke durchschnittlich 34 Tage verpflegt, 1 m., 3 w. sind gestorben. Die Einnahmen 1898 
betrugen 2 070 M Verpflegungsgelder und 9 M für verkaufte eigene Produkte. 

Heimstätte für das Alter und die Arbeitsunfähigkeit. Juli 1899 gegründet von der 
Gesellschaft „Wohlfahrtseinrichtung für Heime deutscher Veteranen. Invaliden 
und Beamte" in Berlin, an deren Spitze Herzog Günther zu Schleswig-Holstein 
und Wilhelm Fürst zu Wied stehen. Die Stadt hat ein Gelände von 120 Morgen geschenkt. 
Es werden 25 villenartige Gebäude errichtet. 

Billerbeck, 2 497 Einw. (Kreis Koesfeld, Beg.-Bez. Münster). 

St. Ludgeri-Hospital. 1865 von der Pfarrgemeinde gestiftet, seit 12. Juni 1869 Rechts- 
fähigkeit. Arzt: Dr. Schwering. Wartepersonal: 8 Franziskanessen aus Münster. 65 Betten, 
darunter 20 für Kinder. Verpflegungspreis: 0,5o M täglich. 1898 wurden 108 m., 73 w. 
Kranke durchschnittlich 73 Tage verpflegt, 7 m.. 10 w. sind gestorben. Ausserdem wurde ver- 
pflegt: 1 Krätzkranker. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 6 304 M. letztere setzten 
sich zusammen aus 4 036 M Verpflegungsgeldern. 1 956 M Kapitalszinsen und 312 M aus sonstigen 
Quellen. 

Birgelen, 953 Einw. (Kreis Heinsberg, Beg.-Bez. Aachen). 

Krankenhaus. 1887 gestiftet. 13 Betten. 4 Augustinerinnen. 

Birkenwerder, 1 286 Einw. (Kreis Niederbarnim, Reg.-Bez. Potsdam). 

J. Mittag's Sanatorium. Arzt: Dr. Wolff. 14 Betten. Verpflegungspreis: 5 M tägl. 

Sanatorium für physikalisch -diätetische Therapie. Eigenthümer: Terraingesell- 
schaft und Sanatorium Bad Birkenwerder bei Berlin, Aktiengesellschaft. Arzt: Dr. Ziegelroth. 
1 Assistenzarzt. 40 Betten. Verpflegungspreis: 10 — 15 M täglich. 

Birkesdorf, 2 896 Einw. (Kreis Düren, Beg.-Bez. Aachen). 

Marienhospital, errichtet 1. Kai 1885 vom Kommerzienratb Wilhelm Schall. 
Eigenthümer: Gemeinde. Arzt: Dr. Gatzen. Wartepersonal: 13 Franziskanerinnen aus 
Salzkotten. 66 Betten. Verpflegungspreis 3, 2 und 1 M täglieh. 1898 wurden 105 m., 87 w. 
Kranke durchschnittlich 21 Tage verpflegt, 6 m. 10 w. sind gestorben. Ausgaben ls: 1 ^: 
14 635 M. Die Einnahmen betrugen 14 458 M Verpflegungsgelder und 250 M aus sonstigen 
Quellen. 



Königreich Preussen. — 81 — Birnbaum — Bitburg. 

Birnbaum. 3 207 Einw. (Kreis Birnbaum, Beg.-Bez. Posen). 

Städtisches Krankenhaus. 1860 errichtet. Arzt: Kreisphysikus Dr. Schroetter. 12 Betten. 
Verpflegnngspreis l.r 5 31. t'ur Krankenkassen 1 31 täglich. 1S9S wurden 4 m., 1 w. Kranke 
durchschnittlich 13 Tage verpflegt. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 562 31. letztere 
n sich zusammen aus 78,is M Verpflegungsgeldern und 483,85 31 Zuschuss der Stadt. 

Bischofsburg. 4 348 Einw. (Kreis Rössel, Reg.-Bez. Königsberg). 

Städtischer Schlachthof vorhanden. 

St. Josephskraukenhaus. 1885 vom Domherrn Herrmann in Frauenburg gestiftet, ist 
mit dem früheren städtischen Krankenhause vereinigt. Eigenthümer: Katholische Kirchen- 
gemeinde. Arzt: Dr. Znralski. Wartepersonal: 4 Katharinerinnen aus Braunsberg, 1 m., 

I w. Krankenwärter. 4ü Betten. Verpflegungspreis 1,50 und 0,so M täglich. 1898 wurden 
127 in.. 69 w. Kranke durchschnittlich 21 Tage verpflegt. 2 m.. 3 w. sind gestorben. Ausserdem 
wurden verpflegt 19 (9 m., 10 w.) Sieche. Die Einnahmen 1898 betrugen 7 370 M und setzten 
sich zusammen aus 5 910 31 Verpflegungsgeldern, 8'JO 31 für verkaufte eigene Produkte und 
570 M Geschenken. 

Bischofstein, 3 1 57 Einw. (Kreis Rössel, Reg.-Bez. Königsberg). 

Städtisches Krankenhaus. 1S69 von der Stadt mit Beihilfe auswärtiger Unterstützungen 
errichtet. Arzt: Dr. Ehm. Wartepersonal: 3 Katharinerinnen aus Braunsberg, 1 m., 1 w. 
Wärter. 19 Betten. Verpflegungspreis 0,ss 31 täglich. 1898 wurden 107 m., 4S w. Kranke 
durchschnittlich 20 Tage verpflegt, 5 m., 2 w. sind gestorben. 

Bischofswerder, 2 030 Einw. (Kreis Rosenberg i. Westpr., Reg.-Bez. Marien werder). 

Krankenhaus der Diaspora-Anstalten. IS. November 1S95 errichtet. Eigenthümer 
und Vorstand: Komitee zur Förderung von Werken der Nächstenliebe im südlichen Theile 
der Provinz Westpreussen. Arzt: Dr. Bajohr. Wartepersonal: 2 Diakonissen aus Dauzig. 

II Betten. Verpflegungspreis 2 31 und O.so 31 täglich. 1898 wurden 30 m., 11 w. Kranke 
durchschnittlich 37 Tage verpflegt, 2 m., 1 w. sind gestorben. 

Sieehenheim. 1895 errichtet. 1 Diakonisse aus Danzig. 24 Betten. 1898 wurden 
14 iu., 10 w. Sieche verpflegt. 

Biskupitz bei Postort Borsigwerk, 7 712 Einw. (Kreis Zabrze, Reg.-Bez. Oppeln). 

Wasserleitung seit 1895. 

gräflich v. BaUestrem'sehe Krankenanstalt. 1867 vom Majoratsherrn Graf v. Ballestrem 
gestiftet. Arzt: Sanitäts-Bath Dr. Krause. Wartepersonal: 5 Vinzentinerinnen aus Kulm. 
17 Betten. Verpflegungspreis 0,75 31 täglich. 1898 wurden 86 m.. 5 w. Kranke durch- 
schnittlich 19 Tage verpflegt, 2 m., 1 w. sind gestorben; ausserdem wurden verpflegt 2 Alters- 
schwache, 1 Sieche. 

Bismarckhütte, Gemeinde Ober-Heiduck mit 6 833 Einw. (Landkreis Beuthen, Reg.-Bez. 
Oppeln). 

Bismarck-Hospital der Krankenkasse für die Bismarckhütte, Aktiengesellschaft. 8. Juni 
1899 eröffnet. Arzt: Sauitätsrath Dr. Fröhlich. 4S Betten für 3iänner. 1S99 wurden 394 Kranke 
durchschnittlich 34,7 Tage verpflegt, 5 sind gsstorben. 

Bitburg, 2 759 Einw. (Kreis Bitburg, Reg.-Bez. Trier). 

Wasserleitung vorhanden. 

Hospital Maria -Hilf. Frühjahr 1896 von der Armenverwaltung eröffnet. Freie Arzt- 
wahl. 14 Franziskanerinnen aus Waldbreitbach. 18 Betten. Verpflegungspreis 2, 1,50, 
1,20, 0,so 31 täglich. 1898 wurden 66 m., 53 w. Kranke durch schnittlich 14 Tage verpflegt, 
3 m., 4 w. sind gestorben. Die Einnahmen 189S betrugen 4S19,ss M und setzten sich zu- 
sammen au- 79,88 M Verpflegungsgeldern. 3fi() 31 Zuschuss der Stadt und 4S0 M aus sonstigen 
Quellen. 

Guttstadt, Krankenhaus-Lexikon für das Deutsche Reich. (j 



Bitterfeld— Blankenburg. — 82 — Königreich Preussen. 

Bitterfeld, 10 636 Einw. (Kreis Bitterfeld, Reg.-Bez. Merseburg). 

Wasserleitung seit 1. Dez. 1896. 

Kreis-Krankenhans. 1. Mai 1884 eröffnet. Arzt: Kreis - Physikus Geh. Sanitäts-Rath 
Dr. Atenstaedt. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 1 ausgebildeter Krankenwärter und 
1 Wärterin. 52 Betten. 1899 wurden 323 m., 61 w. Kranke durchschnittlich 22 Tage verpflegt, 
14 m., 6 w. sind gestorben. 

Blankenau, 420 Einw. (Kreis Fulda, Reg.-Bez. Kassel). 

Hospital. 1869 errichtet. 3 Yincentinerinnen aus Fulda. 12 Betten. 1898 wurden 
12 Männer verpflegt. 

Blankenburg. Gutsbezirk, 93 Einw. (Kreis Niederbaruim, Reg.-Bez. Putsdam). 

Berliner Heimstätte für weibliche Genesende. 10. Okt. 1887 eröffnet. Eigenthümer: 
Stadt Berlin. Arzt: Dr. Reuter in Malchow. Wartepersonal: 1 Schwester des Yietoriahauses. 
70 Betten. Verpflegungspreis für Private 2 M. 1898 wurden G81 Mädchen und Frauen 
durchschnittlich 25,4 Tage verpflegt. Vor Ablauf der eisten Woche schieden 10 Pfleglinge auf 
eigenen Wunsch aus, 14 wurden wegen ungebührlichen Benehmens entlassen. In Blankenburg 
finden auch verheiratete und unverheiratete Wöchnerinnen mit ihrem Rinde — nicht vor 
dem 10. und nicht nach dem 21. Tage nach der Entbindung — Aufnahme. Kosten für Mutter 
und Kind 2,25 M täglich. 1898/99 waren 31 Wöchnerinnen (mit 22 Säuglingen) unter der 
oben angegebenen Zahl der Verpflegten. Ausgaben 1898: 33409,43 M. Einnahmen 35063 M 
Verpflegungsgelder. 

Bei der Meldung zur Aufnahme ist das nachfüllende ärztliche Attest vorzulegen. 

Aerztliches Attest behufs Meldung zur Aufnahme in eine städtische Heimstätte für 
Genesende. (Ausgeschlossen von der Aufnahme sind: Epileptische, Schwindsüchtige, Syphilis- 
kranke, Alkoholiker.) 

1. a) Vor- und Zuname der aufzunehmenden Person: .... b) Stand derselben: .... 
c) Wohnung: ... d) Geburtstag: . . . Geburtsort: ... e) Name, Stand und Wohnung des 
nächsten Angehörigen (Ehegatten, Vaters, Vormunds u. s. w.) : . . . 

2. a) Gehört die Person einer Krankenkasse an und event. welcher? ... b) Kranken- 
kassen-Buch Xr. . . . 

3. Seit wann ist dieselbe arbeitsunfähig? . . . 

4. Bezeichnung und Verlauf der Krankheit: . . . 

5. Kann bei höchstens dreiwöchentlichem Aufenthalt in einer Heimstätte Wiederherstellung 
der Arbeitsfähigkeit in Aussieht gestellt werden? . . . 

6. a) Befindet sich die Person in voller Genesung? ... b) oder ist noch ärztliche 
Pflege erforderlich? ... c) ist noch eine Behandlung mit Medikamenten nöthig? . . . 

7. Sind Abweichungen von der gewöhnlichen Verpflegung bezw. Beköstigung erforderlich 
und welche? . . . 

8. Bemerkungen. . . . 

Wir verpflichten uns, die Kosten für die Der Unterzeichnete befürwortet auf Grund 
Verpflegung de in einer städtischen der obigen wahrheitsmässig abgegebenen Er- 
Heimstätte mit 2 M pro Tag auf die Dauer klärun^en die Aufnahme de vorbezeichneten 
von . . Wochen bis zum ... zu übernehmen in eine städtische Heimstätte für Ge- 

B ^' d - * D Xrl ir :r 1 den\ W0Chel, ,9 

(Unterschrift und Stempel): ... il Titerschrift des Arztes und evt. Amtsstempel): 

.... (Wohnung) : . . . . 

Die Aufnahme de . . p. . . . ist auf die Dauer von . . Wochen genehmigt worden. D . . 

p. . . . hat sich am 1900 in der städtischen Heimstätte für Genesende zu zur 

Aufnahme zu melden. 

Aufnahmebuch Xr. . . Berlin, den .... 1900. Heimstätten-Bureau. 

Gesehen. Die . . p. . . . ist am . . . um . . Uhr hier eingetroffen und unter 
. . . , den .... 1901). Xr. . . in das Aufnahmebuch eingetragen. . . . , den .... 1900. 
Der Hausarzt. . . Die leitende Schwester 

Aufenthaltsverlängerung von . . Wochen ist bewilligt worden. 

Berlin, den .... 1900. Heimstätten-Bureau. 

Eine fernere Aufenthaltsverlängerung von . . Wochen ist bewilligt worden. 

Berlin, den .... 1900. Heimstätten-Bureau. 

D . . p. . . . ist am . . . um . . Uhr aus der Heimstätte nach .... entlassen worden. 
. . . . , den .... 1900. Die leitende Schwester. . . . 



Königreich Preussen. — 83 — Blankenfelde. 

Aerstliches Attest behufs Meldung zur Aufnahme in eine städtische Heimstätte für 
ade Wöchnerinnen. Ausgeschlossen von der Aufnahme sind Personen, welche sich nicht 

in normalem Woehenbettzustande befinden, ferner Epileptische, Schwindsüchtige, Syphiliskrank« 

und Personell, welche unter sittenpolizeilicher Kontrole stehen. 

1. a) Vor- und Zuname der Wöchnerin . . . des Kindes ... b) Beruf der Wöchnerin . . . 

c) Wohnung ... d) Geburtstag der Wöchnerin . . . des Kindes . . . Geburtsort 

ej ist das Kind ehelich oder unehelich geboren? ... f) Name, Stand und Wohnung des 
nächsten Angehörigen der Wöchnerin [Ehemann, Vater. Vormund u. s. w.): . . . 

2. a) Gehört Wöchnerin einer Krankenkasse an und welcher? .... b) Krankenkassen- 
buch Nr. . . 

3. a) Wann ist die Wöchnerin entbunden worden? ... b) Wo hat die Entbindung 
stattgefunden? . . . 

4. Sind bei der Geburt besondere Zufälle beobachtet worden? . . . 

5. Kanu bei dreiwöchentlichem Aufenthalte in der Heimstätte eine vollständige Genesung 
in Aussicht gestellt werden? . . . 

(;. ai Befindet sich die Wöchnerin in normalem Wochenbettzustande? ... b) oder ist 
noch ärztliche Pflege erforderlich? ... c) ist noch eine medikamentöse oder chirurgische Be- 
handlung nöthig? . . . d) ist das Kind gesund? . . . e) oder woran leidet es? . . . Beziehungs- 
weise ist es augenkrank? . . . 

7. Sind für die Wöchnerin Abweichungen von der gewöhnlichen Verpflegung oder Be- 
köstigung erforderlich und event. welche? . . . 

8. Ist die Wöchnerin im Stande, ihr Kind mit der Brust zu nähren? . . . 

9. Bemerkungen. . . . 

Der Unterzeichnete befürwortet auf Grund der vorstehend, nach einer örtlichen Unter- 
suchung wahrheitsgemäss abgegebenen Erklärung die Aufnahme der vorbezeichneten .... mit 
ihrem Kinde in die städtische Heimstätte für genesende Wöchnerinnen auf die Dauer von 
. . Wochen. 

Berlin, den .... 1900. (Unterschrift des Arztes event. Amtssiegel.) 

Die Aufnahme der p. . . . mit ihrem Kinde ist auf die Dauer von . . Wochen genehmigt 
worden. 

Aufnahmebuch Nr. . . 

Berlin, den .... 1900. Aufnahmebureau der städtischen Heimstätten für Genesende. 

Die p. . . . ist mit ihrem Kinde am ... . um . . Uhr . . mittags hier eingetroffen und 
unter Nr. . . in das Aufnahmebuch eingetragen worden. 

Blankenfelde, den ... . 1900. Die leitende Schwester. . . . 

Gesehen. 
Blankenfelde, den ... . 1900. 
Der Hausarzt. . . . 

Die beantragte Aufenthaltsverlängerung von . . Wochen ist bewilligt worden. 
Berlin, den .... 1900. Aufnahmebureau. . . . 

Eine fernere Aufenthaltsverlängerung von . . Wochen ist bewilligt worden. 
Berlin, den .... 1900. Aufnahmebureau. . . . 

Die p ist mit ihrem Kinde am ... . um . . Uhr . . mittags aus der Heimstätte 

nach . . . entlassen worden. Das Kind ist mit der Mutterbrust — künstlich — genährt worden. 
Blankenfelde, den .... 1900. Die leitende Schwester. . . . 

Entlassungstag im Aufnahmebuch notirt. 
Berlin, den .... 1900. Aufnahmebüreau. . . . 

Blankenfelde, 576 Einw. (Kreis Niederbarnim, Keg.-Bez. Potsdam). 

Berliner Heimstätte für weibliche Brustkranke. Am 10. Juli 1893 eröffnet. Eigen- 
thümer: Stadt Berlin. Arzt: Dr. Elkan. 3 Victoriaschwestern. 63 Betten. 189S wurden 
469 tuberkulöse Frauen durchschnittlich 43,7 Tage verpflegt, kein Todesfall. 43 Pfleglinge 
mussten innerhalb der ersten 14 Tage nach der Aufnahme entlassen werden, darunter 3 wegen 
Heimweh, 7 wegen Familien- oder Arbeitsangelegenheiten, 6 wegen ungebührlichen Benehmens, 
23 weil sie wegen schwerer Krankheit hier ungeeignet waren, 1 wegen beginnenden Abortus und 
3 weil ihre Kassen die Kosten nicht übernehmen wollten. Ausgaben 1S98: 51420,58 M. Ein- 
nahmen 40 439.95 M Verpflegungsgelder und 39S,43 M aus sonstigen Quellen. Bei der Meldung 
zur Aufnahme ist folgendes ärztliche Attest vorzulegen. 

6* 



Blankenfelde. — 84 — Königreich Preussen. 

At-rztliches Attest behufs Meldung zur Aufnahme in eine Berliner städtische Heim- 
stätte für Brustkranke. (Ausgeschlossen von der Aufnahme sind Epileptische. Syphilitische, 
Alkoholiker.) 

1. a) Vor- und Zuname der aufzunehmenden Person': .... b) Stand derselben: .... 
c) Wohnung: ... d) Geburtstag: . . . Geburtsort: . . . Kreis: ... e) Name, Stand und 
Wohnung des nächsten Angehörigen i Ehegatten, Vaters, Tormunds u. s. w.): . . . 

2. a) Gehört die Person einer Krankenkasse an. bezw. welcher? ... b) Krankenkassen- 
Buch Nr. ... 3. Seit wann ist dieselbe arbeitsunfähig? . . . 

4. al Bezeichnung, Dauer und Verlauf der Krankheit: insbesondere welche Theile 'waren 
vorzugsweise ergriffen, und welche Behandlungsweise ist angewendet worden? ... b) Sind in 
der Familie andere Fälle von Tuberkulose vorgekommen und welche? . . . 

.">. Kann von der Verpflegung in einer Heimstätte die Hersteilung einer Erwerbsfähigkeit 
erwartet werden? . . . 

G. Ist Fieber vorhanden? . . . 

7. Sind Abweichungen von der gewöhnlichen Verpflegung bezw. Beköstigung erforderlich 
und welche? ... S. Bemerkungen. . . . 

Wir verpflichten uns. die Kosten für die Der Unterzeichnete befürwortet auf Grund 
Verpflegung de in einer städtischen der obigen wahrheitsgemäss abgegebenen Er- 
Heimstätte mit 2 31 pro Tag auf die Dauer klärungen die Aufnahme de vorbezeichneten 
von . . Wochen bis . . . zu übernehmen. .... in eine städtische Heimstätte für Brust- 

■p„^i;„ j„„ icinn kranke auf . . Wochen. 
Berhn, den 1900 Berlin _ den im 

(Unterschrift und Stempel.) . . . (Unterschrift des Arztes und evt. Amtsstempel.) 

.... (Wohnung): .... 
Die Aufnahme de . . p. . . . ist auf die Dauer von . . Wochen genehmigt worden. 
D . . . hat sich am ... . 1900 in der städtischen Heimstätte für Brustkranke in ... . 
zur Aufnahme einzufinden. 

Aufnahmebueh Nr. . . . Berlin, den .... 1900. Heimstätten-Bureau. 

Gesehen. D . . p. . . . ist am . . . um . . Uhr hier eingetroffen und unter 

.... den .... 1900. Nr. . . in das Aufnahmebueh eingetragen. . . . den .... 1900. 
Der Hausarzt. . . . Die leitende Schwester. . . . 

Aufenthaltsverlängerung von . . Wochen ist bewilligt worden. 

Berlin, den .... 1900. Heimstätten-Bureau. 

Eine fernere Aufenthaltsverlängerung von . . Wochen ist bewilligt worden. 
Berlin, den .... 1900. Heimstätten-Bureau. 

D . . p. . . . ist am . . . um . . Uhr aus der Heimstätte nach . . . entlassen worden. . . . 
.... den ... . 1900. Der Hausarzt. . . . 

Hausordnung der städtischen Heimstätten für Brustkranke. 

1. Die Pfleglinge erhalten bei ihrem Eintritt in die Heimstätte Bekleidung, Leibwäsche, 
Lagerstelle, Bettwäsche und Handtücher von der Verwaltung geliefert. Sie müssen jedoch 
selbst mit ausreichender, in sauberem Zustande befindlicher und der Jahreszeit entsprechender 
Kleidung versehen sein, welche sie bei der Aufnahme in die Heimstätte abzugeben haben und 
bei ihrer Entlassung gegen Rückgabe der Anstaltssachen zurück empfangen. Kamm, Haar- und 
Zahnbürste muss jeder Pflegling mitbringen.' i 

2. Jeder Bewohner der Heimstätte ist verpflichtet, allen Anordnungen des Arztes und 
der leitenden Schwester oder den von diesen beauftragten Personen unbedingt Folge zu leisten, 
widrigenfalls die sofortige Entlassung erfolgen kann. 

Ungesittetes, Aergerniss erregendes Benehmen, namentlich Trunkenheit, hat gleichfalls 
die sofortige Entlassung des betreffenden Pfleglings zur Folge. 

Jedes Spielen um Geld ist untersagt. 

Baares Geld und Werthsachen sind an die leitende Schwester abzugeben. Werden der- 
gleichen Gegenstände nicht abgegeben, so wird, falls sie abhanden kommen sollten, ein Ersatz 
nicht geleistet. 

3. Die Pfleglinge sind, sofern der Anstaltsarzt nicht andere Anordnung getroffen hat, 
gehalten, in der Eegel im Sommer um 7, im Winter um S Uhr 3Iorgens aufzustehen und im 
Sommer spätestens um 9 Uhr, im Winter um S Uhr Abends zu Bett zu gehen. Das Auf- 
machen der Lagerstellen haben, soweit der Arzt nichts anderes bestimmt, die Pfleglinge selbst 
zu besorgen und auch die Beinigung ihrer Zimmer zu übernehmen. 

4. Der Aufenthalt in den Schlafräumen ist wahrend -zeit nur zum Ruhen gestattet. 
Bei Benutzung der Lagerstellen sind die Oberkleider und das Schuhwerk abzulegen. 
Die Lagerstellen sind sofort nach dem Verlassen derselben in Ordnung zu bringen. Vor 

dem Verlassen der Schlafräume — Vor- und Nachmittags — haben die Pfleglinge die Fenster 
zu öffnen. 



*) Die Pfleglinge haben f ich mit Pantoffeln oder iMorgenschuben zu versehen, da solche von der Ver- 
waltung nicht geliefert werden. 



Königreich Preussen. — 85 — Blankenstein, Bleichfelde. 

5. Pas Decken und Aufräumen der Tische hat von den Pfleglingen zu erfolgen; auch 
können denselben andere Verrichtungen, namentlich in der Küche und Wäscheverwaltung, 
unter Zustimmung des Arztes von der leitenden Schwester übertragen werden. 

6. In Bezug auf die Diät und die Benutzung von Arzneien haben die Pfleglinge den An- 
ordnungen des Anstaltsarztes und der Pflegeschwestern unbedingt Folge zu leisten. 

7. Die Einführung von Spirituosen in die Anstalt ist untersagt. Das Einbringen und 
der Genuss von Ob;t und anderen Lebensmitteln unterliegt der Genehmigung des Arztes. 

- Das Tabakrauchen ist im ganzen Bereiche der Heimstätte — also auch im Parke — 
verboten. 

9. Die Pfleglinge sind gehalten, zu den einzelnen Mahlzeiten, deren Beginn durch das 
Läuten einer Glocke angezeigt wird, pünktlich zu erscheinen, es sei denn, dass sie durch ihren 
Gesundheitszustand hieran gehindert sind. 

10. Die Pfleglinge dürfen sieh nur in den ihnen angewiesenen Räumen oder im Parke 
aufhalten. Das Betreten der zur Heimstätte oder zur Gutsverwaltung gehörigen Wirthsehafts- 
räume ist streng untersagt. Das Anstaltsgebiet darf von den Pfleglingen nicht verlassen werden. 

11. Die Pfleglinge haben sowohl in ihrem eigenen als in dem Literesse ihrer Haus- 
genossen ihren Auswurf (durch Husten, Räuspern, Spucken) ausschliesslich in die zur Aufnahme 
desselben bestimmten Gelasse — Speinäpfe. Speigläser und tragbare Speiflaschen — zu ent- 
leeren und jede Verunreinigung der Fussböden. der Wände, der Bett- und Tischwäsche, be- 
sonders auch der Taschentücher strengstens zu vermeiden. 

Ebenso streng niuss jede Verunreinigung des Parkes — sowohl der Wege wie aller An- 
lagen — mit Auswurf vermieden werden. Der sorglos überallhin entleerte Auswurf erregt 
nicht nur Ekel, sondern bringt Pfleglingen wie Angestellten eine grosse Gefahr, denn durch 
seine Eintrocknung und Verstäubung trägt er vermöge des gerade in ihm enthaltenen An- 
steckungsstoffes der Schwindsucht zur Verbreitung derselben hei. 

12. Beurlaubungen der Pfleglinge finden nicht statt. 

13. Von den Pfleglingen wird die Schonung ihrer Kleidung und des von ihnen benutzten 
Anstalts-Inventars sowie die grösste Sauberkeit erwartet; auch haben sie jede Beschädigung 
der Park- und Gartenanlagen sorgsam zu vermeiden. Es wird ferner vorausgesetzt, dass sie 
selbst für die Reinlichkeit und Ordnung sowohl an ihrer Person als auch in den Schlafräumen, 
im Speisesaal, in den Parkanlagen und namentlich auf den Abtritten (Klosets) sorgen und im 
gleichen Sinne auf die Mitbewohner der Heimstätten ihren Einfluss auszuüben suchen werden. 
Insbesondere dürfen die Pfleglinge in den Schlafräumen und im Speisesaal keine Kleidungs- 
stücke umherliegen lassen und das Reinigen der Kleidung nicht in den Zimmern vornehmen. 

Allen Anordnungen der leitenden Schwester hierin ist anstandslos Folge zu leisten. 

14. Pfleglinge, welche beabsichtigen, die Anstalt vor Ablauf der ihnen bewilligten 
Aufenthaltszeit zu verlassen, müssen dies mindestens 2 Tage vorher mittheilen, damit die 
Ueberweisung vorgemeldeter Pfleglinge rechtzeitig erfolgen kann. 

15. Den Angehörigen der Pfleglinge ist der Besuch dieser nur am Sonntag- und Mittwoeh- 
Xachmittag und zwar in den Monaten April bis September in der Zeit von 4 bis 6 Uhr, in 
den Monaten Oktober bis März in der Zeit von 3 bis 4 Uhr gestattet, jedoch darf dieser ohne 
besondere Genehmigung des Arzte« nicht in den Schlafräumen entgegengenommen werden. 

Für Besuche zu anderer als der angegebenen Zeit ist vorher in jedem einzelnen Falle 
die Genehmigung des Anstaltsarztes einzuholen. 

Personen, die ausserhalb der Besuchszeit ohne besondere Erlaubniss erscheinen, wird der 
Zutritt zur Anstalt nicht gestattet. 

IG. Etwaige Beschwerden sind bei dem Arzte oder der leitenden Schwester anzubringen. 

Berlin, den 17. März 1899. Kuratorium der städtischen Heimstätten für Genesende. 

Marggraff. 



Blankenstein. 1 353 Einw. (Kreis Hattingen, Reg.-Bez. Arnsberg). 

Eli<abethen-Krankenanstalt. Aufnahme katholischer Schwachsinniger. 1SS4 vom katho- 
lischen Kirchenvorstand gestiftet. Arzt: Dr. Ueberhorst. Wartepersonal: 4 Franziskanerinnen 
11 Betten. Verpflegungspreis: 1,7s M täglich. 1S9S wurden 55 m., 10 w. 
Kranke durchschnittlich 22,7 Tage verpflegt, 2 m. sind gestorben. 

Bleichfelde. 723 Einw. (Landkreis Bromberg, Reg.-Bez. Bromberg). 

Kreiskrankenhaus (auch für Sieche und unbemittelte Altersschwache). Oktober 18S0 
errichtet. Arzt: Kreisphysikus Dr. Faster. Wartepersonal: 3 Diakonissen aus Posen und 
Im., 2 w. Krankenwärter. 41 Betten. Verpflegungspreis: 1 — 4 M täglich. 1S9S wurden 
102 m., RS w. Kranke durchschnittlich 45 Tage verpflegt, je 13 sind gestorben. Einnahmen 1898: 
9 123,io M Verpflegungsgelder. 



Bobrek— Bockum. — 86 — Königreich Preiisson. 

Bobrek, 3 001 Einw. (Landkreis Beuthen, Reg. -Bez. Oppeln). 

Wasserleitung seit 1895. 

Hüttenlazaret „Julienhütte". 1895 errichtet von der Betriebskrankenkasse des Hoch- 
ofenwerkes „Julicnhütte". Arzt: Dr. Proske. Wartepersonal: 1 ausgebildeter Kranken- 
wärter und 1 Wärterin. 40 Betten. 1898 wurden 460 (405 ni., 55 w.) Kranke durchschnittlich 
25 Tage verpflegt, 8 m. sind gestorben. 

Bocholt, 16 273 Einw. (Kreis Borken, Reg.-Bez. Münster). 

Städtisches Armen- und Waisenhaus. Errichtet 1847. Wartepersonal: 9 Klemens- 
schwestern aus Münster. 164 Betten. 

St. Agnes-Hospital, mit Rechtsfähigkeit. 1844 errichtet. Wartepersonal: 23 Klemens- 
schwestern aus Münster. 200 Betten. 1898 wurden 1 149 Kranke verpflegt. 

Bochum, 53 842 Einw. (Stadtkreis Bochum, Reg.-Bez. Arnsberg). 

Wasserversorgung durch ein Wasserwerk, das mehr als 11 Millionen cbm jährlich 
fördert. — Städtischer Vieh- und Schlachthof mit Kühlhaus vorhanden. 

Lazaret des Zentralgefängnisses. Eigenthümer: Justizfiskus. Arzt: Sanitätsrath 
Dr. Lorentz, Kreisphysikus. 14 Betten. 1898 wurden 154 m. Gefangene durchschnittlich 
22 Tage verpflegt, 13 sind gestorben. 

Städtisches Reservelazaret, für epidemische Krankheiten. 40 Betten. 

Angusta-Krankenanstalt. Evangelisches Krankenhaus. 1864 gestiftet von evangelischen 
Mitbürgern aus Stadt und Land. Seit 18. Aug. 1896 Eigenthum der evangel. Kirchengemeinde. 
Vorstand: Knappschaftsdirektor Gerstein. Leitender Arzt: Dr. v. Bardeleben, Sanitätsrath 
Dr. Nieden für Augenkrankheiten, Dr. Everke für Frauenkrankheiten. 3 Assistenzärzte. Warte- 
personal: 15 Diakonissen aus Kaiserswerth und 4 m. Krankenwärter. 220 Betten. Ver- 
pflegungspreis: 6, 4, 1,7t M täglich. 1898 wurden 2 763 (1937 m.. S26 w.) Kranke durch- 
schnittlich 24 Tage verpflegt, 94 m., 71 w. sind gestorben. Ausserdem wurden verpflegt 
25 Krankenbegleiter. 

Elisabeth -Anstalt. Katholisches Krankenhaus. 25. April 1S48 durch ein Kuratorium 
gegründet. Die Anstalt besitzt Rechtsfähigkeit. Leitende Aerzte: Innere Abth.: Sanitätsrath 
Dr. Schmidt; Abth. für Augenkranke: Sanitätsrath Dr. Nieden; Chirurgische Abth. : Dr. Barden- 
heuer. 3 Assistenzärzte. Wartepersonal: 42 Vincentinerinnen aus Paderborn und 1 aus- 
gebildeter Krankenwärter. 377 Betten (271 f. M., 106 f. Fr.) in 3 Klassen: I. Kl. 3 f. M., 4 f. Fr.; 
IL Kl. 12 f. M., 22 f. Fr.; IU. Kl. 256 f. M., 80 f. Fr., darunter 33 f. Kinder. Verpflegungs- 
preis: 6, 4, 1,75 und 1,35 M täglich. 1898 wurden 3914 (2 989 m., 925 w.) Kranke durchsehnitt- 
ich 26,3 Tage verpflegt, 149 (98 m., 51 w.) sind gestorben. 

Krankenhans „Bergmannsheil" (Wiemelhausen). Erbaut 1888/89, eröffnet am 1. März 
1890. Eigenthümer: Westfälische Berggewerkschaft in Bochum. Vorstand: Sektion 11 der 
Knappschaftsberufsgenossenschaft in Bochum. Leitender Arzt: Prof. Dr. Löbker. 7 Assisteuz- 
ärzte. Wartepersonal: 8 Schwestern vom rothen Kreuz in Köln und 10 ausgebildete 
Krankenwärter. Aufnahme finden die im Betriebe verletzten sowio chirurgisch erkrankten Berg- 
leute im Oberbergamtsbezirke Dortmund. Soweit Plätze frei sind, können auch Privatpersonen 
beiderlei Geschlechts, die einer chirurgischen Behandlung bedürfen, gegen Zahlung fester A'er- 
pflegungssätze in das Krankenhaus aufgenommen werden. 250 Betten. Verpflegungspreis: 
I. Kl. fi"M, II. Kl. 4 M, ID. Kl. f. M. 1,75 M, f. Fr. 1,50 M, f. Kinder 1 M täglich; 'Verbandstoffe 
und Behandlung besonders. 1898 wurden 2 681 Kranke durchschnittlich 26 Tage verpflegt, 64 in., 
22 w. sind gestorben. Einnahmen 1898: 121 917,86 M. Bauliche Beschreibung: Korridor- 
system. Baracke für Infektionskrankheiten. Elektrische Beleuchtung. Ventilationskanäle. Nieder- 
druckdampfheizung. Desinfektionsanstalt (Budenberg'scher Apparat). 

Augenheilanstalt von Dr. Goller. 1895 eröffnet. Warteperson'al: 1 Kranken- 
wärterin. 5 Betten. Verpflegungspreis: 3 — 4 M und 1, so — 2M täglich. 189S wurden 21 in., 
11 w. Kranke durchschnittlich 18,5 bezw. 5,5 Tage verpflegt. 

Kaiser Wilhelm-Augusta-Hospital. Stiftung der Stadt zur Erinnerung an die goldene 
Hochzeit des Kaiserpaares am 11. Juni 1879. August 1882 eröffnet für Sieche und Altersschwache. 
Arzt: Dr. Seyfert. 

Bockum, 4 802 Einw. (Landkreis Krefeld, Reg.-Bez. Düsseldorf). 

Privat - Augenheilanstalt von Dr. Rheindorf. Oktober 1896 eröffnet. 15 Betten. 
Verpflegungspreis: 5, 3, 1,50 M täglich. 1898 wurden 24 m., 19 w. Kranke durchschnittlich 
13 Tage verpflegt. 



Königreich Preussen. — 87 — Bökendorf — Bolkenhain. 

Bökendorf, Postort Brake!, 642 Einw. (Kreis Höxter, Reg.-Bez. Minden). 

Krankenpflegeanstalt zum heiligen Kreuz (Erziehung von Waisenmädchen). Oktober 
1856 von Preifräulein Ludowina v. Haxthausen gestiftet. Eigenthümer: Freiherr v. Haxt- 
hausen iu Abbenburg. Die Anstalt besitzt Rechtsfähigkeit. Arzt: Dr. Larenz in Brakel. 
Wartepersonal; 5 bannherzige Schwestern vom heil. Kreuz in Strassburg. 9 Betten. Ver- 
pflegnngspreis: 0,2s M täglich. Die Einnahmen 1898 betrugen 6478,69 M und setzten sieh 
zusammen aus 1 760,05 M Verpflegungsgeldern, 161,69 M an verkauften eigenen Produkten, 
1 14.").66 M Kapitalszinsen und 3 411,26 M Gesehenken. 



Boele, 4 650 Einw. (Landkreis Hagen i. W., Reg.-Bez. Arnsberg). 

St. Josephs -Hospital. 1871 errichtet. Eigenthümer: Katholische Kirche. Arzt: 
Dr. Midie. Wartepersonal: 16 Franziskanerinnen aus Salzkotten. 84 Betten in 4 Klassen, 
Verpflegungspreis: 3, 2, 1,20 und l),so M. 1898 wurden 133 m., 42 w. Kranke durchschnitt- 
lich 99 Tage verpflegt, 10 m., 6 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 5 Altersschwache. 
Ausgaben 1898: 12050 M. Die Einnahmen betrugen 11800 M Verpflegungsgelder und 500 M 
Geschenke. 



Bogutschütz, 10 492 Einw. (Kreis Kattowitz, Eeg.-Bez. Oppeln). 

Wasserleitung seit 1896. 

Hospital der barmh. Brüder zu den lieU. Schutzengeln. 29. März 1871 gestiftet. 
Kontagienhaus 1897 mit 20 Betten erbaut. Eigenthümer: Konvent der barmh. Brüder, 
besitzt Rechtsfähigkeit. Leitender Arzt: Dr. Sogalla. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 
20 barmh. Brüder aus Breslau. 120 Betten, darunter 10 für Kinder. Verpflegungspreis: 
4 und 2 M täglich, meist unentgeltlich. 1898 wurden 1 457 m. Kranke durchschnittlich 24,5 Tage 
verpflegt, 86 sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 71 975,22 M. 



Bohnsdorf, 506 Einw. (Kreis Teltow, Reg.-Bez. Potsdam). 

Sanatorium Grünau (bei Berlin) von Dr. Hoflinann. Anstalt für Wasserheilverfahren, 
Massage und Diätkuren. Februar 1899 eröffnet. Wartepersonal; 1 m., 2 w. ausgebildete 
Krankenwärter. 20 Betten. Verpflegungspreis: 6 — 10 M täglich. 



Bojanowo, 2 188 Einw. (Kreis ßawitsch, Reg.-Bez. Posen). 

Lazaret des Arbeits- und Landarmenhauses. 1. April 1893 von der Provinzial -Ver- 
waltung der Provinz Posen eröffnet. Arzt: Dr. Frost. 20 Betten f. M. 1898 wurden 112 m. 
Kranke durchschnittlich 20 Tage verpflegt, 7 sind gestorben. 

Städtisches Krankenhaus. 21. Sept. 1862 vom Magistrat unter Zuhilfenahme eines 
Legats vom verstorbenen Justizrath Kaulfuss von der Stadt gegründet. Arzt: Sanitätsrath 
Dr. Seiler. 12 Betten. Verpflegungspreis: 0,80 und 0,90 M täglich. 1898 wurden 24 m. 
Kranke durchschnittlich 33 Tage verpflegt, 6 sind gestorben. Ausgaben 1898: 1 155,47 M. Die 
Einnahmen betrugen 1636,38 M und setzten sich zusammen aus 1008,34 M Verpflegungsgeldern, 
623,42 M Kapitalszinsen und 4,62 M aus sonstigen Quellen. 



Bolkenhain, 3 685 Einw. (Kreis Bolkenhain, Reg.-Bez. Liegnitz). 

Wasserleitungen vorhanden. 

Kreiskrankenhaus, s. Kl. Waltersdorf und Hohenfriedeberg. 

Privat -Krankenanstalt von den grauen Schwestern aus Breslau. 25. Febr. 1885 eröffnet. 
20 Betten. 

Siechenanstalt, 1891 von Diakonissen gegründet. 

Hospital und Siechenhaus. 1864 errichtet. 6 graue Schwestern aus Breslau. 1898 
wurden 143 Personen verpflegt. 



Bonn. — 88 — Königreich Preussen. 

Bonn, 50 000 Einw., 123 Aerzte, 4 Zahnärzte, 16 Hebammen, 6 Apotheken (Stadt- 
kreis Bonn, Beg.-Bez. Köln). 

Städtische Wasserleitung: Erbaut 1875 von der Rheinischen Wasserwerks- 
Gesellschaft und allmählich vergrössert. 1899 für 3 500 000 M von der Stadt angekauft. Ver- 
ästelungssvstem. Brunnen. Pumpwerk oberhalb Bonn. Leistung im letzten Jahre 17 000 cbm 
in 24 Stunden. — Städtischer Schlachthof: 1888/89 für 570000 M erbaut, ausschliesslich 
Grunderwerb und Abflusskanal zum Rhein. Getrennte Schlachthallen mit Kühlhaus und Vieh- 
marktplatz. Leistung 1S97/98: 3368 Ochsen, 512 Kühe. 2 212 Rinder. IG 064 Schweine, 
11565 Kälber, 5 1GS Schafe, 160 Ferkel, Ziegen, Lämmer, 262 Pferde. — Kanalschwemni- 
system. 34 km Gesammtlänge, mündend in den Rhein ohne vorherige Klärung. Abfuhr des 
Strassenkehriehts und der Küehenabfälle für 17 000 51 fürs Jahr. — Städtische Desinfektions- 
anstalt: 1893 erbaut für 9 300 M. System: Budenberg-Dortmund. 1898 benutzt: 23mal bei 
Diphtherie, 15mal bei Typhus, 8mal bei Masern, Phthise u. s. w. — Oeffentliche Bade- 
anstalten: 2 städtische Anstalten im Rhein auf Pontons ruhend, angekauft 1890 für 
63000 M. Benutzt im letzten Jahre von 80 000 Personen. — 2 Privat-Rheinbadeanstalten 
von gleichem System. — 1 Warmwasser-Badeanstalt in Privatbesitz. — Brausebäder mit 
18 Zellen nur für Schulkinder in einer städtischen Elementarschule — Bau-Polizeiordnnng, 
vom 20. März 1S94. Einige Abänderungen 1897. 

Universitätsklinik für chirurgische Krankheiten. Am 18. Okt. 1818 bei Errichtung 
der Universität durch König Friedrich Wilhelm DU. mit eingerichtet: neu eröffnet am 
1. Okt. 1883. 

Eigenthümer: Fiskus (Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- 
angelegenheiten). 

Vorstand und ärztliche Leitung: Direktor. Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Schede 
2 Sekundärzte. 4 Assistenzärzte. Wartepersonal: 10 Schwestern vom rothen Kreuz aus dem 
Klementinenhause in Hannover. 5 m.. 3 w. Wärter. 134 Betten in 3 Klassen. Verpflegungs- 
preis: I. Kl. 7.50. D. Kl. 5. ID. 0,70—1.70 51 täglich. 1S9S 99 wurden 1 3S2 (976 m., 406 w.) 
Kranke durchschnittlich 34 bezw. 30 Tage verpflegt, 54 in., 27 w. sind gestorben. Einnahmen 
189S: 70 312 M. darunter 69 912.50 51 Verpflegungsgelder einschliesslich Erstattung für Ver- 
bandmaterial und Extra wachen, 400,3 3 M aus eigenem Vermögen. 

Universitätsklinik für innere Krankheiten. Am 18. Okt. 1818 errichtet, neu eröffnet 
am 1. Juni 1S82. Vorstand und ärztliche Leitung: Direktor, Prof. Dr. Schnitze. 
5 Assistenzärzte. Wartepersonal: 8 barmherzige Schwestern vom heil. Carl Borromäus in 
Trier, 1 Wärter und 2 Wärterinnen. 86 Betten. Verpflegunscspreis: I- Kl. 7,50, D. KI. 5 
und JJJ. Kl. 0.70—1.7 51 täfffich. 

1898/99 wurden 1 048 (699 m., 349 w. | Kranke durchschnittlich 27 bezw. 30 Tage ver- 
pflegt, 33 m. 31 w. sind gestorben. Einnahmen 1898: 44538,49 51, darunter 44 21 Lp.*. 51 Ver- 
pflegungsgelder. 

Universitätsklinik für Syphilis und Hautkrankheiten. 1. Juni 1882 eröffnet. 

Vorstand und ärztliche Leitung: Direktor, Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Doutrelepont, 
5 Assistenzärzte. Wartepersonal: 2 m., 2 w. Krankenwärter. 56 Betten in 3 Klassen. Ver- 
pflegungspreis: 1. Kl. 7.50—9. H. Kl. 5 und 6. HI. Kl. 0.7c— 3 M täglich. 1^98/99 wurden 
648 (466 m.. Im' w.J Kranke durchschnittlich 22 bezw. 41 Tage verpflegt, 2 m. sind gestorben. 
Einnahmen 189S: 31 186 51 Verpflegungsgelder. 

Garnisonlazaret. 1830 als Privatgebäude von dem Geb. Kabinetsrath Dr. Niebuhr 
erbaut, 1856 vom Militärfiskus angekauft. Juli 1S58 bezogen. 1892 wurde ein zwei- 
geschossiges Isolirgebäude gebaut. Es liegt an der Hanptstrasse nach Köln. Vorstand: 
Oberstabsarzt 1. Klasse Dr. Klamroth. Wartepersonal: 3 ausgebildete Krankenwärter. 
52 Betten. 1898 wurden 319 Kranke durchschnittlich 28 Tage verpflegt. Gasglühlicht. 
Desinfektionsapparat (Henneberg T. Ol. Wasserversorgung: Städtische Wasserleitung. 
Latrinen: Wasserspülung. Anschlnss an die städtische Kanalisation. 

Lazaret des Königl. Arresthauses, für männl. und weibl. Untersuchungs-, Wefängniss- 
und Strafgefangene. Für die letzteren gemeinschaftliche Haft. Für die Untersuchungsgefangenen 
EinzelzeÜen. Es können Strafen bis zu einem Jahre verbüsst werden. 

Eigenthümer: Fiskus l5Iinisterium des Innern). 

Belegfähigkeit: 127 5Iänner, 39 Weiber. Hafträume: 53 Einzelzellen ausschliesslich 
Strafzellen. 20 gemeinsame Schlafräume von :'.76 qm Gesammtgi-össe. 17 gemeinsame Arbeits- 
räume von 330 qm Gesammtgrösse. Arzt: Dr. Ungar. Krankenräume: 3 von 49 qm Ge- 
sammtgrösse. Krankenzahl 1S98: 71 m.. 20 w. Gefangene. 



Königreich Preussen. — 89 — Bonn, 

städtisch - Kontagiea- und Verpfleguugshau-, 1870 errichtet, steht mit dem daneben 

liegenden Xoth- und Hill Vhvsj.ital iu Verbindung. 42 Betten: 5 1. 31. 37 f. Fr. Verpflegung- 
preis 3 und l,so M täglich. 1898 wurden 2 m., 29 w. Kranke durchschnittlich 233 Tage ver- 
pflegt. 4 w. sind gestorben. 

Friedrich Wilhelm-Stiftung, Kranken- und Waisenhaus. 18. "kt. 1854 au* milden 
_-en der eva n Kirchengemeinde gegründet. Leitende Aerzte: Prof. Dr. Finkler 

und Prof. Dr. WitzeL Wartepersonal: 15 Diakonissen aus Kaiserswerth. 1 lc > Betten. Ver- 
pf lejgungspreis 6, 7. so, 4. 3 und 1,50 M täglich. Freibetten vorhanden. 1898 wurden 685 M., 
B09 Fr. und 231 Kinder verpflegt, 37 31.. 12 Fr. und 10 K. sind gestorben. Ausgaben 189S: 
110412,74 -M. Einnahmen 127207,74 31. darunter 35378,18 31 Pflegegelder, 2 43.". M Jahres- 
beiträge. 3050 M Dienstboten-Abonnement . M Schenkungen. 

Hospital zum heiligen Johannes. Aus freiwilligen Beiträgen und Legaten gegründet 
und 1849 eröffnet. Seit 1896 keine Hospitaliten mehr in der Anstalt: sie besitzt Rechtsfähig- 
keit Oberärzte: Geheimrath Prof. Dr. Schede für chirurgische und Geheimer Sanitätsrath 
Dr. Burkart für innere Krankheiten. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 30 Borromäerinnen 
aus Trier: Dispensin nstalt, von d in Schwestern geleitet; 2 m.. 8 w. ausgebildete Krankenwärter. 
202 Betten: I. Kl. 30, H. Kl. 28, HI. Kl. 66 f. M.. 7> f. Fr., darunter 27 f. Kinder. Ver- 
pflegungspreis: 5 — 7. 3. l.öo 31 täglich. 1S9S wurden 577 m.. 1 50 w. Kranke durchschnittlich 
30 Tage verpflegt, 26 m., 21 w. sind gestorben. Ausserdem wurden verpflegt: 5 Altersschwache. 
Die Einnahmen 1898 betrugen: 190323,33 31 und setzten sich zusammen aus 85216,75 3r Ver- 
pflegungsgeldern, 517.15 31 Kapitalszinsen, 235,05 31 Geschenken und 104 354,3s 31 aus sonstigen 
Quellen. 

Kranken- und Kekonvaleszentenhans. 1889 gestiftet. Eigenthümer: harmherzige 
Brüder vom heil. Johannes in Trier. Leitender Arzt: Prof. Dr. Fuchs. Behandelnde Aerzte: 
Prof. Dr. WitzeL Oberarzt Dr. Liniger. 5 Assistenzärzte. Wartepersonal: 28 barmherzige 
Brüder aus Trier, 4 Krankenwärter. 130 Betten. Verpflegungspreis: 4, 3 und l,so 31 
täglich. 1898 wurden 790 m. Kranke durchschnittlich 44 Tage verpflegt, 11 sind gestorben. 

Chirurgische PrivatheUanstalt von Dr. Firle. 

Orthopädisches und medieo-niechanisehes Institut von Dr. Veiten. 

Klinik für Hals- und >'asenkranke. 15. Mai 18S9 eröffnet. Arzt: Prof. Dr. Burger. 
1 Assistenzarzt. 26 Betten. Verpflegungspreis: 7,so. 5,50 und 2 31 täglich. 

Privat -Heilanstalt von Dr. Schmitz für Nervenkranke, Morphium- und Alkohol- 
entwöhnung. 21. Nov. 1887 eröffnet 7 Betten. 3~erpflegungspreis: 10 31 täglich. 

Heimstätte für weibliche Alkoholiker (Weberstr. 112). 18SS von Fräulein Bertha 
Lnngstras gegründet. 26 Betten. Anlagekosten: 75000 M. Unterhaltungskosten werden 
zusammen mit denen der von derselben Dame gegründeten Anstalt ..Versorgungshaus für 
gefallene 3Iädchen- berechnet und betrugen 1S97: 17 802 M. Verpflegungspreis: I. Kl. 5 31. 
Ü. Kl. 2—3 31. LH. Kl. 0,75 31 täglich. Aufenthaltsdauer mindestens ein Jahr. Entziehung 
aller Spirituosen Getränke und sorgfältige Auswahl der Beschäftigung für die Kranken. 

Universität- kllnii für Augenkrankheiten. Eigenthümer: Fiskus. Aerztliche 
Leitung und Vorstand: Direktor Geh. Medizinalrath Dr. Saemisch. 2 Assistenzärzte. 61 Betten. 
Die Ausgaben und Einnahmen für 1900 betragen 28 S70 31. darunter 9 130 M Staatszuschuss. 
Neubau 1901. 

Die Augenklinik ist seit 1. Okt. 1873 im Universitäts-Hauptgehäude untergebracht, weit- 
aus die Mehrzahl der Bäume liegt im IL Stockwerk. Hiermit ist der grosse Misstand ver- 
bunden, dass die Kranken genöthigt sind, 71 Stufen zur Poliklinik zu steigen. Die Räume 
der Poliklinik sind überdies zu klein, und liegen so, dass eine Trennung der poliklinischen 
Kranken von den stationären nieht möglich ist. Der Hörsaal, der Operationsraum, die Unter- 
suchungszimmer sind unzulänglich. Die Krankenräume sind für die Zahl der Kranken zu klein 
geworden, eine Trennung der 3Iänner von den Frauen ist nicht durchführbar; die üblichen 
Xebenräume. wie Tageräume, Badezimmer, fehlen. Ein Garten ist nicht vorhanden. Als 
Bauplatz für den Neubau ist ein der Universität gehöriges, neben dem Pharmakologischen 
Institut gelegenes Grundstück in der Wilhelmstrasse unter Hinzunahme eines Theiles des 
Gartens dieses Instituts in Aussicht genommen. Die Baukosten betragen für das Gebäude 
239 000 M. für tiefere Fundirung 14 000 31 und für Abbruchsarbeiten 1 000 M. zusammen 
254 000 31. 

Privat-Augenheilanstalt von Geh. 3Iedizinalrath Prof. Dr. Saemisch. 1. Juli 1863 
eröffnet. 12 Betten. Verpflegungspreis: 10 und 7 31 täglich. 

Rheinische Provinzial- Irrenanstalt und Universitätsklinik. 12. Jan. 1882 eröffnet. 
Vorstand: Direktor Geh. 3Iedizinalrath Prof. Dr. Pelman. 5 Assistenzärzte. Wartepersonal: 

35 m.. 43 w. ausgebildete Krankenwärter. 640 Betten. Verpi'legungspreis: I Kl. 8 31. IL Kl. 
4 31. HL Kl. 2.50 31. IV. Kl. 1,35—1,50 31 täglich. 1898 wurden 1 036 (496 m.. 540 w.) Kranke. 
I. Kl. 1 m.. H. Kl. 11 ii.. 7 w.. III. Kl. 49 m., 48 w.. IV. Kl. 435 m.. 485 w., durchschnittlich 217 
bezw. 242 Tage verpflegt ; 41 m., 30 w. sind gestorben. 



.Boppard, Borbeck. — 90 — Königreich Preussen. 

Städtisches Tfoth- und Hilfshospital zur Pflege von unheilbaren Irren. Idioten und Epilep- 
tischen. 1866 von der Stadt errichtet. Arzt: Dr. l'mpfenbaeh. Wartepersonal: 9 Borro- 
mäerinnen aus Trier. 3 m., 4 w. Krankenwärter. 82 Betten. Verpflegungspreis: 3, 2, l.so M 
täglich. 189S wurden 45 m., 61 w. Kranke durchschnittlieh 294 Tage verpflegt, 34 m., 51 w. 
sind gestorben. Die Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 26 300 M, letztere setzten sich 
zusammen aus S 700 M Verpflegungsgeldern, 111,20 M an verkauften eigenen Produkten, 7 500M 
Zuschuss des Landarmenverbandes (Gesetz vom 11. Juli 1891), 8 600 M der Stadt und 1 388,so M 
aus sonstigen Quellen. 

Dr. Hertz'sehe Heil- und Pflegeanstalt für Geistes- und Nervenkranke. 19. Juli 1849 
durch Geh. Sanitätsrath Dr. Hertz eröffnet. Eigenthümer: Dr. Hertz' Erben. Vorstand 
und leitender Arzt: Prof. Dr. Thomsen. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 15 m., 19 w. 
ausgebildete Krankenwärter. 95 Betten. 1S98 wurden 60 in., 79 w. Kranke durchschnittlich 
236 Tage verpflegt, 4 m., 3 w. sind gestorben. 

Universitätsklinik für Geburtshilfe und Frauenkrankheiten. 18. Okt. ISIS eröffnet, 
neu eingerichtet 1873. Eigenthümer: s. chirurgische Klinik. Vorstand und ärztliche 
Leitung: Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Fritsch. 5 Assistenzärzte. Wartepersonal: 1 Hebamme 
und 6 Pflegesehwestern vom rothen Kreuz des Vereins Wiesbaden. 37 Betten (I. Kl. 5, U. Kl. 6, 
HI. Kl. 20, IV. Kl. 6) für die gynäkologische und 58 für die geburtshilfliche Klinik. Ver- 
pflegungspreis: 7,50, 5 und 0,90 — l,7o M täglich. 1898/99 wurden 456 Kranke (I. Kl. 50, 
IL Kl. 75. ID. Kl. 256, IV. Kl. 75) durchschnittlich 19 Tage verpflegt, davon 23 gestorben, 
und 649 Wöchnerinnen, davon 9 gestorben. Die Einnahmen 1898 betrugen 31 067,so M Ver- 
pflegungsgelder. — Die Einnahmen und Ausgaben für alle Kliniken zusammen betrugen für 
1900 überhaupt: 341279 M, darunter 176 289 M Staatszusehuss. — Zur Verbesserung 
der inneren Einrichtung werden im Jahre 1900 für die Frauenklinik 26 000 M verwendet. 

Yersorgungshaus für gefallene Mädchen, nimmt diese Personen 2 bis 4 Monate vor 
ilirer Entbindung auf, lässt sie in der Anstalt entbinden und gewährt noch einen Aufenthalt 
von weiteren 6 Monaten zum Zweck der Pflege des Kindes. Das Kind verbleibt auch nach der 
Entlassung der Mutter, die in einem geeigneten Dienst untergebracht wird, gegen geringes 
Kostgeld in der Anstalt. 1873 von Fräulein Bertha Lungstrass errichtet, s. auch Heim- 
stätte für weibliehe Alkoholiker. Die Anstalt besitzt 3 Häuser mit 110 Betten, darunter 50 
für Kinder. Verpflegungspreis: 15 M; während der letzten Jahre, war nur der 4. Theil 
der Aufgenommenen in der Lage, die Pflegegelder zu zahlen. Für das Kind beträgt das Pflege- 
geld 8 — 10 M monatlich. 1S9S wurden 146 Mädchen und 10S Kinder verpflegt, seit dem Be- 
stehen der Anstalt 1 650 Mädchen mit ihren Kindern. Die Haupteinnahme der Anstalt besteht 
aus freiwilligen Beiträgen und Geschenken. Unterhaltungskosten 1898: 15 639 M. — Leitender 
Arzt: Dr. Leeser. 

Katholisches Magdalena-Stift. Die Anstalt nimmt gefallene Frauenspersonen auf, ver- 
pflegt sie bis zur Niederkunft und überweist sie der Universitäts-Frauenklinik zur Entbindung. 
Juni 1885 eröffnet. 

Boppard, 5 553 Einw. (Kreis St. Goar, Keg.-Bez. Koblenz). 

Städtisches Hospital zum heiligen Geist. Es soll in den Zeiten der Kreuzzüge 
gegründet sein. 1697 wurde es, nachdem es gänzlich niedergebrannt war, wieder aufgebaut. 
Anfangs ohne Vermögen, erhielt es solches zuerst 1668 durch Zuwendung der Güter des soge- 
nannten kleinen Hospitals oder Gotteshauses, das andere Zwecke als Krankenpflege verfolgte. 
1872 Neubau. Arzt: Sanitätsrath Dr. Krimer. Wartepersonal: 7 Borromäerinnen aus Trier. 
48 Betten. 1898 wurden 92 m., 64 w. Kranke durchschnittlich 67 bezw. 104 Tage verpflegt-, 
7 m., 7 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: ordentliche 25 836,56 M, ausserordentliche 4 792,so M. 
Die Einnahmen betrugen 31 611,98 M und setzten sich zusammen aus 19 622,06 M Verpflegungs- 
geldern, 4792,60 M an verkauften eigenen Grundstücken, 5623,62 M Kapitalszinsen und 1573,50 M 
aus Pachten. 

Wasserheilanstalt Marienberg. Arzt: Sanitätsrath Dr. Hoestermann. 

Borbeck, 34 811 Einw. (Landkreis Essen, Eeg.-Bez. Düsseldorf). 

Krankenhaus Philippus- Stift. 1893 errichtet. Eigenthümer: Katholische Kirchen- 
gemeinde. Arzt: Dr. Storp. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 8 Elisabethinerinnen aus 
Essen, 1 ausgebildeter Krankenwärter. S3 Betten : 50 f. M., 33 f. Fr., darunter 10 für Kinder. 
Verpflegungspreis: 1,75, l,io M, für Kinder 0,60 M täglich. 1898 wurden 256 m., 100 w. 
Kranke durchschnittlich 29 Tage verpflegt-, 20 m., 11 w. sind gestorben. Ausserdem wurden 
verpflegt: 6 Personen zur Reinigung von Ungeziefer und 50 m., 25 w. Krätzkranke. Ausgaben 
1898: ordentliche 15 956 M, ausserordentliche 1 700 M. Die Einnahmen betrugen 16 050 M Ver- 
pflegungsgelder und 802 M Zuschuss der katholischen Kirchengemeinde. 



Königreich Preussen. — 91 — Borgholzhausen — Bovenden. 

Evangelisches Krankenhaus. Durch Sammlungen von der evangelischen Gemeinde 

fi stiftet. 1. Dez. l s ;'4 eröffnet. Aerzte: Dr. Kohlsehein und Dr. Johao. Wartepersunal: 
Diakonissen aus Kaiserswerth, 1 Krankenwärter, 42 Betten, darunter 5 für Kinder. Ver- 
pflegungspreis: 5. 3 und 1,75 M täglich. 1898 wurden 128 m., 78 w. Kranke durchschnitt- 
lich 4"'. 4 Tage verpflegt, 12 m., 9 w. sind gestorben. Ausserdem Terpflegt 5 Altersschwache. 
Die Einnahmen 1898 betrogen 13547 M und setzten sich zusammen aus 11 300 M Verpflegungs- 
geldern, 2000 M Znschnss der Gemeinde und 217 M Legaten, Geschenken und Kollekten. 

Borgholzhausen, 1281 Einw. (Kreis Halle i. Westf., Eeg.-Bez. Minden). 

Evangelisches Krankenhaus. Juni 1888 errichtet. Eigenthümer: Gutsbesitzer 
Upmeyer. 13 Betten. 

Borghorst, 6 021 Einw. (Kreis Steinfurt, Eeg.-Bez. Münster). 

Marien ■ Hospital. Durch freiwillige milde Gaben 1863 gestiftet. Eigenthümer: 
Katholische Kirchengemeinde. Wartepersonal: 8 Franziskanessen aus Münster. 45 Betten, 
darunter 8 für Kinder. 1898 wurden 123 m., 99 w. Kranke durchschnittlich 29 bezw. 57 Tage 
verpflegt. 17 m. 20 w. sind gestorben. Ausserdem wurden verpflegt: 13 Pfründner und 28 Krätz- 
kranke. 

Bork, 2 526 Einw. (Kreis Lüdinghausen, Eeg.-Bez. Münster). 

Niederlassung der Genossenschaft der Schwestern der christlichen Barmherzigkeit aus 
üeiligenstadt, seit 20. Mai 1896. 4 Schwestern. 

Borken i. TV., 757 Einw. (Kreis Borken, Eeg.-Bez. Münster). 

Maria-Hospital. 27. August 1845 gegründet, besitzt Rechtsfähigkeit. Eigenthümer: 
Katholische Pfarrkirche. Aerzte: Dr. Lünenborg und Dr. Lueb. Wartepersonal: 9 Klenien- 
tinerinnen aus Münster. 61 Betten, darunter 8 für Kinder. Verpflegungspreis: 1 M für 
Auswärtige täglich. 1898 worden 113 m., 154 w. Kranke durchschnittlich 47 bezw. 55 Tage 
verpflegt, 14 m., 10 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt 13 Altersschwache. Die Einnahmen 
1898 betrugen 12 250 M und setzten sich zusammen aus 3 914 M Verpflegungsgeldern. 570 M 
Kapitalszinsen und 7 766 M Geschenken und Kollekten. 

Borkum Bad, 1 629 Einw. (Kreis Emden, Eeg.-Bez. Aurich). 

Gemeinde-Schlachthans ohne Freibank. — Kanalisation vorhanden. 

Isolirhaus, auch allgemeines Krankenhaus. 6. Xov. 1S90 von der Gemeinde eröffnet. 
Arzt: Dr. Kok. Wartepersonal: 1 Schwester vom rothen Kreuz aus Hannover (Klementinen- 
haus). 8 Betten. Verpflegungspreis: 6 und 1,75 M. 1898 wurden 7 m.. 19 w. Kranke 
durchschnittlich 7 Tage verpflegt. Einnahmen 189S: 1771,66 M, davon 946,so M Verpflegungs- 
gelder, 500 M Zuschuss der Gemeinde, 19,26 M Geschenke und 305,oo M Kassenbestand. 

Bornheim, 1 758 Einw. (Landkreis Bonn, Eeg.-Bez. Köln). 

„Mariahilf-' (Kranken- und Sieehenhausl. 1883 eröffnet. Eigenthümer: Kongregation 
der Augustinerinnen in Köln. Wartepersonal: 3 Augustinerinnen. 10 Betten. 1898 wurden 
8 m., 5 w. Kranke verpflegt. 

Bottrop, 18 015 Einw. (Kreis Becklinghausen, Eeg.-Bez. Münster). 

Marien -Hospital. Von der katholischen Kirchengemeinde 1S6S errichtet. Leitende 
Aerzte: Dr. Böckenhoff und Dr. Buderath. Wartepersonal: 10 Franziskanessen aus Münster. 
101 Betten in 3 Klassen. Verpfleguntjspreis: 0,50, 2, 1,25 und IM täglich. 1898 wurden 
703 m., 113 w. Kranke durchschnittlich 21 Tage verpflegt, 23 m., 8 w. sind gestorben. Ausser- 
dem verpflegt: 1 Pfründner und 130 Krätzkranke. Die Einnahmen 1898 betrugen 20 915 M und 
setzten sich zusammen aus 20 200 M Verpflegungsgeldern, 615 M an verkauften Produkten und 
100 M Geschenken. 

Bovenden, 1 665 Einw. (Kreis Göttingen, Eeg.-Bez. Hildesheini). 

Asyl für schwachsinnige Damen von Johanna Mercker. Juni 1874 eröffnet. Arzt: 
Sanitätsrath Dr. Finger. 6 Betten. Verpflegungspreis 2,50 M täglich. 



Brachelen - Brandenburg a./H. — 92 — Königreich Preussen. 

Brachelen, 2 670 Einw. (Kreis Geilenkirchen, Reg.-Bez. Aachen). 

Mariahilf-Hospital. Aufnahme armer Altersschwacher und Kranker. 1865 vom Pfarrer 
Rademacher und anderen Wohlthätern gegründet und der katholischen Kirchengemeinde 1868 
durch notariellen Akt geschenkt. Arzt: Dr. Hohn. Wartepersonal: 11 Franziskanerinnen 
von der hl. Familie aus Loewen. 55 Betten. Verpflegungspreis 1,50, 0,80 und 0,50 M 
täglich. 1898 wurden 29 m., 33 w. Kranke durchschnittlich 262 bezw. 250 Tage verpflegt, 4 m., 
4 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: 9 660 M. Einnahmen 9 527 M Verpflegungsgelder und 
185 M Kapitalszinsen. 

Brakel, 3 341 Einw. (Kreis Höxter, Reg.-Bez. Minden). 

St. Viacenz-Hospital. 1849 vom katholischen Kirchenvorstand errichtet. Vorstand: 
Pastor Wille. Arzt: Dr. Larenz. Wartepersonal: 6 Vincentinerinnen aus Paderborn. 
60 Betten. 1898 wurden 88 m., 58 w. Kranke durchschnittlich 104 Tage verpflegt, 5 m., 7 w. 
sind gestorben. Ausserdem wurden verpflegt 11 Altersschwache. 

Bramsche, 2 787 Einw. (Kreis Bersenluück, Reg.-Bez. Osnabrück). 

Städtisches Krankenhaus. 1872 durch freiwillige Gaben der Bürgerschaft begründet. 
Aerzte: Drs. Focke und Stucke. Wartepersonal: 1 Diakonisse aus dem Henriettenstift zu 
Hannover. 22 Betten. Verpflegungspreis 3, 2 und 1,25 M täglich. 1898 wurden 71 m., 
33 w. Kranke durchschnittlich 29,6 Tage verpflegt, 3 m., 1 w. sind gestorben. Einnahmen 1898: 
19 311.22 M und setzten sich zusammen aus 1 4>4,4S M Verpflegungsgeldern, 402,17 M Kapitals- 
zinsen, 149. «s M Zuschuss der Provinz, 74.95 M des Kreises, 6 500 M Legaten, Geschenken und 
Kollekten und 7 070 M aus sonstigen Quellen. 

Brandenburg a./H., 42 751 Einw., 29 Aerzte, 2 Zahnärzte, 16 Hebammen, 5 Apotheken 
(Stadtkreis, Reg.-Bez. Potsdam). 

Wasserversorgung: Es besteht seit Oktober 1S95 eine öffentliche Wasserleitung, 
welche die Stadt mit Grundwasser versorgt, das seinen Ursprung 7 km von der Stadt entfernt 
in der sogenannten altstädtischen Forst hat. Die Aulagekosten betrugen 950 000 M und werden 
täglich 1 500 cbm Wasser geliefert, während die Maximalleistung 5 300 cbm täglich schaffen 
kann. — Im Herbst 1890 ist mit einem Aufwand von 500 000 M in einer Entfernung von etwa 
1000 m von der Stadt ein Schlachthof nach sogenanntem deutschen System, d. h. mit ge- 
trennten Schlachthallen angelegt worden. Geschlachtet wurden im letzten Jahre etwa 
3 000 Rinder, 4 000 Kälber, 15 000 Schweine, 5 000 Schafe und Ziegen und 480 Pferde. — 

1897 ist mit dem Bau einer Entwässerungsanlage begonnen worden, welche bis zum 
Jahre 1901 fertig gestellt werden soll. Die Anlagekosten betragen 2 ] j 2 Millionen M und sollen 
durch die Anlage sowohl der Fäkalien wie Wirthschaftswässer und Regenwässer entfernt werden, 
mit naehheriger Reinigung auf Rieselfeldern. Bisher ist die Neustadt-Vorstadt entwässert. — 
Desinfektionsanstalt wird mit dem bereits im Bau begriffenen neuen städtischen Kranken- 
hause voraussichtlich am 1. Okt. 1900 dem Betrieb übergeben werden. — Es bestehen 2 öffent- 
liche Badeanstalten in der Havel, die Militär-Badeanstalt im Beetz-See und 2 Badeanstalten 
für Wannenbäder, von denen eine auch ein Sehwimmbassin enthält. — Bau-Polizeiordnung 
vom 1. Dez. 1894. 

Garnisonlazaret. Der ältere Theil des Lazarets ist in den Jahren 1861 — 1862 erbaut 
und im April 1863 bezogen, der neuere Theil im April 1884 bezogen. Vorstand: General- 
Oberarzt Dr. Wenzel. Wartepersonal: 7 ausgebildete Krankenwärter, 1 Köchin. 125 Betten. 

1898 wurden 639 Kranke durchschnittlich 25 Tage verpflegt, 4 sind gestorben. Gasglühlicht. 
Ventilationssystem: Luftschächte in Verbindung mit der Heizung. Desinfektions- 
apparat von Schimmel & Co. in Chemnitz für die gesammte Garnison; ausserdem besitzt 
die Garnisonverwaltung einen ebensolchen Apparat. Wasserversorgung: Tiefbrunnen und 
Leitung von einem gemeinsamen Wasserbehälter, welcher durch Gasmotorbetrieb gefüllt wird. 
Anschluss an die städtische Wasserleitung erfolgt im Jahre 1900. Latrinen: Tonnensystem 
mit Torfmullstreu. Beseitigung der Abfallstoffe: Abfuhr. Anschluss an die städtische 
Kanalisation erfolgt im Jahre 1900, dabei wird auch Wasserspülung der Latrinen eingeführt. 

Lazaret der Strafanstalt. Eigenthümer: Fiskus (Ministerium des Innern). Beleg- 
fähigkeit: 647 Männer. Hafträume: 79 Einzelzellen, ausschliesslich Strafzellen. 108 Schlaf- 
zellen. 9 gemeinsame Schlafräume von 1 243 qm Gesammtgrösse. 12 gemeinsame Arbeitsräume 
von 1905 qm Gesammtgrösse. Krankenräume: 14 von 543 qm Gesammtgrösse. Arzt: Geh. 
Sanitätsrath Dr. Kreusler. Krankenzahl 189S: 149 M. 



Königreich Preussen. — 93 — Brandenburg a./H. 

Stadt-Krankenhaus. 1842 errichtet. Neuhau 1900. Aerzte: Für innerlich Kranke, 

Sanitätsrath Dr. Appel sen., für äusserlich Kranke, Dr. Appel jun. 1 Assistenzarzt. Warte- 
personal: - m., 1 w. ausgebildete Krankenwärter und 5 m., 2 w. Wärter. 66 Betten in 
3 Klassen. Verpflegungspreis 6, 4 und 1,95 M täglich. 1S98 wurden 415 in., 239 w. 
Kranke durchschnittlich 32 Tage verpflegt., 50 in., 25 w. sind gestorben. Ausserdem wurden 
verpflegt: 21 Altersschwache, 8 Sieche und Krüppel, (5 Männer zur Reinigung von Ungeziefer. 
Ausgaben und Einnahmen 1898: 31721,38 M, letztere setzten sieh zusammen aus 19 463,70 M 
Verpflegungsgeldern, 12 205,is M Zusehuss der .Stadt, 52,50 M Geschenken. 

Städtisches Krankenhaus am Marienberge. An Stelle des 1842 errichteten Kranken- 
hauses tritt ein Neubau, der am 1. Oktober 1900 eröffnet wird. 

Das Krankenhaus wird zunächst für 150 Betten am Südabhange des Berges zu Füssen 
des Siegesdenkmals iu hoher, luftiger Lage nach den Plänen des Bauraths Schmieden erbaut. 
Die Möglichkeit einer späteren Erweiterung durch Anbauten und weitere Pavillons ist vor- 
gesehen. Die Anstalt wird au die städtische Kanalisation und Gasleitung angeschlossen. 

Das zwei- bezw. dreistöckige Hauptgebäude liegt inmitten des Grundstückes, an seiner 
Rückseite befindet sich ein niedriger, wirtschaftlichen Zwecken dienender Anbau. Hinter 
diesem liegt in der Hauptaxe das Waschhaus mit Kesselhaus und Dampfschornstein. Auf der 
Höhe liegt das einstöckige Isolirgebäude. Das Leichenhaus mit Sektionsraum und Beerdigungs- 
kapelle nebst der Desinfektionsanstalt liegt an der Südostecke des Grundstückes an der Strasse 
und ist für sich zugänglich. 

Das Hauptgebäude mit dem Haupteingang in der Mitte ist im Grundriss „H" förmig 
angelegt. Männer und Frauen sind vollständig getrennt, innerhalb dieser beiden Gruppen 
bilden sich Unterabtheilungen für die einzelnen Stationen. — Das Isolirgebäude umfasst 2 Ab- 
theilungen mit getrennten Eingängen. — Der Hauptoperationssaal und ein Zimmer für septische 
Operation nebst Nebenräumen liegt an einem nördlichen Anbau des Hauptgebäudes in der 
Hauptaxe. 

Die Bureauräume und die Arbeitszimmer für die Aerzte liegen neben dem Haupteingang. 
Eine Wohnung für den dirigirenden Arzt ist wegen der Nähe der Stadt nicht vorgesehen. 
Dagegen sind die Wohnungen für den Assistenzarzt, die Schwestern, den Inspektor und Portier 
im Hauptgebäude untergebracht. 

Die Kochküche mit Nebenräumen wird das Erdgeschoss des hinteren Mittelflügels vom 
Hauptgebäude einnehmen. Die Wäscherei, in einem besonderen Gebäude untergebracht, ist für 
Dampfbetrieb eingerichtet. 

Die Heizung ist central, sie erfolgt durch 3 Hochdruckkessel, welche auch zugleich den 
Dampf für den Betrieb der Wäscherei und die Kochküche liefern. Das Kesselhaus Hegt am 
Niveau des Kellergeschosses hinter dem Kochküchenbau. Die verdorbene Luft der Krankenräume 
wird durch Abzugsschlote, in welchen sie zusammengeführt wird, entfernt. Das Leichenhaus 
erhält direkte Heizung. 

Bei dem architektonischen und technischen Aufbau der Gebäude war die Erfüllung der 
hygienischen Anforderungen Hauptprinzip. Hinsichtlich der entsprechenden Einrichtungen des 
Inneren herrscht ein gewisser Luxus. Alle Zwischendecken und Treppen sind massiv. Die 
Mehrzahl der Räume erhalten Paneele von Oelfarben- oder Emaillefarbenanstrich, die Operations- 
räume Kachelbekleidungen der Wände. Die Fronten werden in rothem Ziegelverblendbau mit 
sparsamer Verwendung von hellem sächsischen Sandstein ausgeführt, die hohen Dächer werden 
mit glasirten Falzziegeln gedeckt. 

Die Gesamnitbaukosten ohne innere Einrichtung und ohne die spätere Erweiterung sind 
auf 615 500 M veranschlagt. 

Privat-Heilanstalt für Frauenkrankheiten. 1894 von Dr. Sittner eröffnet. 2 Betten. 
Verpflegungs preis G M täglich. 

Das Pfründenhans (Temnitzstr. 28, an der Paulikirche), gehörte früher dem Dominikaner- 
orden, welcher dort von 1270 — 1286 das schwarze oder Paulinerkloster errichtete. Als 1531 in 
Sachsen die Klöster aufgehoben wurden, verliessen die Dominikaner das Paulinerkloster, um in 
Sachsen in das bürgerliche Leben einzutreten. Unter der Regierung des Kurfürsten Joachim H. 
siedelten G Dominikaner aus Berlin über. 1560 waren diese bis auf Einen ausgestorben, und 
der Kurfürst schenkte das Kloster dem Rathe der Neustadt Brandenburg. Dio Verwaltung führt 
der Magistrat. 

Nenstädtisches St. Spiritushospital. Von den Dominikanern erbaut. Es heisst, im 
Gegensatze zu dem Pfründenhause, das arme Kloster, ist jedoch nie ein Kloster, sondern stets 
ein Hospital gewesen. In alter Zeit hat das Hospital einen Hof im Dorfe Krakow besessen; 
denn 1303 willigte die Geistlichkeit darin, dass das St. Spiritushaus, so lange es den Hof in 
Krakow besitze, an Stelle des Zehnt 1 M an das Küsteramt zahle; 1309 übereignete Heyne- 
mann aus Pritzerbe dem Hospitale 6 Stück (fracta) mit der Verpflichtung, für den Geschenk- 
geber Vigilien lesen zu lassen, und den Hospitaliten zu den Festtagen Brod, Bier und Fleisch 
zu geben; 1358 schenkte Markgraf Ludwig der Römer als jährliche, auf Wust ruhende Rente 
5 Stück nebst 5 brandenburgischen Schillingen. 1716 verklagte der Vorsteher des Hospitals, 
Rathmann Jakob Schwarze, wegen rückständiger Zinsen den Magistrat bei dem Konsistorium. 
Die Verwaltung führt der Magistrat. Aufnahme fanden 6 m., 20 w. Hospitaliten. 



Braubach — Brauusberg. — 94 — Königreich Preussen. 

Jakobshospital. Die Jakobskapelle hat bereits 1349 bestanden; denn in diesem Jahre 
schenkte der Kath ihr eine Insel im Jakobswerder. Um die Jakobskapelle lag in alter Zeit der 
Kirchhof derselben, welcher seitdem eingegangen und zur Strasse gezogen ist. Neben dem 
Hospitale liegt ein Garten, auf dem früher das Pestilenzhaus gestanden hat. Das Hospital 
befindet sich jetzt in einem Neubau, steht unter Verwaltung des Magistrats. 

Altstädtisches Spiritushospital. Urkundliches ist nicht zu ermitteln. Hinter dem 
Hospitale liegt ein Garten, der in alten Zeiten als Kirchhof benutzt wurde. Die Verwaltung 
führt der Magistrat. 12 Plätze für Frauen. 

Gertrudhospital. Die älteste über dasselbe vorhandene Urkunde ist eine Konfirmation 
des Papstes Eugenius d. d. Rom, den 9. Juni 1431, in welcher alle Immunitäten des Hospitals 
bestätigt werden, und aus der hervorgeht, dass das Hospital damals extra muros lag. Am 
Freitage nach Gallo 1544 stellte der Kurfürst Joachim dem Barfüsserkloster eine Versehreibung 
aus, nach welcher die Stadt Brandenburg das Barfüsserkloster der Altstadt zur Errichtung eines 
Hospitals für die Armen oder zu Schulen, wie es am bequemsten gelegen, übereignet wurde. 
Am 20. Febr. 1638 schlössen Rath und Bürgerschaft einen Kommissionsrezess, nach welchem 
das Hospital St. Nikolai oder Gertrudis, nachdem die Gebäude desolat geworden, in das Kloster 
verlegt werden soll, in welchem nach wie vor abgelebte oder durcli Verfall verarmte Bürger 
oder Bürgerinnen zu unterhalten sind. Im Hospitale, welches das reiche Kloster der Altstadt 
hiess, waren anfänglich 6 Hospitanten und 6 Präbendarien. Das Hospital stand seit 1737 in 
enger Verbindung mit der Brühahnsocietät. Nachdem diese aulgehört hatte zu bestehen, 
kaufte das Hospital die Sozietätsantheile zurück und ging dann in das Eigenthum der Stadt 
über. Das Hospital wurde in eine Gertrudstiftung verwandelt. Die Gebäude machten dem 
v. Saldern'schen Realgymnasium Platz. 

Johannishospital, war in erster Zeit ein Anhang des Gertrudhospitals, über dem gewölbten 
Durchgänge zu diesem errichtet, und hing mit der Johanniskirche zusammen. Die Zahl der 
Hospitanten ist 8. 

Elisabethhospital. Früher befand sich das Hospital in dem ihm gehörigen, Hauptstr. 50 
gelegenen Hause. In alter Zeit stand hier die Heiligegeistkapelle, welche 1444 zuerst erwähnt 
wird und zur Reformationszeit bereits eingegangen war. Die Anstalt befindet sich jetzt mit 
dem Jakobshospital in einem Neubau. Die Verwaltung fuhrt der Magistrat. 

(Joeden'sches Stift, von der verwitweten Frau Kriegsrath Goeden durch Testament vom 
'22. August 1796 errichtet. Neubau am S. April 1X82 bezogen. Der .Magistrat führt die Ver- 
waltung. Der Vorsteher soll ein rechter Herrenhuter sein. 12 Plätze. Eintrittsgeld 30 M. 

Braubach, 2 218 Einw. (Kreis St. Goarshausen, Reg. -Bez. Wiesbaden). 

Diakonissenheim. Die Anstalt ist 1891 aus Legaten, Sammlungen u. s. w. gegründet 
worden und gehört der evangelischen Kirchengemeinde. Wartepersonal: 1 Diakonisse aus 
Frankfurt a. M. 12 Betten. Verpflegungspreis: 3, so, 2,50, 1,50, 0,80 — l,oo M. täglich. 
Anstalten bezahlen 1,50 M täglich. 1898 wurden 25 m., 5 w. Kranke durchschnittlich 26 Tage 
verpflegt, 1 m., 1 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt 2 Pfründner, 1 Altersschwache und 
5 Sieche. 

Braunfels, 1 499 Einw. (Kreis Wetzlar, Reg.-Bez. Koblenz). 

Feierabendhaus (Siechenhaus). 1893 errichtet. 1 Diakon aus Nazareth bei Bielefeld. 

Braunsberg, 11 85G Einw., 6 Aerzte, 1 Zahnarzt, 7 Hebammen, 2 Apotheken (Kreis 
Braunsberg, Reg.-Bez. Königsberg). 
Wasserversorgung: Leitung flltrirten Quellwassers aus dem Regitter Mühlenfliess, 
Anlagekosten 160 000 M, hat 1898: 43 800 cbm Wasser geliefert. — Städtischer Schlachthof: 
Seit 1881, besteht aus einer Schlachthalle, aus einem Räume zur Untersuchung von auswärts 
eingeführten Fleisches, einem Stall, einem Eiskeller und der Wohnung des Aufsehers. — Das 
Marienkrankenhaus besitzt einen mit gespannten Wasserdämpfen arbeitenden Apparat, der zu 
Desinfektionen der militärischen Abtheilung des Krankenhauses benutzt wird. — Oeffent- 
liche Badeanstalten: 1 städtische Sehwimmanstalt, 1 städtischer offenor Badeplatz, eine 
geschlossene Badeanstalt und eine Militär-Schwimmanstalt. — Bau-Polizeiordnung vom 
31. Mai 1860 und deren Nachträge aus den folgenden Jahren. 

Krankenhaus für evangelische Kranke und Militärpersonen (Jubiläumsstift). 1887 
erbaut. Eigenthümer: Evangelische Kirehengemeinde. Arzt: Dr. Papendick. Arzt der 
Militärabtheilung: Dr. Protzek, Stabsarzt. Wartepersonal: 1 Diakonisse aus Königsberg. 
34 Betten. Verpflegungspreis: 3 M, 1,50 M, für Krankenkassen 0,80 — 1 M täglich. 
1S98 wurden 193 Kranke durchschnittlich 21 Tage verpflegt, 6 m. sind gestorben. Ausserdem 
verpflegt 14 Altersschwache und 15 Waisenmädchen. 1898 ist das Haus an die städtische 
Wasserleitung angeschlossen worden. 



Königreich Preussen. — 95 — Brobach— Breslau. 

St. Marien -Krankenhaus. 1864 durch freiwillige Gaben gestiftet, verwaltet unter 
Oberaufsicht des Bischofs in Frauenburg, vom 1. Aug. 1864 bis zum 1. Ajiril 1889 von Borro- 
mäerinnen aus Trier. 1880/82 Anbauten. Die Anstalt hat Rechtsfähigkeit. Vorstand: Der 
jedesmalige Erzpriester. Arzt: Dr. Flock. Wartepersonal: 4 Katharinerinnen aus dem 
Mutterhause in Braunsberg, 1 m., 1 w. ausgebildete Krankenwärter. 86 Betten. Verpflegungs- 
preis: 2 — 3 M, 0,so — 1 M täglich. 1898 wurden 193 m., 89 w. Kranke durchschnittlich 35 Tage 
verpflegt, 7 m., 12 w. sind gestorben. Ausserdem wurden verpflegt 2 Pfründner. Ausgaben 
und Einnahmen 1898 betrugen 7 41)11 M, letztere setzten sich zusammen aus 6 300 M Ver- 
pflegungsgeldern, 30 M an verkauften eigenen Produkten, 1000 M Kapitalszinsen und 13G M 
Legaten, Geschenken und Kollekten. 

Siechenhaus. 1883 eröffnet. 2 Katharinerinnen. 50 Betten. 1S9S wurden 50 Sieche 
verpflegt. — Martinstift (Siechenhaus). 1884 errichtet. 3 Diakonissen aus Königsberg. 

Brebach, Halbergerhütte, 2 038 Einw. (Kreis Saarbrücken, Reg.-Bez. Trier). 

Krankenhaus für Hüttenarbeiter. 30. Dez. 1894 eröffnet. Arzt: Dr. Bäntsch. 
32 Betten. 

Bredeney. Gemeinde Zweihonnschaften bei Werden a,/Ruhr, 3 207 Einw. (Landkreis 
Essen, Reg.-Bez. Düsseldorf). 

Sanatorium Alfredusbad. Wasserheilanstalt, Elektrotherapie, Massage, Heilgymnastik, 
Orthopaedie, Pneumatisches Inhalatorium. Arzt: Dr. Daniel in Rüttenscheid. 

Bredstedt, 3 132 Einw. (Kreis Husum, Reg.-Bez. Schleswig). 
Krankenhaus. 1886 eröffnet. 19 Betten. Freie Arztwahl. 

Breklum, 2 360 Einw. (Kreis Husum, Reg.-Bez. Schleswig.) 

Privat-Krankenhaus. 1899 eröffnet. Eigenthüm er: Pastor Jensen. Arzt: Dr. Mahler. 

Bremervörde, 3 126 Einw. (Kreis Bremervörde, Reg.-Bez. Stade). 

Kreiskrankenhans. 25. Nov. 1892 eröffnet. Besonderes Gebäude für Infektionskrank- 
heiten, neu erbaut 1896. Arzt: Dr. Scherf. Freie Arztwahl. Wartepersonal: 3 Schwestern 
vom rothen Kreuz aus dem Clementinenhause zu Hannover. 29 Betten. Verpflegungs- 
preis: 2 und 1 M täglich. 1898 wurden 139 m., 43 w. Kranke durchschnittlich 21,7 Tage 
verpflegt, 7 m., 3 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 9 149 M, 
letztere setzten sich zusammen aus 5 432 M Verpflegungsgeldern, 3 604 M Zuschuss des Kreises 
und 113 M Desinfektionsgebühren. 

Breslau, 406 986 Einw., 530 Aerzte, 36 Zahnärzte, 195 Hebammen, 33 Apotheken 
(Stadtkreis, Reg.-Bez. Breslau). 

Seit 1871 Wasserhebewerk, welches stromaufwärts von Breslau liegend die Stadt mit 
flltrirtem Oderflusswasser versorgt. Anlagekosten ausschliesslich des Arealwerths 7 230 481 M. 
Leistung: 11 604 052 cbm im Jahr, d. h. für den Kopf und Tag rund 85 Liter. Preis für den cbm 
für Privatzwecke 15 Pfg. Für die Zukunft ist Grundwasserversorgung geplant. Die Anlage wird 
vermnthlich 7 km südöstlich von Breslau auf der Feldmark von Altnasshof errichtet werden. — 
Städtischer Schlacht- und Viehhof: Eröffnet am 1. Okt. 1896, liegt auf einem 50,73 a 
grossen Gelände der Gemeinde Pöpelwitz zwischen der Berliner Chaussee und dem Bahnhof 
Mochbern. Die Anlage zerfällt in: a) Vorplatz mit Beschauamt, Verwaltungsgebäude, Kassen- 
bureau, Wohngebäuden, Börse, Restauration, Telegraph und Posteinrichtung, sowie Ausspann- 
ställen und Wagenschuppen; b) Viehmarkt mit 5 Markthallen und Ställen für verschiedenes 
Vieh, Eisenbahnstationsgebäude, Entladerampe, sowie einer Desinfektionsanstalt; c) Schlachthof 
und Polizei-Schlachthof, Beleuchtung durch eigene elektrische Anlage. — Seit 1881 Schwemm- 
kanalisation. Die Kanäle sind theils eiförmig gemauert, theils aus Thonröhren bestehend 
und mit Gullies aus Zementguss, Einsteigesehächten, Regenauslässen und Spüleinlässen ver- 
sehen. Ausserdem bestehen 23 Nothauslässe zur Oder und Ohle. Alles Abwasser wird an 
einer Stelle vereinigt, woselbst es nach Ablagerung schwerer Senkstoffe durch Maschinendruck 
zu 6 m Höhe erhoben wird, um dann mit natürlichem Druck auf die Rieselfelder in Oswitz zu 
gelangen. Die 3 aufgestellten Pumpen bewältigen je 500 1 Kanalwasser in der Sekunde. 
Die jährliche Menge, die auf die Rieselfelder gelangt, beträgt 16834 376 cbm. Kehricht, Müll 
werden in haltbaren Gelassen gesammelt, von städtischen Abfuhrwagen abgeholt, zusammen 
mit den Senkstoffen vor der Stadt abgeladen und als Dung verkauft. — Aerz fliehe Leichen- 



Breslau. — 96 — Königreich Preussen. 

schau, ist vorgeschrieben. — Städtische Desinfektionsanstalt seit 1892. Anlagekosten 
ruud 5000 M. Die Apparate sind von Oskar Schimmel & Comp, und von Budenberg. Die 
Zahl der Desinfektionen betrug 1897/98: S82 = 11 v. H. der gemeldeten ansteckenden Krank- 
heiten. Die Betriebskosten betrugen im genannten Jahr 8 429 M. — Oeffentliche Bade- 
anstalten: 1. Fluss-, See- oder Bassinbäder im städtischen Betriebe 3, erbaut 188G bis 1895, 
Benutzung frei, auf 10 000 Einwohner kamen -1245 Bäder; 2. Fluss-, See- und Bassinbäder in 
privatem oder militärfiskalischem Betriebe 10, erbaut 1834 bis 1S95, auf 10 000 Einwohner 
kamen hier 8(500 Bäder; 3. geschlossene Badeanstalten im städtischen oder gemeinnützigen 
Betriebe 9, erbaut 1S73 bis 1893, mit 28 Brausen, die von 134 945 Personen benutzt wurden. 
Ein Volksbrausebad, 1898 neu erbaut. — Bau-Polizeiordnung vom 5. Dez. 1892. 

Medizinische Klinik und Poliklinik (Hobrechtufer 41. Am 1. April 1892 eröffnet. 
Eigentbümer: Fiskus (Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegen- 
heiten). Direktor: Geh. Medizinalrath Dr. Käst, 5 Assistenzärzte. Wartepersonal: 1 Victoria- 
schwester aus Berliu, 3 m., 12 w. Kraukenwärter. 120 Betten. Verpflegungspreis: fi.so, 
4,r.o, 1,50 M täglich. 1898/99 wurden 971 in.. 888 w. Kranke durchschnittlich 21 bezw. 19,3 Tage 
verpflegt. Die Einnahmen und Ausgaben 1V.IS für die medizinische, chirurgische, Augen- und 
Frauenklinik und Klinik für Hautkrankheiten (welche gemeinsamen Etat haben) betragen 
für 1900: 424 541 M, darunter 214 101 M Staatszuschuss. 

Chirurgische Klinik und Poliklinik der Universität (Thiergartenstr. 72) Am 1. April 
1891 eröffnet. Eigentbümer: Fiskus (Ministeiium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- 
angelegenheiten). Direktor: Geh. Medizinalrath Prof. Dr. v. Mikulicz. Sekundärarzt: Privat- 
dozent Dr. Henle. 4 Assistenzärzte. Wartepersonal: 2 Victoriaschwestern aus Berlin, 4 m., 
2 w. Krankenwärter. 126 Betten: 70 f. M.. 56 f. Fr., einschliesslich 10 für Kinder. 1898/99 
wurden 1 538 (911 m., 627 w.) Kranke durchschnittlich 25 Tage verpflegt, 43 m., 33 w. sind 
gestorben. 

Universitäts ■ Klinik und Poliklinik für Syphilis und Hautkrankheiten (Maxstr. 1). 
1893 eröffnet. Eigenthümer: Fiskus (Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- 
angelegenheiten). Direktor: Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Neisser. 4 Assistenzärzte. Warte- 
personal: 5 m., 2 w. Krankenwärter. 82 Betten: 61 f. M., 21 f. Fr., einschliesslich 12 Kinder- 
betten. Verpflegungspreis: 6,50,4,50, l,so M täglich. 1898/99 wurden 1 121 (784 m., 337 w.) 
Kranke durchschnittlich 21,9 bezw. 27,5 Tage verpflegt, 3 m. sind gestorben. 

Universitäts-Klinik und Poliklinik für Kinderkrankheiten. Neubau 1900. Direktor: 
Prof. Dr. Czerny. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 3 Wärterinnen. 16 Betten. Ver- 
pflegungspreis 0,90 M täglich. 1898/99 wurden 193 (119 Kn., 74 M.) Kranke durchschnittlich 
8,3 bezw. 5,7 Tage verpflegt, 48 Kn., 25 M. sind gestorben. Einnahmen und Ausgaben für 1900 
betragen 26 160 M, darunter 24 900 M Staatszuschuss. 

Die Kinderklinik ist z. Z. miethweise in dem dem Dr. Kabierske gehörigen, in der Nähe 
der neuen Kliniken gelegenen Hause untergebracht. Da die Bäume bei der steigenden Frequenz 
sich als unzulänglich erwiesen haben, auch der zu entrichtende Miethszins inzwischen erheblich 
gesteigert worden ist, so wird beabsichtigt, für die Kinderklinik einen Neubau herzustellen. 
Als Bauplatz ist das fiskalische Gelände an der Thiergartenstrasso westlich von der neuen 
Augenklinik in Aussicht genommen. Die Kosten betragen ohne diejenigen für die Aussen- 
anlagen und die innere Einrichtung für das Hauptgebäude 1 13 900 M, für tiefere Fundirung 
2 100 M, für das Nebengebäude 2 500 M, zusammen: 118 500 M. 

Garnisonlazaret. Der ältere Theil des Lazarets ist aller Wahrscheinlichkeit nach in 
der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der neuere Theil 1845 — 1847 erbaut und letzterer 
am 1. Mai 1847 bezogen. 1895 fand eine Erweiterung durch Neubau einer Krankenbaracke und 
Ankauf eines Nachbargrundstücks statt. Das Lazaret liegt im Westen der Stadt im Bürger- 
werder am westlichen Endo der Worderstrasse. Vorstand: General-Oberarzt Dr. Meilly. 
Wartepersonal: 3 graue Schwestern aus Breslau, 12 Militär-Krankenwärter. 296 Betten. 
1898 wurden 2 233 Kranke durchschnittlich 28 Tage verpflegt, 21 sind gestorben. Gas- 
beleuchtung. Ventilationssystem: In den Krankenstuben des Hauptgebäudes Kippflügel 
und Thürschlitzschieber. In den Baracken Luftschächte in Verbindung mit der Heizung. 
Heizungssystem: Im Hauptgebäude Kachelöfen und eiserne Oefen. In den Baracken Dauer- 
brandöfen, E. Möhrlin-Stuttgart bezw. Meidinger. Desinfektionsanstalt: 1. Ein fest- 
stehender Apparat in besonderem Gebäude. Henneberg'scher Desinfektor D. B. P. 33 734. 2. Ein 
beweglicher Apparat: Fahrbarer Desinfektor mit Dampfkessel, Fabrikschild Zenker & Quabis, 
Breslau, 2 Atm., 1S92 Nr. 260, für die gesammte Garnison. Wasserversorgung: Anschluss 
an die städtische Wasserleitung und 2 Tiefbrunnen. Latrinen: Wasserspülung. Beseitigung 
der Abiallstolle: Anschluss an die städtische Kanalisation. 

Lazaret der Königl. Gefangenenanstalt (Schweidnitzer Stadtgraben 2—3). Gefängniss 

für Männer und Frauen. Eigenthümer: Fiskus (Ministerium des Innern). Belegfähig- 
keit: 508 Mänuer, 303 Weiber. Hafträume: 557 Einzelzellen ausschl. Strafzellen, 254 Schlaf- 
zellen, 5 gemeinsame Arbeitsräume von 335 qm. Gosammtgrösse. Arzt: Dr. Bonhoeffer. 
Krankenräume: 7 von 118 qm Gesammtgrösse. Kraukenzahl 1898: 137 M., 85 W. 



Königreich Preussen. — 97 — Breslau. 

Lazaret der Königl. Filialstrafanstalt. Ehemaliges Klostergebäude, welches nach der 
Säkularisation in den Besitz des Justiztiskus überging, von diesem als Inquisitoriat unter Ver- 
waltung des Magistrates benutzt, im Jalire 1S52 der Verwaltung des Königl. Ministeriums des 
Innern überwiesen. Die Filialstrafanstalt dient zur Aufnahme von weiblichen Zuchthaus- 
gefangenen katholischer Religion; gemeinschaftliche Haft: 6 Einzelzellen. 

Krankeuabtlteilung des Königl. Untersuchungsgefängnisses. Eigenthümer: Justiz- 
fiskns. Arzt: Sanitätsrath Dr. Nesemann, Bezirksphvsikus. 29 Betten. 1899 wurden 187 m., 
83 w. verpflegt, 4 m. sind gestorben. 

Städtisches Krankenhospital zu Allerheiligen (An der Barbarakirche 2/3 und Burg- 
feld Nr. 7). 1526 durch Pastor prim. Br. Johann Hess und Rathmann Cullmann gegründet. 

.. I >.n 16. Juli, am Montage nach Margarethe, ward ein sehr nützlicher und nothwendiger 
Bau eines gemeinen Hospitales, sonderlich für die Pestilenzer, auf der alten Zielstatt an der 
Oder angefangen, 16 Ellen weit und 86 Ellen lang. Jedermann war willig, auf Anregen 
Dr. Johann Hessen ihres Pfarrherrns zu geben und zu helfen. Einer gab Kalk, der Andere 
Steine. Einer Holz, der Andere Eisen. Den 27. Juli, den Freitag nach Jakobi, um Schlag Eilt* 
der ganzen Uhr, legten Herr Hieronymus Hornig und Dr. Hess den ersten Grundstein. Die 
Maurer, Steinmetzen, Zimmerleute, Schlosser, Glaser und andere Handwerksleute, item die 
Zechen mit ihrem Gesinde arbeiteten umsonst, waren willig und fleissig, also dass der Bau 
innerhalb zehn Wochen in allen vier Mauern stand und in Jahresfrist vollbracht und herrlich 
angerichtet war. Das Hospital ist genannt: domus omnium Sanctorum. ein Haus aller Heiligen, 
darinnen ans dem gemeinen Almos zu Breslau viel einheimische und fremde arme nothdürftige 
Leute mit Speise und Trank, mit guter Pflege und Wartung und mit einem besonderen Wund- 
arzt versorget sein, anderen Städten zu einem guten Exempel." 

So besehreibt Pol: „Jahrbücher der Stadt Breslau", Theil HI, S. 44 den ersten Anfang 
und Bau des Allerheiligenhospitales im Jahre 1526. 

Die ersten Einkünfte wurden dem Hospitale durch einen Theil der in den Kirchen- 
Gotteskästen gesammelten Almosen gesichert, und man führte hierin eine bestimmte Ordnung 
ein, nach welcher diese Sammlungen nur für arme kranke Leute verwendet werden sollten; 
zwei Kathmänner aus den Schoppen und acht Personen aus der Gemeinde übernahmen die 
Aufsicht und die Verpflichtung, auf die nützliche Verwendung zu sehen. 

Bei den älteren Hospitalakten befindet sieh, doch ohne Datum, die erste Armenordnung. 

Aus dem ebenfalls bei den Hospitalakten befindlichen Verzeichnisse, welches von Hans 
Cullmann angefangen und von Simon Ascheln fortgesetzt ist und von 1544 bis 1550 geht, 
ergiebt sich, dass die Beiträge aus den Gotteskästen damals sehr bedeutend waren. 

Die erste festere Begründung erhielt aber die Armenpflege und namentlich das Hospital 
durch die Stiftung des Hans Cullmann und dessen Ehefrau Gertrude nach deren 
Testamente vom 2. März 1552. 

Von der grössten Wichtigkeit für das Hospital war die Vereinigung desselben mit dem 
St. Hiobshospitale. Das Hospital zu St. Hiob war von den Reichkrämern für syphilitische 
Kranke gestiftet, Anfangs abgesondert, im Jalire 1633 aber nach dem Allerheiligenhospitale 
transferirt worden. Das desfallsige Abkommen lautet vom 15. Mai 1G35. Die mit übertragenen 
Einkünfte betrugen damals 165 Thlr. 12 Sgr. 2 Dr. und wurden von einer von dem Almosen- 
amte bestellten Person in aussenstehenden Zinsen eingefordert. Die Reichkrämer behielten 
gewisse Rechte auf das Hospital vorbehalten. 

Im Laufe des 17. Jahrhunderts trat die Bedeutung des Allerheiligenhospitals immer 
klarer an den Tag, und stammen daher aus dieser Zeit auch die meisten zum Theile noch in 
die Gegenwart herüberspielenden Verträge der Handwerkerinnungen mit dem gemeinen Almos 
wegen Aufnahme erkrankter Gesellen und Lehrlinge. Aus den ältesten Abkommen geht hervor, 
dass das Hospital ursprünglich nur Evangelische aufgenommen zu haben scheint, und hiervon 
erst später abgegangen ist, als die katholischen Krankenhäuser der barmherzigen Brüder und 
der Elisabetherinnen alle Kranke ohne Unterschied des religiösen Glaubens aufnahmen. 

Im 18. Jahrhundert scheint das Hospital keine wesentlichen Fortschritte in Bezug auf 
Vergrösserung und bessere Einrichtung bezw. Verpflegung der Kranken gemacht zu haben. Die 
Auflösung des allgemeinen Almos Hess das Allerheiligenhospital mit dem damals noch 
bestehenden Konventhause auf der Karlsgasse Nr. 620, mit der Salvatorkirche und mit einigen 
äusseren Beziehungen zum Kinderhospitale in der Neustadt bestehen. Erst der Schluss des 
18. Jahrhunderts sah eine Reihe von Vorbereitungen treffen, welche, im Anfange des 19. Jahr- 
hunderts ausgeführt und später weiter fortgesetzt, aus dem ehemaligen Hospitale ein den 
jetzigen Ansprüchen entsprechendes Krankenhaus entstehen Hessen. 

Bis zum Jahre 1892 befanden sich mehrere Universitätskliniken im Hospital, die seitdem 
auf dem Maxgarten in Neubauten untergebracht sind. 

Vorstand: die städtische Hospital -Direktion. Aerzte: a) medizinische Abth.: Prof. 
Dr. Buchwald; b) äussere Abth.: Sanitätsrath Dr. Riegner; c) Abth. für Syphilis und Haut- 
krankheiten: Dr. Harttung; dj Abth. für Ohren- und Nasenkrankheiten: Dr. Brieger; ej Abth. 
für Frauenkrankheiten: Dr. Asch. 11 Assistenzärzte. Wartepersonal: 11 Schwestern vom 
rothen Kreuz aus dem Augusta-Hospital, 1 m., 44 w. ausgebildete Krankenwärter und 4 m., 33 w. 
Walter. 992 Betten. Verpflegungspreis: für Zahlungsfähige und Mitglieder der Kranken- 
kassen 1,50 M, für Wohlhabende 2,is, 3 und 7,so M täglich, für städtische Arme unentgeltlich. 

Guttstadt, Krankenhaus-Lexikon für das Deutsche Reich. 7 



Breslau. — 98 — Königreich Preussen. 

1898 wurden 6 496 (3 325 m., 3171 w.) Kranke durchschnittlich 32,7 Tage verpflegt, S14 sind 
gestorben. Ausgaben 1898: ordentliche 444 783,42 M, ausserordentliche 9 617,25 M. Die Ein- 
nahmen 1898 betrugen: 454400,67 M und setzten sich zusammen au« 73 058,4 o M Verpflegungs- 
geldern, 1 369,27 M an verkauften Produkten, 16 101,32 M Kapitalszinsen, 303 87S,93 M Zusehuss 
der Gemeinde, 3 367,45 M Legaten, Geschenken und Kollekten und 56 625,30 M aus sonstigen 
Quellen. Auer'sches Gasglühlicht. Wasserleitung. Spülclosets. 

Wenzel Haneke'sches Krankenhaus (Neudorfstr. 120). Städtische Anstalt, errichtet 
aus den Mitteln, welche .die am 10. Juni 1874 verstorbene verw. Medizinalrath Lina Hancke, 
geb. v. Krafft, der Stadtgemeinde zu diesem Zwecke letztwillig vermacht hat. Eröffnet am 
1. Dez. 1877, 1896 durch Neubau vergrössert. Unentgeltliche Aufnahme von Ortsarmen der 
Stadt aus den Stadtbezirken Nr. 86 bis inkl. 132 ohne Unterschied der Religion, ausgenommen 
Geisteskranke, Syphiliskranke und an ansteckenden Krankheiten Leidende. Primärärzte: 
Dr. Drewitz für die innere, Dr. Heintze für die chirurgische Abtheilung. Wartepersonal: 
13 ausgebildete Krankenwärter. 240 Betten: 50 im Stammhause, 60 im Pavillon und 130 in den 
Baracken. Letztere sind zur Aufnahme bei Epidemien bestimmt. Verpflegungspreis: l,so M 
täglich. 189S wurden 322 m., 341 w. Kranke durchschnittlich 32 Tage verpflegt, 50 m., 63 w. 
sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 100199,56 M, letztere setzten sich 
zusammen aus 7 697,s4 M Verpflegungsgeldern, 3 M an verkauften Produkten, 92 107,45 M 
Zusehuss der Stadt und 391,27 M aus sonstigen Quellen. Desinfektionsanstalt. 

Krankenstation des städtischen Arbeitshauses. 1859 von der Stadt erbant, 1883 
bedeutend erweitert. Arzt: Dr. Toeplitz. 115 Betten (61 f. M., 54 f. Fr.). 1898 wurden 7S m., 
79 w. Kranke durchschnittlich 13 Tage verpflegt, 7 m., 1 w. sind gestorben. 

Städtisches Armenhaus (Schuhbrücke 1), Krankenabtheilung: Basteigasse 7 — Abtheilung: 
Schulgasse 13b. 332 Betten, davon 180 f. M., 152 f. Fr. (50 f. Kinder). Arzt: Prof. Dr. Hirt. 
1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 3 m., 9 w. ausgebildete Krankenwärter. 189S wurden 
189 m., 245 w. Kranke verpflegt, 7 m., 24 w. sind gestorben. 

St. Joseph -Krankenhaus (Uferstr. 1 und Gräupnergasse 5 — 7). Von der Kongregation 
der grauen Schwestern von der heiligen Elisabeth errichtet, am 12. Jan. 1857 die ambulante 
Pflege und das Hospital, 8. Jan. 1883 das Siechenhaus und 6. Dez. 1890 das Krankenhaus. 
Rechtsfähigkeit seit 11. Juni 1864. Leitende Aerzte: Prof. Dr. Kolaczek, Sanitätsrath 
Dr. Lasinski. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 161 graue Schwestern des Mutterhauses, 
1 Krankenwärter. 175 Betten, davon 108 f. M. und 67 f. Fr. Verpflegungspreis: I. Kl. 5 M, 
H. Kl. 2—4 M, HI. Kl. 1 M täglich. 1898 wurden 2 398 (1602 m., 788 w.'j Kranke durchschnittlich 
22,6 Tage verpflegt, 8',i m., 41 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 26 Pfründner, 28 Alters- 
schwache, 36 Sieche und Krüppel und 40 Personen zur Ausbildung. Ausgaben 1898: ordentliche 
139 400 M, ausserordentliche 6 320 M. Die Einnahmen betrugen 141 600 M und setzten sich zu- 
sammen aus 79 060 M Verpflegungsgeldern, t :;io M Kapitalszinsen, 1 000 M Zusehuss der Provinz, 
200 M des Kreises, 300 M der Gemeinde, 23 130 3! Legaten. Geschenken und Kollekten und 
33 600 M aus sonstigen Quellen. 

Krankenhaus der Elisabethinerinnen (Gräbschenerstr. 105/107 und Filiale Antonien- 
strasse 24/26 seit 1896); besitzt Rechtsfähigkeit. Der Orden ist seit 1736 in Schlesien. Auf- 
nahme heilbarer weiblicher Kranken. Leitende Aerzte: Geh. Sanitätsrath Dr. Lange, Dr. Ernst, 
Dr. Hecke, Dr. Manch, Dr. May, Prof. Dr. Pfannenstiel. 6 Assistenzärzte. Filiale: Sanitätsrath 
Dr. Bröer. Wartepersonal: 53 bezw. 19 Elisabethinerinnen. 229 Betten und 36 in der Filiale. 
Verpflegungspreis: 6, 3, 1 M täglich und unentgeltlich. 1898 wurden 2 255 w. Kranke 
(einschl. 46 Krätzkranke) durchschnittlich 26 Tage verpflegt, 117 sind gestorben; in der Filiale : 
221 w. Kranke durchschnittlich 33 Tage, ausserdem 31 Pfründnerinnen und 21 Sieche, von denen 
1 bezw. 2 gestorben sind. Grosser Neubau ist ausgeführt. 

Krankenhaus der barmherzigen Bruder zur „Aller/heiligsten Dreifaltigkeit" 
(Klosterstr. 57/59). Mutterhaus der barmherzigen Brüder der schlesischen Ordensprovinz vom 
Orden des heiligen Johannes de Deo. Gestiftet 1711 von Cox v. Ons el für männliche Kranke. 
1712 eröffnet. 1898 Neubauten. Leitender Arzt: Prof. Dr. Partsch; Dr. Croce, Oberarzt der 
inneren Abtheilung, Dr. Gottschlich, Oberarzt der chirurgischen Abtheilung und Dr. Hecke für 
Ohrenkranke. 1 Assistenzarzt, 3 Volontärärzte. Wartepersonal: 62 barmherzige Brüder. 
256 Betten. Verpflegungspreis: 4, 2, so und 1 M täglich für Mitglieder der Krankenkassen. 
1898 wurden 3 450 m. Kranke durchschnittlich 22 Tage verpflegt, 190 sind gestorben (32 sterbend 
eingebracht). 

Lehmgrubener Diakonissen ■ Mutterhaus (Lehmgrubenstr. 58) zur Ausbildung von 
Gemeindepflegerinnen. 

Evangelisch -lutherische Diakonissen-Anstalt Bethanien (Klosterstr. 112/114). 1850 
gestiftet, seit 1852 in dem jetzigen Gebäude, mit Rechtsfähigkeit (unter dem Protektorate 
Ihrer Majestät der Kaiserin Auguste Victoria). Zur Zeit 420 Schwestern, von denen 314 
auswärts. Die Anstalt enthält: a) eine Krankenheilanstalt mit 150 Betten. Anmeldung 
der Kranken beiderlei Geschlechts beim Vorstand unter Beifügung eines ärztlichen Attestes, 
welches die Heilbarkeit des Patienten ausspricht. Anstaltsarzt: Dr. Methner, 2 Assistenzärzte; 
b) zwei Siechenhäuser, seit dem 11. Nov. 1880 bezw. 22. Okt. 1895 eröffnet, in welchen 



Königreich Preussen. — 99 — Breslau. 

von 22 Diakonissen unheilbare sieche Kranke beiderlei Geschlechts verpflegt werden. Dirigirender 
Arzt: San.-R. Dr. Körner. 85 Betten. Aufnahme auf Freibetten unentgeltlich, sonst gegen eine 
monatliche Pension von 30, 50, 75 M und mehr, je nach den gemachten Ansprüchen. Aus- 
geschlossen sind Patienten, welche geistes- oder gemüthskrank sind, an Krämpfen oder Syphilis 
leiden. Aufnahmegesuche sind an den Vorstand zu richten; c) eine Poliklinik, in welcher 
Patienten täglich von 10 bis 11 Uhr Vormittags, ausgenommen die Sonn- und Festtage, durch 
Sanitätsrath Dr. Körner kostenfrei ärztlichen Rath erhalten. Eine Diakonissin ist zur Hilfe- 
leistung den ganzen Tag anwesend. 1898 wurden 1879 (411m., 1468w.) Kranke durchschnitt- 
lieh 27.ö Tage verpflegt, 37 m., 99 w. sind gestorben. Ausserdem wurden 23 m., 73 w. Sieche 
und Krüppel verpflegt. Einnahmen L898: 17647S M, darunter 4 131, n M Verpfiegungsgelder, 
11 160,80 M für verkaufte eigene Produkte, 30 324,17 M Kapitalszinsen, 4 500 M Zuschuss der 
Provinz. 500 M des Kreises, 61 45,73 M der Stadt und S2 7Ui,8i M aus sonstigen Quellen. 

Diakonissen-Krankenanstalt ,, Bethlehem" (Sternstr. 71). 1893 vom Verein für weib- 
liche Diakonie erbaut; derselbe besitzt Rechtsfähigkeit. Arzt: Dr. Paul Müller. Warte- 
personal: 6 Diakonissen ans Kraschwitz. 40 Betten, darunter 10 für Kinder. Verpflegungs- 
preis: I. Kl. 5—6 M. II. Kl. 3—4 M. III. Kl. 1—2 M täglich. 1898 wurden 361 (1S9 m., 
172 w.i Kranke durchschnittlich 27 Tage verpflegt, 1 w. gestorben. 

Diakonissen -Krankenhans „Bethesda" (Gustav Freitagstr. 7). Früher unterhielt der 
evangelische Pflegeverein nur eine Kinderstation; seit dem 10. Dez. 1899 ist die Anstalt eröffnet 
zur Behandlung von Männer, Frauen und Kinder. Arzt: Dr. Toeplitz. 60 Betten. 

Augusta-Hospital des Vaterländischen Frauenvereins (Blücherstr. 2—4), errichtet am 
30. Sept 1886; die Anstalt besitzt Rechtsfähigkeit, enthält: a) eine Heilanstalt für Krauke 
ohne Unterschied der Konfession; b) eine chirurgische Poliklinik (unentgeltliche Behandlung). 
cl ein Krankenpflegerinnen-Institut zur Erziehung von Pflegerinnen, welche die Pflege in den 
Wohnungen der Erkrankten ausüben. Arzt: Dr. Tietze, 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 
10 Schwestern vom Vaterland. Frauenverein. 44 Betten: 26 f. M., 18 f. Fr. Verpflegungs- 
preis: L Kl. 6 M, n. Kl. 4 M, HI. Kl. 2 M täglich. 1898 wurden 359 (230 m., 129 w.) Kranke 
durchschnittlich 25 Tage verpflegt, 17 m., 7 w. sind gestorben. 1898 ordentliche Ausgaben 
46 896 M, ausserordentliche 5 796 M. Die Einnahmen betrugen 52 692 M und setzten sich 
zusammen aus 25 390 31 Verpflegungsgeldern, 5 939 M verkauften eigenen Produkten, 1 860 M 
Zuschüssen des Vereins. 2 770 M Legaten, Gesehenken und 16 733 M für ambulante Krankenpflege. 

Israelitische Krankenverpflegungs-Anstalt und Beerdignngs-Gesellsehaft (Antonien- 
strasse 6/S), gestiftet vom Kommerzienrath Jonas Fraenkel 1726 (mit Rechtsfähigkeit), enthält: 
al ein Hospital, in welchem jüdische Kranke nach vorheriger Anmeldung Aufnahme finden. 
Den unbemittelten Stadtkranken wird freie ärztliche Behandlung, Medizin und erforderlichen- 
tali- auch Geldunterstützungen gewährt; b) eine Poliklinik für ambulante Kranke aller Kon- 
fessionen; c) ein israelitisches Siechenhaus in Kleinburg, gestiftet 1S83. Neubau projektirt. 
Arzt: Dr. Sandberg, Primararzt, 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 1 Augustasehwester, 
4 ausgebildete Krankenwärterinnen und 2 Wärterinnen. 40 Betten. Verpflegungspreis: 
0,40 — 6 M täglich. 1S9S wurden 445 (235 m., 210 w.) Kranke durchschnittlich 26 Tage verpflegt, 
20 m., 16 w. sind gestorben. Ausgaben 36 276,74 M. 

Krankenhaus der Invaliden- nnd Altersversicherungs-.Anstalt der Provinz Schlesien 

(Charlottenstr. 15). 

Institut zur Behandlung von Unfallverletzten (Neudorfstr. 59), errichtet 1893. Aerzte: 
Drs. Bogatseh, Loewe, Methner, Sanitätsrath Riegner und Sachs, 2 Assistenzärzte. Warte- 
personal: 5 m., 1 w. Krankenwärter. 120 Betten. Verpflegungspreis: 3,so und 3,25 M 
täglich. 1898 wurden 772 (705 m., 67 w.) Kranke durchschnittlich 43, g Tage verpflegt. 

Männerkrankenheim „Zoar" (Scheitniger Vorstadt). 29. Juli 1S99 eröffnet. Eigeu- 
thümer: Brüderschaft „Zoar'\ Vorsteher: Pastor v. Gerlach. 3 Betten. 

Privat-Heilanstalten für chirurgische Krankheiten*) 

von Dr. Hohnhorst (Vorwerkstr. 34). 22. April 1899 eröffnet. 6 Betten. 

Geh. Medizinalrath Prof. Dr. v. Mikulicz (Thiergartenstr. 83/85). Oktober 1S91 
eröffnet. 2 Assistenzärzte. 3 Schwestern vom rothen Kreuz. 30 Betten. Verpflegungpreis 
5—10 M täglich. 

— Sanitätsrath Dr. Riegner (Freiburgerstr. 2). April 1875 eröffnet. 1 Assistenzarzt. 
8 Betten. Verpflegungspreis 3 — S M täglich. 

— Dr. Schäfer (Neue Schweidnitzerstr. 13). 6 Betten. Verpflegungspreis 3 — 6 M täglich. 

— Drs. Stempel und Eisner (Sadowastr. 52). 13. Nov. 1897 eröffnet. 8 Betten. 

— Sanitätsrath Dr. Viertel (Höfchenstr. 95). 10 Betten. Verpflegungspreis 4 — 6 M täglich. 

— Dr. Winkler (Bohrauerstr. 55a). 1. Jan. 1898 eröffnet. 6 Betten. Verpflegungspreis 
3—6 M täglich. 

— Vorsteherin: Frau Liedke (Neudorfstr. 104). Mehrere Aerzte benutzen das Pensionat. 
10 Betten. 



*) Siehe Anmerkung auf S. 63. 



Breslau. — 100 — Königreich Prenssen. 

Privat-Heilanstalt für Chirurgie, Ohren- und Xasenkrankheiten (Klosterstr. 71). 
Aerzte: Prof. Dr. Partsch und Dr. Hecke. 13 Betten. Yerpflegungspreis 3 — 8 M täglich. 

Privat-Heüanstalt für Hals-, Xasen- und Ohrenkrankheiten (TJrsulinerstr. 7a). Arzt: 
Dr. Boenninghaus. 2 Betten. Yerpflegungspreis 3 — 6 31 täglich. 

Medieo-mechanisches Institut (Salvatorplatz 3/4). Arzt: Dr. Kuznitzky. 

Privat-Heilanstalt für Haut- und Geschlechtskranke (Thiergartenstr. 51). Eröffnet 
6. Aug. 1S9S. Arzt: Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Neisser. 28 Betten. 

PriTat-Heilanstalt für Hautkranke (Gartenstr. 9). Arzt: Dr. Heilbrun. 

Heilanstalten für Frauenkrankheiten*) 

von Dr. Asch (Gartenstr. 9). 1. Sept. 1895 eröffnet. 17 Betten. Verpflegungspreis 
10, 7,50 und 5 M täglich. 

— Dr. Courant (Bahnhofstr. 11). 6 Betten. Verpflegungspreis 2 — 6 M täglich. 

— Prof. Dr. Fraenkel (Tauentzienstr. 67). 2 Assistenzärzte. 12 Betten. Verpflegungs- 
preis 10, 6 und 3 M täglich. 

— Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Küstner (Thiergartenstr. 47). 1 Schwester vom rothen 
Kreuz. 15 Betten. Verpflegungspreis 6,so — 10 M täglich. 

— Dr. Loebinger t'i'aschenstr. 13). lOBetten. Verpflegungspreis 3. 2 und l,so M täglich. 

— Sanitätsrath Dr. Martini (Am Ohlau-Ufer 32a). 

- Prof. Dr. Pfannenstiel (Tauentzienstr. 4S.49). 1. Jan. 1896 eröffnet. 9 Betten. 
Verpflegungspreis 10, 8 und 6 M täglich. 

— Drs. Bosenstein und Sakur (Tauentzienstr. 68a). 14. Jan. 1897 eröffnet. 15 Betten. 
Yerpflegungspreis 6. 4 und 2 M täglich. 

— Dr. Scheunemann (Hummerei 35). 1. Jan. 1896 eröffnet. 8 Betten. Verpflegungs- 
preis 3 — 8 M täglich. 

— Dr. Weinhold (Freiburgerstr. 34). 1. April 1893 eröffnet. 12 Betten. Verpflegungs- 
preis 7—10, 6 und 4 M täglich. 

Uuiversitäts-Augenklinik und Poliklinik (Maxstr. 2|. Direktor: Prof. Dr. Uhthoff. 

2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 1 m., 2 w. Krankenwärter. 43 Betten. Verpflegungs- 
preis 0,50 — •"> 31 täglich. 1898 99 wurden 623 (343 m., 280 w.) Kranke durchschnittlich 
24 bezw. 21 Tage verpflegt. 2 m. sind gestorben. Einnahmen 1898: 35 506.5s M, darunter 
17 817,50 M Verpflegungsgelder, 6 352,06 M Bestand aus dem Vorjahre, 64,02 M Ertrag für 
Küchenabfälle und 12 273 M Staatszuschuss. 

Klinik des sehlesischen Vereins zur Heilung armer Augenkranker (Höfchenstr. 44). 
1851 -cgründet durch Dr. Viol und mehrere Wohlthäter. Leitender Arzt: Dr. Landmann. 
2 Assistenzärzte. 114 Betten. Behandlung und Wohnung für Arme aus der Provinz und Breslau 
unentgeltlich auf Antrag der Behörden. Zur Unterhaltung dieser Anstalt zahlen die sehlesischen 
Stände. Kreise. Städte, Amtsbezirke, Gemeinden, sowie Private jährliche Beiträge. Ver- 
pflegungspreis: I. Kl. 5 M: Et. Kl. 3,50 M: III. Kl. 1 M und frei. 1898 wurden 1319 
(759 m., 560 w.) Kranke durchschnittlich 23,9 Tage verpflegt. Ausgaben 1898: ordentliche 
50244 M, auss rordentliche 5000 M. Einnahme:!: 59 361,50 3!. darunter 10937 M Verpflegungs- 
gelder, 2 684,50 -AI Kapitalszinsen, 7500 31 Zuschuss der Provinz, 33207 M der Kreise, 
Gemeinden und Ortskrankenkassen, 3 260 M Legaten, Geschenken und 2 273 31 aus sonstigen 
Quellen. 

Privat- Augenheilaustalten *) 

von Sanitätsrath Dr. Burchard (Am Ohlau-Ufer 32). 6 Betten. 

— Prof. Dr. Colin (Schweidnitzer Stadtgraben 25). 1. Juli 1866 eröffnet. 2 Assistenz- 
ärzte. 11 Betten. Yerpflegungspreis 3 — 10 31 täglich. 

— Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Förster (Neudorfistr. 13). 1862 eröffnet, S Betten. 
Verpflegungspreis 3 — 6 31 täglich. 

— Dr. Heilborn (Schuhbrücke 71). 

— Dr. König (Gartenstr. 9). 

— Prof. Dr. Magnus (Teichstr. 13). 1SS3 eröffnet. 10 Betten. Yerpflegungspreis 
1—2 31 täglich. 

— Prof. Dr. Uhthoff (Klosterstr. 35). 1 Assistenzarzt. 8 Betten. Verpflegungspreis 
4—10 M täglich. 

- Dr. Wolffberg (Freiburgerstr. 9). 1865 von Dr. Janv eröffnet. 2 Assistenzärzte. 
20 Betten. Verpflegungspreis: I. Kl. 6—10 31. IL Kl. 3—5 M, HL 1—3 31 täglich. 

Kaiserl. Kinderheim (Gräbschener Chaussee). Gegründet von einem Verein. Arme, 
hilflose 3Iütter werden unmittelbar nach ihrer Entbindung mit ihren Kindern unentgeltlich 
aufgenommen. Arzt: Dr. Totenhöfer. 



*) Siehe Anmerkung auf S. 63. 



Königreich Preussen. — 101 — Breslau. 

Wilhelm-Angnsta-Kinderhospita] (Karuthstr. 3). 1836 von Dr. Brüchner und Frau 
Jnstizrath Auguste Roch gestiftet. Wbhlthätigkeitsanstalt mit Rechtsfähigkeit. Arzt: 
l'r. Totenhöfer. Wartepersonal: 3 Diakonissen vom deutschen Samariter-Ordensstift aus 
Krasehnitz. 35 Betten. 1898 wurden 260 m., 300 w. Kranke durchschnittlich^ Tage und 
ausserdem li'. m., 16 w. Kratzkranke verpflegt, 18 ni., 5 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: 
9008 M. Einnahmen 9832 M, darunter 6083 M Kapitalszinsen, 430 Znschnss des Kreises und 
1 550 M der Gemeinde, 1704 AI Geschenken und 64 M aus sonstigen Quellen. 

Malteser - Kinderhospital zur heiligen Anna (Lehmgrubenstr. 62). Gegründet im 
Juni 1891 von dem Verein der schlesischen Malteser-Bitter, verwaltet von den bannherzigen 
Schwestern vom heiligen Vincenz v. Paul. Aerzte: Dr. Niche (Chirurg. Abth.) und Dr. Heekel 
(innere Abth.), welche auch an der mit dem Hospital verbundenen Poliklinik für kranke Kinder 
thätig sind. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 7 Vincentinerinncn ans Kulm. 50 Betten. 
Verpflegungspreis: 0,so M täglich. 1898 wurden 439 (241 m., 198 w.) Kranke durchschnittlich 
32 Tage verpflegt, 20m., 20 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: 12850 M. Einnahmen 13 500 M 
und setzten sieh zusammen aus 3 580 M Verpflegnngsgeldern, 2 950 51 Zuschuss des Vereins und 
6 970 M Geschenken. 

Institut für kranke Kinder von Dr. Epstein (Ring 30). 

Institut für kranke Kinder von Dr. Töplitz (Katharinenstr. 7). 

Privat-Heilanstalt von Drs. Sachs und Winckler (Thiergartenstr. 55). 24 Betten. 

Privat-Heilanstalt von Auguste Ertel (Gustav Freitagstr. 25). 5. Dez. 1899 eröffnet. 
•20 Betten. 

Privat-Heilanstalt von Therese Hellwich (Victoriastr. 40). 20. März 1899 eröffnet. 
12 Betten für Männer. 

Xatur- Heilanstalt „Bavariabad" von August Peter (Ziegelgasse 5/6). 1. Jan. 1S97 
eröffnet. Arzt: Dr. Körner. G Betten. Verpflegungspreis 5 — 6 M täglich. 1898 wurden 
17 i7 m., 10 w.) Kranke durchschnittlich 45,8 Tage verpflegt. 

Privat -Krankenanstalt von Karl Langner (Gr. Peldstr. 10c). Eröffnet am 22. Juni 
1898. Keine ärztliche Leitung. 4 Betten. 

Städtisches Irrenhans, Universitäts- Irrenklinik (Einbamnstr. i. Am 29. Okt. 18SS 
eröffnet. Vorstand: Primärarzt: Dr. Hahn. Oberarzt Dr. C'hotzen. :■> Assistenzärzte. Warte- 
personal: 2 Schwestern vom Vaterländischen Frauenverein. 21m., 25 w. ausgebildete Kranken- 
wärter. 280 Betten. 1898 wurden 480 m., 322 w. Geisteskranke durchschnittlich 90 Tage ver- 
pflegt, 81 in.. 37 w. sind gestorben. Ausserdem wurden 126 m.. 49 w. körperlich Kranke durch- 
schnittlich 32 Tage verpflegt, wovon 9 m., 6 w. starben. Die Ausgaben nnd Einnahmen 1898 
betrugen 217 629,39 M. letztere setzten sich zusammen aus 55397,66 M Verpflegungsgeldern, 
142 656,13 M Zuschuss der Stadt und 19 575,so M aus sonstigen Quellen. Medizinalrath Professor 
Dr. Wernicke hält hier die psychiatrischen Vorlesungen für die Studierenden. 

I'niversitäts-Frauen-Klinik und Poliklinik (Maxstr. 3). Am 1. April 1S90 eröffnet- 
Eigenthünier: Fiskus [Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegen- 
heiten). Direktor: Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Küstner. 4 Assistenzärzte. Wartepersonal: 
1 Hebamme, 2 Victoriaschwestern aus Berlin, 8 Wärterinnen. 96 Betten in 3 Klassen. Ver- 
pflegungspreis: fi.sri, 4,5o, 1,50 M täglich. 1898/99 wurden 1482 Frauen durchschnittlich 
20 Tage verpflegt, 24 sind gestorben. 

Provinzial-Hebamnien-Lehranstalt (Kronprinzenstr. 23/25). 1791 vom Staate begründet, 
nach dem Dotationsgesetz vom 8. Juli 1875 in den Besitz der Provinz Schlesien übergegangen. 
Vorstand und leitender Arzt: Dr. Baunim, ?> Assistenzärzte. 2 Hebammen. 96 Betten, 
darunter 33 für Kinder. Verpflegungspreis: l,5o bis 10 M täglich. 1898 wurden 978 
Schwangere bezw. Wöchnerinnen durchschnittlich 11.6 Tage verpflegt, 5 sind gestorben. Ausser- 
dem wurden verpflegt. 111 Hebammenschülerinnen und 186 gynäkologische Kranke, letztere 
durchschnittlich 13,7 Tage, 7 davon sind gestorben. Die Ausgaben und Einnahmen 1898 
betrugen 48 392 M, letztere setzten sich zusammen aus 15 860 M Verpflegungsgeldern, 31 6S5 M 
Zuschuss der Provinz und 847 M aus sonstigen Quellen. 

'20 Privat-Entbindungsanstalten der Hebammen. 

Anstalt zum Gnten Hirten. Pflege kranker und Beaufsichtigung sittlich gefallener und 
gefährdeter Mädchen. 1859 errichtet. 43 Schwestern vom Guten Hirten aus Münster j.- W. 
366 Plätze. 1898 wurden 366 Mädchen verpflegt. 

Städtisches Heim für Genesende (Sanitätsrath Dr. Friedländer'sche Stiftung) in 
Weidenbof. Aufnahme nach vorheriger Untersuchung durch den Primärarzt der inneren Ab- 
theilnng des Allerheiligen Hospitals. Vorstand: Kuratorium. Die Aufsicht führen zwei 
Augustaschwestern. 



Breslau. — 102 — Königreich Preussen. 

Hospital zu St. Trinitas (Fredrichstr. 102). Ursprünglich genannt „zum heiligen 
Leichnam", seit dem 17. Jahrhundert gewöhnlieh „Reiches Hospital" genannt, vom Magistrat 
der Stadt vor 1319 errichtet und stets verwaltet. Bestimmung: Aufnahme Breslauer Bürger 
evangelischer Konfession sowie deren Frauen, Witwen und hinterlassenen unverheirateten 
Töchter evangelischer Konfession. Aufnahmebedingungen: 1. zurückgelegtes 50. Lebensjahr, 
2. Nachweis eines unbescholtenen Lebenswandels, 3. Freiheit von Ekel oder Abscheu erregenden 
Gebrechen und Uebeln, welche eine langwierige Kur und Pflege erfordern. Eintrittsgeld 1 500 M 
und 3 000 M, nach Verschiedenheit der Stuben, sowie 04 M Begräbnissgeld. Die Hospital- 
gebäude sind ausser den Dienstwohnungen auf 34 verheiratete, 68 unverheiratete Hospitaliten 
berechnet. 

Hospital zum heiligen Geist (Kirchstr. 15 und Münzstr. 11). Bestimmung wie bei 
St. Trinitas. Eintrittsgeld 1 200 M, Begräbnissgeld 36 M, Aufnahmegebühren 16, so 51. 
— 54 Stellen. 

Hospital zu St. Bernhardin (Kirchstr. 3), 1522 gegründet. Aufnahmebedingungen wie 
bei St. Trinitas. Eintrittsgeld 1 200 M oder 900 M, ausserdem in iedem Falle 52,50 M. — 
10S Stellen. 

Hospital zu St. Hieronvmus (Wörtherstr. 1/3). Bestimmung wie bei St. Trinitas. 
Eintrittsgeld 2 400, 1 950, 1 560, 990 und 780 M. Begräbnissgeld 60 M. 80 Stellen. 

Hospital zu 11 000 Jungfrauen (Wörtherstr. 1/3). Im 14. Jahrhundert gegründet. 
Bestimmung: Aufnahme von Witwen und unverehel. Töchtern hiesiger evangelischer Einwohner. 
Eintrittsgeld 1 200, 990, 780 und 540 M. Begräbnissgeld 60 M. 60 Stellen. 

Hospital zu St. Anua (Neue Sandstr. 11). 1818 gegründet. Aufnahme hiesiger katho- 
lischer Bürger und ihrer Ehefrauen oder deren Witwen katholischer Konfession. Eintrittsgeld 
bis zum 60. Lebensjahre 900 31. vom 60. bis 65. Jahre 600 31, über 65 Jahre 300 31, Begräb- 
nisskosten 90 M. 86 Stellen. 

Maurermeister Guder'sche Stiftung (Lohestrasse). Bestimmung: Unentgeltliche 
Aufnahme alter, hilfsbedürftiger 3Iaurer und deren Ehefrauen. Aufnahmebedingungen: 
Alter von 55, für Ehefrauen 50 Jahren. Nachweis, dass das Maurerhandwerk bei einem Meister 
erlernt worden ist. Der Aufzunehmende muss ferner einen rechtlichen, unbescholtenen Lebens- 
wandel geführt haben uud nicht dem Trünke ergeben, mit keinem Ekel oder Abscheu erregenden 
Gebrechen und mit keinem Uebel behaftet sein, welches eine langwierige Kur und Verpflegung 
erforderlich macht, und der Maurer-Krankenkasse angehören. — Den Vorzug haben Diejenigen, 
die nachweisen können, dass sie bei dem Maurermeister Guder in Arbeit gestanden haben, 
ebenso Meister vor Gesellen. — 21 Stellen. 

Hospital für alte hilflose Dienstboten (Rosenthalerstr. 9). Aufnahme hiesiger Dienst- 
boten christlicher Religion ohne Unterschied di'r Konfession, welche das 50. Lebensjahr zurück- 
gelegt haben und arbeitsunfähig, aber nicht siech und auch nicht mit einem Ekel oder Abscheu 
erregenden Gebrechen behaftet sind. Aufnahmebedingung: Nachweis treuer und vorwurfs- 
freier Dienstführung bei mindestens drei Herrschaften oder denselben Nachweis von nur zwei 
oder einer Herrschaft, jedoch alsdann über einen Zeitraum von mindestens 5 Jahren. Zahlung 
von 150 M Eintritts- und 50—60 M Begräbnissgeld. — 151 Stellen. 

Pathe'sche Stiftung (Lohestr. 89). Unentgeltliche Aufnahme alter unverschuldet zurück- 
gekommener christlicher Bürger. Der Aufzunehmende muss das 60. Jahr erreicht und weder 
Prau noch Kinder haben. — 20 Stellen. 

Bürgerversorgungs-Anstalt (Langegasse 2S/30). Aufnahme fleissiger und unbescholtener, 
ohne ihr Verschulden verarmter oder durch Alterschwäche und Krankheit erwerbsunfähig 
gewordener hiesiger Bürger und deren Frauen und Witwen, ohne Unterschied der Religion und 
Konfession. Aufnahmebedingungen: Der Bittsteller hat nachzuweisen, dass er das 
55. Lebensjahr vollendet und stets einen durchaus unbescholtenen Lebenswandel geführt hat, 
20 Jahre hierselbst Bürger, unverschuldet in hilfsbedürftige Lage gekommen, zur Erwerbung 
seines Unterhaltes nicht mehr fähig ist, auch keine vermögende, zu seiner Verpflegung gesetzlich 
verpflichtete Verwandte hat, weder mit einem Ekel erregenden Gebrechen, noch mit einem 
Uebel behaftet ist, welches langwierige Kur und fortdauernde Pflege erheischt, und ein voll- 
ständiges Gebett Betten, sowie die nöthige Wäsche und 3Iöbel eigen besitzt. — 108 Stellen, 
darunter IS für Ehepaare. 

Selenke'sche Stiftung (Kl. Fürstenstr. 13). Aufnahme alter bedürftiger Kaufleute und 
deren Frauen. Präsentation bei den Aeltesten des „Vereins christlicher Kaufleute". 

Städtisches Siechenhaus (Claasen'sche Stiftung). Die Anstalt verdankt ihre Ent- 
stehung einem edlen Breslauer Bürger Theodor Claasen und wurde 1852 eröffnet, 1893 der 
städtischen Armen- und Krankenhaus- Verwaltung unterstellt. In zwei getrennten Gebäuden, 
werden 360 Sieche verpflegt. Das neue Haus, erst Ende 1898 eröffnet, mit 197 Betten, ist mit 
einem Kostenaufwande von 317 000 M (wovon 270 000 31 Bau- und 47 000 31 Einrichtungskosten 
waren) ^hergestellt. 



Königreich Preussen. — 103 — Breslau. 

Die Heizung erfolgt durch Wannwasser- und durch eine Kombination von Luft- und 
Niederdruck-Dampfheizung. 

Die gesammten Verwaltungskosten betrugen im Jahre 1898/99 für den Kopf und Tag 
durchschnittlich l.io M. unter 3 Schwestern (vom vaterländischen Frauenverein) arbeiten 
24 Wärter und Wärterinnen. 

Bei der Behandlung der Siechen steht, das Bestrehen voran, durch liebevolle Sorgfalt, 
soweit, möglich, den Aufenthalt zu einem behaglichen zu gestalten. Dabei wird aber versucht, 
die Siechen, soweit ihre Kräfte dies gestatten, arbeiten zu lassen. Niemand wird zur Arbeit 
gezwungen, aber die Arbeitslust durch kleine Vergünstigungen gefördert. So sind mehrere 
Betriebsstätten im Hause (Tischlerei, Tapeziererei, Korbflechterei, Schneiderei) dauernd durch 
Sieelie versehen und ausserdem hilft eine grössere Zahl bei den sonstigen Hausarbeiten. Es 
ist unzweifelhaft, dass die nützliche Thätigkeit zu dem Behagen der Siechen in hohem Grade 
beiträgt. 

Der schwerste Kampf der Pfleger richtet sich gegen die Unsauberkeit und den Decubitus. 
Von grossem Nutzen sind hierbei die Klosetbetteii. vini denen die Anstalt 1<> in Gebrauch hat. 
Der 1'reis eines solchen Bettes beträgt 180 M. — Arzt: Sanitätsrath Prof. Dr. Jacobi, Polizei- 
und Stadtphysikus. 

Kommerzienrath Ernst HeiniamTsche Stiftung (Verlängerte Sternstrasse). Zweck: 
Armen Personen beiderlei Geschlechts jedes Glaubens und Standes, welche das 50. Lebensjahr 
überschritten haben, ohne ihr Verschulden in Noth gerathen sind und weder an Geistes- 
krankheit, noch Epilepsie, noch an einer ekel- oder abscheuerregenden oder einer besonderen 
Wartung und Aufsicht erheischenden Krankheit leiden, eine Zufluchtsstätte zu gewähren, in der 
sie Wohnung. Heizung und soweit möglich, wenigstens nothdürftige Beköstigung erhalten. — 
Verwandte des Stifters und seiner Ehefrau haben das Vorzugsrecht. — lieber die Aufnahme in 
die Stiftung beschliesst der Vorstand, vorbehaltlich der Genehmigung des Magistrats. Der 
jedesmalige Aelteste unter den männlichen grossjährigen Descendenten des Stifters hat das 
Vorschlagsrecht. — 20 Stellen. 

Königl. St. Elisabeth-Hospital (Kl. Domstr. 9). 1250 gegründet. 1820 durch Friedrich 
Wilhelm 1H. aufs Neue bestätigt. Oberaufsicht: Die Königl. Regierung. Aufnahme der 
Provinz Schlesien angehöriger, zur Arbeit unfähiger Personen von unbescholtenem Wandel, ohne 
Unterschied des Glaubensbekenntnisses der christlichen Religion. 

Fürstbischöfliehes St. Lazarus-Hospital (Klosterstr. 71a). 12iU gegründet. 1814 neu 
erbaut. Prokurator: Dr. Wick, Domherr. Unentgeltliche Aufnahme alter hilfloser Männer. — 
40 Stellen. 

Invaliden - Versorgung — Zweigstiftung des Nationaldanks (Brandeuburgerstr. 7). 
Vorsitzender: Oberbürgermeister Bender. — 5 Plätze. 

Lazarus Kroh'sehe Stiftung (im Fränkel'schen Hospital). Aufsicht: Der Vorstand 
der Synagogengemeinde. Bestimmung: Für .') alte männliche Gemeindemitglieder. 

M. J. Caro'sche Stiftung (Wallstr. 19). 1858 gegründet. Aufsicht: Der Vorstand 
der Synagogengemeinde. Ueberweisung billiger Wohnungen im Stiftungshause, an alte würdige 
Gemeindemitglieder beiderlei Geschlechts. 

Schlesisches Lehrerinnen-Stift. Gegründet von einem Verein. Das Stiftsgebäude in 
Kleinburg bietet arbeitsunfähigen Lehrerinnen freie Wohnung, Feuerung und Licht; es enthält 
Raum für 19 Damen und ist zur Zeit völlig besetzt. Mit dem Stift seit 1880 verbunden die 
Bertha Lindner-Stiftung zur Unterstützung bedürftiger Stiftsbewohnerinnen oder anderer 
hilfsbedürftiger Lehrerinnen, die dem Stiftsverein angehören. Kapital: 5 450 M. 

Schlesisehe Blindenunterriehts -Anstalt (Martinistr. 7/9). Privatanstalt, steht unter 
Aufsicht des Provinzial - Schulkollegiums und wird von den Provinzialständen subventionirt. 
Simultan. — Gegründet am 14. Nov. 1818 von einem Privatvereine auf Anregung eines früh 
erblindeten und später als < fberlehrer an der neu gegründeten Anstalt angestellten Lehrers. — 
Das Grundstück ist ein Gnadengeschenk des Königs. — Eigenthümer: Ein Privatverein. 
Die Anstalt hat Rechtsfähigkeit. Direktor des Verwaltungsraths und Vorstandes: 
Dr. Reimann. Vorstand: v. Prittwitz und Gaffron, Kaufmann Grüttner, ausserdem 13 Mitglieder 
des Verwaltungsrathes. Rektor und technischer Leiter: Schottke; 5 Lehrer, 2 Lehrerinnen, 
5 Werkmeister. — Aufgenommen werden bildungsfähige Blinde der Provinz Schlesien im Alter 
von 12 — 36 Jahren behufs Ausbildung im Schul-, Musik- und Arbeitsunterrichte gegen eine 
Pension von gegenwärtig 216 M und eines Kleidergeldes von jährlich 30 M. 77 Stellen sind 
Freistellen, hiervon 62 provinzialständische, 15 durch Vermächtnisse. — Die aus der Anstalt 
austretenden Eleven erhalten nach dem Grade ihrer Bedürftigkeit und mit Rücksicht auf die 
leichtere oder schwierigere Art des Erwerbes eine Unterstützung aus dem hierzu gebildeten 
Anstaltsfonds. Auch ist die Anstalt bemüht, den entlassenen Zöglingen Aufträge zu Arbeiten 
zuzuwenden, die fertig gestellten Arbeiten preismässig zu verwerthen und im Bedürfnissfälle 
das erforderliche Arbeitszeug zu liefern. — 120 Zöglinge, 11 Hospitaliten, 6 Heimbewohnerinnen. 
Vermögen: 503000 M. Mobiliar von 36 500 M nebst Anstaltsgebäude. — Anstaltsarzt: 
Dr. Beyer. 



Breyell, Brieg. — 104 — Königreich Prenssen. 

Privat-Taubstummenunterrichts- und Erziehungsanstalt (Sternstr. 23/24). Internat 
nnd Externat. — Der Lehrer an der Bürgerschule zum heiligen Geist in der Neustadt. Siegismund 
Bürgel, war der erste in Breslau, welcher sich der Taubstummen thätis annahm. Von 1802 bis 
1819 unterrichtete er Taubstumme ohne fremde Beihilfe. — Am 28. Sept. 1S19 bildete sich auf 
Anregung des Regierungs- und Medizinalraths Dr. Mogalla ein Privatverein zur Errichtung einer 
Taubstummenanstalt, und zu Ostern 1821 wurde dieselbe unter Burgel's Leitung eröffnet. Die 
Anstalt hat Rechtsfähigkeit durch A. K.-Ü. vom 26. Mai 1836. Direktor: Bernhard Bergmann; 
25 Lehrer, 4 Lehrerinnen. Arzt: Dr. Bönninghaus. — 8 jähriger Kursus. Theilung der Schüler 
der einzelnen Jahrgänge nach den Fähigkeiten. 23 Klassen, 113 Zöglinge (Alumnen). 90 Zög- 
linge im Externat und 30 Sehulsränser. Für bemittelte Schüler beträgt das Schulgeld 36 — 72 M. 
Einnahmen 1S98: 148 000 M, Ausgaben 144 000 M. 

Breyell, 5 823 Einw. (Kreis Kempen a. Eh., Keg.-Bez. Düsseldorf). 
Krankenhaus. 1894 errichtet. 5 Franziskanessen aus Münster. 

Brieg, 21 164 Einw., 17 Aerzte, 2 Zahnärzte, 11 Hebammen, 2 Apotheken (Kreis Brieg, 
Eeg.-Bez. Breslau). 

Wasserleitung seit 1S63. Anlegekosten rund 400000 M. Oberflächenwasser (Oder), 
aufsteigende Sandfiltration. Leistung im letzten Jahre 503 349 cbm. — Schlachthof: Eigen- 
thum der Innung, eröffnet 19. Febr. 18S5, hat 164 600 M gekostet. Geschlachtet wurden im letzten 
Jahre 2 030 Kinder. 9 175 Schweine. 4 173 Kälber. 2 003 Hammel und Ziegen, 139 Zickel. — 
Die Fäkalien werden pneumatisch in Tonnen entleert und an Landwirthe verkauft. Kanali- 
sation geplant. — Desinfektionsanstalt: In der städtischen Krankenanstalt ist seit 1892 
ein Desinfektor vorhanden. System Budenberg. Derselbe wird Privaten (auch dem Garnison- 
lazaret) für je 4 M zur Benutzung gestellt. 1898 war er für die Kraukenanstalt 35 mal. für 
Private u. s. w. 107 mal thätig. -- Es bestehen zwei städtische Fluss-Badeanstalten. 
ausserdem eine öffentliche Badeanstalt in Privatbesitz. — Bau - Polizeiordnung vom 
1. März 18S3. 

Garnisonlazaiet. 1865 bis 1868 erbaut und am 1. Aug. 1869 bezogen. Es liegt im 
Westen der Stadt an der die letztere umgebenden Promenade. Vorstand: Oberstabsarzt Dr. Hart- 
mann. Wartepersonal: 4 Militärkraukenwärter. 59 Betten. 1898 wurden 578 Kranke 
durchschnittlich 20 Tage verpflegt, 9 sind gestorben. Ventilationssystem: Graff'sche 
Ventilationszimmeröfen, Kippfenster, Thürschieber. Wasserversorgung: Anschlags an die 
städtische^Wasserleitung. Latrinen: Grubensystem mit pneumatischer Abfuhr. 

Lazaret der Königlichen Strafanstalt. Eigenthümer: Fiskus (Ministerium des Innern). 
Belegfähigkeit: 800 Männer. Hafträume: 46"Einzelzellen. ausschL Strafzellen. 12 gemein- 
sam.- Schlafräume von 2 160 qm Gesammtgrösse. 30 sremeinsame Arbeitsräume von 4007 qm 
Gesammtgrösse. Arzt: Dr. Rumbaum, krankenräume: 14 von 364 qni Gesammtffrösse. 
Krankenzahl 1898: 245 M. 

Städtische Krankenanstalt. Neuhan 1. April 1>84 eröffnet. Die Krankenanstalt für 
weibliche Dienstboten ist mit demselben vereinigt. Arzt: Dr. Rieger. Wartepersonal: 
2 in.. 2 w. ausgebildete Krankenwärter und 3 Wärterinnen. 70 Betten. Verpflegungs- 
preis: 1 — 1,75 M täglich. 1899 wurden 547 (332 m.. 215 w.i Kranke durchschnittlich 

21.4 Tage verpflegt. 33 m.. 22 w. sind gestorben. 

Diakonissenstiftung. l^s von der evangelischen Kirchengemeinde erbaut, die Dia- 
konissenstiftuntr ist 1861 begründet. Eigenthümer: Evangelische Kirchengemeinde. Freie 
Arztwahl. Wartepersonal: 8 Diakonissen aus Bethanien zu Breslau. 20 Betten. Ver- 
pflegungspreis 2,so. l.so. 1 M täglich. 1898 wurden 27 m. 44 w. Kranke durchschnittlich 

21.5 Tage verpflegt, 1 m.. 5 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt 6 w. Altersschwache. 
Die Einnahmen 1898 betrogen 18618,10 M and setzten sich zusammen aus 4u4->.3? M Ver- 
pflegungsgeldern, 1 .S42.40 M Kapitalszinsen, 300 M Zuschuss der Kirche. 500 M der Stadt und 
11927.31 H Geschenken. 

St. Marienstift. Februar 1860 von Staatsanwalt Dr. G. Krätzig gegründet. Eigen- 
thümer: Korporirtes Stift zu ..St. Maria-. Arzt: Geh. Sanitätsrath Dr. Adler. Kreisphysikns. 
Wartepersonal: 16 Borromäerinnen aus Trebnitz. 40 Betten. Verpflegungspreis: I. Kl. 
3-4 M. II. Kl. 2 M. III. Kl. 1 M täglich. 1898 wurden 10 in.. 39 w. Kranke verpflegt, 1 m.. 
5 w. sind gestorben. Aasgaben und Einnahmen 1S98 betrugen 11 >5, M. letztere setzten sich 
zusammen aus 10 732 M Verpflegungsgeldern. 500 M Zuschuss der Gemeinde. 225 M Geschenken 
und 400 M aus sonstigen Quellen. 

Provinzial -Irrenanstalt. Um 1750 von der König). Staatsregierang innerhalb der 
Strafanstalt errichtet. 1784 neu erbaut. 1818 wurde das Gebäude des Kapuzinerklosters zu 



Königreich Preussen. — 105 — Briese — Britz. 

einer. Irrenanstalt eingerichtet. Direktor: Dr. Petersen, 2 Assistenzärate. Wartepersonal: 
:.''-' m.. 39 w. Krankenwärter. Verwaltungspersonal: 8 m., 7 w. 400 Betten: 170 f. M., 
230 £ Fr. Verpflegungspreis: 1,60, 1.30 M täglich. 1898 wurden -04 m., 307 w. Kranke 
durchschnittlich 321 bezw. 276 Tage verpflegt, 6 in.. 16 w. sind gestorben. Die Ausgaben und 
Einnahmen 189S betrugen 172 714,36 M, letztere setzten sieh zusammen aus S2S27.S3 M Ver- 
pflegungsgeldern. 16 418,4 S an verkauften eigenen Produkten, 141,88 M Kapitalszinsen, 72 245,io M 
Zuschuss der Provinz und 1 081, 03 M aus sonstigen Quellen. 

Central-Hospital der Stadt. 

Briese bei Birkenwerder (bei Berlin) (Kreis Niederbarnim, Keg.-Bez. Potsdam). 

Jüdische-: Genesungsheim. April 1898 eröffnet. Unentgeltlich werden 20 jüdische in 
der Genesung befindliche Frauen und Mädchen aufgenommen, in der Eegel auf vier Wochen. 
Begründet und verwaltet von einem Komitee. Vorsitzender: Martin Simon, Berlin NW., 
Neostädtische Kirchstr. 11 (Bureau: Berlin C., Gr. Präsidentenstr. 3). 

Briesen i. Westpr., 5 255 Einw. (Kreis Bliesen, Keg.-Bez. Marienwerder). 

Städtischer Schlachthof vorhanden. 

Johanniter Kreis-Krankenhaus. 1S60 als städtisches Krankenhaus errichtet und am 
1. April 1SS9 in die Verwaltung des Kreises übergegangen, seit 1. Okt. 1S99 in dem Besitz 
des Johanniter-Ordens. Arzt: Kreisphysikus Dr. Hopmann. Wartepersonal: 3 Diakonissen 
aus Danzig. 40 Betten und zwar 25 f. M.. 15 f. Fr. Verpflegungspreis: l,2o — 1,50 M 
täglich. 1898 wurden 89 m., 27 w. Kranke durchschnittlich 39 Tage verpflegt, 5 m., 5 w. sind 
gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1S98 betrugen 6 571,2? M. letztere setzten sich zu- 
sammen aus 4 669,16 M Verpflegungsgeldern und 1 902,n M Zuschuss des Kreises. 

Brilon, 4 700 Einw. (Kreis Brilon, Keg.-Bez. Arnsberg). 

Städtisches Krankenhans „Mariahilf''. Am 3. März 1847 von der Stadt errichtet. 1SS2 
schenkte der Stadtkaplan Christian Teipel 18000 M. Arzt: Kreisphvsikus Dr. Lüttig. Warte- 
personal: 8 Vincentinerinnen aus Paderborn. 30 Betten. Verpflegungspreis: IM und 1,25 M 
täglich. 1898 wurden 88 m., 33 w. Kranke durchschnittlich 27" bezw. 133 Tage verpflegt, 
3 m., 3 w. sind gestorben. Ausgaben 189S: 9 451 M. Die Einnahmen betrugen 9 750 M und 
setzten sich zusammen aus 3 893 M Verpflegungsgeldern, 4 467 M Kapitalszinsen und Pacht von 
Grundstücken, 1 390 H Zuschuss der Stadt. 

Britz, 7 243 Einw. (Kreis Teltow, Reg.-Bez. Potsdam). 

Kreis-Krankenhans für Teltow. 1894/96 erbaut vom Kreise. 15. März 1896 eröffnet. 
Leitender Arzt: Dr. Kiese. 4 Assistenzärzte. Wartepersonal: 13 Schwestern aus dem 
Johanniter-Orden und 9 in., 6 w. ausgebildete Krankenwärter. 164 Betten: 9S f. M., 66 f. Fr., 
darunter 22 f. Kinder. Verpflegungspreis: S, 5. 2 M für erwachsene Kranke, l.so M für 
Kinder aus dem Kreise bezw. 2, so M und 2 M für Kinder ausserhalb des Kreises. 1S9S wurden 
1748 (1010 m.. 738 w.i Krank.- durchschnittlich 30.7 Tage verpflegt. 113 m.. 99 w. sind 
ä -torben. Ausgaben 189S: ordentliche 191 400 M. ausserordentliche 32 790 M. Die Einnahmen 
1898 betrugen 224 190 M und setzten sich zusammen aus SO 300 Verpflegungsgeldern, 600 M 
Beerdigungskosten. 300 M an verkauften eigenen Produkten, 1 500 M Krankenbeförderungs- 
kosten. lu s 7tK> M Zuschuss des Kreises und 32 790 M Anleihe des Kreises. 

Bauliehe Beschreibung: Das etwa 27 500 qm umfassende, ziemlich quadratische, mit 
der Hauptfront nach Süden gerichtete Grundstück liegt gesund und freundlich auf der Höhe 
eines sanften mit Akazien und Kiefern bestandenen Abhanges au der King-Chaussee und ist 
von allen Seiten von Strassen umgeben. Die Anlage besteht in ihrem Hauptgebäudekomplei 
aus einem in der Mitte gelegenen und mit bedeckter Unterfahrt versehenen zweigeschossigen 
Verwaltungsgebäude, an das sich rückseitig die Operationssäle und darunter im Untergeschoss 
die Wirthschaftsräume anschliessen, und zwei zweigeschossigen Krankenpavillons für Männer 
und Frauen, deren Langsamen von Norden nach Süden gerichtet sind. Niedrige Zwischenbauten 
mit offenen Loggien steilen die Verbindung zwischen diesen Gebäuden her, ohne der Luft- 
zirkulation nennenswerthe Hindernisse in den Weg zu setzen. Auf der hinteren für Erweiterungs- 
bauten reservirten Terrainfläche ist zunächst nur ein Isolirgebäude für 10 Betten, ein Stall- 
gebäude und ein Leichenhaus errichtet, während ein villenartiges Wohngebäude für den 
dirigirenden Arzt vorn an der Strasse, die Südostecke des Grundstückes einnimmt. 

Die zwei- bezw. dreiseitig beleuchteten Krankensäle umfassen 8 — 16 Betten zu 40 cbm 
Luftraum. Im Erdgeschoss schiiessen sich direkt von Aussen zugängliche, also isolirbare 
Stationen von 3 — 4 Betten an die Säle an. Das Verwaltungsgebäude enthält freundliche 
Krankenzimmer für 5 Pensionäre, einen Betsaal, das Bureau mit Sprechzimmer, die Dispensir- 
anstalt sowie die Wohnungen der (Johanniter-) Schwestern, zweier Assistenzärzte und eines 



Broacker, Bromberg. — 106 — Königreich Preussen. 

Volontärarztes. Der Inspektor und das Unteqwsonal wohnen rückseitig im Untergeschoss der 
Pavillons, die hier des abfallenden Terrains halber höher aus dem Boden hervorragen. Für die 
Aufnahme der Kranken bezw. für poliklinische Zwecke sind im Erdgeschoss des Verwaltungs- 
gebäudes direkt von Aussen zugängliche Räume (Wartezimmer. Untersuchungszimmer, Dunkel- 
raum, Bad und Kloset) hergerichtet. Ausser dem Haupt-Operationsraum ist ein besonderes 
Operationszimmer für septische Fälle angeordnet. Daneben befinden sich Vor- und Warte- 
zimmer sowie Räume für Verbandzeug u. s. w. Im Untergeschoss des Männerpavillons ist ein 
römisches Bad hergestellt : fernerhin ist für Permanentbäder Sorge getragen, auch eine Tobzelle, 
eingerichtet und in Zukunft die Einrichtung eines Saales mit Apparaten für niedico-mechanische 
Heilgymnastik ins Auge gefasst. Drei Aufzüge befördern die Speisen vom Untergeschoss zu 
den in allen Stockwerken gelegenen besonderen Spülküchen, wo die Geschirre der Stationen 
gereinigt werden und verbleiben. — Das Isolirgebäude endlich ist in zwei von Aussen direkt 
zugängliche und mit getrennten Speiseeingaben versehenen Abtheilungen von je 5 Betten 
zerlegbar. 

Die Heizung ist eine Niederdruck-Dampfheizung, die Beleuchtung ausschliesslich elektrisch. 
Beide werden von dem zentralen Kesselhause und den daneben angeordneten Maschinen bezw. 
Accumulatoren betrieben. Die Bereitung der Speisen erfolgt im Dampfwasserbade. Der Betrieb 
der Wäscherei, die mit einer Enteisenungsanlage verbundene Wasserbeschaffung, für welche 
neben der Oekonomie ein Tiefbrunnen angeordnet ist. die Beförderung des Schmutzwassers in 
das Druckrohr der Rixdorfer Kanalisation, die Warmwasserbereitung, sowie die Desinfektion 
und Sterilisation erfolgen gleichfalls sämmtlich durch den im Kesselhause erzeugten Dampf. 
Drei Zweitlammrohr-Dampfkessel von je -IG qm feuerberührter Fläche, von denen einer als 
Reserve dient, arbeiten daselbst mit G Atmosphären-Ueberdruck, der alsdann entsprechend 
reduzirt wird. Elektrische Läntewerke und Fernsprecheinrichtungen, beide mit Accumulator- 
zellen, System Baensch, sowie elektrisch regulirte Uhren regeln den inneren Dien-t. 

In der ganzen Anstalt ist durch möglichste Vermeidung von Holz, ausgedehnte An- 
wendung von Eisen und Stein, Kacheln. Glas und Emaillefarbe, Ausrundung aUer Ecken, hellen 
freundlichen Anstrich u. s. w. der Solidität und Reinlichkeit mit äusserster Sorgfalt Rechnung 
getragen. Für die Aborte ist das Unitas-System gewählt. Die Badewannen und freiliegenden 
Leitungen sind in Kupfer ausgeführt: die wichtigen Garnituren sind vernickelt. Für die 
Wasch- und Spülgefässe ist Monier, Fayence oder Marmor verwendet. Die mit Dampf ge- 
heizten Wärmschränke in den Theeküehen bestehen aus Eisen und Marmor; auch sind die 
hauptsächlichsten Möbel in Eisen hergestellt. In den Zimmern der Pensionäre sind die Chaise- 
longues und Schränke sogar in Eisen ausgeführt und mit waschbaren Stoffen überzogen, so dass 
beim Wechsel der Kranken eine möglichst vollkommene Reinigung des Zimmers und aller 
Möbel erfolgen kann. 

Das Aeussere der reich und freundlich grnppirten Baulichkeiten ist ans rothen Verblend- 
steinen in Verbindung mit Kunststein für die Architekturtheile hergestellt: die hohen Dächer 
und Thürme sind mit L udo vi ci 'sehen Pfannen gedeckt. Die Kosten des Baues ohne Grund- 
stück belaufen sich auf etwa 690 000 M, so dass auf das Bett rund 4 000 M entfallen. Für das 
Inventar endlich sind rund weitere 100 000 M verausgabt worden. 

Broacker, 1 073 Einw. (Kreis Sonderburg, Eeg.-Bez. Schleswig). 
Krankenstuben im Armenhause Arzt: Dr. Hansen. 

Bromberg, 48 321 Einw., 48 Aerzte, 6 Zahnärzte, 29 Hebammen, 4 Apotheken (Stadt- 
kreis, Beg.-Bez. Bromberg). 

Städtische Wasserleitung im Bau. — Städtischer Schlachthof, eröffnet am 3. Juli 
L890, Viehhof dabei (Viehmarkt i. seit 13. Okt. ls>jr >: Erweiterung des Schlachthauses und 
Erbauung einer Kühlhalle 1M*4. Anlagekosten des Schlachthofes 370000 M, des Erweiterungs- 
baues 200000 M. Gesehlachtet wurden 1S97/9S: 43 429 Thiere. Es wurden 101 Viehmärkte 
und 4 Pferdemärkte abgehalten. Die Gebühreneinnahme betrug 1S97/9S: 32S53.S2M. — Eine 
allgemeine Kanalisation ist im Bau. — Es besteht eine 1SS9 in Verbindung mit dem 
städtischen Seuchenhaus in der Schubinerstrasse errichtete Desinfektionsanstalt. Apparat 
von Schaffe» & Walcker in Berlin. — 7 öffentliche Badeanstalten, einschliesslich der 
Militärschwimmanstalt, und zwar 5 Flussbadeanstalten in der Brahe und 2 auch im Winter 
geöffnete Anstalten, in welchen kalte und warme Bäder aller Art verabreicht werden. — 
Lokal-Baupolizei-Ordnung vom 2."). Mai 1SS3. 

Garnisonlazaret. Hauptgebäude 1S50— 1S.V2 erbaut. Isolirbaracke 1SS1— 18S2, Pavillons 
I und H 1891, Verwaltungsgebäude 1891—1892, Wasch- und Leichenhaus 1SSS— 1SS9 erbaut. 
Es liegt im Osten der Stadt am Wege nach dem Dorfe Schröttersdorf. Vorstand: General- 
oberarzt Dr. Stahl. Wartepersonal: 11 Militärkrankenwärter. 213 Betten. 1S9S wurden 



Königreich Preussen. — 107 — Bromberg. 

1 713 Kranke durchschnittlich 27 Tage verpflegt, 10 sind gestorben. — Beleuchtung: 
Gas- und Petroleunibeleuchtung. Ventilationssystem: Luftschächte in Verbindung mit der 
Heizung, bezw. Schieber an den unteren Theiien der Thüren. Desinfektionsanstalt: 
Apparat von Rietschel & Henneberg für die gesammte Garnison. Wasserversorgung: Tief- 
brunnen. Latrinen: Tonnensystem. Abfuhr der Abfallstoffe. — Pavillons >~r. 1 und II. 
Die 1891 erbauten einstöckigen Gebäude sind massiv in Ziegelrohbau auf Ziegelfundamenten 
aufgeführt und haben ein Holzzementdach. Die Umfassungswände sind mit einer Luftisolir- 
Bchicht versehen, liegen aufsteigende Feuchtigkeit haben sämmtliche Wände eine Isolirschicht 
aus Gudron. 

Gefängnisslazaret. Eigenthümer: Jnstizfiskus. Arzt: Dr. Brüggemann. Kreisphysikus. 
12 Betten. 1898 wurden 47 nu 8 w. Gefangene durchschnittlich 19 bezw. 16 Tage verpflegt. 

Städtisches Krankenhans. In einem alten Nonnenkloster errichtet. 1870 ausgebaut. 
Aerzte: Geh. Sanitätsrath Dr. Jaeoby und Sanitätsrath Dr. Warminski. Wartepersonal: 
3 ni.. 3 w. ausgebildete Krankenwärter. 85 Betten. Verpflegungspreis: 3.50. 2. 1,85 M 
täglich. 189S wurden 374 m.. 244 w. Kranke durchschnittlich 30.2 Tage verpflegt. 26 m.. 16 w. 
sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 29852,59 iL letztere setzten sich 
zusammen aus 13 092.5 3 M Verpflegungsgeldern. 2 710 M aus Gesindeversicherung, 100 M aus 
Miethen, 13 669.0 6 M Zuschuss der Gemeinde und 281 M aus sonstigen Quellen. 

Städtisches Senchenhaus. 1881 errichtet, 1889 neu erbaut für 15 Kranke. 

Diakonissen-Anstalt (Giese-Rafalski-Stiftungl 1879 errichtet von der verw. Frau Justiz- 
rath Luise Bafalski geb. Giese. eröffnet am 1. Okt. l ss "i. Eigenthümer: Magistrat. Arzt: 
Sanitätsrath Dr. Bille. Wartepersonal: 6 Diakonissen aus Posen und 2 ausgebildete Kranken- 
wärter. 40 Betten. Verpflegungspreis: 6. 4..so. 3, 2 iL für Krankenkassenmitglieder l.so M 
täglich. 189S wurden 299 m., 140 w. Kranke durchschnittlich 24 Tage verpflegt. 19 m.. 9 w. 
sind gestorben. Ausgaben 1898: ordentliche 21243,09 M, ausserordentliche 320,23 iL Die 
Einnahmen betrugen 29 574,24 il und setzten sich zusammen aus 23 436 il Verpflegungsgeldern, 
1 852,50 il aus Gesinde- u. s. w. Versicherungsbeiträgen und 4285,74 il Kapitalszinsen. 

St. Florian - Kinderkrankenhaus. 4. Mai 1898 als Wohlthätigkeitsanstalt mit unent- 
geltlicher Verpflegung gegründet. Vorstand: Dekan Dr. Choraszewski. Arzt: Sanitätsrath 
"Dr. Warminski. Wartepersonal: 3 barmherzige Schwestern aus Kulm. 14 Betten. 1899 
wurden 138 Kinder durchschnittlich 36 Tage verpflegt, 14 Kin der sind gestorben. 

Privatheilanstalt, medico- mechanisches Institut von Dr. Lampe. Eröffnet 2S. Febr. 
• 5. 15 Betten. 

Augenheilanstalt von Sanitätsrath Dr. Augstein. 1. April 18S4 eröffnet. 1S91 erweitert. 
1 Assistenzarzt Wartepersonal: 2 ausgebildete Krankenwärterinnen (Diakonieverein). 60Betten, 
darunter 16 für Kinder. Verpflegungspreis: 5. 3. 2 und l.so il täglich. 1898 wurden 203 m., 
106 w. Kranke durchschnittlich 33 bezw. 29 Tage verpflegt 

Wöchnerinnen -Asyl, errichtet vom Verein für Erhaltung eines Wöchnerinnen -Asyles, 
am 15. April l v 98 eröffnet, nm armen Frauen ganz oder theilweise ohne Kosten geeignete 
Pflege im Wochenbett zu gewähren. Die Leitung ist Dr. Queissner übertragen, in dessen 
Hause das Asyl eingerichtet ist. Für jede aufgenommene Frau zahlt der Verein 50 il für die 
Dauer des Wochenbettes. Die Kosten werden durch die ilitgliederbeiträge aufgebracht. 6 Betten. 
Unverehelichte werden nicht aufgenommen. 

Wöchnerinnen-Asyl und Privatheilanstalt von Dr. Queissner. 1. Mai 1898 eröffnet. 
25 Betten. 

Bürger- Stift. Eigenthümer: Die Stadt. Das bisherige ..Hospital" mit 16 Betten 
ist am 1. April 18S5 eingegangen, 1890 eröffnet für Altersschwache. 30 Plätze. 

Luisen -Stift für Damen. Selbständige Anstalt. 20 Plätze. 

Provinzial-Blinden-Unterriehts- und Erziehungs-Anstalt, verbunden mit Fortbildungs- 
kursen für vorgeschrittene Blinde. Gegründet 1853 in Wollstein. 1872 nach Bromberg verlegt 
und erweitert. Eigenthümer: Provinz Posen. Vorstand: Lehrer Wittig. 5 Lehrer, 1 Lehrerin, 
3 technische Lehrkräfte. 1 Handarbeitslehrerin. 5 Klassen. 62 Zöelinge. Ausgaben und Ein- 
nahmen 1898: 49 915 iL 

Blindenheim. 1895 durch Wohlthäter errichtet für die Blinden der Provinz Posen. 

Provinzial-Tanbstnmmenanstalt. Externat. 1874 von dem Bürgerschullehrer Schmidt 
ins Leben gerufen. 1876 von der Provinz Posen übernommen. Vorstand: Direktor Xordmann. 
8 Lehrer, 2 Lehrerinnen. 8 Klassen. Turnunterricht für Knaben und Mädchen. Unterriehts- 
kursus 7 bis 8 Jahre. Schulgeld 60 bezw. 72 M iährlich. Kostgeld 18 M monatlich. Etat: 
44 500 iL 



Brüggen— Buchholz. — ■ 108 — Königreich Preussen. 

Briiggen, 1 232 Einw. (Kreis Kempen i. Khld., Eeg.-Bez. Düsseldorf). 

St. Rochus-Hospital. 189G von der katholischen Kirche gestiftet. Arzt: Dr. Melcop. 
Wartepersonal: 4 Franziskanessen aus Munster. lGBetten. Verpflegungspreis: 2 M, 1,50 M 
und 1 M täglich. 180$ wurden 27 m.. 14 w. Kranke durchschnittlich 37 bezw. 161 Tage verpflegt., 

2 m., 1 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: 2 694 M. Die Einnahmen betrugen 2 274 M und 
setzten sich zusammen aus 1 974 M Verpflegungsgeldern und 300 M Geschenken. Das voraus- 
sichtliche Defizit wird gedeckt durch ein Konsortium von Herren der Stadt. 

Brühl, 4 902 Einw. (Landkreis Köln, Eeg.-Bez. Köln). 

Städtischer Schlachthof mit Kühlhaus vorhanden. 

Marienhospital für Kranke. Altersschwache, Erholungsbedürftige, Kinder, sowie für 
Taubstumme und Waisenkinder. 1861 durch Dechant Berrisch gestiftet. Eigenthümer: 
Katholische Kirehengemeinde. Arzt: Sanitätsrath Dr. Werry. Wartepersonal: 12 arme 
Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach. 78 Betten. Verpflegungspreis: 3, 2,50, 1,20 und 
1 M täglich. 1898 wurden 268 ni., 33 w. Kranke durchschnittlich 44,6 Tage verpflegt, 5 m., 

3 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt 4 Alterssehwache. Die Einnahmen 1898 betrugen 
14 081 M und setzten sieh zusammen aus 13 389 M Verpflegungsgeldern, 300 M Zuschuss der 
Gemeinde und 392 M Legaten, Gesehenken und Kollekten. 

Erholungsheim des Schwesternhauses „Rothes Kreuz" in Köln. 

Provinzial-Taubstumnienanstalt. Exteraat. 1. Okt. 1854 eröffnet, bis 1S74 unter Ver- 
waltung des Provinzial-Schulkollegiums. 1874 vom Lehrerseminar getrennt und in die Ver- 
waltung der Kheinprovinz übergegangen. Vorstand: Direktor Fieth. 7 Lehrer. 1 Lehrerin. 
7jähriger Kursus. Turnunterricht für Knaben und Mädchen. Jährliche Aufnahme. 70 Schüler. 
Etat: 38 200 M. 

Brüssow, 1 504 Einw. (Kreis Prenzlau, Eeg.-Bez. Potsdam). 
Städtische Krankenstube. Arzt: Dr. Mose. 2 Betten. 

Brunsbüttel-Eddelakerkoog, 2 507 Einw. (Kreis Süderdithmarschen, Eeg.-Bez. Schleswig). 

Krankenhaus. Errichtet 1. Mai 1889 von der Ortskrankenkasse. Aerzte: Dr. Haacke 
und Dr. Lüsing. 24 Betten. Verpflegungspreis: 2,25, l,so und l,ioM täglich einschliess- 
lich Arzt und Medizin. 1898 wurden 42 (39 m., 3 w.) Kranke durchschnittlich 22 Tage verpflegt, 
1 nv, 1 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: 21S7,36M. Einnahmen: 1136,20 M Verpflegungsgelder. 

Brustawe, 328 Einw. (Kreis Militsch, Eeg.-Bez. Breslau). 

Altersversorgungsanstalt. 1893 errichtet. 3 Vinoentinerinnen aus Kulm. 

Bublitz, 4 908 Einw. (Kreis Buhlitz, Eeg.-Bez. Köslin). 

Städtisches Krankenhaus. 1878 neu erbaut. Arzt: Dr. Neuss. Wartepersonal: 
1 m., 1 w. ausgebildeter Krankenwärter. 21'. Betten. Verpflegungspreis: O.so M täglich. 
1898 wurden 43 m., 21 w. Kranke durchschnittlich 22 bezw. 60 Tage verpflegt, 5 m., 4 w. sind 
gestorben. Ausgaben 1898: 937 M. Einnahmen: 479 M Verpflegungsgelder. 

Buch, Kieselgut, 1 60 Einw. (Kreis Niederbarnim, Eeg.-Bez. Potsdam). 

Berliner städtische Heimstätte für brustkranke Männer. 1900 Neubau. l.">0 Betten. 

Berliner städtische Irrenanstalt. 1900 Neubau begonnen. Baukosten über 9 Millionen. 
1 500 Betten in 10 gesonderten Pavillons, die 20 — 30 m von einander entfernt sind. (Siehe 
Nachtrag für beide Anstalten.) 

Buchholz (Französisch) bei Berlin, 2 534 Einw. (Kreis Niederbarnim, Eeg.-Bez. Potsdam). 

Irren -Verpftegungsanstalt für Frauen. 23. Mai 1877 von Kreisthierarztwittwe König 
eröffnet. Arzt: Dr. Strube. 22 Betten. Verpflegungspreis: 1,80 — 3 M täglich. 

Irreu-Pflegeanstalt für Frauen von Frl. B. Witt. 1887 eröffnet. 20 Betten. 

Irren -Pflegeanstalt für Frauen. 1890 eröffnet von Frau Aug. Müller. Arzt: 
Dr. Strube. 19 Betten. Verpflegungspreis: von l,so M täglich aufwärts. 



Königreich Preussen. — 109 — Buchholz — Bütgenhach. 

Buchholz Gemeinde Pantenburg mit 182 Einw. (Kreis Wittlich, Reg.-Bez. Trier). 

Pflegeanstalt für Geisteskranke (der Gesellschaft ..Charitas-, mit beschränkter Haft- 
pflicht). 1SG6 gegründet durch Lorenz Kroll. Arzt: Dr. Breitkopf. Wartepersonal: 5 barm- 
herzige Brüder. Franziskaner ans dem St. Josephshaus bei Waldbreitbach. 6 Betten. Ver- 
pflegungsprei^ 1,50 M täglich. 

Büderich, 3 127 Einw. (Kreis Mors, Reg.-Bez. Düsseldorf). 

Marienhaus. 22. Not. 1866 von Pfarrer Schoofs gestiftet. Eigenthümer: Katholische 
Kirchengemeinde. Arzt: Dr. Rademacher. Wartepersonal: 6 arme Dienstmägde Jesu Christi 
aus Dernbach. "20 Betten. Y.-rpflegungspreis: 0.*o M, für Auswärtige 1 M täglich. 189S 
wurden 14 m., 8 w. Kranke durchschnittlich 134 Tage verpflegt, 2 m., 1 w. sind gestorben. 
Ausserdem verpflegt 7 Altersschwache. 

Bünde. 4 158 Einw. (Kreis Herford, Eeg.-Bez. Minden). 

Städtischer Schlachthof vorhanden. 

Evangelisches Krankenhans. Oktober 1S9Ü vom Krankenhausverein errichtet. Arzt: 
Dr. Höpker. Wartepersonal: 2 Diakonissen aus Sarepta bei Bielefeld. 22 Better. Ver- 
pflegungspreis: 1 M täglich. l vls wurden 88 m., 32 w. Kranke durchschnittlich 35 Tage 
verpflegt, 6 m., 2 w. sind gestorben. Die Einnahmen 189S betrugen 6 599 M und setzten sieh 
zusammen aus 4 218 M Verpflegungsgeldern. 100 M Kapitalszinsen, 1231 M Beiträgen, Geschenken 
und 1 050 M aus sonstigen Quellen. 

Buer. 16 031 Einw. (Kreis Kecklinghausen, Reg.-Bez. Münster). 

Marien-Hospital. Gegründet 1S68 durch milde Beiträge, besitzt Rechtsfähigkeit. Arzt: 
Sanitätsrath Dr. Brüning. Wartepersonal: 12 arme Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach. 
85 Betten. Verpflegungspreis: 2, 0,80, 1 und 1.75 M täglich. 1898 wurden 548 m., 67 w. 
Kranke durchschnittlich 33 Tage verpflegt, 35 m., 11 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt 
90 Krätzkranke. 

Büren, 2 237 Einw. (Kreis Büren, Reg.-Bez. Minden). 

Katholisches Krankenhans. Die Anstalt ist aus milden Zuwendungen der Gemeinde- 
mitglieder 1857 gegründet. Eigenthümer: Katholische Pfarrkirche. Behandelnde Aerzte: 
Kreisphysikus Dr. Terstesse und 2 Krankenkassenärzte. Wartepersonal: 4 Vincentinerinnen 
aus Paderborn. 24 Betten. Yerpflegunsrspreis: 1,50, 1.20. 1, 0,90 M täglich. 1898 wurden 
90 m., 38 w. Kranke durchschnittlich 46 Tage verpflegt, 13 m.. i! w. sind gestorben. Ausserdem 
verpflegt 2 Altersschwache. 2 Sieche und Krüppel. Ausgaben 1898: ordentliche 7 178,20 11, 
ausserordentliche 1445,50 M. 1 >ie Einnahmen betrugen 8 738 M und setzten sich zusammen aus 

6 668 M Verpflegungsgeldern, 2G5 M an verkauften Produkten, 1 576 M Kapitalszinsen, 55 M 
Zuschuss der Gemeinde, 60 M Geschenken und 114 M aus sonstigen Quellen. 

Klemens- Hospital, Siechenhaus. 5 Betten. 

Katholische Provinzial - Taubstummenanstalt. Externat. 1. Aug. 1S30 als die erste 
katholische Taubstummenschule der Provinz Westfalen mit 6 Schülern eröffnet, seit 1. Jan. 1876 
in die ständische Provinzialverwaltung übergegangen. Vorstand: Direktor Derigs. 9 Lehrer. 
8 Klassen. Unterrichtsdauer 8 Jahre. Turnunterricht für Knaben. Pflege- und Schulgeld 180M, 
Schulgeld 45 M jährlich. 80 Schüler. Die Zöglinge wohnen zerstreut bei den Bewohnern des 
Ortes gegen eine jährliche Vergütung von 120 — 130 M. Die Pflegeeltern gewähren den Zög- 
lingen Wohnung, Kost, Pflege und Reinigung der Bett- und Leibwäsche. Das Bett stellt die 
Anstalt. 

Büssleben. 505 Einw. (Landkreis Erfurt, Reg.-Bez. Erfurt). 

Hospital St. Georg. Wahrscheinlich ein früheres Leprahaus. 10 Betten. 

Bütgenbach, 609 Einw. (Kreis Malmedy, Reg.-Bez. Aachen). 

St. Josephshans für Idioten und alte Leute. 1887 durch Elisabeth Lumby errichtet. 
Eigenthümer: Die Genossenschaft der Vincentinerinnen. Arzt: Dr. Prigge. Wartepersonal: 

7 Vincentinerinnen. 50 Betten. Verpflegungspreis 1 M täglich. 1898 wurden 33 m., 8 w. 
Kranke verpflegt, 2 sind gestorben. 



Bütow— Burg. — 110 — Königreich Preussen. 

Bütow, 5 370 Einw. (Kreis Bütow, Reg.-Bez. Köslin). 
Schlachthof vorhanden. 

Städtisches Krankenhaus, für Stadt- und Kreiskranke. 185.') eröffnet, am 1. Okt. 1890 
neu erbaut, am 1. Okt. 1897 Abtheilung für Augenkranke mit 6 Betten eröffnet. Arzt: 
Dr. Zillmer, für die Augen-Abtheilung: Kreisphysikus Dr. Gutknecht. Wartepersonal: 
2 Diakonissen, 1 ausgebildeter Krankenwärter und 1 'Wärterin. 24 Betten. Verpflegungs- 
preis: 1,25 und 0,so M täglich. 1898 wurden 124 m., 29 w. Kranke und 44 Augenkranke ver- 
pflegt, 4 m., 4 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: ordentliche 1 G41,?o M, ausserordentliche 
2 912,66 M. Einnahmen 4 554,36 M, darunter 2 973,36 M Verpflegungsgeldcr, 600 M Zuschuss 
des Kreises und 981 M der Stadt. 

Buir, 1 501 Einw. (Kreis Düren, Reg.-Bez. Aaclien). 

Krankenhaus. Eigenthümer: Katholische Pfarrgemeinde. Wartepersonal: 5 barm- 
herzige Schwestern, Cellitinnen aus Düren. 14 Betten. 

Buk, 3 385 Einw. (Kreis Grätz, Reg.-Bez. Posen). 

Städtisches Krankenhaus. 1864 errichtet. Arzt: Dr. Wroblewski. 13 Betten. Ver- 
pflegungspreis: für Ortsarme 0,50 M, für Auswärtige l,2o M, für Krankenkassen 0,90 M 
täglich. 1898 wurden 51 m., 13 w. Kranke durchschnittlich 19 bezw. 12 Tage verpflegt, 4 m., 
2 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1S9S: 6 946,97 M, letztere setzen sich zu- 
sammen aus 1S3,58 M Verpflegungselder, 5 114 M Zuschuss der Stadt und 1649,39 M aus 
sonstigen Quellen. 

Bunzlau, 13 870 Einw., 10 Aerzte, 1 Zahnarzt, 2 Apotheken (Kreis Bunzlau, Keg.-Bez. 
Liegnitz). 

Alte Wasserleitung, neue Hochdruckleitung im November 1S97 eröffnet. — Städtischer 
Schlachthof vorhanden. — Kanalisation im Bau. — Moderne städtische Badeanstalt, 
„Kesslerstiftung" und 2 städtische Flussbadeanstalten. 

Kreis -Krankenhaus. Am 23. März 1857 vom Kreise eröffnet; Neubau 6. Nov. 1890. 
Arzt: Kreisphysikus Sanitätsrath Dr. Adelt. Wartepersonal: 5 Diakonissen aus Bethanien 
zu Breslau, 1 Krankenwärter. 72 Betten. Verpflegungspreis: für Kreisangehörige 1,50 und 
0,5o M, für Nichtkreisangehörige 3 und 1,50 M, für Krankenkassen 0,ao M täglich. Falls 
Kranke der 1. Klasse ein besonderes Zimmer beanspruchen 1 M mehr. 1898 wurden 179 m., 
99 w. Kranke durchschnittlich 34,6 Tage verpflegt, 17 m., 15 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: 
16 017 M. Einnahmen 15 939 M, darunter 8 376 M Verpflegungsgelder, 7 550 M Zuschuss der 
Gemeinden und 13 M aus sonstigen Quellen. 

Städtisches Krankenhaus. 1827 von der Stadt errichtet; am 1. April 1837 neu ein- 
gerichtet und 1874 vergrössert, wieder erneuert am 18. Nov. 1884. Arzt: Dr. Gürtler. 
Wartepersonal: 4 Diakonissen aus Bethanien zu Breslau. 60 Betten. Verpflegungspreis: 
0,7o — 1 M täglich. 1899 wurden 359 m., 78 w. Kranke durchschnittlich 30 Tage verpflegt, 
12 m., 5 w. sind gestorben. Desinfektionsapparat seit 1896. 

Prorinzial-Irrenanstalt. 17. Juli 1863 von der Provinz Schlesien eröffnet. 1870 und 
1874 Neubauten. 1886 Familienpflege eingeführt. Leitender Arzt: Dr. Stöver. 3 Assistenzärzte. 
Wartepersonal: 45 m., 32 w. ausgebildete Krankenwärter. Verwaltungspersonal: 9 m., 
9 w. 645 Betten: 365 f. M., 280 f. Fr. Verpflegungspreis: von unentgeltlich bis 1,30 und 
1,60 M täglich. 1S98 wurden 362 m., 280 w. Kranke durchschnittlich 310 bezw. 316 Tage ver- 
pflegt, 22 m., 19 w. sind gestorben. Ausserdem waren in Familienpflege 25 Männer. Ausgaben 
und Einnahmen 1898: 281 552,36 M, letztere setzten sich zusammen aus 97 413,45 M Verpflegungs- 
geldern, 34 333,34 M an verkauften eigenen Produkten, 148 088,51 M Zuschuss der Provinz und 
1 717,06 M aus sonstigen Quellen. 

Städtisches Siechenhaus, zugleich Armenhaus. 

Burg a./Ihle, 20 800 Einw., 9 Aerzte, 1 Zahnarzt, 6 Hebammen, 3 Apotheken (Kreis 
Jerichow I, Reg.-Bez. Magdeburg). 

Schlachthof wurde am 1. Okt. 1899 in Benutzung genommen. — Kanalisation ist 
nur zum Theil vorhanden, Entwässerung erfolgt durch offene Rinnsteine. — Desinfektions- 
apparat im städtischen Krankenhause, von Rohrbeck - Berlin. — Oeffentliche Bade- 
anstalten sind 2 vorhanden — Bau-Polizeiorduuug vom 23. Okt. 1893. 



Königreich Preussen. — 111 — Burg - Buxtehude. 

Gnrnisnnl.iz.iret. 1896 erbaut and am 1. Okt. 18% bezogen. Es liegt südöstlich der 
Stadt, Grabowerstrasse. Vorstand: Stabsarzt Dr. Schlubach. 15 Betten. 1898 wurden 
ST Kranke durchschnittlich 14 Tage verpflegt, 1 ist gestorben. Ventilationssystem: Luft- 
schächte in Verbindung mit der Heizung. Heizungssystem: Kohlenheizung, Eeguliröfen und 
Keidel'sche Ventilationsöfen. Desinfektionsapparat (System Giessen) für die gesammte 
Garnison. Wass er Versorgung: Tiefbrunnen. Latrinen: Tonnensystem (Torfstreu- Vorrichtung). 
Beseitigung der Abfallstuffe : Kontraktliche Abtuhr der Tonnen. 

Städtisches Kranken- und Siechenhaus ..Bethanien»'. 1826 von der Stadt errichtet. 
Arzt: Dr. Fmk. Wartepersonal: 2 m., 2 w. ausgebildete Krankenwärter. 61 Betten: 
38 f. M., 23 f. Fr. Verpflegungspreis: 2,so und l,so M, für Auswärtige 4 und 2 M täglich. 
1898 wurden 264 in., 140 w. Kranke durchschnittlich 22 Tage verpflegt, 14 m., 9 w. sind ge- 
storben. Ausgaben und Einnahmen 1898: 14 708 M, letztere setzten sich zusammen aus 9 345 M 
Verpflegungsgeldern und 5 863 M Zuschuss der Stadt. 

Burg auf Fehmarn, 2 881 Einw. (Kreis Oldenburg, Reg. -Bez. Schleswig). 

Fehmarn'sches Krankenhans. 1. Jan. 1890 errichtet. Eigenthümer: Insel Fehmarn. 
Aerzte: Drs. Eeinecke und Hansen. 24 Betten. Verpflegungspreis: f. M. 2 M, f. Fr. IM 
täglich. 1898 wurden 104 m., GG w. Kranke durchschnittlich 17 bezw. 24 Tage verpflegt, .'! m., 
4 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 27 m., 15 w. an Krätze Leidende. Ausgaben und 
Einnahmen 1898: 7 203 M, letztere setzten sich zusammen aus 6 402 M Verpflegungsgeldern, 
76 M an verkauften eigenen Produkten, 500 M Zuschuss des Kreises und 285 M der Gemeinde. 

Burgdorf, 3 G63 Einw. (Kreis Burgdorf, Reg.-Bez. Lüneburg). 

Krankenzimmer im kirchlichen Armenhause. 1882 eingerichtet. 

Burgsteinfurt, 5 015 Einw. (Kreis Steinflirt, Reg.-Bez. Münster). 

Städtischer Schlachthof vorhanden. 

Evangelische Krankenstiftung. 1858 von der evangelischen Gemeinde gestiftet. 
Neubau 1SS1 durch Frau Fürstin Bertha v. Bentheim ermöglicht. Arzt: Hofarzt Kreis- 
physikus Dr. Kasemeyer. Wartepersonal: 3 Diakonissen aus Sarepta bei Bielefeld. 31 Betten. 
Verpflegungspreis: 2, 1,50 und 0,75 M täglich. 1898 wurden SO m., 54 w. Kranke durch- 
schnittlich 39 bezw. 57 Tage verpflegt, 5 m., 5 w. sind gestorben. Ausserdem wurden verpflegt 
2 Altersschwache. Ausgaben 1898: ordentliche 6 330 M, ausserordentliche 5 121, i 5 M. Die 
Einnahmen betrugen 11 75.'! M und setzten sich zusammen aus 4 330 M Verpflegungsgeldern, 
737 M Kapitalszinsen, 6 146 M Geschenken und Kollekten und 540 M aus sonstigen Quellen. 

Johann-Georghospital. Vom Bischöfe Johann Georg von Münster unter Mitwirkung 
der katholischen Gemeinde 1861 errichtet. Kuratorium mit Rechtsfähigkeit. Arzt: 
Dr. Elperting. Wartepersonal: 6 barmherzige Clemenssehwestern aus Münster. 50 Betten. 
1898 wurden 100 m'.. 44 w. Kranke durchschnittlich 44 bezw. 120 Tage verpflegt, 4 m., 3 w. 
sind gestorben. 

Burscheid, 6 611 Einw. (Kreis Solingen, Reg.-Bez. Düsseldorf). 

Wasserleitung vorhanden. 

Armen- und Krankenhaus „Bndde-Stiftung". 1882 von Karl Budde aus Cadix 
gestiftet; gebaut 1883 und 1884. Eigenthümer: Gemeinde. Arzt: Dr. Honseimann. 
Wartepersonal: 3 Diakonissen aus Bethel bei Bielefeld. 48 Betten. Verpflegungspreis: 
2 und 1,50 M, für Armen- und Ortskrankenkasse 1,25 M täglich. 189S wurden 61 m., 24 w. 
Kranke durchschnittlich 36, s Tage verpflegt, 5 m., 1 w. sind gestorben. Ausserdem wurden 
verpflegt: 5 Pfründner, 26 Altersschwache, 2 Sieche und 1 an Krätze Leidende. Ausgaben 1S98: 
ordentliche 14 437,08 M, ausserordentliche 768,94 M. Die Einnahmen betrugen 14 474,56 M und 
setzten sich zusammen aus 1405,27 M Bestand aus Vorjahr, 11069,oi M Verpflegungsgeldern, 
6Ü M für verkaufte eigene Produkte, 1 796,68 M Kapitalszinsen, 100 M Geschenken und 43,60 M 
aus sonstigen Quellen. 

Buxtehude, 3 635 Einw. (Kreis Jork, Reg.-Bez. Stade). 

Städtisches Krankenhaus. _ 182S errichtet. 1. Nov. 1S85 neu eröffnet. Arzt: 
Dr. Büttner. Wartepersonal: 2 Diakonissen aus dem Henriettenstift in Hannover, 1 Kranken- 
wärter. 28 Betten. Verpflegungspreis: 2,50, 1,40 und 1, 20 M täglich. 1898 wurden 243 m., 
71 w. Kranke durchschnittlich 23 bezw. 28 Tage verpflegt, 15 m., 9 w. sind gestorben. Ausgaben 
und Einnahmen 1898 betrugen 13 766 M, letztere setzten sich zusammen aus 12 746 M 
Verpflegungsgeldern, 1 000 M Zuschuss der Stadt und 20 M aus sonstigen Quellen. 



Celle. — 112 — Königreich Preussen. 

Celle, 19 438 Einw., 13 Aerzte, 1 Zahnarzt, 7 Hebammen, 3 Apotheken (Kreis Celle, 
Eeg.-Bez. Lüneburg). 

Eine vor 300 Jahren errichtete Wasserleitung leitet Allerwasser, welches inmitten der 
Stadt geschöpft wird, etwa 70 (früher brauberechtigten) Häusern der Altstadt zu und speist 
einige öffentliche Brunnen. Eine Wasserleitung, welche der ganzen Stadt gutes Wasser liefern 
soll, befindet sich in der Vorbereitung. Gutes Wasser ist 5 km von der Stadt bei Garssen 
unter dem gelben diluvialen Lehm erbohrt. — Städtischer guter, neuer Schlachthof, mit 
Kühlhaus, 1890 eröffnet. — Städtische Desinfektionsanstalt. — Je eine Badeanstalt in 
der Aller und in der Fuhse. — Bau-Polizeiordnung vom 25. Sept. 1S97. 

Garnisonlazaret. 1873 bis 1878 erbaut und am 1. April 1878 bezogen. Es liegt am 
Südende der Stadt. Vorstand: Oberstabsarzt I. Klasse Dr. Adrian. Wartepersonal: 6 aus- 
gebildete Militär-Krankenwärter. 85 Betten. 1898 wurden 555 Kranke durchschnittlich 21 Tage 
verpflegt, 2 sind gestorben. — Gasbeleuchtung. Ventilationssystem: Luftklappen und 
Kippfenster. Desinfektionsanstalt: Apparat von Gebrüder Schmidt in Weimar. 

Lazaret der Königlichen Strafanstalt. Die Anstalt ist eingerichtet für männliche 
Zuchthausgefangene aller Konfessionen aus dem Oberlandesgerichtsbezirke Celle (einschliesslich 
des Fürstenthums Pyrmont), ausschliesslich der Juden, für katholische aus dem Oberlandes- 
gerichtsbezirke Kiel, sowie für die zu Zuchthausstrafe von Militärgerichten im Bereiche des 
X. Armeekorps verurtheilten evangelischen und im Bereiche des IX. und X. Armeekorps ver- 
urtheilten katholischen Gefangenen. Eigenthümer: Fiskus (Ministeriuni des Innern). Beleg- 
fähigkeit: 650 Männer. Hafträume: 59 Einzelzellen ausschliesslich Strafzellen, 59 Schlaf- 
zellen, 198 Schlafkojen, 13 gemeinsame Schlafräume von 990 qm Gesammtgrösse, 11 gemein- 
same Arbeitsräume von 1889 qm Gesammtgrösse. Arzt: Dr. Schreekenberger. Kranken- 
räume: 13 von 536 qm Gesammtgrösse. Krankenzahl 1898: 156 m. 

Allgemeines Krankenhans. 1846 in Folge einer Stiftung des Chirurgus Luja durch 
ein aus mehreren Bürgern der Stadt bestehendes Komitee errichtet. Eigenthümer: Kranken- 
hauskommission mit Rechtsfähigkeit. Aerzte: Drs. Lindenberg und Adam. Wartepersonal: 
4 Diakonissen aus dem Henriettenstift in Hannover, 1 m., 3 w. Wärter. 46 Betten. 
Verpflegungspreis: 1,35 bis 5M täglich. 1898 wurden 485 (350 m., 135 w.) Kranke durch- 
schnittlich 28 Tage verpflegt, 14 m., 11 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: ordentliche 19 357 M, 
ausserordentliche 1 350 M. Die Einnahmen betrugen 21 564 M und setzten sich zusammen aus 
15 629 M Verpflegungsgeldern, 2 365 M Kapitalszinsen, 1 449 M Legaten, Geschenken und 
Kollekten und 2 121 M aus sonstigen Quellen. 

Kinder-Hospital. 31. Mai 1S50 durch das Frl. v. Schlepegrell errichtet. Eigen- 
thümer: Verein für Armenkrankenpflege. Arzt: Dr. Jüngling. 1 Assistenzarzt. Warte- 
personal: 3 Diakonissen aus dem Henriettenstift zu Hannover. 30 Betten. Verpflegungs- 
preis: 0,30 bis 0,50 M täglich. 1S98 wurden 39 m., 51 w. Kranke durchschnittlich 115 Tage 
verpflegt, 8 m., 5 w. sind gestorben. Ausgaben 1S98: ordentliche 8 739,84 M, ausserordentliche 

3 243,91 M. Die Einnahmen betrugen 9 777,64 M und setzten sich zusammen aus 3 730,45 M 
Verpflegungsgeldern, 407,95 M Kapitalszinsen, 689,55 M Zuschuss der Provinz. S5() M des Kreises, 

4 044,24 M Legaten, Geschenken und Kollekten und 55,45 M aus sonstigen Quellen. 

Provinzial- Hebammen -Lehr- und Entbindungsanstalt. 6. Aug. 1784 durch König- 
Georg III. von Grossbritannien und Hannover errichtet. Eigenthümer: Provinz Hannover. 
Direktor: Dr. Langerhans. 28 Betten für Schwangere, 18 für gynäkologische Kranke. Ver- 
pflegungspreis: 3 M täglich II. Kl. und 15 M für die ganze Zeit. 189S wurden 307 Schwangere 
und Wöchnerinnen verpflegt, davon 2 gestorben; ferner 59 gynäkologische Kranke und 
48 Schülerinnen. 

Hospital St. Georg. Siechenanstalt für Männer. Im 15. Jahrhundert errichtet. 
Vorstand: Magistrat. 

Hospital St. Anna. Siechenanstalt für 40 Frauen. Im 15. Jahrhundert errichtet. 
Vorstand: Magistrat. 

Armen -Krankenhaus. 1813 von dem Kollegium der vereinigten Armenanstalten 
errichtet. Eigenthümer: Der Magistrat. Arzt: Dr. Wietfeldt. Wartepersonal: 1 Dia- 
konisse aus dem Henriettenstift zu Hannover, 1 Krankenwärterin. 40 Betten. Verpflegungs- 
preis 1 M tägMch. 1898 wurden 42 m., 28 w. Kranke durchschnittlich 99 bezw. 233 Tage 
verpflegt, 6 m., 5 w. sind gestorben. Ausserdem wurden verpflegt: 11 Altersschwache, 19 Sieche 
und Krüppel. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 6 695 M, letztere setzten sich zu- 
sammen aus 900 M Verpflegungsgeld, 60 M für verkaufte Produkte und 5 735 M Zuschuss 
der Stadt. 

St. Josefstift. Eigenthümer: Katholische Gemeinde. Freie Arztwahl. Warte- 
personal: Vincentinerinnen aus Hildesheim. 40 Betten. 1898 wurden 98 Personen verpflegt. 



Königreich Preussen. — 113 — Charlottenburg. 

Charlottenburg, 200 000 Einw., 308 Aerzte, 13 Zahnärzte, 59 Hebammen, 11 Apotheken 
(Stadtkreis, Eeg.-Bez. Potsdam). 

Wasserversorgung: seit 1872 Wasserleitung (Privatgesellschaft). Die Anlagekosten 
betrugen rund 5 500 000 M. Das in 2 Förderwerken aus Tiefbrunnen gewonnene eisenbaltige 
Quellwasser wird nach der Enteisenung und Filtration vermittelst einer Anzahl Druckpumpen 
in das städtische Rohrnetz geleitet. Die Tagesleistung der Förderwerke schwankt zwischen 
28 000—35 000 cbm. 

Ein Schlachthof ist nicht vorhanden. Die meisten Fleischer schlachten auf dem 
Zentral -Vieh- und Schlachthof in Berlin; nur einige Fleischer dürfen noch auf ihren Grund- 
stücken schlachten. Charlottenburg besitzt, mit Ausnahme zweier Stadttheile, welche noch 
Abfuhr (Tonnensystem) haben, seit 1890 Schwemmkanalisation mit Rieselfeldbetrieb. 
Die Anlagekosten der Kanalisation betrugen einschl. Ankauf des Rieselfeldes bis jetzt rund 
12 500 000 M. Die Leistung der maschinellen Anlagen auf der Hauptpumpstation betrug 1898 
durchschnittlich täglich rund 22 000 cbm. 

Aerztliche Leichenschau ist vorgeschrieben. — Seit 1893 besitzt Charlottenburg 
eine öffentliche Desinfektionsanstalt mit 2 Apparaten von der Firma Schimmel & Co. in 
Chemnitz. Die Anlagekosten betrugen 4S 550 M. 189S wurden 481 Wohnungs- und 782 Effekten- 
Desinfektionen ausgeführt. Oeffent liehe Badeanstalten: 1 städtische Volksbadeanstalt, 
1898 eröffnet. Die Kosten der gesammten Anlage, ausschl. des Grunderwerbs, betrugen 
394 000 M. Die Anstalt ist für Wannen-, Brause- und Schwimmbäder eingerichtet. Die Ge- 
sammtzahl der daselbst verabfolgten Bäder beträgt monatlich durchschnittlich 12 000. 

Bau-Polizeiordnung vom 22. August 1898. 

Garnisonlazaret. 1S98/99 erbaut. Das Grundstück liegt im Stadttheil Westend an der 
Strasse 3. Vorstand: Oberstabsarzt I. Kl. Dr. Muecke. 100 Betten. 

Bauliche Besehreibung: Die Grösse des Grundstücks beträgt 1 ha 34 ar 7 qm. 
Anlagekosten: 575 000 M. Es ist das gemischte Krankenblock- und Pavillon-System 
gewählt worden. Bei einer Grundfläche von 9,7- qm und einer Lichtfläche von 2,o7 qm für ein 
Bett beträgt der Luftraum für einen Kranken 42,43 cbm. Beleuchtungssystem: Gasglüh- 
licht. Ventilationssystem: Luftschächte in Verbindung mit der Heizung, Fenster mit 
Kippflügeln, Thüren mit Schieberschlitzen. Heizungssystem: Für den Krankenblock ist 
Niederdruck-Dampfheizung, für die 2 Pavillons sind Dauerbrandöfen mit eiserner Ummantelung 
vorgesehen. Desinfektionsanstalt vorhanden. Wasserversorgung: Anschluss an die 
Charlottenburger Wasserwerke, ausserdem sind 2 Tiefbrunnen angelegt. Latrinen: Wasser- 
spülung ist vorgesehen. Beseitigung der Abfallstoffe: Anschluss an die städtische Kanalisation. 

Städtisches Krankenhans (Kirchstr. 19/20). 1S67 errichtet; 1891, 1893 und 1896 durch 
Neubauten und 1897 durch Ermiethung eines benachbarten Privathauses erweitert. Leitende 
Aerzte: Prof. Dr. Bessel-Hagen, Oberarzt der chirurgischen Station; Prof. Dr. Grawitz, Ober- 
arzt der inneren Station. 4 Assistenzärzte und 2 Volontärärzte. Wartepersonal: 14 Schwestern 
aus dem Victoriahaus in Berlin und 22 m., 24 w. ausgebildete Krankenwärter. 392 Betten in 
3 Klassen. Verpflegungspreis: für Einheimische 6, 4, 2 M, für Auswärtige 8, 5, 2,50 M 
(Kinder bis zu 12 Jahren l,so M) täglich. 1898 wurden 3 368 (1699 m., 1699 w.) Kranke 
durchschnittlich 28 bezw. 31 Tage verpflegt, 322 (174 m., 148 w.) sind gestorben. Ausgaben 
und Einnahmen 1898 betrugen 279S82,67 M, letztere setzten sich zusammen aus 106 154,45 M 
Verpflegungsgeldern, 532,8 9 M für verkaufte Produkte, 155690,4 6 M Zuschuss der Stadt, 12S78,s7 M 
Legaten und 4626 M aus Dienstboten-Abonnement. 1898 wurde ein Operationshaus fertig- 
gestellt, eine eingeschlossene Anlage, die sich in ihrer äusseren Erscheinung den umgebenden 
Gebäuden anpasst. Im Innern enthält es einen Operationssaal von 6,o : 6,o m Grösse und 6,o m 
Höhe. Die Kosten betrugen einschliesslich der inneren Einrichtung 19 168,19 H. 

>'enes städtisches Krankenhans. An Stelle der alten unzulänglichen Baulichkeiten des 
bisherigen städtischen Krankenhauses hat die Stadtverwaltung einen stattlichen Neubau am 
Spandauer Berg zu errichten beschlossen. Die Entwürfe sind von dem Königl. Baurath Schmieden 
unter Mitwirkung des Direktors Merke und des Prof. Dr. Bessel-Hagen festgestellt und 
wird die Bauausführung im Jahre 1900 beginnen. 

Das neue, unter Zugrundelegung aller Erfahrungen der Neuzeit zu errichtende Kranken- 
haus wird in zwei Abschnitten ausgeführt werden und nach der ersten Bauperiode 653 Betten 
umfassen, während es später etwa 1 000 Betten erhalten soll. Die Kosten des eigentlichen 
Baues nach seiner Vollendung sind ohne Inventar auf 5 655 000 M, also auf 5 655 M pro Bett, 
überschläglich berechnet. 

Die Anstalt wird nach der ersten Bauperiode umfassen: 4 chirurgische Pavillons, alle 
zweistöckig und miteinander verbunden, mit zusammen 212 Betten; 4 gleichfalls zusammen- 
hängende zweistöckige Pavillons der inneren Station mit zusammen 226 Betten; 1 Gebäude für 
Kranke 1. und IL Klasse mit 34 Betten; 6 einstöckige Isolirgebäude mit zusammen 144 Betten: 
1 gynäkologischen Pavillon mit 31 Betten und 1 Delirantenhaus. Hierzu treten das mit der 

Qutlltadt, Krankenhmn-Leiikon für du Deutsche Keich. 8 



Charlottenburg. — 114 — Königreich Preussen. 

chirurgischen Abtheilung baulich zusammenhängende Operationsgebäude, 1 Badehaus, das im 
Anschluss an die innen- Station errichtet wird und 1 Gebäude für gymnastische Uebungen. 
Ferner sind geplant: das Wohnhaus für den dirigirenden Arzt, das Verwaltungsgebäude, das 
Schwesternhaus, 1 Beamtenwohnhaus, die Baulichkeiten für den Betrieb der Oekonomie, das 
Desinfektionshaus, das Leichenhaus, die Verbrennungsanstalt, Werkstätten, Remisen u. s. w. 

Die Grösse des Terrains ist der Art, dass auf jedes Krankenbett 125 qm Bodenfläche 
entfallen werden. Die Mittelaxe des Terrains ist von SSW. nach NNO. gerichtet. Die Pavillons 
sind rechtwinkelig dazu und zu beiden Seiten der Mittelaxe angeordnet. Der Hauptzugang mit 
dem Verwaltungsgebäude befindet sich an der Spandauer Chaussee, während der Eingang zur 
Oekonomie am Fürstenbrunner Weg liegen soll. 

Die Anstalt wird hinsichtlich der Wasser -Zu- und Ableitung sich an die bestehenden 
städtischen Anlagen anschliessen, auch die erforderliche elektrische Kraft den neuen städtischen 
Elektrizitätswerken entnehmen. 

Städtisches Baraekenlazaret (Am neuen Fürstenbrunner Weg). Zur Bekämpfung der 
Cholera eingerichtet, jetzt zu Wohnzwecken benutzt. 

Privatheilanstalt für chirurgische und Frauenkrankheiten (Wilmersdorferstr. 25). 
Oktober 1S89 von Dr. Palniie und Dr. Tänzer eröffnet. 7 Betten. Verpflegungspreis: 
10, 6, 3 M täglich. 

Irren-Pfiegeanstalt von Achtziger (Bismarckstr. 57). Filiale der Berliner städtischen 
Irrenanstalt zu Dalldorf. 1887 eröffnet. Arzt: Dr. Schäfer. 48 Betten. Verpflegungspreis: 
1,80 — 3 M täglich. 1899 wurden 53 Kranke durchschnittlich 247 Tage verpflegt, 5 sind gestorben. 

Asyl für Gemüthskranke (Berlinerstr. 17/18). Filiale der Berliner städtischen Irren- 
anstalt zu Dalldorf. 24. Febr. 1869 von Sanitätsrath Dr. Edel eröffnet. 3 Assistenzärzte. 
Wartepersonal: 25 m., 37 w. Krankenwärter. 346 Betten, darunter 140 für Privatkranke und 
206 für Kommunalkranke. 1898 wurden 247 m., 267 w. Kranke (268 Privatkranke) verpflegt, 
19 m., 14 w. sind gestorben. 

Privat-lrrenanstalt für Frauen von Frau Prof. Dr. Paufler, geb. Buchholz (Tegeler- 
weg 15), Filiale der Berliner städtischen Irrenanstalt zu Dalldorf. 1. April 1888 eröffnet. 
Arzt: Dr. Schäfer. 50 Betten. 1898 wurden 54 Kranke verpflegt, 6 sind gestorben. 

Privat-lrrenanstalt von Frau A. Paufler (Westend, Nussbaum- Allee 40). Filiale der 
Berliner städtischen L-renanstalt zu Dalldorf. 1. Okt. 1891 eröffnet. Arzt: Dr. Schäfer. 
34 Betten. 1898 wurden 36 w. Kranke durchschnittlieh 320 Tage verpflegt, 5 sind gestorben. 

Irren-Pfiegeanstalt für Frauen von Frau Marie Schultz. Filiale der Berliner 
städtischen Irrenanstalt zu Dalldorf. 21. Dez. 1869 eröffnet. Arzt: Dr. Menzel. 16 Betten. 
Verpflegungspreis: 5, 3 und 2, so M täglich. 

Privatanstalt für Geniiithskranke und Kurhaus „Westend" von Dr. Weiler (Nuss- 
baum-Allee 38 und Ulmen- Allee 37). Behandlung von Geisteskranken, Alkoholisten, Morphinisten. 
1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 10 Diakonissen aus dem evangelischen Diakonieverein und 
9 ausgebildete Krankenwärter. 95 Betten. Verpflegungspreis: 7 — 10 M, 4 — 5 M, 2,so M 
täglich. 

Das Bürgerhospital (Spreestr. 5), dient zur Aufnahme von alten Bürgern. April 1898 
ist das Grundstück Schulstr. 12 angekauft. 

Das Familienhaus, Neues Hospital und Siechenhaus (Sophie - Charlottenstr. 13), für 
Obdachlose, Hospitanten und Sieche. 1900 neu eröffnet. 328 Betten. 

Diakonissenhaus, Kaiser Friedrich-Andenken (Sophie-Charlottenstr. 114 und Lützow 19). 
Kuratorium: Oberpfarrer Müller. Wartepersonal: 14 Diakonissen aus dem Berliner Paul- 
Gerhardtstift wirken (neben der Leitung einer Kinderbewahranstalt) in häuslicher Kranken- und 
Armenpflege. 

Mariannenstift (Scharrenstr. 7), für 20 Frauen über 60 Jahre, ohne Unterschied der 
Konfession. 

WUhelmstift, Asyl für hilfsbedürftige Witwen und Jungfrauen gebildeter Stände 
(Spandauerstr. 19). Das Kriegs-, das Finanzministerium, die Reichspostverwaltung, die Reichs- 
liank und einige Bankinstitute haben Freistellen für die Witwen und Töchter ihrer Beamten 
errichtet. Zahlreiche Stiftsstellen für Berlinerinnen. 

Anstalt vom guten Hirten (Lützowerstr. 1 a), zur Pflege gefallener, sowie schwach- und 
blödsinniger und krüppelhafter Mädchen katholischer Konfession. Dieselbon müssen über 14 Jahre 
alt sein. Freiwilliger Eintritt: für Minderjährige ist schriftliche Erlaubniss der Eltern oder 
des Vormundes, Geburtsattest, polizeiliche Abmeldung von der letzten Aufenthaltsstation und 
ein ärztliches Attest erforderlich. -- Die Anstalt wurde am 11. Febr. 1858 durch den Probst 
Pelldram an St. Hedwig in Berlin ins Leben gerufen. 

Vorstand: Oberin Sr. Marie de St. Anselme Huesmann. Wartepersonal: 49 Schwestern 
des Ordens unserer lieben Frau vom guten Hirten aus dem Mutterhause zu Münster i. Westf. 
1898 wurden 324 Mädchen verpflegt- 



Königreich Preussen. — 115 — Chorzow— Dalidorf. 

Rettungs- und Sanitätswache (Wilmersdorferstr. 9). 

Unfallstation (Marchstr. 22). 

Hilfsschule für sehwachbefaiiigte Kinder. 1893 eröfinet. 

Chorzow bei Königshütto, 7 260Eir.w. (Kreis Kattowitz, Reg.-Boz. Oppeln). 
Wasserversorgung seit 18S5 durch das Wasserwerk Königshütte. 
Krankenstuben, eröffnet 1. April 1878 vom Königl. Bergfiskus. 

Christburg, 3 219 Einw., 3 Aerzte, 1 Apotheke, (Kreis Stuhm, Reg.-Bez. Marienwerder). 

Städtischer Schlachthof vorhanden. 

Städtisches Krankenhaus. 2. Nov. 1871 eröffnet. Arzt: Dr. Hannemann. 8 Betten. 
Wrpflegungspreis 0,80 M täglich. 1898 wurden 21 m., 8 w. Kranke durchschnittlich 24 Tage 
verpflegt, 6 m. sind gestorben. 

Czarnikau, 4 885 Einw. (Kreis Czarnikau, Reg.-Bez. Bromberg). 

Schlachthaus geplant. 

Kreiskrankenhaus. 1. Okt. 1895 vom Kreise errichtet. Arzt: Kreisphysikus Dr. Möller. 
Wartepersonal: 2 Diakonissen aus Posen und 1 Krankenwärter. 36 Betten. Verpflegungs- 
preis: Krankenkassenmitglieder 1,50 M, Privatkranke 1 ,a.s M, Ortsarme 1 M täglich. 1898 
wurden 141 m., 33 w. Kranke durchschnittlich 27 bezw. 30 Tage verpflegt, 7 m. sind gestorben. 
Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 10 900 M, letztere setzten sich zusammen aus 7 300 M 
Verpflegungsgeldern, 3 500 M Zuschuss des Kreises und 100 M aus sonstigen Quellen. 

Czempin, 2 250 Einw. (Kreis Kosten, Reg.-Bez. Posen). 

Städtisches Krankenhaus. 1788 durch den damaligen Gutsherrn gegründet. Arzt: 
Dr. Bartlitz. 4 Betten. 1S98 wurden 5 m., 2 w. Kranke durchschnittlich 18 Tage verpflegt, 
1 w. ist gestorben. 

Daber, 2 256 Einw. (Kreis Naugard, Reg.-Bez. Stettin). 

Kreis-Krankenhans. 15. Okt. 1896 neu eröffnet. Eigenthümer: Kreis Naugard. 
Arzt: Dr. Weber. Wartepersonal: 1 Diakonissin aus Danzig, 1 ausgebildeter Kranken- 
wärter. 20 Betten. Verpflegungspreis: 3, 1,50 und 0,so M täglich. 189S wurden 37 m., 
9 w. Kranke durchschnittlich 34 bezw. 58 Tage verpflegt, 3 m., 1 w. sind gestorben. Aus- 
gaben 1898: 3 968 M, Einnahmen 4 063 M, darunter 2 215 M Verpflegungsgelder, 128 M an 
Produkten, 1 700 M Zuschuss des Kreises und 20 M aus sonstigen Quellen. 

Dahme, 5 592 Einw. (Kreis Jüterbog-Luckenwalde, Reg.-Bez. Potsdam). 

Städtisches Krankenhans. 1884/85 errichtet. Arzt: Dr. Sehmarsow. Wartepersonal: 
1 m., 1 w. Krankenwärter. 25 Betten. Verpflegungspreis: l,so, 1,20, 1 und 0,so M täglich. 
1898 wurden 195 in., 11 w. Kranke durchschnittlich 21 Tage verpflegt, 8 m., 1 w. sind ge- 
storben. Ausgaben und Einnahmen 1898: 4 498 M, letztere Verpflegungsgelder. 

Dalldorf, 3 444 Einw. (Kreis Niederbarnim, Reg.-Bez. Potsdam). 

Irrenanstalt der Stadt Berlin. Den ersten sicheren Nachrichten zufolge wurden die 
Irren im Anfange des 18. Jahrhunderts neben alten, hilfsbedürftigen Armen und Waisenkindern 
auf Kosten der allgemeinen Armenkasse in dem an der Waisenbrücke belegenen grossen Armen- 
hause, welches den Namen Friedrichshospital führte, später grosses Friedrichswaisenhaus wurde, 
verpflegt. 

Als die Zahl der Irren wuchs und die Räume des Hospitals zu ihrer Unterbringung nicht 
mehr ausreichten, verlegte die unter dem 3. April 1699 ernannte Königl. Kommission des 
Armenwesens die Irren im Jahre 1711 nach Gutbefinden in das bei dem Dorotheenbospitalc 
vor dem Königsthore befindliehe Annen- und Krankenhaus, wo sie bis 1728 verblieben. In 
diesem Jahre bezogen sie das für sie inzwischen eingerichtete Irren- und Arbeitshaus in der 
Krausenstrasse, zu dessen Gründung folgender Umstand Veranlassung gab. Ein Berliner Kauf- 
mann, Ernst Gott lieb Faber, welcher in der Krausenstrasse ein Haus und auf dem Mühlen- 
damme eine Verkaufsbude besass, wurde im Jahre 1710 wahnsinnig und in das Friedrichshospital 
aufgenommen. Als derselbe 1718 verstarb, wurde sein aus einem Kapitale von 2 000 Thaleru 



Dalidorf. — 116 — Königreich Preussen. 

bestehendes Vermögen nebst Haus und Garten in der Krausenstrasse wegen Ermangelung recht- 
mässiger Erben auf Grund einer Kabinetsordre vom 26. Juli 1719 dem Armenwesen zuerkannt. 
1726 begann man mit der Einrichtung des Faber'schen Hauses zu einem besonderen Irren- und 
Arbeitshause und verlegte zwei Jahre später Irre und Epileptische beiderlei Geschlechtes aus 
dem Dorotheenhospitale in das neu eingerichtete Haus. Auch lüderliche, faule und vagabondirende 
Personen wurden seitdem als Gefangene auf einige Zeit dorthin gebracht, in strenge Aufsicht 
genommen und zw Arbeit, namentlich zum Wollespinnen, angehalten. Später sich einstellender 
Kaummangel führte zum Ankaufe eines gerade hinter der Anstalt in der Schützenstrasse ge- 
legenen, der verwitweten Kammerräthin Ludolf gehörigen Hauses nebst Hintergebäuden und 
Hofraum. Durch diesen Ankauf, der am 31. Aug. 1747 zu Stande kam und 675 'i'hlr. kostete, 
wurde eine wesentliche Erweiterung des Irrenhauses erzielt. Zur besseren Abschliessung gegen 
die Nachbargrundstücke vermauerte man in dem Hause die nach der Schützenstrasse führende 
Thür und die Fenster und richtete die Zimmer desselben sowie die der übrigen Baulichkeiten 
für wahnsinnige, epileptische und andere unglückliche Personen ein. Doch schon im Jahre 1756 
musste das Haus in der Schützenstrasse mit seinen Hintergebäuden wegen Baufälligkeit ab- 
gebrochen werden. Man schaffte indess durch Aufsetzen eines dritten Stockwerkes auf die 
beiden Seitenflügel und das Quergebäude des Grundstückes in der Krausenstrasse soviel Raum, 
dass selbst einige gemüthskranke Personen aus den höheren Ständen aufgenommen werden 
konnten. Der durch den Abbruch der baufälligen Häuser gewonnene leere Platz wurde in einen 
Garten uingeschaffen und an der Schützenstrasse mit einer Mauer versehen. Auf beiden Seiten 
des Hofes in der Krausenstrasse waren sogenannte „Dollkasten", die auch „betrübte Kasten" 
genannt wurden, für die ganz furieusen Wahnsinnigen angelegt worden. 

In den Jahren 1791 bis 1795 einschliesslich wurden nach den Angaben Formey's 
542 Irre angenommen, von denen 31 als geheilt ausschieden, 31 in anderen Anstalten Aufnahme 
fanden und 55 verstarben. Das Irren- und Arbeitshaus auf der Friedrichstadt in der Krausen- 
strasse bestand bis zum 1. Sept. 1798, an welchem Tage es durch eine Feuersbrunst zerstört 
wurde, ein Unfall, der seiner Zeit nicht geringes Aufsehen in Berlin veranlasste. Das Kapital- 
vermögen des abgebrannten Irrenhauses, welches 5 200 Thlr. Gold und 3 010 Thlr. Courant be- 
trug, wurde 1799 der Charite überwiesen und übernahm dieselbe hiermit die Verpflichtung der 
unentgeltlichen Behandlung und Verpflegung derjenigen armen Kommunalirren welche einer 
fortgesetzten Behandlung und steter Beaufsichtigung bedurften, also der heilbaren Irren und 
der unheilbaren und gemeingefährlichen, während die übrigen unheilbaren, nicht gefährlichen 
und nicht besonders störenden Irren von der Kommune unter eigene Verpflegung genommen 
wurden. Da aber die räumlichen Verhältnisse der Charite zur Aufnahme sämmtlicher Irren 
nicht ausreichten, wurde ein Theil derselben nach dem Arbeithause in der Königstadt verlegt. 
Es war damals schon in Aussicht genommen, ein neues eigenes Irrenhaus auf der Wiese bei 
der Charite zu erbauen und dasselbe mit dieser Anstalt in gewisse Beziehung zu bringen. Als 
aber das mit der Charite verbundene Hospital nach dem ehemals Splittgerber 'sehen Zucker- 
siedereigebäude an der Waisenbrücke in der Wallstrasse verlegt wurde und dadurch Raum in 
der Charite geschaffen war, unterblieb die Anlegung eines besonderen Irrenhauses. Die Irren 
konnten sämmtlich in der Charite untergebracht werden; nur die nicht gefährlichen unheilbaren 
fanden entweder in dem neuen Hospitale oder in dem obengenannten Arbeitshause Aufnahme. 
So blieben die Verhältnisse bis zum Jahre 1820. Im Arbeitshause unterlagen die Irren aüen 
den Unzuträglichkeiten, welchen die übrigen Insassen des Hauses ausgesetzt waren. Vor Allem 
war es der Raummaugel, welcher sich sehr fühlbar machte. Eine wesentliche Verbesserung der 
Lage der Irren wurde durch einen Ausbau hervorgerufen. Aber diese Abhilfe zur Beseitigung 
des Raummangels im Arbeitshause konnte der rastlosen Weiterentwickelung Berlins gegenüber 
nur von kurzer Dauer sein. Mit Beginn des Jahres 1851 wurde das ehemalige Schuldgefängniss 
für die weiblichen Irren eingerichtet. 

Oberarzt Dr. Leubus eher (Medizinische Reform, Nr. 20) schildert im Jahre 1848 die frühere 
Lage der Geisteskranken im Armenhause: „Die unheilbaren Irren befinden sich jetzt im Arbeitshause 
in einem Zustande, wie man ihn in den Schilderungen der mittelalterlichen Hrenhäuser antrifft, 
wie ihn uns Kaulbaeh's Gemälde in ergreifender Weise vor die Seele führt. Das Arbeitshaus 
ist das grosse Reservoir des Verbrechens und des tiefsten unschuldigen Elends. Fleissige, aber 
arme Arbeiter, die kein Unterkommen finden, Kinder, die verwaist, weil ihre Eltern Verbrecher 
sind, Diebe und Gauner von jeder Sorte, Alles in einem Gebäude zusammen, und zwischen 
ihnen, zwar auf einem besonderen Hofe, aber doch in vielfachem Verkehre mit den anderen 
Bewohnern, die unheilbaren Verrückten, ohne Trennung der Geschlechter, zusammengeschichtet 
mit anderen Hospitaliten (in einem Saale 91 Betten) und derselben Zucht und Lebensart unter- 
worfen wie die anderen Bewohner. Ruhig kann jeder seinem Wahne nachhängen, sich mit 
Orden behängen und einen Strohkranz aufsetzen, wenn er sich für einen König hält und seine 
tollsten Hirngespinnste ruhig zur Schau tragen. Die Cholera hat nicht gesäumt, aus diesem 
Kreise eine grosse Zahl von Opfern auszusuchen." — Nachdem die geistesgesunden Hospitaliten 
nach dem neuen Hospitale verlegt waren, war im Arbeitshause eine wenigstens theilweis 
selbständige Irren-Pflegeanstalt gewonnen. Am 22. Sept. 1859 beschloss die Stadtverordneten- 
Versammlung die Verlegung der Irren von dem Arbeitshause nach dem Filial-Hospitale in der 
Wallstrasse, sobald die Uebersiedelung der dortigen geistesgesunden Hospitaliten nach dem 
Waisenhause in der Stralauerstrasse bewirkt sei. Die baulichen Einrichtungen in der Wall- 
strasse waren im April 1862 soweit vorgeschritten, dass der Umzug dorthin begonuan werden 



Königreich Prenssen. — 117 — Dalldorf. 

konnte. Die Unmöglichkeit, sämmtliche Geisteskranke aus dem Arboitshause in der Wallstrasse 
unterzubringen, wie der Uebelstand, dass die Trennung der Geschlechter in dem neuen Hause 
schwer durchzuführen war und die sich stetig vergrössernde Anzahl der Geisteskranken über- 
haupt, verlangten indess dringend Abhilfe. Es wurde daher im Jahre 1868 die Zurückführung 
der geisteskranken Männer in das Arbeitshaus nothwendig, eine Maassregel, die durch einige, 
innerhalb dos Arbeitshaus-Grundstückes vorgenommene, eine vollkommen getrennte Station 
ermöglichende Bauten, vorbereitet worden war. Inzwischen waren schon seit dem Jahre 1863 
die Gemeindebehörden der Ausführung der in dem Beschlüsse vom 10. Mai 1853 im Allgemeinen 
ausgesprochenen Absieht der Erbauung einer neuen Irrenanstalt in bestimmterer Weise näher 
getreten. 

Eine grosse Anzahl psychiatrischer Sachverständiger wurde über das dem Baue und der 
Verwaltung einer solchen Anstalt zu Grunde zu legende Programm gehört; verschiedene Grund- 
stücke wurden, um zur Wahl eines zweckmässigen Bauplatzes zu gelangen, besichtigt und 
schliesslich das 720 000 qm grosse, 9,7 km vom Berlinischen Rathhause entfernte Gut Dalldorf 
im Jahre 1S69 für den Preis von 105 000 M käuflich erworben. — Am 20. Jan. 1880 wurde die 
Anstalt eröffnet. Das Reglement vom 27. März/26. April 1893 enthält die Bestimmungen über 
die Aufnahme, Behandlung und Entlassung der Geisteskranken. 

Vorstand: Direktor Geheimer Medizinalrath Dr. Sander. Oberärzte: Sanitätsrath 
Dr. Richter und Medizinal- Assessor Dr. König. 8 Assistenzärzte, 2 Volontärärzte. Warte- 
personal: 89 m., 92 w. Krankenwärter, darunter 6 Oberwärter und 5 Oberwärterinnen. Ver- 
waltungspersonal: 15 M., 2 Fr. 1370 Betten: 720 f. M., 650 f. Fr. Verpflegungspreis: 
Für die Zeit vom 1. April 1899 bis 31. März 1902 werden — nach Beschluss der Stadt- 
verordneten - Versammlung vom 29. Dezember 1898 — die im § 24 des Reglements vom 
27. März/26. April 1893 vorbehaltenen Kostensätze nachstehend festgesetzt: 

a) Der Kostensatz für die volle Anstaltsverpflegung (<j 24 Absatz 1 des Reglements) auf 
2,2o M. Kommt dieser volle Satz zum Ansatz, so werden besonders aufgelaufene Kosten für 
Extradiät. Bandagen, Brillen und ähnliche daneben zur Berechnung gestellt. 

b) Der bei Aussenpflege (§§ 17 und 18 des Reglements) für Leistungen von der Haupt- 
Anstalt ausser der Baarausgabe an die Pflegestelle, innerhalb der Grenze dos Satzes zu a hin- 
zutretende Zuschlag (§ 24 des Reglements) bei Privatanstaltspflege auf 0,3 5 M, bei Familien- 
pflege auf 0,so M. 

c) Die allgemeinen Verwaltungskosten im Sinne von § 31a des Gesetzes vom 11. Juli 1891 
und seiner Materialien (Drucksache 5 der Session 1890/91 des Herrenhauses S. 10 ff.) auf 1,20 M. 

Vorstehender Kostentarif ist auf Grund des Artikels 1 § 31 b des Gesetzes vom 11. Juli 
1891 (Gesetz-Sammlung S. 300) von den zuständigen Ministern am 2. März 1899 genehmigt. 
1898/99 wurden 2 5S6 (1 339 m., 1 247 w.) Geisteskranke verpflegt, 210 m., 153 w. sind gestorben. 
Ausgaben und Einnahmen 1898: 1675 221 M, letztere setzten sich zusammen aus 205 261 M 
Verpflegungsgeldern, 52 P97 M an verkauften Produkten, 1411753 M Zuschuss der Stadt, 
53 M Geschenken und 5 157 M aus sonstigen Quellen. In vorstehenden Zahlen sind auch die 
antheiligen Kosten der „Allgemeinen Verwaltung'" und die Zunahme vom Werthe des Grund- 
eigentums, der Baulichkeiten und des im Inventarium steckenden Kapitals mit zusammen 
225 096 M, sowie die Kosten, welche durch die auf Rechnung der Dalldorfer Anstalt in Privat- 
anstalten und Privatpflegestellen untergebrachten Geisteskranken mit 578 152 M erwachsen sind, 
enthalten. 

Filialen der Berliner städtischen Irrenanstalt zn Dalldorf. 

Bernau: Guse'sche Privat-Irren-Pflegeanstalt und Dr. Matzdorff'sche Anstalt. 

Charlottenburg: Privat - Irrenanstalt von Achtziger. — Asyl für Gemüthskranke von 
Sanitätsrath Dr. Edel. — Privat-Irren-Anstalt von A. Paufler. — Privat-Irren- Anstalt von Frau 
Prof. Paufler. — Privatanstalt für Gemüthskranke von M. Schultz. 

Hermsdorf (Mark): Privat-Irrenanstalt von Klapsch. 

Lankwitz: Privat-Heil- und Pflegeanstalt „Berolinum". Besitzer Dr. James Fraenkel 
und Dr. Albert Oliven. — Privat-Irrenanstalt von Frau Kuhn. 

Lichtenrade: Irren-Pflegeanstalt von Martha Collin. — Gr. Lichterfelde: Privat- 
Irrenanstalt von Koritkowski. — Irrenanstalt von Dr. Menthe. 

Reinickendorf: Privat-Irrenanstalt von Frau Marie Schulz. 

Schlachtensee: Privat-Heil- und Pflegeanstalt für Gemüths- und Nervenkranke 
,,Fichtenhof ' von Dr. Boedeker. 

Schöneberg: Kommunal-Irren-Abtheilung der Maison de sante. Direktor: Dr. Levinstein. 

Steglitz: Privat-Irrenanstalt von Georg Benecke. — Tegel: Privat-Irrenanstalt von 
Anna Thiede. — Wilmersdorf: Privat-Irrenanstalt von Frau Wegener. 

Idiotenanstalt der Stadt Berlin. Unterbringung der der öffentlichen Armenpflege be- 
dürftigen in Berlin Ortsangehörigen idiotischen Kinder. 18. Nov. 1881 eröffnet. Erweiterungs- 
bau Oktober 18S8 bezogen. Eigenthümer: Stadtgemeinde Berlin. Vorstand: Direktion 
der städtischen Irrenanstalt. Pädagogischer Leiter: Erziehungs-Inspektor Piper; 4 Lehrer und 
4 Lehrerinnen (3 wissenschaftliche und 1 technische). 200 Plätze: 120 für Knaben und 80 für 
Mädchen. Wartepersonal: 9 m., 15 w. Wärter. Verpflegungspreis: 1,60 M täglich. 
1898/99 wurden 198 m., 96 w. Idioten verpflegt, 4 m., 3 w. sind gestorben. Ausgaben und 
Einnahmen betrugen 149 714 M, letztere setzten sich zusammen aus 8 354 M Verpflegungs- 



Dambrau. — 118 — Königreich Preussen. 

geld, 77S M für verkaufte Produkte. 139 872 M Zuschuss der Stadt. 141 M Gesehenken und 
569 M aus sonstigen Quellen. In vorstehenden Zahlen sind enthalten die antheiligen Kosten 
der allgemeinen Verwaltung mit 7 805 M. die Zin?»n von dem Werth des Grundeigenthums 
und des in dem Inventarium steckenden Kapitals mit 20 854 M. sowie die für die in Privat- 
pflege untergebrachten Idioten gezahlten Pflegegelder u. s. w. mit 17 982 M. 

Bauliche Beschreibung der ganzen Anstalt: Das zur Anstalt gehörige Gebiet 
nmfasst im Ganzen rund 660 000 qm. Davon sind für die Anstalt selbst 473 500 qm abgegrenzt, 
während der von den Gebäuden der Irrenanstalt mit den dazu gehörigen Höfen und Gärten 
eingenommene Theil 140 000 qm und die Idiotenanstalt 7 000 qm nmfasst. Die Gebäude beider 
Anstalten. 22 an Zahl, bedecken einen Flächenraum von 19 200 qm und erforderten zu ihrer 
Herstellung an Baukosten einschl. Inventarium für die Hauptanstalt 3 7(51 704 M. die Kosten der 
Idiotenanstalt betrugen 233 743 M. 

Die Irrenanstalt besteht aus 4 Pavillons für je 100 bezw. 150 ruhige Irre, mit zusammen 
600 Betten, 2 Pavillons für je 50 unruhige und unreinliche Irre, mit zusammen 100 Betten. 
2 Pavillons für je 100 epileptische Irre, mit zusammen 200 Betten, 2 Pavillons für je 
200 körperlich sieche Irr»', mit zusammen 400 Betten, dazu 2 Kolonie-Gebäude nahe dem 
Gutshofe: 1886/S7 wurde ein Neubau einer kolonialen Abtheilung für 70 geisteskranke Männer 
errichtet. 1895 ist eine Baracke für Infektionskranke eingerichtet. Die Anstalt nmfasst demnach 
im Ganzen 1 370 Berten, zn gleichen Theilen für Männer und Weiber bei normaler Belegung, 
ausschl. der Betten für Wärter und der Reservebetten. — Die Idiotenanstalt, deren wirth- 
schaftliche Versorgung von der Hauptanstalt bewirkt wird, ist für 200 Kinder berechnet. 

Die Einrichtung und Ausstattung sämmtlicher Gebäude ist eine gleichartige, einfache, 
aber freundliche. Die Wände sind in einem hellgrünliehen Tone, bis auf 2 m in Oelfarbe, im 
Cebrigen in Leimfarbe gestrichen. In den Tobzellen und Räumen für Unreinliche sind die 
Wände ganz mit Oelfarbe gestrichen. Die Fussböden bestehen aus gewöhnlichen kiehnenen. 
die der Tobzellen jedoch aus eichenen Brettern, mit Leinöl getränkt und gestrichen. Die 
Fenster sind mit schmalen, hechkantigem Eisen so vergittert, dass der Lichteinfall nicht be- 
hindert und kein dangnissartiger Eindruck erzengt wird. Xur in den Isolirzimmern der Un- 
ruhigen sind nachträglich stärkere Vergitterungen angebracht worden. Eine besondere Sorgfalt 
ist auf den Verschluss der Tobzellen verwendet worden. Die Wände sowie Thüren und Fenster 
bieten den Insassen nur glatte Flächen dar. Die Thür schlägt nach aussen auf und liegt, wenn 
geschlossen, mit ihrer durchaus glatten Fläche bündig mit dem schmalen Rahmen und der 
Wand. Die Fenster haben einen dreifachen Verschluss. Aussen liegt das Fenster, dessen Ober- 
flügel in gewöhnlicher Weise verschliessbar ist. während der untere Theil behufs Lüftung der 
Zelle herabgelassen werden kann. Es folgt ein Laden, dessen Höhe gleich der des Fensters ist 
und welcher, hinaufgezogen, die Zelle vollständig verdunkelt, aber so weit herabgelassen werden 
kann, dass die ganze Fensterfiäche frei bleibt. Den inneren Abschluss. bündig mit der Wand- 
fläche, bildet bis zur Brüstungshöhe des Fensters eine feststehende glatte Brettwand, darauf 
folgt ein Fenster von 15 mm starkem Bohglase in eisernen Sprossen, dann der oben für den 
Insassen nicht erreichbare Theil. ein Gitter zum Lüften. Die beiden äusseren Verschlüsse 
hängen an Seilen, welche über Bollen laufen und durch Triebwerke ausserhalb der Zelle auf- 
gezogen und herabgelassen werden können. Das innere Fenster kann nur vom Wärter mittels 
aufgesteckten Schlüssels geöffnet werden. Die Luftzuführung der Heizung geschieht mittels 
einer dicht unter der Decke liegenden Oeffnung, welche durch eine in der Wand liegende Klappe 
verschlossen werden kann, deren Schliessplatte ausser einem flachen Einschnitt keine Uneben- 
heiten zeigt. Die Absaugung der verdorbenen Luft erfolgt dicht über dem Fussböden. 

Zentralheizung. — Gasbeleuchtung. — Eigene Wasserleitung aus einem 30 m tiefen 
Brunnen. — Entwässerung mit eigenen Rieselfeldern. 

Sämmtliche Gebäude sind mit Wasserklosets versehen. Die Einrichtuni; derselben in den 
Gebäuden für Geisteskranke beruht darauf, dass die Stutzen der nebeneinander liegenden Becken 
in das Wasser eintauchen, welches einen gemeinsehaflichen aber offenen Trog etwa zur Hälfte 
füllt. Trog und Becken sind von emaillirtem Gusseisen: letzteres ist mit Rundspülung versehen. 
Die eisernen und emaillirten Waschbecken sind in einem fortlaufenden mit Thüren versehenen 
Schranke eingeschlossen und in eine Schieferplatte eingelassen. Zwei in der Vorderwand des 
Schrankes befindliche Hähne, zu welchen nur der Wärter den Schlüssel hat, gestatten das 
Füllen und das Leeren der Becken, während unmittelbar unter dem Zulaufe noch eine Abfluss- 
öffnung angebracht ist, so dass ein Ueberlanfen des Beckens in keinem Falle stattfinden kann. — 
In den Gebäuden für sieche Irren sind die Waschräume zwischen den Krankensälen angelegt, 
in den übrigen Häusern im hinteren Theile der Mittelbauten und zwar in den oberen Geschossen, 
wo die Schlafräume liegen, wogegen die Bäder im Erdgeschosse, den Tageräumen zunächst an- 
gebracht sind. 

Ausser diesen Bädern ist noch eine Zentral-Badeanstalt im Küchengebäude enthalten. 

Dambrau, 674 Einw. (Kreis Falkenberg, Reg.-Bez. Oppeln). 

Krankenhaus. 1895 errichtet. 3 graue Schwestern aus Breslau. 1S9S wurden 109 Kranke 
verpflegt. 



Königreich Preussen. — 119 — Dannenberg, Danzig. 

Dannenberg. 1 925 Einw. (Kreis Dannenberg, Beg.-Bez. Lüneburg). 

Johanniter- Krankenhaus (Prisser). 26. Sept. 1SS6 von der Hannoversehen Provinzial- 
Genossenschaft des Johanniter -Ordens arrichet Arzt: Kreisphysikus Dr. Meyer. Warte- 
personal: 2 Diakonissen aus dem Henriettenstift zu Hannover, 1 Krankenwärter. 48 Betten. 
Verpflegungspreis: 4. 3 und 1,25 M täglich. 1898 wurden 1G7 ib.. 81 w. Kranke durch- 
schnittlich 33 Tage verpflegt, 10 m., T w. sind gestorben. Die Einnahmen 1898 betragen 
G M and setzten sieh zusammen aus 10258 M Verpflegungsgeldern, 48 M Kapitalszinsen, 
400 M Zuschuss der Provinz, .">1 M Geschenken und 149 M aus sonstigen Quellen. 

Städtisches Armenhaus, Siechenabtheüung. 

Danzig, 130 936 Einw., 120Aerzte, 7 Zahnärzte, 77 Hebammen, 14 Apotheken (Stadt- 
kreis, Beg.-Bez. Danzig). 

Wasserleitung: für die Stadt (Prangenauer Leitung) 1869, für die Vorstädte (Pelonkener 
Leitung) 1-7- könnet. Anlagekosten: für die Stadt 2000000 M, für tue Vorstädte 300 000 M. 
Leistung 1898/99: 3 772 600 cbm bezw. 176600 cbm. — Städtischer Vieh- und Schlachthof, 
1. Nov. 1894 eröffnet Anlagekosten 2>, Millionen M. Hallensystem. 1898/99 wurden geschlachtet: 
9882 Binder, 18806 Schafe. 43358 Sehweine. 10 116 Kälber, 157 Ziegen, 446 Pferde. — Ent- 
wässerung und Kanalisation für die Stadt 1871, für eine Vorstadt 1892 eröffnet. Anlage- 
kosten etwa 3 Millionen M, Betriebskosten 1898: 115298 M. System: Schwemmkanalisation. 
Leistung 1898: 5011500 cbm. — Beseitigung der Abfallstoffe: Staubfreie Abfuhr. — 
Aerztliche Leichenschau ist von der Polizei eingeführt. — Die Desinfektionsanstalt des 
Lazarets am Olivaer Thor wird zu öffentlichen Zwecken benutzt ; sonstige Desinfektionsapparate 
befinden sich im Garnisonlazaret. Lazaret Sandgrabe. Diakonissen -Krankenhaus. St. Marien- 
Krankenhaus. — Oeffentliehe Badeanstalten: Flussbadeanstalt auf Strohdeich, städtisches 
Brausebad. Garnison-Badeanstalt (aueh für Privatpersonen benutzbar). — Bau-Polizei-Ord- 
nung vom 28. Mai 1897. 

Garnisonlazaret. 1844 — 1847 erbaut. Ein senkrechter Flügel wurde 1858 angebaut, 
ein massiver Pavillon 1878 79 errichtet. Es hegt im Nordosten der Stadt, zwischen Hevelius- 
platz und Fischmarkt. Vorstand: Generaloberarzt Dr. Beger. Wartepersonal: 3 Diakonissen 
aus Königsberg. '24 Sanitätsunteroffiziere. 15 ausgebildete Krankenwärter. 2 Civilkrankenwärter. 
307 Betten. 1898 wurden 2 096 Kranke durchschnittlich 25 Tage verpflegt, 7 sind gestorben. 
Beleuchtungssystem: Gasbeleuchtung mit Auer- bezw. Juwelbrennern. Ventilations- 
system: Kippfenster. Thürschlitze. in einigen Stuben Ventilationsöfen bezw. Ventilations- 
schachte. Desinfektionsanstalt: Apparat von Budenberg in Dortmund für die gesammte 
Garnison. Wasserversorgung: Städtische Wasserleitung. Latrinen: Wasserspülung. 
Beseitigung der Abfallstoffe: Anschluss an die städtische Kanalisation. 

Zentralgefängniss-Lazaret. Eigenthümer: Justizfiskus. Arzt: Dr. Farne. 14 Betten. 
1898 wurden 27 m.. 13 w. Gefangene durchschnittlich 25 bezw. 29 Tage verpflegt. 2 m. sind 
gestorben. 

Stadtlazaret frir innere Krankheiten (am Olivaer Thore). Der Ursprung dieser Anstalt 
reicht zurück bis in die Zeit des deutschen Ordens. Wahrscheinlich war das von einer religiösen 
Brüderschaft errichtete St. Bochushospital seine erste Anlage. Das Haus des Hospitals lag 
auf dem Grundgebiete der Jungstadt, mit ihr wurde es 1455 zerstört, erstand jedoch 60 Jahre 
später wieder, und zwar auf seinem alten Platze und aus seinen alten eigenen, bei dem Elisabeth- 
hospitale untergebrachten Fonds. Der neue Bau war freilich noch kurzlebiger als der alte; er 
währte nämlich nur 5 Jahre, von 1515—1520, bis er die-es Mal zu Vertheidigungszweeken bei 
einer Belagerung dem Erdboden gleichgemacht wurde. Allein das Interesse für die gute Sache 
erlahmt-- nicht; sehon 1527 war ein neues Hospital da, dass nach Bedürfniss sich verändernd 
und erweiternd bis auf unsere Tage Stand gehalten hat. allerdings nicht, ohne dass noch 
mancher Sturm darüber hinweggebraust wäre. Die Kanonenkugel in der Wand des Mittelhauses 
zeugt davon. 

Die mit reichen Mitteln ausgestattete Stiftung, welche ursprünglich Pocken- und 
Pestilenzhaus und erst später städtisches Lazaret hiess. suchte im Sinne der Begründer zu 
wirken, indem sie möglichst nach allen Seiten dahin ihre Thätigkeit erstreckte, wo Noth zu 
ündern war. Chronisch Kranken, Blinden. Lahmen und Gebrechlichen aller Art diente die 
Anstalt als Siechenhaus; sie war Invalidenhaus für alte Soldaten. Asyl fax Obdachlose: denn 
auch diese Leute schickte man zusammen mit den Bettlern, namentlich zur Donünikszeit, ins 
Pockenhaus. Seine Hauptaufgabe sah dieses aber von jeher in der Verpflegung und Behandlung 
akut erkrankter Armer. Ganz besonders sollten Pockenkranke, dann alle ..französisch schad- 
haftigen Armen und die mit der schweren Krankheit (Epilepsie) beladen sind, desgleichen die 
Unsinnigen und mit der Pestilenz Behafteten" ohne unterschied der Ortsgehörigkeit auf- 
genommen werden. Auch „kranke, blödsinnige oder sonst elende Kinder, denen noch geholfen 



Danzig. — 120 — Königreich Preussen. 

werden konnte", fanden dort eine Stätte, an der sie nicht nur, wenn es möglich war, geheilt, 
sondern auch in einer eigenen Schale unterrichtet wurden. Nach aussen hin gab das Lazaret 
— und das bis in die neuere Zeit — au? seiner eigenen Apotheke an die bedürftigen Kranken 
Arzneien, ferner Bandagen, Bruchbänder und Brillen ab, und da einige Zeit hindurch selbst 
noch das Spend- und Waisenhaus mit ihm vereinigt war, so umfasste sein Wirkungskreis 
schliesslich alles, was zum Armenwesen zu rechnen wäre. 

Die Revenuen des Poekenhauses, herrührend aus Schenkungen an baarem Gelde, liegenden 
Gründen, den vor. Pensionären auf Lebenszeit eingezahlten Kapitalien und an sogenannten 
Seelbädern. Vermächtnissen zur Bespeisung der Pfleglinge an gewissen Tagen, reichten nur bis 
gegen das 17. Jahrhundert zur Bestreitung der Ausgaben hin: dann niusste die Kommune ein- 
traten. Sie gab nominell und feststehend nur ein sogenanntes Brodgeld, anfangs 100 Gulden, 
später etwa 100 Thaler; aber sie unterstützte das Lazaret, das so viel für sie leistete, im Noth- 
falle auf das Kräftigste; sie dotirte es mit Landbesitz und schoss in einzelnen Jahren viele 
Tausend Gulden zu. Ausserdem gewährte sie indirekt namhafte Beihilfen durch die Erlaubniss 
zur Abhaltung von Kollekten aller Art. Mit ihrer Bewilligung liess der Vorsinger des Hauses 
den Klingelbeutel bei Hochzeiten und Begräbnissen, sobald nur etwas zu holen war, fleissig 
herumgehen und bot den fremden Händlern, die zum Dominiksmarkte sich zusammenfanden, 
den Willkomm mit der Büchse in der Hand. Die Verwendung des Einkommens hing anfangs 
lediglich von dem Ermessen der Stiftsverwaltung ab, nur dass der Rath auch hier die Ober- 
aufsieht führte. Allmählich blieb es jedoch nicht dabei; wer mitzahlte, wollte auch mitsprechen, 
und so räumte der Vorstand nach und nach der Stadt Bestimmung und Kontrole über die 
Verwendung ihrer Geldbeihilfen ein. Damit erhielten aber die Aufgaben der Anstalt eine 
bestimmtere, dem engeren Interesse Danzigs mehr angepasste Abgrenzung. Man brauchte den 
vorhandenen Raum und das vorhandene Geld in erster Linie für die mit der Zunahme der 
Bevölkerung sich stetig mehrenden kurablen Krankeu der Stadt und des Gebietes derselben-, 
die Hospitaliten, die Siechen, Waisen und unheilbaren kranken Kinder wurden anderswo unter- 
gebracht; die Aufnahme der Fremden wurde auf die dringendsten Fälle beschränkt und der 
ganze Häuserkomplex mit allen Mitteln den Armen Danzigs freigehalten, die von einer heil- 
baren Krankheit befallen, zu Hause nicht behandelt werden konnten. Dieses freiwillige Ueber- 
einkommen nahm nach Einführung der Städteordnung, welche die bisher aus Mitleid 
geübte Armenkrankenpflege den Kommunen zur gesetzlichen Verpflichtung machte, die Form 
eines bestimmten Kontraktes an, des Inhaltes, dass das Lazaret auf die kostenfreie Aufnahme 
Kranker aus eigener Initiative verzichtete, dagegen alle von der Stadt und Polizei ihr Über- 
wiesenen gegen entsprechenden Zuschuss aufnahm, nach einem von der Stadt festgesetzten 
Etat wirthsehaftete und dem Magistrate die Wahl der Oberärzte, sowie die Bestätigung der 
Oberbeamten überliess. 

Die Stellung der Vorsteher war eine unbesoldete, ein Ehrenamt, das traditionell nur von 
sehr wohlhabenden Bürgern versorgt wurde und versorgt werden konnte, weil es sehr viel 
Zeit und daneben einen grossen Geldbeutel forderte; denn es gehörte zum nobile officium, in 
knappen Zeiten Vorschüsse zu machen. Der Rath hatte auf die Zusammensetzung der Vor- 
steherschaft insofern Einfluss. als bei Vakanzen ihm die Wahl aus den 3 Kandidaten, die das 
Kollegium präsentirte, zustand: im Uebrigen schaltete dasselbe unumschränkt. In der guten 
Absicht, sich ganz auf eigene Füsse zu stellen, hatten die Leiter des Instituts demselben einen 
ganz unglaublich komplizirten Verwaltungsmechanismus gegeben. Man trieb Landwirthschaft, 
hatte eigene Bäckerei ; Schuster und Schneider waren behufs billiger Beschaffung der Bekleidungs- 
gegenstände als Hausoffizianten angestellt, daneben noch ein ganzer Tross von Beamten und 
Dienerschaft. Da gab es ausser Apotheker und Chirurgus, ausser Schulmeister und Glöckner 
— das Lazaret hatte seine eigene evangelische Kirche — einen Hofmeister. Bäcker, Kutscher, 
Häckselschneider. Milchmägde, Speise-, Korb-, Brau- und Pferdeknechte, nicht zu vergessen 
der Heilknechte sammt den Barbiergesellen. Selbstverständlich fehlte nicht der obligate Sarg- 
macher; aber, um die Sache nicht gar zu tragisch werden zu lassen, hatte man auch für einen 
Bierschank und eine Schänkerin gesorgt, die allerdings im Jahre 1768 das Amt quittiren 
musste. 

Die neue Zeit brachte auch zeitgemässe Reformen, indem im Jahre 1874 das Kollegium 
der Vorsteher einging und die Stadt das Lazaret übernahm. Angesichts seiner Entstehung aus 
einer milden Stiftung ist das Lazaretvermögen, vermehrt um den der Stadt überwiesenen Fonds 
des 1S06 aufgehobenen Klosters der barmherzigen Brüder, auf ewige Zeiten seiner ursprüng- 
lichen Bestimmung sichergestellt. 

Neubauten sind vor 10 Jahren ausgeführt. Am 3. Okt. 1899 hat die Stadtverordneten- 
Versammlung den Neubau eines Krankenhauses für innere und äussere Kranke beschlossen. 
Der Kostenanschlag beläuft sich auf 3 561 000 M. 

Vorstand: Kommission für die städtischen Krankenanstalten. Vorsitzender: Stadtrath 
Poll. Leitender Arzt: Sanitätsrath Dr. Frevmuth. 2 Assistenzärzte und 1 Volontärarzt. 
Wartepersonal: 31 Schwestern des evangelischen Piakonie -Vereins Herborn; 4 ausgebildete 
Krankenwärter. 206 Betten in 3 Klassen. Verpfiegungspreis für Einheimische: I. Kl. 6 M, 
II. Kl. 3.T5 M, DJ. Kl. 1,50 M; für Auswärtig. : I. Kl. 7.50 M, H. Kl. 5 M, HJ. Kl. 2 M; für 
Krankenkassen: 1. l.so und 2 M täglich. Die Gesammteinnahme wird auf die betheiligten 
Anstalten nach Massgabe der geleisteten Verpflegungstage vertheilt. Unfall- Berufsgenossen- 
schaften zahlen 2 und 3 M täglich in HI. Kl. 1899 wurden 2 169 (1 168 m., 1 001 w.) Kranke 



Königreich Preussen. — 121 — Danzig. 

durchschnittlich 27 Tage verpflegt, 124 m., 121 w. sind gestorben. Aasgaben und Einnahmen 
1899 betrugen 174762,30 M und setzten sich zusammen aus 3S 895,15 M Verpflegungsgeld, 
8759,16 M für verkaufte Produkte. 39841,09 M Kapitalszinsen, 80981,90 M Zuschuss der Stadt, 
3 '-'77.-2 M Geschenke und 3 007,32 M aus sonstigen Quellen. Desinfektionsanstalt. — Bakterio- 
logische Anstalt. 

Chirurgisches Stadtlazaret in der Sandgrube. Dezember 1887 eröffnet. Vorstand: 
Kommission für die städtischen Krankenanstalten. Leitender Arzt: Medizinalrath Professor 
Dr. Barth. 5 Assistenzärzte und 1 Volontärarzt. Wartepersonal: 32 Schwestern des evan- 
gelischen Diakonie -Vereins Herborn und 2 Krankenwärter. 223 Betten in 3 Klassen. Ver- 
pflegungspreis für Einheimische: I. Kl. fi M, II. Kl. 3,75 M, DU. Kl. 1,50 M; für Aus- 
wärtige: I. Kl. 7.5o M, LI. Kl. 5 M, EU. Kl. 2 M: für Krankenkassen: 1, 1,50 und 2 M 
täglich. Unfall -Berufsgenossenschaften zahlen 2 und 3 M in HI. Kl. täglich. 1899 wurden 

2 371 (1 347 m., 1 024 w.) Kranke verpflegt, 87 m., 51 w. sind gestorben. Ausgaben und Ein- 
nahmen 1899 betrugen 164 405,6s M und setzten sich zusammen aus 70 0S6,52 M Verpflegungs- 
geld, 2 130,96 M für verkaufte Produkte, 92 134,20 M Zuschuss der Stadt und 54 M aus sonstigen 
Quellen. 

St. Marien- Krankenhans, Hospital und Waisenhaus. Am 19. Mai 1853 aus milden 
Gaben mit 24 Betten eröffnet, seitdem durch 4 Neubauten vergrössert, der letzte (für 150 Betten) 
noch im Bau. Die Anstalt besitzt Rechtsfähigkeit, steht unter dem Bischof von Kulm. 
Vorstand: 5 katholische Geistliche, 5 Bürger der Stadt Danzig. Vorsitzender: Pfarrer 
Scharmer. Leitende Aerzte: für die chirurgische Abtheilung Dr. Schröter, für die innere 
Abtheilung Dr. Goetz. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 25 barmherzige Schwestern vom 
heiügen Karl Borromaeus in Trier, von einer Schwester wird die Dispensiranstalt geleitet; 
5 m., 5 w. ausgebildete Krankenwärter. 134 Betten, mit Ausschluss des Hospitals und Waisen- 
hauses, in 3 Klassen. Verpflegungspreis: 5, 2,so und 1 M täglich: Abonnements für Dienst- 
boten: 6 M jährlich. 189S wurden 1 374 (805 m., 569 w.) Kranke durchschnittlich 28.7 Tage 
verpflegt, 62 m., 52 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 8 Altersschwache, 5 Sieche und 
60 Waisenkinder (Mädchen). Ausgaben 1S98: 57 337.25 M für Krankenhaus, Hospital und 
Waisenhaus. Die Einnahmen betrugen 57 361,2. M und setzten sich zusammen aus 54 211,54 M 
Verpflegungsgeldern und 3 149,7 3 M Legaten, Geschenken und Kollekten. 

Diakonissen -Mutter- und Krankenhaus (Neugarten 3/5). 1857 gegründet als Kinder- 
krankenhaus im „Schwarzen Meere", 18f>0 neues Haus Neugarten 23, das jetzige Haus am 
17. März 1875 eröffnet; später mehrere Neubauten (Operationssaal u. s. w.). Eigenthümer: 
Westpreuss. Diakonissen-Kranken- und Mutterhaus, mit Rechtsfähigkeit. Vorstand: Cäcilie 
v. Stülpnagel und Pastor Stengel. Vorsitzender: Oberpräsident, Staatsminister Dr. D. von Gossler. 
Leitende Aerzte: chirurgische Abtheilung: Oberarzt Dr. Fischer; innere Abtheilung: Professor 
Dr. Valentini. Wartepersonal: 73 Diakonissen; 2 Johanniter-Lehrpflegerinnen; 2 ausgebildete 
Krankenwärter. 185 Betten in 3 Klassen. Verpflegungspreis: 6, 3, 1,25 M, für Kinder 
0.75 M täglich. 1898 wurden 1 6S3 Kranke durchschnittlich 32 Tage verpflegt, 114 sind gestorben. 

Priyatheilanstalt für chirurgische und Frauen-Krankheiten 

von Dr. Langner. 4. Febr. 1899 eröffnet» 5 Betten. Verpflegungspreis: 9, 6 und 
3,50 M täglich. 

— Dr. Stangenberg. 9. Sept. 1899 eröffnet. 10 Betten. Verpflegungspreis : 9, 6 und 

3 M täglich. 

— Dr. Wisselinck. 1897 eröffnet. 8 Betten. Verpflegungspreis: 9, 6 und 3 M täglich. 

Privatheilanstalt für chirurgische Krankheiten von Dr. Ortmann. 6. Mai 1899 
eröffnet. 6 Betten. Verpflegungspreis: 10, 6 und 3 M täglich. 

Medico- mechanisches und orthopädisches Zander- Institut von Dr. Wolff. 27. Man 
1S97 eröffnet. 31 Betten. Verpflegungspreis: 6 und 3 M täglich. 

PriTatheilanstalt für Frauenkrankheiten von Dr. Glaeser. 1896 eröffnet, fi Betten. 
Verpflegungspreis: 9, 6 und 3 M, für Arbeiterinnen 1,50 M, für Soldatenfrauen 2 M täglich. 

— Dr. Panecki. 15. Nov. 1896 eröffnet. 8 Betten. Verpflegungspreis: 10, 6 und 3 M 
täglich. 

— Dr. Semon. 16. Sept. 1896 eröffnet. 9 Betten. Verpflegungspreis: 10, fi und 3 M 
taglich. 

Privatheilanstalt für Augenkrankheiten von Dr. Berent. 26. März 1898 eröffnet. 
6 Betten. Verpflegungspreis: 9, 6 und 3 M, für Gemeinden und Krankenkassen 2,50 M täglich. 

— Drs. Helmbold und Francke. 23. Dez. 1896 eröffnet. 29 Betten. Verpflegungs- 
preis: 6, 4,50 und 2,5o M, für die Stadt l,so M täglich. 

— Dr. Wallenberg. 1895 eröffnet. 27 Betten. Verpflegungspreis: I. Kl. 5 — 10 M, 
H. Kl. 3—4 M, HI. Kl. 1,75 und ],so M. 

Städtische Siechen- und Irrenstation (in der Töpfergasse). Vom Magistrat im Jahre 1868 
eingerichtet. Verlegung in das jetzige chirurgische Lazaret ist in Aussicht genommen. Arzt: 



Danzig. — 122 — Königreich Preussen. 

Oberarzt, Sanitätsrath Dr. Freymuth. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 3 m., 5 w. ausgebildete 
Krankenwärter. Irrenstation: Betten werden nach Bedarf eingerichtet. Verpflegungs- 
preis für Einheimische: 1,50 M. für Auswärtige: 2 M. für Krankenkassen: 1. l,so und 2 M, 
in schweren Fallen auch SM täglich. 1899 wurden 406 (249 m., 157 w.) Geisteskranke verpflegt, 
14 m., 15 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 183 m., 77 w. Sieche und 68 m., 81 w. Krätz- 
kranke. Die Verwaltung und Rechnungsführung der Irrenabtheilung mit dem städtischen 
Arbeitshause ist eine vollständig gemeinschaftliche ; es kann demnach eine getrennte zutreffende 
Angabe nicht gemacht werden. 

Provinzial- Hebammen -Lehranstalt. 1817 vom Staate errichtet. Eigenthümer: 
seit 1876 die Provinz Westpreussen. Direktor: Geh. Sanitätsrath Dr. Abegg. 1 Assistenz- 
arzt. 26 Betten: ausserdem 25 für Kinder. Die Verpflegung ist unentgeltlich für Unterrichts- 
zwecke. 1898 wurden 41 1 Schwangere bezw. Wöchnerinnen durchschnittlich 11,5 Tage verpflegt, 
5 sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 78 Hebammenschülerinnen. Ausgaben 1898: 31 296,54 M. 
Die Einnahmen betrugen 28 491.72 M und setzten sich zusammen aus 6713,12 M Verpflegungs- 
geld und 21 77>. <-;<:> M Zuschuss der Provinz. 

Städtische Entbindungsnnslalt, mit dem Lazaret in der Sandgrube verbunden. 36 Betten. 
1899 wurden 98 Frauen durchschnittlich 13,45 Tage verpflegt. 

Heilige Geisthospital, zwischen den Jahren 1308 bis 1333 angelegt, lag zuerst in der 
Strasse, die noch heute nach ihm ihren Namen trägt und wurde 1357 nach der Tobiasgasse 
verlegt, wo es sich noch heute befindet. Im Jahre 1546 wurde das heilige Geisthospital mit 
dem von St. Elisabeth zu einer Anstalt vereinigt und unter Oberaufsicht des Bathes die Leitung 
vier Vorstehern überwiesen. 

Hospital zu St. Elisabeth, in den sechziger Jahren des 1 4. Jahrhunderts in der Altstadt 
neben der gleichnamigen Kirche begründet, hiess anfänglich der Elendenhof, weil es 
namentlich für arme kranke Fremde und Waisen (Pilgrimme) Obdach und Pflege bieten sollte. 
Bei der Beform des Armenwesens am Anfange des 16. Jahrhunderts wurde für die Waisen ein 
besonderes Institut abgezweigt und das Hospital mit dem heiligen Geisthospitale 1546 ver- 
einigt. Nach dem neuen Statute gewähren beide Hospitäler armen Personen beiderlei Ge- 
schlechts von unbescholtenem Rufe theils unentgeltlich, theils gegen Einkauf freie Wohnung 
und ein Jahresgeld von 72 M, das bei den sich Einkaufenden sich entsprechend erhöht. 

Hospital zu St. Jacob, wurde am Anfange des 15. Jahrhunderts als Siechenhaus für 
mit Alter oder Krankheit beschwerte Schiffsmannsleute auf dem Schüsseldamme neben der 
St. Jacobskirehe (Stadtbibliothek) begründet. Im Anfange dieses Jahrhunderts wurden die Ver- 
mögensverhältnisse des Hospitals dadurch sehr gebessert, dass aus den milden Gaben, die zur 
Entschädigung der durch die Explosion eines Pulverthurms (6. Dez. 1815) Beschädigten von 
allen Seiten einliefen, eine bedeutende Summe dem Hospitale überwiesen wurde. So konnte 
das Hospital seiner ursprünglichen Bestimmung wiedergegeben werden und gewährt alten, 
kranken See Schiffern und Matrosen, die auf Danziger Schiffen 6 Jahre gefahren haben, oder 
ihren Witwen freie Wohnung und monatliche Spenden. 

Hospital zu St. Barbara. Ursprung unbekannt, hat jedenfalls schon am Ende des 
15. Jahrhunderts bestanden. Nach der Ordnung für die Hausarmen aus dem Jahre 1551 war 
es für die Polen, die auf den Tratten krank sind und andere kranke Leute bestimmt. Späterhin 
litt das Hospital dadurch, dass es vollständig den Interessen der Barbarakirche dienstbar gemacht 
wurde, so dass die Aufnahme von Hospitaliten unterbleiben musste. 

Hospital zu St. Gertrud, ursprünglich ebenso wie die gleichnamige Kirche hart vor 
dem Hohen Thore gelegen, wurde am Anfange des 16. Jahrhunderts der Sicherheit wegen ab- 
gebrochen. 1563 wurde das Hospital an seiner jetzigen Stelle (am Petershagener Thore) nen 
fundirt; die gegenwärtigen Gebäude wurden anstatt des verfallenen alten bebäudes 1769 in 
Mauerwerk erbaut, durch Neubau wesentlich erweitert. 

Hospital zum Heiligen Leichnam, früher Aussatzhaus, hat sicher schon in der 
ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts an seiner jetzigen Stelle am Fusse des Hagelsberges an 
der Promenade bestanden und musste ebenso wie das Gertrudenhospital 1520 der kriegerischen 
Unruhen wegen abgebrochen werden. Noch in demselben Jahrhunderte ist es an derselben 
Stelle wiedererbaut und wesentlich vergrössert worden. 

Hospital zu St. Michael oder allen Gottes -Engeln, ursprünglich Aussatzhaus, stand 
neben der gleichnamigen Kirche in der vom Orden errichteten Jungstadt (östlich von der nach 
Langfuhr führenden Allee) und blieb von der Zerstörung verschont, als die erbitterten Danziger 
1455 die Jungstadt abbrachen. In den folgenden Kriegen hat das Hospital wiederholt das 
traurige Schicksal gehabt, zerstört zu werden, zuletzt am 3. April 1807. Im Jahre 1835 kehrte 
die Anstalt wieder zu ihrer früheren Bestimmung zurück und wurde als Hospital auf dem 
Schüsseldamme gegenüber dem Jacobshospitale erbaut. 

Reinicke-Stift. 1S80 aus milden Beiträgen und Legaten gegründet. 29 Plätze für alte 
Frauen. 



Königreich Preussen. — 123 — Darfeld — Delbrück. 

Aschenheim'sehe Stiftung. 1898 mit Rechtsfähigkeit versehen. 16 Plätze für alte, 
israelitische Personen. 

Städtische Simultan -Taubstumnienschule (Heilige Geistgasse 111). 1. April 1ST3 
gegründet. Schulgeld wird nicht gezahlt. 2 Klassen. Vorsteher: Radau. 2 Lehrer und eine 
Lehrerin. Aufnahmebedingungen: 8. Lebensjahr, körperliche und geistige Gesundheit. 
Unterrichtsdauer S Jahre. Dia Schüler verlassen die Schule im 15. Lebensjahre. 

Darfeld, 1 932 Einw. (Kreis Koesfeld, Reg.-Bez. Münster). 

St. Anna- Hospital. 1847 errichtet. 5 Klemensschwestern aus Münster. 24 Betten. 
1898 wurden 41 Kranke verpflegt. 

Darkehmen, 3 542 Einw., 4 Aerzte, 3 Hebammen, 1 Apotheke (Kreis Darkehmen, Reg.- 
Bez. Gumbinnen). 

Wasserversorgung durch Brunnen, insbesondere 5 Tiefbrunnen in der Stadt, erbohrt 
1S92--1S98. sowie 5 Tiefbrunnen in Kasernements, erbohrt 1891. Wegen Erbauung einer 
Wasserleitung schweben Verhandlungen. — Städtischer Schlachthof ohne Freibank, erbaut 
1887. Anlagekosten: 23 350 M, ausschliesslich Grunderwerb. 1898 wurden daselbst geschlachtet: 
487 Stück Rindvieh, 313 Kälber, 1524 Hammel, 7 Ziegen, 1559 Schweine. — Entwässerung 
theils durch offene Rinnsteine, theils durch Rohrleitungen in die Angerapp bezw. Ragwisze 
(Nebenflüsschen der Angerapp). Wegen Einrichtung einer Kanalisation schweben Verhand- 
lungen. — Flussbadeanstalt in der Angerapp, erbaut 1896. — Bau-Polizei-Ordnung 
vom 2. Dez. 1892. 

Garnisonlazaret. 1899 neu erbaut. Arzt: Stabsarzt Dr. Seemann. 24 Betten. — 
Beleuchtung durch Petroleumlampen. Ventilation durch Luftschächte in Verbindung mit 
der Heizung. Heizung durch eiserne Luftzirkulationsöfen. Desinfektion mittels Desinfektor 
von Rietschel k Henneberg, auch für die Garnison. Wasserversorgung durch Tiefbrunnen. 
Latrinen: Torfmullstreu. Beseitigung der Abfallstoffe: Tonnenabfuhr. 

Kreis -Krankenhaus. 1849 vom Kreise errichtet. Alfred v. Sanden'sche Stiftung 
für arme Kranke. Arzt: Kreisphysikus Dr. Ploch. Wartepersonal: 2 Diakonissen aus 
Königsberg und 1 Krankenwärter. 26 Betten. Verpflegungspreis: 0,65, 1 und 2 M täglich. 
1898 wurden 239 m., 14."i w. Kranke durchschnittlich 17 Tage verpflegt, 8 m., 3 w. sind gestorben. 
Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 10 060,95 M, letztere setzten sich zusammen aus 
6179,67 M Verpflegungsgeld und 3 881,2s M Zuschuss des Kreises. 

Datteln, 3 996 Einw. (Kreis Recklinghausen, Reg.-Bez. Münster). 

St. Vincentius- Hospital. Durch die Rentner Philipp Reusmann und Heinrich 

Hüser 1857 gestiftet. Eigenthümer: Pfarrkirche. Arzt: Dr. Struck. Wartepersonal: 
5 Frauziskanessen aus Münster. 35 Betten. Verpflegungspreis: für Auswärtige 1,25 M 
täglich. 1898 wurden 59 m., 51 w. Kranke durchschnittlich 68 Tage verpflegt, 8 m., 5 w. sind 
gestorben. Ausserdem verpflegt: 1 Pfründner, 5 Altersschwache, 2 Sieche. 9 zur Reinigung von 
Ungeziefer und 32 Krätzkranke. Die Einnahmen 189S betrugen 3082,68 M und setzten sich zu- 
sammen aus 1 766,86 M Verpflegungsgeld, 1 109,82 M Kapitalszinsen und 206 M aus sonstigen 
Quellen. 

Daun, 944 Einw. (Kreis Daun, Reg.-Bez. Trier). 

Krankenhaus „Maria-Hilf". Ehrendomherr Georg Quirings, gestorben 1S57, vermachte 
zum Bau der Anstalt 3 000 M. 1890 wurde zu gleichem Zwecke eine Verloosung veranstaltet. 
Das Haus wurde 1893 gebaut. Eigenthümer: Kirchengemeinde. Aerzte: Kreisphysikus 
Dr. Blukusewski und Dr. Schramm. Wartepersonal: 6 Franziskanerinnen aus Waldbreitbach. 
22 Betten. Verpflegungspreis: 1,50 M täglich. 1898 wurden 35 m., 16 w. Kranke durch- 
schnittlich 30,7 Tage verpflegt, 1 w. ist gestorben. Die Einnahmen 1898 betrugen 2 346 M 
Verpflegungsgeld. 

Delbrück, 1315 Einw. (Kreis Paderborn, Reg.-Bez. Miuden). 

Josephs-Hospital. 1S45 von W. Joseph Valepage gestiftet, 1860 eröffnet. Eigen- 
thümer: Katholische Gemeinde. Arzt: Dr. Brocke. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 
9 arme Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach. 76 Betten, darunter 24 für Kinder. Ver- 
pflegungspreis: 0,75 M täglich. 1898 wurden 17 m., 19 w. Kranke durchschnittlich 56,4 Tage 
verpflegt, 3 m., 7 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 38 Altersschwache und 8 m., 7 w. 
Waisen. Die Einnahmen 1S98 betrugen 6 986,7 5 M und setzten sich zusammen aus 65 M Ver- 
pflegungsgeld, 4 731,75 M Kapitalszinsen, 1 500 M Zuschuss der Lohmann'schcn Stiftung für (15) 
Waisen, 540 M der Gemeinde und 150 M Legaten. 



Delitzch— Deutsch-Eylan. — 124 — Königreich Prenssen. 

Delitzsch, 9 560 Einw. (Kreis Delitzsch, Reg.-Bez. Mersehurg). 

Lazaret der Königl. Strafanstalt. Eigenthümer: Fiskus (Ministerium des Innern). 
Belegfähigkeit: 340 Weiber. Hafträume: 29 Eiuzelzellen ausschl. Strafzellen, 40 Schlaf- 
kojen, 4 gemeinsame Schlafräume von G61 qm Gesammtgrösse, 7 gemeinsame Arbeitsräume von 
332 qm Gesammtgrösse. Arzt: Dr. Busolt. Krankenräume: 4 von 132 qm Gesammtgrösse. 
Krankenzahl 1898: 49 w. 

Städtisches Krankenhans. 1862 errichtet, 1. Okt. 1894 Neubau bezogen. Arzt: Sanitätsrath 
Dr. Laue. Wartepersonal: 1 Diakon aus Krasehnitz, 2 Schwestern aus Halberstadt. 45 Betten. 
Verpflegungspreis: l,so M täglich. 1898 wurden 216 m., 57 w. Kranke durchschnittlich 26 
bezw. 62 Tage verpflegt, 13 m., S w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 189S be- 
trugen 20172,3 1 M, letztere setzten sich zusammen aus 10 068,8 7 M Verpflegungsgeld, 51 M 
an verkauften Produkten und 10 052,4 4 M Zuschuss der Stadt. 



Demmin, 12 374 Einw., 6 Aerzte, 1 Zahnarzt, 7 Hebammen, 2 Apotheken (Kreis 
Demmin, Reg.-Bez. Stettin). 

Wasserversorgung: Seit 1898 Wasserleitung im Betrieb, welche gutes Wasser 
liefert. Das Wasser wird aus Tiefbrunnen in der Nähe des Tollenseflusses, etwa 2 km östlich 
der Stadt, gehoben und in eisernen unterirdischen Rohren nach den (bisher nur spärlich ange- 
schlossenen) Häusern der Stadt geleitet. — Städtischer Schlachthof ohne Freibank seit 1885. 
Jede Hausschlachterei ist verboten. Die Kosten der Einrichtung betrugen 78 330 M. 1899 
wurden 453 Binder, 3 917 Schweine, 1943 Kälber, 1633 Schafe und 366 Stück Jungvieh 
geschlachtet. — Im städtischen Krankenhause befindet sich ein Desinfektionsapparat, 
welcher den Einwohnern der Stadt und des Kreises gegen Bezahlung zur Verfügung steht. — 
Eine öffentliche Badeanstalt im Peenefluss, dicht oberhalb der Stadt. — Bau-Polizei- 
Ordnung vom 25. April 1S99. 

Garnisonlazaret. 1863 von der Stadt erbaut. Es liegt im Osten der Stadt an der von 
Westen nach Osten verlaufenden Schützenstrasse, unweit des Bahnhofs. Front nach Süden. 
Vorstand: Oberstabsarzt I. Klasse Dr. Faulhaber. 25 Betten. 1898 wurden 197 Kranke 
durchschnittlich 9 Tage verpflegt. — Ventilationssystem: Glasjalousien in den oberen 
Fensterflügeln, sowie Ausschnitte in den Thüren, welche durch Schieber geöffnet und geschlossen 
werden können. Ausserdem sind Klappen, welche mit Luftschächten in Verbindung stehen, 
vorhanden. — Heizungssystem: Kachelöfen mit Steinkohlenheizung. — Desinfektions- 
apparat von Gebrüder Schmidt aus Weimar für die gesammte Garnison. 

Städtisches Krankenhans. 1861 errichtet. Arzt: Kreisphysikus Dr. Dieterich. 50 Betten: 
40 f. M., 10 f. Fr. Verpflegungspreis: 1,20 M täglich. 1898 wurden 218 m., 62 w. Kranke 
durchschnittlich 21 Tage verpflegt, 12 m., 6 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898 
betrugen 8 626 M, letztere setzten sich zusammen aus 7 576 M Verpflegungsgeld und 1 050 M 
Zuschuss der Stadt. 



Deutsch -Eylau, 6 697 Einw., 6 Aerzte, 2 Hebammen, 1 Apotheke (Kreis Rosenberg, 
Reg.-Bez. Marienwerder). 

Städtischer Schlachthof, am Nordausgang der Stadt vorhanden. — Badeanstalten 
im See, 1 Militär-, 3 Civilbadeanstalten. — Bau-Polizei-Ordnung vom 13. Juni 1891. 

Garnisonlazaret. 1892/94 erbaut und 1. Okt. 1894 bezogen. Es liegt im Osten der 
Stadt am Wege nach Osterode. Vorstand: Oberstabsarzt I. Klasse Dr. Strauss. Warte- 
personal: 1 Diakonisse aus Danzig, 17 Sanitätsunteroffiziero bezw. Gefreite, 4 ausgebildete 
Krankenwärter. 68 Betten. 1898 wurden 387 Kranke durchschnittlich 24 Tage verpflegt, 1 ist 
gestorben. — Wasserversorgung: 1 Tiefbrunnen, aus welchem ein hochgelegenes Bassin 
täglich vollgepumpt wird, zur Speisung der Wasserleitung. Desinfektionsapparat von 
Henneberg & Rietschel. Latrinen: Die Latrinen haben unter dem Sitz einen eisernen Wagen 
(Mainzer System), dessen Inhalt nach Bedarf auf die Felder abgefahren wird. Beseitigung der 
Abfallstoffe : Abwässer werden durch Kalkmilch in einer Senkgrube desinfizirt und in den Eileni- 
fluss geleitet. Müll wird in Gruben gesammelt und auf die Felder gefahren. 

Städtisches Krankenhans. 1S41 errichtet. Arzt: Dr. Steppuhn. Wartepersonal: 
1 m., 1 w.Krankenwärter. 18 Betten. Verpflegungspreis: 0,60 — 1 M täglich. 1898 wurden 
14 m., 13 w. Kranke durchschnittlich 35 Tage verpflegt, 3 m., 2 w, sind gestorben. 



Königreich Prenssen. — 125 — Deutsch-Krone— Dillenburg. 

Deutsch-Krone, 7 137Einw. (Kreis Deutsch-Krone, Reg.-Bez. Marienwerder). 

Städtischer Schlachthof ohne Freibank vorhanden. 

Städtisches Krankenhans. 1853 bezw. 1891 von der Stadt errichtet. Vorstand: 
Kuratorium. Arzt: Geh. Sanitäts-Rath Dr. Wilde. Wartepersonal: 3 Diakonissen aus 
Danzig und 1 Krankenwärter. 48 Betten in 3 Klassen, Verpflegungspreis: 3, 2 und 1,25 
bis 0,76 M täglich. 1898 wurden 1-47 m., 56 w. Kranke durchschnittlich '23 Tage verpflegt, 

7 m., 5 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 8 598 M, letztere setzten 
sich zusammen aus 5 246 M YerpÜegungsgeld, 900 M Zuschuss des Kreises und 2 452 M der Stadt. 

Deutsch-Lissa bei Breslau, 2 543 Einw. (Kreis Neumarkt, Reg.-Bez. Breslau). 

Nervenheilanstalt von Dr. Walter. 1. Sept. 1891 eröffnet. 16 Betten. Verpflegungs- 
preis: 5 — 8 M täglich. 1898 wurden 15 m., 15 w. Kranke durchschnittlich 139 Tage verpflegt, 
1 m., 2 w. sind gestorben. 

Dierdorf, 1441 Einw. (Kreis Neuwied, Reg.-Bez. Koblenz). 

Johanniter-Krankenhaus. 24. Sept. 18S6 eröffnet. Arzt: Dr. Stahl, Wartepersonal: 
4 Diakonissen aus Kaiserswerth. 54 Betten. Verpflegungspreis: 4, 2, so, 1 M, für Kinder 
0,75 M täglich. 189S wurden 13S m., 77 w. Kranke durchschnittlich 79 Tage verpflegt, 17 m., 

8 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: 26083,14 M. Die Einnahmen betrugen 26 399, i -t M, darunter 
18 046,05 M Verpflegungsgeld, 4 600 M Zuschuss der Genossenschaft und 600 M der Balley 
Brandenburg. 

Diestedde, 1 046 Einw. (Kreis Beckum, Reg.-Bez. Munster). 

Krankenhans. 1868 errichtet. Wartepersonal: 4 Schwestern aus Heiligenstadt. 
4 Betten. 1898 wurden 36 Kranke verpflegt. 

Dievenow, 335 Einw. (Kreis Kammin, Reg.-Bez. Stettin). 

Ferienheim für arme, kränkliche Schulkinder aus Stettin, im Besitz des Stettiner 
Komitee's für Ferienkolonien. Die Anstalt hat 20 357,4 7 M gekostet, die Unterhaltungskosten 
für 108 im Jahre 1897 dort untergebrachte Kinder betrugen 2 310,67 M. Die Dauer des 
Aufenthalts für je 36 Kinder ist 4 Wochen. 

Ferienheim für Schulkinder. Bau 1900 geplant. 

Diez, 4 565 Einw. (Kreis Unterlahn, Reg.-Bez. Wiesbaden). 

Städtische Wasserleitung vorhanden. 

Garnisonlazaret. 1899 eröffnet. Vorstand: Stabsarzt Dr. Schubach. 

Lazaret der Königl. Strafanstalt. Eigenthümer: Fiskus (Ministerium des Innern). 
Belegfähigkeit: 200 Männer. Hafträume: 3 Einzelzellen ausschl. Strafzellen, 31 Schlaf- 
zellen, 15 gemeinsame Schlafräume von 506 qm Gesammtgrösse, 23 gemeinsame Arbeitsräume 
von S34 qm Gesammtgrösse. Arzt: Dr. Lautz. Krankenräume: 4 von 92 qm Gesammt- 
grösse. Krankenzahl 1898: 92 m. 

Städtisches Hospital. 1855 errichtet. Arzt: Dr. Lorenz. Wartepersonal: 3 Dia- 
konissen aus Frankfurt a. M.; 2 Krankenwärterinnen. 12 Betten. Verpflegungpreis: 
1,75 M täglich. 1898 wurden 32 ni., 21 w. Kranke durchschnittlich 21, r, Tage verpflegt, 2 m., 
1 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 5 Pfründner. Ausgaben und Einnahmen 1898 
betrugen 5 886 M, letztere setzten sich zusammen aus 4169 M Verpflegungsgeld und 1717 M 
Zuschuss der Stadt. 

Dillenburg, 4 090 Einw. (Dillkreis, Reg.-Bez. Wiesbaden). 

Städtisches Hospital. 1876 erbaut. Arzt: Sanitätsrath Dr. Speck. Wartepersonal: 
3 Diakonissen aus Frankfurt a. M. 8 Betten. 1898 wurden 35 m., 17 w. Kranke durch- 
schnittlich 25 Tage verpflegt, 2 m., 4 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 2 Sieche. 
Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 5 110 M, letztere setzten sich zusammen aus 2 550 M 
Verpflegungsgeld, 1 710 M Kapitalszinsen und 850 M Zuschuss der Stadt. 

Privat- Anstalt für Lungenkranke von Sanitätsrath Dr. Speck. 

Privat-HeUanstalt für Frauenkrankheiten von Dr. Rühl. 5 Diakonissen aus dem 
Diakonieverein. 20 Betten. Verpflegungspreis: 6,50, 4,so, 2,so und l,so M täglich. 



Dillingen a./Saar— Dirschau. — 126 — Königreich Preussen. 

Dillingen a./Saar, 4 175 Einw. (Kreis Saarlouis. Eeg.-Bez. Trier). 

Knappsehafts-Krankenhaus. 1889 von den Dillinger Hüttenwerken gebaut. Am 10. Jan. 
des folgenden Jahres übernahmen 3 Borromäerinnen die Pflege der Kranken und die Führung 
des Haushalts auf Kosten des Knappsehaftsvereins. In erster Linie sollen Mitglieder desselben 
aufgenommen werden, welche Verletzungen erlitten haben oder einer ausreichenden Pflege in 
ihren Wohnungen entbehren. Kranke anderer Kassen und der Gemeinde haben einen Pfiegesatz 
von l.so M zu entrichten, ebenso Bürger der Gemeinde, welche z. B. bei Operationen das 
Krankenhaus aufsuchen. Dasselbe ist Rettungsstation für alle auf der Hütte vorkommenden 
Verletzungen und Unglücksfälle; in ihm hält auch der Knappschaftsarzt täglich ('/ 2 8 — 9 bezw. 
10 Uhr) M-ine Sprechstunden. Im Jahre 1891 wurde auch eine vom Hüttenwerk erbaute un- 
entgeltliche Nähschule für die Kinder der Arbeiter und Beamten eröffnet, die 1898 von 
ST Mädchen besucht wurde. Die neu erbaute Kapelle wurde am 20. Dez. 1898 eingeweiht. 
Wartepersonal: 5 Borromäerinnen aus Trier. 33 Betten. 189S wurden 396 Kranke durch- 
schnittlich 17 Tage verpflegt. 



Dingden, 2 107 Einw. (Kreis Borken, Keg.-Bez. Münster). 

St. Josephs -Krankenhaus. 1898 errichtet. Arzt: Dr. Misgeld. 3 Franziskanessen aus 
Münster. 189S wurden 25 Kranke verpflegt. 



Dingelstädt, 3 616 Einw. (Kreis Heiligenstadt, Reg. -Bez. Erfurt). 

Städtisches Krankenhaus. 1S69 von der Stadt errichtet. Aerzte: Drs. Fütterer und 
Rindermann, halbjährlich wechselnd. Wartepersonal: 7 graue Schwestern ans Breslau. 
16 Betten. Verpflegungspreis: für Einheimische 1 M, für Auswärtige l.so M täglich. 
1898 wurden 12 m., 15 w. Kranke durchschnittlich 95 bezw. 19 Tage verpflegt, 3 m., 3 w. 
sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 1 867, 10 M, letztere setzten sich 
zusammen aus 491, 05 M Verpflegungsgeld, 559,25 M Kapitalszinsen und S16,so M Zusehuss 
der Stadt. 

Katholisches Schwesternhaus. Vorstand: Pfarrer und Magistrat. Verpflegungs- 
preis: l,ao M. Arzt und Apotheke werden besonders bezahlt. 



Dinslaken, 3 071 Einw. (Kreis Ruhrort, Reg. -Bez. Düsseldorf). 

St. Vincenz- Hospital. 1884 aus freiwilligen Beiträgen gestiftet. Eigenthümer: 
Katholische Kirchengemeinde. Arzt: Dr. Potjans. Wartepersonal: 6 barmherzige Klemens- 
schwestern aus Münster. 24 Betten. Verpflegungspreis: 3, 2. l,sa M täglich. 189S wurden 
198 m., 51 w. Kranke durchschnittlich 27 Tage verpflegt, 10 m., 3 w. sind gestorben. Aus- 
gaben 1898: 5 992 M. Die Einnahmen betrugen 6 640M und setzten sich zusammen aus 
6 100 M Verpflegungsgeld, 450 M Geschenken und 90 M aus sonstigen Quellen. 



Dirschau, 11 784 Einw. (Kreis Dirschau, Reg.-Bez. Danzig). 
Städtischer Schlachthof mit Kühlhaus seit Januar 1893. 

St. Tineenzkrankenhaus. 15. Nov. 1894 von der katholischen Gemeinde gestiftet. Eigen- 
thümer: Vincenzverein, welcher Rechtsfähigkeit besitzt. Vorstand: Probst von Dirschau. 
Arzt: Dr. Wickel. Wartepersonal: 7 barmherzige Schwestern aus Kulm; 3 ausgebildete 
Krankenwärter (1 m.. 2 w.l. 43 Betten. Verpflegungspreis: S.so, 2,so, 0,80 bezw. 1 M 
täglich. 1898 wurden 178 m., 1-18 w. Kranke durchschnittlich 21,5 Tage verpflegt, 9 m., 6 w. 
sind gestorben, darunter sind 3 Patienten sterbend eingeliefert worden. Ausgaben 1S9S: 
12 982,41 M. Die Einnahmen betrugen 13 697,90 M und setzten sich zusammen aus 9 825,09 M 
Verpflegungsgeld, 1 000 M Zusehuss des Kreises, 2 678,31 M Legaten. Geschenken und Kollekten 
und 194,50 M aus sonstigen Quellen. 

Johanniter- Krankenhaus. 1. Juli 1895 vom Johanniter-Orden eröffnet. Neubau einer 
Baracke für ansteckende Krankheiten. Arzt: Dr. Schulz. Wartepersonal: 4 Diakonissen 
aus Danzig; 2 ausgebildete Krankenwärter. 70 Betten, darunter 6 für Kinder. Verpflegungs- 
preis: 4. 2 und 1 M täglich. 189S wurden 295 m.. 107 w. Kranke durchschnittlich 39 Tage 
verpflegt, 18 m., 20 w. sind gestorben. 

Sieehenhaus — Evangelisches St. Georg-Hospital. 1889 errichtet. 1 Diakonissin aus 
Danzig. 6 Betten. 1S98 wurden 6 Sieche verpflegt. 



Königreich Preussen. — 127 — Dobrau — Dortmund. 

Dobrau (Postort Krappitz). 607 Einw. (Kreis Neustadt i. Oberschi., Reg.-Bez. Oppeln). 

Herrschaftliches Krankenhaus. Gestiftet 1872 ron Olga Gräfin v. Seherr-Thoss, 

geborene Gräfin Straehwitz. Vorstand: Roger Graf v. Seherr-Thoss. Arzt: I>r. Korbsch. 
Wartepersonal: 4 Borromäerinnen aus Trebnitz. 12 Betten. Verpflegungspreis: 0,40 31 
täglich. l s :>^ wurden 14 m.. 10 w. Kranke durchschnittlich 59 bezw. 50 Tage veri 

Dobrilugk. 1 481 Einw. (Kreis Luckai], Keg.-Bez. Frankfurt). 

Natur-Heilanstalt für chronische Krankheiten aller Art von Frau Emma Werner. Eröffnet 
1. März 1895. 3 Betten. 

Domnau. '2 013 Einw. (Kreis Friedland, Reg.-Bez. Königsberg). 

Städtische Krankenstube. 1S60 eröffnet. Arzt: Dr. Schrock. 2 Betten. 

Domslau. 873 Einw. (Landkreis Breslau, Reg.-Bez. Breslau). 

Kreis-Krankenhans (Scholz -Dortschi -Stiftung). 9. April 1893 von Witwe Scholz- 
Dortschi gestiftet. Vorstand: Landrath als Vorsitzender des Kreisausschusses. Arzt: 
Dr. Schüller. Warte personal: 4 Diakonissen aus Bethanien in Breslau und 1 Krankenwärter. 
50 Betten: 3S f. M., 12 f. Fr. Verpflegungspreis: unentgeltlich bis 3,oo 51 täglich. 1898 
wurden 427 (257 m., 170 w.) Kranke durchschnittlich 22 Tage verpflegt. 9 m.. 6 w. sind gestorben. 
Ausgaben 1S9S: 12 659,14 M. Einnahmen: 12 566.C2 M, darunter 7 615.fis 51 Verpflegungsgeld, 
1765,58 M Kapitalszinsen, 3 000 JI Zuschuss des Kreises, 100 31 Geschenken und 85,39 M aus 
sonstigen Quellen. 

Dormagen, 2 227 Einw. (Kreis Xeuss, Reg.-Bez. Düsseldorf). 

St. Augustinus - Kloster zur Krankenpflege. 1895 gestiftet von den barmherzigen 
Schwestern von der Regel des heil. Augustinus. Arzt: Dr. Klosterhalfen. 4 barmherzige 
Schwestern aus Neuss. 11 Betten. Verpflegungspreis: 3, 2 und 1,20 31 täglich. 1S9S 
wurden 17 m., S w. Kranke durchschnittlieh 249 Tage verpflegt. 1 w. gestorben. Ausgaben 1898: 
4 56S 31. Einnahmen : 5 245 31 Verpflegungsgeld. 

Dorsten, 4 234 Einw. (Kreis Recklinghausen, Reg.-Bez. Münster). 

Kranken-Pflegeanstalt zur heiligen Elisabeth. 1S53 gestiftet, die Anstalt hat Rechts- 
fähigkeit. Kuratorium von 5 Mitgliedern. Arzt: .... Wartepersonal: 9 Franziskanessen 
aus 3Iünster. 1S98 wurden 413 Kranke verpflegt. 

Dorstfeld, 6 407 Einw. (Landkreis Dortmund, Reg.-Bez. Arnsberg). 

Kaiser Wilhelm-Augusta-Stift. 11. Juni 1879 gestiftet. Eigenthümer: Gemeinde. 
Arzt: Dr. Liese. Wart .-personal: 3 Diakonissen aus Bethel b. Bielefeld. 32 Betten. Ver- 
pflegungspreis: 1,75 M täglich. 1898 wurden 157 m., 11 w. Kranke durchschnittlich 24 Tage 
verpflegt, 7 m. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 4 Altersschwache, 2 Sieche und Krüppel. 
Ausgaben 1898: 9 026,24 M. Einnahmen: 8 313,25 M Verpflegungsgeld und 1500 31 Zuschuss 
der Gemeinde. 

Dortmund, 111 232 Einw., 81 Aerzte, 9 Zahnärzte, 11 Apotheken (Stadtkreis, Reg.-Bez. 
Arnsberg). 

Wasserwerk. 1S72 in Betrieb gesetzt. Der Wasserkonsum im Jahre 1898 betrug 
17 133 554 cbm, d. h. auf den Kopf der Bevölkerung 230 1 täglich. — Städtischer Vieh- und 
Schlachthof mit Kühlhaus vorhanden. 1S97/98 Auftrieb 119 277 Thiere. geschlachtet wurden 
11 194 Stück Rindvieh, 31 769 Schweine, 11 666 Kälber. 3 313 Schafe, 255 Ziegen und 93S Pferde. 

— Kanalisation mit Rieselfeldern im Bau. — Aerztliche Leichenschau ist vorgeschrieben. 

— 2 Badeanstalten mit Schwimmbad (nördliche und südliche). Volks-Badeanstalt mit Brausen 
und Wannenbädern 1899 erbaut. 

Städtisches Krankenhaus ..Luisenhospital". Gegründet 1850. 1S75 Xeubau eröffnet. 
Die Bau- und Einrichtungskosten bis Ende 3Iärz 1898 betrugen 1358 365.42 31. Vorstand: 
Bürgermeister Arnecke. Behandelnde Aerzte: Sanitätsrath Dr. Gerstein für chirurgische, 
Dr. Brölemann für innere Krankheiten, Dr. Hallermann für Augenkrankheiten: Dr. Fabry 
für Hautkrankheiten. Dr. Hausberg für Ohren- und Kehlkopfkrankheiten. 2 Assistenz- 
und 2 Volontärärzte. Wartepersonal: 21 Diakonissen aus Kaiserswerth und 6 ausgebildete 



Dramburg— Drensteinfurt. — 128 — Königreich Preussen. 

Krankenwärter. 320 Betten in 3 Klassen: L Kl. 3. H. Kl. 16. HL Kl. 174 f. M., 127 f. Fr. 
Yerpflegungspreis: I. Kl. 7,50 M, II. Kl. 5— 2.T5 II. III. Kl. 2—1 II täglich. 1898 wurden 
3 S45 (2 756 m., 1 089 w.) Kranke durchschnittlich 25 bezw. 27 Tage verpflegt, 136 m., 67 w. 
sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 2 Männer zur Eeinigung von Ungeziefer. Ausgaben 189S: 
ordentliche 16S282M, ausserordentliche 1296 M. Einnahmen: 168 282 M, sie setzten sich zu- 
sammen aus 159 307 51 Verpflegungsgeld, 4 956 31 für verkaufte Produkte und 4 019 31 Zuschuss 
der Stadt. 

Städtisches Baraekenlazaret, für empidemische Krankheiten. 40 Betten. 

St. Johannes-Hospital (katholisches Krankenhaus). 1850 errichtet durch die Propstei- 
Gemeinde. Vorstand: Kuratorium. Leitende Aerzte: Innere Abtheilung: Dr. Blome, äussere 
Abtheilung: Dr. Asthoever. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 32 Vincentinerinnen aus 
Paderborn. 300 Betten. 1S9S wurden 3 141 (2 4S8 m., 653 w.) Kranke durchschnittlich 
25,3 Tage verpflegt, 103 m., 52 w. sind gestorben. 

Privat • Heilanstalt für Frauen von Dr. Morsbach. Juli 1S91 errichtet, 1899 neu 
eröffnet. Wartepersonal: 1 Schwester vom rothen Kreuz aus Kassel. 10 Betten. Ver- 
pflegungspreis: 9, 5 — 6 und 3 31 täglich. 

Privat - Heilanstalt für Frauen von Dr. Härtung. Wartepersonal: 2 Kranken- 
wärterinnen. 6 Betten. Verpflegungspreis: 8, 6 und 4 M täglich. 

Augen-Heilanstalt von Dr. Fischer. 18S9 eröffnet. 1 Assistenzarzt. 8 Betten. Ver- 
pflegungspreis: 6, 4 und 2 M täglich. 

Privat-Heilanstalt für Hals-, >"asen- und Ohrenkranke. Juni 1S97 von Dr. Hausberg 

eröffnet. 4 Betten. Verpflegungspreis: 7, 50 M täglich. 

Privat-HeUanstalt für Ohren-, Nasen- und Kehlkopf krankheiten von Dr. Hengesbach. 
1. Juni 1S9S eröffnet. 2 Betten. 

Kaiser Friedrich-Heim. Bekonvaleszenten-Heim für männliche Genesende 
(nicht für Lungenkranke). 1890 von der Stadt eröffnet. Verpflegungspreis: 1,50 M täglich. 
25 Betten. Es liegt im Hofe des im Pavillonstyle erbauten städtischen Waisenhauses. Anlage- 
kosten 10 000 M. Ausgaben: 4 700 31. 

„Duden-Stiftung". Wöchnerinnenheim unter städtischer Verwaltung. Geh. Kom- 
merzienrath Duden in Dortmund hat 1892 dazu 250 000 31 geschenkt. 15. Jan. 1894 eröffnet. 
Unterkunft für unbemittelte und ehrbare schwangere Ehefrauen. Auch werden in einem drei- 
monatlichen Kursus Wochenpflegerinnen gegen ein Honorar von 1 31 für den Tag aus- 
gebildet. Arzt: Dr. Clemens. 31 Betten, darunter 15 f. Kinder. Verpflegungspreis: 
I. Kl. 7,5 31, H. Kl. 2,75 31 f. Einheimische. 3, 50 31 f. Ausw., LH. Kl. 1,7 5 31 f. Einh., 
2,5 31 für Ausw. 189S wurden I. Kl. 3, H. KL 7 und HI. Kl. 246 verpflegt. Unterhaltungs- 
kosten 13 47ii 31. 

Evangelisches Bürgerhaus mit Hospiz. 1897/98 erbaut. 

Lutherhaus-Siftung mit Eeehtsfähigkeit. 1SS3 zur Feier des 400jährigen Geburtstages 
Dr. 31artin Luthers gestiftet. Diakonissenanstalt. 

St. Joseflnenstift. 1884 von dem Kommerzienrath H. Schlüchtermann begründet. 
Ambulante Krankenpflege. 

Dramburg, 5 769 Einw. (Kreis Dramburg, Reg-. -Bez. Köslin). 

Städtisches Krankenhaus. 1S55 eröffnet, am 1. Juli 1SS9 Neubau bezogen. Arzt: 
Kreisphysikus Sanitätsrath Dr. Massmann. 22 Betten. Verpflegungspreis: 0,fiu 31 täglich. 
1S98 wurden 59 m., 9 w. Kranke durchschnittlich 27 bezw. 43 Tage verpflegt, 4 m., 1 w. sind 
gestorben. 

Dreihonnschaften, S50 Einw. (Landkreis Essen, Eeg.-Bez. Düsseldorf). 
Sanatorium der Gemeinde. 

Drensteinfurt, 1 646 Einw. (Kreis Lüdinghausen, Keg.-Bez. Münster). 

St. Marien ■ Hospital. 1863 errichtet. Vorstand: Pfarrer Tülkenbeck. Arzt: 
Dr. Wietheyer. Wartepersonal: 5 Franziskanessen aus Münster. 32 Betten. 1898 wurden 
74 m., 49 w. Kranke durchschnittlich 53 bezw. 78 Tage verpflegt, 11 m., 6 w. sind gestorben. 



Königreich Preussen. — 129 — Driburg — Dülken. 

Driburg, 2 615 Einw. (Kreis Höxter, Reg.-Bez. Minden). 

Krankenhans Josephinuni. 1 St34 von Elizabeth Züngler gestiftet. Eigenthümer: 
Kathohsche Kirchengemeinde. Aerzte: Drs. Zengerling. Lünnemann, Voss. Wartepersonal: 
3 Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach. 39 Betten: I. Kl. je 2, II. Kl. 3 f. M., -1 f. Fr., 
111. Kl. je 4. IV. Kl. je 10 Betten. V. rpflegungspreis: 4, 3, 2, 1 bis 1,25 M täglich. 
- • wurden 32 m., 93 w. Kranke durchschnittlich 40,2 Tage verpflegt, 1 m. ist gestorben. 
Die Einnahmen 1S9S betrugen 11 65S M Verpflegungsgeld und 100 M Geschenken. 

Irren-Pflegeanstalt für weibliche Geisteskranke. 1S94 vom Sanitätsrath Dr. Riefen- 
stahl eröffnet. Arzt: Dr. Lünnemann. 2 Betten. 

Driesen, 5 896 Einw. (Kreis Friedeberg i./Neum., Reg. -Bez. Frankfurt). 

Städtisches Krankenhaus. 1. April 1859 eröffnet. Arzt: Dr. Wessel. 20 Betten. 
Verpflegungspreis: O.so bis 1,25 II täglich. 1S9S wurden 71 m., 17 w. Kranke durch- 
schnittlich 36 bezw. 65 Tage verpflegt, 5 m., 1 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 
1 Altersschwache und 4 zur Reinigung von Ungeziefer. Ausgaben und Einnahmen 1S98 be- 
trugen 3 316 M, letztere setzten sich zusammen aus 1 504 II Verpflegungsgeld, 1 007 M Zuschuss 
der Stadt und 805 M aus sonstigen Quellen. 

Drolshagen, 821 Einw. (Kreis Olpe, Reg.-Bez. Arnsberg). 

St. Gerhardus-Hospital. l. Mai 1895 gestiftet. Eigenthümer: Katholische Kirchen- 
gemeinde. Arzt: Dr. Müllern. Wartepersonal: 6 Franziskanerinnen aus Olpe. 45 Bett-n: 
17 f. M., 28 f. Fr. Verpflegangspreis: 1 M täglich. 1S9S wurden 18 m., 32 w. Kranke 
durchschnittlich 85 Tage verpflegt, 1 m., 1 w. sind gestorben. 

Drossen, 5 201 Einw. (Kreis West-Steraberg, Reg.-Bez. Frankfurt). 

Städtisches Krankenhans. 1869 von der Stadt errichtet. Arzt: Dr. v. Knoblauch. 
15 Betten. Verpflegungspreis: 0,6o M und 0,20 M Arzneikosten. 1S98 wurden 26 m., 
9 w. Kranke durchschnittlich 29 bezw. 48 Tage verpflegt, 1 m. ist gestorben. 

Duderstadt, 5 219 Einw. (Kreis Duderstadt, Reg.-Bez. Hildesheim). 

Hospital ad St. Marlinnm. Errichtet vor mehreren Jahrhunderten-, reorganisirt 1S65. 
Eigenthümer: Hospital ad St. Martinum. Vorstand: Magistrat bezw. Oberin Pia. Arzt: 
Krei<physikus, Sanitätsrath Dr. Strecker. Wartepersonal: 7 Vincentinerinnen aus Hildes- 
heim. 38 Betten. Verpflegungspreis: 3. l.so und 0,75 M täglich. 1898 wurden 31 m., 
24 w. Kranke durchschnittlich 69 bezw. 125 Tage verpflegt, 6 m., 7 w. sind gestorben. 
Ausserdem verpflegt: 4 Pfründner, 4 Altersschwache, 9 Sieche. Ausgaben 1898: 9 540 M. Die 
Kinnahmen betrugen 9 579 M und setzten sich zusammen aus 4 SOO M Verpflegungsgeld, 
1 407 M Kapitalszinsen, 1 200 M Legaten, Geschenken und Kollekten und 2 172 M aus sonstigen 
Quellen. 

Dudweiler, 13 469 Einw. (Kreis Saarbrücken, Reg.-Bez. Trier). 

Krankenanstalt der Genossenschaft vom neiligen Geist. Krankenpflege verbunden 
mit Waisen- und Annenversorgungsanstalt. 1899 eröffnet. 22 Betten. 

Dülken, 8 404 Einw. (Kreis Kempen i. Rhld., Reg.-Bez. Düsseldorf). 

Wasserleitung seit 1890. 

St. CorneUus • Hospital. 1856 vom katholischen Pfarrer Cornelius Nolden und 
Geh. Kommerzienrath Bücklers gestiftet, besitzt Rechtsfähigkeit. Arzt: Dr. Hoogen. 
Wartepersonal: 16 Klemensschwestern aus Münster. 100 Betten. Verpflegungspreis: 
3, 2 und 1 M täglich. 1898 wurden 1S6 m., 139 w. Kranke durchschnittlich 4S,6 Tage verpflegt, 
20 m., 22 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 22 Altersschwache, Sieche und Krüppel 
und 20 m., 14 w. an Krätze Leidende. Ausgaben 1898: 30 200 M. Die Einnahmen betrugen 
34 022 M: 32022 M Verpflegungsgeld und 2 000 M aus sonstigen Quellen. 

Kaiser Wilhelm -Haus. Erweiterungsbau des St. Cornelius -Hospitals am 1. Okt. 1S92 
eröffnet. 

Guttstadt, Krankenhaus-Lexikon für das Deutsche Reich. 9 



Dülmen— Düsseldorf. — 130 — Königreich Preussen. 

Dülmen, 5 528 Einw. (Kreis Koesfeld, Heg. -Bez. Münster). 

Franzhospital. 1848 ans milden Gaben gestiftet. Die Anstalt hat Rechtsfähigkeit. 
Torstand: Kuratorium von 6 Herren. Freie Arztwahl. Wartepersonal: 11 Klemens- 
schwestern aus Münster. 70 Betten. Verpflegungspreis: 4— .i M, 1.-—:; M, 0,75 — 1 M 
täglich, hiesige Arme frei. 1898 wurden 153 m.. 105 w. Kranke durchschnittlich 25 Tage 
verpflegt, 19 m., 9 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 71 Krätzkranke. Ausgaben 1898: 
ordentliche 9 000 M, ausserordentliche 4 000 M. Die Einnahmen betrugen 14 500 M und 
setzten sich zusammen aus 5 1 K 10 M Verpffegungsgeld, 2 800 M Kapitalszinsen und 6 700 M 
Legaten, Geschenken und Kollekten. 

Dünnwald, 1 168 Einw. (Gemeinde Merheim, Kreis Mülheim a. Eh., Eeg.-Bez. Köln). 
Genesungsheim. 1S98 errichtet. 6 Vincentinerinnen aus Köln-Xippes. 22 Betten. 

Düren, 24 531 Einw. (Kreis Düren, Eeg.-Bez. Aachen). 

Städtischer Schlachthof ohne Freibank vorhanden. Volksbadehaus 1892 von Hoesch 
gestiftet, Schwimmanstalt in der Roer. 

Städtisches Hospital. 1864 errichtet. 1899 Neubau. Aerzte: Geh. Sanitätsrath 
Dr. Johnen für die innere, Dr. Schreff für die chirurgische Abtheilung. "Wartepersonal: 
22 Elisabethinerinnen aus Aachen, 1 ausgebildeter Krankenwärter. 107 Betten, darunter 24 
für Kinder. Verpflegungspreis in 3 Klassen für Einheimische: 4. 2,50 und l,so M, für 
Auswärtige: 5,50, 3,5u und 2 M täglich. 1898 wurden 869 (540 m., 329 w.) Kranke durch- 
schnittlich 30 bezw. 41 Tage verpflegt, 43 m., 41 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 
21 Altersschwache. 

Privat-Augenklinik von Dr. van den Bosch. 1896 eröffnet. 2 Betten. Verpflegungs- 
preis: 2 bis 10 M täglich. 

Provinzial- Irrenanstalt. 1. Mai 1878 von der Provinzialverwaltung der Rheinprovinz 
errichtet. Vorstand und leitender Arzt: Direktor Dr. Fabricius. 5 Assistenzärzte. Warte- 
personal: 39 m., 39 w. Krankenwärter. Verwaltungspersonal: 10 m., 8 w. 550 Betten. 
Verpflegungspreis: 8, 4. 2,50 l,5o M für Pensionäre. 1,35 M für Armenverbände. 1898 
wurden 832 (385 m.. 447 w.| Kranke durchschnittlich 269 bezw. 337 Tage verpflegt, 22 m., 27 w. 
sind gestorben. Ausgaben 1898: ordentliche 344456,99 M. ausserordentliche 19 786,39 M. Die 
Einnahmen betrugen 364 243.3 i M und setzten sich zusammen aus 319 782.-; M Verpflegungs- 
geld, 19 239,0 2 M für verkaufte Produkte. 22 234 31 Zuschuss der Provinz, 723,16 M Legaten und 
2 264,3 e M aus sonstigen Quellen. 

Städtische Altersversorgungsanstalt. 60 Pfleglinge. 2 Elisabethinerinnen. Ausgaben 
und Einnahmen 1898 für beide städtische Anstalten betrugen _' 333, S4 M. letztere setzten sich 
zusammen aus 18 000 AI Verpflegungsgeld. M Kapitalszinsen. 26 390,75 M Zuschüssen 

der Stadt und 7 349,3 i M aus sonstigen Quellen. 

Rheinische Provinzial-Blindenanstalt. Zur Erinnerung an die Anwesenheit des Königs- 
paares Friedrich Wilhelm IV. und Elisabeth im Jahre 1S42 in der Rheinprovinz auf 
Anregung des Geheimen Kommerzienrathes Dierjrardt in Viersen begründet und am 2:;. Nov. 
1845 eröffnet. Seit lb62 Provinzialanstalt. Anfangs in einem früheren Jesuitenkloster, seit 
1876 im eigenen Gebäude. Ressort des Landarmen- und Korrigendenwesens sowie der Staats- 
nebenfonds. Reglement vom 25. Aug. 1^73: im Anschlüsse daran sind vom 9. Jan. 1877 Be- 
stimmungen für die mit dem 1. Febr. 1877 ins Leben getretene Arbeiterabtheilung ergangen 
(Köln. A.-Bl. 1877 S. 18). Vorstand: Direktor W. Mecker. Anstaltsarzt: Sanitätsrath 
inen. 6 Klassen. 1S6 Zöglinge. Pensionsgeld: 400 M: die meisten Zöglinge un- 
entgeltlich. 

Annaheim. Blindenasyl. Stiftung der Eheleute Kommerzienrath Philipp Schöller 
in Düren. 12. Aug. 1899 eröffnet. Augenklinik damit verbunden. 60 — 100 Plätze für alters- 
schwache und mittellose Bünde. Eigenthümer: Verein zur Fürsorge für die entlassenen 
Bünden der Eheinprovinz. Vorsitzender: Landesrath Klausener. 

Düsseldorf, i'OOOOO Einw, 158 Aerzte, 12 Zahnärzte, 71 Hebammen, 18 Apotheken 

(Stadtkreis, Eeg.-Bez. Düsseldorf). 

Am 1. Mai 1870 Eröffnung des städtischen Wasserwerks mit 1 Pumpwerk, dem 1S75 
ein zweit'-. 1885 ein drittes folgte, die aus im Ganzen 12 Brunnen Grundwasser mit natürücher 
Filtration Uefern. Pumpwerk I hat zwei üegende einzyündrisehe Maschinen, System Corüss. 
mit direkt betriebenen, üegenden, doppelt wirkenden Kolbenpumpen. Pumpwerk H hat zwei 
üegende einzylindrische Maschinen, SysUm Sulaer, die je «in* stehende Hebepumpe, System 



Königreich Preussen. — 131 — Düsseldorf. 

Rittinger. und eine doppelt wirkende Druckpumpe betreiben. Pumpwerk DI hat zwei liegende zwei- 
zylindrische Maschinen mit Ventilstellung; jede betreibt zwei Plungerpumpen. Förderung von 
Pumpwerk 1 :'.>'.T cbm, von EI 384 cbm. von III 1 119 cbm in der Stunde. Leitung theils direkt 
in die Wohnungen, theils in regulirend wirkende Hochbehälter. Gesammtlänge des Rohrnetze? 
171,s km. Gesammtleistung 6 169 321 cbm im Jahre, durchschnittliche Abgabe für den Kopf 
in 24 Stunden 92 1. Gesammtanlagekosten 3423000 M. 

Städtische! Vieh- und Schlachthof ohne Freibank. Bau begonnen 1895, dem Ver- 
kehr übergeben Anfang 1S99. Grösse des Grundstückes 9,4 o ha. Zunächst berechnet für 
250000 Einwohner, kann ausgedehnt werden auf 500 000. Jetzige Anlage für 24^ Stuck Gross- 
vieh. 4ni Kälber. 502 Schafe. 534 Schweine bestimmt. 5 Gruppen von Gebäuden: Viehmarkt, 
eigentlicher Schlachthof. Pferdeschlachthof, Sanitätsanstalt, Verwaltungs-, Wirthsehafts- und 
Wohngebäude. Der eigentliche Schlachthof enthält: Grossviehschlachthalle, Kleinviehschlacbt- 
halle. Grossviehställe, Kuttelei, Düngerhaus, Kühlhaus nebst Vorkühlraum. Apparatenraum. Eis- 
fabrik. Maschinen- und Kesselhaus, Trichinenschauamt, Freibank. Gesammtkosten 3 300 000 M. 
--_ Beginn des Baues einer einheitlichen, dem Rhein zuführenden Kanalanlage. 
Dieselbe zerfallt in zwei unausgebaute, für zukünftige Erweiterung der Stadt berechnete und in 
zwei vollendete selbständige, nach Bedarf in Kommunikation zu setzende Entwässerungssysteme. 

re zerfallen in mehrere mit Regenauslasskanälen versehene Sammelgebiete mit Vor- 
richtung für periodische Durchspülung, im Ganzen etwa 109 I0Ü lautende m Strassenleitnng. 
Kosten: 6000000 M. — Beseitigung der Fäkalien durch Grubensystem mit pneumatischer 
Abfuhr, jedoch Anschluss einiger öffentlicher und etwa 100 Privathäuser an die Kanalisation 
vorgesehen. — Kehricht und Müll wird täglich in geschlossenen Abfuhrwagen abgeführt. 

Desinfektionsanstalt vorhanden, 1894 unter Aufgabe der 1885 errichteten städtischen 
Desinfektionsanstalt durch Vertrag einer der Firma Weyergans gehörenden Anstalt übertragen, die 4 
nach Tilger'sehem System konstruirte Apparate mit strömendem Wasserdampf besitzt. 2 stationäre 
mit je 5 Vi nnd 6'/2 cbm, 1 fahrbarer mit 7' 2 cbm Rauminhalt, 1 kleiner für kleinere Objekte. 
Die Anstalt bedeckt einen Raum von 400 qm. Geprüfte Desinfektoren für Zimmerdesinfektion 
werden gestellt. 

Oeffent liehe Badeanstalten: Einige private Badeanstalten im Rhein, von denen 
eine als Militärschwimmanstalt gepachtet ist. Im Zentrum der Stadt städtische Schwimm- und 
Badeanstalt 1SS7/8S mit einem Kostenaufwande von 502 000 M erbaut, durchschnittlich jährlich 
von 315 944 Personen benutzt, enthält Schwimmhallen für beide Geschlechter, Wannenbäder, 
römisch-irisches und russisches Dampfbad. Etwa 180000 cbm Wasser für Douchen und Brausen 
liefert die städtische Wasserleitung, für den übrigen Bedarf ein besonderer Brunnen. Im Osten 
der Stadt Brausebad, 1895 für 61 000 M erbaut, jährlich ven etwa 63 200 Personen benutzt. 

Bau-Polizei-Ordnung vom 1. März 139S. 

Garnisonlazaret. 1876—1880 erbaut und am 11. Juni 1880 bezogen. Es liegt im Süden 
der Stadt, an der Färberstrasse, in der Xähe des Bahnhofes Düsseldorf-Bilk. Eigenthümer: 
Reichs- (Militär-i Fiskus. Vorstand: Generaloberarzt Dr. Siemon. Wartepersonal: 10 aus- 
gebildete Militärkrankenwärter. 150 Betten, lsy» wurden 1 040 Kranke durchschnittlich 25 Tage 
verpflegt, 6 sind gestorben. — Gasbeleuchtung. Ventilationssystem: Luftschächte in 
Verbindung mit der Heizung, Schieber in den Thüren, Kippflügel in den Fenstern. Desin- 
fektiunsapparat von Gebrüder Schmidt in Weimar für die gesammte Garnison. Wasser- 
versorgung: Anschluss an die städtische Wasserleitung. Latrinen: Tonnensystem (im 
Keller aufgestellte eiserne Kothkasten. System Wernek- Fulda). Beseitigung der Abfallstoffe: 
Dachabwässer und Kochküche sind an die Kanalisation angeschlossen, Dejektionen werden 
pneumatisch abgesogen. 

Königl. Gefängniss (Arresthaus für 480 Männer) Eigenthümer: Fiskus 1 Ministeriuni 
des Innern). Hafträume: 14 Einzelzellen. 21 gemeinsame Schlafräume von 1 075 qm Gesammt- 
grösse. 40 gemeinsame Arbeitsräume von 1 584 qm Gesammtgrösse. Arzt: Dr. Flatten. Stadt- 
physikus. Krankenräume: 6, von 104 qm Gesammtgrösse. Krankenzahl 1S98: 344. 

Königl. Gefängniss (Derendorf). 1893 neu eröffnet. 492 Männer, 102 Weiber. Haft- 
ränme: 590 Isolirzellen. Arzt: Kreisphysikus Sanitäts-Rath Dr. Kimpen. Krankenräume: 9, 
von 167 qm Gesammtgrösse. Krankenzahl: 61 m., 13 w. 

Städtisches Barackenkrankenhaus (Eisenstrasse 18). 1. August 1896 eröffnet. Arzt: 
Dr. Stern. Wartepersonal: 8 Augustinerinnen aus Köln. 85 Betten: 45 f. M.. 4») f. Fr. 
Verpflegungspreis: 2 M täglich. 1898 wurden 979 (522 m., 454 w.) Kranke durchschnittlich 
22,1 Tage verpflegt, 17 m., 16 w. sind gestorben. 

Evangelisches Krankenhans. Im Oktober 1849 von Mitgliedern der evangelischen 
Gemeinde errichtet: selbständige, mit der evangelischen Gemeinde innig verbundene Anstalt. 
die seit 26. Man 1877 Rechtsfähigkeit besitzt. Vorstand: Kuratorium. Leitender Arzt: 

9* 



Düsseldorf. — 132 — Königreich Prenssen. 

Dr. Schultze. 2 Assistenzärzte und 2 Spezialärzte. Wartepersonal: 18 Diakonissen aus 
Kaiserswerth und 4 Krankenwärter. 223 Betten in 4 Klassen. Verpflegungspreis: 8, 5, 
3, 2 M täglich. 1898 wurden 1 683 (1 043 m., 640 w.) Kranke durchschnittlich 38,7 Tage ver- 
pflegt (einschliesslich 4 m., 21 w. Altersschwache, Sieche und Pfründner), 62 m., 47 w. sind 
gestorben. Ausgaben 1898: ordentliche 162 321 M, ausserordentliche 94S83M. Die Einnahmen 
betrugen 238813 M und setzten sich zusammen aus 146717 M Verpflegungsgeld, 5 110 M Kapitals- 
zinsen, 67 228 M Legaten, Geschenken und Kollekten und 19 758 M aus sonstigen Quellen. 

Hospital der Töchter vom heil. Kreuz. Die Anstalt ist durch Kabinetsordre vom 
26. Sept. 1859 in den Besitz der Töchter vom heil. Kreuz eingewiesen worden. Die Anstalt 
besitzt Rechtsfähigkeit. Leitender Arzt: Sanitäts-Rath Dr. v. Kühlwetter. 1 Assistenzarzt. 
Wartepersonal: 2 barmherzige Brüder, 18 Töchter vom heil. Kreuz aus Lüttich (Belgien). 
131 Betten in 3 Klassen. Verpflegungspreis: 6, 4 und 3, 2M täglich. 1898 wurden 605 m., 
497 w. Kranke durchschnittlich 24 Tage verpflegt, 29 m., 32 w. sind gestorben. Ausserdem ver- 
pflegt: 2 w. Personen zur Reinigung von Ungeziefer und 53 m., 17 w. an Krätze Leidende. 

Marien - Hospital. 1S6S durch einen Verein gegründet. Die Anstalt besitzt Rechts- 
fähigkeit seit 2. Okt. 1870. Aerzte: Oberarzt Sanitäts-Rath Dr. Sträter und Sekundärarzt 
Dr. Peters. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 41 Franziskanerinnen aus Aachen, 4 Kranken- 
wärter. 3S0 Betten: 230 f. M., 150 f. Fr. (57 f. Kinder), in 4 Klassen. Verpflegungspreis: 
8, 6, 3 und 2,so, 2 M täglich. 189S wurden 2 955 (2 005 m., 950 w.) Kranke durchschnittlich 
34 Tage verpflegt, 140 m., 89 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 19 Pfründner, 4 Alters- 
schwache, 1 Sieche. Ausgaben 1898: 202 897 M. Die Einnahmen betrugen 228 479 M und 
setzten sich zusammen aus 179 726 M Verpflegungsgeld, 883 M an verkauften Produkten, 
34 620 M Kapitalszinsen und Pacht, 10 250 M Legaten, Geschenken, Kollekten und Stiftungen 
und 3 000 M aus sonstigen Quellen. 

Frauenklinik St. Vincenzhaus (Derendorf). 1. Okt. 1896 durch die Schwestern vom 
heil. Vincenz und Dr. Hertens errichtet. Wartepersonal: 4 Vincentinerinnen aus Köln- 
Nippes. 18 Betten. Verpflegungspreis: 8, 5, 3, 2 M täglich. 1898 wurden 145 Kranke 
durchschnittlich 23 Tage verpflegt, 12 sind gestorben. Ausgaben 1898: 8 228 M. Die Ein- 
nahmen betrugen S427 M und setzten sich zusammen aus 8 327 M Verpflegungsgeld und 100 M 
Zuschuss der Gemeinde. 

St. Josephshaus. Allgemeine Privat- Heilanstalt (Oberbilk). 1. Januar 1898 eröffnet. 
Eigenthümer und Arzt: Dr. Fischer. Wartepersonal: 7 Vincentinerinnen aus Köln-Nippes. 
30 Betten in 3 Klassen. Verpflegungspreis: 4, 3 und 2 M täglich. 1899 wurden 281 m., 
53 w. Kranke durchschnittlich 27 Tage verpflegt, 14 sind gestorben. 

Privatheilanstalt für Frauenkrankheiten von Dr. Wanner. 15. Jan. 1898 eröffnet. 

Privatklinik für Frauenkrankheiten von Dr. Becker. 5 Betten. Verpflegungs- 
preis: 4 — 8 M täglich. 

Frauenheilanstalt von Dr. v. Guerard. 1. Sept. 1896 eröffnet. 7 Betten. 

Orthopädische Heilanstalt von Dr. Bonnenberg. 10. März 1896 eröffnet. 4 Betten. 

Mechano-therapeutisches Institut von Dr. Schulze. 7. Sept. 1896 eröffnet. 22 Betten. 

Departeniental- Irren -Pflegeanstalt. 23. Nov. 1826 eröffnet. Seit 1S63 öffentliche 
Wohlthätigkeitsanstalt, zunächst für den Regierungsbezirk Düsseldorf, besitzt Bechtsfälügkeit. 
Neubau 1892. Kuratorium der Anstalt: Oberbürgermeister a. D. Hammers. Leitender Arzt: 
Dr. Neuhaus. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 16 m., 12 w. ausgebildete Krankenwärter. 
600 Betten. Verpflegungspreis: Gemeindekranke 1 M, Privatkranke 1,25 M täglich. 1S98 
wurden 315 in.. 282 w. Geisteskranke durchschnittlich 285 bezw. 255 Tage verpflegt, 2S m., 
23 w. sind gestorben. Ausgaben 1S98: 193 436 M. Die Einnahmen betrugen 208 979 M und 
setzten sich zusammen aus 200 091 M Verpflegungsgeld, 124 M Kapitalszinsen und 8 764 M aus 
sonstigen Quellen. 

Wöchnerinnen-Asyl zur Aufnahme bedürftiger Wöchnerinnen (Ehefrauen). 1. April 1882 
von dem Verein „Wöchnerinnen-Asyl" gegründet, welcher Eigenthümer des Asyls ist und 
Rechtsfähigkeit besitzt. Arzt: Sanitätsrath Dr. Hucklenbroich. 1 Assistenzarzt. Warte- 
personal: 1 geprüfte Hebamme und 2 Wärterinnen zur Ausbildung. 16 Betten. Verpflegung 
unentgeltlich oder 2 M täglich. 1898 wurden 242 Wöchnerinnen verpflegt. Ausserdem ver- 
pflegt,: 8 Warteschülerinnen. Ausgaben 1898: ordentliche 10 483 M, ausserordentliche 1 270 M. 
Die Einnahmen betrugen 11 723 M und setzten sich zusammen aus 952 M Verpflegungsgeld 
der Warteschülerinnen, 1 3m' M Kapitalszinsen, 3 000 M Zuschuss der Stadt und 6 389 M Legaten, 
Geschenken und Kollekten. — Die Anstalt ist in einem für den Preis von 60 000 M erworbenen 
früheren Privathause errichtet. 

Kinderheim ( Fürsten wallstr. 186 a). 

Städtisches Pflegehaus. Ausser dem in der Neusserstrasse gelegenen Hause ist im 
Jahre 1883 die ehemalige Augeuheilunstalt in der Ratingerstrass» dem Kuratorium zur Ein- 



Königreich Preussen. — 133 — Duisburg — Eberbach. 

richtung eines zweiten Pflegehaases und einer Anstalt für verlassene Kinder überwiesen worden. 
370 Pfleglinge. 

St. Hubertusstift. Pfründnerhaas zur Unterstützung katholischer alter Personen weib- 
liehen Geschlechtes. Früher war ein Theil des Gebäudes als Hospital für Krankenpflege der 
Stadt überlassen. Nach Errichtung des Marienhospitals ist diese Einrichtung im Jahre 1874 
aufgehoben. 30 Betten. Arzt: Dr. Bonnekamp. 

»ues städtisches Pflegehaus (Himrnelgeisterstr. 152). Leitender Arzt: Sanitätsrath 
Dr. Hucklenbroich. Wartepersonal: 36 Franziskanerinnen aus Aachen. 700 Betten. 

Duisburg, 70 272 Einw., 43 Aerzte, 4 Zahnärzte, 7 Apotheken, 31 Hebammen (Stadt- 
kreis, Reg.-Bez. Düsseldorf). 

Wasserleitung versieht auch die Stadt Ruhrort, lieferte im Jahre 1S97/9S: 4 761 516 cbm 
Wasser. — Städtischer Schlachthof mit Kühlhaus und Freibank vorhanden. — Kanalisation. 
— Aerztliche Leichenschau eingeführt. — Städtische Badeanstalten: Badeanstalt an der 
Heerstrasse, Bade- und Schwimmanstalt 189S eröffnet. 3 Volksbrausebäder. 

Diakonen-Krankenhaus (Mutterhaus). 1S44 wurde das Krankenhaus von der Direktion 
der Diakonenanstalt gegründet, und 1847 eröffnet. Erweiterungsbau 1S94 mit 160 Betten. Seit 
1S87 Franenabtheilung mit 25 Betten. Eigenthümer: Die Diakonenanstalt mit Rechtsfähigkeit. 
Behandelnde Aerzte: Drs. Cossmann, Lenzmann. Spezialärzte : Drs. Köhne, Müller, Reinhard 
und Schmitz. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 14 Diakone und 9 Schwestern vom Diakonie- 
Verein. 241 Betten: I. Kl. 4 f. M., 2 f. Fr., H. Kl. 8 f. M., 7 f. Fr., ID. Kl. 140 f. M., 80 f. Fr., 
darunter 28 f. Kinder. Verpflegungspreis: 6 und 5 M, 4r — 2,50 M, 1,50 M täglich. 1898 wurden 
1 162 in., 46S w. Kranke durchschnittlich 25,8 Tage verpflegt, einschliesslich 114 m., 37 w. an 
Krätze Leidende. 62 m., 31 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 32 Altersschwache, Pfründner, 
Sieche und 1 Mann. 1 Fr. zur Reinigung von Ungeziefer. Einnahmen 189S: 77 700 M. darunter 
74 300 M Verpflegungsgeld, 2 000 M Zuschuss der Stadt und 1 400 M Legaten, Geschenken 
und Kollekten. 

Epidemienhaus (Grunwald). 1893 eröffnet. 50 Betten. 

St. Tineenz-Hospital. 1859 errichtet. Erweiterungsbau 15. März 1897 eröffnet. Eigen- 
thümer: Kirchenvorstand der St. Josephs-Gemeinde. Leitender Arzt: Sanitätsrath Dr. Roensberg. 
125 Betten. Wartepersonal: 33 Klemensschwestern aus Münster. 1898 wurden 2 371 Kranke 
verpflegt. 

St. Marien-Hospital. 22. Mai 1893 eröffnet. Eigenthümer: Katholische Kirchen- 
gemeinde. Arzt: Dr. Fischer. 85 Betten: 45 f. M., 40 f. Fr. 

Yersorgnngshaus. 26. Okt. 1866 eröffnet. Wartepersonal: 1 Diakonissin ans 
Kaiserswerth. 

Dyhernfurth, 1 463 Einw. (Kreis Wohlau, Reg.-Bez. Breslau). 

Kranken- und Siechenhaus. 1860 errichtet. 20 Betten. Wartepersonal: 40 Borro- 
mäerinnen aus Trebnitz. Auch für ambulante Krankenpflege. 189S wurden 94 Kranke verpflegt. 

Dziekanka, 498 Einw. (Kreis Gnesen, Reg.-Bez. Bi-omberg). 

Posensche Provinzial-Irrenanstalt. Gestiftet durch den Provinzial-Verband und am 
20. Okt. 1894 eröffnet. Baukosten etwa 3 Millionen M. Vorstand: Direktor Dr. Kayser. 
3 Assistenzärzte. Wartepersonal: 37 m., 42 w. ausgebildete und andere Krankenwärter. 
Verwaltungspersonal: 21 M., 13 Fr. 640 Betten. Verpflegungspreis: 3,53 — 4,93 M, 
1,64 — 1,92 M, 0,68 bezw. 0,82 bezw. 0,99 M täglich. 1S98 wurden 333 m., 366 w. Geisteskranke 
durchschnittlich 271 Tage verpflegt, 21 m., IS w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898: 
222 091 M, letztere setzten sich zusammen aus 135 339 M Verpflegungsgeld, 627 M an verkauften 
Produkten, 71 601 M Zuschuss der Provinz und 14 524 aus sonstigen Quellen. 

Eberbach, Gemeinde Hattenheim mit 1 252 Einw. (Rheingaukreis, Reg.-Bez. Wiesbaden). 

Lazaret des Königl. Strafgefängnisses. Eröffnet am 1. April 1878. Die Anstalt ist 
ein ehemaliges Kloster, eingerichtet für 307 Gefangene, 265 Männer, 42 Frauen mit 15 Isolir- 
zellen. Amtsgerichtsbezirk Rüdesheim. Eigenthümer: Justiz-Fiskus. Arzt: Dr. Bothe. 
16 Betten f. Kranke. 1899 wurden 114 m. und 3 w. Kranke durchschnittlich 12 bezw. 16 Tage 
verpflegt. 



Ebernach — Eckenhagen. — 134 — Königreich Preussen. 

Ebernach, Gemeinde Sehl mit 815 Einw. (Kreis Kochern, Keg.-Bez. Koblenz). 

Irrenpflege-Anstalt der Franziskanerbriider (für Männer). Am 10. Okt. 1889 von 
Lorenz Kroll gen. Br. Joseph zu St. Josephshaus, Kreis Neuwied, errichtet. Eigenthümer: 
Bheinprovinz (verfällt später dem Orden). Leitender Arzt: Kreisphysikus Dr. Thiele zu Kochern. 
1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 47 barmherzige Brüder aus dem Franziskanerkloster 
St. Josephshaus bei Waldbreitbach, Kreis Neuwied. 312 Betten. Verpflegungspreis: 
2,50 M und 1,25 M täglich. 1899 wurden 330 Kranke durchschnittlich 328 Tage verpflegt, 17 sind 
gestorben. Einnahmen 1899 : 135 422 M Verpflegungsgeld. 



Eberswalde, 18 288 Einw. (Kreis Oberbarnim, Reg.-Bez. Potsdam). 

Zentrale Wasserleitung seit 1899. — Kanalisation geplant. — Städtischer 
Schlachthof vorhanden. 

Städtisches Krankenhaus. Arzt: Dr. Bräutigam. Wartepersonal: 1 Diakon aus Duis- 
burg. 1 Krankenwärterin. 42 Betten: 32 f. M., 10 f. Er. Verpflegungspreis: 3,2. l.soM 
täglich. 1898 wurden 175 m., 27 w. Kranke durchschnittlich 27 Tage verpflegt. 9 in.. 1 w. 
sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898: 12 064.4 oM, letztere 8022,05 M Verpflegungs- 
geld, 5 M Kapitalszinsen, 3869,35 M Zuschuss der Gemeinde und 168 M aus sonstigen Quellen. 

Angnste Victoria-Heim. 1. Okt. 1895 vom Verbände der Vaterländischen Frauenvereine 
der Provinz Brandenburg im Anschlüsse an ein Mutterhaus zur Ausbildung von Kranken- 
pflegerinnen eröffnet. Isolirbaracke für ansteckende Kranke, wie auch Desinfektionseiurichtung 
in einem besonderen Gebäude. Arzt: Dr. Heidemann. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 
12 Schwestern. — Station für Lungenkranke. 

Jonasstift, Siechenhans. 1881 eröffnet. Wartepersonal: 2 Diakonissen aus dem 
Lazarus-Diakonissenhause Berlin. 1898 wurden 98 Frauen verpflegt. 

> T atur-HeHanstalt „Landhans". Arzt: Dr. Reinhardt. Remele's Sanatorium „Drachen- 
kopf". 14 Betten. Verpflegungspreis: 7 M, 6 M, 4 und 2,50 M. 1899 wurden 120 (85 m., 

35 w.) Kranke durchschnittlich 27 Tage verpflegt. 1 ist gestorben. 

Brandenbnrgische Land-Irrenanstalt. 1863 durch den Kommunal-Landtag der Kurmark 
gegründet. 1865 eröffnet. Eigenthümer: Provinzialverband von Brandenburg. Direktor 
und Chefarzt Dr. Zinn. 5 Assistenzärzte. Wartepersonal: fi7 m.. 55 w. ausgebildete 
Krankenwärter, einschliesslich 2 Oberwärter und 2 Oberwärterinnen. Verwaltungspersonal: 
21 m.. 17 w. 720 Betten: I. Kl. je 15, H. Kl. je 30. HJ. Kl. je 35, Fv T . Kl. je 280. Ver- 
pflegungspreis für Einheimische: 3,33, 2.so, 2 und l.so M, für Auswärtige: 4,44, 3,33, 2,66 
und 2 M täglich. 1898 wurden 478 m., 427 w. Kranke durchschnittlich 276 Tage verpflegt, 

36 in.. 28 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 431 955,55 M. letztere 
setzten sich zusammen aus 151595,9" M Verpflegungsgeld. 32 971,33 M für verkaufte Produkte 
und 247 388,25 M Zuschuss der Provinz. 



Eckardroth, 417 Einw. (Kreis Schlüchtern, Reg.-Bez. Kassel). 

Hospital, 18S4 errichtet. Wartepersonal: 4 Vincentinerinnen aus Fulda. 10 Betten. 
1S98 wurden 12 Personen verpflegt. 

Eckenhagen, 4 358 Einw. (Kreis Waldbroel, Reg.-Bez. Köln). 

Evangelisches Krankenhans. l.">. Juli 1S94 eröffnet. Eigenthümer: Eingetragene 
Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Arzt: Dr. Sontag. Wartepersonal: 2 Schwestern. 
20 Betten. Verpflegnngspreis: l,so bis 2,so, 0,so bis 1,50 M täglich. 1898 wurden 13 m., 
11 w. Kranke durchschnittlich 19 Tage verpflegt. 2 m., 2 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 
7 Altersschwache und 13 Kinder. Die Einnahmen 1S98 betrugen 6 614.S6 M und setzten sich 
zusammen aus 2 292.55 M Verpflegungsgeld und 4 322.31 M Legaten. Geschenken und Kollekten. 

Katholisches Krankenhans St. Joseph. 1885 vom Pfarrer Wimmer gestiftet. Eigen- 
thümer: Katholische Pfarrkirche. Arzt: Dr. Sontag. Wartepersonal: 2 Franziskanerinnen 
aus Olpe. ]S Betten. Verpflegungspreis: 1 31 täglich. 1898 wurden 5 m., 7 w. Kranke 
durchschnittlich 20.").; Tag.- verpflegt, 3 w. sind gestorben. Die Einnahmen 1898 betrugen 
2 998,03 M und setzten sich zusammen ans 2 578,70 M Verpflegungsgeld und 419,33 M Legaten, 
Geschenken und Kollekten. 



Königreich Prenssen. — 135 — Eckerberg— Ehrenbreitste in. 

Eckerberg bei Grünhof, 152 Einw. (Kreis Eaudow, Reg.-Bez. Stettin). 

Ernst Moritz Arndt -Stiftung für Sieche und unheilbare Frauen und Kinder: errichtet 
14. Sept. 1890. Eigenthümer: Komnierzieurath Quistorp in Stettin. Arzt: Dr. Marcus. 
Wartepersonal: 7 Diakonissen aus dem Mutterhause Bethanien zu Stettin. 1 ausgebildeter 
Kranki nwärter und 4 Wärterinnen. 56 Betten (16 f. M.. 40 f. Fr.) Verpflesungspreis: 
8— 10 M, 4 und 1,50 M täglich. Verpflegte Kranke 1898: 171 (41m., 130 w.). Ausserdem wurden 
G Sieche und Krüppel verpflegt. Ausgaben und Einnahmen 189S betrugen SO 000 M, letztere 
Verpflegungsgeld. 

Eckerkrug. Gemeinde Stapelburg mit 781 Einw. (Kreis Wernigerode, Reg.-Bez. Magdeburg). 
Krankenanstalt ,,Jungborn". Eigenthümer: Just. 1S99 errichtet. 55 Betten. 

Eckernförde, G 378 Einw. (Kreis Eckernförde, Reg. -Bez. Schleswig). 

Krankenhans des vaterländischen Franenrereins. 22. Nov. 1872 vom vaterländischen 
Frauenzweigverein erriehtet. Arzt: Kreisphysikus Sanitätsrath Dr. Wolff. Freie Arztwahl. 
Wartepersonal: 3 Diakonissen aus Flensburg. 31 Betten, darunter 4 für Kinder. Ver- 
pflegungspreis: 1,ro M. Kinder 1,20 M täglich. 1S98 wurden 191 (108 m., 83 w.) Kranke 
durchschnittlich 15 Tage verpflegt, 5 m., 7 w. sind gestorben. Ausgaben 189S: ordentliche 
5 557 M, ausserordentliche 4 705 M. Die Einnahmen betrugen 7 820 M und setzten sich zu- 
sammen aus 5 849 M Verpflegungsgeld, 397 M Kapitalszinsen, 1 200 M ans der Sparkasse, 
274 M Geschenken und 100 M aus sonstigen Quellen. 

Egeln, 5 613 Einw. (Kreis Wanzleben, Reg.-Bez. Magdeburg). 

Kanalisation theilweise. 

Wilhelm-Augusta-Krankenhaus. Juni 1881 von der Stadt errichtet. Vorstand: Der 
Magistrat. Aerzte: Drs. Grimmer und Schnell. Wartepersonal: 2 Diakonissen aus Halle a./S. 
2 ausgebildete Krankenwärter (1 m., 1 w.). 30 Betten. Verpflegnngspreis für Einheimische: 
1,75 M im Winter. 1,50 M im Sommer: für Auswärtige: 2,25 M im Winter. 1,75 Mim Sommer; 
0,8o M nach dem Tarife für andere Armenverbände täglich. 1S98 wurden 196 m., 45 w. Kranke 
durchschnittlich 30 Tage verpflegt. 5 m., 3 w. sind gestorben. Die Ausgaben nnd Einnahmen 
1S98 betrugen 10 324 M und setzten sich zusammen aus 10 204 M Verpflegungsgeld, 21 M 
Kapitalszinsen, SS M Zuschuss der Gemeinde and 11 M aus sonstigen Quellen. 

Ehrang, 2 659 Einw. (Landkreis Trier, Reg.-Bez. Trier). 

Marienhans der Franziskanerinnen in Waldbreitbaeh. Eröffnet 28. Okt. 1895. Aerzte: 
Drs. Mühlenbrock und Weiss. Wartepersonal: 8 Franziskanerinnen. 10 Betten. 1898 wurden 
124 Personen verpflegt. 

Ehrenbreitstein, 2 777 Einw., 2 Aerzte, 2 Hebammen, 1 Apotheke (Landkreis Koblenz, 

Reg.-Bez. Koblenz). 

Quellwasserleitung ist 1893 erriehtet. Anlagekosten 80000 M. Leistung täglich 
80 bis 90 cbm. — Kein Schlachthof. Die Metzger sind jedoch verpflichtet, ihr Vieh im 
Schlachthof zu Koblenz schlachten zu lassen. Entwässerung durch die Kanalisation, 
Zementrohre. Die Verbrauchs- und Küchenwässer im Ueberschwemmungsgebiet der Stadt und 
dort, wo Hofraum nicht vorhanden ist. auch die Abortstoffe, werden durch unterirdische Leitung 
nach dem Rhein abgeleitet. 1892 bis 1897 erbaut. Anlagekosten 62 000 M. — Im Rhein eine 
öffentliche Schwimm- und drei öffentliche Badeanstalten, sämmtlich nach Ehrenbreitstein 
gehörig. — Bau-Polizeiordnung vom 22. Jan. 1897. 

Garnisonlazaret. 1876— 1878 erbaut und am 1. Jan. 1879 bezogen. Es liegt am südwest- 
lichen Ende der Stadt nahe dem Pfaffendorfer Thore (Teichertweg bezw. Traindepotj. Vor- 
stand: Oberstabsarzt I. Kl. Dr. Schneider. Wartepersonal: 3 Borromäerinnen aus Trier, 
. r i ausgebildete Krankenwärter. 9 Sanitätsmannschaften. 125 Betten. 1898 wurden 879 Kranke 

hnittlich 23,4 Tage verpflegt, 4 sind gestorben. Auer'sches Gasglühlicht seit 1897. 
Ventilationssystem: Schützschieber in den untersten Thürfüllungen, Kippfenster. Luft- 
röhren in der Wand mit unterer und oberer Oeffnung, nahe dem Schornstein verlaufend, auf 
letzterem und an Luftröhren gemeinschaftliche Saugnäpfe. (Ephaustoren) oberhalb des Daches. 

llen in Verbindung mit der Heizung. Heizungssystem: In den Krankenstuben 
Ventilationsjchüttofen nach dem Patent Gropins und Sehmieden. In einzelnen kleineren 
Stuben: Füllöfen mit oberem Trichter, in den Badestuben des Isolirgebäudes eiserne Füllöfen. 



Ehrenbreitstein. — 136 — Königreich Prenssen. 

Desinfektionsanstalt: Wellblechbaracke mit Dampfapparat (System Badenberg. Dortmund), 
auch zur Desinfektion von Kleidungs- und Wäschegegenständen u. s. w. aus den Kasernen und 
Wohnungen verheirateter Militärpersonen Ehrenbreitsteins und Umgegend (Niederberg u. s. w.). 
Wasserversorgung: Städtische Leitung von Ehrenbreitstein; wenn dieselbe versagt, Tief- 
brunnen auf dem Lazaretgrnndstück. Latrinen: Anschluss an die städtische Kanalisation 
steht bevor. 

Armen- und Krankenhaus. Die hochselige Kaiserin Augusta widmete als „Prinzessin 
von Prenssen, Herzogin zu Sachsen" unter dem Datum: .,Am fünften Jahrestage der Stiftung, 
den 1. Dez. 1856 — Coblentz" den Schwestern (Borromäerinnen) in Ehrenbreitstein ein kunst- 
volles Album zur Anlage einer Chronik, der sie ein eigenhändig gemaltes Titelblatt und die 
Worte als Denkspruch vorgesetzt hatte: „Durch Gottes Gnade ist diese Anstalt entstanden und 
gediehen. Die zu überwindenden Schwierigkeiten sind denen erklärlich, welche überhaupt 
Mangel und Noth kennen. Solchen aber ist auch die Erfahrung tröstlich, dass der Gebende 
für jede Veranlassung zum Helfen und Geben selbst Dank schuldet, weil sie seinem zeitlichen 
Leben im Hinblick auf die Ewigkeit wahre Freuden gewährt.'- Die Prinzessin hatte mit der 
Einführung der 3 Borromäerinnen, welcher sie persönlich beiwohnte, das Protektorat über die 
entstehende „Anstalt für Waisen und Kranken" übernommen und während der fünf ver- 
flossenen Jahre reichlich Gelegenheit gefunden, Schwierigkeiten überwinden zu helfen. 

Der Ort Thal Ehrenbreitstein, so berichtet die Chronik, früher nur aus einigen 
Mühlen und Häusern bestehend, welcbe in das nahe gelegene Pfarrdorf Niederberg eingepfarrt 
waren, kam erst im 17. Jahrhundert, nachdem der Kurfürst Philipp Christoph von Sötern 
(1623 — 1652) am Fusse des Festungsberges das Schloss erbaut und hierin seine Residenz ge- 
nommen hatte, zu einiger Bedeutung und blieb von dieser Zeit an bis zum Jahre 1786, wo der 
Kurfürst Klemens Wenzeslaus das neue Schloss in Koblenz bezog, Residenzstadt der Kurfürsten 
von Trier. 

Infolge der Anwesenheit des Hofes, der vielen Adeligen und der übrigen bei Hofe 
Angestellten gab es wenig Leute, die nicht ihren Verdienst hatten: es war kein Mangel: durch 
die zweite, dritte Hand erhielt mancher seinen Unterhalt, und wahre Armuth ward selten 
bemerkt; hierzu kam, dass der Hof ansehnliche Summen monatlieh an Dürftige abgeben liess: 
war aucb hier und da ein dringender Fall, so durfte man auch mit Gewissheit auf vorzügliche 
Unterstützung des Hofes Rechnung tragen, oder man fand Hilfsmittel in der nahen Stadt 
Koblenz, wo ein Waisenhaus und Hospital war. Aus diesen Ursachen waren damals Armen- 
stiftungen gleichsam unnöthig oder man war wenigstens nicht durch den Anblick der äussersten 
Noth so sehr aufgefordert. Bedacht zur Hemmung derselben zu nehmen . . . 

Als aber der kurfürsliche Hof und mit ihm alle Dikasterien nach Koblenz verlegt wurden 
und sämmtliche adelige und mehrere andere reiche Familien dem Hofe dahin folgten, geriet 
die Stadt Ehrenbreitstein, welche weder Handel noch Fabriken hatte und nur allein vom Hofe 
und den Beamten lebte, in Armuth und Xoth. Durch den unseligen Krieg, durch wiederholte 
langwierige Belagerungen hat die Stadt viel gelitten und ist manche Familie in Rückgang ge- 
kommen. Gross wurde daher die Zahl der Armen und der Grad der Dürftigkeit, und dieselben 
haben von der Zeit an täglich zugenommen, so dass beinahe die Hälfte der Einwohner aus 
Armen besteht. 

Bei solcher Armuth und bei so schlechten Aussichten für die Zukunft, war es das eifrigste 
Bestreben des damaligen Pfarrers, Herrn Joseph von Hommer, sich der Armen mit Liebe an- 
zunehmen "und zur besseren Pflege derselben einen eigenen Kirehenannenfonds zu gründen. 
Während 22 Jahren, von 1S02 — 1824, in welchen er hier als Pfarrer fungirte, hat er sich 
wegen seiner eifrigen Seelsorge und Wohlthätigkeit gegen die Armen unvergessliche Verdienste 
erworben, und als er von hier nach Trier als Bischof berufen wurde, hat er bis zum Ende 
seines Lebens nicht aufgehört, seinen ehemaligen Pfarrkindern und besonders den Armen 
Beweise seiner Huld und Liebe zu geben. Bim verdankt die hiesige Pfarrei die Gründung des 
hier bestehenden „Kirchenarmenfonds". welcher durch Vermächtnisse und Geschenke sich be- 
deutend vermehrte. 

In die Chronik hat sieh wohl das ganze Königliche preussische Haus mit seinen näheren 
deutschen Aerwandten im Laufe der Jahre bei Besuchen eingetragen von Friedrich Wilhelm IV. 
an bis auf die regierende Kaiserin Auguste Victoria. Kaiserin Augusta bewahrte dem Hause 
bis zu ihrem Tode ihre volle Gunst und besuchte es mehreremale im Jahre: sie liebte dabei, 
den Kronprinzen Friedrich Wilhelm oder fürstliche Gäste zur Begleitung zu wählen. In ihrem 
Testamente hiess es: ..Wenn bei meinem Tode das Hospital in Ehrenbreitstein noch unter der 
Leitung der barmherzigen Schwestern vom heiligen Karl Borromäus steht, die immer zu meiner 
grössten Zufriedenheit dort gewirkt, vermache ich demselben die Summe von 15 000 M." 
Unzählbar sind die Wohlthaten, welche sie den Armen Ehrenbreitsteins durch die Schwestern 
zufliessen lies; : als ständige Wohlthat bekamen sie den Winter hindurch aus der Hospitalküehe 
Suppe und Fleisch. Die Hospitaliten beschenkte sie in jedem Spätherbste mit 300 M. Vor 
ihren Besuchen schickte sie Kaffee und Kuchen für alle Bewohner der Anstalt und unterhielt 
sich mit ihnen in herablassendster Weise bei der Bewirthung. 

1. Dez. 1850 fand die Eröffnung statt. Neubauten 1885 und 189-1. Eigenthümer: 
Katholischer Kirchenarmenfonds. Leitender Arzt: Dr. Istas. Wartepersonal: 13 Borro- 
mäerinnen aus Trier. 136 Betten: 50 f. M., 86 f. Fr. Verpflegungspreis: 3, 2, 1 



Königreich Prenssen. — 137 — Eichberg — Einbeck. 

und 0,50 M täglich. 189S wurden 78 m., 60 w. Kranke durchschnittlich 49 bezw. 92 Tage 
verpflegt, 7 m.. 7 w. sind gestorben. Ausserdem wurden verpflegt: 2S Pfründner, 13 Alters- 
schwache und 85 Waisen. Ausgaben 189S: 27 44i> M. Die Einnahmen betrugen 27 3S5 M und 
setzten sich zusammen aus 20582 M Verpflegungsgeld, 200 M für verkaufte Produkte, 2 800 M 
Kapitalszinsen und 3 803 M aus sonstigen Quellen. 

Eichberg bei Erbach, 2 216 Einw. (Eheingaukreis, Eeg.-Bez. Wiesbaden). 

Irren -Heil- und Pflegeanstalt. 1842 bezw. 1S49 durch die Herzoglich Nassauische 
Landesregierung errichtet. 1881 — 1885 Neubauten. Eigenthümer: Kommunalverband des 
Reg.-Bez. Wiesbaden. Die Anstalt hat Rechtsfähigkeit. Vorstand und leitender Arzt: 
Direktor Geh. Sanitätsrath Dr. Schröter. 4 Assistenzärzte. Wartepersonal: 43 m., 42 w. 
Krankenwärter. Verwaltungspersonal: lim., 12 w. 694 Betten in 4 Klassen: I. Kl. 4 f. M., 
6 f. Fr. H. Kl. je 15. LTI. Kl. 25 f. M., 31 f. Er. IV. Kl. 301 f. M., 297 f. Fr. Verpflegungs- 
preis: für Bezirksangehörige: I. Kl. 4.40 M. LT. Kl. 3 M, EU. Kl. 1,80 M. IV. Kl. 0,s2 und 
O.tt M. für Auswärtige: L KL 5.-,, M, II. Kl. 4 M, III. Kl. 2,go M, IV. Kl. für Ortsarme 
0.90 M, gut Bemittelte l,so M täglich. 189S wurden 845 Geisteskranke (I. Kl. 10 m.. 7 w.. 
II. Kl. 15 m., 19 w.. in. Kl. 26 m.^ 37 w., TV. Kl. 373 m., 358 w.) durchschnittlich 343 Tage 
verpflegt, 28 m., 35 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: 503 347 M. Einnahmen: 542 558 M 
und setzten sich zusammen aus 295 351 M Verpflegungsgeld, 12 300 M abgetragene Aktiv- 
Kapitalien. 12 130 M Kapitalszinsen, 98 803 M Zuschuss der Provinz und 123 974 M aus 
sonstigen Quellen. 

Eickel, 11 821 Einw. (Kreis Gelsenkirchen, Eeg.-Bez. Arnsberg). 

Evangelisches Krankenhans. 1893 von der evangelischen Kirchengemeinde gestiftet. 
Arzt: Dr. Knibbe. Wartepersonal: 1 Diakon und 3 Diakonissen aus Sarepta b. Bielefeld. 
45 Betten: 38 f. Uff., 7 f. Fr. Verpflegungspreis: l.so und 1,75 51 täglich. 1S98 wurden 
384 m.. 72 w. Kranke durchschnittlich 22 Tage verpflegt. 15 m., 7 w. sind gestorben. Aus- 
gaben 189S: ordentliche 15 148,35 M. ausserordentliche 689,23 M. Einnahmen: 16 017.44 M und 
setzten sich zusammen aus 15352,50 M Verpflegungsgeld, 627,44 M Geschenken und 37.50 M aus 
sonstigen Quellen. 

St. Joseph-Hospital. IS!'?, gestiftet. Eigenthümer: Katholische Kirchengemeinde. 
Leitender Arzt: Dr. 5Iues. Wartepersonal: 14 Mncentinerinnen aus Paderborn. 130 Betten, 
darunter 10 für Kinder. Verpflegungspreis: 1,ts 51 täglich. 1898 wurden 545 m.. 101 w. 
Kranke durchschnittlich 34 Tage verpflegt, 30 m., 15 w. sind gestorben. 

Eickelborn, 790 Einw. (Kreis Soest, Eeg.-Bez. Arnsberg). 

Westfälische Provinzial ■ Irren ■ Pflege - Anstalt. 15. Okt. 18S3 eröffnet. Vorstand 
und leitender Arzt: Direktor Dr. Schroeder. Wartepersonal: 42 Vincentinerinnen aus 
Paderborn, 6 Krankenwärter. Verwaltungspersonal: 5 M. 500 Betten. Verpflegungs- 
preis: 1,15 M täglich. 1S98 wurden 273 m., 254 w. Geisteskranke durchschnittlich 344,4 Tage 
verpflegt, 13 m., 8 w. sind gestorben. Ausgaben 189S: ordentliche 150120,79 M. ausser- 
ordentliche 1410 M. Einnahmen: 205 878 M Verpflegungsgeld und 4 082.9 6 M aus sonstigen 
Quellen. 

Eilenburg, 13 399 Einw. (Kreis Delitzsch, Eeg.-Bez. Merseburg). 

Städtisches Krankenhans. Arzt: Dr. Häufle und Dr. Laaser. Wartepersonal: 2 Diako- 
nissen aus Halle a.'S. und 1 ausgebildeter Krankenwärter. 40 Betten: 25 f. M., 15 f. Fr. Ver- 
pflegungspreis: 1.5o M täglich. 1899 wurden 159 m., 76 w. Kranke durchschnittlich 28.4 
bezw. 43 Tage verpflegt, 8 m., 7 w. sind gestorben. 

Einbeck. 8 436 Einw. (Kreis Einbeck, Eeg.-Bez. Hildesheim). 

Städtisches Krankenhans. 1885 errichtet. Arzt: Dr. Sander, Stadtarzt. S Betten. 
Verpflegungspreis: 0,80 — l,so M täglich. 1898 wurden 32 m., 3 w. Kranke durchschnittlich 
10 bezw. 121 Tage verpflegt, 2 w. sind gestorben. 

Vereins-Krankenhaus. 11. Nov. 1876 eröffnet vom Zweigverein des Vaterländischen 
Frauenvereins. Vorstand: Frau verw. Kreishauptmann Quensell. Wartepersonal: 2 Diakonissen 
aus dem Henriettenstift zu Hannover. 14 Betten. VerpfLegungspreis: 1 M täglich. 1898 
wurden 62 m., 43 w. Kranke durchschnittlich 19 Tage verpflegt, 5 m., 8 w. sind gestorben. 
Ausgaben 1898: 2787 M. Einnahmen: 3003 JI und setzten sich zusammen aus 2385 M Ver- 
pflegnngsgeld, 149 M Kapitalszinsen, 400 M Zuschuss der Stadt und 69 M Geschenken. 



Eisleben — Elberfeld. — 138 — Königreich Preussen. 

Eisleben, 23 043 Einw. (Mansfelder Seekreis, Reg. -Bez. Merseburg). 

Wassserleitung. — Schlachthaus mit Kühlhans, 1S91 errichtet. 

Städtisches Krankenhaus. 1834/35 errichtet. Arzt: Dr. Rensch. 1 Assistenzarzt. 
34 Betten. 1898 wurden 221 m.. 145 w. Kranke durchschnittlich 19,6 Tage verpflegt, 15 m., 
7 w. sind gestorben. Einnahmen 1S9S: 8 619,99 M Verpflegungsgeld und 3 432,30 M Legaten 
und Geschenken. 

Krankenhans des Mansfeld'sehen Knappschaftsvereins. 1874/75 errichtet. Arzt: 
Sanitätsrath Dr. Vogel. Wartepersonal: 1 ausgebildeter Krankenwärter und 3 Wärter. 
84 Betten. Verpflegungspreis: 1,20, 1 und 0.9» M täglich. 1S9S wurden 1 151 m. Kranke 
durchschnittlich 17 Tage verpflegt, 26 sind gestorben. Ausgaben 1898: 37 636,15 M. 

Privat-Heilanstalt von Dr. Keusch für Chirurgie und Frauenkrankheiten. Dezember 
l>i)4 eröffnet. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 2 Schwestern. 25 Betten. Verpflegungs- 
preis: 8 — 10 M, 4,50 und 3,so M täglich. 

Eitorf, 6 630 Einw. (Kreis Siegburg, Reg. -Bez. Köln). 

Wasserleitung vorhanden. 

Gemeinde -Kranken-, Armen- und Waisenhans. 1. Aug. 1895 errichtet. Freie Arzt- 
wahl. Wartepersonal: 7 Franziskanerinnen aus Olpe. 34 Betten. 1S9S wurden 55 m., 83 w. 
Kranke durchschnittlich 44 bezw. 31 Tage verpflegt, 6 m., 8 w. sind gestorben. Ausserdem 
verpflegt: 6 Altersschwache. Die Einnahmen 1898 betrugen 12 997 M und setzten sich zusammen 
aus 5538,43 M Verpflegungsgeld, 50 11 an verkauften Produkten, 7 258,5 7 M Zuschuss der Gemeinde 
und 150 M Legaten, Geschenken und Kollekten. 

Sanatorium für Nervenkranke von Dr. Meyer. 1888 gegründet. 10 Betten, 

Elberfeld, 150 000 Einw., 70 Aerzte, 7 Zahnärzte, 12 Apotheken (Stadtkreis, Reg. -Bez. 

Dösseidorf). 

Wasserleitung, städtischer Vieh- und Schlachthof ohne Freibank mit Kühlhaus 
vorhanden. — Kanalisation ohne Aufnahme der Fäkalien, seit 1894 Anschluss der Häuser 
obligatorisch. — Aerztliche Leichenschau vorgeschrieben. — Desinfektionsanstalt: 
Apparat im städtischen Armenhause und bei den städtischen Krankenanstalten. — Städtische 
Badeanstalt. 9. Juli L887 eröffnet. 

Lazaret des Königl. Arrest- und Korrektionshauses. Eigenthümer: Fiskus 
i Ministerium des Innern). Hafträume: 1S2 Einzelzellen. 220 Schlafkojen. 36 gemeinsame 
Schlafräume von 2 101 qm Gesammtgrösse. 42 gemeinsame Arbeitsräume von 1 685 qm Gesammt- 
grösse. Arzt: Dr. Wolff. Krankenräume: 6, von 146 qm Gesammtgrösse. Krankenzahl 
1898: 282 m., 49 w. 

Städtische Krankenanstalten. 1. Dez. 1863 eröffnet, 1898 Neubauten. Behandelnde 
Aerzte: Sanitätsrath Dr. Pagenstecher für die chirurgische Abtheilung, Sanitätsrath Dr. Künne 
für die innere Abtheilung, Dr. Eichhoff für Hautkranke n. s. w. Wartepersonal: 42 Diako- 
nissen aus dem Diakonieverein Berlin-Zehlendorf und 5 ausgebildete Krankenwärter. 520 Betten, 
darunter 94 für Kinder. 

Die Pflegesätze betragen: I. Klasse für Einheimische 6 M, für Auswärtige 8 M. 

H. Klasse für Einheimische (einschl. ärztliche Behandlung) 3, so M, für Auswärtige (ausschl. 
ärztliche Behandlung) 4,50 M. Die Aufwendungen für Medikamente, Verbände, geistige Getränke, 
Extradiät und Nachtwachen werden in beiden Klassen besonders berechnet. Für Patienten 
I. Klasse, sowie für auswärtige Patienten H. Klasse wird das Honorar für ärztliche Behandlung 
besonders in Rechnung gestellt. 

HI. Klasse für Einheimische: Erwachsene 1,70 M, Kinder bis zum vollendeten 12. Lebens- 
jahre 1,20 M: für Auswärtige: Erwachsene und Kinder 2.25 M; für Geisteskranke : Einheimische 
2 M. Auswärtige 2.:.o M : für Mitglieder hiesiger Orts- und Betriebskrankenkassen und für 
hier wohnende Mitglieder solcher auswärtigen Kassen 1,50 M: für auswärts wohnende Mitglieder 
solcher auswärtigen Kassen 2 M. Die Aufwendungen für ärztliche Behandlung, Medikamente, 
Verbände, Nachtwachen und ärztlich verordnete geistige Getränke sind in diesen Sätzen ein- 
geschlossen. Dienstbotenabonnement beträgt 6 M jährlich. 

Geisteskranke können nur für kurze Dauer, bis zur Ueberführung in eine andere 
Anstalt, aufgenommen werden. Auf Wunsch kann denselben der Tisch D. Klasse gewährt 
werden; der Pflegesatz beträgt alsdann: für Einheimische 3 M, für Auswärtige 3,50 M. 

Der Tag der Aufnahme und der Tag der Entlassung wird in allen 3 Klassen jeder als 
voller Tag gerechnet. 

1898 wurden 3 186 (1 950 m., 1 236 w.) Kranke (einschliesslich 624 m., 265 w. an Krätze 
Leidende) durchschnittlich 27,5 Tage verpflegt, 114 m., 76 w. sind gestorben. Ausserdem ver- 



Königreich Prenssen. — 139 — Elberfeld. 

pflegt: 15 Krankenbegleiter und 8 m., 5 w. Personen zur Reinigung von Ungeziefer u. s. w. ; 
ferner in der Abtheilong für Geisteskranke: 84 m.. 51 w. im Durchschnitt 42.;' Tage. 

Ausgaben 1898: ordentliche 255 727,oa M, ausserordentliche 343383,99 M für Neu- und 
Umbauten. Die Einnahmen betrugen _ 31 und setzten sich zusammen aus 150983,86 M 

Verpflegungsgeld. 1 930.fi? M für verkaufte Produkte. 3 701,?s M Kapitalszinsen und 99 110,?o M 
Zuschuss der Si 

Bürger-Krankenhaus. Vom ehemaligen Verein gegen Korntheuerung 1S16'17 gestiftet, 
Neubau durch Geschenk von Frau Julie Vogd-Eller unter dem Namen ..Eller- Stiftung" 
errichtet. Das Krankenhaus besitzt Rechtsfähigkeit. Vorstand: Rentner Willy Blank. Leitende 
Aerzte: Dr. Linkenheld für Chirurgie: Dr. Protze für innere Krankheiten: Dr. Nieden für 
Augenkranke. 2 A^istenzärzte. Wartepersonal: S Diakonissen aus Kaiserswerth und 2 aus- 
gebildete Krankenwärter. 90 Betten in 3 Klassen. Verpflegungspreis: für Einheimische 
6, 3,50. 1,50 31: für Auswärtige 7. 4. 1,7S 31 täglich. 1898 wurden 533 in.. 358 w. Kranke 
durchschnittlich 25 Tage verpflegt. 19 m.. IG w. rben. Ausgaben und Einnahmen 1898: 

53812,46 31, letztere setzten sich zusammen aus 38 496,66 M Verpflegungsgeld, 849,60 11 für 
verkaufte Produkte, 13 616.20 31 Kapitalszinsen. 850 M Legaten und Geschenken. 

St. Joseph -Hospital. Von der katholischen Gesellschaft ..Parlament" am '2. Jan. 1856 
eröffnet. 18*6 und 1891 Neubauten. Die Anstalt besitzt Rechtsfähigkeit. Ei gen thümer: 
Katholische Gemeinde. Behandelnde Aerzte: Dr. Rineheval für die chirurgische Abtheilung. 
Dr. Schmitz für die innere Abtheilung. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 21 Borromäerinnen 
aus Trier (Dispensiranstalt. von den Schwestern geleitet) und 4 ausgebildete Krankenwärter. 
Fr.i in 3 Klassen. Verpflegungspreis: 5. 4 und 1,50 51 täglich. 
1898 wurden 1962 (1391 m.. 571 w.i Kranke durchschnittlich 32.5 Tage verpflegt. 81 m.. 37 w. 
sind gestorben. Ausgaben 189*: 92 544,44 M. Die Einnahmen betrugen 10131S.T2 31 und 
setzten sich zusammen aus 88 971,si M Verpflegungsgeld. 331,50 M Kapitalszinsen. 1 339,6 1 M 
Legaten und Geschenken. 1629,25 M aus sonstigen Quellen und 9 046,5 5 31 Bestand vom 
Vorjahre. 

Krankenhaus ..Bethesda". Diakonissen-Mutterhaus. 14. Aug. 1890 errichtet. Aerzte: 
Dr. Tischner für Chirurgie (Hausarzt). Dr. Reichmann für innere Krankheiten, Dr. Mummenhof 
für Augenkrankheiten. Wartepersonal: 1 Diakon. 11 Diakonissen. 36 Betten. Verpflegungs- 
preis: 6,: . :;. 7 o. 1,75. 1.25 31 täglich. 1898 wurden 216 m., 229 w. Kranke durchschnittlich 
23 Tage verpflegt. 8 m.. 5 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898: 20 480 31. letztere 
setzten sich zusammen aus IS 000 31 Verpflegungsgeld und 2 4S0 31 aus sonstigen Quellen. 

Krankenabtheilungen der reformirten Gemeinde, Theil des reformirten Armen- und 
Erziehungshauses. 1898 von der reformirten Gemeinde gegründet. Arzt: Dr. Frickenhaus. 
Wartepersonal: 1 Diakonisse, Im., 2 w. Krankenwärter. 17 Betten, darunter 12 für Kinder. 
Verpflegungspreis: für 3Iitglieder der Ortskrankenkassen 1,50 31 täglich. 1898 wurden 20 m.. 
34 w. Kranke durchschnittlich 14". Tage verpflegt, 5 m., 9 w. sind gestorben. 

Hospital des Vaterländischen FrauenTereins. Ausbildungsanstalt für Krankenpflegerinnen 
und Kinderheilanstalt. 1S73 vom Vaterland. Frauenverein, Zweigverein Elberfeld, gegründet. 
Behandelnde Aerzte: Dr. Peters für die chirurgische Abtheilung, Dr. Petersen für die innere 
Abtheilung. Wartepersonal: 24 Schwestern vom rothen Kreuz. 6 Lehrschwestem. 4 Schüle- 
rinnen. 54 Betten in 4 Klassen, in der TV Kl. 24 Betten für Kinder. Verpflegungspreis: 6, 3,50, 
1,50, 1.20 31 täglich. 1S9S wurden 200 m.. 204 w. Kranke durchschnittlich 31,8 Tage verpflegt, 
13 m., 11 w. sind gestorben. Ausgaben 1S98: ordentliche 42894,16 31. ausserordentliche 3000 M. 
Die Einnahmen betrugen 4." 831,5 M und setzten sich zusammen aus 31 342 31 Verpflegungsgeld, 
344 31 für verkaufte Produkte. 6 902 31 Kapitalszinsen. 2 750M von den Aussenstationen. 680 31 
Dienstbotenabonnement und 3 813.50 31 Legate und Geschenke. 

Priratheilanstalt für Hautkranke von Dr. Eichhoff. 8 Betten. 

Anstalt für epileptische Krankheiten. Arzt: Dr. Wolff, Kreiswundarzt. 

Städtische Anstalt für Wöchnerinnen. 15. Juli 1^90 eröffnet. Arzt: Dr. Rühle. 
wurden 181 Wöchnerinnen verpflegt. Verpflegungspreis: 1,25 31. für auswärtige 
Frauen 3 31 täglich. Ausgaben und Einnahmen 1899: 7 610M, Zuschuss der Stadt 4 >70 31. 

»viandt-Stift, gegründet durch Geschenke des Geh. Kommerzienrath Eduard Neviandt. 
Hausarzt: 55 Plätze. 

Kaiser Wilhelm -Stift. Das frühere ..Genesungshaus" wurde wegen unzureichender 
Benutzung seit 1. Juni 1896 zur Aufnahme von alleinstehenden erwerbsunfähigen 3Iännern ein- 
gerichtet von der Stadt und dem Bergischen Vereine für Gemeinwohl, Ortsgruppe Elberfeld. 
Hausarzt: Dr. Bremer. 30 Plätze. Ausgaben und Einnahmen 1S99: 11600 31, Zuschuss der 
Stadt 9 900 31. 

Kaiserin Augusta-Srift für alleinstehende, hilfsbedürftige weibliche Personen. Von der 
Stadt am 1. Nov. 1895 eröffnet. Hausarzt: Dr. Schulten. 30 Plätze. Ausgaben und Ein- 
nahmen 1899: S530M, Zuschuss der Stadt 6920M. 



Elbing— Elmen. — 140 — Königreich Preussen. 

Erbschloe-Stift. Gegründet durch den 1S87 verstorbenen Kaufmann Julius Erbschloe, 
am 8. Nov. 1894 eröffnet. Hausarzt: Dr. Bremer. 22 Plätze. 

Evangelische Prorinzial-Tanbstummenanstalt. Externa! Paritätischer Charakter. — 
Aus Anlass der goldenen Eochzeitsfeier Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin haben 
die Provinzialstände der Rheinprovinz seiner Zeit beschlossen, 50 000 M der überwiesenen 
Dotationsrente auszuscheiden und diesen Betrag zu einer „Wilhelm-Augusta-Stiftung für taub- 
stumme Kinder der Rheinprovinz" zu bestimmen. Da in Elberfeld etwa 30 Kinder vorhanden 
waren, die in den übrigen Anstalten der Provinz keine Aufnahme finden konnten, so wurde 
auf gemeinschaftliche Kosten mit der Stadt die Schule am 12. April 1S80 mit 3 Klassen eröffnet. 

Kuratorium aus Mitgliedern des Stadtrathes und dem Landesdirektor der Rheinprovinz 
bestehend. 

Vorstand: Direktor Sa wallisch. 6 Lehrer, 1 Lehrerin. 5 Klassen, 2 aufsteigende und 
3 Parallelklassen. — Unterrichtsdauer 6 Jahre. — Turnunterricht für Knaben und Mädchen. 
Gegenwärtig 53 Schüler. 

Die Kinder von auswärts werden durch die Provinzialverwaltung hierher überwiesen, ob 
als Frei- oder als Zahlzöglinge, ist Sache der Provinz. Bemittelte Kinder der Stadt zahlen 
50 M Schulgeld jährlich; arme Kinder geniessen freien Unterricht. Nach den Kontrakts- 
bedingungen zahlt die Provinz für jedes auswärtige Kind 400 M jährlich an die Anstaltskasse. 
Die Entlassung erfolgt nach 6jähriger Schulzeit. — Etat: 30 000 M. 

Elbing, 45 846 Einw., 23 Aerzto, 4 Zahnärzte, 6 Apotheken, (Stadtkreis, Eeg.-Bez. Danzig). 

Aerztliche Leichenschau ist vorgeschrieben. — Wasserversorgung durch die 
Hoppenbäkleitung seit 1871. — Städtischer Vieh- und Schlachthof mit Kühlhaus vorhanden 
seit Dezember 1892. 

Städtisches Krankenstift. 2. Aug. 1819 neu erbaut als Geschenk der Bürgerschaft an 
die Gemeinde-Behörde. Erweiterungsbau durch Baracken. Neubau geplant. Arzt: Dr. Schwarz. 
Wartepersonal: 3 m., 5 w. Krankenwärter und 1 geprüfter Heilgehilfe. 65 Betten. 1898 
wurden 355 m., 1S1 w. Kranke durchschnittlich 42 bezw. 14 Tage verpflegt., 33 m., 22 w. sind 
gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898: 24 516.ii M, letztere setzten sich zusammen aus 
11506,20 M Verpflegungsgeld, 94,ir M für verkaufte Produkte, 313,5 1 M Kapitalszinsen, 

3 885,72 M Zuschuss der Stadt, 7 125 M Legaten, Geschenken und 1 591, 50 M Dienstboten- 
Abonnement. Für die prostituirten Frauenspersonen ist ein Zwangs-Abonnement 
eingerichtet zur möglichsten Verhütung der Weiterverbreitung der Syphilis. Das Abonnement 
ist auf 0,2 5 M für jede Person und Woche festgesetzt. Zahlungspflichtig ist jede unter polizei- 
licher Kontrolle stehende Prostituirte. 

Diakonissen-Krankenhaus. 1868 von Frau Amalie Zimmermann geb. Convent und 
mehreren anderen Personen gestiftet. Die Anstalt besitzt Rechtsfähigkeit. Vorstand: Ein 
Kuratorium, Superintendent Schieferdecker. Arzt: Dr. Nesselmann. Wartepersonal: 4 Diako- 
nissen aus Königsberg i. Pr. und 1 Krankenwärter. 36 Betten. Verpflegungspreis: 5, 3 und 
1,50 M täglich. 1898 wurden 207 m., 102 w. Kranke durehnittlich 34 Tage verpflegt, 18 m., 
11 w. sind gestorben. Ausgaben 189S: 15 616 M. Einnahmen: 19 701 M und setzten sich zu- 
sammen aus 12 702 M Verpflegungsgeld, 390 M Kapitalszinsen, 3 600 M Zuschuss des Kreises, 

I 225 M Legaten, Geschenken und Kollekten und 1 784 M aus sonstigen Quellen. 

Privat-Heilanstalt für Chirurgie von Dr. Schwarz. Eröffnet 5. Nov. 1898. 10 Betten. 
Privat-Heilanstalt für Augenkrankheiten von Dr. Klein. 7. Mai 1896 eröffnet. 

II Betten. Verpflegungspreis: 3 — 1,50 M täglich. 

Heilige Geist-Hospital. 1242 gegründet. — St. Elisabeth-Hospital, früher Elendenhof. 
— St. George-Hospital, früher Leprosenhaus. — Pestbude-Stift. 1624 gegründet. — Heilige 
Leichnam-Hospital. — Seit langen Jahren sind diese Anstalten Asylhäuser für alte, verarmte 
Leute beiderlei Geschlechts. Die Verwaltung führt der Magistrat. 

Ellrich, 3 997 Einw. (Kreis Grafschaft Hohenstein, Keg.-Bez. Erfurt). 
Krankenhaus. 

Elmen, Soolbad, Gemeinde Gross Salze mit 5 903 Einw. (Kreis Kalbe, Eeg.-Bez. Magdeburg). 

Kaiserin Augusta -Kinder -Heilanstalt. 1874 gestiftet durch den Vaterländischen 
Frauen-Verein für Magdeburg und Umgegend. Leitender Arzt: Sanitätsrath Dr. Kirchheim. 
Wartepersonal: Im Sommer 7 Diakonissen, im Winter 2 aus Bethanien - Neu - Torney 
b. Stettin und 2 Schwestern vom Johanniterorden. 100 Betten. Verpflegungspreis: 
Die Sommer-Kurperiode I. vom 15. Mai bis 26. Juni auf 6 Wochen, D. vom 1. bis 31. Juli auf 

4 Wochen, m. vom 5. Aug. bis 15. Sept. auf 6 Wochen, über 10 Jahre 75 M, unter 10 Jahren 
60 M, die Winter -Kurperiode vom 1. Okt. bis Ende April 30 M für den Monat. 189S wurden 
119 m., 235 w. Kranke durchschnittlich 41 Tage verpflegt. Ausgaben 1898: ordentliche 14 160 M, 
ausserordentliche 4 5S9 M. Bestand 6 613 M. Einnahmen: 25 362 M und setzten sich zusammen 
aus 22 913 M Verpflegungsgeld, 817 M Kapitalszinsen, 70 M Geschenken, 250 M aus sonstigen 
Quellen und 1 312 M Cassabestand am 1. Jan. 1898. 



Königreich Preussen. — 141 — Elmshorn — Emden. 

Elmshorn, 1-2 207 Einw. (Kreis Pinneberg, Reg.-Bez. Schleswig). 

Städtisches Krankenhans. 15. Mai 1S96 eröffnet, unter Beihülfe des Kreises erbaut. 
Arzt: Dr. Dreessen. Wartepersonal: 4 Diakonissen aus Altona und 1 Krankenwärter. 
46 Betten. Verpflegungspreis: 4, 2,50, 1,90 bezw. 1,30 M f. Krankenkassen täglich. 1898 
wurden 225 m., 93 w. Kranke durchschnittlich 25 Tage verpflegt, 12 m., 11 w. sind gestorben. 
Ausgaben und Einnahmen 1898: 20686 M, letztere setzten sich zusammen aus 11 171 M Ver- 
pflegungsgeld und 9 515 M Zuscbuss der Stadt. 

Armen- und Werkhaus. 1864 von der Vertretung des Gesammt-Armenverbandes 
Elmshorn gegründet. Vorstand: Bürgermeister. Arzt: Dr. Dreessen. 17 Betten. 1898 wurden 
52 m.. 1 w. Kranke durchschnittlich 15 Tage verpflegt, 1 m. ist gestorben. Ausserdem wurden 
verpflegt: 3 Altersschwache und 5 Sieche. Ausgaben und Einnahmen 1S98: 2 278,17 M, letztere 
setzten sich zusammen aus 1 343,ss M Verpflegungsgeld und 934,32 M Zuschuss der Gemeinde. 

Elsey, 2 993 Einw. (Kreis Iserlohn, Reg.-Bez. Arnsberg). 

Evangelisches Krankenhaus. 20. März 18S7 von dem seitens des verstorbenen Pfarrers 
Hülsemann am 4. Febr. 1865 binterlassenen Stiftungskapital von 24 000 M und einem Grund- 
stücke. Eigenthümer: Evangelische Kirchengemeinde, besitzt Rechtsfähigkeit. Arzt: 
Dr. Schonlau in Hohenlimburg. Wartepersonal: 2 Diakonissen aus „Sarepta- bei Bielefeld. 
30 Betten. Verpflegungspreis: 3, 2 und 1,25 M täglich. 189S wurden 180 m., 37 w. Kranke 
durchschnittlieh 36 Tage verpflegt, Sm., 4 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: ordentliche 15 246,2 s M, 
ausserordentliche 446,50 M. Einnahmen: 16 875,14 M und setzten sich zusammen aus 2 827,47 M 
Bestand und Reste, 8 667, 50 M Verpflegungsgeld, 2 062.17 M Kapitalszinsen, 2 348 M Legaten, 
Geschenken und Kollekten und 970 M aus sonstigen Quellen. 

Elten, 2 358 Einw. (Kreis Rees, Reg.-Bez. Düsseldorf). 

St. Martinus-Hospital. 1S5S von Frl. Theresia v. Hasselt und Dr. v. Weise gestiftet. 
Eigenthümer: Katholische Pfarrkirche zu Nieder-Elten. Arzt: Dr. Robbers. Wartepersonal: 
5 Klemensschwestern aus Münster. 34 Betten, in 4 Klassen. Verplegungspreis: 3, 2, 1 
und 0. 75 M täglich. 1898 wurden 37 m., 22 w. Kranke durchschnittlich 98 bezw. 159 Tage ver- 
pflegt, 4 m., 4 w. sind gestorben. 

Eltville, 3 646 Eiuw. (Rheingaukreis, Reg.-Bez. Wiesbaden). 

Krankenhaus. 1857 errichtet. Eigenthum des Kranken-Unterstützungsvereins. Warte- 
personal: 8 barmherzige Schwestern, arme Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach. 9 Betten. 
1898 wurden 159 Kranke verpflegt. 

Elz, 2 391 Einw. (Kreis Limburg, Reg.-Bez. Wiesbaden. 

Katholisches Schwesternhaus. 1892 eingerichtet. Besitzt Rechtsfähigkeit. Eigen- 
thümer: Katholische Kirchengemeinde. Arzt: Dr. Czogrewe. Wartepersonal: 4 arme 
Dienstmägde Christi aus Dernbach. 7 Betten. Verpflegungspreis: 0,75 — 1 M täglich. 
1898 wurden 25 m., 11 w. Kranke durchschnittlich 88,6 Tage verpflegt, 2 m., 4 w. sind gestorben. 
Einnahmen 1898: 2 400 M Verpflegungsgeld und 150 M Geschenken. 

Emden, 14 485 Einw. (Stadtkreis, Reg.-Bez. Aurich). 

Wasserleitung. — Kanalisation. — Städtischer Schlachthof mit Kühlhaus vor- 
handen. 

Stadttrankenhaus. 11. Juni 1879 vom Vaterländischen Frauen-Zweigverein errichtet. 
1. Nov. 1893 Neubau eröffnet. Arzt: Dr. Geelvink. Wartepersonal: 4 Schwestern vom 
rothen Kreuz aus dem Klementinenhause in Hannover und 1 Krankenwärter. 64 Betten, 35 f. M. 
und 29 f. Fr. Verpflegungspreis: 4,50 — 5 M, 2,50 — 3 M und 1—1,25 M täglich. 1898 wurden 
212 m., 139 w. Kranke durchschnittlich 25,7 Tage verpflegt, 11 m., 12 w. sind gestorben. Ein- 
nahmen 1S98: 16S00M und setzten sich zusammen aus 14 800 M Verpflegungsgeld und 2 000 M 
Zuschuss der Ostfriesischen Landschaft. Das Gebäude ist ein dreistöckiger Korridorbau mit 
2 kurzen Seitenflügeln; die Fenster des Hauptbaues gehen nach Süden. Lichte Höhe der 
Zimmer 4 m. Zentralheizung. D esinfektionsapparat von Rohrbeck. 

Privat-Krankenanstalt für chirurgische Kranke von Dr. Bakker. Eröffnet 1. Jan. 1S98. 
5 Betten. 

Gasthaus. Die Anstalt besteht seit 1557, diente früher als städtisches Armen-, Siechen- 
und Waisenhaus und ist seit 1871 Asyl für 16 altersschwache und arbeitsunfähige Personen. 
Ausserdem werden jährlich 107 verwaiste, verlassene und verwahrloste Kinder verpflegt. 



Emersleben— Ems. — 142 — Königreich Preussen. 

Paritätische Taubstummen - Anstalt, Externat. Bald nach der Gründung der Taub- 
stummen-Anstalt in Hildesheim stellte es sich heraus, dass, bei der Abgeschlossenheit des 
Landdrosteibezirkes Aurich vom Verkehre mit dem übrigen Deutschland, jene Anstalt nicht die 
Bildungsstätte für die ostfriesischen Taubstummen werden könne. 1838 trat in Leer ein Verein 
für das Wohl der Taubstummen zusammen. Die ostfriesischen Provinzialstände bewilligten die 
zur sachgemässen Ausbildung des Lehrers Edzards erforderlichen Gelder. Am 1. Nov. 1844 
wurde die Anstalt eröffnet. Die Existenz derselben beruhte während einer langen Reihe von 
Jahren grösstentheils auf dem Ertrage der jährlich veranstalteten Hauskollekte. Die Anstalt, 
anfangs Internat, ist seit dem 1. Mai 1869 Externat, Seit dem 19. März 1884 besitzt die 
Anstalt den Charakter einer öffentlichen Schule. Vom Landesdirektorium wurde 1884 ein Be- 
soldungsreglement für die Lehrer bewilligt. — Die Anstalt wird von 32 Zöglingen, 14 Knaben 
und 18 Mädchen besacht. Das Lehrerkollegium besteht aus dem Dirigenten, Oberlehrer 
0. Danger, zwei Lehrern, einer Lehrerin und einer Ludustrielehrerin. 4 Klassen. Turn- und 
Haudfertigkeitsunterricht für Knaben und Mädchen. 

Emersleben, 787 Einw. (Landkreis Halberstadt, Reg. -Bez. Magdeburg). 

Sophien-Krankenhans. 1. Nov. 189G vom Rittergutsbesitzer Assessor a. D. Johannes 
Rimpan in Emersleben errichtet. Eigenthümer und Vorstand: Der Stifter. Arzt: 
Dr. Eisfeldt in Groningen. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 2 Schwestern aus dem Mutter- 
hause für Kranken- und Kinderpflege in Halberstadt. 1 ausgebildeter Krankenwärter. 34 Betten : 
19 f. M.j 1."' f. Fr., darunter 5 für Kinder. Verpflegungspreis: für Erwachsene 1,50 M, für 
Kinder 1 M täglich; Arme auf Antrag Freistelle. 1898 wurden 57 m., 47 w. Kranke dureh- 
schnittlich 40 Tage verpflegt, 3 111., 6 w. sind gestorben. Die Ausgaben und Einnahmen 1898 
betrugen 13 317 M und setzten sich zusammen aus 5 436 M Verpflegungsgeld, 6 969 M Zuschuss 
des Stiftes und 912 M aus sonstigen Quellen. 

Emmerich, 9 946 Einw., 6 Aerzte, 2 Apotheken (Kreis Recs, Reg.-Bez. Düsseldorf). 

Wasserversorgung: Das Wasser kommt aus der öffentlichen Leitung, das indess in 
beträchtlichem Grade eisenhaltig ist. Eine Einrichtung zur Enteisenung ist projektirt. 

St. WUlibrordus-Hospital. 1846 errichtet. Privatstiftung mit Rechtsfähigkeit. Arzt: 
Sanitätsrath Dr. Fackeldey. 8 Klemensschwestern aus Münster. 42 Betten. 3 Verpflegungs- 
klassen. 28S Verpflegte. 

Ems, 6 222 Einw. (Kreis Unterlahn, Reg.-Bez. Wiesbaden). 

Königl. Hospitalbad. Heilstätte für unbemittelte Kranke, für welche der Kurgebrauch 
in Ems empfohlen wird. Ausgeschlossen sind alle Falle von fortgeschrittener Lungentuberkulose. 
Selbständige Anstalt unter Verwaltung einer besonderen Kommission, unter unmittelbarer 
Aufsicht der Regierung stehend. Die Unterhaltungs- und Betriebskosten werden gedeckt: 
a) aus den Zinsen eines Kapitalstocks von 88 214,42 M; !>) aus den Verpflegungsbeiträgen der 
Hospitaliten ; c) aus einer Subskription bei den Kurgästen; d) aus dem Ertrag der in der 
Wandelbahn aufgestellten automatischen Wage. Für die Kurdauer ist ein Beitrag von 20 M 
für eine Person festgesetzt. Kranke, welche eine Armenunterstützung in ihrer Heimath be- 
ziehen, sind von diesem Verpflegungsbeitrag befreit. Durchschnittliche Aufenthaltsdauer vier 
Wochen. Die Anstalt ist geöffnet vom I. Mai bis Ende September. Frequenz: jährlich 230 
bis 240 Kranke. Dieselben erhalten Wohnung, Beköstigung, ärztliche Behandlung und säinmt- 
liche nothwendige Kurmittel. Die Anstalt wird von einem Verwalter, dem Wärter und zwei 
Wärterinnen zur Seite stehen, unter Aufsicht des dirigirenden Arztes Dr. Reuter geleitet. 

Gesindehospital. 1863 von der Gemeinde gegründet. Arzt: Dr. Panthel. 12 Betten. 
1898 wurden 10 m., 14 w. Kranke durchschnittlich 34,7 Tage verpflegt, 1 m., 2 w. sind 
gestorben. Die Einnahmen 1S98 betrugen 1 622, 50 M und setzten sich zusammen aus 1 248,25 M 
Verpflegungsgeld, 21, 90 M Kapitalszinsen, 282,is M Beiträge der Dienstherrschaften und Dienst- 
boten und 70,20 M Bestand aus dem Vorjahre. 

Diakonissenheim. 1. Mai 1889 von Pfarrer G. Vöniel und Frau; Pfarrer R. Heyde- 
mann und Frau gestiftet. Eigenthümer: Diakonisseuhaus zu Bern (Schweiz), das Rechts- 
fähigkeit besitzt. Vorstand: Pfarrer G. Vömel. Arzt: Dr. Ernst. Es praktiziren noch che 
Aerzte der Ortskrankenkasse und die persönlichen Aerzte einzelner Kranker. Wartepersonal: 

6 Diakonissen aus dem Diakonissenhause zu Bern. 26 Betten. Verpflegungspreis: 5, 3 
und 1,50 M täglich. 1898 wurden 157 m., 89 w. Kranke durchschnittlich 17,7 Tage verpflegt, 

7 in., 4 w. sind gestorben. Die Einnahmen 1898 betrugen 12 304 M und setzten sich zu- 
sammen aus 8 676 M Verpflegungsgeld, 3 148 M Legaten, Geschenken und Kollekten und 480 M 
aus sonstigen Quellen. 

Krankenhaus. 1888 errichtet. Wartepersonal: 6 barmherzige Schwestern aus 
Heiligenstadt. 1898 wurden 83 Kranke verpflegt. 



Königreich Preussen. — 143 — Emsdetten — Ennigerloh. 

Emsdetten, 6 302 Einw. (Kreis Steinfurt, Reg.-Bez. Münster). 

Marien -Hospital. 1868 errichtet. Eigenthümer: Katholische Kirchengemeinde. 
Arzt: Dr. Voss. Wartepersonal: 8 Pranziskanessen aus Münster. SO Betten, darunter 11 
für Kinder. Ycrpil egungspreis: O.to M täglich. 1898 wurden 152 m., 97 w. Kranke durch- 
schnittlich 22 bezw. :'>4 Tage verpflegt, S m., 11 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 
7 Altersschwache. 1 Sieche und 33 Krätzkranke. Einnahmen 1898: 5 405 H Verpflegungsgeld. 

Endein, Gemeinde Lembeck, 1 947 Einw., Postort Wulfen (Kreis Recklinghauseu, Reg.- 
Bez. Munster). 

St. Michaelis -Krankenanstalt. Eigenthümer: Erbmarschall Reichsgraf Ferdinand 
von Merveldt. 

Endenich. 3 862 Einw. (Landkreis Bonn, Reg.-Bez. Köln). 

Kanalisation geplant. 

Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Gemüthsk ranke von Dr. von der Helm. 

26. Okt. 1844 durch den Geh. Sanitätsrath Dr. Richarz begründet. Konsultirender Arzt: Geh. 
Sanitätsrath Dr. Oebeke. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 8 m., 12 w. Krankenwärter. 
57 Betten. Verpflegungspreis: 8,33 und 6 M täglich. 

Engelskirchen, 4 202 Einw. (Kreis Wipperfürth, Reg.-Bez. Köln). 

St. Josef- Hospital. 1859 durch Pfarrer Rembold gestiftet. Eigenthümer: Gräfin 
Maria von Nesselrode-Ehreshoven. Arzt: Dr. Hilchenbach. Wartepersonal: 9 arme Dienst- 
mägde Jesu Christi aus Dernbach. 50 Betten: 20 f. M., 30 f. Fr., darunter S für Kinder. 
Verpflegungspreis: 0,«o bis l,so M täglich. 189S wurden 43 m., (53 w. Krauke durch- 
schnittlich 35,7 Tage verpflegt, 6 m., 10 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 25 Alters- 
schwache, 6 Sieche und Krüppel. Ausgaben 1898: 14500 M. Die Einnahmen betrugen 13 200 M 
Verpflegungsgeld und 1 500 M Geschenke. 

Enger, 2 445 Einw. (Kreis Herford, Reg.-Bez. Minden). 

Evangelisches Kranken- und Siechenhaus. 1870 errichtet. Eigenthümer: Evan- 
gelische Kirchengemeinde. Wartepersonal: 1 Diakonissin. 35 Betten. 

Evangelisches Männerasyl, Heilstätte für Trinker. In erster Linie für entlassene 
Gefangene gegründet. Wohlthätige Stiftung mit Rechtsfähigkeit. Vorsteher: ein evangelischer 
Geistlicher. Aerztliche Aufsicht. 40 Plätze. Verpflegungspreis: 0,40 bis 0,eo M täglich. 
Aufenthalt bis 2 Jahre, Beschäftigung mit Landwirthschaft und Bürstenfabrikation. Anlage- 
kosten : a) für die Gebäude 42 700 M, b) für Acker-, Wiesen- und Gartengrundstücke 24 072 M, 
c) für Inventar 25 090 M, zusammen S9 SG2 M. 

Engers, 2 753 Einw., 2 Aerzte, 2 Hebammen, 1 Militär-Dispensiranstalt (Kreis Neuwied, 
Reg.-Bez. Koblenz). 

In der Kriegsschule befindet sich ein Desinfektions-Apparat. — Eine militärische 
Badeanstalt vorhanden, welche im Sommer auch von der Civilbevölkerung benutzt werden 
kann. — Bau-Polizei-Ordnung vom 22. Jan. 1897. 

Lazaret der Kriegsschule. Erbaut wurde das Gebäude 175S— 1762, als Krankenhaus 
bezogen 1863. Es liegt im Südwesten des Dorfes, dicht am Rhein. Vorstand: Oberarzt 
Dr. Peters. 8 Betten. 1898 wurden 82 Kranke durchschnittlich 10,3 Tage verpflegt. 

Krankenhaus „St. Augustin". 1883 eröffnet vom Mutterhaus der Franziskanerinnen 
zu Waldbreitbach. Arzt: Dr. Lüssem. Wartepersonal: 13 Franziskanerinnen aus Wald- 
breitbach. 42 Betten in 3 Kl. Verpflegungspreis: 4 M, 2,50 M, l,2u M täglich. lS9Swurden 
50 m., 16 w. Kranke durchschnittlich 53 Tage verpflegt, 3 m., 1 w. sind gestorben. 

Ennigerloh, 3 352 Einw. (Kreis Beckum, Reg.-Bez. Münster). 

Krankenhaus der Kirchengemeinde. Mai 1899 eröffnet. Wartepersonal: 4 Franzis- 
kanessen aus Münster. 34 Betten. 



Epe — Erfurt. — 144 — Königreich Preussen. 

Epe (Uppermark), 6 124 Einw. (Kreis Ahaus, Reg.-Bez. Münster). 

St. Wilhelms-Hospital. 1SS5 von der Familie Bernard Brefeld errichtet. Eigen- 
thümer: Katholische Kirehengerneinde. Arzt: Dr. Wihnink. Wartepersonal: 5 Franziska- 
nessen aus Münster. 55 Betten, darunter 10 für Kinder. Verpflegungspreis: 0,50 — 0,75 M 
täglich. 1898 wurden 7S m., 51 w. Kranke durchschnittlich 30 Tage verpflegt, 9 m., 8 w. sind 
gestorben. 

Erbprinzentanne, Stadtgemeinde Zellerfeld mit 4 332 Einw. (Kreis Zellerfeld, Reg.-Bez. 
Hildesheim). 

Genesungshaus für lungenkranke Frauen. Eigenthümer: Alters- und Invaliditäts- 
Anstalt zu Hannover. 1. Okt. 1898 eröffnet. Arzt: Sanitätsrath Dr. Plüiuecke in Zellerfeld. 
Wartepersonal: 3 Diakonissen aus dem Henriettenstift in Hannover. 5S Betten, ein- 
schliesslich 14 in den Baracken. Das massive Gebäude der früheren Brauerei ist um ein Stock- 
werk erhöht. Eine durch Glaswände vor Zugluft geschützte Veranda umgiebt das stattliche 
Haus, von der eine breite Rampe direkt in den Garten führt. In einem besonderen, neu 
errichteten Hause wohnt der Hofmeister. Eine Quelle, welche stündlich 12 Liter Wasser giebt, 
mündet auf dem Hofe. Elektrisches Licht von der Zentrale in Klausthal. Abortseinrichtung: 
Tonnen mit Torfmull. Desinfektionsapparat von Junckemann in Dortmund. Kosten für 
Gebäude und Gelände von 5,6 6 ha betrugen 55 000 M, Kosten für Baulichkeiten einschliesslich 
Betriebseinrichtungen 106 000 M, Kosten der beweglichen Ausstattung 29 000 M. 

Erdmannsdorf, 1 037 Einw. (Kreis Hirschberg, Reg.-Bez. Liegnitz). 

Johanniter- Kranken- und Siechenhans. 3. Juli 1855 vom Landrathe v. Grävenitz 
aus Sammlungen und Geschenken König Friedrich Wilhelms IV. errichtet. Eigenthümer: Schle- 
sische Genossenschaft des Johanniterordens. Arzt: Dr. Galle (Zillerthal). Wartepersonal: 
4 Diakonissen aus Bethanien in Berlin und 1 ausgebildeter Krankenwärter. 60 Betten, darunter 
16 für Kinder. Verpflegungspreis: 3, 2, und 1 M täglich. 1898 wurden 107 m., 117 w. 
Kranke durchschnittlich 58,9 Tage verpflegt, 11 m., 14 w. sind gestorben. 

Erfurt, 81 169 Einw., 65 Aerzte, 5 Zahnärzte, 25 Hebammen, 8 Apotheken (Stadt- 
kreis, Reg.-Bez. Erfurt). 

Seit 1874 Wasserleitung. Das Wasser ist theils Grundwasser aus 11 Grundwasser- 
brunnen, theils artesisches Wasser vom Seeberg bei Gotha. Anlagekosten 1 727 002 M. Gesammt- 
wasserverbrauch im letzten Jahre 1 532 941 cbm, für den Kopf und Tag 52 Liter. 

Städtischer Schlachthof: In Betrieb seit August 1880. Anlagekosten 626 606 M. 
Besondere Stall- und Schlachträume für verdächtiges uud krankes Vieh. Im Kühlhaus Ammoniak- 
kompressionssystem. Im letzten Jahre wurdeu geschlachtet: 7 710 Stück Rindvieh, 9 402 Kälber, 
24 800 Schweine, 11224 Schafe, 425 Ziegen, 217 Pferde, 5 Lämmer; im Ganzen 53 783 Thiere. 
Auf Kopf und Jahr entfällt ein Fleischverbrauch von 61,2 9 kg. 

Die Ab- und Meteorwässer werden durch ein allmählich ausgebautes, aber noch nicht 
beendigtes Kanalsystem unterhalb der Stadt in die Gera geleitet (ohne Klärung); bisherige 
Kosten 906 134 M. Für die Fäkaüen besteht Tonnensystem und pneumatische Ansaugung. 
Anschluss an die Wasserleitung ist noch nicht eingeführt. Nur das städtische Krankenhaus, 
das Garnisonlazaret und das Schlachthaus befördern ihre sämmtlichen, auch Fäkalien führenden 
Abwässer in ein besonderes Klärbassin und von dort in die Gera. Müllabfuhr in blechernen 
Tonnen. 

Aerztliche Leichenschau ist vorgeschrieben. Berechtigt ist jeder ansässige Arzt; 
von der Stadt sind 2 Aerzte dafür ausdrücklich angestellt. 

Desinfektionsanstalt 1891 erbaut. Apparat von Gebr. Schmidt in Weimar. Die 
Desinfektion geschieht mit strömendem Wasserdampf. Desinfizirt wurde 1898 in 316 Fällen. 

Oeffentliche Badeanstalten: 1. Volksbrausebad, 1S95 errichtet, Kosten 28SOO M. 
2. Aktienbadeanstalt (Sehwimmbassin, Wannenbäder, russische, irisch-römische Bäder), errichtet 
1879, Kosten 140000 M, 62 551 Bäder. 3. Frauenbadeanstalt, errichtet ungefähr 1864. — Bau- 
Polizei-Ordnung vom 29. Mai 1896. 

Garnisonlazaret. 1894—1896 erbaut und am 1. Okt. 1896 bezogen. Es liegt nord- 
westlich der Stadt, an der Nordhäuserstrasse. Vorstand: Generaloberarzt Dr. Amende. Warte- 
personal: 7 ausgebildete Militärkrankenwärter. 99 Betten. 1898 wurden 560 Kranke durch- 
schnittlich 23,4 Tage verpflegt, 1 ist gestorben. 



Königreich Preussen. — 145 — Erfurt. 

Bauliche Beschreibung: DasLazaret ist auf einer kleinen Erhebung erbaut und rundum 
frei gelegen (Verwaltungsgebäude 205,« 3 111 über dem Meeresspiegel). Der Boden ist Thon- 
boden mit darunter liegendem Thonkalkstein. Gesammtgrundstücksgrösse 15 267 ijm. Anlage- 
kosten 322716 M. Bansystem: PariHonsystem |4 eingeschossige Krankenpavillons, 1 Ver- 
waltungs- und 1 Wirthschaftsgebäude). Auf 1 Bett kommen 9,3 qm Grund- und 194 qm Licht- 
fläche, auf 1 Kranken 37 cbm Luftraum. Die Kochküche hat Senking'sche Dampftuenageherd- 
Einrichtung. die Waschküche Dampfwaseheinriehtung von Schimmel & Comp, in Chemnitz. 
An Badeeinrichtungen sind vorhanden in drei Rrankenbaraeken je 1, in einer 2 Badestuben, 
enthaltend je 2 kupferne Badewannen. 2 Brausen, 1 Gasbadeofen und 1 Gasheizofen. Ausserdem 
besteht eine Sandbadeeinrichtung für Gasheizung von Herrn. Liebau in Sudenburg -Magdeburg. 
Beleuehtungssystem: Gasbeleuchtung (Glühlicht). Ventilationssystem: Luftschächte in 
Verbindung mit der Heizung. Ofenheizung. Desinfektionsapparat von Gebr. Schmidt in 
Weimar für die gesammte Garnison. Wasserversorgung: Städtische Wasserleitung. Latrinen: 
Wasserspülung. Beseitigung der Abfallstoffe: Anschluss an die Kläranlage des städtischen 
Krankenhauses. 

Städtisches Krankenhaus. Die früher getrennt bestandenen Krankenanstalten sind 
seitens der Stadt 1823 als evangelisches Krankenhaus vereinigt, 1853 durch Ausbau erweitert 
und 1882 vollständig in dem jetzigen Krankenhause aufgegangen. 1897 Erweiterungsbau. 
Leitender Arzt: Dr. Bock. 3 Assistenzärzte. Wartepersonal: 24 Diakonissen vom evange- 
lischen Diakonieverein Zehlendorf. 3 Diakone aus der Schlesischen Diakonenanstalt Kraschnitz 
bezw. Rothenburg 0. L. Aufnahmebedingungen: Die Aufnahme geschieht entweder durch 
Anweisung der Annendirektion zur unentgeltlichen Aufnahme, oder gegen Zahlung eines ent- 
sprechenden Vorschusses auf die Verpackungskosten, oder auf Abonnementsschein für abonnirte 
Dienstboten, Gesellen oder Lehrlinge. 252 Betten, davon: I. Kl. 2, H. Kl. 9, HL Kl. 124 f. iL, 
117 f. Fr. Verpflegungspreis: 5, 3, l,sn M il.soM für Auswärtige) täglich. 1S98 wurden 

1 679 (I. Kl. 13 m., 2 w.; H. Kl. 28 in.. 34 w. : IH. Kl. 817 m.. 785 w.) Kranke durchschnittlich 
29 Tage verpflegt, 81 m., 85 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898: HS 520 iL 
letztere setzten sich zusammen aus 52 387 M Verpflegungsgeld, 245 M für verkaufte Produkte, 
3088 31 Kapitalszinsen. 52 800 M Zuschuss der Stadt, und 10000 M ans Abonnements für 
Lehrerinnen, Dienstboten u. s. w 

Bauliche Beschreibung: 2 isolirt gelegene Pavillons, welche als Senff-Lefevre- 
Stiftung mit einem Kostenaufwand von 205 441 M erbaut worden sind, wurden 1S97 bezogen. 
Der eine derselben für Erwachsene, der andere für Kinder bestimmt. An Stelle des alten 
Operationszimmers sind 2 Säle eingerichtet; auch wurde der chirurgische Pavillon mit einer 
Wannwasserleitung versehen. Ferner wurde eine heilgymnastische Abtheilung ein- 
gerichtet und ausgerüstet mit den erforderlichen Apparaten. Ein Wohnhaus für den Oberarzt 
ist erbaut und 1896 bezogen. 

Eni die rechtzeitige Diagnose der Lungenschwindsucht zu erleichtern, wird seit April 
1S97 im städtischen Krankenhause der Auswurf von Kranken unentgeltlich auf das 
Vorhandensein von Tuberkelbacillen untersucht. In den Polizeirevieren werden 
nummerirte Fläschchen bereit gehalten, welche behufs Einfüllung des Auswurfs verabfolgt und 
dann durch Vermittelung des Polizeireviers dem Krankenhause zugehen. Der Befund wird dem 
Antragsteller vom Krankenhause direkt mitgetheilt. Im Jahre 1897/9S haben 127 Untersuchungen 
stattgefunden und zwar auf Antrag von Aerzten 91, auf Antrag von Privatpersonen 36; 
Tuberkelbacillen sind in 18 Fällen gefunden. Im Jahre 1898/99 sind 101 Untersuchungen 
ausgeführt: in 25 Fällen sind Tuberkelbacillen gefunden. 

Katholisches Krankenhans. 1857 erbaut, Grundstück von Kommerzienrath Lucius 
geschenkt. Kuratorium: Domprobst Beick. Arzt: Dr. Woker. ausserdem Dr. Umpfenbach. 
Wartepersonal: 15 Vincentinerinnen aus Fulda. 150 Betten. 189S wurden 1500 Personen 
verpflegt. 

Kinderhospital. Von den Diakonissen 1870 eröffnet. Gebäude von der Stadt geschenkt. 

2 Diakonissen aus Halle. 20 Betten. 

Privat-Heilanstalt für chirurgische Krankheiten von Dr. Nürnberg. 12. Nov. 1892 
eröffnet. 7 Betten für Männer. 

Chirurgisch -orthopädische Klinik und medico-mechanisches Institut von Dr. Müller. 
8. Dez. 1895 eröffnet. 1 Assistenzarzt. 18 Betten. Verpflegungspreis: 6 — 8 M, 4 — 6 M 
und 2 — 4 M täglich. 1899 wurden 184 m., 30 w. Kranke durchschnittlich 26 Tage verpflegt, 
2 m., 1 m. sind gestorben. 

Privat-Heilanstalt für Ohren-, Käsen- und Halsleiden von Dr. Cohnstädt. 1. Aug. 
1890 eröffnet. 2 Assistenzärzte. 10 Betten. Verpflegungspreis: 6, 5, 4 und 2 M täglich. 

Privat-Heilanstalt für Ohrenkranke von Prof. Dr. Stacke. Eröffnet am 15. Jan. 1887. 
6 Betten. 

Privat-Heilanstalt für Frauenkrankheiten von Dr. Zeiss. 

Privat-Heilanstalt von Dr. Löwenthal. Eröffnet am 30. April 1894. 6 Betten. 

Privat-Augenklinik von Dr. Weitemeyer. 1S93 eröffnet. 6 Betten. Verpflegungs- 
preis: 4 und 3 M täglich. 1898 wurden 3 Kranke durchschnittlich 23 Tage verpflegt. 

Guttetadt, Krankenhaus-Lexikon Tür das Deutsche Reich. 10 



Erkelenz — Erwitte. — 146 — Königreich Preussen. 

Nervenheilanstalt von Dr. Büttner. 25. Nov. 1898 eröffnet. 

Hilfsschule für Schwachbegabte Kinder. 1S96 eröffnet. 5 Klassen, 85 Schüler 1898/99. 

Provinzial-Hebammen-Lehr- und Entbindungs-Anstalt. Gegründet durch Dekret vom 
30. Juni 1787 als Theil der ehemaligen Universität Erfurt, welche 1806 nach Berlin verlegt 
wurde. Die Lehr-Entbindungsanstalt wurde 1818/19 von der Königl. Regierung neu organisirt. 
1876 ist sie in den Besitz der Provinz Sachsen übergegangen. Neubau 1880 eröffnet. Arzt: 
Sanitätsrath Dr. Zschiesche. 1 Assistenzarzt. 1 Hebamme. Aufnahmebedingungen: Schüle- 
rinnen werden theils unentgeltlich, theils für 90, 300 und 350 M Lehr- und Kostgeld zu einem 
fünfmonatlichen Kursus aufgenommen, Schwangere während der Lehrzeit unentgeltlich, ausser 
der Lehrzeit gegen Zahlung von 0,8 5 M, im besonderen Zimmer gegen 2 M für den Tag. 
55 Betten: 35 für Schülerinnen, 20 für Schwangere und Wöchnerinnen nebst Kindern. 1899 
wurden 170 entbunden. 

Evangelisches Siechenhaus. 1872 von der Stadt ins Leben gerufen, seit 1882 in das 
frühere evangelische Krankenhaus verlegt. Arzt: Sanitätsrath Dr. Loth. 

Die vereinigten evangelischen milden Stiftungen. Mehr als 200 alte und gebrech- 
liche Leute werden in dem sogenannten grossen, dem kleinen und in dem Armenhospitale ver- 
pflegt. Neubau eines Armenhospitals mit 104 Zimmern = 208 Betten geplant. 

KathoUsehes Siechenhaus, Lucius -Hebel- Stiftung. Arzt: Dr. Axmann. 45 Betten. 

Karolinenstiftung. Verpflegung von kranken und amien Witwen und Jungfrauen 
katholischer Konfession. 2 Vincentinerinnen aus Fulda. 14 Betten. 189S wurden 12 Personen 
verpflegt. 

Siechenhaus. 1869 errichtet. 5 Vincentinerinnen aus Fulda. 50 Betten. 

Krankenpflegeverein „Hilfe". 1S96 gegründet. Kranken- und Wochenbettpflegerinnen 
werden zur Verfügung gestellt. 

Provinzial -Taubstummenanstalt. Internat und Externat. Auf Anregung des Regie- 
rungs- und Schulraths Hahn von der Freimaurerloge „Karl zu den drei Adlern" gegründet und 
und am 2. Jan. 1822 mit 6 Zöglingen eröffnet. Seit 1. April 1825 Staatsinstitut, 1840 der 
Provinzial -Verwaltung übergeben. 1876 vom Provinzialverbande der Provinz Sachsen über- 
nommen. Die Trennung vom Seminare fand am 1. April 1878 statt. 

Direktor: Prüfner; 8 Lehrer, 1 Lehrerin. 8 Klassen; 77 Zöglinge. Schulgeld 60 M. 

Mit der Taubstummenanstalt ist eine Fortbildungsschule für erwachsene Taubstumme 
beiderlei Geschlechts verbunden, welche am 1. Nov. 1883 eröffnet wurde. 5 Lehrer; 2 Klassen, 

15 Schüler. Kein Schulgeld. 

Erkelenz, 4 168 Einw. (Kreis Erkelenz, Reg. -Bez. Aachen). 

Hermann -Joseph -Stiftung für arme Altersschwache und Waisen. Am 30. Okt. 1S64 
vom Königlichen Notare und Justizrathe Hermann Joseph Cormanns errichtet. Eigen- 
thümer: Pfarrgemeinde. Arzt: Dr. Stühlen. Wartepersonal: 9 arme Dienstmägde Jesu 
Christi aus Dernbach. 23 Betten. Verpflegungspreis: 2 und 1 M täglich. 1898 wurden 

16 m., 18 w. Kranke durchschnittlich 19 bezw. 8 Tage verpflegt, 3 m., 2 w. sind gestorben. 
Ausgaben 1898: ordentliche 4 561 M, ausserordentliche 2 622 M. Die Einnahmen betrugen 
7 202 M und setzten sich zusammen aus 952 M Verflegungsgeld, 6 000 M Kapitalszinsen, 250 M 
Geschenken. 

Ershausen, 805 Einw. (Kreis Heiligenstadt, Reg.-Bez. Erfurt). 

Krankenhaus der barmherzigen Schwestern, Filiale des Mutterhauses zu Paderborn, 

eröffnet 14. Sept. 1885. Arzt: Dr Wartepersonal: 4 Vincentinerinnen. 22 Betten. 

189S wurden 59 Krauke verpflegt. 

Krankenhaus (Helbhann'sche Stiftung). Vorstand aus Mitgliedern der Familie, des 
Geistlichen und Ortsvorstandes. 10 Betten. 

Erwitte, 1 649 Einw. (Kreis Lippstadt, Reg.-Bez. Arnsberg). 

von Hörde'sehes Marien -Hospital. S. Juni 1S59 von Freifrau von der Decken zu 
Schwarzenraben gestiftet. Eigenthümer: Katholische Kirche ad St. Laurentium. Arzt: 
Dr. Marx. Wartepersonal: 9 arme Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach. 54 Betten. 
Verpflegungspreis: 1,50 — 2,50 M und 0,50 — IM täglich. 1898 wurden 82 m., lOOw.Kranke 
durchschnittlich 67 Tage verpflegt, 7 m., 2 w. sind gestorben. Ausserdem wurden verpflegt: 
4 Pfründner, 23 Altersschwache und 6 Personen zur Ausbildung. Ausgaben 1898: ordentliche 
10 300 M, ausserordentliche 9 931,6 9 M. Die Einnahmen betrugen 21716,51 M und setzten 
sich zusammen aus 8 942,54 M Verpflegungsgeld, 415,io M Legaten, Geschenken und 12 358,8 7 M 
aus sonstigen Quellen. 



Königreich Preussen. — 147 — Eschwege - Essen. 

Eschwege, 10 285 Einw. (Kreis Eschwege, Reg.-Bez. Kassel). 

Wasserleitung seit 1892, 189G erweitert. Städtischer Schlachthof vorhanden. 

Landkrankenhaus. Von der kommunalständischen Verwaltung des Reg.-Bez. Kassel 
28. Jan. 1875 gestiftet. Arzt: Dr. Heinemann. 50 Betten. 1898 wurden 285 m., L60 w. 
Kranke durchschnittlich 33 Tage verpflegt, 14 m., 4 w. sind gestorben. 

Hospital. 1894 übernommon. 

Eschweiler, 19 440 Einw. (Landkreis Aachen, Reg.-Bez. Aachen). 

Zentrale Wasserleitung seit 1888, Quellwasser. — Städtischer Schlachthof mit 
Kühlhaus vorhanden. 

St. Antonius-Hospital. 2. Aug. 185S durch freiwillige Beiträge errichtet. Eigen - 
thümer: Die katholische Pfarrkirche. Arzt: Sanitätsrath Dr. Wilhelms. Wartepersonal: 
IS Franziskanerinnen aus Aachen. 130 Betten. Verpflegungspreis: 3, 2. 1.25 und 1 M 
täglich. 189S wurden 399 ni., 132 w. Kranke durchschnittlich G3 Tage verpflegt, 40 m., 19 w. 
sind gestorben. Ausserdem wurden 9 Sieche und Krüppel verpflegt. 

Kreispflegehans. Am '24. Nov. 1891 forderte in einem Rundschreiben an die Bürger- 
meister des Landkreises Aachen der Vorsitzende des Kreisausschusses Freiherr von Coels zur 
Belegung des eben fertiggestellten Kreispflegehauses auf. „Ich bemerke dabei." sagte derselbe, 
„dass in der Anstalt nicht nur Sieehe und Altersschwache beiderlei Geschlechts, sondern auch 
unheilbare Kranke und insbesondere auch an schweren, entstellenden und besonderer Pflege 
bedürfenden Krankheiten (z. B. Krebs, Epilepsie u. s. w.) Leidende Aufnahme finden können. 
Für die Aufnahme von Tobsüchtigen ist die Anstalt jedoch nicht eingerichtet. Der tägliche 
Pflegesatz beträgt 80 Pfg.'" Am 1. Dez. wurde der erste Kranke aufgenommen. Innerhalb 
eines Jahres waren 50 Betten belegt. Das Haus zählte am 1. Jan. 1899: 69 m., 70 w. Pfleg- 
linge. Durch einen im Februar 1899 bezogenen Erweiterungsbau ist die Anstalt in den Stand 
gesetzt, statt früher 124 Pfleglinge, deren 100 männliche und 100 weibliche aufzunehmen, 
beit dem 18. Juni 1895 fungirt ein eigener Anstaltsarzt. Den barmherzigen Schwestern, Borro- 
mäerinnen aus Trier wurde die Pflege übertragen; am 1. Jan. 1899 wirkten dort bereits 
10 Borromäerinnen. 

Eslohe, 2 090 Einw. (Kreis Meschede, Reg.-Bez. Arnsberg). 

St. Josephs-Hospital. 14. Febr. 189G von Fabrikbesitzer Ferdinand Gabriel gestiftet. 
Eigenthümer: Mutterhaus in Olpe. Arzt: Dr. Schulte. Wartepersonal: 5 Franziskanerinnen 
aus Olpe i. W. 20 Betten. Verpflegungspreis: 0,80 — 1 M täglich. 1S99 wurden 30 m., 
23 w. Kranke durchschnittlich 35 Tage verpflegt, 1 m., 1 w. sind gestorben. Ausgaben 1899: 
2 988 M. Die Einnahmen betrugen 2 905 M Verpflegungsgeld und 127 JI Kollekten. 

Essen, 96 128 Einw., 58 Aerzte, 5 Zahnärzte, 9 Apotheken (Stadtkreis, Reg.-Bez. 
Düsseldorf). 

Städtische Wasserleitung seit 1865. — Städtischer Vieh- und Schlachthof 
mit Kühlhaus vorhanden. — Kanalisation seit 1866. Neukanalisation. — Städtische öffent- 
liche Desinfektionsanstalten befinden sich in dem evangelischen und in dem katholischen 
Krankenhause. — Aerztliche Leichenschau ist gemäss Polizeiverordnung vom 21. Febr. 18S7 
vorgeschrieben. — Badeanstalten: 2 Volksbrausebäder, 1 grosse Badeanstalt. 

Evangelisches Krankenhaas „Huyssen. Stiftung". 19. Sept. 1853 von Heinrich 
Arnold Huyssen gestiftet. Am Hauptbahnhof gelegen, Korridorsystem. Erweiterungsbau 
1889 nnd 1S93/94. Eigenthümer: Evangelische Gemeinde. Behandelnde Aerzte: Sanitäts- 
rath Dr. Wahl für äussere, Kreisphysikus Dr. Racine für innere Abtheilung. 2 Assistenz- 
ärzte. Wartepersonal: 14 Diakonissen aus Kaiserswerth, 3 ausgebildete Krankenwärter. 
270 Betten in 3 Klassen (I. Kl. je 2, H. Kl. je 4, in. Kl. 173 f. M., 85 f. Fr.). Verpflegungs- 
preis: 6, 3 1,75 M täglich. 189S wurden 2 394 Kranke (1713 m., 681 w.) durchschnittlich 
2S Tage verpflegt, 92 m., 53 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: 107 500 M. Die Einnahmen 
betrugen 108 787 M und setzten sich zusammen aus 93 202 M Verpflegungsgeld, 9 265 M 
Kapitalszinsen, 1 056 M Legaten, Geschenken und 5 264 M aus sonstigen Quellen. 

Krankenpflegeanstalt der barmherzigen Schwestern. 1S43 errichtet. Neubau (Korridor- 
system) 1891 bezogen. Die Hauptanstalt besitzt Rechtsfähigkeit. Aerzte: Sanitätsrath 
Dr. Herscheim und Dr. Seidel. Wartepersonal: 20 Elisabethinerinnen. 265 Betten: 180 f. IL. 
85 f. Fr., darunter 20 für Kinder. Verpflegungspreis: 5,50, 3, l,so M täglich. 1S98 wurden 
1 867 m., 728 w. Kranke durchschnittlich 25 bezw. 27 Tage verpflegt, 83 m., 42 w. sind gestorben. 

Friedrich Kmpp'sches Krankenhaus. Ende 1870 von Alfred Krupp errichtet. 
Leitender Arzt: Dr. Knoch. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 6 Elisabethinerinnen, 9 aus- 

10* 



Essen — Euskirchen. — 148 — Königreich Preussen. 

gebildeteVKrankenwärter. 177 Betten: 116 f. M., (51 f. Fr. Verpflegungspreis: 5, 4, 1,75, 
l,2o M, Kinder bis 14 Jahren 0,so M, Säuglinge 0,40 M täglich. 1898 wurden 2 655 m., 
444 w. Kranke (einschliesslich 219 m., 84 w. Krätzkranke) durchschnittlich 13 Tage verpflegt, 
83 in., 34 w. sind gestorben. — Pavillonsystem. 

Chirurgische Privat-Heilanstalt von Dr. Morian. April 1SS7 eröffnet. 4 Betten. 

Privat-Heilanstalt für Frauenkrankheiten von Dr. Glimmert. 1. Okt. 1896 eröffnet. 
Wartepersonal: 2 Schwester vom rothen Kreuz aus Elberfeld. 16 Betten. Verpflegungs- 
preis: 10, 6, 3 M täglich. 1898 wurden 282 kranke Frauen durchschnittlich 11 Tage verpflegt, 

2 sind gestorben. 

Kloster der barmherzigen Brüder. Heilanstalt 1. Nov. 1897 eröffnet. Arzt: 
Dr. Merscheim. Wartepersonal: 12 barmherzige Brüder aus Montabaur. 6 Betten. Ver- 
pflegungspreis: l,su M täglich. 1898 wurden 3 Kranke durchschnittlich 267 Tage verpflegt. 

Kaiser Friedrieh - Kinderhospital. Anlässlich der Jahrhundertfeier am 22. März 1897 
zum Andenken an Kaiser Wilhelm den Grossen hat Geheimrath Krupp zur Errichtung der 
Anstalt 100 000 M, Frau Friedrich Grillo 30 000 M gespendet. Bau geplant. 

„Franz Sales-Haus>' — Idioten-Anstalt, siehe Huttrop. 

Wöehnerinnenheim. Städtische Entbindungsanstalt für hilflose arme Wöchnerinnen. 
15. März 1888 eröffnet. 5 Betten. Aerzte: Stadtärzte Dr. Gottschalk und Dr. Reinhard, 
halbjährlich abwechselnd. Verpflegungspreis: 1 M täglich. 25 Entbindungen im Jahre 1899. 
Ausgaben 2 250 M. 

Provinzial - Taubstummen - Anstalt. 10. Mai 1880 eröffnet. Direktor: H.J.Ochs. 

3 Lehrer, 1 Lehrerin. Die Kinder aus dem Stadt- und Landkreise Essen zahlen Schulgeld, 
dessen Höhe sich nach der von den Eltern zu zahlenden Steuer richtet. 

Dauer des Ausbildungskursus 7 bis 8 Jahre. - - 5 Klassen mit einer Durchschnitts- 
Schülerzahl von 12 Kindern in 1 Klasse. In der Fortbildungsschule wurden regelmässig 
27 Zöglinge (16 Knaben und 11 Mädchen) unterrichtet. Die Kosten für diese Schule betrugen 
905 M (Beitrag der Provinz 180 M, Firma F. Krupp 150 M, Schulgeld und Zuschuss der Stadt 
545 M). 

Essen, 943 Eiuw. (Kreis Wittlage, Reg. -Bez. Osnabrück). 

Siechenhaus. August 1880 errichtet. Wartepersonal: 2 Diakonissen aus dem Hen- 
riettenstift in Hannover. 1898 wurden 74 Kranke verpflegt. 

Eupen, 15 111 Einw. (Kreis Eupen, Reg. -Bez. Aachen). 

Städtische Badeanstalt mit Hospital verbunden. 

St. Nikolaus-Spital. 1841 durch mehrere Wohlthäter errichtet. Die Anstalt besitzt 
Rechtsfähigkeit. Eigentbümer: Die Stadt. Arzt: Dr. Küpper. Wartepersonal: 14 barm- 
herzige Schwestern, Borromäerinnen aus Trier. 47 Betten. Verpflegungspreis: 3, 2 und 
1 M täglich. 1898 wurden 61 m., 54 w. Kranke durchschnittlich 34 bezw. 42 Tage verpflegt, 

7 m., 9 w. sind gestorben. Ausserdem wurden 16 Altersschwache, 11 Sieche und Krüppel und 
1 m., 3 w. Krätzkranke verpflegt. 

Irren-Bewahranstalt, Abtheilung des St. Nikolaus- Hospitals. 1848 eröffnet. 86 Betten: 

8 f. M., 78 f. Fr. 

Kneippkuranstalt. Verpflegung von chronischen Kranken weiblichen Geschlechts. 
7. Juni 1895 durch Generaloberin Mutter Elisabeth errichtet. Eigenthümer: Mutterhaus der 
Franziskanerinnen von der heiligen Familie. Arzt: Dr. Adolph. Wartepersonal: 8 Franzis- 
kanerinnen. 13 Betten. Verpflegungspreis: 2,50 und 3 M täglich. 1898 wurden 37 Frauen 
durchschnittlich 38 Tage verpflegt. Die Einnahmen 1898 betrugen 4 200 M Verpflegungsgeld 
und 720 M aus sonstigen Quellen. 

Euskirchen, 9 588 Einw. (Kreis Euskirchen, Reg.-Bez. Köln). 

Wasserleitung vorhanden. Schlachthaus geplant. 

Marien-Hospital. 7. Aug. 1863 von Dechant und Pfarrer Jacob Vogt gestiftet. Privat- 
institut mit Rechtsfähigkeit. Freie Arztwahl AVartepersonal: 17 Franziskanerinnen aus 
Aachen. 172 Betten (100 f. M.. 72 f. Fr.) in 4 Klassen. Verpflegungspreis: 3, 2, l,2o und 
0,90 M täglich. 1898 wurden 584 (.'165 in., 219 w.) Kranke durchschnittlich 59 Tage verpflegt, 
14 m., 18 w. sind gestorben. Ausserdem wurden verpflegt: 111 Kinder zu billigeren Preisen 
und 28 Personen gratis. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 32 440 M, letztere setzten 
sich zusammen aus 32 260 M Verptiegungsgeld und 180 M Kapitalsziusen. 



Königreich Preussen. — 149 — Everswinkel — Falkeustein. 

Everswinkel, 2 226 Einw. (Kreis Warcudorf, Reg.-Bez. Münster). 

St. Vitras -Hospital. 9. Xov. 1887 eröffnet. Eigenthümer: Katholische Pfarrkirche. 
Arzt: Dr. Pöllmann. Wartepersonal: 4 Franziskanessen aus Münster. 20 Betten. Ver- 
pflegungspreis: 1,50, 1 und 0,50 M täglich. 1899 wurden 44 m., 33 w. Kranke durch- 
schnittlich 50 'läge verpflegt, 7 in., 6 w. sind gestorben. 

Eving. 4 128 Einw. (Landkreis Dortmund, Reg.-Bez. Arnsberg). 

Kaiser Wilhelm -Hospital. :.'7. Xuv. 189G von den Gemeinden Eving und Liudenhorst 
gestiftet. Vorstand: Amtmann Bonnermann. Arzt: Dr. D'Ham. Wartepersonal: 2 Dia- 
konissen aus Witten a./R. 32 Betten: 24 f. M., 8 f. Fr. Verpflegungspreis: 7,50, 3 und 
1,50 M täglich. 1898 wurden 212 m., 37 w. Kranke durchschnittlich 20 bezw. 2G Tage 
verpflegt, 5 ni., 1 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 14 311,17 M, 
letztere setzten sich zusammen aus 7168,73 M Verpflegungsgeld, G000 M Zuschuss der Ge- 
meinden und 1 142.4 5 M aus sonstigen Quellen. 

Exin, 2 962 Einw. (Kreis Schubin, Reg. -Bez. Bromberg;. 

Städtischer Schlachthof vorhanden. 

Städtisches Krankenhaus. 1842 errichtet. Arzt: Dr. Mangelsdorff. 8 Betten. Ver- 
pflegungspreis: 0,so M täglich inkl. Medizinkosten. 1898 wurden 13 m., 1 w. Kranke 
durchschnittlich 19 Tage verpflegt, 1 m. ist gestorben. 

Eydtkuhnen, 3 368 Einw. (Kreis Stallupönen, Reg.-Bez. Gumbinnen). 

Gemeinde-Krankenstuben mit 10 Betten. 1868 von der Gemeinde errichtet. Arzt: 
Dr. Leistner. Verpflegungspreis: 0,bo und 0,«o M täglich. 1898 wurden 14 m., 6 w. 
Kranke durchschnittlich 54 Tage verpflegt, 1 m. ist gestorben. 

Falkenberg i. Ob.Schl., 2 061 Einw. (Kreis Falkenberg i. Ob Schi.. Keg.-Bez. Oppeln). 

Johanniter-K rankenhaus. 1S62 durch den Johanniter-Orden errichtet, hat Rechts- 
fähigkeit. Arzt: Sanitätsrath Dr. Rother, Kreisphysikus. Wartepersonal: 4 Diakonissen 
aus Bethanien in Breslau; 1 m., 2 w. Krankenwärter. 42 Betten. Verpflegungs- 
preis: 1 bis 0,50 M täglich. 1899 wurden 293 m., 90 w. Kranke durchschnittlich 40 Tage 
verpflegt. 14 m.. 11 w. sind gestorben. Ausgaben 1899: 17 3fi0 M. Die Einnahmen betrugen 
17 655 M und setzten sich zusammen aus 9 oll M Verpflegungsgeld, 360 31 für verkaufte 
Produkte, 150 M Zuschuss des Kreises, 8 100 M des Ordens und 34 M aus sonstigen Quellen. 

St. Hedwigs -Krankenhans. 1860 errichtet und 1890 erweitert. Eigenthümer und 
Vorstand: Graf Friedrich v. Praschma. Arzt: Dr. Boss. Wartepersonal: 5 Vincentine- 
rinnen aus Kulm. 36 Betten. Verpflegungspreis: bis 0,ao M täglich. 1898 wurden 153 m., 
51 w. Kranke durchschnittlich 30 bezw. 63 Tage verpflegt, 3 m., 6 w. sind gestorben. Aus- 

faben und Einnahmen 1898 betrugen 7 450,24 M, letztere setzten sich zusammen aus 4 737,35 M 
erpflegungsgeld und 2 712,89 M Zuschuss des Grafen von Praschma. 

Falkenburg, 4 078 Einw. (Kreis Dramburg, Keg.-Bez. Köslin). 

Städtischer Schlachthof vorhanden. 

Städtisches Krankenhaas. 1868 errichtet und 1882 neu erbaut. Arzt: Dr. Grubert. 
20 Betten. Verpflegungspreis: 0,60 M täglich. 1898 wurden 62 m., 9 w. Kranke durch- 
schnittlich 34 Tage verpflegt, 2 m., 1 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898 
betrugen 1 522, so M, letztere setzten sich zusammen aus 1 384, 20 M Verpflegungsgeld und 
138,fio M Zuschuss der Stadt. 

Falkenstein i. Taunus, 908 Einw. (Kreis Obertaunus, Reg.-Bez. Wiesbaden). 

Heilanstalt für Lungenkranke. 1874 auf Anregung von Frankfurter Aerzten gegründet 
und im Frühjahr 1876 eröffnet. Besitzer ist die Aktiengesellschaft Falkenstein. Ver- 
pflegungssatz für Zimmer von 1 bis 7, 50 M, für Verpflegung ohne Getränke mit Einschluss 
ärztlicher Behandlung 8 M, für Aerzte 6 M. für Kinder bis 10 Jahre 5 M, für Dienerschaft 
4 M täglich. Eintrittsgeld 20 M. Die Anstalt hat nur eine Verpflegungsklasse; Freistellen 
bestehen nicht. Konsultirender Arzt: Geh. Sanitätsrath Dr. Dettweiler. Leitender Arzt: 
Dr. Hess. Zweiter Arzt: Dr. Besold. 2 Assistenzärzte. Vorstand: Ad. v. Grunelius, Frankfurt a. M. 
114 Betten. 1898 wurden 406 Kranke 3 bis 4 Monate verpflegt, 5 m., 3 w. sind gestorben. 
In allen Räumen elektrische Beleuchtung; den Strom liefert die eigene Maschinenanlage. 
Im Jahre 1S83 ist die Entwässerungsanlage durch den Baurath W. H. Lindley ausgeführt; 
System chemischer Füllung mit darauf folgender Klärimg der Abwässer im Klärbecken. 



Farschweiler — Fischhausen. — 150 — Königreich Preussen. 

Farschweiler, 408 Einw. (Landkreis Trier, Eeg.-Bez. Trier). 

Krankenhaus der Franziskanerinnen zu Waldbreitbaeh. Eröffnet 1872. 5 Franzis- 
kanerinnen. 8 Betten. 

Fechenheim, 4 359 Einw. (Landkreis Hanau, Eeg.-Bez. Kassel). 

Reconvalescentenanstalt „Mainkur". 1868 eröffnet. Eigenthümer: Das Hospital 
zum heiligen Geist in Frankfurt a. II. 25 Betten für Frauen (siehe Neuenheim für Männer). 
Arzt: Dr. Wohlfarth. 

Festenberg. 2 357 Einw. (Kreis Gr. Wartenberg, Eeg.-Bez. Breslau). 

Städtisches Krankenhans. 16S1 von der Besitzerin der Herrschaft Festenberg gestiftet. 
1888 von der Stadt neu erbaut. Arzt: Dr. Langiewicz. 14 Betten. Yerpflegungspreis: 
M täglich. 1898 wurden 37 m., 3 w. Kranke durchschnittlich '25 bezw. 9 Tage verpflegt, 
1 m. ist gestorben. Ausserdem wurden verpflegt 3 Sieche und Krüppel. Ausgaben 189S: 
950.16 M. Die Einnahmen betrugen 957.47 M und setzten sich zusammen aus 717,27 M Ver- 
pflegungsgeld. 58.45 M Kapitalszinsen, 150 M Zuschuss des Kreises und 31,75 M Geschenken. 

Fiddichow, 2 801 Einw. (Kreis Greifenhagen, Eeg.-Bez. Stettin). 

Städtische Krankenanstalt. 1867 eingerichtet, 1879 erweitert. Arzt: Dr. Kleikamp. 
10 Betten. 1898 wurden 2 Kranke verpflegt. 

Filehne, 4 425 Einw. (Kreis Filehne, Eeg.-Bez. Bromberg). 

Schlachthof geplant. 

Städtisches Krankenhans. 1872 von der Stadt errichtet. Aerzte: Drs. Kasior, 
Fronzig und Gahbler. 19 Betten. Yerpflegungspreis: O.so M täglich. 1S99 wurden 74 m., 

15 w. Kranke durchschnittlich 31 bezw. 84 Tage verpflegt, 6 m., 1 w. sind gestorben. Aus- 
gaben 1 776 31. 

Privatkrankenhans des Pädagoeinms Ostrau. Arzt: Dr 1 Krankenwärter. 

16 Betten. 

Finkenwalde. 1 891 Einw. (Kreis Eandow, Eeg.-Bez. Stettin). 

Sanatorinm Buchheide von Dr. C'olla, Heilanstalt für Nerven-, Alkohol- und Morphium- 
kranke. Eröffnet am 15. Aug. 1895. TYartepersonal : 2 Krankenwärter (1 m., 1 w.). 15 Betten. 
Verpflegungspreis: 7 und GM täglich. 

Finsterwalde, 9 661 Einw. (Kreis Luckau, Eeg.-Bez. Frankfurt). 

Städtischer Schlachthof mit Kühlhaus vorhanden. 

Städisches Krankenhans. 1S59 errichtet. Arzt: Dr. Wolff. 19 Betten. Verpfle- 
gungspreis: 0,60 M täglich. 1S98 wurden 94 m., 19 w. Kranke durchschnittlich 27.7 bezw. 
53.3 Tage verpflegt, 2 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 189S betrugen 4 287,ia M, 
letztere setzten sich zusammen aus 2 314.90 M Verpflegungsgeld und* 1 972.22 M Zuschass 
der Stadt, 

Fischerwall bei Dannenwalde a. Nordbahn, Gem. Neu Lüdersdorf mit 109 Einw. (Kreis 
Euppin, Eeg.-Bez. Potsdam). 

Erholungshans Elisabethruh für Damen. 1899 Neubau. Pensionspreis (Zimmer und 
Beköstigung) 2,so M, für 2 Personen in einem Zimmer 4,50 M täglich. Gelegenheit zu warmen 
und kalten Bädern. Grösserer Neubau mit Festsaal. Anmeldungen zur Aufnahme sind zu 
richten 1. an die Vorsteherin von Elisabethruh in Fischerwall, oder 2. an die Verwaltung 
des Elisabeth-Siechenhauses zu Berlin N., Eberswalderstr. 17/18. 

Fischhausen, 2 755 Einw. (Kreis Fischhausen, Eeg.-Bez. Königsberg). 

Städtisches Krankenhans. 1891 errichtet. Arzt: Dr. Rossocha. 9 Betten. Ver- 
pflegungspreis: 0,80 — 1,50 M täglich. 1898 wurden 17 m., 8 w. Kranke durchschnittlich 
38 Tage veqiflegt, Im. 2 w. sind gestorben. 



Königreich Preussen. — 151 — Flamersheim — Flinsberg. 

Flamersheim, 905 Einw. (Kreis Rheinbach, Reg. -Bez. Köln). 

Klosterkrankenhaus. Eigenthuin der Kirche. 5 Augustinerinnen, 6 Betten. 

Flatow, 3 909 Einw. (Kreis Flatow, Reg.-Bez. Marienwerder). 

Städtischer Schlachthof seit 1S89 vorhanden. 

Städtisches Krankenhaus. Arzt: Kreisphysikus Dr. Hasse. 2 Diakonissen. 39 Betten. 
Verpflegungspreis O.so M täglich. 

Flensburg, 44 760 Einw., 23 Aerzte, 4 Zahnärzte, 17 Hebammen, 4 Apotheken (Stadt- 
kreis, Reg.-Bez. Schleswig). 

Die Wasserleitung wird Ton der 1,5 km nördlich der Stadt an der Föhrde gelegenen 
Anstalt versorgt; 1S80 erbaut, 1S98 erweitert. Die Kosten betrugen 540000 M. Es bestehen 
6 in gemauerte Brunnen gefasste Quellen, 19 gebohrte Tief brunnen ; sie liefern 3 600 Liter in 
der Minute bei freiem Abfluss. Im Betriebe werden durch Dampfmaschine mit doppeltwirkenden 
Pumpen in der Stunde 280 cbm Wasser 56,6 m hoch befördert. 2 Hochwasserreservoire fassen 
zusammen 1 200 cbm Wasser. 

Schlachthof: Fertigstellung 1. Okt. 1S99. Baukosten einschliesslich Grundwerth rund 
S00000 M. — Die Hauptstrassen sind mit seit 1.5 Jahren streckenweise erweiterten Thonrohr- 
sielen versehen, in welche die Rinnsteine der Nebenstrassen einmünden. Alles Wasser geht in 
die Föhrde. Kosten rund 330 000 M. Kothabfuhr in 1 564 Gewesen durch Eimer unter An- 
wendung von Torfmull, in 159 bestehen Senkgruben, ferner 89 Wasserkloset-, 

Aerztliche Leichenschau seit 6. Febr. 1S75, Einführung des Personenstandsgesetzes. 

Desinfektionsanstalt: Schimmel'scher Apparat 1886 in besonderem Gebäude auf- 
gestellt. 1 Kesselraum, 1 Desinfektionsraum, 1 Raum für zu desinfizirende und einer für des- 
infizirte Sachen. Betrieb gewöhnlich zwei Mal in der Woche. Kosten 8 1 * Kl M. 

Oeffentliche Badeanstalten. An der Föhrde das Ostseebad seit 1875 und das 
Freibad seit 1SS0. — Bau-Polizeiordnung vom 1. März 1S93. 

Garnisonlazaret. 1S77 — 1SS0 erbaut und am 1. Juli 1880 bezogen. Es liegt im Westen 
der Stadt, an der Duburgerstrasse, 35 m über dem Wasserspiegel der Ostsee, dicht neben der 
Kaserne des I. und H. Bataillons des Füsilier-Regiments Königin. Vorstand: Generaloberarzt 
Dr. Niebergall. Wartepersonal: 3 ausgebildete Militärkrankenwärter. 59 Betten. 1898 wurden 
228 Kranke durchschnittlich 31, s Tage verpflegt. 2 sind gestorben. — Gasbeleuchtung. Ventilations 
system: Kippfenster, Luftschäehte in Verbindung mit der Heizung. Desinfektionsapparat v. Rietschel 
u. Henneberg. Wasserversorgung: Städtische Wasserleitung. Latrinen: Eisernes Sammelbecken, 
modifizirtes Wernecke- Fulda -System, Entfernung durch Luftdruckpumpe. Beseitigung der Ab- 
wässer: Anschluss an den Entwässerungskanal der Kaserne bis zur Föhrde. Abfallstoffe werden 
durch Abfuhr beseitigt. 

Diakonissen -Anstalt. 29. Sept. 1874 eröffnet, 1883 Neubau. Aerzte: Dr. Schaedel 
nnd Dr. Jensen. 150 Betten. — Abtheilung für Heilgymnastik ist eingerichtet. 

Franziskushospital. 1864 gestiftet. Eigenthümer: Graf Landsberg-Velen. Arzt: 
Dr. Scheffer. Wartepersonal: 10 bannherzige Schwestern aus Aachen. 16 Betten. 1898 
wurden 9 m., 85 w. Kranke durchschnittlich 25 Tage verpflegt, 5 w. sind gestorben. 

Privat-Heilanstalt für Frauenkrankheiten von Dr. Westphalen. 4. November 1899 
eröffnet. 4 Betten. 

Siechenhaus. Filiale der Diakonissenanstalt. 1S75 errichtet. Arzt: Dr. Schaedel. 
60 Betten. 

Kloster zum heiligen Geist. — Marlinstift. 

Bönnenkamp's Stiftung für alte Seeleute. 

Stiftung für hilfsbedürftige Seeleute and deren Hinterlassene. 1859 gestiftet. 

Harens Knuth'sches Stiftungshaus. 

Flinsberg i. Schi., 1 760 Einw. (Kreis Löwenberg, Reg.-Bez. Liegnitz), 
Kinderheilstätte. 



Flörsheim— Frankenstein. — 152 — Königreich Preussen. 

Flörsheim, 3 212 Einw. (Landkreis Wiesbaden, Eeg.-Bez. Wiesbaden). 

Josefshaus, zur Aufnahme von Altersschwachen und Kranken, in. März 1S96 vom Pfarrer 
Spring gestiftet. Eigenthümer: Katholische Kirchengemeinde. Arzt: Dr. Boerner. Warte- 
personal: 4 arme Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach. 8 Betten. Verpflegungspreis: 
1 und l.io M täglich. 1898 wurden 40 in., 9 w. Kranke durchschnittlich 26,5 Tage verpflegt, 
3 m. bind gestorben. Ausserdem verpflegt: 6 Altersschwache. Ausgaben 1S9S: 1 300 M. Ein- 
nahmen : 1 320 M Verpflegungsgeld. 

Fordon, 2 3 10 Ei:; w. (Landkreis Bromberg, Eeg.-Bez. Bromberg). 

Lazaret der Königl. Strafanstalt. Eigenthümer: Fiskus (Ministerium des Innern). 
Belegfähigkeit: 350 Weiber. Hafträume: 24 Einzelzellen, ausschliesslich Strafzellen. 

6 Schlafzellen. 2." gemeinsame Schlafräume von 1 056 qm Gesanimtgrösse. 9 gemeinsame 
Arbeitsräume von G69 qm Gesammtgrösse. Arzt: Dr. Sebbel. Krankenräume: 4 von 102 qm 
Gesammtgrösse. Krankenzahl 1898: 107 w. 

Forst, 31307 Einw. (Stadtkreis, Eeg.-Bez. Frankfurt). 

Wasserleitung geplant. — Städtischer Schlachthof mit Kühlhaus ohne Freibank 
vorhanden. 

Städtisches Krankenhaus. Vor 1860 errichtet, 1863 vergrössert. Arzt: Dr. Kriebel. 
Wartepersonal: 2 m., 1 w. Krankenwärter. 80 Betten in 3 Klassen. Verpflegungspreis: 
I. Kl. 4—5 M, IL Kl. 3—4 M. III. Kl. l.so— 2 M täglich. 1899 wurden 459 m., 138 w. Kranke 
durchschnittlich 29 bezw. 27 Tage verpflegt, 35 m., 20 w. sind gestorben. Ausgaben und Ein- 
nahmen 1899: 16 994 M, letztere setzten sich zusammen aus 5 240M Verpflegungsgeld, 10 G85 M 
Zuschuss der Stadt und 1 069 M aus sonstigen Quellen. 

Frankenberg, 2 793 Einw. (Kreis Frankenberg, Eeg.-Bez. Kassel). 

Städtisches Krankenhaus und Hospital, unter Leitung einer Diakonissin. 

Frankenstein, 8 206 Einw. (Kreis Frankenstein, Eeg.-Bez. Breslau). 

Neue Wasseranlage, eröffnet 31. Jan. 1895 aus 1 Brunnen. — Städtisches Schlacht- 
haus seit 1893. 

Städtische Krankenanstalt. 1822 von der Stadt eingerichtet. Arzt: Dr. Stoller. 
1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 7 Borromäerinnen aus Trebnitz. 47 Betten. Verpflegungs- 
preis: IM täglich ausser Arzt und Medizin. 1898 wurden 58 m.. 72 w. Kranke durchschnitt- 
lich 47 Tage verpflegt, 5 in.. 2 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 

7 404,32 31. letztere setzten sich zusammen aus 3 407,40 M Verpflegungsgeld, 0,B4 M für ver- 
kaufte Produkte, 1 394,s2 M Kapitalszinsen, 606.95 M Bestand von 1897/98, 901,üo M Vermögens- 
substanz. 593 M Zuschuss der Stadt und 500 M Kostgeld der Schwestern. 

Hospital der barmherzigen Brüder „ad St. Josephum". 8. Nov. 1833 vom Kämmerer 
Erdmann Joseph Tschirsch gestiftet, 1850 eröffnet. Eigenthümer: Konvent der barm- 
herzigen Brüder in Breslau. Behandelnde Aerzte: Kreisphysikus Sanitätsrath Dr. Gottwald 
für die innere Abtheilung. Dr. Stoller für die chirurgische Abtheilung. Wartepersonal: 
14 barmherzige Brüder aus Breslau und 2 Wärter. 60 Betten, darunter 9 für Kinder. 1899 
wurden 959 m. Kranke durchschnittlich 22 Tage verpflegt, Gl sind gestorben. Ausserdem ver- 
pflegt: 2 Pfründner. Ausgaben 1899: ordentliche 28 036,58 M, ausserordentliche 16 366,30 M. 
Die Einnahmen betrugen 44 525,7 9 M und setzten sich zusammen aus 3 447,io M Verpflegungs- 
geld, 1 25s.o;; M für verkaufte Produkte, 10 710,17 M Kapitalszinsen. 1000 M Zuschuss der 
Provinz, 345 M der Kreise, 186 M der Gemeinden, 21 440,25 M Geschenken und 6 139,02 M aus 
.sonstigen Quellen. 

Evangelisches Krankenhaus „Bethanien" für Frauen. Statut vom 6. Nov. 1SGS, 
gestiftet vom Stadtältesten Karl Friedrich Lamm. Milde Stiftung mit Rechtsfähigkeit. 
Arzt: Sanitätsrath Dr. Fischer. Wartepersonal: 3 Diakonissen aus Frankenstein. 35 Betten. 
Vrrpflegungspreis: 2 M bezw. O.ro M täglich. 1898 wurden 225 kranke Frauen durch- 
schnittlich 30,7 Tage verpflegt.. 15 sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 
7 172,8 8 M, letztere setzten sich zusammen aus 3 8 12, 14 M Verpflegungsgeld, 2 476 M Kapitals- 
zinsen, 250 M Zuschuss des Kreises, 30 M der Stadt, 200 M Legaten, Geschenken und 404,74 M 
aus sonstigen Quellen. 

Städtisches Biirgerhospital. 22 Betten. 

Evangelisches Sieehenhaus „Enimaus" der Diakonissenanstalt. 1890 errichtet. 2 Diako- 
nissen. 15 Betten. 



Königreich Preussen. — 153 — Frankfurt a. Main. 

Frankfurt a. Main, 251 000 Eiuw., 281 Aerzte, 33 Zahnärzte, 84 Hebammen, 22 Apo- 
theken (Stadtkreis, Reg. -Bez. Wiesbaden). 

Wasserversorgung: a) Quellwasserleitung vom Vogelsgebirge und Spessart. An- 
gelegt 1870 — 187.\ wird ständig erweitert. Anlagekosten: etwa 12 000000 M. System: Quell- 
fassung und Leitung in ausgemauerten überwölbten Kanälen durch natürliches Gefalle zunächst 
in Brunnenkammern, von hier in zementirten Kanälen in Sammelkammern und aus diesen durch 
Eisenrohre zum Hochreservoir. Von hier aus Druckleitung in die Stadt, b) Grundwasser- 
leitnng aus dem Stadtwalde am südlichen Main-Ufer. Angelegt in den Jahren 1884/85, 1887 
und 1894. Anlagekosten etwa 2 800000 M. System: Erschliessung des Grundwassers durch 
zahlreiche Rohrbrunnen, Leitung durch Saugkammern und Saug- und Druckpumpen zum Hoch- 
reservoir und Vereinigung durch Druckleitung mit dem Rohrnetz der Quellwasserleitung, 
e) Pumpstation am Riederspies. Besteht seit langer Zeit. System: 'Kesselbrunnen 5 m 
Durchmesser und 51 m Tiefe, wird nur in heisser Zeit zuweilen als Aushili'ebrunnen benutzt. 
Sein Wasser wird dann vermittels Saug- und Druckpumpen dem Rohrnetz der Quellwasserleitung 
zugeführt, d) Grundwasserleitung ausschliesslich für den Stadttheil Bockenheim. Angelegt: 
1889/91. Anlagekosten: etwa 500000 M. System: Grundwasser st o 1 1 e n fassung, Druckleitung 
zum Hoch- Wasserreservoir, von hier aus Vertheilung des Wassers durch Röhrenleitung in den 
Stadttheil. Gesammtleistung der Leitungen a — d: Sie liefern ein einwandsfreies Trinkwasser 
in der durchschnittlichen Menge von 135 — 140 Liter für den Kopf und Tag. Gesammtverbrauch im 
Jahre 1898: 11 000000 cbm. e) Giesswasserleitung. Angelegt 1890. Anlagekosten 482 000 M. 
System: Vermittels Saugpumpen wird das nur zur Strassensprengung, Gartengiessung und Spring- 
brunnenspeisung verwandte Wasser dem Main entnommen und durch Druckpumpen in einem 
besonderen Rohrnetz durch die Stadt vertheilt. Leistung nach Bedarf. — Schlachthof: 
Errichtet 1882 85, wird z. Zt. erweitert. Anlagekosten: 1892 650 M. Besteht bis jetzt aus 
Viehhof mit Anschluss an die Eisenbahn, Ställen für 2 000 Hammel, 000 Kälber, 1 500 Schweine 
und 720 Stück Grossvieh und 2 Verwaltungsgebäuden nebst Waagehaus. Der eigentliche 
Schlachthof enthält ein Verwaltungsgebäude, Wasserwerksgebäude, Kleinvieh-Schlachthaus, 
Grossvieh-Schlachthaus, Seperat-Schlaehthäuser für Pferde und krankheitsverdächtige Thiere 
und ein Verkaufsgebäude für Häute, Felle u. dergl. Trichinen- und Fleischbeschau findet in 
der Anstalt durch angestellte Fleischbeschauer und beamtete Thierärzte statt. Leistung 1898: 
14 702 Ochsen und Bullen, 12 806 Kühe und Rinder, 82 956 Schweine, 63 419 Kälber, 1 923 Ferkel 
und Lämmer. 1 21-t Pferde wurden geschlachtet. — Entwässerungs- und Kanalisations- 
anlage: begonnen 1867, wird ständig erweitert. Anlagekosten: etwa 11000000 M. System: 
Sämrutliche flüssigen bezw. schwemmbaren Abfallstoffe werden durch das Sielnetz der 
städtischen Schwemmkanalisation abgeführt, in der Klärbeckenanlage durch Sedimentirung und 
Kalk Wasserzusatz gefällt. Der Niederschlag wird als Dünger verkauft; das gereinigte Wasser 
wird unterhalb der Stadt in den Main geleitet. Leistung vorzüglich. — Abfuhr: Der Haus- 
und Strassenmüll wird durch Privatunternehmer abgefahren. Hausmüll darf innerhalb bewohnter 
Grnndstücke nur in transportablen eisernen Behältern gesammelt werden. Die Abfuhr erfolgt 
2 mal wöchentlich in den frühen Morgenstunden unentgeltlich. Der Müll wird seitens der 
Unternehmer als Düngerzusatz verwerthet. — Aerztliehe Leichenschau wird in der Regel 
durch den behandelnden Arzt ausgeübt, dieser stellt den Todesschein nach dem vom Standesamt 
gegebenen Formular aus. Bei Verdacht auf gewaltsamen Tod ist sofort dem Polizei-Präsidium 
Meldung zu erstatten. Handelt es sich um den Tod eines unehelichen Kindes unter 6 Jahren, 
oder wurde der Verstorbene ärztlich nicht behandelt, so hat ein Physikus den Todesschein auszu- 
stellen. Obduktionen dürfen iu der Regel erst 12 Stunden nach eingetretenem Tode gemacht 
werden. Die Beerdigung Verstorbener darf erst erfolgen, nachdem hierzu ein Erlaubnissschein 
des Standesamtes beigebracht ist. — Sämmtliche grösseren Krankenhäuser besitzen Des- 
infektionsapparate von Budenberg, Rietschel & Henneberg, Schimmel u. a., welche der 
öffentlichen Benutzimg gegen geringes Entgelt frei stehen. Die Desinfektion geschieht durch- 
wegs durch geschulte Desinfektoren. Desinfektionszwang besteht nicht; deshalb ist 
auch eine besondere öffentliche Desinfektionsanstalt nicht vorhanden. — Oef'fentliche Bade- 
anstalten: 1. Oeffentliches städt. Schwimmbad. Errichtet 1S96. Anlagekosten 1000000 M. 
System: 3 Schwimmbassins. 40 Wannenzellen mit Douchevorrichtung, 18 Zellen für Dampf- und 
Luftbäder. Leistung 1898: 274 381 Schwimmbäder, 81283 Wannenbäder, U 070 Luft- bezw. 
Dampfbäder. 2. Oeffentliches Brausebad, errichtet 18S8. Anlagekosten: 20000 AI. 
System: 14 Einzelzellen mit Vorraum zum Entkleiden (10 für Mann., 4 für Frauen) enthaltend 
Douchevorrichtung. Leistung 1898: 33461 Bäder. 3. Oeffentlicher Flussbade- und 
Schwimmplatz am Main dicht oberhalb der Stadt, unentgeltlich; ferner zahlreiche Privat- 
Schwimmbadeanstalten im Main an beiden Ufern. In den Etagen sämmtlicber neueren Wohn- 



Frankfurt a. M. — 154 — Königreich Prenssen. 

häuser der Stadt ausschliesslich des Stadttheils Bockenheim befinden sich Wannenbad- 
einrichtungen, die ihr Wasser aus der Trinkwasserleitung erhalten und meist durch ein in der 
Feuerung des Kochheerdes gelegenes Röhrensystem gewärmtes Wasser bekommen. — Bau- 
ordnung für den Gemeindebezirk der Stadt vom Jahre 1S96. Zusatz betreffend das Bauen in 
der Aussenstadt vom 2. Juni 1S97. 

Garnisonlarzaret (Bockenheim). 1877/79 erbaut und am 1. Aug. 1879 bezogen. Es liegt 
im Norden des Stadttheils Bockenheim an der Strasse nach dem Dorfe Ginnheim. Vorstand: 
General- Oberarzt Dr. Villaret. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 7 ausgebildete Militär- 
Krankenwärter. 103 Betten. 1S9S wurden 736 Kranke durchschnittlich 24 Tage verpflegt, 
4 sind gestorben. Beleuchtungssystem: Gasbeleuchtung mit Sehnittbrenner. Ventilations- 
system: Luftschächte in Verbindung mit der Heizung. Heizungssystem: Einzelheizung 
durch Porzellankachelöfen bezw. BeguUrfülldoppelöfen. Desinfektionsanstalt: Strömender 
Wasserdampf mittels besonderen Dampfkessels. Der Apparat entspricht in seiner Konstruktion 
ungefähr dem Budenberg'schen Desinfektor für die ganze Garnison. Wasserversorgung: 
Städtische Wasserleitung. Latrinen: Wasserspülung. Beseitigung der Abfallstoffe: 
Von 1900 ab Anschluss an die städtische Kanalisation. 

Städtisches Krankenhaus (Gartenstrassel. Am 1. April 18S4 eröffnet. Am Tage der 
Eröffnung des neuen städtischen Krankenhauses ist das Rochus-Spital für alle Zeiten geschlossen. 
Es war eine milde Stiftung; sie bestand seit dem 31. Okt. 1844, die Anstalt in Sachsenhausen 
seit 1845. — In Gemässheit eines zwischen den städtischen Behörden und dem Pflegeamte des 
Rochus-Spitals abgeschlossenen Vertrages werden von nun an die seither in letzterem unter- 
gebrachten Krankheitekategorien dem städtischen Hospitale überwiesen. Das Pflegeamt besteht 
nur noch zur Verwaltung des Vermögens fort, hat aber das Recht, in die städtische Anstalts- 
Deputation eins seiner Mitglieder zu delegiren. Die Einkünfte des Rochus-Spitales werden an 
das städtische Krankenhaus abgeführt; das Terrain ist in städtischen Besitz übergegangen. 

Das städtische Krankenhaus untersteht wie alle übrigen städtischen Krankenanstalten 
dem Magistrat — Anstaltsdeputation, Vorsitzender Stadtrath Dr. Hengsberger. Es wird 
verwaltet durch den Krankenhausvorstand, Vorsitzender: Stadtarzt Geh. Sanitätsrath Dr. Spiess, 
Mitglieder: die 3 Oberärzte der Anstalt, Prof. Dr. C. v. Noorden, Prof. Dr. L. Rehn und 
Dr. C. Henheimer und der Krankenhausverwalter Mulot. 6 besoldete und 6 unbesoldete 
Hilfsärzte. Wartepersonal: 52 Schwestern vom rothen Kreuze des Vaterländischen Frauen- 
vereins, 2.5 Wärterinnen und 9 Krankenwärter. 740 Betten. Verpflegungspreis: 10, 7 und 
4 M für auf eigene Kosten verpflegte Privatkranke, 2,50 und 1,50 M für auf öffentliche Kosten 
verpflegte Kranke und solche Kranke, die in den Sälen verpflegt werden, 1,75 und l,so M für 
Mitglieder von Krankenkassen, mit denen Verträge geschlossen wurden (z. Z. 48 Klassen). 
1898/99 wurden 4 435 Kranke durchschnittlich 27,6 Tage verpflegt, 349 sind gestorben. Ausser- 
dem wurden verpflegt : 1 5 Krankenbegleiter, 460 m. und 10 w. Personen zur Reinigung von Un- 
geziefer, 70 m. und 30 w. an Krätze Leidende. Ausgaben und Einnahmen 1898/99: 657 517,io M, 
letztere setzten sich zusammen aus 327 777,05 M Verpflegungsgeld, 303 291,17 M Zuschuss der 
Stadt und 26 448.«* M aus sonstigen Quellen. 

Bauliche Beschreibung: Das Krankenhaus liegt allseitig frei, in der Nahe des Stadt- 
waldes und des Mainstromes und ist von der Stadt an seiner Nordseite durch den Mittelweg, 
an seiner Südseite durch den Sandhofer Fussweg zugänglich. — Der Untergrund besteht aus 
Sand- und Kiesschichten von bedeutender Mächtigkeit; reichliches Trinkwasser von guter 
Qualität ist durch einen Brunnen erschlossen worden, ausserdem ist Anschluss an die städtische 
Wasserleitung vorhanden. Das Grundstück ist über den bekannten höchsten Hochwasserstand 
des Mains soweit aufgehöht, dass die Gesammtentwässerung der Baulichkeiten mit hochwasser- 
freiem Anschlüsse an den in der Gartenstrasse vorüberziehenden Hanptkanal des städtischen 
Kanalsystems erfolgen konnte. 

Das Krankenhaus enthält 1 dreigeschossigen und 1 zweigeschossigen Pavillon für die 
innere Abtheilung, 1 dreigeschossigen Pavillons für die Haut- und Geschlechtskrankenabtheilung 
und 1 zweigeschossigen Pavillon für die chirurgische Abtheilung. Dampfniederdruckheizung, 
theils Gas, theils elektrische Beleuchtung. Telephonanlagen, elektrische Uhren, Liegehallen und 
Tageräume. Für die Zwecke der Verwaltung und Bewirthschaftung dienen 1 Verwaltungs- 
gebäude, in welchem neben den Verwaltungsräumen und der Anstaltsapotheke die Wohnung 
für den Krankenhausverwalter und die Wohnungen des Apothekenpersonals, einer Anzahl Hilfs- 
ärzte, des Verwaltungspersonals und verschiedener Bediensteten untergebracht sind. Ferner 
ein Dienstwohngebäude für einen Oberarzt, 1 Küchengebäude und 1 Waschhaus mit Dampf- 
betrieb, 1 Kessel- und Maschinenhaus, 1 Stallgebäude. 1 Leichenhaus und 1 Wohngebäude für 
Dienstpersonal. 

Durch eine Mauer und genügenden Raum von der übrigen Anstalt getrennt befindet sich 
die Abtheilung für Infektionskranken, welche event. besonders verwaltet und bewirth- 
schaftet werden kann. Sie besteht aus einem zweigeschossigen Pavillon für 85 Kranke, einem 
eingeschossigen Pavillon für 30 Kranke, 1 Haus für chemische und bakteriologische Labora- 
torien und 1 Leichenhaus. 

Das Gesammtgrundstück hat einen Flächeninhalt von rund 69 000 qm. Es entfällt sonach 
auf 1 Bett ein Flächenraum von etwa 93,2 qm. 



Königreich Preussen. — 155 — Frankfurt a. M. 

Die Gestaltung des Grundstücks ermöglicht eine vortheilhafte Anordnung der Baulich- 
keiten sowohl für den Wirthsehaftsbetrieb wie für die Orientining der Krankensäle. Die 
Längsachsen der letzteren haben die Richtung von Südost nach Nordwest; die Fenster der 
Einzelkrankenzimmer sind fast durchweg nach Südost gerichtet. Zum Verkehr zwischen den 
einzelnen Gebäuden dienen theils gepflasterte, theils chaussirte Strassen. 

Die Desinfektionsanstalt ist von 658 Personen im Jahre 1898/99 benutzt worden, 
497 Desinfektionen wurden in den Apparaten der Anstalt, 148 desgl. und in den Wohnungen 
und 13 nur in den Wohnungen ausgeführt. 

Hospital zum heiligen Geist. Zuerst erwähnt findet sich das Hospital im Jahre 1278; 
1293 ging es in die Verwaltung der Stadt über. Noch im Mittelalter wurden ausschliesslich 
Bürger im Hospitale verpflegt; später hat man es immer mehr als für Fremde bestimmt 
betrachtet. Am 5. Dez. 1725 erliess der Rath eine Hospitalordnung, welche bestimmte, dass 
künftighin nur „nothleidende, arme, kranke, fremde und auch reisende Personen, die keine 
Freundschaft hier haben, ohne Unterschied der Religion" aufgenommen werden sollten. Ausser 
der Krankenpflege hatte das Hospital noch Verpflichtung zur Austheilung von Brod und Geld 
und zur Aufnahme von Findlingen, wozu auch Blödsinnige gerechnet wurden. Da das damalige 
Hospital zu eng und klein war. wurde, zum grossen Theil um einen Neubau schneller zu ermög- 
lichen, durch Edikt der Fürstl. Primat. Regierung vom 26. Juli 1810 das Hospital von den 
letztgenannten Verpflichtungen entbunden. Allein schon 1S19 wurde ihm an Stelle der erlassenen 
Verpflichtungen auferlegt, jährlich 4 000 fl. an den Almosenkasten zu zahlen. Diese Summe 
wurde durch die Stiftungsordnung vom 3. Dez. 1833 dem Hospitale gegen Uebernahme der 
Verpflichtung erlassen, allen in Frankfurt und Sachsenhausen verbürgerten Personen, die nicht 
an Geisteskrankheit u. s. w. leiden und nicht in das Dr. Senekenberg'sche Bürgerhospital 
aufgenommen werden können, unentgeltlich ärztliche und arzneiliche Verpflegung in ihren 
Wohnungen zu Theil werden zu lassen. Zu diesem Zwecke wurden acht Armenärzte und drei 
Armenchirurgen angestellt. Am 25. Mai 1835 wurde der Grundstein gelegt und am 18. Sept. 
1S39 das alte, am rechten Mainufer gelegene Hospitalgebäude verlassen und das neue, noch 
heute bestehende, an der Langestrasse gelegene, bezogen. 

1867 schuf das Pflegamt auf dem, dem Hospitale gehörigen Hofgute Mainkur bei Fechen- 
heim eine Rekonvaleszentenanstalt, bestimmt sowohl für die Rekonvaleszenten des Hospitals, 
als auch für Leidende aus der Stadt, wie denn auch das Hospital Bedürftigen aus der Stadt 
bezw. den Hospitalkranken Badekuren in Wiesbaden und Nauheim gewährt. 

Vom 15. Okt. 1879 an sind die Neubürger, d. h. solche, die erst nach 1S66 das Frank- 
furter Bürgerrecht erlangt haben, in dieselben Rechte wie die Altbürger dem Hospitale gegen- 
über eingetreten. — Das Hospital hat Rechtsfähigkeit. 

Nach der Stiftungsordnung von 1S75 wird das Hospital zum heiligen Geist verwaltet 
von einem Pflegamt, bestehend aus 7 von der Stadtverordnetenversammlung erwählten Pflegern. 
In Folge seiner jetzigen Verwaltungsordnung (1889) verpflegt das Hospital unentgeltlich: 

1. Nicht krankenkassenpflichtige und nicht gegen Unfall versicherte Dienstboten, Handlungs- 
oder Gewerbegehilfen oder Lehrlinge christlicher Konfession, die entweder z. Z. ihrer Erkrankung 
im hiesigen Gemeindebezirk bei solchen Personen in Diensten stehen, die hier am Ort den 
gesetzlichen Wohnsitz haben, oder deren Arbeitgeber hier doniizilirte juristische Personen sind. 

2. Städtische Beamten und Bedienstete, die nicht krankenkassenpfliehtig und nicht gegen Unfall 
versichert sind; und mit derselben Massgabe die Bediensteten der hiesigen sogenannten öffent- 
lichen Stiftungen. 3. Hilfsbedürftige hier erkrankte Personen der oben bezeichneten Kategorien, 
welche sich auf der Durchreise befinden oder sieh hier, um eine Stelle zu suchen, auf- 
halten, insofern dieselben erst seit höchstens einer Woche angezogen oder noch nicht 
länger als 14 Tage aus einem hiesigen Dienst getreten und in der Absicht, einen anderen 
Dienst zu suchen, hier verblieben sind. Ausserdem nimmt es gegen vereinbarte Pflegesätze 
Kranke auf, die ihm vom städtischen Armenamt oder von Krankenkassen zugewiesen werden. 
Ausgeschlossen von der Aufnahme in das Hospital sind an Pocken, Flecktyphus, Cholera, 
Syphilis, Krätze, Epilepsie und Geisteskrankheiten Leidende, ferner weibliche Personen, welche 
unter Sittenpolizei stehen, Gebärende und Wöchnerinnen innerhalb 10 Tagen nach ihrer Nieder- 
kunft, endlich an solchen chronischen unheilbaren Uebeln Leidende, welche nicht mehr Gegen- 
stand ärztlicher Behandlung sind. Vorstand: Das Pflegamt, der Hospitalmeister Collischonn. 

Leitender Arzt der medizinischen Abtheilung Dr. Cnyrim, der chirurgischen Abthei- 
lung Sanitätsrath Dr. Harbordt. 3 Assistenzärzte, ausserdem 1 externer Arzt (Chirurg. Abth.). 
Wartepersonal: 7 m., 29 w. Krankenwärter. 293 Betten: 1S1 f. M., 112 f. Fr. Verpflegungs- 
preis: 8, 6, 2 M täglich (wenn nicht unentgeltlich). 1S99 wurden 2 648 Kranke durch- 
schnittlich 25 Tage verpflegt, 96 sind gestorben. Aasgaben 189S/99: ordentliche 231784 M, 
ausserordentliche 42 257 M. Die Einnahmen betrugen 251 714 M und setzten sich zusammen 
ans 51 700 M Verpflegungsgeld, 129 243 M Kapitalszinsen, 1 520 M Zuschuss der Stadt, 129 M 
Geschenken, 69 122 M Pachtzinsen. 

Bauliche Beschreibung: Das Hospitalgebäude, an der Langestrasse 4 gelegen, bildet 
ein längliches Viereck von 67,o m auf 48,4 m und ist genau nach den Himmelsrichtungen 
orientirt. 

Der an der Langestrasse gelegene westliche Flügel, welcher die Verbindung der 
dreistöckigen Nord- und Südflügel bildet, besteht nur aus einem Erdgeschoss, so dass der 



Frankfurt a. M. — 156 — Königreich Preussen. 

Lichthof und namentlich der Ostflügel von der Innenseite für Luft und Lieht ganz frei ist. 
Er enthält wesentlich Bureaus, den Betsaal und Wirthschaftsräume, die sich auch noch auf die 
Erdgeschossräume des Nordflügels erstrecken, welche in seinen beiden oberen Stockwerken 
Beamtenwohnungen und einige Einzelzimmer enthält. Ost- und Südflügel enthalten in 
3 Stockwerken je 9 Krankensäle zu 11 Betten, ausschl. des Bettes für die Wärterin und einige 
kleinere Krankenzimmer. Im Parterre des Südflügels befindet sich das Operationszimmer mit 
elektrischer Beleuchtung. Zwischen je zwei Krankensälen liegen zu deren vollständiger Ab- 
trennung schmale, mit Fenstern versehene Hänge, welche zur Aufbewahrung der reinen und 
schmutzigen Wäsche, der Kleidungsstücke der Kranken und zur Anlage je eines Klosets, das 
von dem Krankensaal zugänglich ist, nutzbar gemacht sind. In jedem Stockwerke liegt eine 
Theeküche und ein Baum mit je 6 Wasserklosets. Der östliche Flügel ist für Weiber, der 
südliehe für Männer bestimmt. Das durch vier Brandmauern abgetheilte Dachgeschoss enthält 
noch weitere zwei Krankensäle zu je 12 Betten, ferner einige Bäume für Wirthschaftszwecke 
und sechs grosse Behälter für warmes und kaltes Wasser für die sämmtliehen Krankenräume. 

Die Heizung der Krankensäle geschieht durch im untern Theil aus Eisen, im obern aus 
Kacheln zusammengesetzte Oefen; dieselben sind mit Ventilationseinrichtung und theilweise 
mit äusserer Luftzuführung versehen. 

Zu dem Hospital gehören verschiedene Nebenbauten. Das Badehaus mit 18 Bade- 
wannen und Baum für Dampfbad und römisch -irisches Bad und mit dem Desinfektions- 
apparat, einer kleinen Dampf -Waschküche, dem Dampfkesselhaus, dem Maschinenhaus mit 
Dynamomaschine und Accumulatoren. 

In dem Garten auf der Südseite des Grundstückes ist im Jahre 1885 — 1886 als Ersatz für 
zwei frühere, daselbst aufgestellte Zelte ein einstöckiger Pavillon erbaut worden, welcher 
zwei Flügelbauten mit je einem Krankensaal für 12 Betten enthält. 

Dr. Senckenberg'sehes Bürgerhospital. Der Frankfurter praktische Arzt und Physikus 
Dr. Johann Christian Senckenberg (1707 bis 1772) vermachte am 18. Aug. 1763 sein 
ganzes, aus 95 000 fl. bestehendes Vermögen zur Errichtung einer Stiftung, welche in ein 
wissenschaftliches Institut (Medizinisches Institut, mit welchem ein anatomisches 
Amphitheater, ein botanischer Garten und eine Bibliothek verbunden sind) und in 
ein Hospital zur Aufnahme für arme und kranke Bürger sich theilen sollte. 

Dem Ganzen wurde eine Administration vorgesetzt, welche ans vier ärztlichen und vier 
kaufmännischen Koadministratoren besteht. 

Die Mitglieder der Administration müssen lutherischer Konfession sein. 

Senckenberg widmete sich bei Lebzeiten mehr der Förderung der wissenschaftlichen 
Seite seiner Stiftung, dem medizinischen Institute, während er die Sorge für den Weiterbau 
des bei seinem Tode (1772) kaum halb vollendeten Hospitales dem Wohlwollen seiner Mitbürger 
empfahl. Er täuschte sich hierin nicht, und ist hier besonders der 1782 verstorbene Kaufmann 
und Bankier Simon Moritz v. Bethmann zu erwähnen, welcher in den Jahren 1775 — 1779 
anonym nach und nach dem Hospitale die Summe von 33 600 fl. schenkte und demselben 
ausserdem noch testamentarisch 50 000 fl. vermachte. 

Das Bürgerhospital, der wesentlichste Theil der Dr. Senckenbergischen Stiftung 
wurde 1779 in dem z. Z. noch bestehenden Hospital in der Stiftstrasse 30 eröffnet. Lange 
Zeit hatte es, den beschränkten Mitteln der Stiftung entsprechend, nur eine geringe Zahl von 
Kranken, durchschnittlich noch nicht 20, und ausserdem einige zur lebenslänglichen Verpflegung 
eingekaufte Pfründner. Später bei reichlicher zunehmenden Schenkungen erhöhte sich die Zahl 
der in das Bürgerhospital aufgenommenen Kranken sowohl, wie die der Pfründner immer mehr, 
so dass man 1863 den Neubau eines Hospitals in Aussicht nahm, in dem sämmtliche Kranken 
Aufnahme finden sollten, während das alte Haus ausschliesslich für die Pfründner und die 
Verwaltung bleiben sollte. Da die Stiftung aus eigenen Mitteln den Neubau nicht errichten 
konnte, bewilligte der Senat die Summe von 280 000 fl. dazu. Die politischen Veränderungen 
der sechziger Jahre waren Ursache, dass der Neubau, ein Hospital für 130 Kranke, erst 1875 
eröffnet werden konnte. 

Bis zum Jahre 1866 waren nur Frankfurter Bürger zu freier Verpflegung im Hospital 
berechtigt, nach 1866 aber konnte an dieser Bestimmung nicht mehr fest gehalten werden. 
Es wurde letztere deshalb 1870 dahin erweitert, dass auch sonstige christliche Angehörige der 
Stadtgemeinde im Hospital Aufnahme finden konnten, 1875 wurde diese Berechtigung auf alle 
diejenigen ausgedehnt, die hier den Unterstützungswohnsitz haben, und im Jahre 1881 
wurde in Folge eines Bechtsgutachtens der juristischen Fakultät der Universität Giessen be- 
schlossen, die Berechtigung zur Aufnahme in das Hospital fortan nicht mehr an das Beligions- 
bekenntniss zu knüpfen. 

Vorstand: Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Schmidt. Leitender Arzt der medizinischen 
Abtheilung: Sanitätsrath Dr. J. Schmidt, der chirurgischen Abtheilung: Dr. Ebenau. 2 Assistenz- 
ärzte. Wartepersonal: 15 Schwestern vom rothen Kreuz. 130 Betten: 65 f. M., 65 f. Fr. 
1898 wurden 466 m., 314 w. Kranke durchschnittlich 38,5 Tage verpflegt, 53 m., 62 w. sind 
gestorben. Ausserdem wurden verpflegt 21 Pfründner. 

Bauliche Beschreibung: Das Areal hat eine Grösse von 13 435 qm, davon bebaut 
1 562 qm; altes Hospitalgebäude 1 162 qm. Korridorsystem. Das alte Hospital diente fast 
100 Jahre seinem Zwecke; nach und nach wurde aber das Bedürfniss nach einem Neuhaue 
imnier dringender. 



Königreich Prenssen. — 157 — Frankfurt a. M. 

Pas neue Gebäude in der Mitte eines 12 Morgen grossen Gartens gelegen, wurde nach 
den Plänen des Architekten Pichler, welche von einer Kommission von Aerzten mit dem ersten 
Preise -..krönt worden waren, durch den Architekten EL Burnitz nach dem Tode des ersteren 
aufgeführt. Das Hospital stiht durch einen geschlossenen Gang mit dem alten Hause in Verbindung. 

In dem alten Hause befinden sieh im Erdgeschosse links vom Eingänge die Sitzungs- 
zimmer der Administration, rechts die Verwaltungszimmer, die Vorrathsräume und die ge- 
räumige Küche. Dieser gegenüber, ebenfalls unmittelbar an dem Verbindungsgange, ist der 
Betsaal mit den Gedächtnisstafeln der hervorragenden Stifter, welche durch ihre bedeutenden 
Schenkungen und Vermächtnisse zum Gedeihen der Stiftung die wesentlichsten Beiträge ge- 
liefert haben. Im ersten Stocke befinden sieh die Wohnung des Hospitalmeisters, sowie die 
Zimmer des 2. Assistenzarztes und der Oberhaushälterin, im zweiten Stocke zwei Separir- 
zimmer für Dilirium -tremens -Kranke und zur Beobachtung von Kranken, welche einer an- 
steckenden Krankheit verdächtig sind. Die übrigen Räume sind Wohnungen der Pfründner. 

An dem oben erwähnten Verbindungsgange liegen das Sektionszimmer und die Bade- 
räume. aus einem Dampf bade und je 4 Badezelien für .Männer und Frauen bestehend. Unter 
dem Sektionszimmer ist ein Aufbewahrungsraum für Leichen, welche von da mittels eines 
Hebeapparates in das Sektionszimmer irehoben werden. Von dem Verbindungsgange nach 
Süden liegt der Dampfkessel in einem eigenen kleinen Anbaue. 

In dem neuen Hospitalgebäude, welches durch zwei über das Dach geführte Brand- 
mauern in :l Abtheilungen geschieden ist, sind 12 Krankensäle, je 4 in einem Stockwerke zu 
10 Betten, diejenigen für Männer in dem westlichen, die für Frauen in dem östlichen Theile. 
Zu je 2 Sälen gehört eine Theeküche in dem Vorräume, ein Zug für schmutzige Wäsche, Holz, 
Kohlen u. s. w.. 2 Abtritte mit Wasserklosets und ein Baum mit Schränken zur Aufbewahrung 
der nöthigeu Wäsche und der Kleider der Patienten. 

Die Säle haben je 3 grosse Fenster nach Süden und enthalten 3% cbm Kaum. Grund- 
fläche für 1 Bett 9 qm, Lichtraum für 1 Bett 1 qm, Luftraum für 1 Kranken 3t> cbm. 

Eine Leitung für warmes und kaltes Wasser und eine Badewanne befindet sich in jedem 
Saale, und ebenso ist mit jedem unmittelbar verbunden ein heizbarer Abtritt mit Wasserkloset. 

Die Ventilation wird durch Gegen Öffnungen nach dem an der Nordseite gelegenen Gange 
und durch Luftkanäle mit Öffnungen in den 4 Ecken des Saales bewirkt. Die Heizung ge- 
schieht durch Wagner 'sehe Oefen, welche durch ihre Konstruktion im Winter die Ventilation 
unterstützen. Die Vorplätze werden neuerdings durch je einen grossen amerikanischen Ofen 
geheizt. ] Sbß ein Ausbau nach Norden mit Operationszimmer. 

In den 3 Stockwerken in der Mitte befinden sich noch S kleinere Zimmer, welche theils 
zur Isolirung unruhiger oder sonst störender Kranken dienen, theils als Verbandszimmer, 
Zimmer der Aerzte. Wohnung der Oberin und Speisezimmer der Schwestern benutzt werden. 
Im II. Stock sind die Schlafsäle der Pflegeschwestern. Auf jedem Flügel des Hauses in einem 
Ausbaue nach Norden führt eine steinerne Treppe aufwärts. 

In dem nach Süden gelegenen Garten ist eine Abtheilung für Männer und eine für 
Frauen. In demselben stehen auch noch 2 Zelte, welche neuerdings nicht mehr benutzt 
wurden, aber für Epidemien oder Kriegsfall reservirt sind. Badezimmer, Desinfektionsapparate, 
Gasbeleuchtung. Anschluss an die Ortskanalisation. 

Städtisches Kranken- und Siechenhaus Bockenheim (Ginnheimerstrasse). 1. Okt. 1875 
eröffnet. Arzt: Sanitätsrath Dr. Daube. Wartepersonal: 1 Schwester vom rotheu Kreuz, Im., 1 w. 
Krankenwärter. 28 Betten: 19 f. M.. 9 f. Fr. Verpflegungspreis: 1,50 und 2 M täglich. 
1898 wurden 210 m., I'..") w. Kranke durchschnittlieh 22 Tage verpflegt, Gm., 5 w. sind gestorben. 
Ausserdem verpflegt: 14 Pfründner. Ausgaben und Einnahmen 1897/9S: 27 538,40 M, letztere 
setzten sich zusammen aus 12 239,70 M Verpflegungsgeld, 800 M Kapitalszinsen, 13 515, 7 u M 
Zuschuss der Stadt und 983 M aus sonstigen Quellen. Ein Isolirhaus mit 6 Betten. Des- 
infektionsanstalt, für das Krankenhaus wie für Privatbenutzung bestimmt, enthält einen 
Budenberg'schen Desinfektionsapparat mit einem Dampferzeuger. Das Gelände ist 33 ar gross. 

St. Joseph - Krankenhaus (Krankenhaus der barmherzigen Schwestern, Koselstr. 15). 
1892 erbaut. Eigenthümer: Katholische Gemeinde. Aerzte: Dr. Sehmidt für innere, 
Dr. Brodnitz für chirurgische und Dr. Sippel für Frauenkrankheiten. Wartepersonal: 
37 barmherzige Schwestern aus Dernbach. 60 Betten, von denen 23 Dr. Carl's Augenklinik 
überlassen sind. Verpflegungspreis: (i, 4 und 2 M täglich. 1898 wurden 959 (392 m., 
567 w.) Kranke verpflegt. 

Elisabethen-Krankenhaus (Bockenheim, Ederstrasse 12). 1882 errichtet, 1891 erweitert. 
Eigenthümer: Katholische Kirchengemeinde. Aerzte: Drs. Kauch und Simon. Warte- 
personal: 7 arme Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach. (iO Betten. 1898 wurden 457 m., 
12 1 w. Kranke durchschnittlich 26,s Tage verpflegt. 15 m., 8 w. sind gestorben. Ausserdem 
wurden verpflegt: 3 Pfründner. 

Diakonissenhaus (Mutterhaus, Eschersheimer Landstr. 122). 1866 errichtet, Neubau 
1*74 eröffnet. 1893 Isolirbaracke, Erweiterungsbau 1897. Eigenthümer: Diakonissen- Verein, 
mit Rechtsfähigkeit. Arzt: Dr. Roediger. Wartepersonal: 15 Diakonissen, 1 ausgebildeter 
Krankenwärter. 54 Betten. Verpflegungspreis in 4 Klassen: 6—7 M, 3,50 und 2 M täglich, 
die 4. Klasse bilden 12 Freibetten. 1898 wurden 175 m., 225 w. Kranke durchschnittlich 
33.4 Tage verpflegt, lö m., 10 w. sind gestorben. 



Frankfurt a. M. — 158 — Königreich Preussen. 

Diakonissen- und Krankenheil-Anstalt des Bethanienvereins (Gaussstr. 16). April 1876 
gegründet, 1883 Neubau, 1891 erweitert. Torstand: Prediger Mann. Aerzte: Drs. Pinner, 
Laehniann, Gottschalk und Oppenheimer halten Poliklinik für Unbemitelte, und benützen 
die grössere Zahl der vorhandenen Betten. Wartepersonal: 13 Diakonissen aus dem 
Bethanien- Verein (die Schwestern gehören der bischöflichen Methodistenkirche an). 32 Betten. 
Verpflegungspreis: 5 — 7 M, 4 M und 1,75 — 2 M täglich. 189S wurden 218 m., 30S w. Kranke 
durchschnittlich 18,5 Tage verpflegt, 12 m., 11 w. sind gestorben. 

Boekenheimer Diakonissenheim (Falkstr. 35). 1. Juni 1S91 vom Bockenheimer Diako- 
nissenverein eröffnet. Arzt: Dr. Hanau. Wartepersonal: 4 Diakonissen aus Frankfurt a. M. 
20 Betten. Verpflegungspreis: 3 — 5 und 2 M täglich. 1899 wurden 161 m., 109 w. Kranke 
durchschnittlich 26,8 Tage verpflegt, 11 m., 11 w. sind gestorben. Ausgaben 1S99 betrugen 
16 580 M, die Einnahmen 21480 M und setzten sich zusammen aus 15 840 M Verpflegungs- 
geld, 2 140 M Geschenken und 3 500 M Beiträge der Mitglieder des Diakonissen- Vereins. 

Krankenhaus der Barmherzigen Brüder (Unterer Atzemer 7). 1868 vom Rektor Peter 
Josef Salzig (Montabaur) gegründet. Neubau 1882. Freie Arztwahl. Wartepersonal: 23 barmh. 
Brüder von Montabaur. 19 Betten. Verpflegungspreis: 5, 3 und 2 M täglich. 1898 wurden 
13 m. Kranke durchschnittlich 136 Tage verpflegt, 2 sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 
13 Pfründner. Ausgaben und Einnahmen 1S9S betrugen 15 341 M. letztere setzten sich zu- 
sammen aus 3 169 M Verpflegungsgeld, 2 200 M Kapitalszinsen und 9 972 M Legaten, Geschenken 
und Kollekten. 

Krankenpensionat des Frankfurter Zweigvereins des Vaterländischen Frauenvereins 
(Eschersheimer Anlage 7). 1891 gegründet, besitzt Rechtsfähigkeit. Vorstand: Frau Ober- 
landesgerichtspräsident Hagens. Freie Arztwahl. Wartepersonal: 7 Schwestern vom rothen 
Kreuz. 15 Betten, Verpflegungspreis: 7 — 12 M, 5 M und 3 M täglich. 1S99 wurden 
236 Kranke durchschnittlich 14 Tage verpflegt, 3m, 9 w. sind gestorben. Ausgaben und Ein- 
nahmen des Vereins 189S betrugen 99 074,30 M, letztere setzten sich zusammen aus 20 319,70 M 
Verpflegungsgeld, 813, 12 M Kapitalszinsen, 1500 M Zuschuss der Stadt, 7 350 M Legaten, 
Geschenken und Kollekten und 69 091,48 M aus sonstigen Quellen. 

Krankenpflegerinnen - Institut vom rothen Kreuz (Königswarterstr. 16). 1867 vom 
Lokalverein vom rothen Kreuz zu Frankfurt a. M. gegründet. 1886/87 Hospitalneubau. Vor- 
stand: Dr. Cohn, Vorsitzender. Freie Arztwahl. Wartepersonal: 9 Schwestern vom rothen 
Kreuz. 33 Betten. Verpflegungspreis: 6 — 9 M, 4 — 5 M, 2,so und 2 M täglich. 1898 wurden 
72 m., 273 w. Kranke durchschnittlich 13,3 Tage verpflegt, 4 m., 7 w. sind gestorben. Aus- 
gaben 1898: ordentliche 63 777 M, ausserordentliche 22 368 M. Die Einnahmen betrugen 
86 008 M und setzten sich zusammen aus 55 390 M Verpflegungsgeld, 924 M Kapitalszinsen, 
26 045 M Legaten, Geschenken und Kollekten und 3 649 M aus sonstigen Quellen. 

Israelitisches Gemeindehospital. Die Frankfurter israelitische Gemeinde besass schon 
seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts ein ihr gehöriges und von ihr verwaltetes Hospital, 
das jedoch nur für Fremde, nicht ansässige Dienstpersonen oder durchreisende Kranke bestimmt 
war, indem für die Gemeindemitglieder bei Erkrankungsfällen durch die beiden Krankenkassen 
und deren schön eingerichtete Krankenhäuser genügend gesorgt war. 

Eine Eigenthümlichkeit dieses früheren sog. Fremdenhospitals, welches sich Ecke der 
Judenmauer und des Judenmarktes befand und das jetzt abgebrochen ist, war die, dass lange 
Zeit die beiden Vorsteher, die die Verwaltung als Ehrenamt besorgten, auch aus eigenen 
Mitteln die Verpflegungskosten für die Kranken, deren Zahl allerdings stets eine sehr 
geringe war, bestreiten mussten, so dass dieses Ehrenamt oft nicht geringe pekuniäre Lasten 
auferlegte. 

Der verstorbene Bankier Isaak Königswarter übergab am 22. Mai 1872 im Namen 
der Familie Königswarter zum ehrenvollen Andenken an ihren Vater, den sei. Markus 
Königswarter und ihren Bruder, den sei. Zacharias Königswarter, dem israelitischen 
Gemeindevorstande die Summe von 215 000 fl., um damit die Kosten des Neubaues eines 
Hospitales zu bestreiten. Die Gemeinde vergrösserte diese hochherzige Schenkung durch einen 
Zuschuss zum Zwecke der Vergrösserung des Bauplatzes und des Gartens, sowie für die innere 
Einrichtung des Hospitales. Anfangs Mai 1873 konnte mit dem Baue nach den Plänen des 
Architekten Gramm anf dem am „Grünenweg' ; (einige Jahre später nach Isaak Königwarter's 
Tode von dem Magistrate in dankbarer Erinnerung an die hochherzige Stiftung des Verblichenen 
„Königswarterstrasse'' benannt) gelegenen Bauplatze begonnen werden, und am 27. Juni 1875 
fand die feierliche Uebergabe des vollendeten stattlichen Gebäudes zur Benutzung an die 
israelitische Gemeinde statt. 

In dem Hospitale finden unentgeltliche Aufnahme alle armen und unterstützungs- 
bedürftigen israelitischen Gemeindeangehörigen, sowie in der Stadt in Arbeit stehende Israeliten, 
während das weibliehe Dienstpersonal gegen einen jährlichen geringen Beitrag von Seiten der 
Dienstherrschaft in Erkrankungsfällen verpflegt wird. Dem Pflegamte ist jedoch durch die 
Statuten eine weite Vollmacht gewährt in Bezug auf die Aufnahme von Kranken zur unent- 
geltlichen Pflege. 

Vorstand: Pflegeamt von 8 Mitgliedern. Aerzte: Dr. Kirchheim, Dr. Hirschberg, 
konsultirender Chirurg. Armenarzt Dr. Deutsch für die poliklinische Abth. und 1 Assistenzarzt. 



Königreich Preussen. — 159 — Frankfurt a. M. 

Wartepersonal: 6 ausgebildete Krankenwärterinnen aus dem Verein für jüdische Kranken- 
pflegerinnen und 3 Wärterinnen. 49 Betten: 26 f. 31., '23 f. Fr.. Yerpflegungspreis: 5 M, 
im Winter 6 M täglich; theils nach Verniögeusverhältuissen. theils unentgeltlich. 1898 wurden 
245 m., 207 w. Kranke durchschnittlich 30,8 Tage verpflegt. 19 m.. 15 w. sind gestorben. Aus- 
gaben und Einnahmen 1S9S betrugen s 4 362,8« M. letztere setzten sieh zusammen aus 15 42S.60 M 
Verpflegungsgekl. I697;;,."s M Kapitalszinsen, 8S86 M Zuschuss des Armenamtes, 39 9S3,7i M 
der Gemeinde and 3590,81 M aus sonstigen Quellen. 

Krankenhaus der Israelitischen Männer -Krankenkasse. 173S von Benedict Elias 
Maassgestiftet. 1831 durch Familie v. Rothschild neu gegründet. Die Anstalt besitzt Rechts- 
fähigkeit. Vorstand: Ferdinand Schwarzschild sen. Freie Arztwahl. 10 Betten. 1898 wurden 
7 Kranke durchschnittlich 142,6 Tage verpflegt, 1 ist gestorben. 

Krankenhans der israelitischen Franen-Krankenkasse. 17G1 von Wohlthätern errichtet. 

Armenkliuik ( Königswarterstr. 16 1. Am 5. März 1834 von einem Kreise nahe be- 
freundeter, gleichaltriger Aerzte, den Doktoren W. Fabrieius, H. Ho ff mann, Ponfick, 
Ed. Schilling, Ad. Schmidt und G. Varrentrapp zu dem Zwecke gegründet, den in 
Frankfurt a. M. ansässigen Personen und den Bewohnern der zahlreichen umhegenden Ort- 
schaften, welche an ähnliche Anstalten keinen Anspruch machen konnten, ärztlichen Rath und 
Hilfe zu gewähren. 

Die Anstalt enthält eine ambulatorische Klinik (unentgeltliche Berathung und Ver- 
ordnung für Alle, unentgeltliche Verabreichung von Arzneien. Bruchbändern und sonstigen 
Verbandmitteln an nachgewiesen Mittellose! und eine stationäre Klinik. 

Die Bedürfhisse der Anstalt werden durch jährliche Beiträge, ausserordentliche Ge- 
schenke und Legate, sowie aus den Zinsen des angesammelten Kapitalstockes bestritten. Die 
Anstalt besitzt die Rechte einer juristischen Person und ist frei von Erbschaftssteuer. — Im 
August 1S64 wurde der Neubau bezogen. 

Am 1. Okt. 1SS7 wurden die jetzigen Räume im Krankenpflegerinnen-Institut des Vereins 
zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger bezogen. Die ärztliche Leitung 
haben 7 Aerzte. von denen jeder 2 Monate behandelt. Wartepersonal: 3 Schwestern vom 
rothen Kreuz. 1897/98 wurden 76 Kranke verpflegt und 6 369 Kranke ambulatorisch behandelt. 

Schwesternhans ,,Bethania" (Mittelweg IS). 18S1 gegründet. Hausarzt: Dr. Ebeling. 
Freie Arztwahl. Wartepersonal: 3 Schwestern. 30 Betten. Verpflegungspreis: 5 — l,so M 
täglich. 1S9S wurden 38 m., 14 w. Kranke durchschnittlich 20 Tage verpflegt, 2 w. sind 
gestorben. 

Dr. Christ's Kinder-Krankenhans iTheobaldstr. 16) mit Ambulatorium (unentgeltlicher 
Rath und Arznei). Der am 12. Aug. 1841 verstorbene Frankfurter Arzt und Geburtshelfer 
Dr. med. Theobald Christ setzte in seinem Testamente als Universalerbin seine Vaterstadt 
zu dem unabänderlichen Zwecke ein, dass nach seinem Ableben mit seinem Vermögen ein für 
sich bestehendes Hospital für arme kranke Kinder errichtet und damit zugleich, soweit thun- 
lich, eine Entbindungsanstalt für arme, im Bürger- oder Heimathsrechte stehende Frauens- 
personen vereinigt werde. Die Administration besteht aus fünf Mitgliedern. Die Administratoren 
arbeiten unentgelthch: ihre Verwaltungsrechte sind unbeschränkt; doch haben sie jährlich dem 
Senate und der ständigen Bürgerrepräsentation eine Bilanz vorzulegen und dem Revisionskolleg 
der Neuner die Rechnungsbücher zur Revision zu unterbreiten. Dem Publikum ist jährlich 
gedruckte öffentliche Rechenschaft über die Fortschritte und den Stand der Anstalt und 
deren Jahreseinkünfte abzulegen. Nächster und hauptsächlichster Zweck ist das Kinderhospital. 
Aufnahmefähig sind Kinder von 5 — 12 Jahren, die in dem Bürgerverbande oder Heimatsrechte 
stehen; die Verpflegung umfasst Krankheiten der Kinder ohne Unterschied. Subsidiarisch, 
sofern und soweit es die Kräfte der Anstalt erlauben, soll mit derselben eine Entbindungs- 
anstalt vereinigt werden können für bedürftige Frauenspersonen, welche im festen Heimats- 
rechte stehen; doch sollen die Bedürfnisse des Kinderhospitals als des Hauptzweckes immer 
den Vorzug haben. Das Religionsbekenntniss kommt bei der Qualifikation zur Aufnahme nicht 
in Betracht; doch darf dasselbe nicht störend auf die allgemeinen Einrichtungen des Haus- 
wesens einwirken. 

Da nach dem Willen des Stifters aus den Zinsen seines Vermögens vorzugsweise Kinder 
von 5 — 12 Jahren verpflegt werden sollen, so wurden die dem Hospitale gemachten Schenkungen 
und Legate, sowie die jährlichen Beiträge zu einem Separatfonds vereinigt, aus welchem die- 
jenigen Kinder verpflegt werden, welche ausserhalb der oben angeführten Altersgrenzen stehen. 

1S45 wurde das Hospital eröffnet, 1888 Neubau. Behandelnde Aerzte: Dr. Glöckler und 
Dr. Zimmern. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 10 Diakonissen aus Bielefeld. 65 Betten. 
Verpflegungspreis: l,so — 2 M täglich. 1S98 wurden 242 m., 188 w. Kranke durchschnittlich 
35,9 Tage verpflegt, 45 m., 38 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: 34 972 M. Die Einnahmen 
betrugen 37 506 M und setzten sich zusammen aus 1 239 M Verpflegungsgeld, 19 587 M Kapitals- 
zinsen. 11 899 M Legaten. Geschenken und 4 781 M aus sonstigen Quellen. 

Eine Tochteranstalt (v. Neufoille"sche Stiftung), Forsthausstrasse 18, im Mai 1899 
eröffnet, ein neu gebautes kleines Krankenhaus mit Betten, ist von der Stifterin, Frau Otto 
v. Neufoille, der Verwaltung des Dr. Christ'schen Kinderkrankenhauses unterstellt. Arzt: 
Dr. Hch. v. Mettenheimer. 



Frankfurt a. M. — 160 — Königreich Preussen. 

Jäger'sches Kindersiechenhaus. 20. Juni 1883 eröffnet, von Frau Emilie Jäger- 
Graubner gestiftet für Kinder von 2 — 12 Jahren. Arzt: Dr. Bödiger. Wartopersonal : 
3 Diakonissen aus Frankfurt a. M. 30 Betten. 1898 wurden 89 Kinder verpflegt. 

Israelitsches Kinderspital (Böderbergweg 109). 1886 von Freifrau Mathilde v. Roth- 
schild gestiftet für mittellose israelitische Kinder von -1 — 12 Jahren. Aerzte: Dr. Rosenbauin 
und Dr. Pinner. 12 Betten. 

Clementine -Mädchen- Spital (Bornheimer Landwehrstrasse 110), zur Aufnahme kranker 
Mädchen (ausgeschlossen sind mit akuten Infektionskrankheiten behaftete) im Alter von 2 bis 
15 Jahren, ohne Unterschied des Bekenntnisses und der Ortsangehörigkeit. 1875 von Freifrau 
Karl v. Rothschild gestiftet, 1899 durch Anbau vergrössert. Die Anstalt besitzt Rechts- 
fähigkeit. Vorstand: Kuratorium aus 5 Personen. Arzt: Sanitätsrath Dr. de Bary. [Assistenz- 
arzt. Wartepersonal: 5 Schwestern vom rochen Kreuz des badischen Frauenvereins. 
40 Betten. Unentgeltliche Verpflegung und Behandlung. J898 wurden 99 Kranke durch- 
schnittlich 52,fi Tage verpflegt, 7 sind gestorben. Ausgaben 1898: 21 450 M. Die Einnahmen 
betrugen 37 600 M und setzten sich zusammen aus 37 300 M Kapitalszinsen und 300 M Ge- 
schenken. 

Bernus'sche Kinderheilanstalt. Im Oktober 1883 von Bockenheim in das Diakonissen- 
mutterhaus verlegt, besteht als Station desselben und ist fundirt von den Kindern der ver- 
storbenen Frau Bernus-Grunelius. 

Verein für Ferienkolonien armer, kränklicher Schulkinder. Vorsitzender: Rektor 
Schnabel. 465 Mitglieder. 1898 wurden aufgebracht: 16 863,54 M. Verpflegungssatz schwankt 
zwischen 29 und 36 M für jedes Kind auf 24 Tage. Es wurden 431 Kinder in Kolonien ge- 
schickt und 135 Kinder für die Stadtkolonien ausgewählt. 

Chirurgische Klinik von Sanitätsrath Dr. Bockenheimer, auch Ambulatorium (Gutzkow- 
und Stegstrassen -Ecke). November 1866 errichtet, 1879 Neubau. 2 Assistenzärzte. Warte- 
personal: 22 barmherzige Schwestern vom Kloster Maria Hilf zu Dernbach und 2 Kranken- 
wärter. 150 Betten. Verpflegungspreis: 6—10 M, 3—5 M, 2 und 1,75 M täglich. 1899 
wurden 1 12S m., 427 w. Kranke durchschnittlich 27, i Tage verpflegt, 63 m., 31 w. sind gestorben. 

Chirurgische Privatklinik und Poliklinik von Prof. Dr. Rehn und Frauenklinik von 
Prof. Dr. Sippel (Eschersheimer Landstrasse 80). 1. Juli 1891 eröffnet. 2 Assistenzärzte. 
Wartepersonal: 7 ausgebildete Pflegerinnen. 24 Betten. Verpflegungspreis: 5—15 M 
täglich, nach Uebereinkommen. 1898 wurden 70 m., 184 w. Kranke durchschnittlich 21 Tage 
verpflegt, 5 m., 7 w. sind gestorben. 

Orthopädische Heilanstalt, medico- mechanisches (Zander-) Institut von Dr. Nebel 
(Hochstr. 40). 1889 eröffnet, die Klinik 1896. 1 Assistenzarzt. 7 Betten. 1898 wurden 12 m., 
20 w. Kranke durchschnittlich 9,5 Tage verpflegt. 

Privatheilaustal t für chirurgische uud heilgymuastische Behandlung von Dr. 

Mainzer (Taunusstr. 6). 22. Sept. 1899 eröffnet. 6 Betten. 

I)r. AV. Kallmorgen's Frauenklinik (Eschenheimer Anlage 7). 19. Juni 1894 eröffnet. 
Wartepersonal: 1 Schwester vom rothen Kreuz. 6 Betten. Verpflegungspreis: 10 — 12 M, 
7 und 4 M täglich. 1898 wurden 61 Kranke durchschnittlich 12,4 Tage verpflegt, 2 sind gestorben. 

Privat -Klinik für Zuckerkranke von Dr. Lampe, konsultirender Arzt Professor 
Dr. v. Noorden (Schifferstrasse 86). 23. Sept. 1895 eingerichtet. 1 Schwester vom rothen 
Kreuz. 9 Betten. 1898 wurden 114 (88 m., 26 w.) Kranke verpflegt, 2 sind gestorben. 

Frankfurter Augen -Heilanstalt. Im Frühjahr 1846 durch die Aerzte Drs. Louis 
Appia, Gustav Passavant und Wilhelm Stricker gegründet; als stationäre Anstalt zu- 
nächst in einem Miethsraume im Herbste desselben Jahres errichtet. Am 17. Jan. 1872 wurde 
das neuerbaute eigene Haus auf der Allerheiligengasse Nr. 19 eingeweiht. 

Die Absicht der behandelnden Aerzte, auch für die Zukunft den Fortbestand der Anstalt 
möglichst zu sichern, so lange wenigstens, wie das Bedürfniss danach vorhanden ist, haben 
dieselben am besten dadurch zu erreichen geglaubt, dass sie mit der städtischen Behörde einen 
Vertrag geschlossen haben, demzufolge bei Auflösung der Anstalt das Haus, sowie das Ver- 
mögen der Anstalt der Stadt anheimfallen. Dafür hat die Stadtbehörde den Platz, auf welchem 
das Haus steht, der Anstalt unentgeltlich überlassen. Durch diesen Vertrag ist es der 
städtischen Behörde an die Hand gegeben, wenn einst die Anstalt unter der bisherigen Leitung 
unbesoldeter Aerzte kein Fortkommen mehr findet, mit derselben die Zahl der milden Stiftungen 
um ein unzweifelhaft nützliches Glied zu bereichern; sie wird dann Eigenthum der Frankfurter 
Bürgerschaft werden, welcher sie ihr Entstehen und die Möglichkeit ihres Fortbestandes ver- 
dankt. Arzt: Dr. Krüger. Wartepersonal: 1 Diakonissin. 21 Betten. 1898 wurden 
2 272 Augenkranke behandelt, davon 166 in die Anstalt aufgenommen und 2 106 ambulatorisch. 

Dr. Carl's Augenheilanstalt und Poliklinik (Koselstr. 15). 1878 eröffnet. Seit 
Januar 1893 in dem Krankenhause der barmherzigen Schwestern. 1 Assistenzarzt. Warte- 
personal: 4 barmherzige Schwestern aus Dernbach. 23 Betten. Verpflegungspreis: 



Königreich Preussen. — 161 — Frankfurt a. M. 

6, 4 und 2 M täglich. 1898 wurden 300 (146 m., 154 w.) Kranke durchschnittlich 23 Tage 
verpflegt. 

Trinker-Asyl Brückenhof (Sandstr. GO). 1893 eröffnet. Vorstand: Pfarrer Lohmann. 
Die Kosten für Anlage (30 0Ü0 M) und für Betrieb durch freiwillige Beiträge aufgebracht. Es 
werden 10 Pfleglinge kostenlos auf etwa ein Jahr aufgenommen; dieselben werden mit Feld- 
und Gartenarbeiten, sowie an Strickmaschinen beschäftigt. 

Sanatorium für Nerven- und Gemüthsleidende von Dr. Rosenbaum (Bockenheim). 
1. Juni 1S82 eröffnet. 1 Assistenzarzt. 25 Betten. Verpflegungspreis: 5 — 7 M, 3 '/ 3 M täglich. 
1898 wurden 28 Geisteskranke verpflegt, 2 m. sind gestorben. 

Städtische Anstalt für Irre und Epileptische. Ueber die Verhältnisse der Geistes- 
kranken in früheren Jahrhunderten giebt Dr. Kriegk in seinem Buche: „Deutsches Bürgerthum 
im Mittelalter", pag. 53, mannigfache interessante Mittheilungen. 

Zuerst, 1497, bestellte man einem Geisteskranken Vormünder; 1477 baute man an das 
Spital ein „Gefängniss" für Geisteskranke; solcher Aufbewahrungsorte gab es noch mehrere; 
man nannte dieselben „Narrenhaus", und zugleich wurden daselbst Yagabonden, Trunken- 
bolde und Lumpen beherbergt. 

Erst 1649 kommt das eigentliche „Tollhaus" vor; 1687 brannte es ab, und 1706 wird 
es als nunmehr in der Tollgasse (später Kastenhospitalgasse) liegend erwähnt. Die eigentliche 
Frankfurter Irrenanstalt datirt also etwa von 1649. Im Jahre 1738 brannte auch dieses Haus 
nieder, und 7 Kranke kamen in den Flammen um, da der Bürgermeister nicht erlaubt hatte, 
das Haus zu öffnen. Im eigentlichen Mittelalter aber wurden fremde Irrsinnige einfach über 
die Grenze geschubt, selbst mitunter in einem Nachen Nachts bis an die Ufer des Rheins ge- 
fahren und dann Gott und ihrem Schicksale überlassen; zuvor wurde ihnen angedroht, sie bei 
der Wiederkehr mit Ruthen zu hauen, und solche Drohung wurde wohl auch ausgeführt. Von 
ärztlicher Berathung und ärztlicher Hilfe ist dabei niemals die Rede. 

Schon seit 1728 waren Schritte geschehen, um die Behandlung und Pflege Geisteskranker 
in humanem Sinne zu bessern und ärztliche Hilfe dabei in Anspruch zu nehmen. Erst 1775 
wurde von Pflegern und Deputirten des Almosenkastens beschlossen, ein neues Gebäude sammt 
Garten zu errichten. Eine unter den Bürgern veranstaltete Kollekte reichte nicht und so 
musste die genannte Armenanstalt das Fehlende zulegen. Als besoldete Beamte werden damals 
nur der Kandidat, der Spitalmeister und der Wärter aufgeführt; die Zahl der Kranken betrug 
nur 30 bis 40; auch ärztlicher Beistand fehlte nicht. 

Im Jahre 17S3 musste schon an weitere Vergrösserung des Hauses gedacht werden; es 
wurde dem alten Hause ein neuer Bau zugefügt, und zwar nach Süden längs der Strasse hin. 
Diese alte Irrenanstalt stand in der damaligen Kastenhospitalgasse (oder wie das Volk sie 
nannte, der „Dollgasse") an der Stelle, wo sich jetzt der stolze Bau der Elisabethenschule an 
der Göthestrasse erhebt. 

1819 war in dem Hause für Geisteskranke eine Abtheilung für Epileptische gegründet 
worden, welche in Krankenlisten und Vermögensverwaltung als gesonderte Anstalt geführt 
wurde. Mit der neuen Stiftungsordnung und dem Bezüge der neuen Anstalt wurden beide 
Anstalten vollkommen vereinigt, und somit einfache und natürliche Verhältnisse geschaffen. 

Bis zum Jahre 1834 war die Anstalt unter dem Namen „Kastenhospital" ein Filial- 
institut des allgemeinen Almosenkastens gewesen, war von dessen Pflegamt geleitet und von 
der Kasse desselben verrechnet worden. Mit Ende 1833 wurde sie eine eigene selbständige 
Stiftung, erhielt ein besonderes Pflegamt von 5 Mitgliedern und sammelte eigenes Vermögen. 

Als Bauplatz wurde die Anhöhe im Affensteiner Felde gewählt, ausserhalb der Stadt frei 
und hoch gelegen, wo jetzt die Anstalt steht, in der Grösse von etwa 102 500 qm, und der 
Plan für die neue Anstalt nach Angabe des Geheimen Sanitätsrathes Dr. Hoffmann vom 
Architekten Pichler entworfen, welcher den Bau 1864 ausführte. 1889/90 erfolgte ein Umbau. 

Direktor: Dr. Sioli. 4 Assistenzärzte. Wartepersonal: 47 m., 44 w. ausgebildete 
Krankenwärter. 300 Betten: I. Kl. je 20, Ha. Kl. 30, Hb. Kl. 10, HI. Kl. 90. Verpflegungs- 
preis: 7 und 6 M, 4 und 3,so M, 2,50 und 2 M täglich. 1898 wurden 438 m., 330 w. Geistes- 
kranke verpflegt, 30 m., 18 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: 4SI 339 M. Die Einnahmen 
betrugen 485 685 M und setzten sich zusammen aus 348 069 M Verpflegungsgeld, 3 761 M 
Kapitalszinsen, 49 654 M Zuschuss der Stadt, 64 M Geschenken und 84137 M aus sonstigen 
Quellen. 

Städtische Entbindungsanstalt und Frauenklinik. 1. April 1S57 eröffnet. Arzt: 
Sanitätsrath Dr. Vömel. 17 Betten. Verpflegungspreis: 5, 3, 1,50 M täglich. 1898 wurden 
460 Kranke verpflegt, 360 Entbindungen. Unterhaltungskosten: 15 41SM, Einnahmen: 13 066 M 
Verpflegungsgeld, 2 280 M Zuschuss der Stadt und 360 M Lehrgeld. — Poliklinik für 
Frauenkrankheiten seit 1887. 

Dr. Christ' nnd v. Mühlen'sche Entbindungsanstalt. Im Jahre 1852 wurde ein Ver- 
mächtniss der Freifrau Henriette Charlotte v. Mühlen, geb. v. Lersner, der Verwaltung 
des Kinderhospitals unterstellt im Betrage von 20 000 fl., zu dem Zwecke, aus den Zinsen ver- 
heirateten christlichen Bürgersfrauen, welchen häusliche Verhältnisse die Niederkunft in der 
eigenen Wohnung erschweren, eine Zuflucht für Entbindung und Wochenbott anzuweisen. — 
1853 eröffnet und in dem östlichen Flügel des Parterrestockes des Hospitals einige Zimmer zu 
diesem Zwecke hergerichtet. 

Guttstadt, Krankenhaus-Lexikon für das Deutsche Reich. 11 



Frankfurt a. M. — 162 — Königreich Preussen. 

Da die v. Mühlen'sche Stiftung durch ihre religiöse Beschränkung mit dem Sinne des 
Stifters des Kinder-Krankenhauses in Widerspruch stand und dieser Misstand von der Admi- 
nistration stets lebhafter empfunden wurde, so war es höchst willkommen, als im April 1858 
dem Kinderhospitale von Jaques Reiss eine Schenkung von 2 000 fl. mit der Klausel zu- 
gewiesen wurde, dass die Zinsen des Kapitals für die Entbindungsanstalt nur in dem Falle an- 
gewendet werden sollten, dass lediglich verheiratete Frauen ohne Unterschied des Glaubens- 
bekenntnisses aufgenommen würden. 

Darauf gestützt, wurde die v. Mühlen'sche Stiftung der nun definitiv ins Leben tretenden 
Dr. Chrisfschen Entbindungsanstalt angeschlossen und in der bisherigen Weise in dem Gebäude 
des Kinderhospitals in Wirksamkeit erhalten. 

1867 wurde von Raphael Strauss ein Legat von 30000 fl. zum Zwecke der Erbauung 
einer Entbindungsanstalt für verheiratete Frauen dem Dr. Chrisfschen Kinderhospitale und 
Entbindungshause vermacht. — 1. Jan. 1895 Neubau mit Rekonvaleszentenstation bezogen. 
Aerzte: Drs. Glöckler und Zimmern. Wartepersonal: 1 Diakonissin aus Bielefeld. 9 Betten. 
Verpflegungspreis für nicht zur Aufnahme Berechtigte 2 M täglich. 1898 wurden 
147 Frauen entbunden und nach durchschnittlichem Aufenthalt von 10 Tagen gesund entlassen. 

Entbindungsanstalt für unbemittelte Frauen (Taubenbrunnenweg 7) von Dr. Neu- 
bürger, eröffnet 1893. 6 Betten. Verpflegung kostenlos und 2 M täglich. 189S fanden 
125 Entbindungen statt, darunter 2 von Zwillingsgeburten. 

Versorgungshaus (Hammelsgasse 1). Die Gründung desselben „zur würdigen Feier des 
für Deutschland im Allgemeinen und für Frankfurt insbesondere merkwürdigen Tages der Eröff- 
nung der Bundesversammlung" am 5. Nov. 1816 genehmigt und am 11. Dez. desselben Jahres 
von der gesetzgebenden Versammlung einstimmig bestätigt. 1824 eröffnet. Arzt: Dr. Loretz. 
1898 wurden 167 Pfründner verpflegt. 

Stiidtiselies Armen- und Siechenhans (im „Sandhof-'). 1. Sept. 1887 eröffnet. Neubau 
1898 in Betrieb genommen. Vorstand: Anstalts- Deputation, Vorsitzender des Ausschusses: 
Stadtarzt Geh. Sauitätsrath Dr. Spiess. Leitender Arzt: Dr. Knoblauch. Wartepersonal: 
9 Schwestern vom rothen Kreuz und 2 ausgebildete Krankenwärterinnen. Im Siechenhaus 
156 Betten: 'J5 1. M., Hl f. Fr. - Verpflegungspreis: 1,50 M täglich. 1899 wurden 
145 m.. l.'lii w. Kranke durchschnittlich 140,s Tage verpflegt, 25 m., 18 w. sind gestorben. 
Ausserdem verpflegt: 499 Altersschwache, Sieche und Krüppel im Armenhaus. Ausgaben 1899: 
154 820 M. Die Einnahmen betrugen 141679 31 und setzten sich zusammen aus 102 420 M 
Verpflegungsgeld, 400 M für verkaufte Produkte. 1459 M Zinsen und 37 400 M aus sonstigen 
Quellen. 

St. Katiiarinenkloster nebst dem damit verbundenen Hospitale, wurde im Jahre 1344 
von Wicker Frosch, dem Sohne eines reichen Frankfurter Schöffen und Kantors des dortigen 
Domstifts, gegründet, und zwar auf dem noch heute von den Klostergebäuden eingenommenen 
Platze an der Katharinenkirche. Der Bau wurde bereits im Jahre 1345 begonnen, jedoch erst 
1352 wurden die ersten Nonnen eingeführt; dieselben gehörten dem Orden der Deutschherren 
au. Im Jahre 1522 wurde von Hermann Ibaeh die erste lutherische Predigt in der 
St. Katharinenkirche gehalten, und in den nächstfolgenden Jahren traten sämmtliche Insassen 
des Klosters zum neuen Glauben über. Jetzt nur Stiftung für Konventualinnen. In die 
Stiftung sollen namentlich solche Frankfurter Witwen und Jungfrauen aufgenommen werden, 
deren .Männer oder Väter sich um die Stadt verdient gemacht haben. Bis Anfang dieses Jahr- 
hunderts war die Zahl der Konventualinnen des St. Katharinenklosters 11. 

Weissfrauenkloster. Das Kloster ist für Deutschland eine der ältesten Niederlassungen 
des Ordens der büssenden Schwestern der heiligen Maria Magdalena, gewöhnlich der Orden der 
Reuerinnen oder Weissfrauen genannt. Die Gründung dieses Ordens in Deutschland überhaupt 
erfolgte erst im Jahre 1227 oder kurz vorher. Den Konventualinnen. welche früher in den 
Klostergebäuden wohuen mussten, wurde später gestattet, ausserhalb derselben ihre Wohnung 
zu nehmen. 

Mit Einführung der neuen Stiftungsordnung im Jahre 1S33 wurden die beiden Klöster 
mit einander vereinigt. Die Verwaltung des Vermögens der vereinigten Anstalten wird von 
einem Pflegeamte ausgeübt, das aus 5 Pflegern besteht, welche Mitglieder der Frankfurter 
evangelisch-lutherischen Gemeinde sein müssen. — 90 Konventualinnen. 

Georgine Sara r. Rothschild'sche Stiftung. Im Januar 1870 begründeten Freiherr und 
Freifrau Wilhelm Karl v. Rothschild diese Stiftung, um das Andenken an ihre früh ver- 
storbene Tochter Georgine Sara dauernd zu erhalten." 

Das Hospital soll unbemittelten jüdischen Kranken dienen, welchen eine der anderen 
Heilanstalten unentgeltliche Aufnahme nicht gewährt. In den Statuten der Stiftung, bestätigt 
durch A. K.-0. v. 2. Dez. 1870 aus dem Hauptquartiere zu Versailles, ist ausserdem vorgesehen, 
dass auch einheimische Glaubensgenossen, welche aus religiösen Gründen die Verpflegung in dem 
neuen Hospitale vorziehen, gegen Vergütung aufgenommen werden können. Die Verwaltung der 
Anstalt ist nämlich streng nach den religiösen Vorschriften des orthodoxen Judenthums zu führen 
und von den Stiftern unter die Aufsicht des Vorstandes und des Rabbiners der israelitischen 
Religionsgesellschaft gestellt. 



Königreich Preussen. — 163 — Frankfurt a. M. 

Nachdem die Anstalt am S. März 1870 in der kleinen Behausung. Unterweg Nr. 20, mit 
6 Betten eröffnet worden war. Hessen sieh die Stifter einige Jahre darauf die Erbauung und 
Herstellung eines besonderen Hospitalgebäudes am Röderbergweg Nr. 97 angelegen sein. Die 
(Tebersiedlung selbst erfolgte am 1. Okt. 1878. 1894/95 wurde ein Operationssaal eingerichtet. 

Die unmittelbare Aufsieht über das Hospital ist einer Verwaltungskonimission übertragen. 
Dieselbe wird gebildet von dem Deputirten des Vorstandes (ihrem Vorsitzenden) und drei ge- 
wählten Mitgliedern, welche in der Besorgung der laufenden Geschäfte alle Monate abwechseln 
(den Monatssenioren). 

Aerztliche Leitung: Dr. Rosenbaum. Wartepersonal: 2 Schwestern vom rothen 
Kreuz. Verpflegungspreis: G,n M täglich. 18 Betten. 1898 wurden 65 m., 70 w. Kranke 
verpflegt, 4 sind gestorben. 

Pfründneranstalt der Dr. Senckenberg' sehen Stiftung. Die Pfründneranstalt ist eine 
Abtheilung der Dr. Senekenberg'schen Stiftung. Nach der Eröffnung des Neubaues des 
Dr. St-nckenberg'schen Bürgerhospitals im alten Gebäude untergebracht. 21 Plätze. 

Luise und Stephan v. Guaita'sche Stiftung (Neue Mainzerstr. 25). Peter Stephan Anton 
v. Guaita hat durch Testament vom IS. Mai 1846 sein Haus, Neue Mainzerstr. 2ö, zur Gründung 
einer Versorgungsanstalt für 12 über 60 Jahre alte Männer aus der Bürgerschaft vermacht. 
1851 wurde die Stiftung eröffnet, 1870 Neubau. 13 Betten. 

Sehniidborn'sches Siechenhaus. IG. Juni 1S77 in der Holzhausenstr. S8 eröffnet. Die 
Anstalt ist eine Stiftung der verwitweten Frau Laura Schmidborn, geb. Remy, nun- 
mehrigen Frau Pfarrer Leydhecker. Sie soll unheilbar kranken oder auch gebrechlichen, alters- 
schwachen Frauen und Jungfrauen evangelischen (ausnahmsweise auch katholischen) Bekennt- 
nisses die nöthige leibliche und geistige Pflege gewähren. Von der Aufnahme ausgeschlossen 
sind nur Gemüthskranke und Epileptische. 27 Betten. 

Es bestehen 2 Klassen. In der I. Klasse mit 9 Stellen erhalten die Siechen ein eigenes 
Zimmer und vollständig freie Verpflegung, wofür sie wöchentlich 20 M entrichten. Die Pfleg- 
linge H. Klasse bewohnen zu 2 oder 3 ein geräumiges Zimmer, werden mit etwas einfacherer 
Kost verpflegt und zahlen dafür wöchentlich 10 M. Für besondere Fälle sind auch einige 
Separatzimmer H. Klasse vorhanden. Eine grössere Anzahl Freistellen gewährt gänzlich Unbe- 
mittelten unentgeltliche Verpflegung. 

Die Leitung und Pflege ist Diakonissen aus dem angrenzenden Mutterhause übergeben. 

Rücker'sches Siechenhans (Holzhausenstr. 90). Gestiftet von Frau Emilie Rücker, 
geb. Finger, für weibliche Sieche. Eröffnet am 23. Okt. 1877. 12 Betten. Pflegerinnen sind 
Diakonissen. 

H. Gumpertz' Siechenhaus (Ostendstr. 75), 1892 eröffnet, nachdem Frau Gumpertz 
das Kapital zum Hauskauf geschenkt hatte. Verpflegung von israelitischen Siechen. 20 Betten : 
Ulf. M., 10 f. Fr. Arzt: Dr. Günzburg. 

Versorgungsanstalt für Israeliten (Röderbergweg 77). Die Anstalt wurde 1845 durch 
Mitglieder der israelitischen Gemeinde ins Leben gerufen, 1889 neu eröffnet. 2 Krankensäle 
und 40 Betten für Pfründner. Die Verpflegung ist unentgeltlich, doch findet noch Aufnahme 
gegen Bezahlung von Familienangehörigen oder Korporationen statt. Arzt: Dr. Kirchheim, 
Mitglied des Pflegeamts. 

Carolinnin , Poliklinik und Zahnklinik für Unbemittelte (Bürgerstr. 7). Von dem ver- ' 
storbenen Fräulein Luise v. Rothschild gestiftet. 16. Okt. 1890 eröffnet. Selbständige milde 
Stiftung mit Rechtsfähigkeit. Vorstand hat 5 Mitglieder, von welchen stets eines ein Arzt 
sein muss. Arzt: Dr. Oehler, Zahnarzt: P. Boehme. Wartepersonal: 2 Schwestern vom 
rothen Kreuz. 10 Betten, darunter 4 für Kinder. 1898 wurden 112 Kranke verpflegt und 
3 861 Kranke ambulatorisch behandelt. 

Frankfurter freiwillige Rettungsgesellschaft (Kronprinzenstrasse 18) wurde im März 
1891 ins Leben gerufen, zu dem Zwecke, bei Unglücksfällen aller Art, welche Leben und Ge- 
sundheit bedrohen, entweder selbständig oder im Anschluss an die bereits bestehenden staat- 
lichen, städtischen oder privaten Einrichtungen eine sofortige erste Hilfe zu leisten und im 
Nothfall den Transport Verletzter, Erkrankter oder Verunglückter zu übernehmen. Seit 1897 
erhält der Verein eine städtische Subvention von 1 000 M jährlich. Im Jahr 1898 kamen 5G6 
schwerere, und 901 leichtere, zusammen 1 467 Fälle zur Behandlung; den Krankenhäusern 
wurden nach Anlegung eines Nothverbands 31 Schwerverletzte überwiesen. Bei zahlreichen 
Festen und Versammlungen wurden fliegende Sanitätswachen gestellt. Von einer Anzahl ärzt- 
licher Mitglieder wurden theoretische wie praktische Kurse in der ersten Hilfeleistung ab- 
gehalten, die u. A. von Angestellten der Post, der Schutzmannschaft, der Strassenhahnen, des 
Schlacht- und Viehhofs, der Hafenverwaltung, der Schulbehörden u. s. w T . eifrigst besucht wurden. 

Frankfurter Samariter -Verein (Friedberger Landstrasse 43), Mitglied des Deutschen 
Samariterbundes, wurde im Juni 1897 ins Leben gerufen. Ehrenpräsident: Exe. Wirkl. Geheim- 
rath Prof. Dr. v. Esmarch, Kiel. Zweck des Vereins ist, die erste sachgemässe Hilfeleistung 
bei allen Unfällen, wo ärztliche Hilfe nicht sofort zur Stelle ist und zu dem Ende Ausbildung 

11* 



Frankfurt a./O. — 164 — Königreich Preussen. 

der Mitglieder im Saniariterdienst, Errichtung von Sanitätswachen und Terbandstellen, Stellung 
fliegender Wachen bei entsprechenden Gelegenheiten u. s. w. Im Jahre 1898 wurde die 
Sanitatswache bei 552 Unfällen in Anspruch genommen. 

Gesellschaft zur Verbreitung sanitärer Einrichtungen i Kaiserstrasse 62) ist im 
Oktober 1899 gegründet zu dem Zweck, die Krankenpflege, vornehmlich bei Unbemittelten, zu 
fördern durch unentgeltliche Lieferung von Verbandmaterialien und der zur Krankenpflege 
nothwendigen Gegenstände an unbemittelte Kranke und Wöchnerinnen jeden Standes und jeder 
Konfession; ferner zu dem Zweck der Verbreitung von Schutzvorrichtungen gegen alle das 
Leben und die Gesundheit der Menschen gefährdenden Zufälle im öffentlichen Verkehr, in 
gewerblichen Betrieben und Privatwohnungen, sowie der Verbreitung von Bettungseinriehtungen 
für Unfälle durch Versorgung der gewerblichen Betriebe mit den zur Hilfeleistung bei Unglücks- 
fällen nothwendigen Geräthen und mit einem den Grundsätzen der Aseptik entsprechenden 
Verbandmaterial. 

Blindenanstalt. Der tiefe Eindruck, welchen im Jahre 1837 die bei der ersten Prüfung 
der Taubstummen erzielten Erfolge auf den anwesenden damaligen Direktor der Sonntags- und 
Abendschule, H. H. Hildebrand, machte, gab diesem um die ..Gesellschaft zur Beförderung 
nützlicher Künste und deren Hilfswissenschaften" hochverdienten Manne die Anregung, die 
humanen Bestrebungen dieser Gesellschaft auch der Fürsorge derjenigen zuzuwenden, welche 
des Augenlichtes entbehren. Der Gedanke fand bei dem Präsidenten der Gesellschaft, 
Dr. Woehler, lebhaften Anklang. 

Die Anstalt wurde am 18. Mai 1837 eröffnet. 

Die Notwendigkeit einer weiteren Fürsorge für die bis zur Konfirmation in der Anstalt 
unterrichteten Knaben führte zu dem Plane, mit der Unterrichtsanstalt eine Besehäftigungs- 
und Versnrgungsanstalt, besonders für die Ausbildung zum Organisten und Klavierstimmen, für 
der Schule entwachsene Blinde zu verbinden. Ihre Eröffnung erfolgte am 20. Nov. 1S-13 unter 
provisorischer Leitung des selbst blinden Lehrers Huth. 

Am 1. Okt. 1S5S wurde ein eigenes Haus bezogen: l.>74 ist der Neubau eröffnet. 

Eigenthümer: Die Anstalt ist ein Zweig der „Gesellschaft zur Beförderung nützlicher 
Künste und deren Hilfswissenschaften". Anstaltsinspektor: W. Schild. 60 Plätze. 
3 Lehrer. 

Es wurden 1898 verpflegt: 56 Zöglinge intern, 18 estern. Kosten für einen erwachsenen 
Zögling (über 18 Jahre) 500 M, für Kinder 400 M. 

Taubstummen-Erziehungsanstalt (Eschersheimer Landstrasse 29). Internat. 1. Nov. 1S27 
von Ludwig Kosel gegründet, 1S39 vom Vereine zur Beförderung der Taubstummen-Erziehungs- 
anstalt übernommen. Die Kosel'sche Besitzung wurde angekauft und ein geeignetes Haus neu 
gebaut. Durch Gesetz vom 15. März 1861 trat die Anstalt mit einer neuen Organisation in 
die Reihe der öffentlichen milden Stiftungen. Die Anstalt besitzt Rechtsfähigkeit. 

Pflegeamt: 3 Mitglieder. Stiftungsordung vom 5. Okt. 1875. Vorstand: Oberlehrer 
J. Vatter. 4 Lehrer. 1 Lehrerin. Pension für Einheimische von 200 — 1000 M, für Auswärtige 
von 1000—1500 M jährlich. Zahl der Zöglinge 33. 

Frankfurt a. 0., GO 758 Einw., 51 Aerzte, 4 Zahnärzte. 37 Hebammen, 6 Apotheken 
(Stadtkreis, Reg. -Bez. Frankfurt). 

Wasserwerk, errichtet 1S72 — 1874 durch die Kontinental-Aktiengesellsehaft für Was;, r- 
und Gasanlagen. Kosten 1 428 236 M. Wasser aus der Oder durch offenen Sandfilter mittels 
Dampfpumpwerk in einen Hoch- und einen Niederdruckbehälter. Leistung im Jahr. 18 18: 
1320562 ehm. — Städtischer Schlachthof ohne Freibank, erbaut 1889— 1S91 für 752 415,59 M. 
Dampfkühlapparat (System Linde) für 76 Kühlzellen. 1S98 geschlachtet: 3953 Rinder, 6115 Kälber, 
9878 Schafe. 15S26 Schweine, 43S Pferde, 1 Esel, zusammen 36 211 Thiere. — Kanalisation 
für Meteor- and Abwässer (4144,5 m gemauerte, 19 049,3 m Thonrohr-Kanäle). — Fäkalien, 
durch Gesellschaft „Ceres" mittels Dampfpumpe, gewöhnliche Wagen, in seltenen Fällen nach 
dem Tonnensystem abgefahren. — Aerztliche Leichenschau seit 8. Okt. L874. Verpflichtung 
für den behandelnden Arzt, Armen-, Bezirks- oder Polizeiarzt, zur Bescheinigung der Todes- 
ursache. — Städtische Desinfektionsanstalt, 1892 errichtet, liegender zylindrischer 
Kessel mit direkter Feuerung für strömenden Wasserdampf. — Oeffentliehe Badeanstalt, 
städtische, auf dem rechten Oderufer am Ochsenwerder vorhanden. — Bau-Polizeiordnung 
vom 28. Nov. 1895. 

Garnisonlazaret. 1S56— 1858 erbaut und durch Ergänzungsbauten 187S, 1880, 1SS2 
vervollständigt. Es liegt im Nordwesten der Stadt, an der Strasse nach Fürstenwalde. Eigen- 
thümer: Militärriskus. Vorstand: Generaloberarzt Dr. Ziegel. Wartepersonal: 9 aus- 
gebildete Militärkrankenwärter, 1 Zivilkrankenwärter. 209 Betten. 1898 wurden 1048 Kranke 
durchschnittlich .".5 Tage verpflegt, 5 sind gestorben. — Gasglühlicht. Ventilationssystem: 
Luftschächte in Verbindung mit der Heizung. Heizungssystem: Eiserne (Meidinger-) und 



Königreich Prcusson. — 16-5 — Frauenburg. 

Kachel-Oefen mit Steinkohlenfeuorung. Desinfektionsanstalt: Apparat von Schimmel & Co. 
in Chemnitz für die ganze Garnison. Wasserversorgung: Städtische Wasserleitung and Tief- 
brunnen. Latrinen: Tonnen- und Grubensvstem. Abwässer gehen in die städtische Kanalisation. 

Städtisches Kranken- und Siechenhaus. 1824 aus der Vereinigung des im Jahr.- 1810 
von der ehemaligen Universität erkauften Krankenhauses und der durch Testament des 
Kämmerers Thiel vom 7. Febr. 1759 errichteten Stiftung gebildet. Neubau. Leitender Arzt 
der äusseren Station Dr. Rehfeldt. der inneren Station Dr. Glaser, für Angentranke Dr. Schnitze. 
- Assistenzärzte. Wartepersonal: 1- Diakonissen aus dem Oberlinhause zu Xowawes. 2 aus- 
gebildete Krankenwärter. 140 Betten (80 f. IL. 6o f. Fr.). Yerpflegungspreis: G.sn — 3,50 M, 
§ — 1,40 M, 1,30—0,50 H täglich. 1898 wurden 829 m.. 566 w. Kranke durchschnittlich 27 Tage 
verpflegt. 73 m.. 48 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 100 Sieche, im Keservelazaret 
1 Pockenkranker, welcher nach 12 Tagen starb. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 80903 M, 
letztere setzten sich zusammen aus 54787 M Verpflegungsgeld. 221 M für verkaufte Produkte. 
513 M Kapitalszinsen, 16 147 M Zuschuss der Stadt, 2 904 M Legaten und Geschenken. 5 323 M 
Krankenversicherungsbeiträgen für Dienstboten und 1 008 M aus sonstigen Quellen. 

Lutherstiftung, Kranken- und Diakonissen-Mutterhaus. 1891 vom Piegierungspräsidenten. 
späteren Staatsminister v. Heyden-Cadow gestiftet. Eigenthümer: Verein der Lutherstiftung, 
hat Kechtsfähigkeit. Arzt: Dr. Perniee. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 14 Diakonissen 
aus der Lutherstiftung. 16 zur Ausbildung und 1 aus Neutorney, sowie 2 Diakone aus „Zoar", 
Rothenburg i. Ö. L. 80 Betten, darunter 20 für Kinder. Verpflegungspreis: G. 3 und 1. so M 
täglich. 1898 wurden 261 m. 274 w. Kranke durchschnittlich 41 Tage verpflegt. 17 in.. 23 w. 
sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 72 416 M, letztere setzten sich zu- 
sammen aus 24 s;"- M V, ipüegungsgeld, 536 M Kapitalszinsen, 26 9S5 M Legaten, Geschenken 
und Kollekten und 20 000 M aus sonstigen Quellen. 

Kinderkrankenhaus. 1S51 vom ..Frauenverein für innere Mission" errichtet, besitzt Rechts- 
fähigkeit. Das Grundstück ist ein Geschenk König Friedrich Wilhelms IV. Eigenthümer: 
Kinderkrankenfonds. Arzt: Dr. Perniee. Wartepersonal: 3 Diakonissen aus der Luther- 
stiftung. 24 Betten. Verpflegungspreis: 0,6o M, in der Diphtheriebaracke 1 M täglich. 
1898 wurden 64 in., 71 w. Kranke durchschnittlich 60,2 Tage verpflegt, 1 m., 5 w. sind gestorben. 
Ausgaben und Einnahmen 1S98 betrugen 8 873,27 M, letztere setzten sich zusammen aus 
1 178,30 M Verpflegungsgeld, 1592,i3M Kapitalszinsen, 600 M Zuschuss des Kreises, 1 060 M 
der Stadt. 3521,69 M Legaten, Geschenken. Kollekten und aus sonstigen Quellen, und 921. 15 M 
Saldo -Vortrag. 

Marienstift der katholischen Gemeinde. 1892 von Dr. Karpinski errichtet. Warte- 
personal: 3 barmherzige Schwestern. 10 Betten. Verpflegungspreis: 5, 3 und 1,50 M 
täglich. 189S wurden 3 m., 64 w. Kranke durchschnittlich 12 Tage verpflegt. 

Chirurgisch • gynäkologische Privat -Heilanstalt von Dr. Perniee. 1S94 eröffnet. 
17 Betten. Verpflegungspreis: 7 und 4 M täglich. 189S wurden 5S m., 90 w. Kranke durch- 
schnittlich 17,8 Tage verpflegt, 4 m., 3 w. sind gestorben. 

Heilanstalt für unbemittelte Augenkranke. 11. Januar 1896 von Dr. Oberstadt 
eröffnet. 5 Betten. 

Privat -Heilanstalt für Augenkranke von Dr. Schnitze. 1899 errichtet. 8 Betten. 

Provinzialstandisehe Hebammen -Lehranstalt. 1816 vom Staate errichtet. Eigen- 
thümer: seit 1876 die Provinz Brandenburg. Direktor: Regierungs- und Geh. Medizinalrath 
Dr. Wiebecke. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 1 Oberhebamme und 24 und IS Schülerinnen. 
64 Betten, darunter 12 für Kinder. Für die Verpflegung einer Schwangeren bezw. Wöchnerin 
einschliesslich des Kindes wirft der Etat 0,75 M ans. 1S9S wurden 108 Schwangere durch- 
schnittlich 37 Tage verpflegt. 42 Schülerinnen zur Ausbildung. Unterhaltungskosten 14 402 M. 

Spiritus -Hospital. Vergrösserung geplant. IS Hospitanten nnd 76 Freiwohner. 

G«orgen- Hospital. 11. Okt. 1SSS Neubau eröffnet. 9 Hospitaliten und 66 Freiwohner. 

Jaeobs-Hospital. 12 Hospitaliten und 23 Freiwohner. — Die Verwaltung der Hospitäler 
fuhrt der Magistrat. 

Frauenburg, 2 470 Einw. (Kreis Braunsberg, Reg. -Bez. Königsberg). 

Privat-Krankenhaus. 1715 vom Administrator des Bisthums Ermland, Georg Kunigk 
gegründet, besitzt Rechtsfähigkeit. Arzt: Dr. Harnau. Wartepersonal: 3 Katharinerinnen aus 
Braunsberg und 1 Krankenwärter. 34 Betten. Verpflegungspreis: 0, so und O.co M täglich, 
Arme unentgeltlich. 1898 wurden 4S m., 32 w. Kranke durchschnittlich 39 Tage verpflegt, 
3 m., 5 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt i 1 Altersschwache. Die Einnahmen 1898 be- 
trugen 5 546 M und setzten sieh zusammen aus 2 322 M Verpflegungsgeld, 2 833 M Kapitals- 
Zinsen. 72 M Zuschuss der Gemeinde, 83 M Geschenken und 236 M aus sonstigen Quellen. 



Frauendorf — Fredeburg. — 166 — Königreich Preussen. 

Frauendorf, s. Bergquell S. 26. 

Frauenthal, Gemeinde Lechenich mit 3 203 Einw. (Kreis Euskirchen, Reg.-Bez. Köln). 

Marien -Hospital. Privatinstitut mit Rechtsfähigkeit. 6 Vincentinerinnen. 42 Betten. 
Krankenstation des Vereins zur Verpflegung männlicher Genesender in Köln. 

Fraustadt, 7 580 Einw., 5 Aerzte, 1 Zahnarzt, 5 Hebammen, 3 Apotheken (Kreis Frau- 
stadt, Reg.-Bez. Posen). 

Schlachthof geplant. — Die Entwässerung erfolgt thcils durch offene Rinnen, theils 
durch unterirdische Kanäle. — Auf einem an der Promenade gelegenen Grundstück ist ein 
Desinfektionsapparat aufgestellt, von Gebr. Schmidt in Weimar bezogen. — Eine Volks- 
badeanstalt besteht in der städtischen Gasanstalt, wird in den Wintennonaten benutzt. Eine 
ebensolche für die Sommermonate ist an einem nahe der Stadt gelegenen Teiche errichtet. - 
Bau-Polizeiordnung vom 10. April 188G. 

Garnisonlazaret. 1799 erbaut. Es liegt im Norden der Stadt an der Strasse nach 
Wollstein. Vorstand: Stabsarzt Dr. Zelle. "27 Betten. 1S9S wurden 131 Kranke durch- 
schnittlich 19 Tage verpflegt. Desinfektionsapparat, für den Truppentheil. 

Lazaret des Justiz-Gefängnisses. Eigenthümer: Justizfiskus. Arzt: Sanitätsrath 
Dr. Ebner, Kreisphysikus. 6 Betten. 1898 kein Kranker. 

Lazaret des Arbeits- und Landarmenhauses. 1. April 1S93 von der Provinz Posen 
eingerichtet. Arzt: Sanitätsrath Dr. Ebner, Kreisphysikus. 16 Betten f. Frauen. 1898 wurden 

70 kranke Frauen durchschnittlich 14 Tage verpflegt. 

Städtisches Krankenhaus. 1835 von der Stadt errichtet. Arzt: Dr. Glaser. 14 Betten. 
Verpflegungspreis 0,80 M täglich. 1899 wurden 17 m., 23 w. Kranke durchschnittlich 22 bezw. 

71 Tage verpflegt. 3 m., 4 w. sind gestorben. Ausgaben 1899: 1 494, so M. 

Johanniter-Krankenhaus. 3. Aug. 1858 durch die Posener Genossenschaft des St.Johanniter- 
Ordens eröffnet. Arzt: Sanitätsrath Dr. Ebner, Kreisphysikus. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 
3 Diakonissen aus Posen. 27 Betten. Verpflegungspreis: 3 — 1 M, 0,so, 0,70 und 0,60 M 
täglich. 189S wurden 172 m., 76 w. Kranke durchschnittlich 27 Tage verpflegt, 5 m., 6 w. 
sind gestorben. Ausgaben 1898: 7 372,85 M. Die Einnahmen betrugen 7 103,2 o M und setzten 
sich zusammen aus 4 403,3 M Verpflegungsgeld, 2 100 M Zuschuss des Ordens und 600 JI 
des Kreises. 

Frechen, 4 886 Einw. (Landkreis Köln, Reg.-Bez. Köln). 

St. Katharinen - Hospital. Von Witwe The od. Schmitz, geb. Pingen gestiftet. 
1. Juli 1S82 eröffnet. Eigenthümer: Katholische Kirehengeraeinde. Wartepersonal: 
6 Augustinerinnen aus Köln. 62 Betten: 26 f. M., 16 f. Fr. und 20 f. Kinder. Verpflegungs- 
preis: 3, 2 und 1,25 M täglich. 1899 wurden 96 m., 40 w. Kranke, durchschnittlich 32 Tage 
verpflegt, 5 m., 4 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt : 5 Pfründner und 3 Altersschwache. 
Ausgaben 1899: 10 525 M. Die Einnahmen betrugen 10 571 M und setzten sich zusammen aus 
6 874 M Verpfiegungsgeld, 1 577 M Kapitalszinsen, "635 M Geschenken und Kollekten und 1 4S."> M 
aus sonstigen Quellen. 

Freckenhorst, Wiegbold, 1586 Einw. (Kreis Warendorf, Reg.-Bez. Münster). 

..Thiadhildis-Hospital". 1852 gestiftet. Eigenthümer: Katholische Kirche. Arzt: 
Dr. Bink zu Warendorf. Wartepersonal: 6 Franziskanessen aus Münster. 32 Betten. Ver- 
pflegungspreis: O.nu— l,5o M täglich. 1898 wurden 79 m., 30 w. Kranke durchschnittlich 
59 Tage verpflegt, 3 m., 4 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 11 Altersschwache und 
25 Krätzkranke. Ausgaben 1S98: ordentliche 5 926 M, ausserordentliche 900 M. Die Einnahmen 
betrugen 7 092 M und setzten sich zusammen aus 3 288 M Verpflegungsgeld, 230 M an ver- 
kauften Produkten. 952 M Kapitalszinsen, 250 M Zuschuss der Gemeinde, 750 M Legaten, Ge- 
schenken und Kollekten und 1 622 M aus sonstigen Quellen. 

Fredeburg, 71 Einw. (Kreis Herzogthum Lauenburg, Reg.-Bez. Schleswig). 
SlomannVchos Kinderheim, Besitzer in Hamburg. 



Königreich Preusscn. — 167 — Freiburg i. Schi.— Fremersdorf. 

Freiburg i. Schi., 9 900 Einw. (Kreis Schweidnitz, Reg. -Bez. Breslau). 
Städtisches Schlachthaas seit 1891. 

Städtisches Krankenhaus. 1*7:; erbaut. Arzt: Dr. Thomas. Wattepersonal: 

2 Diakonissen aus Frankenstein, 1 Krankenwärter. 25 Betten. 1899 wurden 163 m., 51 w. 
Kranke durchschnittlich 24,7 Tage verpflegt, 12 m.. ,') w. sind gestorben. 

Bürger - Hospital. Stiftung von E. von Kramsta. Eigenthümer: Die Stadt. 

35 Betten. 

Schlesische Provinzial-Heil- und I'flege-Anstalt für Geisteskranke, Epileptiker, Idioten, 
Taubstumme und Blinde. Auf Grund des Gesetzes vom 11. Juli 1891 in einer ehemaligen 
Kaserne und benachbarten Privathäusern im Jahre 1893 eingerichtet, 1894 und 1895 durch 
Ankauf weiterer Privathäuser und einer landwirtschaftlichen Besitzung erweitert; 17 ha, 39 a, 
84 qm, zuletzt Neubauten. 1898 ein Neubau für 100 männliche Kranke und Dampfküche aus- 
geführt. Eigenthümer: Landarmenverband der Provinz Schlesien. Vorstand: Direktor 
Dr. Buttenberg. Aerzte: 1 Oberarzt und 2 Aerzte. Wartepersonal: 29 m., 39 w. aus- 
gebildete Krankenwärter. Verwaltungspersonal: 11 in., 6 w. Personen. 691 Betten, davon 
274 f. M., 417 f. Fr. Verpflegungspreis: 1,30 M täglich. 1899 wurden 786 (357 m., 429 w.) 
lirM.'skranke verpflegt, 19 in.. 21 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: 182 383.36 M. Die Ein- 
nahmen betrugen 188 525,05 M und setzten sich zusammen aus 3 625,4s M Verpflegungsgeld, 
10208,43 M an verkauften Produkten. 109 920,30 M Zuschuss der Provinz und G4 770,7 6 M 
aus sonstigen Quellen. 

Elektrisches Licht. Ventilationssystem: theils natürliche Ventilation, theils 
besondere Ventilationsschlote. Heizungssystem: Niederdruckdampfheizung und Kachelöfen. 
Desinfektionsanstalt: ein Desinfektionshäuschen mit Dampf-Desinfektionsapparat. Ent- 
wässerung: Inhalt der Wassertrogklosets und die sonstigen Abwässer werden in einem Klär- 
bassin nach dem Hulwa'schen Verfahren geklärt und das Klärwasser nach einem Bach geleitet; 
der Klärschlamm wird auf dem Anstaltsacker compostirt. In einzelnen Häusern besteht Tonnen- 
abfuhr. Wasserversorgung: Wasserleitung. 

Freienwalde a./O., 7 615 Einw. (Kreis Oberbarnim, Reg.-Bez. Potsdam). 
Wasserleitung seit 1896. 

Städtisches Krankenhaus. l.Juli 1872 von der Stadt errichtet. Arzt: Dr. Meyerwisch. 

Wartepersonal: 1 Diakonisse aus Danzig, Im., 1 w. Krankenwärter. 17 Betten. Verpflegungs- 
preis: 3 und l,so M täglich. 1898 wurden 42 m., 29 w. Kranke durchschnittlich 29,7 Tage 
verpflegt, 6 m., 8 w. sind gestorben. Ausgaben 1S98: 3 570 M. Einnahmen: 1975 M Ver- 
pflegungsgeld. 

Freienwalde i. Pom., 2 498 Einw. (Kreis Saatzig, Reg. -Bez. Stettin). 

Städtische Krankenstuben im Armenhaus. Arzt: Dr. Gerlofl. 4 Betten. 1898 wurden 
10 in.. 1 w. Kranke durchschnittlich 10 bezw. 21 Tage verpflegt. 

Freistadt i. Schi., 4 287 Einw. (Kreis Freistadt, Reg. -Bez. Liegnitz). 

Quellwasserleitung seit 1884. 

Siechenanstalt. 1894 ist das frühere Garnisonlazaret durch einen Neubau vergrössert 
und in eine Anstalt für Sieche umgewandelt. 50 Betten. 

Baronin von Dyherrn-Czettritz"sches Krankenhaus. 15. Nov. 1869 von der Baronin 
von Dyherrn-C'zettritz auf Herzogswaldau gestiftet. Die Anstalt besitzt Rechtsfähigkeit. 
Eigenthümer: Fürstbischof von Breslau. Arzt: Kreisphysikus Dr. Wollt. Wartepersonal: 

5 graue Schwestern aus Breslau, 1 m., 1 w. Krankenwärter. 16 Betten. Verpflegungs- 
preis: 0,50 M täglich. 1898 wurden 104 m., 90 w. Kranke durchschnittlich 25 Tage verpflegt, 

6 m., 10 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: 7 307 M. Die Einnahmen betrugen 7 394 M und 
setzten sich zusammen aus 2 175 M Verpflegungsgeld, 4 810 M Kapitalszinsen und 409 M aus 
Pacht u. s. w. 

Fremersdorf, G2G Einw. (Kreis Saarlouis, Reg.-Bez. Trier). 

Schwesternhaus Nazareth. Ein Andenken edelster Art stiftete Frau Wwe. Villeroy, 
geborene Reneauld, in dem Klösterchen -- nachträglich von den Schwestern Nazareth 
genannt — , welches sie genau im Stile und an der Stelle des 1880 abgebrannten „Roth- 
schlösschens" (Chäteau rouge) erbauen liess. Vorher besass dasselbe Dr. Röhrich, der Leibarzt 
des Kurfürsten von Trier als Lehensgut. Die mit dem Besitze des Hauses verbundenen Ge- 
rechtsame gingen in der französischen Revolution verloren. Aus der Hinterlassenschaft der 



Freudenberg — Friedland. — 168 — Königreich Preussen. 

Stifterin ist das Kloster mit einer jährlichen Rente von 3 000 M dotirt, die dem Unterhalte 
der Schwestern, den genannten Zwecken und der Krankenunterstützung zu dienen hat. Nach 
dem Tode der Stifterin ging das Haus in das Eigenthum deren Tochter, der Frau Geheimrath 
Eugen von Boch, geh. Villeroy, über, die es durch den Anbau einer Kapelle und mehrerer 
Zimmer, sowie durch die Einrichtung eines neuen von ihm getrennten Stalles bedeutend ver- 
grösserte und damit auch die Aufnahme einiger Kranken ermöglichte. Am 11. Nov. 189S 
verstarb Geheimrath von Boch und gelangte sein Sohn Alfred in den Besitz des Schwestern- 
hauses. Seit August 1S97 sind 4 Schwestern, Borromäerinnen aus Trier, darin stationirt. 

Freudenberg hei Siegen, 1 761 Einw. (Kreis Siegen, Reg.-Bez. Arnsberg). 

Bethesda. fi. Febr. 1860 vom Lederfabrikanten Kraemer und Frau Henriette, 
geb. Kreutz gestiftet. Neubau 1898. Eigenthümer: Evangelische Kirchengemeinde. 
Vorstand: Pfarrer Wollenweber. Arzt: Dr. Schliefenbaum. Wartepersonal: 2 Diakonissen 
aus Bielefeld. 20 Betten. Verpflegungspreis: 0,eo M täglich. 1898 wurden 24 Kranke 
durchschnittlich 200 Tage verpflegt, 1 m. ist gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898 be- 
trugen 5 916,34 M, letztere setzten sich zusammen aus 3594,25 M Verpflegungsgeld, 1864,96 M 
Kapitalszinsen, 101 M Geschenken und 356,13 M aus sonstigen Quellen. 

Freystadt i. Westpr., 2 177 Einw. (Kreis Rosenberg i. Westpr., Reg.-Bez. Marienwerder). 

Städtische Krankenstube im Hospital. 1877 eingerichtet. Arzt: Dr. Heinrich. 
Wartepersonal: 1 Diakonisse aus Danzig. 3 Betten. 1898 wurden 10 m. Kranke durch- 
schnittlich 15 Tage verpflegt. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 273,90 M, letztere 
setzten sich zusammen aus 198,90 M Verpflegungsgeld und 75 M Zuschuss der Stadt. 

Friedeberg i./IMm., 6 435 Einw. (Kreis Friedeberg i./Nm., Reg.-Bez. Frankfurt). 

Städtisches Krankenhans. Arzt: Dr. Prebel. 1 ausgebildeter Krankenwärter. 
30 Betten. 1898 wurden 180 (176 m., 4 w.) Kranke durchschnittlich 25 Tage verpflegt, 4 m., 
1 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 7 202 M, letztere 6 795 M Ver- 
pflegungsgeld und 407 M Zuschuss der Stadt. 

Privatanstalt der Krankenpflegerin A. Seidler. 4 Betten. 

Siechenhaus und Kinderschule. 3. Mai 1886 eröffnet. Vorstand: der Vorstand des 
Franenvereins. 2 Diakonissen des „Oberlinhauses" Nowawes. 

Friedeberg a. Queis, 2 622 Einw. (Kreis Löwenberg, Reg.-Bez. Liegnitz). 

Städtisches Krankenhaus. 1883 von der Stadt errichtet. Arzt: Dr. Hauck. Warte- 
personal: 2 Schwestern vom rothen Kreuz. 40 Betten: 30 f. M, 10 f. Fr. Verpflegungs- 
preis: 0,60 — 2 M täglich. 1898 wurden 110 m., 56 w. Kranke durchschnittlich 26 Tage ver- 
pflegt, 6 m., 6 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: ordentliche 4 637, 1 7 M, ausserordentliche 
1378,18 M. Die Einnahmen betrugen 5 584,oi M und setzten sich zusammen aus 4 750,ov M 
Verpflegungsgeld, 600 M Zuschuss des Kreises und 233,94 M Geschenken. 

Friedenau, 7 852 Einw., 14 Aerzte, 2 Zahnärzte, 1 Apotheke (Kreis Teltow, Reg.-Bez. 
Potsdam). 

Das Heim (Albestr. 8). „Mädchen-Zuflucht" für arme Wöchnerinnen und Mädchen, welche 
zum ersten Male gefallen sind. Vorsitzende: Frl. v. Lancizolle. 

Friedenshütte, 3 283 Einw. (Stadtkreis Beuthen i. Ob. Schi., Reg.-Bez. Oppeln). 

Fiskalische Wasserleitung vorhanden. 

Lazaret der Betriebskrankenkasse der Oberschles. Eisenbahnbedarfs-Aktien-Gesellschaft. 
1. Jan. 1897 eröffnet, hat Rechtsfähigkeit. Arzt: Dr. Fischer zu Antonienhütte. Warte- 
personal: 3 ausgebildete Krankenwärter. 37 Betten. 1898 wurden 669 m. Kranke durch- 
schnittlich 14 Tage verpflegt, 6 sind gestorben. Ausgaben 1898 betrugen 10 878,s9 M, die von 
der Krankenkasse bezahlt wurden. 

Friedland i. Ostpr., 2 701 Einw. (Kreis Friedland, Reg.-Bez. Königsberg). 

Schlachthof vorhanden. 

Städtisches Krankenhaus. 1865 errichtet. Arzt: Kreisphysikus Dr. v. Mach. 10 Betten. 
1899 wurden 9 m., 1 w. Kranke durchschnittlich 22 Tage verpflegt, 2 m. sind gestorben. Aus- 
gaben 1899: 119,2 M. Die Einnahmen betrugen 106,s M Verpflegungsgeld und 12,4 M Zuschuss 
der Stadt. 



Königreich Preussen. — 169 — Friedland— Friesack. 

Station für Augenkranke (an Granulöse Leidende). 1. Juni 1809 eröffnet. Eigenthümer: 
Kreis-Frauenverein. Arzt: Kreisphysikus Dr. v. Mach. Wartepersonal: 2 Diakonissen aus 
Königsberg. II! Betten. Verpflegungspreis: 0,so — 1 M täglich. 1899 wurden 58 m., 4L' w. 
Kranke durchschnittlich 35 bezw. 37.5, Tage verpfleg! . :'• m. sind gestorben. Ausgaben 1899: 3 305 M. 
Einnahmen: 3 538,ss M. darunter 3328,05 M Verpflegungsgeld, 100 M vom Kreis-Frauenverein, 
65,25 M Geschenke und 45,55 M aus der Hausbüchse. 

Friedland i. Ob. Schi., 2 149 Einw. (Kreis Falkenberg, Keg.-Bez. Oppeln). 

Malteser-Krankenhans. 19. Nov. 1892 vom Malteserorden errichtet. Vorstand: Graf 
Straehwitz auf Wiersbel. Arzt: Dr. Zimmermann. Wartepersonal: 6 graue Schwestern aus 
Breslau. 40 Betten. Verpflegungspreis: 0,to M täglich. 1899 wurden 272 Kranke durch- 
schnittlich 32 Tage verpflegt, 20 sind gestorben. 

Friedland i. Schles , 4 365 Einw. (Kreis Waldenbnrg, Reg.-Bez. Breslau). 

Lube'sehes Stift. Eigenthümer: Die Kommune. Wartepersonal: 1 Diakonisse aus 
Frankenstein. 10 Betten. 

Friedrichsfeld b. Hamdorf, 1 052 Einw. (Kreis Rendsburg, Reg.-Bez. Schleswig). 

Pension für Gemüths- und Nervenkranke von Fräulein Marie Clausen. 1. Mai 1882 
eröffnet. Arzt: Dr. Hass. Wartepersonal: Im., 4. w. Krankenwärter. 20 Betten: 3 f. M., 
17 f. Fr. 3 Verpflegungsklassen. Verpflegungspreis: I. Kl. 2.r,7 M. II. Kl. 2.33 — 2. in M, 
DU. Kl. 1,64 — 1,34 M täglich. 1899 wurden 3 m., 20 w. Geisteskranke durchschnittlich 285 Tage 
verpflegt, 1 w. ist gestorben. 

Friedrichshütte und Wilhelmshütte, Gemeinde Sende mit 1 593 Einw. (Kreis Wieden- 
bröck, Reg.-Bez. Minden). 

Trinkerasyl. Ländliche Kolonie; 1888 für unbemittelte Trinker gegründet-, gehört zu 
den v. Bodelschwingh'schen Anstalten. Aerztlicbe Aufsicht. 35 Plätze. Verpflegungspreis: 
1 — 1,50 M täglich. Aufenthalt mindestens ein Jahr; er ist ein freiwilliger. Beschäftigung mit 
Landwirthschaft, in der Regel eine Nachbeschäftigung in anderen Bodelschwingh'schen Anstalten, 
um die Pfleglinge allmählich in die Freiheit überzuleiten und um ihre Widerstandsfähigkeit 
gegen die Neigung zum Alkoholgenuss zu prüfen. Die Kosten für Anlage und Grunderwerb 
betrugen 49 515 M, die Unterhaltungskosten für 1896/97 25 168 M, die zum Theil durch Kollekten 
und Zuschüsse der Provinzialverwaltung gedeckt werden. 

Friedrichsort, 2 200 Einw., 4 Aerzte, 1 Hebamme, 1 Apotheke (Kreis Eckeinförde. 
Reg.-Bez. Schleswig). 

Thonrohr-Kanalisation, Abfluss in die See bezw. in den Festungsgraben nur für 
Regenwasser und Verbrauehswasser; errichtet 1879/80 für 51 400 M. — Abfuhr: Tonnensystem. 
— Oeffentliche Badeanstalt bei der Torpedowerkstatt, ursprünglich für die Arbeiter, jetzt 
aber für sämmtliche Einwohner zugänglich. — Bau-Polizeiordnung von 1894. 

Garnisonlazaret. Grund und Boden ist dem Marinefiskus vom Preussischen Fiskus 
unentgeltlich überwiesen und das Lazaret aus Reichsmitteln in den Jahren 1875 — 1877 erbaut 
worden, September 1877 eröffnet. Vorstand: Oberstabsarzt I. Klasse Dr. Grotrian. Warte- 
personal: 2 Sanitäts-Unteroffiziere, 3 Ober-Sanitätsgasten, sowie 4 ausgebildete Krankenwärter. 
74 Betten. 1898 wurden 185 Kranke verpflegt, 1 ist gestorben. — Desinfektionsanstalt 
mit strömendem Wasserdampf (Schimmel). 

Friedrichstadt, 2 480 Einw. (Kreis Schleswig, Reg.-Bez. Schleswig). 

Städtisches Krankenhaus. Das bisherige Privatkrankenhaus ist von der Stadt über- 
nommen und als Kranken- und Armenhaus eingerichtet. Arzt: 

Friesack, 3 345 Einw. (Kreis Westhavelland, Reg.-Bez. Potsdam). 

Städtisches Krankenhans. Arzt: Sanitätsrath Dr. Zipper. 4 Betten. Verpflegungs- 
preis: 0,so M täglich." 1899 wurden 15 m.. 4 w. Kranke durchschnittlich 13 Tage verpflegt. 
Ausgaben und Einnahmen 1899 betrugen 290,u9 M, letztere 100,60 M Verpflegungsgeld und 
109,09 M Zuschuss der Stadt. 



Fritzlar— Fürstenfelde. — 170 — Königreich Preussen. 

Fritzlar, 3 200 Einw., 4 Aerzte, 2 Hebammen, 2 Apotheken (Kreis Fritzlar, Reg.-Bez. 
Kassel). 

Wasserleitung seit 1. April 1899 in Betrieb. System: Hochdruck. Anlagekosteu : 
220000 M. — Leichenschau wird auf Grund der Leichenschau-Ordnung und des Ministerial- 
Aussehreibens vom 15. Mai 1824 von einem hierzu eidlich verpflichteten Manne ausgeführt. — 
Oeffentliche Badeanstalt befindet sich südwestlich der Stadt an einem Aini der Edder. ■ — 
Bau-Polizei-Ordnung vom 1. Aug. 1885. 

Garnisonlazaret. Seit dem Jahre 1866 in den ermietheten Räumen des Armenhospitals. 
Es liegt im Osten der Stadt an dem Wege nach dem Dorfe Zennern. Vorstand: Oberarzt 
Dr. Wiedemann. 24 Betten. 1898 wurden 167 Kranke durchschnittlich 18 Tage verpflegt, 1 ist 
gestorben. Elektrische Beleuchtung. 

Armen- und Kranken-Hospital. Die Anstalt besteht aus grösseren und kleineren 
Stiftungen. Ursprünglich Minoriten - Franziskanerkloster, gebaut 1237 — 1248, 1631 restaurirt. 
Arzt: Geh. Sanitätsrath Dr. Knorz, Kreisphysikus. Wartepersonal: 2 Vincentinerinnen aus 
Fulda. 53 Betten. 

Fröndenberg, 1012Einw. (Kreis Hamm, Keg. -Bez. Arnsberg). 

Evangelisches Armen- und Krankenhaus. Herbst 1887 errichtet. Eigenthümer: 
Evangelische Kirchengemeinde. Arzt: Dr. Bering. Wartepersonal: 2 Diakonissen aus 
Gadderbaum b. Bielefeld. 32 Betten: 29 f. M., 3 f. Fr. Verpflegungspreis: 3, 1,25 und 

1 M täglich. 1898 wurden 116 m., 9 w. Kranke durchschnittlich 22 Tage verpflegt, 2 m., 

2 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 2 Pfründner, 3 Altersschwache, 1 Sieche und 11 m., 

2 w. an Krätze Leidende. Ausgaben 1898: S280 M. Die Einnahmen betrugen 8118 M und 
setzten sich zusammen aus 6 291 M Verpflegungsgeld, 1 270 M Zuschuss der Gemeinde und 
557 M Geschenken. 

Haus Froenspert bei Sundwig i. Westfalen mit 1 003 Einw. (Kreis Iserlohn, Keg.-Bez. 
Arnsberg). 

Trinkerasyl von Gutsbesitzer Adolf Josephson. Auskunft: Dr. W. Bode in Hildesheim 
oder Pastor Josephson. 

Fürstenau, 1418 Einw. (Kreis Bersenbrück, Reg.-Bez. Osnabrück). 

Evangelisches Krankenhaus. 20. Okt. 1899 vom evangelischen Krankenhaus-Verein 
eröffnet. Vorstand: Pastor Arning. 14 Betten. 

St. Reginen- Stift. 1892 gemäss einem Legate der Amtsvogtin Regina Nieberg 
errichtet. Eigenthümer: Der katholische Pfarrer. Vorstand: Filmer, katholischer Pfarrer. 
Aerzte: Drs. Hildemann und Quirl. Wartepersonal: 3 Schwestern vom heil. Franziskus aus 
Thuine. 17 Betten. Verpflegungspreis: 1 M täglich. 1899 wurden 42 m., 28 w. Kranke 
durchschnittlich 35 bezw. 49 Tage verpflegt, 2 m., 5 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt 

3 Altersschwache. 

Fürstenberg a./O., 5 00G Einw. (Landkreis Guben, Reg.-Bez. Frankfurt). 

Städtisches Krankenhaus. 1. Okt. 1857 von der Stadt erbaut. Arzt: Dr. Jakobi. 
Wartepersonal: Im., 1 w. Krankenwärter. 10 Betten. Verpflegungsprei|s: 0,75 M täglich 
ausser Heizung u. dergl. 1899 wurden 23 m., 1 w. Kranke durchschnittlich 23 Tage verpflegt, 
1 m. ist gsstorben. Ausserdem verpflegt: 1 Altersschwacher. Ausgaben und Einnahmen 1899: 
802 M, letztere setzten sich zusammen aus 484 M Verpflegungsgeld und 318 M Zuschuss 
der Stadt. 

Diakonissen-Station. 1896 eröffnet. 2 Diakonissen vom Lutherstift in Frankfurt a./O. 

Fürstenberg i. Westf., 1 405 Einw. (Kreis Büren, Reg.-Bez. Minden). 

Clemens-Hospital, Parochial-Gemeinde-Krankenhaus. 1858 gestiftet aus freiwilligen 
Beiträgen. Eigenthümer: Katholische Kirchengemeinde. Arzt: .... Wartepersonal: 

4 barmh. Schwestern, arme Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach. 20 Betten. 1898 wurden 
129 Kranke verpflegt. 

Fürstenfelde, 2 153 Einw. (Kreis Königsberg i./Nm., Reg.-Bez. Frankfurt). 
Kranken- und Armenhaus. 1897 neu erbaut. 2 Betten f. Kranke. 



Königreich Preussen. — 171 — Fürstenwalde, Fulda. 

Fürstenwalde, 16 074 Einw., 7 Aerzte, 1 Zahnarzt, 9 Hebammen, 2 Apotheken (Kreis 
Lebus, Eeg.-Bez. Frankfurt). 

Städtischer Schlachthof geplant. — Kanalisation geplant. — Der Hauptstrang zur 
Kanalisation ist bereits gelegt uuil führt die Meteorwässer durch Klärgruben in die Spree ab. — 
Desinfektionsanstat: 1 Apparat von Bietschel & Henneberg im Garnisonlazaret, 1 Apparat 
eigener Konstruktion im städtischen Krankenhaus. Flussbadeanstalten 3 (2 für Zivil und 

I für Militari, ferner 2 Dampfbadeanstalten. — Bau-Polizei-Ordnung vom 28. Nov. 1895. 

Garnisonlazaret. 1897/98 erbaut und am 1. Dez. 1898 bezogen. Es liegt im Osten der 
Stadt, in der Gartenstrasse au dem Wege nach dem Vorwerk Hammelstall. Vorstand: Ober- 
gtabsarzt 1. Kl. Dr. Kosswia;. Wartepersonal: 2 ausgebildete Militär - Krankenwärter. 
28 Betten. 

Bauliche Beschreibung: Grundstücksgrösse 7 973 qm oder 0,79 ha 73 qm. Bau- 
system: Massiv unter Holzcementdach unter Verwendung Köhnen'scher Voutendecken und 
Biemenfussboden in Asphalt. Femer sämmtliche Thüren auf Winkeleisenecken aufschlagend, 
also ohne hölzerne Futter und Bekleidung. 

Auf ein Krankenbett entfallen 9,s qm Grund- und 1,9 qm Lichtfläche. Der Luftraum 
für einen Kranken beträgt 37 ehm. 

Die Kochküche besitzt einen Hildesheimer Sparherd (A. Senking) mit Warmwasser- 
behälter. In der Badestube befindet sich ein Niederdruck-Dampfkessel. Der Kalt- und Warm- 
wasserbehälter befindet sich in dem über der Badestube befindlichen Bodenraum. Waschküche: 
Handbetrieb. 

Beleuchtungsystem: Gasbeleuchtung. Ventilationssystem: Luftschächte in 
Verbindung mit der Heizung. Heizungssystem: Korridore Luftheizung. Kranken- und Dienst- 
stuben Ofenheizung (System Kori). Desinfektionsapparat von Eietschel & Henneberg, 
Berlin T. IH. Nr. 417 für die gesammte Garnisou. Wasserversorgung: Tiefbrunnen, 
Latrinen: Wasserspülung. Beseitigung der Abfallstoffe: Fäkalien durch pneumatische 
Entleerung der Behälter in besondere Ablührwagen. Meteor- und Abwässer werden in die für 
das Kasernement besonders hergestellte Kanalisation und hierdurch in die Spree geleitet. 

Städtisches Krankenhaus. 1S78 errichtet. Arzt: Dr. Fähndrich. Wartepersonal: 
3 Diakonissen aus Oberlinhaus in Nowawes. 66 Betten: 45 f. M., 21 f. Fr. Verpflegungs- 
preis: 4,5o, 2,50, 2, 1,75, l,5o, und 0,so M täglich. 1898 wurden 299 m., 70 w. Kranke 
durchschnittlich 32 Tage verpflegt, 11 m., 8 w. sind gestorben. Ausserdem wurden ver- 
pflegt 5 Sieche. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 13 968 M, letztere setzten sich 
zusammen aus 9 664 M Verpflegungsgeld, 3 940 M Zuschuss der Stadt und 364 M aus 
Abonnement. 

Evangelisch -lutherisches Lazarushaus, Diakonissenhaus, Krankenhaus, Damenheim, 
Kleinkinderschule und Idiotenanstalt in Ketsehendorf. 1. Mai 1892 vom Pastor Burgdorf 
gestiftet. Arzt: der chirurgischen Abtheilung Dr. Lehmann, der Abtheilung für innere Krank- 
heiten Sanitätsrath Dr. Dallmann. Wartepersonal: 1 Diakonissin, 1 Krankenwärter. 15 Betten: 

II für m., 4 für w. Personen. Verpflegungspr'eis: 5, 3,so und 1,75 M täglich. 1899 wurden 
78 ni., 35 w. Kranke durchschnittlich 22,5 Tage verpflegt, 7 m., 6 w. sind gestorben. Ausser- 
dem wurden verpflegt: 22 Frauen zur Erholung und 6 w. Sieche und Krüppel. Die Einnahmen 
1899 betrugen 3 698,35 M Verpflegungsgeld und 10 M Geschenke. 

Genesungsheim. 1892 errichet. Wartepersonal: 3 Diakonissen. 15 Betten. 1898 
wurden 27 w. Kranke verpflegt. 

Marienheim. Kleinkinderschule und Siechenhaus für Frauen, seit 3. Juli 1895. 1899 
durch den Zukauf eines daneben liegenden Hauses erweitert. Wartepersonal: 4 Schwestern 
aus dem „Oberlinhause" Nowawes. 

Trinkerheilanstalt (3 km von der Stadt). 1899 vom Berliner Bezirksvereiu 
gegen den Missbrauch geistiger Getränke gegründet, Frühjahr 1900 eröffnet. 50 Betten. 
Verpflegungspreis bis 100 M monatlich. Auskunft ertheilt Schriftführer Dr. Waldschmidt in 
Westend bei Berlin. 

Jüdische Taubstummenanstalt. Privatanstalt. Eröffnet am 15. Juli 1873 von M. Eeich, 
Eigenthümer und Vorsteher. 15 Plätze für Knaben und Mädchen. 

Fulda, 14 528 Einw. (Kreis Fulda, Eeg.-Bez. Kassel). 

Eöhn-Wasserleitung seit 1891. 1S96 erweitert. — Städtischer Schlachthof vorhanden. 

Landkrankenhans mit Entbindungsanstalt. Laut Stiftungsurkunde vom 18. Aug. 1804 
bezw. 12. Okt. 1805 von Wilhelm Friedrich Prinzen von Oranien-Nassau gestiftet. Eigen- 
thümer: Kommunalständische Anstalt des Eeg.-Bez. Kassel. Leitender Arzt: Sanitätsrath 
Dr. Schneider. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 13 Vincentinerinnen aus Fulda, 1 aus- 
gebildeter Krankenwärter. 168 Betten. Verpflegungspreis: 0,75 bis 4 M täglich. 1898 
wurden 1 106 (668 m., 438 w.) Kranke durchschnittlich 29 bezw. 35 Tage verpflegt, 38 m., 



Gaarden, Gadderbaum. — 172 — Königreich Preussen. 

25 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt 33 Wöchnerinnen mit durchschnittlich 28 Ver- 
pflegungstagen. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 71291,3 7 M, letztere setzten sich 
zusammen aus 21 549,35 M Verpflegungsgeld, 10 971,86 M an verkauften Produkten, 13 563,20 M 
Kapitalszinsen, 25 14G,io M Zusehuss der Provinz und 60,86 M aus sonstigen Quellen. 

Kreis-Siechenhans. 1895 erweitert. 67 Betten. 

Hospital und Waisenhaus. 1S35 errichtet. Wartepersonal: 12 Vincentinerinnen aus 
Fulda. 200 Betten. 1898 wurden 140 Kranke verpflegt. 

Sieehenhaus. 1893 errichtet. Wartepersonal: 7 Vincentinerinnen aus Fulda. 
100 Betten. 1898 wurden 90 Sieche verpflegt. 

Gaarden, 11436 Einw. (Kreis Plön, Keg.-Bez. Schleswig). 

Krankenhaus und Armenanstalt. 1876 von der Gemeinde errichtet. Arzt: Dr. Klünder. 
Wartepersonal: 1 ausgebildeter Krankenwärter. 5 Betten. Verpflegungspreis: l,so M 
täglich. 1899 wurden 39 m., 16 w. Kranke durchschnittlich 14 Tage verpflegt, 5 m. 1 w. sind 
gestorben. 

Gadderbaum, 6 659 Einw. (Landkreis Bielefeld, Reg.-Bez. Minden). 

Westfälische Diakonissenanstalt „Sarepta", zur Krankenpflege und Ausbildung von Diako- 
nissen (Mutterhaus). Von der Provinzialkirehe in Westfalen am 25. April 1869 in Bielefeld eröffnet. 
Die Anstalt besitzt Rechtsfähigkeit. Vorstand: Pastor v. Bodelschwingh. Aerzte: für die 
medizinische Abtheilung Dr. Müller -Warneck, für die chirurgische Abtheilung Dr. Steffann, für 
Infektionskrankheiten Dr. Blümcke. 3 Assistenzärzte. Wartepersonal: 1 Diakon aus dem 
Brüderhaus „Nazareth", 15 Diakonissen, 15 Probeschwestern und 2 ausgebildete Krankenwärter. 
230 Betten (in 3 Klassen je 5, je 10 und je 100). Verpf'legungspreis: für Erwachsene 5, 
2,50 und 1,25 M; für Kinder 1, 0,so und 0,60 M täglich. 1S9S wurden 1418 (691m., 727 w. 
Kranke durchschnittlich 44 Tage verpflegt, 66 m., 38 w. sind gestorben. In der chirurgischen 
Abtheilung wurden behandelt: 1. Haus „Gibeon'', für Erwachsene, I. und H. Kl. 23 M., 55 Fr.; 
III. Kl. 201 M., 153 Fr. 2. Kinderheim (1886 erbaut) S5 Knaben, 94 Männer und 60 Säuglinge. 
3. Abtheilung des ..Rothen Kreuzes" für Lungenschwindsüchtige, 64 Kranke. In der Abtheilung 
für innere Krankheiten wurden 262 M., 374 Fr. behandelt und in der Station für akute 
ansteckende Krankheiten im „Rothen Kreuz - ' 119 Kranke. 

Abtheilungen: 1. Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke „Magdala", eröffnet 
14. Okt. 1889. 1893 Isolirstation erbaut, 1895/97 erweitert durch theilweisen Ausbau des Dach- 
geschosses, wodurch hohe Einzelzimmer mehr gewonnen sind. Vorstand: Pastor Siebold. 
Wartepersonal: 10 Diakonissen und 2 Wärterinnen. 32 Betten. Verpflegungspreis: 
4 — 8,50 M täglich. 189S wurden 41 w. Kranke durchschnittlich 249 Tage verpflegt. 

2. Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke „Mahanaim", eröffnet 1. Nov. 1897. Vor- 
stand: Pastor Siebold. Arzt: Dr. Blümcke. Wartepersonal: 9 Diakonissen und 1 Wärterin. 
50 Betten. Verpflegungspreis: 1,35 — l,so M täglich. 1898 wurden 52 w. Kranke durch- 
schnittlich 53 Tage verpflegt, davon 1 gestorben. 

3. Pflegeanstalt für unruhige männliche Geisteskranke „Meggido", eröffnet 14. Okt. 
1S98. 50 Betten. 

4. Pflegeanstalt für weibliche Epileptische „Adullam-, eröffnet 1. Dez. 189S. 60 Betten. 

Westfälische Diakonenanstalt „Nazareth", Brüderhaus mit Rechtsfähigkeit. 

Abtheilungen: 1. Pensionat für Erholungsbedürftige und Nervöse „Pella", 1. Okt. 
1886 vom Pastor v. Bodelschwingh errichtet. Wartepersonal: 2 Diakone. 12 Betten. 
Verpflegungspreis: 3 — 3,50 M täglich. 1898 wurden 17 m. Kranke durchschnittlich 242 Tage 
V'-rpflegt. 

2. Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke „Jericho" in Sende (Kreis Wiedenbrück), 
eröffnet 14. Okt. 1898. Vorstand: Pastor Siebold. Arzt: Dr. Härle. Wartepersonal: 
2 Diakone und 1 m., 3 w. Krankenwärter. 50 Betten. Verpflegungspreis: l,ss — l.so M 
täglich. 1898 wurden 50 m. Kranke durchschnittlich 66 Tage verpflegt. 

„Bethel", Anstalt für Epileptische, von dem Provinzialausschusse für innere Mission 
in Rheinland und Westfalen am 14. Okt. 1867 gegründet. Die Anstalt hat Rechtsfähigkeit und 
ist 1. Heilanstalt. 2. Erziehungs- und Unterrichtsanstalt für epileptische Kinder, 3. Beschäftigungs- 
anstalt für erwachsene Epileptische, 4. Pflegeanstalt (Asyl) für blöde Epileptische. Vorstand: 
Pastor v. Bodelschwingh. Leitender Arzt: Sanitätsrath Dr. Huchzermeier; 6 Oberärzte. 
5 Assistenzärzte, 1 Nasen- und Ohrenarzt sowie 1 Zahnarzt. Wartepersonal: 133 Diakone 
aus „Nazareth", 76 Diakonissen aus „Sarepta" und 15 Wärter. 

..Morija" hat durch Neubau eines zweckmässigen Isolirhauses für unruhige Geistes- 
kranke und Epileptiker eine bedeutende Erweiterung erfahren. 

1 560 Betten (846 f. M. 714 f. Fr.) in 3 Klassen: I. Kl. 5 f. M., 6 f. Fr.; H. Kl. 56 f. M.. 
.'in f. Fr.; III. Kl. 785 f. M., 658 f. Fr. J898 wurden 1 757 (972 m, 785 w.) Epileptische durch- 
schnittlich 315 Tage verpflegt, 53 m., 30 w. sind gestorben. 



Königreich Preussen. — 173 — Galkhausen— Garnsee. 

Abt ho ihm gen: 1. Krankenhaus „Xebo". Beobachtungsstation und Krankenhaus für 
männliche Epileptische, Diakone und auswärtige Kranke, errichtet im Oktober 1S94. Warte- 
personal: 10 Diakone. 86 Betten in 3 Klassen (I. Kl. 1, II. Kl. 10, III. Kl. 75). 1898 wurden 
528 Kranke durchschnittlich :'.4 Tage verpflegt. 3") sind gestorben. 

:'. Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke „Morija", errichtet 1. Okt. 1893. 46 Betten, 
I. Kl. 12, U. Kl. 34. Verpflegungspreis: 4 — S.so M täglich. 1898 wurden 59 m. Kranke 
durchschnittlich 265 Tage verpflegt, 4 sind gestorben. 

Galkhausen hei Lantrenfold, '2 773 Einw. (Kreis Solingen, Reg.-Bez. Düsseldorf). 

Rheinische Provinzial-Irren-Heil- und Pflesreanstalt. Koloniale Irrenanstalt. Zentral- 
anstalt 1897/99 erbaut, 1. März 1900 eröffnet. Direktor: Dr. Herting. 800 Betten. — Gut 
Galkhausen angekauft durch Beschluss des 40. Provinzial - Landtags der Rheinprovinz für rund 
200000 M behufs Errichtung einer (6. rheinischen) kolonialen Irrenanstalt. Grösse rund 110 ha 
(56 ha Ackerland, 8 ha Wiesen, 32 ha Holzung). — Pavillon- und offene Thür-System. — Elektrische 
Beleuchtung. — Heizungssystem: Niederdruck-Dampfheizung. — Eigene Bäckerei eingerichtet. 

Gangelt, 2 400 Einw. (Kreis Geilenkirchen, Reg.-Bez Aachen). 

Armen-Gasthaus. Krankenpflege. 1874 von der Gemeinde erbaut. Eigenthümer: 
Armenverwaltung. Leitender Arzt: Dr. Savels. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 1"2 arme 
Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach und 5 ausgebildete Krankenwärterinnen. 125 Betten. 
darunter 12 für Kinder. Verpflegungspreis: O.ao M täglich. 1899 wurden 114 w. Kranke 
durchschnittlich 365 Tage verpflegt, 5 sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 5 Altersschwache, 
•_' Sieche und Krüppel. Ausgaben 1899: 31 249 M. Einnahmen: 31352 51 Verpflegungsgeld. 

Gardelegen 7 3"23 Einw. 5 Aerzte, 4 Hebammen, 2 Apotheken (Kreis Gardelegen, Reg.- 
Bez. Magdeburg). 

Städtischer Schlachthof am 3. Febr. 1S93 eröffnet. Anlagekosten 73 000 M. Neueste 
Einrichtung mit Kühlhalle nach Linde. 1898 geschlachtet: 461 Rinder, 976 Kälber, 583 Schafe, 

1 S17 Schweine und 30 Pferde. — Entwässerung: Grösstenteils durch oberflächliche Rinnen, 
theilweise durch Rohrleitung in den Mildefluss bezw. Laugebach. — Abfuhr: Aus Senkgruben 
in verdeckten Wagen. Vereinzelt Tonnensystem. — Der Magistrat besitzt seit 1892 einen 
Desinfektionsapparat von Gebr. Schmidt, Weimar. — Oeffentliche Badeanstalten: 
Für die warme Jahreszeit je ein Badebassin in der Milde bezw. im Laugebach. Ausserdem in der 
Dampfmolkerei seit Januar 1898 ein Wannenbad. — Bau-Polizeiordnung vom 24. April 1894. 

Garnisonlazaret. 1S62 wurde das Vordergebäude gekauft und als Lazaret benutzt, 
während das Hintergebäude, jetziges Lazaret, 1S63/65 erbaut und im Jahre 1865 bezogen wurde. 
Es hegt im südlichen Stadttheil. Arzt: Assistenzarzt Dr. Ilberg. Wartepersonal: 1 aus- 
gebildeter Militärkrankenwärter. 16 Betten. 1898 wurden 173 Kranke durchschnittlich 12,s Tage 
verpflegt. — Petroleumlampen. Ventilationssystem: Luftschächte in Verbindung mit der 
Heizung. Heizungssystem: Kachelöfen mit Braunkohlenheizung. Desinfektionsanstalt: 
Giessener Apparat für die gesammte Garnison. Wasserversorgung durch Tiefbohrbrunnen. 
Latrinen: Zementirte Senkgrube. Beseitigung der Abfallstoffe: Abfuhr in verdeckten Wagen. 

Kreis-Krankenhans. Von der Stiftung des grossen Hospitals „St. Spiritus" erbaut und 
am 3. Febr. 1877 eröffnet, am 1. Juli 1886 an den Kreis übergeben. Vorstand: Der Kreis- 
ausschuss. Arzt: Dr. Lindenau. Wartepersonal: 2 Diakonissen aus dem Elisabethkranken- 
hause in Berlin, 1 Krankenwärter. 47 Betten: 31 f. M., 16 f. Fr. Verpflegungspreis: 3. l,5o, 
0,80 und 0,so M täglich. 1S99 wurden 389 (298 m., 91 w.) Kranke durchschnittlich 27 bezw. 
34 Tage verpflegt, 17 m.. 6 w. sind gestorben. Die Ausgaben und Einnahmen 1899 betrugen 
11 924 M, letztere setzten sich zusammen aus 8 354 M Verpflegungsgeld, 3 419M Zuschuss des 
Kreises, 140 M der Stadt und UM aus sonstigen Quellen. 

Schnlze'sche Anstalt für ruhige Geisteskranke und Epileptische. 1873 eröffnet. 
Leitender Arzt: Dr. Westphal. Wartepersonal: 4 m., 2 w. ausgebildete Krankenwärter und 
3 Wärter. 110 Betten in 3 Klassen. Verpflegungspreis: I. Kl. 4 M, H. Kl. 2,75 M, HI. Kl. 
1,50 M täglich. 1898 wurden 65 m., 11 w. Kranke durchschnittlich 310 bezw. 336 Tage verpflegt, 

2 m. sind gestorben. 

Garnsee, 1 036 Einw. (Kreis Marienwerder, Reg.-Bez. Marienwerder). 

Städtisches Krankenhans. 1883 eingerichtet. Arzt: Dr. Hahn. Wartepersonal: 
1 Diakonissin aus Danzig und 1 Krankenwärter. 4 Betten. Verpflegungspreis: 0,so M 
täglich. 1899 wurden 1 m., 4 w. Kranke durchschnittlich 12 Tage verpflegt, 1 w. ist gestorben. 



Gartow — Geldern. — 174 — Königreich Prenssen. 

Gartow, 727 Einw. (Kreis Lüchow, Reg.-Bez. Lüneburg). 

Krankenhaus. I. April 1 SOG vom Flecken Gartow und angeschlossenen Gemeinden des 
alten Amtes Gartow errichtet. Eigenthümer: Dieselben bezw. Gräfin Emma v. Bernstürff. 
Arzt: Dr. Rohrs. Wartepersonal: 1 ausgebildete Krankenwärterin und 1 Wärter. 17 Betten. 
Verpflegungspreis: 1,25 — 3 M täglich. 1899 wurden 58 in., 5G w. Kranke durchschnittlich 
33 Tage verpflegt, 3 m., 4 w. sind gestorben. 

Gartz a. 0., 4 471 Einw. (Kreis Randow, Keg.-Bez. Stettin). 

Städtisches Krankenhans. 1860 von der Stadt errichtet. Arzt: Dr. Buttermann. 
Wartepersonal: 1 m., 1 w. Krankenwärter. 14 Betten. Verpflegungspreis: 0,so M täglich. 
1899 wurden G m.. 1 w. Kranke durchschnittlich 13 bezw. 229 Tage verpflegt. 2 m. sind gestorben. 
Ausserdem verpflegt: 3 m., G w. Altersschwache, davon 1 in., 2 w. gestorben. Ausgaben und 
Einnahmen 1898: 2 872 AI. letztere setzten sich zusammen aus 302 AI Verpflegungsgeld, 2 539 M 
Zuschuss der Stadt und 31 M Geschenken. 

Gassen, 2 709 Einw. (Kreis Sorau, Keg.-Bez. Frankfurt). 

Städtisches Krankenhans. Freie Arztwahl. Wartepersonal: Krankenwärter und seine 
Frau. G Betten. Verpflegu'ngspreis: im Sommer l.so AI. im Winter 1,40 AI täglich. 1899 
wurden 3 m. Kranke durchschnittlich 27 Tage verpflegt, 1 ist gestorben. 

Geestemünde, 17 440 Einw. (Kreis Geestemünde, Keg.-Bez. Stade). 

Seit 1883 bezw. 1892 besteht zentrale Wasserleitung aus Grundwasser. — Kanali- 
sation geplant. 

Schwestern-Krankenhaus. Eigenthümer: Gemeinde Geestemünde. Arzt: Sanitäts- 
rath Dr. Hartwig. Wartepersonal: 2 Diakonissen vom Henriettenstift in Hannover, 1 m., 
.1 w. Krankenwärter. 33 Betten. 1898 wurden 349 m., 57 w. Kranke durchschnittlich 18 Tage 
verpflegt, 14 m., 5 w. sind gestorben. 

Gefeil, 1 358 Einw. (Kreis Ziegenrück, Reg.-Bez. Erfurt). 

Krankenhaus. Arzt: Kreiswundarzt Dr. Südekum. Verpflegungspreis: 1, 50 AI täglich. 

Geilenkirchen, 3 925 Einw. (Kreis Geilenkirchen, Reg.-Bez. Aachen). 

Katholisches Krankenhans. 7. Okt. 1S72 durch den Dechanten und Oberpfarrer Heydeu 
errichtet. Eigenthümer: Katholische Kirchengemeinde. Arzt: Dr. Dussard. Wartepersonal: 
12 Christenserinnen aus Aachen. 47 Betten. Verpflegungspreis: 1 — 1,50 AI und 0,50 — 0,so AI 
täglich. 1899 wurden 45 m.. 36 w. Kranke durchschnittlich 133 bezw. 12(3 Tage verpflegt 
10 ni., 6 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt 18 Altersschwache. Ausgaben 1899: 14 950 AI. 
Die Einnahmen betrugen 15 100 AI Verpflegungsgeld. 

Geisenheim, 3 390 Einw. (Rheingaukreis, Reg.-Bez. Wiesbaden). 

Krankenhaus ,,AIariahilf". 1. Okt. 1899 eröffnet. Eigenthümer: Pfarrer Feldmann. 
Arzt: Dr. Ehrhardt. 

Geistingen, 5 512 Einw. (Siegkreis, Reg.-Bez. Köln). 

St. Josephs-Krankenhans. 1883 errichtet. Wartepersonal: G Franziskanerinneu aus 
Olpe. 25 Betten. 1898 wurden 52 Kranke verpflegt. 

Geldern, 5 974 Einw. (Kreis Geldern, Reg.-Bez. Düsseldorf). 
Wasserwerke, seit 1897 aus einem Tiefbrunnen. 

St. Klemens-Hospital. 1844 gestiftet vom Grafen von und zu Hoensbroich, Grafen 
v. Loe und von den Eheleuten Friedrich Hoerten. Die Anstalt hat Rechtsfähigkeit. 
Leitender Arzt: Kreisphysikus Sanitätsrath Dr. Brand. Wartepersonal: 16 Klemensschwestern 
aus Alünster. 113 Betten, darunter 14 f. Kinder. Verpflegungspreis: 0,so AI, für Mitglieder 
der Ortskrankenkassc 0,?o AI täglich, arme Kranke unentgeltlich. 1898 wurden 2G2 m.. 228 w. 
Kranke durchschnittlich 44,3 Tage verpflegt, 20 m., 15 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 
32 Altersschwache und Sieche und 19 m., 17 w. an Krätze Leidende. 



Königreich Preussen. — 175 — Gelnhausen — Gerdauen. 

Gelnhausen, 4 49G Einw. (Kreis Gelnhausen, Reg. -Bez. Kassel). 

Wasserleitung, 1896 erweitert. — Städtischer Schlachthof mit Kühlhaus 1893 eröffnet. 

Städtisches Krankenhaus. 1. März 1S9S eröffnet. 2 Diakonissen aus Kassel. 24 Betten 
(12 f. Kranke, 12 f. Sieche). 

Gelsenkirchen, 31635 Einw., (Stadtkreis, Reg.-Bez. Arnsberg). 

Wasserversorgung seit 1S73 durch die Aktiengesellschaft: Wasserwerk für das nörd- 
liche westfälische Kohlenrevier. — Städtischer Schlachthof mit Kühlhaus vorhanden. 

Katholisches Krankenhaus „Marien -Hospital". 1869 von der katholischen Kirchen- 
gemeinde ad St. Augustinum gegründet. Vorstand: Katholischer Kirchenvorstand. Aerzte: 
Drs. Robbers, Grüttner jun., Naberschulte. Wallerstein. 1 Assistenzarzt. AVartepersonal: 
30 arme Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach, 1 ausgebildeter Krankenwärter und 3 Wärte- 
rinnen. 275 Betten: 230 f. ST., 4."> f. Fr., darunter 20 f. Kinder. Verpflegungspreis: 5, 3, 
1,75 M, für Ortsarme 1,20 M täglich. 1898 wurden 2 723 (2 1-10 in., 583 w.) Kranke durch- 
schnittlich 28 Tagf verpflegt, 92 m.. .'!7 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: 140967 M. Die 
Einnahmen betrugen 153 195 M Verpflegungsgeld und 500 M Miethen. 

Evangelisches Krankenhans. 1872 von ;der evangelischen Kirchengemeinde errichtet. 
Leitender Arzt: Dr. Lindemann. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 4 Diakone, 10 Diakonissen 
aus Sarepta bei Bielefeld. 194 Betten, darunter 14 für Kinder. Verpflegungspreis: 1,75 M 
täglich. 1S99 wurden 2 072 Kranke durchschnittlich 25 Tage verpflegt, 98 sind gestorben. 
Ausserdem wurden verpflegt 75 m., 2G w. an Krätze Leidende. Ausgaben 1899: ordentliche 
Sl 28S M, ausserordentliche 10 0118 M. Die Einnahmen betrugen 9138(5 M und setzten sich 
zusammen aus 87 896 M Verpflegungsgeld. 2 000 M Zuschuss der Gemeinde, 1484 M Geschenken 
und 6 M aus sonstigen Quellen. 

Genthin, 5 346 Einw. (Kreis Jerichow II, Reg.-Bez. Magdeburg). 

Johanniter Krankenhaus. 1868 von der Sächsischen Provinzial- Genossenschaft des 
Jobanniterordens gegründet. Arzt: Dr. Frantz. Wartepersonal: 2 Diakonissen aus Halle a./S. 
1 m., 2 w. Krankenwärter. 30 Betten. Verpflegungspreis: l,so AI und mehr, 0,7o, 0,90, 
1 und 1,25 M täglich. 189S wurden 207 m., 70 w. Kranke durchschnittlich 30 Tage verpflegt, 
12 m., 4 w. sind gestorben. Ausgaben 1898: ordentliche 8 767,93 M, ausserordentliche 3 540,7 1 AI. 
Die Einnahmen betrugen 11085,is M und setzten sich zusammen aus 6 768,27 M Verpflegungs- 
geld, 778,oi M Kapitalszinsen und den Freibettstiftungen, 450 M Zuschuss des Kreises, 300 M 
des Ordens . 2 500 M Zuschuss der Sachs. Prov.-Genossenschaft des Johanniter-Ordens und 
28S M aus dem Dienstboten-Abonnement. 

Georg-Marienhütte, 1 843 Einw. (Landkreis Osnabrück, Reg.-Bez. Osnabrück). 

Knapuschafts-Krankenhaus. 1872 errichtet vom Georgs-Marien-Bergwerks- und Hütten- 
verein. Arzt: Sanitätsrath Dr. Wimmer. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 3 Schwestern 
vom rothen Kreuz in Köln, 1 ausgebildeter Krankenwärter. 40 Betten. Verpflegungspreis: 
1,40 — 3 M täghch. 1898 wurden 2117 m., 6 w. Kranke durchschnittlich 14 Tage verpflegt, 
6 m. sind gestorben. 

Gerbstädt, 4 191 Einw. (Seekreis Mansfeld, Reg.-Bez. Merseburg). 

Johanniterschwestern- Krankenhaus. 1. April 1897 von den Johanniterschwestern 
Luise Seelhorst. Willy v.Glasenapp, Adele Kiesel geb. Eitter, Constanze v. Seh niettau 
gestiftet. Arzt: Dr. Rothmaler. Wartepersonal: 3 Johanniterschwestern aus Halle, 1 aus- 
gebildeter Krankenwärter und 1 Wärterin (freiwillige Hilfe). 19 Betten: darunter 6 für Kinder. 
Verpflegungspreis: 3, 2,so M. 2 bezw. 1,25 AI, Kinder 0,75 M täglich. 1898 wurden 72 m., 
67 w. Kranke durchschnittlich 34.7 Tage verpflegt, 3 ni.. 3 w. sind gestorben. Ausgaben und 
Einnahmen 1898 betrugen 8 819 AI, letztere setzten sich zusammen aus 5 614 M Verpflegungs- 
geld, 160 M an verkauften Produkten, 1 500 AI Zuschuss des Kreises, 100 M der Gemeinde, 97S M 
Geschenken und 467 M aus sonstigen Quellen. 

Katholisches St. Elisabeth-Krankenhaus. September 1897 eröffnet. 

Gerdauen, 2 950 Einw. (Kreis Gerdauen, Reg.-Bez. Königsberg). 

8tädtischer Schlachthof seit 1888 vorhanden. 

Johanniter Kranken- und Siechenhaus. 21. Okt. 18G2 eröffnet. Eigenthümer: 
Johanniter Orden. Arzt: Kreisphysikus Dr. Dietrich. Wartepersonal: 3 Diakonissen aus 
Königsberg, 2 Krankenwärter. 58 Betten. Verpflegungspreis: 3 M, 2 und 0,90 M täglich. 
1899 wurden 413 Kranke durchschnittlich 41 Tage verpflegt, 16 sind gestorben. Ausserdem 
verpflegt 16 Sieche. 



Gescher - Giersdorf. — 176 — Königreich Preussen. 

Gescher, 1 473 Einw. (Kreis Koesfeld, Eeg.-Bez. Münster). 

Marien -Hospital. 1869 durch milde Gaben gestiftet. Eigenthümer: Katholische 
Pfarrgemeinde. Freie Arztwahl. Wartepersonal: 5 barmherzige Klemensschwestern aus 
Münster. 22 Betten. Verpflegungspreis: 0,50 bis 1,50 M täglich. 1898 wurden 39 m., 
39 w. Kranke durchschnittlich 98,4 Tage verpflegt, 4 m., 6 w. sind gestorben. 

Geseke, 4 167 Einw. (Kreis Lippstadt, Eeg.-Bez. Arnsberg). 

Provinzial-Landarmen- und Krankenhaus. Als Provinzial-Pflegeanstalt gestiftet 1841 
vom Provinzial-Landtage der Provinz Westfalen, umgewandelt am 1. Dez. 1891 in ein Land- 
armen- und Krankenhaus. Leitender Arzt: Direktor Dr. Schupmann. Wartepersonal: 
24 Vincentinerinnen aus Paderborn, 1 Krankenwärter. 330 Betten: 240 f. M., 90 f. Fr., darunter 
10 f. Knaben und 10 f. Mädchen. Verpflegungspreis: Kranke 0,so M, landarme Pfleglinge 
0,«o M, landarme Lazaretkranke 0,so AI, ortsarme Pfleglinge 0,60 und 0,so M täglich. 1898 
wurden 135 m., 39 w. Kranke durchschnittlich 273 bezw. 323 Tage verpflegt, 33 m., 10 w. 
sind gestorben. Ausserdem verpflegt 169 M., 47 Fr. (46 Altersschwache, 108 Sieche und 
62 hilfsbedürftige Pfleglinge). 

Hospital zum heiligen Geist. Als milde Stiftung von Bürgern der Stadt Geseke im 
12. Jahrhundert gegründet. Neu organisirt und erweitert im Jahre 1849. Eigenthümer: 
Die Stadt. Die Anstalt besitzt Rechtsfähigkeit. Vorstand: Pfarrer Bonsmann. Arzt: 
Joseph Kemper. Wartepersonal: 7 Vincentinerinnen aus Paderborn. 55 Betten, darunter 15 
für Kinder. Verpflegungspreis: 0,50 bis 1 M täglich. 1898 wurden 77 m., 45 w. Kranke 
durchschnittlich 123 Tage verpflegt, 5 m., 6 w. sind gestorben. Ausserdem wurden verpflegt 
2 Pfründjier und 15 Altersschwache. Ausgaben 1898: 5 848,"i M. Die Einnahmen betrugen 
6 696,24 M und setzten sich zusammen aus 5 836,69 M Verpflegungsgeld, 356,75 M Kapitals- 
zinsen. 263.50 M Geschenken und 239 M aus sonstigen Quellen. 

Gevelsberg, 10 709 Einw. (Kreis Schwelm, Eeg.-Bez. Arnsberg). 

Evangelisches Krankenhans. 1S76 durch milde Beiträge gestiftet. Seit 1892 besitzt 
die Anstalt Rechtsfähigkeit. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 3 Diakonissen aus Sarepta 
bei Bielefeld, 1 ausgebildeter Krankenwärter. 34 Betten: 24 f. M.. 10 f. Fr. Verpflegungs- 
preis: I. Kl. 3 M, U. Kl. 2 M, HI. Kl. 1,40, 1,25 und 1 M täglich. 1898 wurden 383 
(335 m., 48 w.) Kranke durchschnittlieh 25 Tage verpflegt, 13 m., 8 w. sind gestorben. Aus- 
gaben 1898: ordentliche 12 936,34 M, ausserordentliche 278,22 M. Die Einnahmen betrugen 
13 998,71 M und setzten sich zusammen aus 12 565,4 6 M Verpflegungsgeld, 105 M Desinfektionen, 
304,50 M Kapitalszinsen, 500 M Zuschuss der Gemeinde, 1 19, 1 9 M Geschenken, 1,06 M Jagd- 
pachtgeld und 403,50 M Dienstboten-Abonnement. 

Giebichenstein, 15 070 Einw. (Saalkreis, Reg.- Bez. Merseburg). 

Wasserleitung seit 1893. — Benutzung des Schlachthofs von Halle a./S. vorge- 
schrieben. — Kanalisation seit 1894, einzelne Theile schon früher kanalisirt. Fäkalien werden 
abgeführt, die Kanalwässer gelangen durch Klärschächte in die Saale. 

Heilanstalt für Stotterer von Albert Neumann. 17. Aug. 1898 eröffnet. 

Das Martin -Stift. Filiale des Diakonissenhauses in HaUe a./S. zur Pflege, Alter, 
Siecher und Einsamer beiderlei Geschlechts. Aufnahmegesuche sind zu richten an Pastor 
Jordan in Giebichenstein. 

Gielsdorf, 385 Einw. (Landkreis Bonn, Reg.-Bez. Köln). 

Annastift. Kloster. Eigenthümer: Katholische Kirchengemeinde Lessenieh. Warte- 
personal: 1 Oberin und 5 arme Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach. 32 Betten. 189S 
wurden 149 Personen verpflegt. 

Gieraltowitz, 882 Einw. (Kreis Tost-Gleiwitz, Reg.-Bez. Oppeln). 

Siechenhans. 1898 eröffnet. 3 Mägde Marias von der unbefleckten Empfängniss aus 
Poremba. 

Giersdorf, 497 Einw. (Kreis Frankenstein, Reg.-Bez. Breslau). 

Hedwigshans, der Diakonissenanstalt in Frankenstein gehörig, gewährt Lehrerinnen 
während der Ferien zur Erholung unentgeltliche Aufnahme und Verpflegung. Es ist 1896 
aus Stiftungsmitteln erbaut und im Sommer und Winter geöffnet. Gegen einen täglichen 
Verpflegungspreis von 3M finden auch Rekonvaleszenten Aufnahme. 



Königreich Preussen. — 177 — Giesenkircheu — Glatz. 

Giesenkirchen, 4 299 Einw. (Kreis Gladbach, Reg.-Bez. Düsseldorf). 

Krankenbaus der katholischen Kirehengemeinde. Eröffnet am 4. Oktober 1899. Arzt: 
Dr. Eoberz. 16 Betten (10 f. 31.. 6 f. Fr.). 

Gifhorn. 3399 Einw. (Kreis Gif hörn, Reg.-Bez. Lüneburg). 

Kreiskrankenhaus im Bau. 

Städtisches Krankenhaus. 1872 von der Stadt errichtet. Arzt: Kreisphysikus Sanitäts- 
Rath Dr. Langenheck. Wartepersonal: 1 m., 1 w. Krankenwärter. 10 Betten. 1899 wurden 
34 m., 3 w. Kranke durchschnittlich IT Tage verpflegt, 4 m.. 1 w. sind gestorben. Ausgaben 
]S99: 375 M. Einnahmen 385 M Verpflegungsgeld und 60 31 Zuschuss der Stadt. 

Gladbach, siehe München -Gladbach. 

Gladbeck, 7 827 Einw. (Kreis Recklinghausen, Reg.-Bez. Münster). 

St. Barbara -Hospital. 1S94 errichtet. Eigenthümer: Katholische Kirchengemeinde. 
Leitender Arzt: Dr. Diedrieh. Wartepersonal: 10 Franziskanessen aus Münster. 110 Betten. 
Verpflegungspreis: 3, 2. 1 M täglich. 1898 wurden 611 m.,. 101 w. Kranke durchschnittlich 
20 Tage verpflegt. 9 m., 5 w. sind gestorben. Ausserdem wurden verpflegt: 22 zur Reinigung 
von Ungeziefer und 92 Krätzkranke. Ausgaben 1S9S: 1(5 913 M. Die Einnahmen betrugen 
17 375 31 und setzten sich zusammen aus 16 475 31 Verpflegungsgeld, 100 31 für verkaufte Pro- 
dukte und 800 M Geschenken und Kollekten. 

Alterversorgungsanstalt. 1893 errichtet. 7 Betten. Wartepersonal: 8 barmherzige 
Schwestern aus 3iünster. 

Glandorf, 1 154 Einw. (Kreis Iburg, Reg.-Bez. Osnabrück). 

Theresienhospital. 1864 von den Frese'schen Eheleuten errichtet. Eigenthümer: 
Katholische Pfarre. Arzt:~Dr. Kaioff. Wartepersonal: 3 Franziskanessen aus 31ünster. 
22 Betten. Verpflegungspreis: 1, 0,75 und 0,40 31 täglich. 1899 wurden 22 m., 28 w. Kranke 
durchschnittlich 154 bezw. 124 Tage verpflegt, 5 m., 8 w. sind gestorben. Ausgaben 1S98: 
3 010 31. Die Einnahmen betrugen 3 0G4 31 und setzten sich zusammen aus 1 609 31 Verpflegungs- 
geld, 1 155 31 Kapitalszinsen und 300 M Geschenken. 

Glatz, 14 778 Einw., 12 Äerzte, 1 Zahnarzt, 8 Hebammen, 2 Apotheken (Kreis Glatz, 
Reg.-Bez. Breslau). 

Städtische Wasserleitung seit 1887 in Betrieb. Hochdruckleitung durch Dampfbetrieb 
mit besonders angelegten Grundwasserbrunnen. Anlagekosten: 350000 31. 1898 wurden 159000 ebm 
Wasser verabfolgt. — Kleiner Privatschlachthof der Fleischerinnung. — Abfiuss der 
Tag- und Schmutzwässer durch Kanäle nach der Xeisse. Abfuhr der Fäkalien in Tonnen 
durch städtische Abfuhrwagen. — Aerztliche Leichenschau ist eingeführt. — Im städtischen 
Krankenhause ein Dampf-Desinfektionsapparat mit strömendem Wasserdampf von Biemann 
in Wismar. — Eine grössere städtische Flussbadeanstalt in der Neisse seit 1890. — Bau- 
Polizeiordnung vom 1. März 1883. 

Garnisonlazaret. 1678 als Minoritenkioster erbaut und am 25. Febr. 1813 von dem 
Staatskanzler Fürsten von Hardenberg für die Garnison bestimmt, bezogen 1815. Es liegt im 
südöstlichen Theile der Stadt, zwischen 3Iühlgraben und Neissefloss, an der 3Iinoritenstrasse, 
Hauptfront nach 3Vesten. Vorstand: Oberstabsarzt 2. Klasse Dr. Baehr. Wartepersonal: 
- - e Schwestern, 4 ausgebildete 3Iilitärkrankenwärter und 1 Zivilkrankenwärter. 74 Betten. 
1898 wurden 429 Kranke durchschnittlieh 27. s Tage verpflegt, 3 sind gestorben. — Desin- 
fektionsapparat von Henneberg, auch für die Truppen. Wasserversorgung: Anschluss 
an die städtische Wasserleitung und 1 Hofbrunnen. Latrinen: Tonnensysteni. Beseitigung 
der Abfallstoffe : Tageswässer durch Kanal in den Neissefluss. 

Städtisches Krankenhans. 1868 errichtet. Behandelnde Aerzte: Dr. Kittmann und 
Dr. Eckwert. Wartepersonal: 10 Franziskanessen aus 3Iünster und 2 Wärter. 68 Betten, 
darunter 24 für ansteckende Kranke. Verpflegungspreis: 1 — 1,50 M täglich. 1899 wurden 
247 m.. 171 w. Kranke durchschnittlich 26 bezw. 38 Tage verpflegt, 18 m., 19 w. sind gestorben. 
Ausgaben und Einnahmen 1899 betrugen 16 691,20 31, letztere setzten sich zusammen aus 
7 700,9t M Verpflegungsgeld, 1 646,98 M Kapitalszinsen, 6 775,76 M Zuschuss der Stadt und 
567.5 5 31 Legaten und Geschenken. 

Gattstadt, Krankenhaus-Lexikon für das Deutsche Reich. 12 



Glehn, Gleiwitz. — 178 — Königreich Preussen. 

Bürger-Hospital. 1857 errichtet. Wartepersonal: 6 Franziskanessen aus Münster. 
1S9S wurden 94 Personen verpflegt. 

Selgitt-Masthoft'sehes Armen- und Arbeitshaus. Eigenthünier: Die Stadt. -10 Betten. 

Johanniter- Siechenhaus. 15 Betten. Pflegegeld 13,50 M monatlich. 

Glehn, 2 601 Einw. (Kreis Neuss, Reg. -Bez. Düsseldorf). 

Krankenhaus zum heiligen Joseph. 1868 Ton Peter Josef Weidenfeld gestiftet. 
Eigenthümer: Katholische Kirche. Arzt: Dr. Kemiuling. Wartepersonal: 6 arme 
l'ieiistniägde Jesu Christi aus Dernbach. 21 Betten. Verpflegungspreis: 3, 2 und l,so M 
täglich. 189S wurden 21 m.. 29 w. Kranke durchschnittlich 112.7 Tage verpflegt, 2 m., 4 w. 
sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 189S betrugen 6302 M, letztere setzten sich zusammen 
aus 4 864 M Verpflegungsgeld, 438 M Kapitalszinsen, 600 M Zusehuss der Gemeinde und 400 51 
Geschenken. 

Gleiwitz, 47 445 Einw., 26Aerzte, 3 Zahnärzte, 20 Hebammen, 4 Apotheken (Stadtkreis, 
Reg.- Bez. Oppeln). 

Die Wasserversorgung geschieht durch Leitung mit Wasserhebewerk aus fiskalischen 
Brunnen in Zawada. 15 km von Gleiwitz. Das Wasser wird durch Dampfmaschinen in ein 
Hochreservoir in Gleiwitz gedrückt. Die Anlage ist in den Jahren 1895 bis 1897 gebaut 
worden. Die Kosten annähernd 2 000000 M. Wasserverbrauch 189S rund 1 000 000 cbm. — 
Städtischer Schlachthof, erbaut 1896 bis 1598. Bohbau und Eisenfachwerk. Nach den 
neuesten Erfahrungen angelegt, Dampfbetrieb, Eisfabrik, grosse Kühlhallen. Markthallen und 
Bahnanschluss. Baukosten 800 000 il . verbunden mit Viehhof. — Entwässerung durch 
Kanalisation geplant. — Desinfektionsanstalt im städtischen Krankenhause, ein- 
gerichtet 1S90. System Budenberg, Dortmund. Jährliche Desinfektionen ungefähr SO. — Der 
Bau einer öffentlichen Badeanstalt 1900 geplant. Es bestehen 5 Privat-Badeanstalten. -^- 
Bau-Polizeiordnung vom Jahre 1SS3 mit Nachträgen. Neue Bauordnung in Bearbeitung. 

Garnisonlazaret. 1S57 als städtisches Krankenhaus erbaut, 1831 für den Reichsfiskus 
als Garnisonlazaret angekauft. Erweitert 1892/93 durch Neubau 2 massiver Baracken. 1 Leichen- 
haus, Desinfektionsanlage. Das Lazaret liegt im Süden der Stadt in der Schröterstrasse Nr. 3, 
Front nach NW. Vorstand: Oberstabsarzt I. Klasse Dr. Zedelt. Wartepersonal: 4 aus- 
gebildete Militär- Krankenwärter. 72 Betten. 1898 wurden 414 Kranke durchschnittlich 
24. 7 Tage verpflegt. 2 sind gestorben. 

Gas- und Petroleumbeleuchtung. Ventilationssystem: Hauptgebäude: Schieber 
in den Thüren und Ventilationsscheiben." Baracken: Luftschächte in Verbindung mit der 
Heizung und Ventilationsklappen. Heizungssystem: Hauptgebäude: Kachelöfen. Baracken: 
Württembergische Sanitätsöfen. Desinfektionsapparat von Eietsehel & Henneberg für die 
gesammte Garnison. Wasserversorgung: Anschluss an die städtische Wasserleitung und 
2 Brunnen. Latrinenanlagen: Tonnensystem. Entwässerung: Die Tageswässer werden 
unterirdisch abgeleitet. 

Städtisches Krankenhans. 1856/59 errichtet. Neubau am 15. Dez. 1SS4 eröflhet. 
Leitender Arzt: Dr. Hufschmid. 1 Assistenzarzt. Warn -personal: 3 ausgebildete Kranken- 
wärter (2 m., 1 w.) und •". Wärter. 100 Betten. Verpflegungspreis: 3, 2. 1,80 und 1 M 
täglich. 1898 wurden 652 m.. 221 w. Kranke durchschnittlich 23 Tage verpflegt, 35 m.. 23 w. 
sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 193 Augenkranke. Ausgaben und Einnahmen 1S98 be- 
trugen 44 7:4 M, letztere setzten sieh zusammen aus 36 666 il Verpflegungsgeld. 4 >:'.7 M 
Zusehuss der Stadt und 3 288 M aus sonstigen QueUen, einschliesslich 3 224 M Dienstboten- 
Abonnement. 

Augen- und Ohren -Heilanstalt für Oberschlesien. 1. Okt. 1880 errichtet. Eigen- 
thümer: Verein zur Unterhaltung einer Augen- und Ohren-Heilanstalt für Oberschlesien, 
besitzt Rechtsfähigkeit. Arzt: Sanitätsrath Dr. Struwe. Oberarzt Dr. Schwarte, Spezialarzt 
für Ohrenkrankheiten. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 2 ausgebildete Krankenwärter und 
2 Wärter (1 m., 1 w.) 68 Betten in 3 Klassen. Verpflegungspreis: 3—6 M, 2 — 2,50 M, 
1—1,50 H täglich. 1899 wurden 1159 (1063 m., 96 w.) Kranke durchschnittlich 27 Tage 
verpflegt, 2 m. sind gestorben. Annähernd (Etatsjahr 1. April) Ausgaben 1899: 58792 M, 
ausserordentliche 3 600 M. Die Einnahmen betrugen 60350 M und setzten sich zusammen aus 
53 560 M Verpflegungsgeld. 400 M Kapitalszinsen." 2 00t » M Zusehuss der Provinz. - ! 1 von 
Kreisen, 500 AI von Gemeinden, 1 200 M aus sonstigen Quellen und 600 M von Vereins- 
mitgliedern. 

Chirurgische Privat-Heilanstalt von Dr. Hufschmidt. 



Königreich Preussen. — 179 — Glogau. 

Privat -Heilanstalt Tür Ohren-, Hals- und >'aseu- Krankheiten von Dr. Sehwartz. 

1 A--istenzarzt. 38 Bitten. Yerpflegungspreis: 8. 5, 3 und 2 — 1 M täglich. 1S9S wurden 

.r.. . 36 w. Kranke durchschnittlich 34,6 Tage verpflegt, 1 m. ist gestorben. 
Privat-Heilanstalt Für Frauen-Krankheiten von Dr. Prütz. 
Städtisches Hospital. 1898 wurden 5 m., 9 w. Personen verpflegt. 
Siechenhans, siehe Gieraltowitz. S. 17G. 

Glogau. 21 836 Einw., 21 Aerzte, 2 Zahnärzte, 10 Hebammen, 3 Apotheken (Kreis 

Glogau, Eeg.-Bez. Liegnitz). 

Der ältere Theil der Wasserleitung von Paulinenhof, Brostau und Gurkau herkommend, 
besteht seit dem 15.. 16. und 17. Jahrhundert. 1859 wurden an Stelle der vorhandenen 
hölzernen Röhren, eiserne gelegt. Bei Gelegenheit der Erweiterung der Stadt im Jahre 18S2 
wurde in Ober-Zarkau und Gurkau ein neues Wasserwerk angelegt, welches hauptsächlich nur 
den neuen Stadttheil mit Wasser versorgt. Die Baukosten beliefen sich auf 80 304,3 5 M. Hoch- 
druck-Quellenleitung, sie erhält ihren Zufluss von Brostau. Paulinenhof, Lindenruh und Ober- 
Zarkau. Die Leitung lieferte im verflossenen Jahre 350 000 cbm Wasser bei etwa 15 000 M 
Betriebskosten. Die Vorstadt und der Domstadttheil haben keine Wasserversorgung, sondern 
nur öffentliche Brunnen, so dass die Einwohnerzahl des Versorgungsgebietes nur 17 945 Per- 
sonen beträgt. — Der jetzige Schlachthof ohne Freibank wurde 1897 im alten Stadttheil 
auf dem linken Oderufer unmittelbar an der Oder mit einem Kostenaufwande von 240 000 11 
von der hiesigen Fleischerinnung errichtet. Es ist ein moderner, massiver Xeubau mit 
elektrischem Licht, Leitungswasser und Kühlräumen. Die grösseren Thiere werden geschlagen, 
die kleineren gestochen. Die thierischen Abfälle werden verbrannt. — Sämmtliche Wirth- 
schafts-Fabrik-Abwässer und die geklärten Wässer der Kloakengruben fliessen in drei ge- 
mauerten Kanälen in die" Oder (an der Kriegsschule, Gerberei und Stromoderbrücke). Ein 
Theil der Kanalisation besteht seit dem Jahre 1S49. Der grössere Theil wurde im Jahre 
1883/84 mit etwa 145 000 II Kosten ausgeführt. Der neue Stadttheil wurde bei Gelegenheit 
der Anlage der Wasserleitung im Jahre 1882 kanalisirt, der Domstadttheil im Jahre 1891, die 
Vorstadt im Jahre 1897. Die Kosten der letzteren betrugen 40 000 M. Die Abfuhr der 
Fäkalien, welche theils durch Tonnen, theils durch Klärgrubensystem erfolgt, ist Sache der 
Hausbesitzer. Die Müllabfuhr erfolgt täglich städtischerseits in geschlossenen Kastenwagen 
nach Lagerplätzen ausserhalb der Stadt. — Desinfektionsanstalt im nördlichen Flügel des 
• " errichteten Krankenhauses. System: Schimmel & Co. — Oeffentliche Badeanstalten: 

2 Flussbadeanstalten, 1 Warmbade- und 1 Dampfbadeanstalt vorhanden. Die Flussbadeanstalt 
an der Kriegsschule ist 1897 an Stelle einer alten ungenügenden mit einem Kostenaufwande 
von 13 000 M neu errichtet worden. Die Warmbadeanstalt wurde 1874 in dem Domstadttheil 
unmittelbar an der Oder mit einem Kostenaufwande von 6 000 M erbaut. Es ist ein Wannen- 
und Brausesystem. Die Dampfbadeanstalt wurde 1S81 im neuen Stadttheil (Ecke Polnische- 
Martinstrasse) mit einem Kostenaufwand von 13 000 31 errichtet. Es ist ebenfalls ein Wannen- 
und Brausesystem. — Bau-Polizeiordnung vom 25. März 1S82. 

Garnisonlazaret. 1877 bis 1S80 erbaut und am 9. April 1881 bezogen. Es liegt im 
östlichen Theile der Stadt, frei zwischen Sternplatz und Sternfort. Front nach SO. Vorstand: 
Generaloberarzt Dr. John. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 2 Diakonissen aus Bethanien 
in Breslau, 7 ausgebildete Militär-Krankenwärter, 3 Zivil-Krankenwärter. 200 Betten. 1898 
wurden 1 064 Kranke durchschnittlich 20 Tage verpflegt, 12 sind gestorben. 

Gas- und Petroleumbeleuchtung. Ventilationssystem: Thürschieber, Glas- 
jalousien. Kippfenster. Luftschächte in Verbindnng mit der Heizung. Heizungssystem: 
Kachelöfen und zum Theil eiserne Regulirfüllöfen. Desinfektionsapparat aus Mainz. 
Wasch- und Desinfektionsanstalt 1899 erbaut. Wasserversorgung: 4 Tiefbrunnen, 1 Pump- 
werk. Wasserreservoir, Rohrleitung. Latrinen: beschränkte Wasserspülung. Kanalableitung 
nach der Oder. 

Städtische Krankenanstalt, Die Anstalt ist aus alten Hospitälern entstanden. Dazu 
gehörten: 1. Hospital ad St. Spiritum, 1280 bis 1296 von den Kreuzrittern gestiftet: 2. Hospital 
zum heiligen Leichnam, um dieselbe Zeit gegründet, diente als Leprosen- und Pesthaus; 
3. Hospital ad St Fabian und Sebastian. 1515 gegründet, und 4. Hospital ad St. Barbaram, 
ein 1465 gestiftetes Tuchmacherhospital. 1527 wurde das Hospital ad St. Spiritum der Stadt 
übergeben. Dasselbe geschah wahrscheinlich zur Zeit des 30jährigen Krieges mit den beiden 
folgenden Hospitälern. 1764 wurde das Hospital ad St. Barbaram mit den 3 vorhergenannten 
Hospitälern verbunden. 

1824 wurde bei Auflösung der bisher in Glogau bestandenen Hebammenlehranstalt die 
Krankenanstalt als selbständiger Theil der Gesammthospitäler eingerichtet; 1S57 trat dazu das 
Siechenhaus für 12 Personen; ausserdem ist mit der Krankenanstalt ein Bürgerhospital als 

12* 



Glückstadt, diesen. — 180 — Königreich Preussen. 

Alterversorgungsanstalt für 20 Personen verbunden. 11. Nov. 189G Neubau (Neue Wallstrasse) 
eröffnet. — Abtheilung für Sieche 1S97 und Hospital für Altersschwache. Eigenthümer: 
Die Stadt. Arzt: Sanitätsrath Dr. Neumann. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 1 aus- 
gebildeter Krankenwärter und 4 Wärterinnen. 81 Betten: -41 f. M. und -10 f. Fr., ausserdem 
34 f. Sieche und 24 f. Hospitanten. Verpflegungspreis: O.90 M für Bemittelte und 0,so M 
für Krankenkassen ansschl. Arznei und Nebenkosten und 1 M täglich für fremde Armenverbände, 
einschl. aller Kosten. 1S99 wurden 570 (415 m., 155 w.) Kranke durchschnittlich 22 Tage ver- 
• . 25 m., 7 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt 35 Sieehe und 24 Pfründner. von denen 
10 bezw. 7 gestorben sind. Ausgaben und Einnahmen 1S98 99 betrugen 36 205, B 3 M. Die Ein- 
nahmen und Ausgaben beziehen sich nicht allein auf das Krankenhaus, sondern auch auf das 
mit demselben verbundene Siechenhaus und Bürgerhospital. 

Diakonissen-Anstalt „Bethanien", unentgeltliche Aufnahme heilbarer weiblicher 
Kranken. Am 20. Okt. 1S69 von Frau Geh. Kommerzienrath Strahl gestiftet. Die Anstalt 
hat Rechtsfähigkeit. Arzt: Kreisphy 5 ikus Sanitätsrath Dr. Neumann. 1 Assistenzarzt. Warte- 
personal: 1 Diakonisse aus Bethanien-Breslau. 14 Betten. 1899 wurden 76 w. Kranke durch- 
schnittlich 35,9 Tage verpflegt, 2 sind gestorben. 

St. Elisabeth • Krankenhaus. 1894 von der Kongregation der grauen Schwestern der 
ligen Elisabeth errichtet. Aerzte: Drs. Kramer und Remak. Wartepersonal: 15 graue 
Schwestern aus Breslau und 3 Krankenwärterinnen. 56 Betten: davon 10 f. Kinder. Ver- 
pflegungspreis: 3 31. I.jo— 2 31, 0,so — 1 31 täglich. 1898 wurden 239 m., 233 w. Kranke 
durchschnittlich 18 Tage verpflegt, S m., 6 w. sind gestorben. Ausserdem wurden verpflegt: 
15 Altersschwache. 

Domhospital. Natali Fabriy'- und Tonnai"sche Stiftung. Wahrscheinlich im 
16. Jahrhundert entstanden. 10 Betten. 

Jüdisches Stift. Eigenthum der jüdischen Gemeinde. 

Glückstadt, 6 214 Einw. (Kreis Steinburg, Eeg.-Bez. Schleswig). 

Wasserleitung vorhanden. 

Lazaret des Königl. Strafgefängnisses. Die Anstalt ist für 400 männl. und 200 weibl. 
erwachsene und jugendliche Gefängniss- und Haftgefangene mit 58 Isolirzellen eingerichtet. 
Eigenthümer: Justizfiskus. Arzt: Sanitätsrath Dr. Halling. Kreisphysikus. 26 Betten. 1S99 
wurden 467 Kranke durchschnittlich 11 Tage verpflegt, 7 sind gestorben. 

Krankenhans. Von der Stadt errichtet. Arzt: Sanitätsrath Dr. Halling, Kreisphysikus. 
30 Betten, davon S in der Baracke. Yerpflegungspreis: für Armenverbände 0,su 31. für 
Krankenkassen 1 31. für Einheimische l,2o 31, für Auswärtige 1,80 31 täglich. 1S98 wurden 
67 m., 12 w. Kranke durchschnittlich IS, 75 bezw. 59,33 Tage verpflegt, 7 m., 2 w. sind gestorben. 
Ausserdem wurden 7 m. an Krätze Leidende verpflegt. Einnahmen 1898: 2617,49 31 Ver- 
pflegungsgeld. 

Gnesen, 20 365 Einw., 15 Aerzte, 2 Zahnärzte, 10 Hebammen, 2 Apotheken (Kreis 
Gnesen, Eeg.-Bez. Bromberg). 

1887/8S ist das städtische Wasserwerk erbaut. Das Wasser wurde früher dem nahe 
gelegenen Winiary-See entnommen, seit 1894 aus 2 Tiefbrunnen in der Nähe jenes Sees. Die 
Kosten der Anlage betrugen etwa l 1 /, 3iillionen 31. Das Wasser wird durch Dampfmaschinen, 
die durch Zahnradbetrieb mit den Pumpen verbunden sind, aut einen Wasserthorm gehoben. 
Seit 1896 Enteisenungsvorrichtung. Höchster Verbrauch in 24 Standen 2 4iX1 cbm. — Städtischer 
Schlachthof, am 1. Juli 1S95 dem Betrieb übergeben; Anlflgekosten betrugen 270000 31. 
Dampfbetrieb; Kühlhalle, System Linde; Fleischdesinfektor, nach Eohrbeck. Geschlachtet 
wurden 1898: 1515 Stück Grossvieh, 2 74S Kälber, 3 632 Schafe, 410S Schweine, zusammen 
12003. Die Leistungsfähigkeit beträgt etwa das Doppelte dieser Zahl. — Aerztliche Leichen- 
schau ist obligatorisch eingeführt seit 1. Jan. 1897. — Desinfektionsanstalt: Seit 1S92 
befindet sich im katholischen Krankenhause eine fahrbare Durchdämpfungskammer, System 
Schäffer A: Walker. — Oeffentliche Badeanstalten: Für das Difanterie - Regiment Nr. 49 
befindet sich die Schwimm- und Badeanstalt im Osfctheile des nahen Kreuzsees, die des Dra- 
goner-Regiments Nr. 12 im Pustachowoer See. Ausserdem besteht nocli je eine Zivil-Bade- 
anstalt im Kreuzsee bezw. im Jeloneksee. — Baupolizei-Ordnung vom 6. Febr. 1886. 

Garnisonlazaret. Der ältere Theil des Garnisonlazarets ist in den Jahren 1857 bi* W«: 1 
erbaut und 1S59 bezogen worden: der neuere Theil ist 1880 bis 1S82 erbaut und am 1. 3Iai l s >2 
bezogen worden. Es liegt auf einer Anhöhe im Nordwesten der Stadt. Vorstand: Oben 
arzt I. Klasse Dr. Fritz Wartepersonal: 6 ausgebildete Krankenwärter. 121 Betten. 189S 



Königreich Proussen. — 181 — Goch— Godesberg. 

wurden 754 Krank.- durchschnittlich 25 Tage verpflegt, 3 sind gestorben. — Desinfektions- 
Apparat (von Schimmel & Com]'.), nur lür da- Gamisonbwaret. Wasser v ersorgung: Anschluss 
an die städtische Wasserleitung. Latrinen: Tonnensystem. Beseitigung der Abfall- 
stoffe: Abfuhr. 

St. .Inhamiis-Hospitül uud Krankenhaus. 1 l>4:'> von Boleslaus. Herzog von Gross- 
Polen gestiftet, 1824 neuorganisirt. Eigenthümer: Der Erzbischöfliche .Stuhl. Arzt: Kreis- 
physikus Sanitätsrath Dr. Wilke. Wartepersonal: 7 graue Schwestern aus Breslau und 
\ i'il.lr-t.r Krankenwärter. 56 Betten. Verpflegungspreis: 3, 2 und 1 M täglich. 
1898 "irden 132 in.. 98 w. Kranke durchschnittlich 37 Tage verpflegt. 10 m.. 11 w. sind ge- 
worben. Ausserdem verpflegt IT Hospitaliten. 

Evangelisches Piakonissenhaus, von einem Verein mit Unterstützung der Stadt ge- 
gründet. Neubau 1897. 

Krankenpfiegeinstitnt vom rothen Krenz ..Bethesda". 1. April 1899 eröffnet. 
Eigenthümer: Vaterländischer Frauen-Zweigverein. Arzt: Dr. Anders. 

Goch, 7 826 Einw. (Kreis Kleve, Keg.-Bez. Düsseldorf). 

Wilhelm-Anton-Hospital. 30. Nov. 1S4!> von den Erben Wilhelm Anton van den 
Bosch gegründet, besitzt Rechtsfähigkeit. Vorstand: Kuratorium von 6 Personen. Behandelnde 
Aerzte: Sanitätsrath Dr. Gisbeitz. Dr. Bosseljoon. Ur. Ebben und Dr. Straeten. Warte- 
personal: 12 JQemenssehwestern aus Münster. 100 Betten. Verpflegungspreis: 2, l,so, 
1. 0,75 und O.öu M täglich. 1S9S wurden 331 (177 m., 154 w.) Kranke durchschnittlich 90 Tage 
verpflegt, 16 m., 15 w. sind gestorben. 

Goczalkowitz. Soolbad (hei Pless) 344 Einw. (Kreis Pless, Keg.-Bez. Oppeln). 

Kinderheil- Herberge „Bethesda". 1S79/S0 durch die Sammlungen und Bemühungen 
de; Superintendenten K 5 Hing begründet. Eine Erstlingsgabe von 1 400 M kam aus Port 
Adelaide in Südaustralien : später folgten von dort noch 12 000 M. 23. Mai 1SS0 eröffnet. 
Eigenthümer: Stiltungsrath von Bethesda. Arzt: Sanitätsrath Dr. Kratzert. Wartepersonal: 
10 Diakonissen aus dem Samariter-Ordensstift in Kraschnitz. 90 Betten. Verpflegungspreis: 
2—0,33 M täglich. 1899 wurden 341 Kranke (129 Knaben, 212 Mädchen) durchschnittlich 30 Tage 
verpflegt. Ausgaben 1S99: 17 215 M. Die Einnahmen betrugen 17 890 M und setzten sich 
zusammen aus S 2(V> M Verpflegungsgeld, 495 M Kapitalszinsen, 900 M Zuschuss der Provinz, 
1 500 M des Kr- M der Gemeinde, 6 000 M Legaten, Geschenken und Kollekten und 

95 M aus sonstigen Quellen. 

Knappschafts-Knrhaus des Überschlesisehen Knappschaftsvereins. 15. Mai 1S96 eröffnet. 

Godesberg. 4 809 Einw. (Landkreis Bonn, Keg.-Bez. Köln). 

Wasserleitung und Kanalisation vorhanden. 

Victoria-Hospital (Kriegerdenkmal). Pnter dem Protektorat Ihrer Majestät der Kaiserin- 
Königin Friedrich 1SS7 vom Kriegerverein errichtet. Die Anstalt besitzt Rechtsfähigkeit. 
Vorstand: Bürgermeister Dengler und Dr. Schwann H. Wartepersonal: 2 freiwillige 
Pflegerinnen. 26 Betten in 3 Klassen. Verpflegungspreis: I. Kl. 5 M, H. Kl. 3,so M, 
HL Kl. 1 — ö M täglich ohne Arznei und Arzthonorar. Dienstbotenabonnement. Freibetten 
vorhanden. 

Sanatorium Haus Godeshöhe. April 1S94 von Dr. Bernard eröffnet. 10 Betten. Ver- 
pflegungspreis: 10 — 15 M täglich. 1S99 wurden 2 m., 2 w. Kranke durchschnittlich 51 Tage 
verpflegt. 

St. Marcus ■ Stift. Eigenthümer: Katholische Pfarrgemeinde. Wartepersonal: 
4 arme Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach. 24 Betten. 

Heilanstalt für bleichsüchtige und blutarme Personen. 1893 von der Barmer Orts- 
gruppe des Bergischen Vereins für Gemeinwohl eröffnet. 12 Betten. Der Verein zahlt selbst 
für die Verpflegung einer Person 2,2 5 M täglich. 

Erholungshaus für Männer, soll erschöpften, der Ruhe bedürftigen oder in der Rekon- 
valeszenz befindlichen gebildeten Männern von geringen Mitteln eine Stätte der Erholung 
bieten. Frauen werden nicht aufgenommen. Nur ausnahmsweise kann einzelnen Frauen die 
Begleitung ihrer erholungsbedürftigen Männer gestattet werden. Die Anstalt wurde im Jahre 
1882 durch Schenkungen und freiwillige Jahresbeiträge ins Leben gerufen. Sie gewährt für 
den Preis von 2 M täglich Wohnung und Beköstigung. Bemitteltere zahlen mehr. 

Wasserheilanstalt. Arzt: Dr. Staehty. Eigenthümer: Aktiengesellschaft. Warte- 
personal: 8 Wärterinnen. 75 Betten. 



Göhren— Görlitz. — 182 — Königreich Preussen. 

Genesungshaus für weibliche Personen. Stiftung mit Rechtsfähigkeit. Anlagekosten 
mit innerer Einrichtung SO 000 M. Die Unterhaltungskosten werden durch freiwillige Beiträge 
der Stifter und durch die gezahlten Verpflegungskosten aufgebracht. Verpflegungspreis: 
1,25 — 1.50 M täglich. Aufenthaltsdauer 4 — 5 Wochen: sie darf nach den Satzungen nicht unter 

14 Tagen betragen. 1897/98 wurden 349 Personen verpflegt, und zwar auf Kosten des Bergischen 
Vereins für Gemeinwohl, des Vereins zur Pflege Genesender in Köln und der Adelenstiftung 
in Barmen -Wichlinghausen. 

Kinderheilanstalt. 187G von Konsistorialrath Prof. K rafft und Frau gestiftet, besitzt 
Bechtsfähigkeit. Arzt: Sanitätsrath Dr. Brockhaus. Wartepersonal: 4 Diakonissen aus 
Kaiserswerth und 2 Krankenwärterinnen. 52 Betten. 1899 wurden 17S Kranke durchschnittlich 
120 Tage verpflegt. 3 sind gestorben. Ausgaben 1899: 17 780 II. Die Einnahmen betrugen 

15 746 M. 

Göhren, 480 Einw. (Kreis Rügen, Reg.-Bez. Stralsund). 
Kinderheilstätte und Seehospiz. 

Görbersdorf, 832 Einw. (Kreis Waldenburg, Reg.-Bez. Breslau). 

Dr. Brehmer's Heilanstalt, ist als erste Lungenheilstätte im Jahre 1854 gegründet. 
Für che Entwiekelung der Anstalt sind bisher etwa 5 Millionen Mark ausgegeben. Mit der 
Anstalt ist verbunden ein bakteriologisches und ein chemisches Laboratorium, sowie ein 
meteorologisches Observatorium. Neben einem ärztlichen Direktor sind 5 Assistenten thätig; 
ausserdem sind 5 Schwestern aus Hamburg - Eppendorf angestellt. Die Aufenthaltsdauer der 
Kranken beträgt für die Hauptanstalt durchschnittlich 5'/ji für die Zweiganstalt 3'/2 Monate. 
320 Betten. Verpflegungspreis: 8 — 9,so M täglich. 

Zweiganstalt, für weniger bemittelte Lungenkranke. 1894 zur Feier des 40jährigen 
Bestehens der Anstalt errichtet. Verpflegungspreis: 4,50 — 5,50 M täglich. 

1898 wurden in den Anstalten 915 (609 m., 306 w.) Kranke verpflegt, 17 m.. 12 w. sind 
gestorben. 

Heilanstalt für Lungenkranke von Dr. Rönipler. 1875 eröffnet, 18S2/83 erweitert. 
Die gesammten Anlagekosten betragen mehr als 1 Million Mark, die jährlichen Unterhaltungs- 
kosten etwa 40 000 M. Die Aufenthaltsdauer schwankt von einigen Wochen bis zu 2 Jahren, 
im 22jährigen Durchschnitt beträgt sie 80 Tage. Leitender Arzt: Dr. Römpler. 2 Assistenz- 
ärzte. Warte- und Arbeitspersonal: 25 M., 18 Fr. 100 Betten. Verpflegungspreis: 
einheitlich 4,30 M täglich, ausschliesslich Zimmerpreis und ärztliche Behandlung. 1899 wurden 
304 (177 m., 127 w.) Kranke verpflegt, 4 m., 6 w. sind gestorben. 

Dr. Weicker's Heilanstalt. Von der Gräfin Pü ekler 1884 erbaut. 25 Betten. Die 
Kurkosten betragen wöchentlich von 45 M (im Winter von 4S,so M) an aufwärts. Zimmerpreis 
für die Woche 6 — 17 M. 189S wurden 125 (66 m., 59 w.) Kranke verpflegt, 4 m., 1 w. sind 
gestorben. 

Dr. Weicker's Krankenheim. Volkssanatorium für unbemittelte Lungenkranke, eröffnet 
1894. 169 Betten. Kurkosten: im Sommer 26,so M, im Winter 2S,50 M wöchentlich. Aufenthalts- 
dauer wenigstens 6 Wochen ; Kündigung erfolgt lltägig. Zur Erlangung der Fahrpreisermässigung 
auf der Eisenbahn ist gemäss Ministerial-Erlass vom 16. April und 21. Juli 1SS2 eine Bescheinigung 
der Orts- bezw. Polizeibehörde des Petenten und eine Bescheinigung des Dr. Weieker in 
Görbersdorf über die gewährte Aufnahme beizubringen. 1898 wurden 788 (523 m., 265 w.) 
Kranke verpflegt, davon sind 5 m. gestorben. 

Görlitz, 76 699 Einw., 74 Aerzte, 7 Zahnärzte, 29 Hebammen, 7 Apotheken (Stadtkreis, 
Reg.-Bez. Liegnitz). 

Das neue Wasserwerk ist im Betrieb seit 9. Juli 1S7S. Die Anlagekosten desselben 
einschliesslich der nothwendig gewordenen Erweiterungen haben 1 591 448,76 M betragen. Das 
aus 4 tiefen Schachtbrunnen gewonnene gute Trinkwasser wird durch ein Pumpwerk auf einen 
Wasserthurm gehoben, dessen Reservoir 1 500 cbm fasst. Die Leitung ist berechnet für den 
Kopf und Tag auf 155 1 und ist in unbegrenztem Maasse erweiterungsfähig. Gesammtverbrauch 
1898 : 1 766 896 cbm. Ein kleiner Theil der alten Stadt wird noch von einer alten Wasser- 
leitung (ebenfalls Tiefbrunnen.) versorgt, welche gleichzeitig eine Anzahl über die Stadt ver- 
theilter Röhrbrunnen speist. Das Wasser ist ebenfalls recht gut. Die Verbrauchsmengen 
werden nicht gemessen. 

Städtischer Schlachthof ist am 1. März 1881 eröffnet. Die Anlagekosten haben ein- 
schliesslich der Erweiterungsbauten 853 31 6, 10 M betragen. Er enthält ausser einer Freibank 



Königreich Prenssen. — 183 — Görlitz. 

keine Nebenbetriebe, und besteht aus Verwaltungsgebäude, mehreren Schlachthallen mit 
Stallungen, einer besonderen Halle zum Reinigen der Därme und Mägen und einigen Kühl- 
hallen. Die Hallen haben sämmtlich zenientirte Wände und Granitplatten -Fussboden. Die 
flüssigen Abgänge werden mit Kalk sedimentirt und in gedeckten Kanälen abgeführt, die festen 
in einer cementirten Senkgrube gesammelt, welche täglich 1 — 2 mal entleert wird. Gesehlachtet 
wurden 1898: 279 Bullen. 147 Mastochsen, 4 948 Stück anderes Rindvieh. 17 990 Kälber, 
9340 Hammel. 97 Ziegen. 18083 Schweine, 722 Pferde, G Spanferkel und 245 Zickel. 

Die Niederschlags- nnd Abwässer werden in Strassenkanälen gesammelt und der Neisse 
zugeführt. Die Abwässer müssen laut Polizeivorsehrift Schlammfänge durchlaufen, die der 
Fabriken müssen abgeklärt werden. Die Mündungsstellen der Hauptkanäle in die Neisse sind 
über das ganze Stadtgebiet vertheilt. — Es besteht Tonnenabfuhrsystem, das aber nicht ganz 
allgemein durchgeführt ist. 2 239 Grundstücke haben Tonnenabfuhr, 548 Grundstücke, meist 
an der Peripherie gelegen, haben Senkgruben. Wegen grosser Schwierigkeiten im Gelände ist 
Schwemmkanalisation nicht ausführbar. 

Aerztliche Leichenschau ist obligatorisch durch Polizeivorschrift vom 25. Mai 1S91 
eingeführt. — In dem städtischen Krankenhause befindet sich ein grosser (2 cbm) moderner 
Desinfektionsapparat (strömender Wasserdampf), welcher allgemein dem Publikum gegen 
massige Vergütung zur Verfügung steht. — Ausser der oberhalb der Stadt gelegenen Militär- 
schwimmanstalt, welche zu bestimmten .Tageszeiten auch dem Publikum zugänglich ist, 
sind noch 3 Flussbadeanstalten und 2 grössere, für alle Arten von Bädern (eine auch mit 
gros^em Sehwimmbassin) eingerichtete Badeanstalten vorhanden. — Bau-Polizeiordnung 
vom 25. März 1882. 

Garnisonlazaret. 1869—1871 erbaut und am 11. Juli 1871 bezogen. Es ist hoch 
gelegen im Westen der Stadt, am Ausgangspunkte der nach Neisky-Kottbus u. s. w. führenden 
Chaussee. Vorstand: Oberstabsarzt I. Kl. Dr. Gruhn. Wartepersonal: 10 Sanitätsmann- 
schaften, 3 Militär- und 1 Civilkranken Wärter. 81 Betten. 1S98 wurden 462 Kranke durch- 
schnittlich 22,4 Tage verpflegt. 4 sind gestorben. — Desinfektionsapparat von Gebr. 
Schmidt in Weimar für die Garnison. Wasserversorgung: Anschluss an die städtische 
Wasserleitung und 1 Tiefbrunnen. Tonnenabfuhrsystem. Entfernung der Abwässer durch Kanäle. 

Lazaret der Königl. Strafanstalt. Eigenthümer: Fiskus (Ministerium des Innern). 
Bele^fähigkeit: 630 Männer. Hafträume: 9S Einzelzellen, ausschliesslich Strafzellen, 

3 Schlafzellen, 56 Schlafkojen. 11 gemeinsame Schlafräume von 1 354 qm Gesammtgrösse, 
17 gemeinsame Arbeitsräume von 2 023 qm Gesammtgrösse. Arzt/: Dr. Braun. Kranken- 
räume: 6 von 279 qm Gesammtgrösse. 1S9S wurden 166 m. Kranke behandelt. 

Städtisches Krankenhans. 1S44 von der Stadt errichtet. Neubauten. 2 Döcker'sche 
Baracken. Leitender Arzt: Sanitätsrath Dr. Boeters. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 

4 m., 4 w. ausgebildete Krankenwärter. 102 Betten: 46 f. M., 56 f. Fr. Verpflegungspreis: 
Zahlungsfähige 1,75 M, ebenso für auswärtige Krankenkassen, für Ortskrankenkassen 1,50 M. 
für Orts- und Landannenverbände 1 M täglich. 1S99 wurden 1 049 (576 in., 473 w.) Kranke 
durchschnittlich 27 Tage verpflegt. 57 m., 40 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1899 
betrugen 48684,12 M. letzter.' setzten sich zusammen aus 31554.37 M Verpflegungsgeld, 
172,94 M Kapitalszinsen. 16 318,56 M Zuschuss der Stadt und 641,25 M aus sonstigen Quellen. 
Desinfektionsanstalt vorhanden. 

Kontagien- Baracke, Heilanstalt für ansteckende Krankheiten. 1874 von der Stadt 
errichtet. Arzt: Dr. Scholz. 30 Betten, davon eingerichtet 10. 1898 und 1S99 kein Kranker. 

Städtisches Krankenhaus in der Girbigsdorferstrasse. Neubau. Der Bau des 
Krankenhauses soll zunächst für 324 Betten auf einem von Norden nach Süden zu abfallenden 
von der Girbigsdorferstrasse und den Strassen Nr. 11, Nr. 6 und Nr. 7 begrenzten Grundstück 
nach den Plänen des Bauraths Schmieden errichtet werden. Eine spätere Vergrösserung der 
Anstalt ist vorgesehen. Der Haupteingang liegt an der Girbigsdorferstrasse. 

Das Verwaltungsgebäude auf der Mittelaxe und zu beiden Seiten desselben liegend, die 
medizinische und die chirurgische Station bilden den Hauptgebäudekomplex, der sich lang- 
gestreckt parallel zur Girbigsdorferstrasse hinzieht. Rückseitig in der Mittelaxe liegt das 
Gebäude für Infektionskrankheiten, in der Südwestecke des Grundstücks liegt der Pavillon für 
Geschlechtskranke; das Oekonomiegebäude schliesst im Osten den schönen grossen Gartenplatz 
ab. das Leichenhaus mit Desinfektionsanstalt vervollständigt die Anlage. Das Verwaltungs- 
gebäude enthält: die Aufnahme- und Wartezimmer, die Zimmer der Aerzte, die Wohnungen 
des Pförtners, des Inspektors, des ersten Assistenten und mehrerer Volontärärzte und im Ober- 
geschoss die zu einem besonderen Bereich grnppirten Wohn- und Schlafzimmer der Schwestern. 

Die Gebäude der chirurgischen und inneren Station sind einander ähnlich und hufeisen- 
förmig gestaltet. So bilden sich leicht die Unterabtheilungen für Männer und Frauen. 
Lunerhalb der Stationen sind reichliche Räume für den Tagesaufenthalt der Kranken, die ärzt- 
liche Untersuchung, den wirthschaftliehen Betrieb sowie Klosets und Baderäume vorgesehen. 



Görlitz. — 184 — Königreich Preussen. 

Die grösseren Krankenräuine haben Licht von zwei Seiten. Auf reichliche Zuführung von Luft 
und Lieht sowie eine innige Verbindung der Krankenräume mit den Gartenanlagen wurde 
grosser Werth gelegt. — Das Gebäude für Infektionskranke zerfällt in vier vollständig getrennte 
mit besonderen Eingängen versehene Abtheilungen. — Das Gebäude für die Geschlechtskranken 
hat eine gesonderte Abtheilung für die Prostituirten. 

Das Wirthsehaftsgebäude enthält die grossen Räume für den Kochbetrieb und die 
"Wäscherei. Es steht in Verbindung mit dem Kesselhaus, wo der Dampf für die ganze Anlage 
durch vorläufig drei Hochdruckkessel erzeugt wird. — Das Leichenhaus enthält den Keller für 
die Leichen, Sezierräume und Eäume für wissenschaftliche Arbeiten sowie die Desinfektions- 
anstalt. Die Heizung mittels Xiederdruekdanipf erfolgt von der zentralen Ees>elanlage aus, 
die Dampf- und Kondensleitungen liegen in begehbaren Kanälen. Die Ventilation wird durch 
Aspirationsschlote bewirkt. 

Das TVasser und der elektrische Strom werden den städtischen Werken entnommen. 
Die Abwässer werden der Kanalisation zugeführt. 

Für die Gestaltung der Konstruktionen und der Architekturfonnen war die Beachtung 
der Regeln der Hygiene Grundbedingung. Die Zwischendecken sind massiv. Für die Aussen- 
arehitektur ist Ziegelverblendbau unter Verwendung von Kunstsandstein gewählt. Die Dächer 
sollen theils mit Biberschwänzen, theils mit Holzcement eingedeckt werden. Die Gesammt- 
baukosten ausschliesslich Inventar und späterer Erweiterung werden etwa 1 600 (00 31 betragen. 

Chirurgische Klinik von Sanitätsrath Dr. Boeters. 188*2 errichtet, 2 Assistenzärzte. 
Wartepersonal: 3 m., 4 w. ausgebildete Krankenwärter. 44 Betten. Verpflegungspreis: 
G und 3 M täglich, für Kinder 2,so 31. 1S9S wurden 166 m., 143 w. Kranke durchschnittlich 
22 Tage verpflegt. 15 m., S w. sind gestorben. 

Privat-Heilanstalt für chirurgische und Frauenkrankheiten von Dr. Schindler. 

Chirurgische Privat-Heilanstalt von Dr. Winkler. 23. Okt. 1899 konzessionirt. 
6 Betten. 

Privat-Heilanstalt für Frauenkrankheiten von Dr. Corner. 1892 eröffnet. 12 Betten. 
Verpflegungspreis: 8. 6 und 3 M täglich. 

Privat-HeHanstalt Für Frauenkrankheiten von Dr. Menzel. 

Privat-AngenheUanstalt von Dr. L e sshafft. 1874 von Dr. Meyhöfer eröffnet. 2S Betten. 
Verpflegungspreis: 5, 3 und 2 31 täglich. 1898 wurden 252 (164 m., 88 w.) Kranke durch- 
schnittlich 15,7 Tage verpflegt. 

Privat-Augenheilanstalt von Dr. 3Iichaelsen. 

Wasserhellanstalt von Dr. Fr eise. 

Privat-Heilanstalt für Hantkranke von Dr. Stein. 

Privat -Krankenanstalt für 3Iagen- und Darmkrankheiten von Dr. Skaller. 23. Febr. 
1899 konzessionirt. 3 Betten. 

Nervenheilanstalt und ärztliches Pädagogium für jugendliche Kranke. 1854 von 
Dr. Reimer errichtet, von Sanitätsrath Dr. Kahlbaum erweitert. Vorstand und leitender 
Arzt: Dr. S. Kahlbaum. 4 Assistenzärzte. Wartepersonal: 33 m.. 20 w. Krankenwärter. 
134 Betten: 84 f. 31.. 50 f. Fr. Verpflegungspreis: 15—20 31 und 6—3 31 täglich. 1898 
wurden 128 m., 85 w. Kranke durchschnittlich 200 bezw. 172 Tage verpflegt, S m., 3 w. sind 
gestorben. 

Zentral -Hospital, Altersversorgungsanstalt für 150 ältere 3iänner und Frauen. 1S64 
durch Neubau aus den 4 Hospitälern ,,zum Heiligen Geist". ..St. Jacobshospital-', „Hospital zu 
U. L. Frauen" und ..Hospital zum neuen Hause" entstanden. Eigenthümer: Die Stadt. 

Siechenhaus. 1872 errichtet. 1898 wurden 77 Geisteskranke (36 m.. 41 w.) und 
63 Sieche (30 m., 33 w.) verpflegt. 

Damen -Station und Hospiz. Leitung von Diakonissen. 189S wurden 70 kränkliche 
Damen verpflegt. 

Siechenhaus für Pflege unheilbarer Geisteskranker, Siecher und Krüppel. 31. Juli 
1872 von der Stadt errichtet. Arzt: Dr. Haupt. Wartepersonal: 3 m.. 2 w. ausgebildete 
Krankenwärter und 2 Wärterinnen. 65 Betten. Verpflegungspreis: 1 M täglich. 1899 
wurden 44 m., 54 w. Geisteskranke durchschnittlich 33 Tage verpflegt, 2 m., 1 w. sind gestorben. 
Ausserdem wurden verpflegt: 64 Sieche und Krüppel. Die Ausgaben und Einnahmen 189S 
betrugen 18 929 31, letztere setzten sich zusammen aus 15 904 31 Verpflegungsgeld. 13 31 
Kapitalszinsen und 3 012 31 aus sonstigen Quellen. 



Königreich Preussen. — 185 — Göttingen. 

Göttingen, 25 506 Einw., 70 Aerzte, 5 Zahnärzte, 16 Hebammen, 4 Apotheken (Stadt- 
kreis, Keg.-Bez. Hildesheim}. 

Die städtische Wasserleitung ist 1873 angelegt; das Wasser stammt von dem östlich 
von der Stadt gelegenen Hainberge und einer gegrabenen, südlich bei der Stegemühle gelegenen 
Quelle, von letzterem Orte durch einen Gasmotor nach dem Reservoir auf dem Hainberge 
gehoben. Ais 50 m oberhalb der Stadt li.'u r t : Druck :'.','., Atmosphären. Das Wasser ist fast 
keimfrei. Anlagekosten 442 264 M. Wasserverbrauch jährlich etwa 232 000 cbm. — Städtischer 
Schlachthof: Eröffnet am 1. Juli 1883, im Nordwesten der Stadt gelegen; es werden jähr- 
lich etwa 20000 Thiere geschlachtet. Anlagekosten 376 278 M. — Kanalisation ist 1887 
angelegt. l>as Kanalnetz wird nördlich von der Stadt in die Leine geleitet: Abführung von 
Fäkalien und Urin durch dieselbe ist verboten: letztere werden für Grubenaborte durch pneu- 
matische Tomen, für Kübelaborte durch luftdicht verschlossene eiserne Kübel entleert und der 
Inhalt auf die Aecker gefahren. Anlagekosten 483000 M. — Aerztliche Leichenschau 
ist 1887 eingeführt. — Desinfektionsanstalt im Jahre 1SS4 eingerichtet: durch strömende 
Wasserdämpfo von 100°C werden die eingelieferten Gegenstände desinfizirt. — Oeffentliche 
Badeanstalten: Städtische Badeanstalt an der Bürgeistrasse . am Westrande der Stadt. 
Universität?-. Volks- und Militärbadeanstalt südlich von der Stadt, alle an der Leine gelegen. 
— Bau-Polizeiordnung vom 9. Febr. 1899. 

Universitätsklinik für innere Krankheiten. An der südöstlichen Ecke des Geländes 
für die Kliniken gelegen. Neubau 1888/91 ausgeführt und im April 1891 in Benutzung 
genommen. Alle Bautheile sind dreigeschossig. Die verschiedenen Bäume der Klinik lassen 
sich in folgende 5 Gruppen zusammenfassen: Ständige Klinik, Poliklinik, wissenschaftliche 
Arbeitszimmer, Lehrräume und Dienstwohnungen. Eigenthümer: Fiskus (Ministerium der 
geistlichen. Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten). Vorstand und ärztliche Leitung: 
Direktor Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Ebstein. 3 Assistenzärzte. Wartepersonal: 5 Pflege- 
schwestern aus dem Klementinenhause in Hannover, 4 Wärter. 4 Wärterinnen, davon eine für 
die Poliklinik. 143 Betten: 74 f. M.. 69 f. Fr., darunter 15 für Kinder. Verpflegungspreis: 
I. Kl. 5 M. H. Kl. 3 M, HI. Kl. l.so M. 1898 99 wurden 1 237 (756 im, 4SI w.i Kranke durch- 
schnittlich 20 Tage verpflegt, 30 m., 16 w. sind gestorben. — In der Poliklinik iLeiter: 
Prof. Dr. Dam seh) wurden behandelt: 3 589 (2 010 m.. 1579 w.) Kranke an inneren Krank- 
heiten, 231 (136 m., 95 w.) Nervenkranke, 85 (61 m., 24 w.) Svphiliskranke, 319 (217 m.. 102 w.) 
Hautkranke und 291 (185 m., 106 w.) Hals- und Nasenkranke." — Die für alle Kliniken gemein- 
schaftlichen Ausgaben 1S9S,99 betrugen 344 0S9,ss M, die Einnahmen 324 3('i0,-t.j M. darunter 
132 704,86 M Verpflegungsgeld und 177 591 M Staatszuschuss. — Baubeschreibung von 
dem Direktor, Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Ebstein: siehe Klinisches Jahrbuch HI. Band 
S. 235 (Julius Springer, Berlin 1891). 

Universitätsklinik für ehlrnrgisehe Krankheiten. Neubau 1887/89 ausgeführt, am 
1. Okt. 1SS9 eröffnet. Eigenthümer: Fiskus (Ministerium der geistlichen. Unterrichts- und 
Medizinal-Angelegenheiten). Vorstand und ärztliche Leitung: Direktor Geh. Medizinalrath 
Prof. Dr. Braun. 4 Assistenzärzte. Wartepersonal: 6 Pflegerinnen ans dem Klementinen- 
hause in Hannover, 4 m. und 5 w. Wärter. 151 Betten: 86 f. M., 65 f. Fr., darunter 27 für 
Kinder. Verpflegungspreis: I. Kl. 5 M. II. Kl. SM. III. 1,50 M täglich. 1898 99 wurden 
1 678 (1078 m., 600 w.) Kranke durchschnittlich 23,5 bezw. 20,5 Tage verpflegt, 45 m., 
sind gestorben. — In der Poliklinik (Leiter: Prof. Dr. Rosenbach) wurden 3432 (2017 m., 
1 415 w.i Kranke behandelt. — Baubeschreibung von dem früheren Direktor, Geh. Medizinal- 
rath Prof. Dr. König: siehe Klinisches Jahrbuch HJ. Band S. 246. 

Garnisonlazaret. 1837 erbaut, liegt im Südosten der Stadt. Vorstand: Oberstabsarzt 
I. KL Dr. v. Linstow. Wartepersonal: 3 ausgebildete Krankenwärter. 56 Betten. 1898 
wurden 281 Kranke durchschnittlich 23 Tage verpflegt. 

Städtisches Hospital. 1897 eröffnet. Vorstand: Senator Borbeck. Arzt: Sanitätsrath 
Dr. Wengler, Kreisphysikus. Wartepersonal: 1 m., 1 w. Krankenwärter. 42 Betten: 22 f. M.. 
16 f. Fr. Verpflegungspreis: IM täglich. 1S99 wurden 135 m., 27 w. Kranke durchschnitt- 
lich 50 Tage verpflegt, 7 m., 7 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1899: S377 M. 
letztere setzten sich zusammen ans 2 100 M Verpflegungsgeld und 6 277 M Zuschuss der Stadt. 

Diakonissenhaus ..Bethlehem" i Neu -Bethlehem). 1. Juli 1896 errichtet. Warte- 
personal: 4 Diakonissen aus dem Henriettenstift in Hannover. 1898 wurden 173 w. Kranke 
durchschnittlich 18 Tage verpflegt, 2 sind gestorben. 

..Mariahilf". 1>79 von den barmherzigen Schwestern des Ordens St. Vineenz in 
Hildesheim errichtet. Freie Arztwahl. Warte personal: 16 Vincentinerinnen aus Hildesheim. 
36 Betten. Verpflegungspreis: 3— 7 M täglich. 1899 wurden 495 (1S4 m.. 311 w.) Kranke 
durchschnittlich 17 Tage verpflegt, 7 m., 4 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahm' 
betrugen 30757 M, letztere setzten sich zusammen aus 29476 M Verpflegungsgeld, 200 M Zuschuss 



Göttingen. — 186 — Königreich Preussen. 

des Kreises, 500 M der Stadt. 431 M Legaten. Geschenken und Kollekten und 150 M aus 
sonstigen Quellen. 

„Mariahilf II." Kongregation der Elisabethinerinnen in Hannover. 

Diakonissen- und Kinder-Heilanstalt „Bethlehem I«. 1869 Tu erbaut. Juli 1SS9 neu 
eingerichtet. Rechtsfähigkeit seit 1872. Wartepersonal: 3 Diakonissen aus dem Henrietten- 
stift-Hannover. 1898 wurden 40 m.. 55 w. Kranke durchschnittlich 66 Tage verpflegt. 1 m., 
4 w. sind gestorben. 

Privat-Krankenhaus von Fräulein Bruns. Aerzte: Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Ebstein, 
Geli. Medizinalrath Prof. Dr. Schmidt-Eimpler und Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Braun. Warte- 
personal: 4 Diakonissen vom evangelischen Diakonissenverein, 1 m.. 2 w. ausgebildete Kranken- 
wärter und 1 Wärterin. 34 Betten: darunter 6 für Kinder. Verpflegungspreis: 5 — 9 M 
täglich. 189S wurden 101 rn., 116 w. Kranke durchschnittlich 26 Tage verpflegt, 7 m., 3 w. 
sind gestorben. Ausserdem verpflegt 60 Krankenbegleiter. 

Universitäts - Klinik für Augenkrankheiten. 1868 vom Staate errichtet. Eigen- 
thümer: Fiskus (Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal - Angelegenheiten). 
Vorstand und ärztliche Leitung: Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Schmidt-Eimpler. 
:'. A—istenzärzte. Wartepersonal: 2 Schwestern vom Klementinenhause in Hannover und 

3 Wärterinnen. 56 Betten. Verpflegungspreis: I. Kl. 5 31. II. Kl. 3M und HI. Kl. 0,75 bis 
1,50 M täglich. 1898/99 wurden 888 (522 m., 366 w. Kranke durchschnittlich 35 bezw. 21 Tage 
verpflegt, 1 m. ist gestorben. Dt der Poliklinik wurden 3>'_'n (2353 m.. 1467 w.) Kranke 
behandelt. 

Universitäts-Poliklinik für Ohrenkrankheiten. Nach Verlegung der medizinischen 
Klinik in den Neubau 1892 in der Absonderungsbaracke im Garten des ehemaligen Ernst 
August-Hospitals untergebracht. Erweiterung 1900. Vorstand und ärztliche Leitung: 
Prof. Dr. Bürkner. 1 Assistenzarzt. 1898/99 wurden 171:'. (989 m., 724 w.l Kranke behandelt. 
Die Ausgaben betrugen 2 172. 17 31. 

Provinzial - Irrenanstalt, zugleich psychiatrische Klinik der Universität. Am 
1. April IS66 durch die frühere Königl. Hannoversehe Regierung eingerichtet. Neubauten 18S4, 
188S und 1897. Eigenthümer: Provinzialverband der Provinz Hannover. Leitende Aerzte: 
Prof. Dr. Cramer für die Männer-, Dr. Schütte für die Frauen - Abtheilung. 2 Assistenzärzte 
und 2 Internisten. Wartepersonal: 36 m.. 29 w. ausgebildete Krankenwärter. Ver- 
waltungspersonal: 16 M., 8 Fr. 465 Betten: 271 f. M.. 194 f. Fr. Verpflegungspreis: 
6 M, 3 und 1,10 M täglich. 1899 wurden 334 m., 218 w. Kranke durchschnittlich 258 Tage ver- 
pflegt, 20 ni.. 17 w. sind gestorben. 

rniversitäts-Klinik für Geburtshilfe und Frauenkrankheiten. Am 1. Nov. 1896 ist 
der Neubau eröffnet. Eigenthümer: Fiskus (Ministerium der geistlichen. Unterrichts- und 
Medizinal-Angelegenheiten. Vorstand und ärztliche Leitung: Geh. Medizinalrath Prof. 
Dr. Runge. 3 Assistenzärzte. 77 Betten : 24 für Schwangere, 25 für Wöchnerinnen und 28 für 
gynäkologische Kranke einschliesslich der septischen Station. Verpflegungspreis: 5 M, 2 und 
1 M täglich. 1S9S wurden 182 Wöchnerinnen (160 Entbundene) und 398 Kranke verpflegt, 

4 sind gestorben. 

Bauliche Beschreibung (von dem Direktor Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Runge im 
Klinischen Jahrbuch VI. Band veröffentlicht). 

Die Klinik besteht aus einem langgestreckten Mittelbau, dessen Nord- und Südende 
durch je einen Kopf bau flankirt wird, und welchem nach Westen ein Operationsbau an- 
gefügt ist. 

Der Neubau ist im Anschluss an die in den Jahren 1886/1S91 ausgeführten Neubauten 
für die chirurgische und die medizinische Klinik aufgeführt und stellt wie diese einen einfachen 
Backsteinbau mit weit ausladenden Holzgesimsen und Schieferdach dar. 

Die Lage der Klinik ist eine nach allen Seiten freie und gestartet reichlichste Zufuhr 
von Luft und Licht. Zwischen dem Gelände der sich südlich anschliessenden chirurgischen 
Klinik und dem Neubau besteht ein Zwischenraum von 40 m. zwischen dem am Nordende auf- 
geführten Direktorwohnhaus der Frauenklinik eine Entfernung von 19 m. Die Klinik ist 24 m 
von der auf dieser Strecke bisher nicht bebauten Strasse (Kirchweg) abgerückt und grenzt nach 
hinten an ein grosses freies Ackerfeld. Gartenanlagen umgeben das Gebäude von allen Seiten. 

Die Klinik besteht aus 3 Geschossen und besitzt 2 Haupteingänge. Lm südlichen 
Kopfbau ist der Eingang für Kranke, im nördlichen Kopfbau der Eingang für Studenten. 

Der Mittelbau mit dem Operationsbau. Der Mittelbau besteht aus einem ein- 
seitigen, nach Westen gelegenen. 2,so m breiten Korridor, an den sich nach Osten die Räume 
für Kranke (bezw. für Schwangere und Wöchnerinnen) anlehnen. 

Die Geschosshöhen betragen im Erdgeschoss 3.so m. in den beiden oberen Stockwerken 
4,50 m. Der Korridor ist gewölbt, die Krankenränme besitzen flache Decken. In dem unteren 
Geschoss befinden sich die Räume für Schwangere. Im Mittelgeschoss liegen die Wöchnerinnen. 
Die Kranken wohnen im oberen Stockwerk. 

Der Operationsbau tritt in Beziehung zu jedem Geschoss: im Erdgeschoss liegen die 
Wohnung der Oberhebamme. Sterilisations- und Wäscheräume, im mittleren Geschoss (Wochen- 



Königreich Preussen. — 187 — Göttingen. 

abtheilnng) das Kreisszimmer und im oberen Greschi 3S i Krankenabtheilungl der klinische Hör- 
saal. Ausser den in den beiden Kopfbauten befindlichen breiten Ziil n liegt eine 
dritte, schmälere Treppe im Centrum des Mittelbaues, welche vom Erdgeschoss bis zum Boden 
führt. In der Reihenfolge der Zimmer in den einzelnen Geschossen besteht eine bestimmte 
Anordnung. Am Nord- und Südende dos Mittelbaues liegt je ein Raum für Aborte. Dann 
folgt nördlich ein Badezimmer. Hieran schliessen sich die Zimmer des Abtheilungsarztes, dann 
die Kranken- (bexw. Wöchnerinnen- und Sehwangeren-) Räume, unterbrochen von Zimmern für 
das Wartepersonal. Endlich am Südende liegt Anrichteküche und Spülraum. 

Die im Erdgeschoss befindliche Schwangerenabtheilung besteht aus 3 grossen 
Schlafräumen (7..tt:6 ml für je 7 Schwangere, einem kleineren Schlafraum (3.s7:6 m) für 
3 Schwanger., einem Esszimuier 1 7.37: 6 m) und einem Waschräume (2,87:6 m). 

Die Wöchnerinnenabtheilung im Mittelgeschoss besitzt 3 grosse Wochenräume 
(7.5o : 6 m) für je G Wöchnerinnen und ein Einzelzimmer für eine Wöchnerin (3:G m). Ein 
grosses Wochenzimmer wird vorläufig als Untersuchungszimmer für Schwangere zu Unterriehts- 
zwecken benutzt. Der zu der Wöchnerinnenabtheilung zugehörige Operationsbau enthält den 
•?en Kreiss-Saal (ll,4o:7,25 m). Vor demselben liegen 2 Vorräume: ein Zimmer zum 
Aufenthalt der zur Uebernahme einer Geburt gerufenen Studenten und ein Raum zum Baden 
und Wickeln der neugeborenen Kinder. 

Die Krinken- (gynäkologische) Abtheilung des Mittelbaues besitzt 6 Kranken- 
räume, welche von Wärterinnenzimmern unterbrochen sind. Drei grosse Räume (7.6 3 : 6 m) 
sind mit je 6 Kranken belegt, 3 kleinere Räume |3,69:G m und 3,13 :6 ml mit 1 — 2 Kranken. 
Ln Operations mu liegt der grosse klinische Hörsaal (11,40 : 7,25 m) mit Oberlieht und breiter 
und hoher seitlicher Beleuchtung nach Westen. Vor ihm liegen 2 Vorbereitungsräume, theils 
zum Aufenthalt und Chloroformiren der vorzustellenden Kranken bestimmt, theils Schränke mit 
Lehrmitteln und Apparaten enthaltend. 

Die beiden Kopfbauten. Der nördliche und südliche Kopfbau enthalten besondere 
Abtheilungen. Im südliehen Kopfbau befindet sieh im Erdgeschoss die I'iV.rtnerwohnung. das 
Geschäftszimmer der Rechnungsfubrerin und das Esszimmer für Aerzte. An der Südseite öffnet 
sich eine Thür nach dem Garten, bestimmt zum Transport des Essens und der Wäsche von und 
nach der gemeinsamen Oekonomieverwaltung. Im Mittelgeschoss biegt die Poliklinik mit dem 
Wartezimmer, nach Westen und Norden befinden sich 2 Räume für wissenschaftliche Arbeiten. 
Im oberen (gynäkologischen) Geschoss ist ausser der völlig separirt wohnenden Oberwärterin 
die septische Abtheilung untergebracht, bestehend aus 2 Krankenräumen mit G Betten und 
einem Wärterinnenzimnier. 

Der nördliche Kopfbau, mit dem Eingang für Studenten, enthält im Erdgeschoss 2 grosse 
Säle für die Sammlung, sowie die Wohnung des Heizers. In dieses Erdgeschoss mündet ein 
gedeckter Gang von der Direktorwohnung her. Im Mittelgeschoss befindet sich der theoretische 
Hörsaal (6,13 : 12,33 m), welcher Raum für 60 Sitzplätze giebt. sowie das Bibliothekzimmer und 
das Sprechzimmer des Direktors. 

Im oberen, gynäkologischen Geschoss ist die Laparotomie-Abtheilung (die aseptische 
Abtheilung). Dieselbe besteht aus einem Operationsraum (6,26 : 6,-0 m) mit Oberlicht und 
breitem, hohem Fenster nach Westen. An ihn schliesst sieh nach Süden ein Vorbereitungs- 
raum, in welchem die Sterilisationsapparate aufgestellt sind. Ein zweiter Vorbereitungsraum, 
bestimmt zum Umkleiden und Desinhziren der Operateure, liegt östlich von ihm, sodann folgt 
ein Krankenraum (5,64:6,13 m) für 3 frisch operirte Kranke. 

Das Dachgeschoss beider Kopfbauten ist ausgebaut. Im südlichen Dachgeschoss wohnen 
der dritte (septische) Assistent und 2 Internisten, im nördlichen Dachgeschoss liegen die Schlaf- 
räume für 7 Hebammenschülerinnen. Die Geschosshöhe ist in den Kopfbauten die gleiche wie 
im Mittelbau. 

Die grossen steinernen Zugangstreppen an den Eingängen der beiden Kopfbauten besitzen 
eine Breite von 2 m und führen bis zum dritten Geschoss. Schmälere Holztreppen führen von 
hier aus zu den Bodenräumen. 

Beim inneren Ausbau der Klinik ist den neueren Anforderungen der Asepsis in Bezug auf 
glatte Flächen, Abrundung von Ecken u. s. w. besonders in den Kranken- und Öperationsräumen 
nach Möglichkeit Rechnung getragen. 

Der Keller der Klinik ist nur insoweit ausgebaut, dass der nöthige Raum für Heizkammern. 
Kohlenaufbewahrung, Waschräume für die Wäsche der Neugeborenen und andere Nebenräume 
gewonnen wurde. 

Fussböden, Heizung, Ventilation, Beleuchtung u. s. w. Die Treppenhäuser in 
den Kopfbauten sind mit Fliesen belegt. Die Kranken- und Wöchnerinnenräume haben Eichen- 
riemen in Asphalt erhalten. Das Kreisszimmer, der klinische Hörsaal, der Laparotomiesaal sind 
mit Terrazzo belegt. Der untere Korridor in der Schwangerenabtheilung besitzt Fliesen. Der 
Korridor des Mittelgeschosses ist mit Eichenriemen in Asphalt belegt, für den oberen Korridor 
ist Linoleum auf Estricht gewählt. Die Badezimmer haben gleichfalls Fliesen, die Aborte sind 
mit Asphalt bedacht und hätten besser Terrazzo oder Fliesen erhalten. Die übrigen Räume 
besitzen gewöhnliche Dielung. 

Besondere Gründe zwangen die Bauverwaltung, von einer allgemeinen Centralheiznng 
abzusehen. Die Treppenhäuser, Korridore und Aborte werden durch Zuführung von warmer Luft 
geheizt, welche 2 im Keller liegende Kaloriferen erzeugen. Eine ausgiebige Ventilation ist mit 



Göttingen. — 188 — Königreich Preussen. 

diesem System verbunden. Krankenräunie u. b. « .. Lehr- und Uperationsräume haben Käufer'sehe 
Ventilationsmantelöfei t>n) erhalten. Die Heizung dieser Oefen geschieht vom Korridor 

aus. Eine grosse Luftzuführungsklappe mündet in den Mantel des Ofens. Abführungsklappen 
sind an den Wänden angebracht. Diese Oefen ventiliren die Räume ausgezeichnet, ihre Regulir- 
fahigkeit giebt im allgemeinen befriedigende Resultate, dagegen erfordert die Bedienung dieser 
zahlreichen Oefen eine bedeutend«- Arbeitskraft. Da sie vermöge ihrer Eigenart nicht vollkommen 
staubfrei funktioniren und der Raum hinter dem Mantel schwer rein zu halten ist. so müssen 
sie für Operationsräume als nicht geeignet bezeichnet werden. Die übrigen Räume haben theils 
gewöhnliche Kachelöfen, tlieil- Dauerbrandöfen erhalten. Ein Kohlenaufzug vom Keller bis zur 
oberen Etage erleichtert den Transport des Heizmaterials zu den einzelnen Oefen. Ein im 
Keller, in der Xähe des Operationsbaues aufgestellter Motor sorgt für reichliche Zufuhr von 
frischer Luft im klinischen Hörsaal und im Kreiss-Saal. 

Die Klinik besitzt ferner eine ausgedehnte Warmwasserleitung zu Waschzwecken. Nicht 
allein in den Operations-, Lehr- und Torbereitungsräumen, sondern in allen Kranken- und 
Wochenräumen sind Waschtische aus weissem Marmor aufgestellt mit Zuleituig von warmem 
und kaltem Wasser. Ebenso werden die Baderäume durch die genannte Leitung versorgt. 
Letztere besitzen aber ausserdem je einen Gasbadeofen, damit bei Betriebsstörungen der Warm- 
wasserleitung (Kesserreinigung u. s. w.) die Bäder keine Störung erleiden. 

Die Sommerventilation geschieht durch Kippflügel, welche an den Fenstern der Korridore 
und fast aller Räume angebracht sind und einen leicht zu handhabenden Verschluss besitzen. 

Die Verglasung des Gebäudes kann, abgesehen von den Operationsräumen, als eine nicht 
ganz gelungene bezeichnet werden. Die Lichteinfuhr durch die sehr gross angelegten Fenster 
wird durch zu starkes und zu reichliches Holzwerk und durch zu kleine Scheiben beeinträchtigt. 
Eine Aenderung der Fenster hat sich bereits in mehreren Räumen, so besonders im Hörsaal, 
als nothwendig herausgestellt. 

Die Aborte besitzen Spülung mit Zug. Die Entwässerung und FäkalabDitung geschieht 
nach dem Klärhause der drei vereinigten Kliniken. 

Die Beleuchtung geschieht durch Gas. wobei in grosser Ausdehnung der Auerbrenner 
zur Anwendung gekommen ist. 

Innere Einrichtung und Beschreibung einzelner Räume. Auch bei der inneren 
Einrichtung wurde selbstverständlich das aseptische Prinzip möglichst gewahrt. Betten. Bett- 
tische. Instrumenten- und Utensilienschränke wurden aus Eisen, bezw. aus Glas und Eisen her- 
gestellt. Dagegen wurde bei Anfertigung der Möbel zur Benutzung der Kranken und Wöchnerinnen 
von dem eisernen Material abgesehen, da dasselbe zweifellos für diesen Zweck Xaehtheile besitzt 
(die Kälte, die Notwendigkeit einer fast jährlichen Erneuerung des Anstrichs). 

Die Betten für Kranke und Wöchnerinnen sind mit sogenannten Stahl-Gesundheits- 
matratzen (Grothoff) versehen. Die Betten für Schwangere sind einfacher ausgestattet. Die 
Betttische (76,5 cm hoch, 35 im Quadrat) sind aus Glas" und Eisen hergestellt, besitzen für 
Kranke eine Schublade, während sie für Wöchnerinnen vollkommen offen gehalten sind. In 
jedem Kranken- bezw. Wochenzimmer befindet sich auf dem Haupttisch des Zimmers, welcher 
auf der Wochenstation gleichzeitig zum Wickeln der Kinder benutzt wird, ein kleinerer Schrank 
ans • rlas und Eisen zur Aufnahme sämmtlicher Utensilien und Medikamente für die Behandlung 
der Wöchnerinnen oder Kranken jedes Zimmers. Die Beschaffenheit, und Aufstellung der Ein- 
richtungsgegenstände jedes Baumes ist eine derartig übersichtliche und durchsichtige, dass ein 
Blick genügt, um zu erkennen, ob in ihm Reinlichkeit und Ordnung herrseht. Die Schränke 
stehen entweder breit und direkt auf dem Fussboden oder besitzen genügend hohe Füsse. um 
den Raum unter ihnen der Reinlichkeit und Eontrole zugänglich zu machen. 

Der Hörsaal. Der im nördlichen Kopfbau direkt am Eingang für Studenten befindliche 
Hörsaal für theoretische Vorlesungen und Phantomübungen erhält seine Beleuchtung durch fünf 
nach Xorden gelegene Fenster. Am Ostende desselben befindet sich eine 3 m tiefe und -15 cm 
hohe feste Tribüne. Auf derselben steht das Katheder für den Unterricht, etliche Tische für 
Demonstrationen, sowie 2 Phantome für den Unterricht der Studirenden und ein Waschtisch. 
Auf die Tribüne mündet ferner ein Aufzug, von der unter dem Hörsaal gelegenen Sammlung 
her. Derselbe führt die zum Unterricht nöthigen Präparate und Phantomkinder direkt aus der 
Sammlung in den Hörsaal, so dass der Transport der letzteren über die Treppe vermieden wird. 

Die 60 Sitzplätze des Hörsaals bestehen zum TheU aus Klappsitzen, vor welchen Tische 
angebracht sind, und werden nach Bedarf ergänzt durch einzelne Stühle. An der Rückwand 
befindet sich ein Waschtisch mit 3 grossen Waschbecken. 

Diese Anordnung gestattet bei den Phantomübungen den Zuschauern eine genaue 
Beobachtung der auf der Tribüne ausgeübten Phantomoperationen. Nach Beendigung jeder 
Operation vollzieht der Operirende sogleich eine sorgfältige Desinfektion seiner Hände. 

Für den Besuch des Hörsaals sowohl, wie für denjenigen des klinischen Saales wird die 
Garderobe der Studenten im Vorraum des Hörsaals abgelegt. 

Der klinische Saal. Der klinische Saal niuss vielleicht als die gelungenste bauliche 
Einrichtung der ganzen Klinik bezeichnet werden. 

Dem nach Westen gelegenen grossen Fenster liegt der Eingang für Studirende gegenüber. 
Die.-elben erreichen ihre Plätze auf den beiderseits rechts und links von der Thür steil an- 
steigenden Treppen (Höhe des Saales 6,40 m). Die Sitzplätze nehmen demgemäss dieNord- 
und Südseite des Saales ein und setzen sich aus je -i übereinander liegenden Reihen in der 



Königreich Preussen. — 189 — Göttingen. 

Zahl von 68 Klappsitzen zusammen. Diese beiden Zuhörerpodien lassen einen 4 m breiten 
Raum zwischen sich, «1er zu den Unterrichts- und Operationszwecken dient. 

Der Rium unter den beiden Sitzreihenabtheilungen ist gangbar. Diese beiden Gänge 
dienen zur Austeilung von Sehränken für Instrumente, Verbandstoffe u. s. w. und führen in je 
eines der naci i Isten gelegenen Vorbereitungszimmer des klinischen Saals, welche mit dem 
Hauptkorridor in direkter Verbindung stehen. An der West- und Nordseite des klinischen 
Saals, theilwetse also unter den Sitzreihen sind 4 grosse Waschtische mit 6 Schüsseln an- 
gebracht, für 'je 'Waschungen des Vortragenden, bezw. Operateurs, der Praktikanten, Assistenten 
und Wärterinnen. 

Der Vermehr im klinischen Hörsaal spielt sich folgendermaassen ab. Während die 
Studenten vom Korridor aus durch die Ostthür eintreten, erreicht der Direktor mit dem 

nten vom nördlichen Vorbereitungszimmer durch den Gang unterhalb der Sitzreihen am 
Westfenster den Operationsraum. Die Kranken werden aus dem südlichen Vorbereitungszimmer 
durch den entsprechenden Gang unter den Sitzreihen auf das Operationsterrain befördert. 

Die durch Oberlicht verstärkte Lichtzufuhr des Saales ist eine ungemein reichliche, die 
Beleuchtung der Demonstrationsobjekte .ine sehr glückliche. Die Studirenden sehen nicht direkt 
in das Licht. Die Ventilation and Akustik entspricht allen Anforderungen. Die Heizung des 
Saales (Käufer' sehe Oefen) geschieht von aussen, die erwärmte Luft strömt durch grosse 
Oefinungen an dr Ostseite in den Saal. Die Reinigung (Terrazzofussboden) lässt sich leicht 
vollziehen. 

Das Kreisszimmer, im Mittelgeschoss des Operationsbaues gelegen, entspricht in 
Flächenausdehnuüg dem klinischen Saal. Diese ungewöhnliche Grösse desselben ge- 
einen sehr bequemen und übersichtlichen Aufbau aller Gerätschaften. Es enthält 2 Gebär- 
betten mit dem zu ihnen gehörigen Apparat. (Bettische, kleine Rolltische aus Glas und Eisen, 
Irrigatorenstände: u. s. w.) Auf einer grossen Granitplatte sind die Desinfektionsapparate für 
Instrumente u. s. w. aufgestellt. Ein Apparat nach dem Prinzip von Fritsch sorgt für Her- 
stellung von sterilem Wasser. 1 grosse Waschtische mit je 2 Schalen dienen für die Des- 
infektion der Studenten und Assistenten, ein dritter mit einer Schale für die Desinfektions- 
zwecke des Direktors. Die Lichtzufuhr erfolgt von 3 Seiten des Zimmers. Die Heizung ist 
dieselbe wie im klinischen Saal. Für die künstliche Beleuchtung ist ein grosser Siemens- 
brenner angebracht, ausserdem befinden sich zahlreiche Gasarme an den Wänden, zum Theil 
mit grossen Reflektoren versehen, die das Licht direkt auf das Kreissbett werfen. — Der 
Terrazzofussboden gestattet auch hier eine schnelle und gründliche Reinigung. 

Von den beiden Vorzimmern des Kreisszimmers dient das südliche zum Aufenthalt der 
Studirenden und ist mit einer Reihe von Ledersophas ausgestattet. Das nördliche Vorzimmer 
stellt einen Bade- und Wickelraum dar. — Der Anstrich der Wände im Kreisszimmer, sowie 
im klinischen Saal ist bis auf über Mannshöhe in Emailfarbe ausgeführt. 

Die Laparotomieahtheilung. Selbstverständlich wurde in der Laparotomieabtheilung 
das Prinzip der Asepsis am strengsten befolgt. Die Beleuchtung des Operationssaales wird 
durch ein sehr glücklich konstruirtes Oberlicht verstärkt. So sehr man über die Xothwendigkeit 
des Oberlichtes in gynäkologischen Kliniken in neuerer Zeit streitet, so konnte dasselbe hier 
um so weniger entbehrt werden, als die gewöhnliche Zimmerhöhe des Saales (4,50 m) die 
Konstruktion eines besonders hohen Fensters für Seitenbeleuehtung unmöglich machte. Der 
Terrazzofussboden des Operationssaales besitzt einen seitliehen Ablauf. Mittels eines Schlauches 
können Fussboden und die mit Emailfarbe gestrichenen Wände abgespritzt werden. Die nächt- 
lichen Operationen werden unter einem vierfachen Auerbrenner ausgeführt. Durch seitlich 
angebrachte Gasarme mit grossen Reflektoren wird die Lichtzufuhr noch verstärkt. Des- 
infektions- und Wasehapparate sind prinzipiell im Operationsranm nicht aufgestellt. Sie be- 
engen den Raum und verderben in äusserst belästigender Weise die Luft während der Operation. 
Dieselben sind, wie oben erwähnt, in 2 Xebenräunien untergebracht. 

In der Laparotomieabtheilung werden alle grösseren gynäkologischen Operationen aus- 
geführt. Zugelassen zu ihnen werden stets nur eine beschränkte Anzahl von Klinicisten. Kleine 
Operationen werden im klinischen Hörsaal vorgenommen während oder nach den klinischen 
Stunden. 

Die beiden wissenschaftlichen Räume, welche im Mittelgeschoss des südlichen 
Kopfbaues liegen, sind mit allen nothwendigen Apparaten und Zubehör für Mikroskopie, 
Bakteriologie und chemische Untersuchungen ausgestattet und enthalten ausserdem eine Dunkel- 
kammer für photographische Zwecke. 

Für Zwecke der Desinfektion steht der Frauenklinik ein grosser Desinfektor zur Ver- 
fügung, welchen die drei zu einem grossen Komplex vereinigten Klin iken (medizinische, chirur- 
gische Klinik und Frauenklinik) gemeinsam besitzen. Ein kleinerer Desinfektor für Operations- 
kleidung, Wäsche. Decken u. s. w. ist im Erdgi der Frauenklinik aufgestellt. Ausserdem 
besitzen die einzelnen Abtheilungen besondere kleinere Apparate zur Sterilisirung für Verband- 
stoffe und Instrumente. 

Die Frauenklinik besitzt eigene innere Verwaltung (Krankenaulhahme, Abrechnung, 
Anstellung des Personals u. s. w.!, welcher eine Rechnungsführerin unter Aufsicht des Direktors 
vorsteht. Die Beköstigung der Frauenklinik und die Reinigung ihrer Wäsche geschieht dagegen 
in der den drei genannten Kliniken gemeinsamen Oekonomie. 



Gohfeld - Goldberg. — 190 — Königreich Preussen. 

Die Baukosten für die Frauenklinik betragen 345 000 M. Dazu kommen für die innere 
Einrichtung 45 Ü00 M, für die Aussenanlagen 44 000 M und für das Direktorwohnhaus 44 000 M, 
so dass die Gesanimtkosten sich auf 478 000 M beziffern. 

Gohfeld, 5 041 Einw. (Kreis Herford, Eeg.-Bez. Minden). 
Evangelisches Pflegehans. 15 Betten. 

Goldap, 8 124 Einw., 7 Aerzte, 1 Zahnarzt, 6 Hebammen, 1 Apotheke (Kreis Goldap, 
Keg.-Bez. Gumbinnen). 
Die Wasserversorgung geschieht durch eine grössere Anzahl privater und 7 öffent- 
liche Tiefbrunnen von durchschnittlich 18 — 24 m Tiefe in den hochgelegenen Theilen der 
Stadt. Die Brunnen im unteren Theile der Stadt stellen Flachbrunnen dar. Ausserdem be- 
stehen für die Garnison 15 Tiefbrunnen von durchschnittlich 22 — 30 m Tiefe. Ein Brunnen 
wegen häufiger Versandung des Filters musste zugeschüttet werden; dafür ist ein Röhren- 
brunnen von 125 m Tiefe nahezu vollendet. — Städtischer Schlachthof, am 30. Sept. 1889 
eröffnet. Derselbe liegt 100 m unterhalb der Stadt am Goldapflusse, in den auch die Ab- 
wässer, nachdem sie zwei ausgemauerte, neben einander liegende Klärgruben passirt haben, 
abfliessen, während die festen Theile des Darminhalts in eine besondere ausgemauerte Grube 
geschüttet und abgefahren werden. Die Anlagekosten betrugen 50 000 M. Geschlachtet wurden 
im Jahre 1S98: 1200 Binder, 912 Kälber, 4 027 Schafe, 3 446 Schweine und 12 Ziegen. — 
Die Entwässerung geschieht durch gepflasterte offene Rinnsteine. Eine Kanalisation 
besitzen nur die 4 Infanteriekasernen, die Kavalleriekaserne, das Garnisonlazare;, das Schlacht- 
haus und die Dampfmeierei. Die Abwässer gelangen durch diese in den Goldapfluss. Die 
Abfallstoffe gelangen in die seit 1886 ausgemauerten meist offenen Dunggruben auf den Höfen 
und werden nach dem Dungbedürfniss des Besitzers abgefahren. Nur die Garnison-Anstalten 
besitzen Tonnenwagen. — Oeffentliche Badeanstalten: eine Warmbadeanstalt; eine 
Privatbadeanstalt im Goldapfluss oberhalb der Stadt, aber 200 m unterhalb der Einmündung 
des Elisenbaehes, der die Abwässer der Kaserne I und H, der Kavalleriekaserne und des 
Garnisonlazarets aufnimmt. Für die Garnison ist im südöstlichen Theil des Goldapsees eine Schwimm- 
anstalt errichtet, die 3,5 km von der Stadt entfernt ist. — Bau-Polizei ordnung vom 2. Dez. 1893. 

Garnisonlazaret, in den Jahren 1893 bis 1894 erbaut und am 2. Nov. 1894 bezogen. 
Es liegt im südöstlichen Theil der Stadt in der Friedrichstrasse. Arzt: Oberstabsarzt erster 
Klasse Dr. Düsterhoff. Wartepersonal: 3 Militärkrankenwärter. 54 Betten. 1898 wurden 
223 Kranke durchschnittlich 29,s Tage verpflegt, 5 sind gestorben. 

Ventilationssystem: Firstlüftung, Zirkulationsöfen, Luftschächte in Verbindung mit 
Lüftungsrohren, Kippfenster. Heizungssystem: 2 eiserne Loenholdt'sche Sturzflammenöfen 
in 1 Saal, je 2 Keidelöfen in 2 Sälen, die übrigen Krankenstuben haben vom Korridor aus 
heizbare Kachelöfen mit Lüftungsröhren. Desinfektionsanstalt: auch für ausserhalb; 
Apparat von Budenberg — Dortmund für die ganze Garnison. Wasserversorgung: eigene 
Wasserleitung, welcher das Wasser aus 2 Köhrenfilterbrunnen 30,25 bezw. 31 m tief durch 
Pumpen mittels Petroleum-Motor zugeführt wird. Latrinen: Im Verwaltungsgebäude Torf- 
mullklosets; sonst Tonnenwagensystem ohne Wasserspülung. Beseitigung der Abfallstoffe: 
Vom Lazaretgrundstücke werden Wirthschafts- und Tagewässer durch Kanalisation dem Elisen- 
bach zugeführt. Für feste Abfallstoffe: Abfuhrsystem. 

Holz- und Kohlenschuppen wurden 1897 neu gebaut. Am Wasch- und Desinfektions- 
hause wurde 1897 am östlichen Giebel ein Anbau für Wäschemagazin und Feldsanitätsausrüstung 
der Truppen hergestellt. Die Gesanimtkosten hierfür betrugen 10 569,58 M. Im Dachgeschoss 
des Verwaltungsgebäudes wurde erhöhte Feuersicherheit durch Ziegelmauerwerk bezw. Eisen- 
blechbeschlag bewerkstelligt. 

Kreis - Krankenhaus. 1845 durch den Kommunalverband errichtet, 1895 umgebaut. 
Vorstand: Kreisausschuss. Arzt: Kreisphysikus Dr. Liedtke. Wartepersonal: 3 Diakonissen 
aus Königsberg, 1 Krankenwärter. 40 Betten: 30 f. M., 10 f. Fr. Verpflegungspreis: 0,60 M 
täglich. 1S98 wurden 365 m., 88 w. Kranke durchschnittlich 22 Tage verpflegt, 5 m., 4 w. 
sind gestorben. Ausserdem verpflegt 5 w. Altersschwache. Ausgaben 1898: 11528 M. Die 
Einnahmen betrugen 12 630 M und setzten sich zusammen aus 9 480 M Verpflegungsgeld, 
1 150 M Zusehuss des Kreises und 2 000 M aus sonstigen Quellen. 

Goldberg, 6 626 Einw. (Kreis Goldberg-Hainau, Eeg.-Bez. Liognitz). 

Alte Quellwasserleitung, 1895 verbessert. — Städtischer Schlachthof vorhanden. 

Städtisches Krankenhaus. Arzt: Dr. Hoffmann. 28 Betten. Verpflegungspreis: 
0,60, 0,85 und 1 M täglich. 1S98 wurden 79 m., 25 w. Kranke durchschnittlich 64 Tage ver- 
pflegt, 4 m., 7 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 4 619,2 sM, letztere 
setzten sich zusammen aus 2 058,42 M Verpflegungsgeld, 13,50 M Kapitalszinsen, 584,01 M 
Zusehuss des Kreises, 1932,81 M der Gemeinde und 30,54 M aus sonstigen Quellen. 



Königreie'a Preussen. — 191 — Gollnow — Goslar. 

Diakonissen • Krankenhaus. 1889 vom Pastor Knönagel gestiftet. Eigenthümer: 
Kreisverein für innere Mission. Arzt: Dr. Hoffmann. Wartepersonal: 5 Diakonissen (davon 

3 für Gemeindepflege) aus Kraschnitz, 1 Krankenwärter. 36 Betten. Verpflegungspreis: 
"2.50. 1,50 und 0.75 M täglich. 1899 wurden 210 (125 m., 85 w.) Kranke durchschnittlich 
25 Tage yeriflegt, T in., 5 w. sind gestorben. Ausgaben 1899: 7 X 787 M. Die Einnahmen be- 
trugen 8048 M und setzten sich zusammen aus 5638 M YiTpflegungsgeld, 70 M für verkaufte 
Produkte. 150 31 Zuschuss des Kreises, 450 M der Gemeinde, 600 M Legaten, 78 M Geschenken, 
544 M aus Kdlekten und 518 M aus sonstigen Quellen. 

Sieehenanstalt. 1S91 vom Zweigverein des Vaterländischen Frauenvereins errichtet. 

Gollnow, 8 179 Einw. (Kreis Naugard, Reg. -Bez. Stettin). 

Zentralsefsingniss ■ Lazaret. Eigenthümer: Justiz - Fiskus. Arzt: Dr. Kollath. 
23 Betten für männliche Gefangene. 1899 wurden 229 Kranke durchschnittlich 6,8 Tage ver- 
pflegt, 4 sind gestorben. 

Kreis-Krankenhaus, neu erbaut, 15. Febr. 1899 eröffnet. Aerzte: Drs. Ebell, Kollath 
und Voigt. 47 Betten. 

Städtisches Krankenhaus. 1836 errichtet. Die Gebäude sind Eigenthum der milden 
Stiftung des Hospitals ,.St. Spiritus''. Vorstand: Magistrat. Arzt: Dr. Kollath. Warte- 
personal: 3 Diakonissen aus Danzig, 2 Krankenwärter (1 m., 1 w.). 30 Betten: 26 f. M., 

4 f. Fr. Verpflegungspreis: 0,60 und 1 31 täglich. 1899 wurden 32 m., 5 w. Kranke durch- 
schnittlich 26 bezw. 79 Tage verpflegt, 6 m. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1S99 
betrugen 1 965 II, letztere setzten sich zusammen aus 620,59 M Verpflegungsgeld und 1 344,4 2 M 
Zuschuss der Stadt. 

Gommern, 4 804 Einw. (Kreis Jerichow I, Reg.-Bez. Magdeburg). 

Volksheilstätte ..Vogelsang" zur Heilung von Lungenschwindsucht. Eigenthümer: 
Der Vaterländische Frauenverein für die Provinz Sachsen. 1. Juli 1899 eröffnet. Arzt: 
Dr. Schudt. 4 Schwestern vom rothen Kreuz aus Magdeburg. 100 Betten für Frauen, soll auf 
200 Betten erweitert werden. Verpflegungspreis: 3 M täglich. 1899 wurden 131 Kranke 
verpflegt. 

Goschütz, 858 Einw. (Kreis Gr. Wartenberg, Reg.-Bez. Breslau). 

Privat- Pflegehaus für Kranke, Sieche und Kinder. 1887 durch den Grafen Heinrich 
Reichenbach gestiftet. Arzt: Dr. Bley. Wartepersonal: 2 Diakonissen aus dem Elisabeth- 
Diakonissenhaus in Berlin. 13 Betten. Verpflegung kostenfrei. 1899 wurden 3 m., 6 w. 
Kranke durchschnittlich 61 Tage verpflegt, 1 w. ist gestorben. Ausserdem verpflegt: 9 Sieche 
und Krüppel und 4 Kinder. 

Goslar, 14 830 Einw., 8 Aerzte, 1 Zahnarzt, 5 Hebammen, 2 Apotheken (Kreis Goslar, 

Reg.-Bez. Hildesheim). 

Das Quellwasser verschiedener unmittelbar bei Goslar gelegener Berge wird seit 1876 
unterirdisch aufgefangen und in 1 — 2 m tief gelegenen Thonröhren mit natürlichen Gefällen 
zu 2 am Nord-Abhange des Rammeisberges gelegenen Wasserreservoirs geleitet; von hier 
gelangt es in natürlichem Gefälle mit einem Druck von 6 Atmosphären und einer Temperatur 
im Sommer 10° C., im Winter 6° C. in 2 m tief gelegenen Eisenröhren zur Stadt und versorgt 
dieselbe in allen ihren Theilen. — 1892/93 ist ein städtisches Schlachthaus am Breitenthor 
gebaut, das allen Anforderungen der Neuzeit in Bezug auf Einrichtung und Leitung entspricht. 
Es besteht Schlachtzwang. Geschlachtet sind 1898 : 1 200 Rinder, 5 000 Schweine, 3 000 Kälber, 
2 000 Schafe. — Aerztliche Leichenschau ist eingeführt. -- Die öffentliche Badeanstalt 
ist aus privaten Mitteln im Jahre 1892/93 erbaut. — Bau-Polizeiordnung vom 12. Mai 1872. 

Garnisonlazaret. Errichtet 1780. Vorstand: Oberstabsarzt Dr. Goerne. Warte- 
personal: 2 ausgebildete Militärkrankenwärter. 25 Betten. 1898 wurden 134 Kranke durch- 
schnittlich 20,8 Tage verpflegt, 1 ist gestorben. Desinfektionsapparat von der Firma 
Schmidt & Co., Weimar, nur für militärische Zwecke. 

Städtische Armenanstalt, Abtheilung für Kranke. Arzt: Dr. Mackensen. Warte- 
personal: 2 ausgebildete Krankenwärterinnen. 24 Betten. 1S99 wurden 20 m.. 17 w. Kranke 
durchschnittlich 63 bezw. 143 Tage verpflegt., 3 m., 3 w. sind gestorben. 

Vereinskrankenhaus. 1. April 1S83 eröffnet, nachdem der Fonds dazu seit 1S58 in der 
Bürgerschaft angesammelt worden war. Eigenthümer: Krankenhausverein mit Rechtsfällig- 
keit seit 20. Aug. 1802. Arzt: Kreisphysikus Dr. Nieper. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 
4 Diakonissen aus dem Henriettenstift" zu Hannover und 2 Krankenwärterinnen. 60 Betten. 



Gostyn — Grabowsee. — 192 — Königreich Treussen. 

Verpflegungspreis: 4—6, 3, 1 — 1,50 M täglich. 1898 wurden 196 m., 164 w. Kraike durch- 
schnittlich 30 Tage verpflegt, 20 m., 14 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 1 Alters- 
schwache, 5 Krankenbegleiter, 30 Krätzkranke. 

Genesnngsliaus für lungenkranke Männer „Königsberg". 2. Mai 1895 eröffnet. Eigen- 
thümer: Die Alters- und Invaliditäts-Versicherungsanstalt zu Hannover. Arzt: Dr. Andrae. 
Wartepersonal: 2 Diakonissen aus dem Henriettenstift in Hannover. 57 Betten, darunter 
14 in der Baracke. 1899 wurden 227 Kranke verpflegt. — Anlagekosten 113 000 M, einschliess- 
lich 60000 M für Grunderwerb, dazu 29000 M für innere Einrichtung. Heizuagsanlage: 
Theils Zentralheizung, theils Oefen. Elektrisches Licht, durch Benzinmotor erzeugt. Wasser- 
versorgung, durch Brunnen mit elektrisch angetriebenem Pumpwerk. Grubenaulage. Schmutz- 
wässei werden oberirdisch entfernt. Spuckflasehen werden in die Aborte entleert. Desin- 
fektionsapparat von Lümkemann in Dortmund. 

Privat-Heilanstalt, Sanatorium „Marienbad", für Gemüths- und Nervenkranke. Eigen- 
tümer: Geschwister Löhr. Arzt: Dr. Kress. 45 Betten: Abtheilung für Geisteskranke 15, 
für Nervenkranke 30. Verpflegungspreis: 6 M täglich. 

Sanatorium „Theresienhof" von Dr. Gellhorn. 

Gostyn, 3 834 Einw. (Kreis Gostyu, Keg.-Bez. Posen). 
Städtischer Schlachthof vorhanden. 

Krankenanstalt der Vincentinerinnen. 1849 errichtet von Nik. v. Wesierski, Edm. 
v. Bojanowski, Stanislaus v. Chlapowski und Athanasius Szulczynski. Arzt: 
Dr. Görski. Wartepersonal: 5 Vincentinerinnen aus Kulm. 42 Betten, darunter 6 für Kinder. 
Verpflegungspreis: 0,60—1,25 M täglich. 1898 wurden 62 m., 70 w. Kranke durchschnittlich 
61 Tage verpflegt, 3 m., 6 w. sind gestorben. Die Einnahmen 1898 betrugen 5 332,85 M und 
setzten sich zusammen aus 3 742,65 M Verpflegungsgeld, 573,20 M Zuschuss des Kreises, 917 M 
Geschenken und 100 M aus einer Lotterie. 

Gottesberg, 8 088 Einw. (Kreis Waidenburg, Keg.-Bez Breslau). 

Städtisches Armen- und Krankenhaus. Aerzte: Kommunalarzt Dr. Birkholz und 
Kassenarzt Dr. Gabriel. Wartepersonal: 1 m., 1 w. Krankenwärter. 6 Betten. 1899 wurden 
30 m., 19 w. Kranke durchschnittlich 21 Tage verpflegt, 1 m. ist gestorben. Ausserdem ver- 
pflegt: 1 Siecher. Ausgaben und Einnahmen 1899 betrugen 1459,9 7 M, letztere setzten sich 
zusammen aus 1055,60 M Verpflegungsgeld und 404,2 7 M Zuschuss der Stadt. 

Grabowsee bei Oranienburg (Kreis Niederbarnim, Eeg.-Bez. Potsdam). 

Volksheilstätte des rotlien Kreuzes für männliche Lungenkranke. 25. April 1896 
eröffnet. 

Aufnahmebedingungen: 1. Die Volksheilstätte des rothen Kreuzes ist inmitten 
ausgi dehnter Nadelwaldungen am Grabowsee bei Oranienburg in gesunder, landschaftlich schöner 
und geschützter Lage errichtet und bietet im Sommer 160. im Winter 80 Kranken Aufnahme. 
Als Wohnstätten dienen neben den Gebäuden für den Winter, im Sommer die bewährten 
Baracken des rothen Kreuzes. 

2. Die Oberaufsicht über einen dem Heilzweck der Anstalt voll entsprechenden, gesundheits- 
gemässen Zustand und Betrieb der Heilstätte führt der Vorstand des Volksheilstätten -Vereins 
vom rothen Kreuz und seine Sachverständigen-Kommission. Die ärztliche Leitung der Anstalt 
liegt in der Hand des Geheimen Medizinalrath.es Prof. Dr. Gerhardt zu Berlin und des Chef- 
arztes der Anstalt, welchem ein ausreichendes, wohlgeschultes ärztliches und Pflegepersonal 
beigegeben ist. 

3. Das durch reiche Erfolge in Sanatorien für Lungenkranke erprobte Heilverfahren ist 
das hygienisch -diätetische. Es beruht im Wesentlichen auf dem ständigen Aufenthalt des 
Kranken in reiner, staubfreier Luft bei angemessener körperlicher Bewegung, geistiger und 
körperlicher Beschäftigung sowie auf einer reichlichen, dem Krankheitszustand angepassten 
Ernährung. Es wird, soweit erforderlich, unterstützt durch medikamentöse Behandlung. 

4. Aufnahme in die Volksheilstätte des rothen Kreuzes finden männliche Lungenkranke, 
deren Leiden Aussicht auf Wiederherstellung oder erhebliche Besserung der Erwerbsfähigkeit 
bietet, und welche nicht mit einer anderen ansteckenden oder ekelerregenden Krankheit 
behaftet sind. 

5. Die Bewerber haben einen behördlichen (Ortsbehörde, Krankenkasse, Versicherungs- 
anstalt q. s. w. ) Ausweis über ihre Person, sowie eine ärztliche Bescheinigung über ihren 
Erankheitszustand, insbesondere die Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit einer wesentlichen 
Besserung der Erwerbsfähigkeit beizubringen und den Nachweis über die Sicherstellung der 
Pflegekosten zu führen. 



Königreich Prenssen. — 193 — Grabowseo. 

6. Die Bewerber haben wenn möglich zwei Anzüge, einen Regenschirm und Gummischuhe, 
sowie jedenfalls doppelte Fnssbekleidung und doppelte Leibwäsche Mn sauberem Zustande, ferner 
Kamm' und Zahnbürste mitzubringen. Im Bedarfsfalle übernimmt auf Antrag die Anstalt, soweit 
angängig, die Lieferung der den Kranken fehlenden Ausstattungsgegenstände. Lagerstelle, 
Bettwäsche, Handtücher werden von der Anstalt geliefert. Das Mitbringen von Bequemlich- 
keitskleidung wie Schlafrock, Pantoffeln und dergl. ist gestattet. 

7. Die Wäschereinigung während des Aufenthalts in der Heilstätte besorgt die letztere 
kostenfrei. 

8. Die Bewerber haben sich zu verpflichten, dass sie sich in jeder Beziehung der 
Anstaltsordnung fügen werden. 

9. Die Bewerber haben sich, soweit nicht besondere Vereinbarungen getroffen sind, einer 
endgültigen Feststellung der Aufnahmefähigkeit zu unterziehen und zwar nach ihrer Wahl ent- 
weder in der Poliklinik der Geheimrath Gerhardt'schen Klinik in der Königl. Charite zu Berlin 
— Unterbaumstrasse Nr. 7 — (Montags, Mittwochs, Freitags von 8 — 10 Uhr morgens) oder 
durch den Chefarzt der Heilstätte am Grabowsee zu jeder Zeit. 

10. Die für Unterkunft, ärztliche Behandlung und Verpflegung in der Heilstätte zu ent- 
richtenden Gesammtkosten betragen für jeden Kranken täglich 3 M. Hierin sind auch die 
Kosten für aussergewohuliche YerpÜegungs- und Stärkungsmittel einbegriffen. Kassen, Anstalten, 
Behörden u. s. w., welche Kranke überweisen, rechnen allmonatlich postnumerando mit der 
Anstalt ab. Kranke, welche auf eigene Kosten oder auf Kosten anderer Personen in die Anstalt 
aufgenommen werden, entrichten den Betrag für zehn Tage im Voraus. Scheidet der Kranke 
vor Ablauf der Zeit, für welche bereits Zahlung geleistet ist, aus, so erfolgt die Rückerstattung 
des verauslagten Betrages vom Tage nach dem Ausscheiden aus der Anstalt ab. 

11. Für Hin- und Rückreise kommt die Anstalt nicht auf. Die nächstgelegenen Bahnhöfe 
sind Oranienburg (Fern- und Vorortverkehr) und Fichtengrund (Fernverkehr). 

12. Die Anmeldungen haben schriftlich und zwar möglichst früh vor dem beantragten 
Aufnahmetermin zu erfolgen. Alle Zuschriften sind an den „Vorstand des Volksheilstätten- 
Vereins vom rothen Kreuz", Oberstabsarzt Dr. Pannwitz, Charlottenburg, Knesebeckstr. 29 
zu richten. 

Vom '28. April 1896 bis 30. Sept. 1897 wurden 523 Kranke aufgenommen, von denen 
31 geheilt, 281 gebessert, 76 ungebessert entlassen und 5 gestorben sind. Zu dem Bestand 
von 130 Kranken am 1. Okt. 1897 traten bis 1. Okt. 189S 349 Kranke hinzu. Von den 
Behandelten sind 342 entlassen, darunter als geheilt 16, als gebessert 285, ungebessert 40, 
gestorben ist 1 Kranker. — Von der Eröffnung bis 1899 sind 777 Kranke behandelt, davon 619 
auf Kosten der Versicherungsanstalten, 13 auf Kosten der Berufsgenossenschaften und 145 auf 
Kosten der Krankenkassen. 

Anstaltsordnung: 1. Jeder Kranke ist verpflichtet, den Anordnungen der Anstalts- 
ärzte und des Aufsichtspersonals in und ausserhalb der Anstalt unbedingt Folge zu leisten, 
widrigenfalls die sofortige Entlassung erfolgen kann. 

2. Die Kranken sind gehalten, zu den vom Arzt festgesetzten Stunden aufzustehen und 
zu Bett zu gehen. 

3. Aufenthaltsanordnung und Tageseinteilung erfolgt durch die Aerzte. Kranke, die es 
wünschen, können mit ärztlicher Zustimmung mit leichteren Arbeiten — und zwar unter Um- 
ständen gegen Entgelt — beschäftigt werden. 

4. Vor dem Verlassen der Schlafräume sind von den Kranken die Fenster zu öffnen. 
Auch Nachts muss auf Erfordern des Arztes in jedem Zimmer ein Fenster geöffnet bleiben. 

5. Soweit in einzelnen Fällen nicht besondere Anordnung getroffen wird, haben die 
Kranken das Aufmachen ihrer Lagerstätten sowie das Reinigen ihrer Bekleidung selbst zu 
besorgen. 

6. Das Tabakrauchen ist nur ausnahmsweise und nur an einem dazu bestimmten Orte 
mit ärztlicher Genehmigung gestattet. 

7. Der Genuss geistiger Getränke, ausser den kurgemäss verordneten und von der Anstalt 
gelieferten, ist verboten. 

8. Das pünktliche Erscheinen zu den einzelnen Mahlzeiten, deren Beginn durch das 
Läuten einer Glocke angezeigt wird, wird den Kranken zur besonderen Pflicht gemacht. Die 
Mahlzeiten finden gemeinschaftlieh und nur auf besondere ärztliche Anordnung im Zimmer der 
Kranken statt. 

9. Die Kranken dürfen sich nur in den ihnen angewiesenen Räumen der Anstalt auf- 
halten. Das Betreten der Wirthschaftsräume ist untersagt. 

10. Die Bewegung der Kranken in der Umgebung der Anstalt (auf Spaziergängen u. s. w.) 
wird ärztlicherseits geregelt. Der Verkehr in Schankwirthschaften ist verboten. 

11. Die Kranken dürfen, soweit nicht ärztliche Bedenken entgegenstehen, Dienstag, 
Donnerstag und Sonntag von 2 — 6 Uhr nachmittags Besuch empfangen, zu anderer Zeit nur 
ausnahmsweise mit jedesmal einzuholender Genehmigung des leitenden Arztes. Den Besuchern 
ist das Mitbringen von Lebensmitteln, Getränken u. s. w. ohne Erlaubniss des Anstaltsarztes 
verboten. 

12. Von den Kranken wird die Schonung des Anstaltszubehörs, sowie die grösste 
Sauberkeit erwartet; auch haben sie jede Beschädigung der Anlagen sorgsam zu vermeiden; 
es wird ferner vorausgesetzt, dass sie selbst für Reinlichkeit und Ordnung in den Schlafzimmern 

Guttata dt, Krankenhaus-Lexikon für das Deutsche Reich. 13 



Gräbschen, Gräfenhainichen. — 194 — Königreich Preussen. 

und sonstigen ihnen zur Verfügung stehenden Anstaltsräumen, sowie in den Anlagen sorgen 
und in gleichem Sinne auf die Mitbewohner der Anstalt ihren Einfluss auszuüben suchen werden. 

13. Den Kranken wird im Interesse des Heilverfahrens zur besonderen Pflicht 
gemacht, wo sie sich auch aufhalten mögen, sei es in der Anstalt, auf Spaziergängen u. s. w., 
zum Spucken nur die aufgestellten Spucknäpfe oder die ihnen gelieferten Taschenfläschchen zu 
benutzen. Die Entleerung und Peinigung der Spuckgefässe erfolgt auf ärztliche Anordnung. 
Insbesondere ist es streng untersagt, auf den Boden oder ins Taschentuch zu spucken. 

14 Etwaige Beschwerden der Kranken während ihres Aufenthaltes in der Anstalt sind 
in ein von der Leitung der Heilstätte ausgelegtes Beschwerdebuch durch die Kranken selbst 
einzutragen oder können dem leitenden Anstaltsarzt oder einem Vorstandsmitglied persönlich 
Torgetragen werden. 

15. Widersetzlichkeit, Trunkenheit, unanständiges Benehmen gegen weibliche Personen 
können die sofortige Entlassung aus der Anstalt zur Folge haben. Für muthwillige Be- 
schädigungen des Anstaltseigenthums ist der Thäter haftbar. 

16. Werthsachen, Geld u. s. w. können dem Inspektor zur Aufbewahrung übergeben 
werden. Für den Verlust nicht abgegebener Gegenstände kommt die Anstalt nicht auf. 

17. Eine Beurlaubung der Kranken während der Kur findet nur unter besonders dringenden 
Umständen statt, und sind in jedem Falle die Kurkosten auch für Urlaubstage zu zahlen. 

Baubeschreibung: 27 Baracken (Doecker"sche) wurden 1S95 aufgestellt und feste Wohn- 
gebäude errichtet. Namhafte Zuwendungen bemittelter Gönner setzten den Volksheilstätten- 
verein vom rothen Kreuz in die Lage, die Erweiterung und Vollendung der Heilstätte an- 
zubahnen. Die erheblichste Zuwendung hat der inzwischen verstorbene Grossindustrielle 
Boehm in Höhe von 100000 M gemacht, nach ihm wird einer der neu erbauten Pavillons 
benannt werden. Die Erweiterungsanlagen sind nach den Plänen und unter Leitung des Bau- 
raths Schmieden aufgeführt bezw. in der Entstehung begriffen. 

Es sind im wesentlichen folgende: Eine Luftdruckentwässerungsanlage nebst Kläranlage 
nach dem System Erich Herten (zum grossen Theil von der Firma Herten & Co. geschenkt i. 
Ein Kesselhaus für zwei Hochdruckdampfkessel (deren einer von A. Borsig geschenkt) nebst 
Maschinenraum, Werkstatt. Kohlenschuppen und Maschinenmeisterwohnung. Ein neuer Pavillon 
für 62 Betten ist zum Theil zwei-, zum Theil dreistöckig. Er enthält ausser den für die 
Kranken bestimmten Räumen mit den Tages- und den anderen »benräumen eine Wohnung 
für einen Assistenzarzt, einen zweiten Inspektor und einen durch Niederdruckdampf geheizten 
Trockenraum für Handtücher. 

Der Boehm-Pavillon für 51 Betten ist zweistöckig mit einem Eeservoiraufbau, er enthält 
nur Räume für Kranke mit einem grossen Tageraum und den erforderlichen Waschräumen und 
Aborten. Beide Pavillons werden von der Dampfzentrale aus mit dem Dampf für die Nieder- 
druckdampfheizung versorgt, die verdorbene Luft durch Aspirationsschlote abgeführt. Der 
Aufbau der beiden Pavillons und die Ausstattung ist den zur Verfügung stehenden Mitteln 
und den schon bestehenden Baulichkeiten entsprechend einfach gehalten. Dabei wurde die 
Beobachtung der Regeln der Hygiene nicht aus dem Auge gelassen. Die Zwischendecken sind 
massiv konstruirt. Die Aussenwände sind in den Flächen geputzt, die Ecken, Gesimse, Fenster- 
einfassungen sind aus rothen Rathenower Steinen hergestellt, die Dächer sind theils mit Holz- 
zement, theils mit Falzziegeln gedeckt. 

Die Ausführung dieser neuen Gebäude machte die Herstellung eines Terrainkanals für 
die Dampf- und Kondensleitungen, die Erweiterung der Wasserleitungs-, Entwässerungs- und 
Gasleitungsanlasre und weitere Wege- und Gartenanlagen noth wendig. — Die Wäscherei- 
anlage soll für den Dampfmotorbetrieb umgewandelt werden und eine Erweiterung des 
Wirthschaftsgebäudes sowie die Beschaffung einer Dampfkocheinrichtung ist in Aussieht ge- 
nommen. Alle diese neuen Anlagen beanspruchen zusammen einen Kostenaufwand von etwa 
300000 M, in welcher Summe der Werth der geschenkten Objekte nicht enthalten ist. 

Gräbschen, 1616Einw. (Landkreis Breslan, Reg.-Bez. Breslau). 

. .Kaiserliches Kinderheim", ein Säuglings- und Wöchnerinnen -Asyl, aus Wohltbätig- 
keitsbeiträgen im Jahre 1882 gegründet und in einem Villengrundstück untergebracht, gewährt 
armen Wöchnerinnen und ihren Säuglingen ohne Unterschied der Religion und ohne Rücksicht 
auf ihren Herkunftsort unentgeltliche Verpflegung bis zur anderweitigen Unterkunft. In den 
letzten 5 Jahren betrug die Anzahl der Aufgenommenen durchschnittlich 91 jährlich, die 
durchschnittliche Aufenthaltsdauer 3Vj Wochen im Jahre 1S97. Die Verpflegungskosten sind 
für Mutter und Kind auf 56'/, Pfennige täglich berechnet. Bedingung ist, dass die aufzu- 
nehmenden Mütter ihre Kinder selbst stillen. Siehe Breslan S. 100. 

Gräfenhainichen, 3 162 Einw. (Kreis Bitterfeld, Reg.-Bez. Merseburg). 

Kranken- und Sieehenhaus. 1S94 neu eröffnet. Eigenthümer: Stadtgemeinde 
Arzt: Dr. Gaczkowski. Wartepersonal: Im.. 1 w, Krankenwärter. 12 Betten. Verpflegungs- 
preis: 0,80—l,5ii M täglich. 1899 wurden 36 m., 1 w. Kranke durchschnittlich 17 Tage ver- 
pflegt, 1 m., 1 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 1 Sieche und 4 M. zur Reinigung von 

Ungeziefer. 



Königreich Preussen. — 195 — Grätz — Graudenz. 

Grätz. 404-2 Einw. (Kreis Grätz, Eeg.-Bez. Posen). 

Städtischer Schlachthof mit Kühlhaus vorhanden. 

Städtisches Krankenhaus. 1SÖ<< von der Stadt, 1S90 neu errichtet von dem 
Zeitungsverleger R. Mosse in Berlin. Vorstand: Magistrat. Arzt: Kreisphysikus Dr. Ruben- 
sohn. " WartTepersonal: 2 Diakonissen aus dem Diakonissenhause zu Posen. 21 Betten: 
15 £ St., 6 f. Fr. 1899 wurden 87 m.. 26 w. Kranke durchschnittlich 2S Tage verpflegt, 3 m. 
sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 1 Sieche. Die Ausgaben nnd Einnahmen 1899 betrugen 
3635,46 M, letztere setzten sich zusammen aus 1952.14 M Verpflegungsgeld und 1673,32 M 
Zuschuss der Stadt. 

Grafenberg, Gemeinde Ludenberg mit 2 969 Einw. (Landkreis Düsseldorf, Eeg.-Bez. 
Düsseldorf). 

Provinzial -Irren -Heil- und Pflegeanstalt. 1. Juli 1876 eröffnet. Eigenthümer: 
Eheinische Provinzial -Verwaltung. Direktor: Sanitätsrath Dr. Peretti. Aerzte: Oberarzt 
Dr. Brie, 3 Assistenzärzte und 1 Volontärarzt. Wartepersonal: 42 m.. 42 w. ausgebildete 
Krankenwärter. Verwaltungspersonal: 39 m., 15 w. 600 Betten. Verpflegungspreis: 
8, 4. 2.50. 1.50 und 1.35 M täglich. 1898 wurden 626 m., 50S w. Geisteskranke durchschnittlich 
l s 7 bezw. 195 Tage verpflegt, 63 m., 36 w. sind gestorben. Ausgaben 1S9S: ordentliche 
400 SSO Iff, ausserordentliche 18 800 M. Die Einnahmen betrugen 430065 M und setzten sich 
zusammen aus 385 516 M Verpflegungsgeld, 20 819 M an verkauften Produkten. 7 713 M Zuschuss 
der Provinz 327 M Legaten, Geschenken und Kollekten und 15 690 M aus sonstigen Quellen. 

Gramm, 196 Einw. (Kreis Haderslehen, Eeg.-Bez. Schleswig). 

Haderslebener Kreis-Krankenhans. 1860 von der Amtskommune (Kreis, aus- 
genommen Kreisstadt und Güter) errichtet. Eigenthümer: Kreis Hadersleben (ohne Kreis- 
stadt). Arzt: Kreisphysikus Dr. Hansen. Wartepersonal: 1 ausgebildeter Krankenwärter 
und 1 Wärterin. 40 Betten. Verpflegungspreis: 4, 2,50, 1,50 und 1 M täglich. 1899 wurden 
183 m., 61 w. Kranke durchschnittlich 24. s bezw. 19,7 Tage verpflegt. 14 m., 3 w. sind gestorben. 
Ausserdem verpflegt : 6 Krankenbegleiterinnen und 7 m.. 3 w. an Krätze Leidende. Ausgaben und 
Einnahmen 1S99 betrugen 13 736 M. letztere setzten sich zusammen aus 7 071 M Verpflegungs- 
geld und 6 665 M Zuschuss des Kreiv is. 

Gransee, 4 186 Einw. (Kreis Euppin, Eeg.-Bez. Potsdam). 

Städtisches Krankenhans. Arzt: Braun. Wartepersonal: 2 Diakonissen aus Danzig. 
8 Betten. Verpflegungspreis: l,io und 1 M täglich. 189S wurden 47 m., 15 w. Kranke 
durchschnittlieh 25 Tage verpflegt, 2 m. sind gestorben. Ausgaben 1S98: 2 189,56 M. Ein- 
nahmen: 1 127,9 7 M Verpflegungsgeld. 

Graudenz, 31416 Einw., 27 Aerzte, 2 Zahnärzte, 15 Hebammen, 3 Apotheken (Stadt- 
kreis, Eeg.-Bez. Marienwerder). 

Zentral -Wasserversorgung aus Tiefbrunnen, 1900 dem Betrieb übergeben. — 
Städtischer Schlachthof: Erbaut 1SS5 für 125000 M. Eühlhalle errichtet 1896 für 80000 M. 
L898 wurden geschlachtet: 3 209 Rinder, 11270 Stück Kleinvieh, 14341 Schweine, 125 Pferde. 
— Im Krankenhause Dampf-Desinfektionsapparat von Budenberg. — Flussbadeanstalt 
und Wellenbad in der Weichsel. — Bau-Polizei-Ordnung von 1891. 

Garnisonlazaret, in der Feste Courbiere, 1857/60 erbaut, und Zweiglazaret, Linden- 
strasse 3 — 5, 1892/96 erbaut. Vorstand: Generaloberarzt Dr. Eothe. Wartepersonal: 
3 Diakonissen aus Danzig, 12 ausgebildete Militärkrankenwärter. 211 Betten. 1S98 wurden 
1 635 Kranke durchschnittlich 23 Tage verpflegt, 7 sind gestorben. 

Bauliche Beschreibung: Das Gelände des 1892 — 1896 erbauten Zweiglazarets ist 
ein längliches Viereck und fällt ganz allmählich von Norden nach Süden nach der Lindenstrasse 
zu ab. Grösse des Geländes 65882 qm. Anlagekosten: 1. Neubau 294375,09 M. 2. Wasserleitung, 
Entwässerung, Gasleitung, Badeeinrichtung, Heizungs-, Lüftungs-, Abortanlagen, Umwehrung 
129 742.5? M, 3. Ausstattungskosten 23 728,80 M," 4. Grunderwerbskosten 37 822.B2 M. — 
Bausystem: Pavillonsystem. Durchschnitts - Grundstücksfläche für das Krankenbett 
259, b qm, Grundfläche für das Krankenbett 9,5 qm, Luftraum für das Krankenbett 40 cbm. 
Kochküche: Kalkbrenner'scher Wasserbadherd und ein Kalkbrenner'scher Kochherd mit King- 
platte und zwei Bratöfen und Warmwasserkasten. Waschküche: Dampfwäsche mit Hand- 
betrieb. Tägliche Leistung 70 kg trockener Wäsche. Badeeinrichtung: Kupferne Badewannen 
und eine Sandbadewanne. — Petroleum- und Gasbeleuchtung. Ventilationssystem: Luft- 
schächte, Ventilationsheizung, Kippfenster und Thürventilation. Heizungssystem: Ofen- 

13* 



Grefrath — Greiffenberg. — 196 — Königreich Preussen. 

heizung durch Käuffer'sche Schachtöfen, eiserne Füllöfen und Kachelöfen. Henneberg'scher 
Desinfektor TO und Till für die Garnison. Wasserversorgung: Brunnen und militär- 
fiskalische Wasserleitung. Latrinen: Wasserspülung. Beseitigung der Abfallstoffe: Im 
Lazaret der Feste Courbiere werden die Fäkalien, Spül- und Tagewässer unterirdisch in die 
Weichsel geleitet. Im Zweiglazaret werden die Fäkalien aus den eisernen Kothtrommeln in 
den eisernen Abfuhrwagen auf pneumatischem Wege entleert (Strassburger System). Die 
Abwässer gelangen unterirdisch zu einem Klärbassin und hierauf in den Tinkefluss. 

Lazaret der Königl. Zwangsanstalten. In Konitz befindet sich die Korrigenden- 
anstalt. Eigenthümer: Fiskus (Ministerium des Innern). Belegfähigkeit: SÜO Männer. 
Hafträume: 67 Einzelzellen ausseht. Strafzellen. 54 Schlafkojen, 24 gemeinsame Schlafräume 
von 1614 qm Gesammtgrösse, IS gemeinsame Arbeitsräume von 1814 qm Gesammtgrösse. 
Arzt: Sanitätsrath Dr. Heynacher, Kreisphysikus. Krankenräume: 10 von 366 qm Gesammt- 
grösse. Krankenzahl 1898: 103 Männer. 

Städtisches Krankenhaus. 1S77 erbaut. Erweiterungsbau mit 57 Betten. Oktober 189S 
eröffnet. Leitender Arzt: Dr. Martens, für die chirurgische Abtheilung: Dr. Heubaeh. Warte- 
personal: 4 Diakonissen aus Danzig, 2 ausgebildete Krankenwärter. 199 Betten: 139 f. M., 
60 f. Fr., darunter 5 f. Kinder. Verpflegungspreis: 3, l,so und 0,so M täglich. 1S99 wurden 
1 72S (1 258 m., 470 w.) Kranke durchschnittlich 28 Tage verpflegt, 46 m., 35 w. sind gestorben. 
Ausgaben 1899: 48 516,51 M. Die Einnahmen betrugen 4S 412,62 M und setzten sich zu- 
sammen ans 47 378,6 2 M Verpflegungsgeld, 675 M Zuschuss des Kreises und 380 M aus sonstigen 
Quellen. 

Augenheilanstalt von Dr. Herzog. 1893 eröffnet. 23 Betten. Verpflegungspreis: 
4, 2—3 M und 1—1, so M täglich. 

Privat -Heilanstalt für Frauenkrankheiten von Dr. v. Klein. Eröffnet am 1. Okt. 
1899. 12 Betten. 



Grefrath, 4 078 Einw. (Kreis Kempen i. Rhld., Reg.-Bez. Düsseldorf). 

Josephs-Hospital. 18S4 von der katholischen Gemeinde gegründet. Arzt: Dr. Blümlein. 
Wartepersonal: 5 Franziskanessen aus Münster. 30 Betten. Verpflegungspreis: 0,io bis 
0,90 M täglich und höhere Preise. 1898 wurden 40 m.. 32 w. Kranke durchschnittlich 22,s Tage 
verpflegt, 4 m., 2 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 24 Altersschwache. 

Greifenberg i. Pommern, 6 165 Einw., 5 Aerzte, 1 Zahnarzt, 3 Hebammen, 1 Apotheke 
(Kreis Greifenberg, Reg.-Bez. Stettin). 

Der Bau eines Schlachthauses ist beschlossen. — Die Entwässerung findet in die 
Rega statt, der westliche Theil der Stadt wird durch den Poetensteiggraben entwässert. — 
Eine Desinfektionsanstalt befindet sich in einem Seitenbau des Kreiskrankenhauses. — 
Eine Zivil- und eine Militär- Badeanstalt an der Bega. Letztere kann auch von Zivilisten 
benutzt werden. — Bau-Polizeiordnung vom 25. April 1899. 

Lazaret der Unterofflzierschnle. 1. April 1897 bezogen. Es liegt im Norden der Stadt 
an dem Wege nach dem Dorfe Ganzken- Pribbernow. Arzt: Oberarzt Dr. Metz. 11 Betten. 
1S98 wurden 84 Kranke durchschnittlich S,& Tage verpflegt. Ausgaben 1898: ordentliche 
76S,7o M, ausserordentliche 3S3,S2 M. Die Einnahmen betrugen 3159,41 M. Ventilations- 
system: Luftschäehte in Verbindung mit der Heizung. Desinfektions-Apparat von Gebr. 
Schmidt in Weimar für die Unteroffiziersehule. 

Kreis-Krankenhaus. 15. Nov. 1S97 eröffnet. Arzt: Dr. Hassenstein, Kreisphysikus. 
Wartepersonal: 2 Diakonissen aus Bethanien, Stettin und 1 Krankenwärter. 30 Betten: 
24 f. M., 6 f. Fr. Verpflegungspreis: 3 M und l,su — O.so M täglich. 1S99 wurden 
197 m.. 74 w. Kranke durchschnittlieh 26 Tage verpflegt, 9 m., 9 w. sind gestorben. Aus- 
gaben und Einnahmen 1899 betrugen 11 317,7 8 M, letztere setzten sich zusammen aus 4 990,41 M 
Verpflegungsgeld, 5 669,37 M Zuschuss des Kreises und 658 M aus sonstigen Quellen. Dampf- 
Desinfektionsapparat vorhanden. 

Greiffenberg i. Schi., 3 281 Einw. (Kreis Löwenberg, Reg.-Bez. Liegnitz). 

Städtisches Krankenhans. Am 23. Dez. 1S0S von Karl Christian Lachmann errichtet, 
Vorstand: Magistrat. Arzt: Dr. Kloz. 10 Betten. Verpflegungspreis: 0,su M täglich. 
1898 wurden 16 m., 12 w. Kranke durchschnittlich 15 Tage verpflegt, 1 m. ist gestorben. 



Königreich Preussen. — 197 — Greifenhagen, Greifswald. 

Greifenhagen, 6 790 Einw. (Kreis Greifenhagen, Reg.-Bez. Stettin). 

Städtisches Krankenhans. 1861 errichtet. Torstand: Magistrat. Arzt: Dr. Meyer. 
Wartepersonal: 2 ausgebildete Krankenwärter (1 m., 1 w.). 40 Betten. Verpflegungs- 
preis: 0,80 M täglich. 1S99 wurden 48 m., 7 w. Kranke durchschnittlich 19 Tage verpflegt, 
1 m., 2 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 14 Alterssehwache, 3 Sieche und Krüppel. 
Ausgaben L899: 6697,79 M. Die Einnahmen betrugen 5633,54 M und setzten sich zusammen aus 
1 317. :s H Verpflegnngsgeld, 765 M Kapitalszinsen, 3395M Zuschuss der Gemeinde und 155,75 M 
aus sonstigen Quellen. 

Greifswald, 24 398 Einw., 21 Aerzte, 2 Zahnärzte, 8 Hebammen, 3 Apotheken (Kreis 
Greifswald, Keg.-Bez. Stralsund). 

Die städtische Wasserleitung wurde in den Jahren 1887/S8 errichtet. Die Anlage- 
kosten betrugen 700 500 M. 7,5 km südöstlich von Greifswald bei Diedrichshagen befinden sich 
S gemauerte Schacht- und 7 eiserne Böhrenbninnen mit Filterkörben. Das Wasser wird 
mittels Pumpwerk gehoben und in gusseisernen Bohren in die Stadt geführt. — Das 
städtische Schlachthaus wnrde 1SS8/S9 erbaut. Kosten 300000 M. Es hat 4 massive 
Ställe und Schlachthallen, 1 Kühlraum, elektrische Beleuchtung. Sämmtliche Schlachtthiere 
werden untersucht. Fleisch wird gestempelt. Alles Schlachten ausserhalb des Schlacht- 
hauses ist verboten. 1S98 wurden geschlachtet: 6S25 Schweine, 1561 Binder, 4 648 Kälber, 

4 450 Schafe, 90 Ziegen, 175 Pferde. — Die Abwässer gelangen in den Binnstein, von dort 
in den ober- und unterhalb der Stadt in den Bykfluss mündenden Stadtgraben. — Es ist das 
Görlitzer Tonnen- bezw. Eostocker Kübel-System, 1889 allgemein eingefürt. Die Abfuhr der 
Tonnen erfolgt 2 mal wöchentlich durch die städtische Abführanstalt. Durch dieselbe wird der 
Haus- und Strassenkehricht in mit Klappdeckel verschlossenen Kastenwagen 2 mal wöchentlich 
abgefahren. — Städtische Desinfektionsanstalt in der Brinkstrasse. Je 1 Desinfektions- 
apparat von Bietschel & Henneberg und von Schering in Berlin. Jeder Apparat hat einen Baum- 
inhalt von 3 cbm. — Badevorrichtung. Errichtet 1S93. — Oeffentliche Badeanstalten: 
"2 Warm wasser-. Sool- und Moorbäder: 1 im Besitz einer Aktiengesellschaft mit 4 Doppel-Moor 
und 24 BadezeUen, 1 im Privatbesitz mit 10 Badezellen und 1 Militär-Badeanstalt. — Ban- 
Polizeiordnung vom 5. Nov. 18S0 und 25. Mai 18S1. 

Universitäts-Klinik für innere Krankheiten. 1859 ist das Universitäts - Krankenhaus 
eröffnet worden. Vorstand und Direktor: Prof. Dr. Krehl. 4 Assistenzärzte. Wartepersonal: 

5 Diakonissen aus Nen-Torney-Stettin. 4 m., 2 w. Wärter. 112 Betten in 3 Klassen: I. Kl. 1. 
H. Kl. 7. DJ. Kl. 94 und 10 'Freibetten. Verpflesrungspreis: 6 M. 4 M und l,ao— l.so M 
täglich. 1898/99 wurden 1 397 (892 m., 505 w.) Kranke durchschnittlich 23 Tage verpflegt, 53 m., 
28 w. sind gestorben. In der Poliklinik wurden 3 697 (1 92t> m., 1 7il w.) Kranke behandelt. Die 
medizinische und chirurgische Klinik haben eine gemeinsame Verwaltung. 1898/99 betrugen 
die Ausgaben 155 457 M,"die Einnahmen 174 985 M, darunter 106 62 5 M Verpflegungsgeld und 
556 119 M Staatszuschuss. 

Universitäts-Klinik für chirurgische Krankheiten. Im T'niversitäts-Krankenhause bisher 
untergebracht. Vorstand und ärztliche Leitung: Prof. Dr. Bier. Oberarzt: Professor 
Dr. Tilmann. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 7 Diakonissen aus Neu-Torney-Stettin und 
5 m. u. 1 w. Wärter. 120 Betten. Verpflegungspreis: I. Kl. 6 M, H. Kl. 4 M, HI. Kl. 
1,80—l.so M tägüch und 10 Freibetten. 1S98,99 wurden 2 021 (1338 m., 683 w.) Kranke 
durchschnittlich 28 bezw. 26 Tage verpflegt, 63 m.. 29 w. sind gestorben. In der Poliklinik 
wurden 5 046 (2 418 m., 2 628 w.) Kranke behandelt. 

Neubau der chirurgischen Klinik 1900. Nach den zum Abschluss gelangten 
Verhandlungen über die Baumbedürfnisse der medizinischen und der chirurgischen Klinik ist 
zur Entlastung der stark belegten Krankenräume Platz für 69 Kranke und zum Ersatz für die 
sog. Holzbaracke, in welcher z. Z. 30 Betten untergebracht sind, für weitere 30 Kranke, somit 
im Ganzen Baum für 99 Kranke neu zu beschaffen. Die vor nahezu 40 Jahren erbaute Holz- 
baracke kann auch nicht weiter benutzt werden. — In der medizinischen wie in der chirur- 
gischen Klinik sollen Bäume zur Absonderung von Kranken, welche durch Unruhe, üblen 
Geruch u. s. w. die anderen belästigen, ebenso Tageräume, ein theoretischer Hörsaal, Zimmer 
für wissenschaftliche Untersuchungen, für die Poliklinik und Baderäume hergesteUt werden. 
Der Operationssaal entspricht ebenfalls nicht den heute aUgemein gesteUten Anforderungen. 

Zur Befriedigung der vorstehend aufgeführten Baumbedürfnisse ist in Aussicht genommen, 
für die chirurgische Klinik auf dem durch den Ankauf des Klubgrundstücks und durch die theil- 
weise Aufhebung der Strasse Schuterhagen erweiterten Krankenhausgrundstücke einen Neubau 
zu errichten, der medizinischen Klinik aber zu ihren jetzigen Bäumen noch die Krankenräume 
der chirurgischen Klinik im Universitätskrankenhause zu überweisen. Der ersteren verbleiben 
danach im vorhandenen Krankenhanse nur die Bäume des zweiten Obergeschosses des sogen. 



Greifswald. — 198 — Königreich Preussen. 

* 

Lehrgebäudes. Hier sollen der theoretische Lehrsaal, die Zimmer für wissenschaftliche Unter- 
suchungen und die Sammlungen untergebracht werden. Es ist deshalb in Aussicht genommen, 
den Neubau der chirurgischen Klinik durch eine Brücke mit diesen Räumen zu verbinden. 

Die Kosten dieses Neubaues betragen 472 000 M, wozu die Kosten der Brücke mit 8 000 M 
und die Kosten der wegen des Baugrundes nothwendig werdenden künstlichen Fundirung mit 
73 000 M kommen, zusammen 553 000 M. 

Garnisonlazaret. 1853 von der Stadt Greifswald als Lazaret erbaut, dem Militärflskus 
im Jahre 1854 zum Gebrauch überwiesen. In der Zeit von 1886 — 1891 diente es als Kaserne- 
ment, war vom 1. Jan. bis 31. März 1892 zwecks Benovirung unbelegt und dient seit 1. April 
1892 wieder als Lazaret. Es liegt in der Mühlenvorstadt, Langereihe Nr. 2. Arzt: Stabsarzt 
Dr. Dautwiz. 16 Betten. 1898 wurden 136 Kranke durchschnittlich 24,5 Tage verpflegt. — Gas- 
beleuchtung. Ventilationssystem: Fenster, Glas-Jalousien, Kippfenster, Luftscheiben, 
Ventilationsschächte, Schieberklappen in den Thüren. Desinfektionsapparat von Gebrüder 
Schmidt in Weimar für die gesammte Garnison. — Badeeinrichtung. — Wasserversorgung: 
Anschluss an die städtische Wasserleitung. Latrinen: Desinfektion der Tonnen (Mainzer 
Tonnen-Wagen-System) mit Kalkmilch und roher Karbolsäure. Beseitigung der Abfallstoffe: 
Abfuhr der Tonnen durch die städtische Abfuhranstalt. 

Städtisches Krankenhaus, für ansteckende Krankheiten. Vorstand: Polizei-Direktion. 
Arzt: Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Mosler. 12 Betten. 1898 und 1899 kein Kranker. 

Prlvat-Klinik zur Pflege leichter Kranker. Im April 1897 errichtet. Die Klinik soll 
zur Entlastung der chirurgischen Klinik dienen bezw. der zur Erholung bedürftigen Privatkranken 
nach überstandener Krankheit. Wartepersonal: 1 ausgebildeter Krankenwärter. 28 Betten. 
Verpflegungspreis: 6 und 4 M täglich. 1898 wurden 181 Kranke verpflegt. 

Privat - Krankenhaus von Prof. Dr. Hoffmann. 1. Mai 1898 errichtet. 17 Betten, 
darunter 4 f. Kinder. Verpflegungspreis: 6,50 M, 4, 50 M und 3 M täglich. 1898 wurden 
36 m., 57 w. Kranke durchschnittlich 16 Tage verpflegt, 4 m. sind gestorben. 

Universitäts ■ Klinik für Augenkranke. 1. Mai 1873 errichtet. Neubau. 1899 wurde 
eine Baracke mit 18 Betten errichtet. Eigenthümer: Fiskus (Ministerium der geistlichen, 
Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten). Vorstand und ärztliche Leitung: Professor 
Dr. Schirmer. 3 Assistenzärzte. Wartepersonal: 3 Diakonissen aus Neu -Torney- Stettin. 
51Betten. Verpflegungspreis: 6M, 4M, 1,20 und 0,60 M täglich. 1898/99 wurden 629 (366 m., 
263 w.) Kranke durchschnittlich 22 Tage verpflegt, 1 m. ist gestorben. Von den Verpflegten 
waren in I. Kl. 4 m., 9 w., H. Kl. 25 m., 33 w., DU. Kl. 297 m., 175 w. und unentgeltlich in 
ganzen Freistellen 27 m., 39 w. In der Poliklinik wurden 2 431 (1416 m., 1015 w.) 
Kranke behandelt. 1898/99 betrugen die Ausgaben 29 603 M. Die Einnahmen 29 725,4 5 M, 
darunter 18 901,20 M Verpflegungsgeld und 10 734,80 M Staatszuschuss. 

Universitäts-Poliklinik für innere, Hals- und Nasenkrankheiten. Direktor: Pro- 
fessor ord. Dr. Strübing. 

Universitäts-Klinik und Poliklinik für Kinderkrankheiten. 1896 eingerichtet. 
Direktor: Geh. Medizinalrath Prof. Dr. Krabler. 1 Assistenzarzt. 2 Diakonissen aus Neutorney- 
Stettin. 30 Betten. 1899 wurden 140 Kinder verpflegt und 1410 in der Poliklinik behandelt. 

Universitäts-Klinik für Geisteskranke. 1. April 1889 eröffnet. Eigenthümer: Fiskus 
(Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten). Vorstand und 
ärztliche Leitung: Prof. Dr. Arndt. 2 Assistenzärzte. Wartepersonal: 4 m., 4 w. aus- 
gebildete Krankenwärter. 54 Betten. Verpflegungspreis: 3,30 und 1,65 M täglich. 1899 
wurden 49 m., 43 w. Kranke verpflegt, 4 m., 6 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 
1899 betrugen 34 939 M, letztere setzten sich zusammen aus 25 298 M Verpflegungsgeld, 1 635 M 
für verkaufte Produkte und 8 006 M Zuschuss des Staates. 

Universitäts-Klinik für Geburtshilfe und Frauenkrankheiten. 1825 errichtet, die 
neue Anstalt 1878 eröffnet. Eigenthümer: Fiskus (Ministerium der geistlichen, Unterriehts- 
und Medizinal-Angelegenheiten). Vorstand: Prof. Dr. Martin. 3 Assistenzärzte. 3 Wärterinnen, 
12 zur Ausbildung. 61 Betten: I. Kl. 2, H. Kl. 4, DJ. Kl. 20 für Kranke, 25 für Schwangere 
und 10 für Kinder. 12 Plätze für Hebammenschülerinnen. Verpflegungspreis: I. Kl. 4,50 M, 
H. Kl. 3 M. HI. Kl. 1 M täglich. Von den 20 in der DJ. Kl. befindlichen Plätzen sind 10 Frei- 
stellen, die an Bedürftige vergeben werden können. Diese Freistellen werden vorzugsweise 
solchen Kranken verliehen, die ein grösseres klinisches Interesse darbieten. Doch können sie 
auch an andere Kranke vergeben bezw. halbe Freistellen gewährt werden. Jede Kranke,^ die 
auf eine Freistelle Anspruch macht, muss sich vorher selbst vorstellen oder ein ärztliches 
Attest einsenden, aus welchem ein sicherer Schluss über die Art ihrer Erkrankung gemacht 
werden kann. 1898/99 wurden 429 Kranke und 268 Wöchnerinnen verpflegt, 12 Kranke und 
3 Wöchnerinnen sind gestorben. In der Poliklinik wurden 897 Frauen behandelt, 182 Ent- 
bindungen ausgeführt. Ausgaben 1898/99: 35 770,97 M. Die Einnahmen betrugen 36 245,90 M, 
darunter 10 733,20 M Verpflegungsgeld, 562,50 M Hebammen-Lehrgeld und 24 950,2o M Staats- 
zuschuss. 



Königreich Prenssen. — 199 — Greven— Groningen. 

Um- und Erweiterungsbau 1900. Der in der zweiten Hälfte der 70er Jahre 
erbauten Klinik fehlt ein den modernen Ansprüchen entsprechender klinischer Hörsaal mit den 
erforderlichen Nebenräumen. Völlig unzureichend ist die Poliklinik untergebracht. Ebenso 
sind unzureichend die Räume für die Sehwangeren, die Hebammenschülerinnen und das Pflege- 
personal. Die Beschaffung dieser Räume lässt sich nach den örtlichen Verhältnissen nur durch 
Ausführung eines Erweiterungsbaues auf dem nordöstlichen Theile des Anstaltsgrundstückes 
unter Beseitigung des hier vorhandenen Flügelbaues ermöglichen. Die Kosten betragen für 
den Erweiterungsbau ohne die innere Einrichtung und für die Abbruchsarbeiten 149 700 M. für 
die Instandsetzungsarbeiten im Althau 22 500 M, zusammen 172 200 M. 

Hospital St. Spiritus und St. Georgsstift. 1262 bezw. 1317 gegründet. 

Siechenhans Martinsstift. 1884 vom evangelischen Frauenverein gegründet. 3 Diako- 
nissen aus Neu-Torney-Stettin. 48 Betten. 

Johanniter -Siechenhans. 30 Betten. 1899 wurden 8 m., 30 w. Sieche verpflegt, 1 m., 
5 w. sind gestorben. 

Greven rechts der Ems, 1 766 Einw. (Landkreis Münster, Eeg.-Bez. Münster). 

St. Maria-Joseph-Hospital. Errichtet am 22. Okt. 1884 von der katholischen Kirchen- 
gemeinde. Arzt: Sanitätsrath Dr. Sprakel. Wartepersonal: 7 Franziskanessen aus Münster. 
43 Betten. Verpflegungspreis: 3. 2 und 0,70 M täglich. 1S98 wurden 179 m., 120 w. 
Kranke durchschnittlich 27 Tage verpflegt, 17 m., 12 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 
1 Pl'ründner, 9 Altersschwache, 7 Sieche und 4 Personen zur Ausbildung. Ausgaben 1898: 
ordentliche 6 381,75 M, ausserordentliche 1054,93 M. Die Einnahmen betrugen 10 372,54 M 
und setzten sich zusammen aus 8 324,6 5 M Verpflegungsgeld, 180 M für verkaufte Produkte, 
741,14 M Kapitalszinsen und 1 126,75 M Legaten, Geschenken und Kollekten. 

Grevenbroich, 2 133 Einw. (Kreis Grevenbroich, Eeg.-Bez. Düsseldorf). 

Wasserleitung aus einem Tiefbrunnen seit 1S97 vorhanden. 

Krankenhans zur heiUgen Elisabeth. 9. Mai 1895 eröffnet. Eigenthümer: Katho- 
lischer Kirehenvorstand. Arzt: Geh. Sanitätsrath Dr. Pullen. Wartepersonal: 6 Augustine- 
rinnen aus Neuss und 1 ausgebildeter Krankenwärter. 21 Betten. Verpflegungspreis: 1,50 M 
täglich. 1S98 wurden 76 m., 34 w. Kranke durchschnittlich 26,5 Tage verpflegt, 6 m., 4 w. 
sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 58 m., 23 w. an Krätze Leidende. 

Grieth, 998 Einw. (Kreis Kleve, Reg. -Bez. Düsseldorf). 

Hospital. 1896 errichtet. 5 Schwestern aus Münster. 7 Betten. 

Grimlinghausen, 1 237 Einw. (Kreis Neuss, Reg.-Bez. Düsseldorf). 

St. Josephs-Krankenhans. 1883 errichtet. Arzt: Dr Wartepersonal: 5 arme 

Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach. 12 Betten. 1898 wurden 66 Kranke verpflegt. 

Grimmen, 3 584 Einw. (Kreis Grimmen, Reg.-Bez. Stralsund). 

Städtisches Krankenhaus. 1861 von der Gemeinde erbaut. Arzt: Dr. Geissler. S Betten. 
1899 wurden 36 m., 12 w. Kranke durchschnittlich 22 Tage verpflegt, 1 m., 2 w. sind gestorben. 

Gröbnig, 1 769 Einw. (Kreis Leobschütz, Reg.-Bez. Oppeln). 

Hospital. 1892 errichtet. 3 graue Schwestern aus Breslau. 1898 wurden 21 Personen 
verpflegt. 

Groningen, 3 193 Einw. (Kreis Oscherslehen, Reg.-Bez. Magdeburg). 

Krankenhaus der Firma Wiersdorff, Hecker & Co. 1884 von der Firma errichtet, 
um den in der Zuckerfabrik und den landwirthschaftlichen Betrieben derselben beschäftigten 
Arbeitern und Arbeiterinnen ärztliche Behandlung und Pflege angedeihen zu lassen. Arzt: 
Dr. Eisfeldt. Wartepersonal: 2 Schwestern vom rothen Kreuz aus dem Pflegerinnenhaus des 
Vaterländischen Frauenvereins zu Altona. 20 Betten. 1899 wurden 70 m., 81 w. Kranke durch- 
schnittlich 10 Tage verpflegt, 3 m., sind gestorben. Die Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 
6 849,8 5 M und setzten sich zusammen aus 1 407. 15 M Verpflegungsgeld und 5 442,70 M Zuschuss 
der Firma. 



Gronau— Gross-Salze. — 200 — Königreich Preussen. 

Gronau, 2 522 Einw. (Kreis Gionau, Reg.-Bez. Hildesheim). 

t. Savigny- Stift zum heiligen Joseph. Errichtet 1870 von dem Bischof Ednard 
Jakob von Hildesheim, dem verstorbenen Domkapitular Bormann und einem ungenannten 
Wohlthäter. Eigenthümer: Katholische Pfarre. Freie Arztwahl. Wartepersonal: 5 Yincen- 
tinerinnen aus Hildesheim. 10 Betten. Verpflegungspreis: 1,25 — 2 M täglich. 1899 wurden 
46 Kranke durchschnittlich 10 Tage verpflegt, 5 sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 1 Alters- 
schwache. Ausgaben 1S99: 2 340 M. Die Einnahmen betrugen 4 34:1 M und setzten sich 
zusammen aus 1 950 M Yerpflegungsgeld, 200 M Zuschuss des Kreises, 100 M der Gemeinde und 
91 M für die Nähschule. 

Gronau i. Westf., 2 083 Einw. (Kreis Ahaus, Reg.-Bez. Münster). 

Städtischer Schlachthof vorhanden. 

Evangelisches Krankenhaus. 24. Dez. 1S89 errichtet. Eigenthümer: Die evangelische 
Kirchengemeinde. Arzt: Dr. Loewe. Wartepersonal: 3 Diakonissen aus Bielefeld. 23 Betten. 
Yerpflegungspreis: 1 M täglich. 189S wurden '.'4 m., 55 w. Kranke durchschnittlich 35 Tage 
verpflegt, 5 m., 3 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen S370,i2 M, letztere 
setzten sich zusammen aus 7 358,46 M Verpflegungsgeld, 154,66 M Kapitalszinsen und 1057 M 
aus sonstigen Quellen. 

Krankenhaus. 1897 errichtet. Wartepersonal: 2 Franziskanessen aus Münster. 

Groschowitz, 2 028 Einw. (Kreis Oppeln, Reg.-Bez. Oppeln). 

Krankenhaus. 1S93 errichtet. Wartepersonal: 4 Franziskanessen aus Münster. 1898 
wurden 100 Kranke verpflegt. 

Gross-Baudiss, 574 Einw. (Landkreis Liegnitz, Beg.-Bez. Liegnitz). 

Wasserleitung vorhanden. 

Kreis-Krankenhaus. 1896 errichtet. Wartepersonal: 1 Diakonissin aus Frankenstein. 
20 Betten. 

Gross-Biesnitz, 303 Einw. (Landkreis Görlitz, Reg.-Bez. Liegnitz). 

Naturheilanstalt des Gutsbesitzers Struhl. Wasserheil- und Terrainkur-Anstalt. 3. Juli 
1S99 konzessionirt. Arzt: Dr. Benno. 16 Zimmer mit je 1 oder 2 Betten. 

Gross-Kammin, 714 Einw. (Landkreis Landsberg, Reg.-Bez. Frankfurt). 
Siechenhaus. Eigenthümer: Graf zu Stolberg. 10 Betten. 

Gross-Krebs, 1 155 Einw. (Kreis Marienwerder, Reg.-Bez. Marienwerder). 

Siechenhaus. 1897 eröffnet. Wartepersonal: 1 Diakonisse aus Danzig. 25 Betten. 
1898 wurden 14 m., 13 w. Sieche verpflegt. 

Gross-Reken, 2 265 Einw. (Kreis Borken, Reg.-Bez. Münster). 

St. Lndgerus- Hospital. Gegründet 1890 von der kirchlichen Gemeinde. Aerzte: 
Dr. Wichmann in Velen und Dr. Holthausen in Lembeck. Wartepersonal: 4 barmherzige 
Schwestern aus Münster. 7 Betten. Verpflegungspreis: 0,so M täglich- 1899 wurden 29 m., 
10 w. Kranke durchschnittlich 48 Tage verpflegt. Ausgaben 1899 betrugen 1 998,4 6 M, die Ein- 
nahmen 2 062,80 M. 

Gross-Salze, 5 903 Einw. (Kreis Kalbe, Reg.-Bez. Magdeburg). 

Centrale Wasserleitung vorhanden. 

Städtisches Krankenhaus. 1S53 und 1864 eingerichtet. Vorstand: Kommerzienrath 
Otto Allendorf und Armenpfleger Schuhmachermeister List. Arzt: Sanitätsrath Dr. Kirchhain. 
Wartepersonal: 1 Krankenwärterin. 6 Betten. Verpflegungspreis täglich: 1,75 bezw. 1,50 M 
im Winter, l,so bezw. 1.2.=, M im Sommer. 1899 wurden 9 m., 5 w. Kranke durchschnittlich 
15 bezw. 38 Tage verpflegt, 3 m., 1 w. sind gestorben. Ausgaben 1899: 543.26 51. die Einnahmen 
betrugen 542,21 M Verpflegungsgeld, 26.53 M Zuschuss der Stadt und 17.2s M aus sonstigen 
Quellen. 

Privat-Heilanstalt von Dr. Fricke. 15. Mai 189S eröffnet. 6 Betten. 



Königreich Preussen. — 201 — Gross-Stein— Grottkau. 

Gross-Stein, 884 Einw. (Kreis Gross-Strehlitz, Reg. -Bez. Oppeln). 

St. Hyaeinth ■ Stift. 1895 als Krankenanstalt vom Grafen v. Strachwitz gestiftet. 
Die Anstalt besitzt seit 1896 Rechtsfähigkeit. Eigenthümer: Die Krankenschwestern Mägde 
Maria. Arzt: Dr. Korbseh in Krappitz. Wartepersonal: 4 barmherzige Schwestern aus dem 
St. Marienstift zn Poreniba. S Betten. Verpflegungspreis: 1, 0,60 und 0,40 M täglich. 
1S99 wurden 23 m., 17 w. Kranke durchschnittlich 25 Tage verpflegt. 

Gross-Strehlitz, 5 480 Einw. (Kreis Gross-Strehlitz, Keg.-Bez. Oppeln). 

Städtischer Schlachthof vorhanden. 

Lazaret der Königl. Strafanstalt. Eigenthümer: Fiskus (Ministerium des Innern). 
Belegfähigkeit: 526 Männer. Hafträume: 43:2 Einzelzellen ausschl. Strafzellen, 94 Schlaf- 
zellen, 8 gemeinsame Arbeitsräume von 440 qm Gesammtgrösse. Arzt: Sanitätsrath Dr. Graetzer, 
Kreisphysikus. Krankenräume: 11 von 191 qm Gesammtgrösse. Krankenzahl 1898: 
151 Männer. 

Städtisches Krankenhaus. Arzt: Kreisphysikus Sanitätsrath Dr. Graetzer. 16 Betten, 
1S99 wurden 54 m., 23 w. Kranke durchschnittlich 23 Tage verpflegt, 4 m., sind gestorben. 
Ausgaben und Einnahmen 1899 betrugen 2 705,72 M, letztere setzten sich zusammen aus 1 638,44 M 
Verpflegungsgeld, 625,53 M Zuschuss der Stadt und 441,75 M aus sonstigen Quellen. 

Gross-Strzelcze, 342 Einw. (Kreis Gostyn, Eeg.-Bez. Posen). 

Krankenanstalt der barmherzigen Brüder „Marysin". Eröffnet 15. Okt. 1895, von 
M. Zoltowski aus Godurowo gestiftet. Eigenthümer: Konvent der barmherzigen Brüder in 
Breslau. Arzt: Dr. Granatkiewiez. 1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 14 barnih. Brüder aus 
Breslau. 55 Betten. Verpflegungspreis: 3 und 1,25 M täglich. 1899 wurden 479 m. Kranke 
durchschnittlieh 35 Tage verpflegt, 27 m. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 2 Männer zur 
Reinigung von Ungeziefer und 8 an Krätze leidende Männer. Ausgaben und Einnahmen 1899 
betrugen 30135,23 M, letztere setzten sich zusammen aus9 092,oG M Verpflegungsgeld, 1 368 M 
für verkaufte Produkte, 1000 M Zuschuss des Kreises, 130 M der Stadt, 16 240,14 M Legaten, 
Geschenken und Kollekten und 2 305,03 M aus sonstigen Quellen. 

Gross-Wartenberg, 2 355 Einw. (Kreis Gross-Wartenberg, Beg.-Bez. Breslau). 

Wasserleitung vorhanden. 

Städtisches und Kreis-Krankenhaus. (Der Kreis hat einen Theil für die Kreiskranken 
gemiethet.) Eigenthümer: Selbständige Stiftung: Hospital ad Sanetuni Nicolaum, von welchem 
die Stadt Krankenräume gemiethet hat. Vorstand: Magistrat. Arzt: Kreisphysikus Dr. Furch. 
1 Assistenzarzt. Wartepersonal: 1 ausgebildete Krankenwärterin. 28 Betten, darunter 6 für 
Kinder. Verpflegungspreis und Kurkosten ausschl. Arznei 0,r,o M täglich. 1898 wurden 
83 m., 39 w. Kranke durchschnittlich 46,5 bezw. 69 Tage verpflegt, 2 m., 4 w. sind gestorben. 
Ausserdem verpflegt 6 Altersschwache. Ausgaben 1898: ordentliche 4 139, s 4 M, ausserordentliche 
219,18 M. Die Einnahmen 189S betrugen 4613.27M und setzten sich zusammen aus 3398,58 M 
Verpflegungsgeld, ISO M Kapitalszinsen, 800 M Zuschuss des Kreises und 234,6 9 M der Stadt. 

Grottkau, 4 321 Einw., 5 Aerzte, 1 Zahnarzt, 3 Hebammen, 1 Apotheke (Kreis Grottkau, 

Eeg.-Bez. Oppeln). 

Die Wasserversorgung geschieht durch Tiefbrunnen. Dieselben sind bis zum Grunde 
ausgemauert und mit gut schliessenden Steinplatten oder starken Holzplatten zugelegt. — Das 
Schlachthaus ist 1SS7/S8 von der hiesigen Fleischer-Innung erbaut. Dasselbe liegt im 
Süden der Stadt. Das Wasser kommt aus einem Tiefbrunnen, welches durch ein Pumpwerk 
in das Schlachthaus geleitet wird. Anlagekosten 50 500 M. — Die Wirthschafts-, Spül- und 
Regenwässer werden in die Kanalisation geleitet. Die Kanäle, welche 1878 angelegt 
wurden, münden in das Leuppuscher- und Zülzhofer Wasser. — Die Latrinen sind über 
zementirten Senkgruben angelegt und werden nur Nachts entleert. — Ein städtischer Des- 
infektionsapparat ist auf dem Bauhofe aufgestellt, welcher aus einem Dampfkessel, über 
dem ein Fass mit durchgebrochenem Boden aufgestellt ist, besteht. — Das Kreis-Krankenhaus 
besitzt einen Apparat von Schäffer & Walcker. — Eine Badeanstalt mit Wannenbädern. — 
Bau-Polizei-Ordnung vom 23. Juni 1885. 

Garnisonlazaret. 1851 erbaut und im August 1853 bezogen. Es liegt im südlichen 
Theile der Stadt am Ende der Bischofstrasse. Vorstand: Assistenzarzt Staffhorst. Warte- 
personal: 3 Sanitätsmannsehaften, 1 Hilfswärter. 14 Betten. 1898 wurden 41 Kranke durch- 
schnittlich 15 Tage verpflegt. Henneberg'scher Desinfektor T I — LU (1890) für die Garnison. 
Wasserversorgung: Tiefbrunnen. Anschluss an die städtische Kanalisation. 



Grünberg i. Schi. — Grunewald. — 202 — Königreich Preussen. 

Kreis - Krankenhans. Am 1. April 1S62 errichtet. Arzt: Dr. Wiedemann. Warte- 
personal: 5 Borromäerinnen aus Trebnitz. 70 Betten. Verpflegungspreis: 0,50 — 3 M täglich. 
1899 wurden 751 (428 m., 323 w.) Kranke durchschnittlich 15 Tage verpflegt, 10 m., 9 w. sind 
gestorben. Ausgaben 1S99: 15 991 M. Die Einnahmen betrugen 16 470 M und setzten sich 
zusammen aus 10 842 M Verpflegungsgeld, 5 628 11 Zuschuss des Kreises und 4 M aus sonstigen 
Quellen. 

Augusta-Haus für Sieche. 18% errichtet. 14 Betten. Wartepersonal: 4 Borro- 
mäerinnen aus Trebnitz. 

Grünberg i. Schi., 18 529 Einw. (Kreis Grünberg, Eeg.-Bez. Liegnitz). 

Quellwasserleitung seit 1896 im Betrieb. — Städtischer Schlachthof vorhanden. — 
Aerztliche Leichenschau eingeführt. 

Städtisches Krankenhaus. 1815—1820 von der Stadt errichtet und 1867/68 erweitert. 
Arzt: Kreisphysikus Dr. Erbkam. Wartepersonal: 3 Diakonissen aus Kraschnitz, 1 aus- 
gebildeter Krankenwärter und 1 Gehilfin. 50 Betten, darunter 8 für Kinder. 1898 wurden 
142 m., 78 w. Kranke durchschnittlich 24,2 Tage verpflegt, 20 m., 15 w. sind gestorben. 
Ausserdem verpflegt: 16 Altersschwache. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 15 506,ss M, 
letztere setzten sich zusammen aus 7 130,7 2 M Verpflegungsgeld und 8 376, i 6 M Zuschuss 
der Stadt. 

Privat-Heilanstalt von Dr. Schirm er. 

Grünewald bei Wittlich (Kreis Wittlich, Reg.-Bez. Trier). 

Lungenheilstätte der neun nördlichen Kreise des Regierungs-Bezirks Trier. 1900 im Bau. 

Grünheide i./Mark bei Berlin, 157 Einw. (Kreis Niederbarnim, Reg.-Bez. Potsdam). 

Sanatorium von Sanitätsrath Dr. Ulrich — Berlin. 50 Betten. Verpflegungs- 
preis: 4 — 5 M täglich. 

Grünhof, 272 Einw. (Kreis Regenwalde, Reg.-Bez. Stettin). 

Krankenhaus des St. Aloysiusstifts. 1857 vom verstorbenen Präsidenten v. Beckedorff 
errichtet. Eigenthümer: Fürstbischöflicher Stuhl zu Breslau. Arzt: Dr. Arndt in Regen- 
walde. Wartepersonal: 3 Borromäerinnen aus Trebnitz. 15 Betten. Verpflegungspreis: 
2, l,2o und 0,«o M täglich und unentgeltlich. 1899 wurden 6 m., S w. Kranke durchschnittlich 
131 Tage verpflegt, 1 m. ist gestorben. Ausserdem verpflegt 2 Sieche und Krüppel. Die Ein- 
nahmen 1899 betrugen 603, 10 M Verpflegungsgeld. 

Grünau, 820 Einw. (Kreis Frankenstein, Reg.-Bez. Breslau). 

Mariannenhaus zur Kranken- und Siechenpflege. 12. Juli 1S83 gestiftet von Prinz 
Albrecht von Preussen (Eigenthümer). Vorstand: Der evangelische Gemeinde-Kirchenrath. 
Arzt: Dr. Habel (Kamenz). Wartepersonal: 4 Diakonissen und 1 Krankenwärter. 34 Betten: 
darunter 4 für Kinder. Verpflegungspreis: 2 M und weniger täglich, auch unentgeltlich. 

Grundschöttel, 1 385 Einw. (Landkreis Hagen i. W., Reg.-Bez. Arnsberg). 

Bethanien, Kranken- und Alterspflegehaus. Am 7. Aug. 1882 gegründet durch den 
evangelischen Pfarrer Franz Arudt in Volmarstein. Leitende Aerzte: Drs. Espe und Breiten- 
bach in Volmarstein. Wartepersonal: 1 Diakon, 5 Diakonissen aus Sarepta b. Bielefeld. 
100 Betten: 60 f. M., 40 f. Fr. Verpflegungspreis bis 1,50 M täglich. 1899 wurden 102 m., 
47 w. Kranke und Altersschwache verpflegt, 10 m., 5 w. sind gestorben. Ausgaben und Ein- 
nahmen 1899 betrugen 26 400 M und setzten sich zusammen aus 25 200 M Verpflegungsgeld, 
200 M Zuschuss des Kreises. 

Grunewald bei Berlin, 2 650 Einw. (Kreis Teltow, Reg.-Bez. Potsdam). 

Wasserversorgung durch die Charlottenburger Wasserwerke (Aktien-Gesellschaft). 

Sanatorium Grunewald, zur Erholung für Nervenleidende und Rekonvaleszenten (Hagen- 
strasse 43). 1. April 1895 von Dr. Cron eröffnet. Arzt: Dr. Chrysander. 56 Betten. Ver- 
pflegungspreis: 7,50 M und mehr täglich. 

Sanatorium Quisisana, für Erholungsbedürftige und Rekonvaleszenten (Winklerstr. 24). 
Eigenthümer: Dr. Georg Lazarus. Arzt: Dr. Siemsen. 15 Betten. 



Königreich Preussen. — 203 — Guben, Gütergotz. 

Guben, 31 182 Einw. (Stadtkreis Guben, Reg.-Bez. Frankfurt). 

Neue Wasserleitung 1897 in Betrieb gesetzt. — Städtischer Schlachthof mit Kühl- 
haus ohne Freibank vorhanden. — Kanalisation geplant. 

Städtisches Krankenhans nebst Baracke. 1866 erbaut. Anbau geplant. Aerzte: 
Kreisphysikus Dr. .lungmann und Dr. Zühlke. Wartepersonal: 1 Schwester und 2 (1 m. 1 w.) 
ausgebildete Krankenwärter. 70 Betten. Verpflegungspreis: für hiesige Einwohner und 
Krankenkassen-Mitglieder 1,50 M, für fremde Krankenkassen 2 M, für Behörden und auswärtige 
Personen 2,25 M, für besonderes Zimmer 0,50 II Aufschlag, für Landarme und Armenverbände 

1 M täglich inkl. 20 Pf. für Arznei. 1899 wurden 244 m., 160 w. Kranke durchschnittlich 
26 Tage verpflegt, 30 m., 19 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt 12 Pfründner. Ausgaben 
und Einnahmen 1899 betrugen 20 243 M, letztere setzten sich zusammen aus 10 946 M Ver- 
pflegungsgeld, 56 M für verkaufte Produkte, 7 263 M Zuschuss der Stadt, 1 905 M Dienstboten- 
Abonnement und 73 M für Desinfektionen. 

Naemi Wilke-Stift, Diakonissenanstalt nebst Kinderbewahranstalt. 15. Juli 1878 durch 
Geh. Kommerzienrath Friedrich Wilke errichtet. 50 idioten Pflegekinder sind seit 1899 in 
einem besonderen neuerbanten Hause untergebracht. Eigenthümer: Evangelisch - lutherische 
Kirche in Preussen. Die Anstalt besitzt Rechtsfähigkeit. Vorstand: Pastor Biehler. Aerzte: 
Dr. Ayres, Dr. Schultze, Augenarzt. Wartepersonal: 10 Diakonissen und 1 ausgebildeter 
Krankenwärter. 83 Betten, darunter 61 f. Kinder. Verpflegungspreis: 4,50 M, 2 — 3 M, 
1,50 M, für Kinder 0,30— 0,«o M täglich. 1898 wurden 90 m., 146 w. Kranke durchschnittlicb 
92 Tage verpflegt, 11 m., 10 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1898 betrugen 
26 931 M, letztere setzten sich zusammen aus 21 711 M Verpflegungsgeld, 1 182 M der Sparkasse, 

2 176 M Kapitalszinsen, 232 M aus der Kinderbewahranstalt, 122 M Dienstboten-Abonnement, 
45S M Legaten, Geschenken und Kollekten und 1 050 M aus sonstigen Quellen. 

Taubstummen-Anstalt. Internat, Erternat. Die Anstalt wird vom Provinzial- Verbände 
unterhalten. Direktor: Kopka. 9 Lehrer, 2 Lehrerinnen. 86 Schüler. Schulgeld bezw. Kost- 
geld jährlich: 72 bezw. 200 M, siehe auch W'riezen. 

Gütergotz bei Drewitz-Potsdam, 440 Einw. (Kreis Teltow, Reg.-Bez. Potsdam). 

Sanatorium der Invaliditiits- und Alters-Versicherangs- Anstalt Berlin. Hier werden 
nur männliche Kranke in Behandlung genommen, bei denen eine länger dauernde Wieder- 
herstellung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten ist. Die Aufnahme geschieht auf Antrag des Ver- 
sicherten oder seines Arztes an den Vorstand der Anstalt. Dieser lässt ihn durch den dirigirenden 
Arzt des Sanatoriums Dr. Pielicke in Berlin untersuchen und ordnet bei günstigem Ausfalle der 
Untersuchung die Ueberführung in das Sanatorium an. Die Aufnahme und die Verpflegung dort 
erfolgen kostenlos für den Versicherten; im Bedarfsfalle, d. h. wenn derselbe keine gesetzliche 
Krankenunterstützung mehr beziehen sollte, wird sogar eine Familienunterstützung im Betrage 
von 5—10 M für die Woche gewährt. Die Behandlung in Gütergotz wird bis zur Herstellung 
der Erwerbsfähigkeit des Versicherten fortgesetzt; ist diese auf Grund der klinischen Beobachtung 
nicht mehr möglich, so wird der Patient aus der Anstalt entlassen mit der Empfehlung, das 
Eentenverfahren nunmehr einzuleiten. Lungenkranke sind von der Aufnahme ausgeschlossen; 
^•' werden der Heilanstalt des rothen Kreuzes, Grabowsee bei Oranienburg (nur Männer), und 
der Heilanstalt von Dr. Weicker in Görbersdorf überwiesen, in letzter Zeit auch den Anstalten 
in Loslau und Audreasberg. Kranke, deren Fürsorge nicht der Versicherungs-Anstalt Berlin 
obliegt, also Versicherte anderer Versicherungs-Anstalten, der Berufs-Genossenschaften oder der 
Eisenbahn-Krankenkassen finden unter Umständen gegen eine Entschädigung von 3 M für den 
Verpflegungstag ebenfalls Aufnahme in Gütergotz. 

Das Sanatorium Gütergotz bietet im Winter Raum für 62, im Sommer durch Aufstellung 
von drei Dock er' sehen Baracken und Belegung zweier Tagesräume für 94 Pfleglinge und ist mit 
allen modernen therapeutischen Hilfsmitteln, auch Zander'schen Apparaten, ausgerüstet. Bisher 
haben etwa 1 200 Versicherte dort ärztliche Behandlung und Verpflegung genossen; die Kosten 
für die Verpflegung betrugen einschliesslich Diät (1, v 5 — 1,20 M), Miethe, Gehälter, Kleidung, 
Wäsche, Familienunterstützung u. s. w. durchschnittlich 3,go — 3,80 M für den Verpflegungstag. 
Das Krankenmaterial besteht hauptsächlich aus Kranken, die an heilbaren chronischen Krank- 
heiten leiden, z. B. chronischem Gelenkrheumatismus, chronischen Magen-Geschwüren, und 
-Katarrhen, gutartigen Nervenleiden (Neuralgien und Neurasthenien) u. s. w., — und die vielfach 
bei fehlender oder ungenügender ärztlicher Behandlung in Invalidität und Siechthum zu gerathen 
pflegen. Die Erfolge der Gütergotzer Anstalt sind bisher zufriedenstellende, auch in pekuniärer 
Beziehung gewesen, so dass man jetzt mit einer Vergrösserung und einem Neubau derselben 
begonnen hat. Das neue Sanatorium wird in Be elitz errichtet, siehe S. 22. — Die Stadt Berlin 
eröffnet hier nach Ablauf des Pachtvertrages am 1. April 1902 eine städtische Heimstätte 
für brustkranke Männer. 



Gütersloh — Gumbinnen. — 204 — Königreich Preussen. 

Gütersloh, 6 678 Einw. (Kreis TViedenbrüct, Eeg.-Bez. Minden). 

Wasserleitung mit Enteisenungs verfahren vorhanden. 

St. Elisabeth-Hospital. Am 26. Sept. 1894 vom katholischen Kirchenvorstand eröffnet. 
Arzt: Sanitätsrath Dr. Schlüter. Wartepersonal: 5 Franziskanerinnen aus Olpe, 1 Kranken- 
wärter. 26 Betten. Verpflegungspreis: 1 M, für Arme 0,so M täglich. 1S99 wurden 58 m., 
38 w. Kranke durchschnittlich 61 Tage verpflegt, 6 m., G w. sind gestorben. Ausgaben 1S99: 
3 646 M. Die Einnahmen betrugen 5 09S M und setzten sich zusammen aus 3 620 M Ver- 
pflegungsgeld, 54 M Kapitalszinsen nnd 1 405 M Geschenken. 

Krankenhaus, „Barth'sehe Stiftung". 1860 von Heinrich Barth gestiftet. Arzt: 
Sanitätsrath Dr. Schlüter. Wartepersonal: 3 Diakonissen aus Sarepta b. Bielefeld, 1 aus- 
gebildeter Krankenwärter. 48 Betten. Verpflegungspreis: 3 M, 2 und 1,25 M täglich. 
1899 wurden 164 m., 7S w. Kranke verpflegt, 6 m., 10 w. sind gestorben. 

Guhrau, 4 807 Einw. (Kreis Guhran, Eeg.-Bez. Breslau). 

Städtisches Schlachthaus vorhanden. 

Kreis-Krankenhans. 6. Jan. 1874 eröffnet. Eigenthümer: Kreis, ausschliesslich der 
Städte. Arzt: Kreisphysikus Sanitätsrath Dr. Nauwerek. Wartepersonal: 4 Diakonissen 
aus Bethanien - Breslau, 1 Krankenwärter. 58 Betten. Verpflegungspreis: 1 M täglich. 
1899 wurden 746 (368 m., 37S w.) Kranke durchschnittlich IS Tage verpflegt, 20 m., 15 w. sind 
gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1899 betrugen 15 400 M, letztere setzten sich zusammen 
aus 102 M Verpflegungsgeld, 1 116 M Kapitalsztnsen und 14 182 M Zuschuss des Kreises. 

Städtische Armen - Krankenanstalt. 4. April 1S25 errichtet. Arzt: Dr. Maske. 
Wartepersonal: 2 Diakonissen aus Bethanien zu Breslau. 18 Betten. 189S wurden 72 m., 
4S w. Kranke durchschnittlich 15 bezw. 39 Tage verpflegt, 4 w. sind gestorben. Ausgaben und 
Einnahmen 1S98 betrugen 3 490,61 M, letztere setzten sich zusammen aus 1151,75 51 Ver- 
pflegungsgeld, 309,96 M Kapitalszinsen, 2 00S,9o M Zuschuss der Stadt und 20 M aus sonstigen 
Quellen. 

Kreis-Siechenhans (Landrath v. Gossler-Stiftung). 21 Betten. Eigenthümer: Kreis- 
Kommunalverband. 

Hospital ad St. Xieolanm. Milde Stiftung unter Aufsicht des Magistrats. 20 Betten 

Kranken - Pflegeanstalt in der Waisenanstalt. 1872 errichtet. Wartepersonal: 
10 graue Schwestern aus Breslau. 

Gumbinnen, 13 799 Einw.. 18 Aerzte, 1 Zahnarzt, 13 Hebammen, 2 Apotheken (Kreis 
Gumbinnen, Eeg.-Bez. Gumbinnen). 

Wassserleitung ist im Dezember 1S97 eröffnet. System: Quellwasser durch eiserne 
Bohren 8 km weit nach der Stadt geleitet. Natürlicher Druck. Enteisenungsanlagen. Leistung 
1898: 57 219 cbm. Anlagekosten 400 000 M. — Städtischer Schlachthof seit 1882. Anlage- 
kosten einschliesslich der Erweiterungsbauten im Jahre 1897 und 1899: 120000 M. 189S wurden 
geschlachtet: 2 008 Kinder, 6 476 Schweine, 1 791 Kälber, 4 723 Schafe und 21 Ziegen, zusammen 
15 019 Schlachtthiere. — Fast ausschliesslich oberirdische Entwässerung, einzelne überdeckte 
Kanäle. Kanalisation geplant. Abfuhr: Meist Senkgruben, stellenweise Tonnensystem. — 
Im Militärlazaret eine Desinfektionsanstalt: in jedem der beiden Zivilkrankenhäuser ein 
Desinfektionsapparat. — Oeffentliche Badeanstalten: 3 Flussbadeanstalten; 1 Dampf- 
badeanstalt, seit 3 Jahren im Betrieb, mit römischen und irischen Badeeinrichtungen. — Bau- 
Polizei-Ordnung vom 2. Dez. 1893. 

Garnisonlazaret. 1891/92 erbaut und am 16. Okt. 1892 bezogen. Es liegt im Osten 
der Stadt in der Gemarkung Xorutschatsehen. zwischen der Stallupöner-PiUkaller Chaussee 
nach dem Dorfe Springen. Vorstand: Oberstabsarzt I. Kl. Dr. Wernicke. Wartepersonal: 
6 ausgebildete Krankenwärter. 99 Betten. 1898 wurden S70 Kranke durchschnittlich 25 Tage 
verpflegt, 3 sind gestorben. — Gasbeleuchtung. Ventilationssystem: Luftschächte in Ver- 
bindung mit der Heizung. Ziegelöfen mit Eisenmantel. Budenberg" scher Desinfektions- 
apparat für die gesammte Garnison. Wasserversorgung durch Wasserleitung. Latrinen: 
Tonnensystem. Gebrauehs\vä ; ser werden unterirdisch nach dem Pissafluss abgeleitet. 

Kreis -Krankenhaus. Vom Kreise erbaut und im Oktober 1S96 eröffnet. Vorstand: 
Kreisausschnss. Arzt: Dr. Kegge. Wartepersonal: 3 Diakonissen aus Königsberg, 1 Kranken- 
wärter. 62 Betten. 1899 wurden 327 (152 m.. 68 w., 107 Kinder) Kranke durchschnittlich 
32 Tage verpflegt, 24 sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1899 betrugen 14 527 M. letztere 
setzten sich zusammen aus 10 577 M Verpflegungsgeld und 3 950 M Zuschuss des Kreises. 



Königreich Preussen. — 205 — Gummersbach — Guttstadt. 

Städtisches Krankenhaus. 1860 von der Stadt errichtet. Arzt: Dr. Kehler. Warte- 
personal: 2 Diakonissen aus Königsberg uud 1 Wärter. 48 Betten. Verpflegungspreis: für 
Einheimische 0,90 31. für Auswärtige l.io II. für Arme 1 M täglich ohne Arznei. 1899 wurden 
145 m., 93 w. Kranke durchschnittlich 32 Tage verpflegt, 13 m.. 3 w. sind gestorben. Ausgaben 
und Einnahmen 1899 betrugen 7 618 M, letztere setzten sich zusammen aus 4 13^ M Ver- 
pflegungsgeld. 23 31 für verkaufte Produkte. 3 413 31 Zuschuss der Stadt und 14 31 aus 
sonstigen Quellen. 

Provinzial-Hebammen-Lehranstalt. 1790 vom Staate errichtet. Eigenthümer: Provinz 
Ostpreussen. Direktor und Arzt: Regierungs- und Medizinalrath Dr. Döpner. 1 Assistenzarzt. 
Wartepersonal: 1 Oberhebamme. Durchschnittlich 38 Betten für Schwangere. Wöchnerinnen, 
Lehrtöchter und 6 für Neugeborene. Verpflegungspreis: 0,75 31 täglich, für Neugeborene 
unentgeltlich. 1S98 wurden 52 Wöchnerinnen verpflegt, davon 49 entbunden. Ausserdem ver- 
pflegt: 20 Lehrtöchter, von denen 4 ausserhalb der Anstalt wohnen. Unterhaltungskosten 
rund 1 1 300 31. 

Salzburger Hospital. Im Jahre 1740 vom Könige Friedrich Wilhelm I. für brest- 
hafte (gebrechliche) Salzburger errichtet. Die Verwaltung führt der Magistrat. 120 Betten. 

Bürgerhospital. Von der Bürgerschaft im Jahre 1783 errichtet. 50 Betten. 

Gummersbach, 11086Einw. (Kreis Gummersbach, Keg.-Bez. Köln). 

Städtisches Krankenhaus. 21. 3Iärz 1S82 durch Rentnerin Emilie Marder gestiftet, 
8. Nov. 1884 eröffnet. Erweiterungsbau am 25. Okt. 1899 bezogen. Behandelnde Aerzte: 
Dr. Eickhoff und Dr. Nohl. Wartepersonal: 3 Diakonissen aus Kaiserswerth und 1 Kranken- 
wärter. 50 Betten. Verpflegungspreis: 3 und l,so M täglich. 1898 wurden 114 in., 73 w. 
Kranke durchschnittlich 38 Tage verpflegt, 6 m., 3 w. sind gestorben. Ausserdem verpflegt: 
4 Altersschwache und 10 m., 10 w. an Krätze leidende Personen. Die Einnahmen 1898 betrugen 
9309,63 M und setzten sich zusammen aus 9 189,66 31 Verpflegungsgeld und 119,97 31 Kapitalszinsen. 

Gustorf, 1512 Einw. (Kreis Grevenbroich, Keg.-Bez. Düsseldorf). 

St. Josephs-Hospital. 1884 von Franz Joseph Sinsteden gestiftet. Eigenthümer: 
Katholischer Kirchenvorstand. Arzt: Dr. Bremer. Wartepersonal: 4 barmherzige Schwestern 
vom St. Josephs-Kloster in Neuss. 2> Betten. Verpflegungspreis: 1,50 M täglich. 189S 
wurden 14 m., 20 w. Kranke durchschnittlich 238,8 Tage verpflegt, 2 m., 1 w. sind gestorben. 
Ausserdem verpflegt: 2 Pfründner und 9 Altersschwache. Ausgaben und Einnahmen 1898 
betrugen 4 665 M, letztere setzten sich zusammen aus 2 165 M Verpflegungsgeld und 2 500 31 
Kapitalszinsen. 

Guttentag. 2 429 Einw. (Kreis Lublinitz, Keg.-Bez. Oppeln). 

Königin-Karola-Stiit. 1893 von der Stadt unter Beihilfe Ihrer 3Iajestät der Königin 
von Sachsen errichtet. Vorstand: Magistrat. Arzt: Dr. Wasserziehr. Wartepersonal: 

4 graue Schwestern aus Breslau. 18 Betten. 1899 wurden 93 m.. 37 w. Kranke durchschnittlich 
24 Tage verpflegt, 9 m., 9 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1899 betrugen 1 710 M, 
letztere setzten sich zusammen aus 875 M Verpflegungsgeld und 835 M Zuschuss der Stadt. 

Guttstadt, 4 571 Einw. (Kreis Heilsberg, Eeg.-Bez. Königsberg). 

Städtischer Schlachthof vorhanden. 

Städtisches Krankenhaus. 1*74 neu erbaut. Arzt: Dr. Perk. Wartepersonal: 
2 Schwestern aus dem Katharinenkonvent zu Braunsberg und 1 m., 1 w. Krankenwärter. Das 
Krankenwärterpersonal nebst den Schwestern besorgt gleichzeitig auch die Oekonomie im 
besondem Hospitale und im Josephus-Stift (beides milde Stiftungen). 12 Betten. Ve-r- 
pflegungspreis: 0,50 und 0,eo 31 täglich. 1899 wurden 17 m., 10 w. Kranke verpflegt, 5 m., 
1 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1899 betrugen 2 216 31. letztere setzten sich 
zusammen aus 204 M Verpflegungsgeld und 1 679 M Zuschuss der Stadt. 

St. Josephs-Krankenhaus, Krankenanstalt des Domkapitels. 0. Lange'sche Stiftung. 
3Vartepersonal: 4 Katharinerinnen aus Braunsberg. 50 Betten. Verpflegungspreis: l,so 
und 0,60 M täglich. 1899 wurden 154 m., 93 w. Kranke durchschnittlich 27 Tage verpflegt, 5 m., 

5 w. sind gestorben. 

Hospital. (Milde Stiftung). Gemeinschaftliche Oekonomie mit dem St. Josephs- 
Krankenhause. 

Heüstätte für Lungenkranke, von der Provinz Ostpreussen geplant. 



Gymnich — Hadersleben. — 206 — Königreich Preussen. 

Gymnich, 1 883 Einw. (Kreis Euskirchen, Keg.-Bez. Köln). 

Krankenhans. 16. März 1859 von dem Reichsgrafen Max Felix v. Wolff-Metternieh 
gestiftet. Eigenthümer: Graf Dietrich v. WolfT-Metternich. Arzt : Dr. Kalscheur. Warte- 
personal: 5 arme Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach. IS Betten. Verpflegungspreis: 
0,50 bis 0,so M täglich. 1899 wurden 1 Siecher, 7 Altersschwache, und 2 Pfründner verpflegt. 

Haaren, 1 227 Einw. (Kreis Büren, Keg.-Bez. Minden). 

Emma Kose - Stiftung. 189G vom Kaufmann Julius Kose in Köln gestiftet. Arzt: 
Dr. Menke in Nordborchen. Wartepersonal: 4 Franziskanerinnen aus Salzkotten. S Betten. 
Verpflegungspreis: 0,75 M täglich. 1S99 wurden 9 m., 5 w. Kranke durchschnittlich 16 Tage 
verpflegt, 1 w. ist gestorben. Die Ausgaben und Einnahmen 1899 betrugen 610 M, letztere 
setzten sich zusammen aus 360 M Verpflegungsgeld, 100 M Zuschuss der Gemeinde und 1 51 1 M 
Gesehenken. 

Habelschwerdt, 5 748 Einw. (Kreis Habelschwerdt, Reg. -Bez. Breslau). 

Hochquellenleitung 1893 errichtet. 

Kranken-, Armen- und Arbeitsanstalt „Maria -Hilf". 1S57 durch milde Beiträge 
gestiftet, 1895 erweitert; besitzt seit 1866 Rechtsfähigkeit. Vorstand: Kuratorium. Leitender 
Arzt: Dr. Ludwig. Wartepersonal: 12 Franziskanessen aus Münster. 103 Betten, darunter 
6 für Kinder. Verpflegungspreis: 3, 2, 1,50 bis 0,so M täglich. 1899 wurden 413 (210 m., 
203 w.) Kranke durchschnittlich 58 bezw. 88 Tage verpflegt, 35 m., 42 w. sind gestorben. 
Ausserdem verpflegt: 5 Pfründner. 24 Alterssehwache. 25 Sieche und Krüppel. Ausgaben 1899: 
20 812,io M. Die Einnahmen betrugen 21 058,4 5 M und setzten sich zusammen aus 18 21 2,- o M 
Verpflegungsgeld, 446.50 M für verkaufte Produkte, 4 376,20 M Kapitalszinsen und 200 M 
Legaten. Geschenken. 

Bürger -Hospital. 1861 errichtet, hat Rechtsfähigkeit. Wartepersonal: 5 Franziska- 
nessen aus Münster. 24 Betten. 

Hachenburg, 1 527 Einw. (Kreis Oberwesterwald, Keg.-Bez. Wiesbaden). 

Krankenhaus Helenenstift. Von Frau Gräfin v. Hachenburg (Schloss Friedewald) 
gestiftet. Eigenthümer: Wird nach Abtragung der Schulden der Kirchengemeinde zufallen. 
Behandelnde Aerzte: Dr. Veillan und Dr. Strohl. Wartepersonal: 5 barmherzige Schwestern 
aus Dernbach. 21 Betten. Verpflegungspreis: 3,50, 2,50, 1,25, 0,?o und 0,70 M täglich. 
1898 wurden 37 m.. 22 w. Kranke durchschnittlich ."'.2.4 Tage verpflegt. 4 m.. 4 w. sind gestorben. 
Ausserdem verpflegt: 1 Pfründner. Die Einnahmen 1S98 betrugen: 2 530 M und setzten sich 
zusammen aus 1 300 M Verpflegungsgeld, 600 M Zuschuss des Malteserordens und 630 M Legaten, 
Geschenken und Kollekten. 

Hadamar, 2 244 Einw. (Kreis Limburg, Reg. -Bez. Wiesbaden). 

Frauen -Hospital, in der Gensler'schen Stiftung 1856 errichtet. Arzt: Dr. Weyher. 
Wartepersonal: 5 barmherzige Schwestern, arme Dienstmägde Jesu Christi aus Dernbach. 
12 Betten. Verpflegungspreis: 0,so M täglich. 1899 wurden 18 Kranke verpflegt, S sind 
gestorben. 

St. Josephs -Anstalt für Epileptiker, Idioten, Altersschwache und Kranke. 1S90 
durch Peter Joseph Salzig neu erbaut und 1898 der Charitas-Vt-reinigung einverleibt, 
früher (1885) Eigenthum der Stadt. Arzt: Dr. Weyher. Wartepersonal: 11 barmherzige 
Brüder aus Montabaur. 76 Betten f. M. Verpflegungspreis: 3, 2, 1 M täglich. 1898 wurden 
66 Geisteskranke durchschnittlich 264 Tage verpflegt, 4 sind gestorben. Ausserdem verpflegt 
in der Abtheilung für Kranke und Altersschwache: 32 m. Personen durchschnittlich 150 Tage, 
6 sind gestorben. 

Hadersleben, 8 635 Einw., 8 Aerzte, 2 Zahnärzte, 6 Hebammen, 2 Apotheken (Kreis 

Hadersleben, Reg. -Bez. Schleswig). 

Wasserleitung 1900 fertiggestellt. — Kanalisation nach der Föhrde und dem Damm 
(grosser See bei der Stadt). — Aerztliche Leichenschau ist eingeführt. — Sowohl im 
städtischen wie im Kreis -Krankenhause ein Dampfdesinfektor. — Städtische Freibade- 
anstalt im Damm. — Bau-Polizei-Ordnung vom 8. Dez. 1893. 

Garnisonlazaret. 1S59 als Privathaus gebaut, seit 18. Sept. 1888 bezogen. Es liegt 
im Norden der Stadt, an der Strasse nach Christiansfeld. Vorstand: Stabsarzt Dr. Schubert. 
Wartepersonal: 2 ausgebildete Militär-Krankenwärter. 23 Betten. 1S98 wurden 112 Kranke 
durchschnittlich 25 Tage verpflegt. 



Königreich Preussen. — 207 — Haffen— Hagen. 

Kreis -Krankenhaus (Christine -Friederike -Stiftung). 17. Juni 1812 von Christine 
Friederike v. Holstein gestiftet. Eigenthumer: Kreis Hadersleben. Arzt: Kreis- 
physikus. Sanitätsrath Dr. Hasselmann. Warte personal: 8 Diakonissen aus Flensburg. 
60 Betten. Yerpflegungspreis: 2,50—4 M, l,5o — 2,so 11 und 1 AI täglieh. J898 wurden 471 m.. 
224 w. Kranke durchschnittlich 29 Tage verpflegt. 23 m., 16 w. sind gestorben. Ausserdem 
verpflegt: 5S m.. 17 w. Krätzkranke und 7 m. Personen zur Reinigung von Ungeziefer. Ausgaben 
und Einnahmen 189S betrugen 40546,06 M, letztere setzten sich zusammen aus 29 163.9 II 
Verpflegungsgeld und 11 382,16 51 Zuschuss des Kreises. 

Städtisches Krankenhaus. 1838 errichtet, am IG. Febr. 1896 als neues Krankenhaus 
eröffnet. Arzt: Dr. Meyer. Wartepersonal: 2 Diakonissen aus Flensburg und 1 m., 1 w. 
Krankenwärter. 26 Betten. Yerpflegungspreis: 2,50 und 1,50 51 täglich. 1899 wurden 
281 206 rr... 75 w.i Kranke durchschnittlich 23 Tage verpflegt, 15 sind gestorben. Ausserdem 
verpflegt : 24 m.. 3 w. Krätzkranke. Ausgaben und Einnahmen 1S99 betrugen 16 078 51. letztere 
setzten sich zusammen aus 11 601 M Verpflegungsgeld, 4 355 51 Zuschuss der Stadt und 122 51 
aus sonstigen Quellen. 

Haffen, Gemeinde Haffen-JIehr mit 2 089 Einw. (Kreis Eees, Eeg.-Bez. Düsseldorf). 

„Mariahilf". 10. Dez. 1863 vom Pfarrer Kruse gestiftet. Eigenthumer: Katholische 
Pfarrgemeinde. Arzt: Dr. Hesper in Bislich. Wartepersonal: 4 arme Dienstmägde Jesu 
Christi aus Dernbach. 7 Betten. 1899 wurden 4 m.: 5 w. Kranke durchschnittlich 29,3 Tage 
verpflegt. 1 w. ist gestorben. 

Hage in Ostfriesland, 868 Einw. (Kreis Xorden, Eeg.-Bez. Anrieh). 

Kreis -Krankenhans ., Helenenstift". Xovember 18^0 von Dr. phil. Ed. Fr. Petersen 
zu Berum gegründet, 1. April 18S2 eröffnet. Eigenthumer: Kreis Xorden. Arzt: Dr. Harms. 
Wartepersonal: 2 Diakonissen aus dem H enrie ttenstift in Hannover und 1 Krankenwärter. 
35 Betten. Verpflegungspreis: 3, 2 und 1 51 täglich. 1S99 wurden 166 m., 77 w. Kranke 
durchschnittlich 38 Tage verpflegt, 5 m., 5 w. sind gestorben. Ausgaben und Einnahmen 1899 
betrugen 12 000 51, letztere setzten sich zusammen aus 9 000 51 Yerpflegungsgeld, 35 51 Kapitals- 
zinsen, 500 51 Zuschuss der Landschaft, 1 500 51 des Kreises. 400 51 der Stadt Xorden, 465 M 
Legaten, Geschenken und 100 51 aus sonstigen Quellen. 

Hagen i. Westf., 41833 Einw. (Stadtkreis, Eeg.-Bez. Arnsberg). 

Wasserleitung seit Ende 1SS6, das Wasser wird dem Grundwasserstrome der Ruhr 
entnommen. — Städtischer Vieh- und Schlachthof vorhanden. — Einheitlicher Plan für die 
Kanalisation in Ausführung, ohne Anschluss der Aborte. 

Städtisches Krankenhans. 1. Mai 1860 von einer mit Rechtsfähigkeit ausgestatteten 
Gesellschaft errichtet. Vorstand: Kommerzienrath C. G. Schwemann. Leitender Arzt: 
Sanitätsrath Dr. Schaberg. 2 Assistenzärzte